[GAM:] Bolivien: Kampf für Demokratie ist Kampf für Revolution!

Dave Stock­ton, Info­mail 1113, 14. August 2020

Eine Wel­le von Streiks und Blo­cka­den, zu der der Gewerk­schafts­bund COB und ein Bünd­nis von Bau­ern-/Bäue­rin­nen- und indi­ge­nen Orga­ni­sa­tio­nen auf­ge­ru­fen hat­ten, hat Boli­vi­en lahm­ge­legt, nach­dem das Obers­te Wahl­ge­richt TSE die Abset­zung der für den 6. Sep­tem­ber geplan­ten Wah­len ange­kün­digt hat­te.

Unter­stützt wird die Bewe­gung von der Bewe­gung zum Sozia­lis­mus, MAS, der Par­tei des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Evo Mora­les, der letz­tes Jahr in einem blu­ti­gen Putsch gestürzt wur­de. Alar­miert durch Mei­nungs­um­fra­gen, die zei­gen, dass die MAS weit vor allen ande­ren Par­tei­en liegt, hat die regie­ren­de rech­te Koali­ti­on unter der Usur­pa­tor-Prä­si­den­tin Jea­ni­ne Áñez eine Kla­ge ein­ge­reicht, um den Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten der MAS, Luis Arce, zu dis­qua­li­fi­zie­ren.

Áñez kam im ver­gan­ge­nen Novem­ber in einem von den USA unter­stütz­ten Putsch an die Macht, nach­dem sie fälsch­li­cher­wei­se behaup­tet hat­te, Mora­les wür­de „die Wahl steh­len“. Poli­zei- und Armee­ein­hei­ten revol­tier­ten gegen die Regie­rung, grif­fen MAS-Anhän­ge­rIn­nen an und töte­ten sie und zwan­gen Mora­les ins argen­ti­ni­sche Exil. Trotz des Ver­spre­chens, inner­halb von 90 Tagen Neu­wah­len abzu­hal­ten, hat Áñez die COVID-19-Pan­de­mie aus­ge­nutzt, um die Wah­len drei­mal zu ver­schie­ben.

Das wie­der­hol­te Ver­säum­nis der Regie­rung, Neu­wah­len zu orga­ni­sie­ren, beweist, dass die Sor­ge um die Demo­kra­tie ein zyni­sches Fei­gen­blatt ist, um einen Auf­stand der Land­be­sit­ze­rIn­nen­olig­ar­chie des Lan­des gegen die pro­gres­si­ven Refor­men der MAS-Regie­rung zu recht­fer­ti­gen.

Ökonomische Bedeutung

Boli­vi­en ver­fügt über die welt­weit größ­ten bekann­ten Reser­ven an Lithi­um, einem kri­ti­schen Bestand­teil der Bat­te­rien, die in Elek­tro­fahr­zeu­gen, Com­pu­tern und einer gan­zen Rei­he von elek­tro­ni­schen Pro­duk­ten ver­wen­det wer­den, die Teil einer gewal­ti­gen Trans­for­ma­ti­on der Indus­trie des 21. Jahr­hun­derts sind.

Kon­fron­tiert mit dem Vor­wurf, die US-Regie­rung habe sich zur Unter­stüt­zung des Put­sches gegen Mora­les ver­schwo­ren, fass­te Elon Musk, Mil­li­ar­där und Eigen­tü­mer des Elek­tro­au­to­her­stel­lers Tes­la, die Hal­tung der Olig­ar­chIn­nen auf Twit­ter zusam­men: „Wir wer­den Putsch machen, für wen immer wir wol­len! Fin­den Sie sich damit ab“.

Lithi­um ist der jüngs­te „Segen“, mit dem die Natur das Land ver­se­hen hat. Zunächst plün­der­ten die spa­ni­schen Erobe­re­rIn­nen das Sil­ber des Lan­des. Dann plün­der­ten die im Aus­land ansäs­si­gen Kapi­ta­lis­tIn­nen, die „Ros­ca“ (Ket­te), sei­ne Schät­ze und hin­ter­lie­ßen das Land ver­gif­tet, rück­stän­dig und das boli­via­ni­sche Volk als ver­arm­tes­tes auf dem Kon­ti­nent.

Jetzt schlie­ßen sich die Aus­beu­te­rIn­nen von Öl, Gas und Lithi­um mit den euro­päisch­stäm­mi­gen Eli­ten des Lan­des zusam­men, um jeden Wider­stand gegen ihre Ver­su­che, die­se lebens­wich­ti­gen Res­sour­cen zu mono­po­li­sie­ren, zu bre­chen. Für die USA kommt es nicht in Fra­ge, dass chi­ne­si­sche oder euro­päi­sche Kon­kur­ren­tIn­nen, mit denen Mora­les und Line­ra ver­han­delt haben, Zugang zu einem so gro­ßen Teil der Reser­ven Latein­ame­ri­kas erhal­ten.

Zu die­ser beschä­men­den Bilanz der kolo­nia­len und impe­ria­lis­ti­schen Aus­beu­tung kommt nun noch eine Kata­stro­phe im Bereich der öffent­li­chen Gesund­heit hin­zu, die die sozia­len Fort­schrit­te der letz­ten zwei Jahr­zehn­te zunich­te­zu­ma­chen droht.

Pandemie

Das Gesund­heits­we­sen und die öffent­li­chen Diens­te des Lan­des sind so über­for­dert, dass die Bestat­tungs­diens­te völ­lig zusam­men­ge­bro­chen sind. Kran­ken­häu­ser wei­sen Pati­en­tIn­nen ab, Tote und Ster­ben­de wer­den auf den Stra­ßen aus­ge­setzt, und mobi­le Ein­äsche­rungs­wa­gen tou­ren durch die Stra­ßen von La Paz.

Die offi­zi­el­le Zahl der Todes­op­fer liegt bei 3.000, und die Zahl der Infi­zier­ten hat in einem Land mit 11,5 Mil­lio­nen Ein­woh­ne­rIn­nen 85.000 über­schrit­ten. Die­se Zah­len sind sicher­lich eine gro­be Unter­schät­zung, da Boli­vi­en eine der nied­rigs­ten Test­ra­ten auf­weist.

Die Regie­rung von Áñez hat sich sowohl als unfä­hig wie auch als unwil­lig erwie­sen, die Aus­brei­tung des Virus ein­zu­däm­men. Sie kann auch das damit ein­her­ge­hen­de wirt­schaft­li­che Cha­os nicht mil­dern. Die Arbeits­lo­sig­keit hat sich auf 8 Pro­zent ver­dop­pelt, und bis Ende des Jah­res wird eine hal­be Mil­li­on Boli­via­ne­rIn­nen in die Armut getrie­ben wor­den sein.

Es ist unbe­streit­bar, dass Boli­vi­en eines der am schlimms­ten vom Virus betrof­fe­nen Län­der ist. Die Ver­ant­wor­tung für die Kata­stro­phe liegt bei der Regie­rung der Land­be­sit­ze­rIn­nen und Olig­ar­chIn­nen und ihrer Ver­ach­tung für die arme, länd­li­che und indi­ge­ne Bevöl­ke­rung Boli­vi­ens. Die Volks­be­we­gun­gen haben Recht, wenn sie nicht zulas­sen, dass die Regie­rung den Gesund­heits­not­stand dazu benutzt, sie zu erpres­sen, die Fort­set­zung des Putsch­re­gimes zu akzep­tie­ren.

Trotz der Ein­schüch­te­rungs- und Ter­ror­kam­pa­gne, die von der Regie­rung und ihren faschis­ti­schen Anhän­ge­rIn­nen gegen die MAS und Bau­ern-/Bäue­rin­nen­or­ga­ni­sa­tio­nen geführt wur­de, haben sich Boli­vi­ens Arbei­te­rIn­nen und indi­ge­ne Gemein­schaf­ten gewei­gert, ihren Kampf gegen die Olig­ar­chIn­nen und ihre US-Spon­so­rIn­nen ein­zu­stel­len. Zehn­tau­sen­de haben in mehr als 100 Mär­schen und Blo­cka­den mobi­li­siert und die Infra­struk­tur des Lan­des lahm­ge­legt.

Der Regie­rung könn­te eine blu­ti­ge Kon­fron­ta­ti­on erspart blei­ben, wenn es Evo Mora­les gelingt, Ver­hand­lun­gen zwi­schen der COB und der TSE zu ver­mit­teln und einen alter­na­ti­ven Wahl­ter­min aus­zu­han­deln. Obwohl er sei­ne Anhän­ge­rIn­nen wäh­rend der Kämp­fe im ver­gan­ge­nen Jahr im Stich gelas­sen hat, behält Mora­les die MAS fest im Griff und lenkt ihre Poli­tik wei­ter­hin von Bue­nos Aires aus.

Die­ser Ver­such, einen Kom­pro­miss mit eben jenen zu schlie­ßen, die die MAS vor weni­ger als einem Jahr gestürzt haben, zeigt, dass die ent­schei­den­den Leh­ren aus dem völ­li­gen Bank­rott der Stra­te­gie der MAS nicht gezo­gen wor­den sind. Die­se bestand dar­in, mit der Unter­stüt­zung von Tei­len der boli­via­ni­schen Bour­geoi­sie und den rei­che­ren Tei­len der Bau­ern-/Bäue­rin­nen­schaft zu regie­ren und zu ver­su­chen, zwi­schen den riva­li­sie­ren­den Impe­ria­lis­tIn­nen zu manö­vrie­ren.

Das Sündenregister der MAS

Die MAS ist eine klein­bür­ger­lich-popu­lis­ti­sche Bewe­gung, die unter Mora­les und sei­nem Vize­prä­si­den­ten Álva­ro Gar­cía Line­ra ein durch und durch kapi­ta­lis­ti­sches Wirt­schafts­sa­nie­rungs­pro­gramm durch­führ­te, das dar­auf beruh­te, die natio­na­len Res­sour­cen des Lan­des zu ver­kau­fen, um Pro­gram­me zur Umver­tei­lung des Reich­tums zu finan­zie­ren. Die­se hat­ten zwar mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf die Ver­rin­ge­rung der Armut und die Erhö­hung der Alpha­be­ti­sie­rung, lie­ßen aber die Macht der Land­be­sit­ze­rIn­nen und Olig­ar­chIn­nen weit­ge­hend unan­ge­tas­tet.

Line­ra, ein ehe­ma­li­ger Anfüh­rer der Gue­ril­la­ar­mee Túpac Kata­ri in den 1990er Jah­ren, ent­warf Anfang der 2000er Jah­re eine auf Mao und Gram­sci basie­ren­de Etap­pen­theo­rie, um Jahr­zehn­te kapi­ta­lis­ti­scher Ent­wick­lung zu recht­fer­ti­gen, die irgend­wann in fer­ner Zukunft die Grund­la­ge für den Sozia­lis­mus legen soll­te.

Unter die­ser Füh­rung lenk­te die MAS die mas­sen­haf­ten revo­lu­tio­nä­ren Erhe­bun­gen des Was­ser­krie­ges von Cocha­bam­ba 1999–2000 und des Gas­krie­ges 2003 in die Wahl von Mora­les und einer MAS-Regie­rung im Jahr 2006 um. Sie blieb zwar bis zum Putsch im ver­gan­ge­nen Jahr im Amt, aber dies ging auf Kos­ten der Wie­der­her­stel­lung der Macht des erschüt­ter­ten Staats­ap­pa­ra­tes. Tat­säch­lich rüs­te­te die MAS die boli­via­ni­schen Repres­si­ons­kräf­te mit rie­si­gen Men­gen von den USA gekauf­ter Waf­fen wie­der auf.

Mora­les und Line­ra unter­nah­men jedoch eine „Kul­tur­re­vo­lu­ti­on“, die dadurch sym­bo­li­siert wur­de, dass sie den Staat als „plu­ri­na­tio­na­le Repu­blik“ defi­nier­ten und die sie­ben­far­bi­ge karier­te Wipha­la-Flag­ge mit der boli­via­ni­schen Tri­ko­lo­re kom­bi­nier­ten, was die ras­sis­ti­schen, evan­ge­li­ka­len Grund­be­sit­ze­rIn­nen­eli­ten erzürn­te. Wäh­rend des Put­sches wur­de das Wipha­la-Zei­chen abge­ris­sen und mit Füßen getre­ten.

Indem sie die Macht der Olig­ar­chIn­nen und Land­be­sit­ze­rIn­nen im Wesent­li­chen intakt ließ und der Bewe­gung für eine radi­ka­le ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung die Spit­ze brach, bewahr­te die MAS-Regie­rung auch die Struk­tu­ren und Insti­tu­tio­nen des kapi­ta­lis­ti­schen Staa­tes und ebne­te damit schließ­lich den Weg für ihren eige­nen Sturz.

Die Koali­ti­on der sozia­len Kräf­te, die Mora­les an die Macht gebracht hat­te, die Arbei­te­rIn­nen- und Bau­ern-/Bäue­rin­nen­ge­werk­schaf­ten, die länd­li­chen Gemein­den der mehr­heit­lich Aymara und Que­chua spre­chen­den indi­ge­nen Gemein­schaf­ten des Lan­des, lös­te sich auf, nach­dem er erfolg­los ver­sucht hat­te, die Ver­fas­sung zu ändern, um ihm die vier­te Amts­zeit in Fol­ge als Prä­si­dent zu ermög­li­chen.

Die kapi­ta­lis­ti­sche Poli­tik im Inter­es­se das aus­län­di­schen Kapi­tals, die auf der Gewin­nung von Koh­len­was­ser­stof­fen und Lithi­um basier­te, ent­frem­de­te die Gemein­schaf­ten, die durch eine sol­che „Ent­wick­lung“ zer­stört wor­den wären. Infol­ge­des­sen unter­lie­ßen es die COB und die Orga­ni­sa­ti­on der indi­ge­nen Gemein­den, FEJUVE, wäh­rend des Novem­ber­put­sches, Mora­les zu ver­tei­di­gen. Dies stell­te sich als schwer­wie­gen­der Feh­ler her­aus.

Die anhal­ten­de Unter­stüt­zung des Vol­kes für die MAS, die in Mei­nungs­um­fra­gen zum Aus­druck kommt, ist eher eine Ver­ur­tei­lung der Regie­rungs­ko­ali­ti­on und des Feh­lens einer trag­fä­hi­gen Wahl­al­ter­na­ti­ve als eine posi­ti­ve Bestä­ti­gung ihrer Anfüh­re­rIn­nen, die den Kampf gegen den Staats­streich auf­ge­ge­ben haben. Aber die Leh­ren aus 14 Jah­ren Mora­les und der MAS müs­sen gezo­gen wer­den, und es muss end­lich eine poli­ti­sche Par­tei geschaf­fen wer­den, die von den Arbei­te­rIn­nen geführt und von armen Bau­ern und Bäue­rin­nen unter­stützt wird, für die auf COB-Kon­fe­ren­zen oft gestimmt, die aber nie ver­wirk­licht wur­de.

Trotz der Machen­schaf­ten von Mora­les, des­sen fort­ge­setz­te Füh­rung zu einer Kata­stro­phe füh­ren wird, wenn sie nicht über­wun­den wird, hat sich die COB zusam­men mit den wich­ti­gen Ver­bän­den von Koka­pflan­ze­rIn­nen, Bau­ern und Bäue­rin­nen und indi­ge­nen Völ­kern bis­her gewei­gert, die Blo­cka­den auf­zu­he­ben, bis der ursprüng­li­che Wahl­ter­min wie­der­her­ge­stellt ist.

Der Weg nach vorn besteht dar­in, das Land mit dem Gene­ral­streik und den Blo­cka­den völ­lig zu läh­men, Mili­zen zur Ver­tei­di­gung der Bewe­gung zu grün­den und unter den Sol­da­tIn­nen und der Poli­zei zu agi­tie­ren, damit sie nicht auf das Volk schie­ßen. Um die lan­des­wei­te Bewe­gung zu koor­di­nie­ren, soll­ten in jedem städ­ti­schen Bezirk und in jeder länd­li­chen Gemein­de Räte aus Arbei­te­rIn­nen- und Bau­ern-/Bäue­rin­nen­de­le­gier­ten gewählt wer­den.

Ein ent­schei­den­der Schritt für die Bewe­gung ist die Über­nah­me der Kon­trol­le über die Bereit­stel­lung und Ver­tei­lung der Gesund­heits­für­sor­ge zur Bekämp­fung der Pan­de­mie, begin­nend mit den von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on gespen­de­ten 1,8 Mil­lio­nen US-Dol­lar an Hilfs­gü­tern. Dar­über hin­aus soll­te sie die Kon­trol­le über den Trans­port, die Nah­rungs­mit­tel und die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung über­neh­men, um den Auf­stand auf­recht­zu­er­hal­ten und die Gefahr zu besei­ti­gen, dass die Kapi­ta­lis­tIn­nen Aus­sper­run­gen und das Hor­ten von Vor­rä­ten benut­zen, um die Bewe­gung in Unter­wer­fung aus­zu­hun­gern.

Permanente Revolution

Gegen­wär­tig ist die Bewe­gung in Boli­vi­en ein Kampf für die Wie­der­her­stel­lung der Demo­kra­tie. Aber die Revol­te der Bour­geoi­sie, die von Ele­men­ten inner­halb des Staats­ap­pa­ra­tes unter­stützt wird, zeigt, dass die Bewe­gung, um eine wirk­li­che Demo­kra­tie zu gewin­nen, für eine Arbei­te­rIn­nen- und Bau­ern-/Bäue­rin­nen­re­gie­rung kämp­fen muss, die den Repres­si­ons­ap­pa­rat des Staa­tes zer­schlägt und die Lati­fun­dien­be­sit­ze­rIn­nen und aus­län­di­schen Mono­pol­ka­pi­ta­lis­tIn­nen ent­eig­net.

Die Grund­la­ge für die­se Regie­rung kann sich aus der gegen­wär­ti­gen Bewe­gung erge­ben, indem die For­de­rung nach einer sou­ve­rä­nen ver­fas­sung­ge­ben­den Ver­samm­lung, die sich aus Dele­gier­ten der Arbei­te­rIn­nen- und Bäue­rIn­nen­rä­te zusam­men­setzt, auf­ge­grif­fen wird und Wah­len zu die­ser Ver­samm­lung orga­ni­siert wer­den.

Ein sol­ches revo­lu­tio­nä­res Ergeb­nis ist der Geschich­te Boli­vi­ens nicht fremd. Von den 1940er bis in die 1980er Jah­re hat­te die Gewerk­schaft der Berg­ar­bei­te­rIn­nen in den Zinn-Minen, FSTMB, das Rück­grat der boli­via­ni­schen Arbei­te­rIn­nen­klas­se, eine heroi­sche Bilanz des offen revo­lu­tio­nä­ren Kamp­fes im Bünd­nis mit den indi­ge­nen Bau­ern-/Bäue­rin­nen­schaf­ten vor­zu­wei­sen.

Im Jahr 1946 ver­ab­schie­de­te sie ein Mani­fest, die Pula­ca­yo-The­sen, das die trotz­kis­ti­sche Stra­te­gie der per­ma­nen­ten Revo­lu­ti­on auf­griff. Sie ver­folg­ten Agrar­re­vo­lu­ti­on, demo­kra­ti­sche und anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Zie­le bis hin zur Ent­eig­nung der impe­ria­lis­ti­schen Aktio­nä­rIn­nen und der boli­via­ni­schen Land­be­sit­ze­rIn­nen­eli­te.

Lei­der wand­ten sich ihre Füh­run­gen in kri­ti­schen Momen­ten, wäh­rend der „natio­na­len Revo­lu­ti­on“ von 1953, wäh­rend des enor­men Berg­ar­bei­te­rIn­nen­streiks und Mar­sches auf La Paz 1986 und wäh­rend der Gas- und Was­ser­krie­ge Anfang der 2000er Jah­re von der Grün­dung einer revo­lu­tio­nä­ren Arbei­te­rIn­nen­par­tei ab, die mit den armen Bau­ern-/Bäue­rIn­nen- und indi­ge­nen Gemein­den ver­bün­det wäre und sich dem Kampf für Arbei­ter­In­nen­macht und Sozia­lis­mus ver­schrie­be.

Statt­des­sen unter­war­fen sie sich bür­ger­li­chen und klein­bür­ger­lich-natio­na­lis­ti­schen Par­tei­en wie der Revo­lu­tio­när-Natio­na­lis­ti­schen Bewe­gung in den 1940er und 1950er Jah­ren und dann der MAS in den ers­ten Jahr­zehn­ten die­ses Jahr­hun­derts.

Die Grün­dung einer ech­ten revo­lu­tio­nä­ren Arbei­te­rIn­nen­par­tei, die den in den Pula­ca­yo-The­sen vor­ge­zeich­ne­ten Weg zur per­ma­nen­ten Revo­lu­ti­on erneu­ert, dass „die bür­ger­lich-demo­kra­ti­sche Revo­lu­ti­on, wenn sie nicht erstickt wer­den soll, sich in eine blo­ße Pha­se der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­ti­on ver­wan­deln muss“, ist die Vor­aus­set­zung für den Sieg der Demo­kra­tie in Boli­vi­en, auf der Grund­la­ge einer demo­kra­tisch geplan­ten, sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft mit Auto­no­mie für die indi­ge­nen Gemein­den.

Nur auf die­sem Fun­da­ment kann eine revo­lu­tio­nä­re Regie­rung begin­nen, den enor­men Reich­tum Boli­vi­ens zu nut­zen, um für sei­ne Bevöl­ke­rung Voll­be­schäf­ti­gung, eine uni­ver­sel­le Gesund­heits- und Bil­dungs­ver­sor­gung und den Schutz der natür­li­chen Umwelt Boli­vi­ens als Grund­la­ge für eine sozia­le und öko­lo­gi­sche Revo­lu­ti­on auf dem Pla­ne­ten zu gewähr­leis­ten.

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