[labournet:] Effizienz: Vorschlaghammer oder Zange?

Effizienz macht hässlich“Obwohl Deutsch­land als das Land der Effi­zi­enz gilt, besitzt es eine Bevöl­ke­rung, die in gro­ßen Tei­len die Kon­zep­te Effek­ti­vi­tät und Effi­zi­enz nicht unter­schei­den kann. Am deut­lichs­ten zu erse­hen an der Eli­te der Sprach­dumm­heit, den Fuß­ball­kom­men­ta­to­ren, die stets von »effek­ti­ver Spiel­wei­se« spre­chen, wenn eine Mann­schaft aus weni­gen Mög­lich­kei­ten ein Tor »kre­iert« (Fuß­ball­kom­men­ta­to­ren­dumm­heit Nr. 1693), also effi­zi­ent spielt. Es lässt sich viel­leicht so mer­ken: Wenn man einen ret­tungs­los ent­zün­de­ten Zahn hat, lässt er sich mit einem Vor­schlag­ham­mer oder einer dafür ent­wi­ckel­ten Zan­ge ent­fer­nen. Bei­des ist effek­tiv, nur eines effi­zi­ent. Nun ist Effi­zi­enz nicht grund­falsch, das Bes­te aus den vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten zu machen, sicher­lich eine der mensch­li­chen Eigen­schaf­ten, die ihn über den Rest der Natur hat auf­stei­gen las­sen. Doch hat sich im Lau­fe der Mensch­heits­ge­schich­te her­aus­ge­stellt, dass Effi­zi­enz durch­aus auch die Per­ver­si­on mensch­li­cher Schaf­fens­kraft sein kann. Vor allem raubt sie, im Kapi­ta­lis­mus – just in time – fast allem die Freu­den der Lang­sam­keit und der Beson­der­heit. (…) Es ist kein Wun­der, dass die ein­zig wirk­li­che Flucht für den selbst in der Arbeits­lo­sig­keit der Drang­sa­lie­rung der Arbeits­kraft­ver­wal­tung Unter­wor­fe­nen (Hartz IV) der Voll­suff an irgend­ei­nem Strand ist. Nicht ein­mal eine Pan­de­mie kann davon abhal­ten, sind doch die Maß­nah­men gegen die­se im Ergeb­nis nur das ins Öffent­li­che Gestei­ger­te, was man eh schon kennt. Wie­so soll­te man Rück­sicht gegen ande­re üben, wenn man, um eini­ger­ma­ßen gut leben zu kön­nen, kei­ne gegen sich selbst üben darf? Der kapi­ta­lis­ti­sche Mensch hat die Bru­ta­li­tät der Effi­zi­enz so ver­in­ner­licht, dass ihm zur ein­zi­gen his­to­risch alter­na­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on der Geschäf­te, jener, die sich kom­mu­nis­tisch nann­te, meist zuerst deren Inef­fi­zi­enz ein­fällt. Dabei gehör­te die­se oft zu den sym­pa­thi­sche­ren Eigen­schaf­ten die­ser Gesell­schaf­ten. Scha­de, dass sie in ent­schei­den­den Punk­ten nicht mal effek­tiv waren.” Kolum­ne von Tim Wolff vom 11.8.2020 in neu­es Deutsch­land online externer Link

Der Bei­trag Effi­zi­enz: Vor­schlag­ham­mer oder Zan­ge? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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