[labournet:] Neue Polizeigesetze, überall – eine Bestandsaufnahme

Dossier

Demonstration gegen den Europäischen PolizeikongressAlle 16 Bun­des­län­der ver­än­dern im Moment ihre Poli­zei­ge­set­ze. Dafür gibt es zwei Grün­de: Zum einen gilt ab dem 25. Mai 2018 die EU-Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung, die die Grund­rech­te der Euro­pä­er schüt­zen soll und der sich Bun­des- und Lan­des­ge­set­ze unter­zu­ord­nen haben. Zum ande­ren kipp­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im April 2016 das bis­he­ri­ge BKA-Gesetz. Die Bun­des­re­gie­rung erließ eine neu­es, und dar­auf reagie­ren nun die Län­der. In unse­rem ers­ten Arti­kel dazu beschrei­ben wir die poli­ti­schen und juris­ti­schen Hin­ter­grün­de, in die­sem Text gehen wir ins Detail. Denn man­che Län­der ändern ihre Geset­ze nur gering­fü­gig, ande­re wie­der­um unter­zie­hen sie einer Gene­ral­über­ho­lung. Was sich in dei­nem Bun­des­land am Poli­zei­ge­setz ändert, liest du in unse­rer Über­sicht. Sie ist alpha­be­tisch sor­tiert“ – so beginnt die Dar­stel­lung „Wel­che Rech­te die Poli­zei in dei­nem Bun­des­land bekommt – der Über­blick“ von Tobi­as Eßer, Josa Mania-Schle­gel und Erik Kos­zu­ta am 09. Mai 2018 im Kraut­re­por­ter externer Link (Abo), wor­in die Maß­nah­men in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern aus­führ­lich doku­men­tiert sind. Sie­he dazu auch unse­re Län­der-Dos­siers (ganz unten) sowie die Über­sicht über die Ände­run­gen der Poli­zei­ge­set­ze in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern bei amnes­ty externer Linkund wei­te­re Über­blicks­ar­ti­kel:

  • Neu­es zu den Poli­zei­ge­set­zen New
    Ber­lin leg­te im Juni als ers­tes Bun­des­land einen Ent­wurf für ein neu­es Poli­zei­ge­setz vor, das vor allem bestehen­de Befug­nis­se ein­schränkt und lang­jäh­ri­ge For­de­run­gen von benach­tei­lig­ten Grup­pen auf­greift. Dazu gehö­ren die teil­wei­se Strei­chung eines Absat­zes, der Racial Pro­filing begüns­tigt und ein Wahl­recht zum Geschlecht der Beamt*in bei einer Durch­su­chung am Kör­per. Außer­dem soll die Höchst­dau­er der Prä­ven­tiv­haft in der Haupt­stadt von vier auf maxi­mal zwei Tage her­ab­ge­setzt wer­den. Zugleich sol­len zwei neue Über­wa­chungs­werk­zeu­ge ein­ge­führt wer­den: das Fil­men mit­tels Body­cam und das Abhö­ren von Tele­fon­ge­sprä­chen im prä­ven­ti­ven Bereich. Die rot-rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung hat sich damit bewusst ent­schie­den, einen „Gegen­ent­wurf zum baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz“ zu bie­ten. Ähn­lich sieht es in Bre­men aus…” Bei­trag von Marie Bröck­ling vom 10. August 2020 bei CILIP externer Link auch zu Schles­wig-Hol­stein und Baden-Würt­tem­berg
  • Das Jahr 2018 stand ganz im Zei­chen der bun­des­wei­ten Pro­tes­te gegen die Poli­zei­ge­set­ze. Und 2019? Es ist lei­ser gewor­den um noPAG, noPolGNRW & Co. Aber das Biest lebt! 
    Wir bli­cken zurück auf die Pro­tes­te, geben einen kur­zen Über­blick über Erfol­ge und Nie­der­la­gen unse­res Wider­stands und eine Vor­schau auf die Schre­cken, die sich am Hori­zont der Inne­ren Sicher­heit abzeich­nen. Außer­dem erklä­ren wir, war­um die Bewe­gung gegen die Poli­zei­ge­set­ze auf kei­nen Fall ster­ben darf – und war­um sie sich neu­en The­men wie Kli­ma­schutz, Anti­fa­schis­mus und Anti­ras­sis­mus wid­men muss. Auf dem 3C35 rief Con­stan­ze Kurz dazu auf, auch 2019 gegen die bun­des­weit erfol­gen­den Ver­schär­fun­gen der Poli­zei­ge­set­ze vor­zu­ge­hen. Und tat­säch­lich sind die­ses Jahr vie­le Men­schen gegen die Geset­zes­no­vel­lie­run­gen auf die Stra­ße gegan­gen – aber das eigent­li­che Jahr der Pro­tes­te war 2018. Trotz der über Mona­te anhal­ten­den Demons­tra­tio­nen und Aktio­nen in der gesam­ten Repu­blik sind die Novel­lie­run­gen in den wenigs­ten Bun­des­län­dern zurück­ge­nom­men wur­den, und dort, wo Geset­zes­pas­sa­gen gestri­chen und geän­dert wur­den, han­del­te es sich meist um kos­me­ti­sche Kor­rek­tu­ren. Dem all­ge­mei­nen Trend hin zu einer auto­ri­tä­ren Wen­de in Sachen Inne­rer Sicher­heit hat das kei­nen Abbruch getan, so unse­re Aus­gangs­the­se. Gleich­zei­tig sind vie­le der Bünd­nis­se zer­fal­len, die Demons­tra­tio­nen klei­ner gewor­den, und auch der Groß­teil der Pres­se schenkt Poli­zei- und Sicher­heits­ge­set­zen nur noch gele­gent­lich Auf­merk­sam­keit. Dabei kann die Bedeu­tung der Debat­te um eine angeb­li­che Ver­si­cher­heit­li­chung unse­rer Gesell­schaft gar nicht hoch genug bewer­tet wer­den: Es gibt star­ke Anzei­chen dafür, dass die Insti­tu­ti­on Poli­zei, aber auch Mili­tär und pri­va­te Sicher­heits­diens­te, immer mehr an Macht gewin­nen – was nicht zuletzt mit Blick auf die zahl­rei­chen Skan­da­le der letz­ten Mona­te und die Fra­ge, wie struk­tu­rell rechts die­se Insti­tu­tio­nen eigent­lich sind, von immenser gesell­schaft­li­cher Trag­wei­te ist. Und auch wenn poli­ti­scher Pro­test häu­fig auf­merk­sam­keits-öko­no­mi­schen Logi­ken unter­wor­fen ist, glau­ben wir, dass das Zer­fal­len der Bünd­nis­se gegen die Poli­zei­ge­set­ze beson­ders bedau­er­lich ist. Zum ers­ten Mal seit lan­gem näm­lich sind hier Grup­pen Sei­te an Sei­te auf die Stra­ße gegan­gen, die lan­ge Zeit nicht gemein­sam im Wider­stand waren: Datenschützer*innen und Fuß­ball­fans, links­li­be­ra­le Par­tei­en und Antifaschist*innen, sozia­le Bewe­gun­gen und migran­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen – Grup­pen, deren gegen­sei­ti­ge Soli­da­ri­tät gro­ßer Gewinn und wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für erfolg­rei­che eman­zi­pa­to­ri­sche Poli­tik ist. Was sind also die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen in Sachen Inne­re Sicher­heit, die auf uns war­ten? Was haben die Poli­zei­ge­set­ze mit Racial Pro­filing, Ende Gelän­de und NSU 2.0 zu tun? War­um brau­chen wir auch wei­ter­hin die im Zuge der Pro­tes­te ent­stan­de­nen Alli­an­zen zwi­schen Datenschützer*innen und ande­ren sozia­len Bewe­gun­gen? Und wel­che The­men müs­sen wir in den Blick neh­men, wenn wir ver­ste­hen wol­len, was auto­ri­tä­re Wen­de heißt? Die Referent*innen kom­men selbst aus unter­schied­li­chen lin­ken sozia­len Bewe­gun­gen und haben sich im Zuge der Pro­tes­te gegen das neue baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz im noPAG-Bünd­nis ken­nen­ge­lernt. Lau­ra Pöh­ler ist Anti­fa­schis­tin und Spre­che­rin des noPAG-Bünd­nis­ses. John­ny Parks war in der noPAG-Jugend aktiv, ist Pres­se­spre­cher für Ende Gelän­de und enga­giert sich als PoC gegen Ras­sis­mus. Sie bei­de kämp­fen für eine Rück­nah­me der Geset­zes­no­vel­lie­run­gen in Bay­ern. Die Idee, gemein­sam beim CCC-Kon­gress zu spre­chen, ent­sprang nicht zuletzt dem Wunsch, im Kon­takt mit den­je­ni­gen Men­schen zu blei­ben, wel­che die Pro­tes­te gegen das PAG maß­geb­lich mit­ge­stal­tet haben: Datenschützer*innen.” Audio und Video des Vor­trags von Lau­ra Pöh­ler and John­ny Parks am 28.12.2019 beim 36c3 externer Link
  • Schwe­re Ein­grif­fe in die Grund­rech­te. Trotz Pro­tes­ten konn­ten die Poli­zei­rechts­ver­schär­fun­gen bis­lang nicht gestoppt wer­den 
    Der Trend in Rich­tung eines prä­ven­ti­ven Sicher­heits­staats ist nicht neu: Schon seit 9/​11 befin­det sich die Poli­zei in Bund und Län­dern im Zuge einer aus­ufern­den Sicher­heits- und Anti­ter­ror­po­li­tik in einem tief grei­fen­den Struk­tur­wan­del. Vor­ver­la­ge­rung prä­ven­ti­ver Poli­zei­auf­ga­ben, Aus­bau gehei­mer Poli­zei­be­fug­nis­se, Ver­net­zung und Über­win­dung der Gren­zen zwi­schen Poli­zei und Geheim­diens­ten sind die kenn­zeich­nen­den Stich­wor­te. Die­ser Trend einer struk­tu­rel­len Ent­gren­zung poli­zei­li­cher Auf­ga­ben und Befug­nis­se geht ein­her mit einem star­ken Aus­bau staat­li­cher Kon­troll­dich­te und einem Zuwachs an Poli­zei­macht. Und seit dem Anschlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt an der Gedächt­nis­kir­che Ende 2016 über­schla­gen sich die Auf­rüs­tungs­for­de­run­gen in Bund und Län­dern noch – obwohl doch gera­de hier ekla­tan­te Fehl­ein­schät­zun­gen und Voll­zugs­de­fi­zi­te der Sicher­heits­be­hör­den zuta­ge tra­ten. Statt einer über­fäl­li­gen Eva­lu­ie­rung bis­lang ange­häuf­ter Sicher­heits­ge­set­ze und ihrer Umset­zung – und einer Nach­jus­tie­rung, wo nötig – wur­den 2018/​19 mit einer Wel­le von Poli­zei­rechts­ver­schär­fun­gen in Bund und Län­dern gra­vie­ren­de Befug­nis­er­wei­te­run­gen durch­ge­setzt: so der Aus­bau staat­li­cher Video­über­wa­chung im öffent­li­chen Raum, Auf­rüs­tung der Poli­zei mit Body­cams und gefähr­li­chen Elek­tro­scho­ckern (Taser), Ein­füh­rung »elek­tro­ni­scher Fuß­fes­seln« zur Auf­ent­halts­kon­trol­le mut­maß­li­cher »Gefähr­der«, Aus­wei­tung der Prä­ven­tiv­haft sowie Ein­schleu­sung von Staats­tro­ja­nern in Com­pu­ter und Smart­pho­nes zur Aus­for­schung poten­zi­ell ver­däch­ti­ger Per­so­nen. Mit der nun gesetz­lich zuläs­si­gen Online­durch­su­chung per Staats­tro­ja­ner bricht der Staat unter rela­tiv vagen Ein­griffs­vor­aus­set­zun­gen mas­siv in Pri­vat- und Intim­sphä­re, Per­sön­lich­keits­rech­te und infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung der Betrof­fe­nen ein. Mit­hil­fe heim­lich instal­lier­ter Staats­tro­ja­ner kann die Poli­zei auf Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on, gespei­cher­te Fest­plat­ten­in­hal­te, intims­te Infor­ma­tio­nen, Fotos und Fil­me zugrei­fen. Es han­delt sich um einen schwe­ren Grund­rechts­ein­griff, einen Ein­bruch in alle Lebens­be­rei­che bis hin­ein in Gedan­ken- und Gefühls­wel­ten der Betrof­fe­nen und ihrer Kon­takt­per­so­nen, aber auch von unbe­tei­lig­ten Drit­ten. Staats­tro­ja­ner, die über Sicher­heits­lü­cken in Soft­ware ein­ge­schleust wer­den, öff­nen dar­über hin­aus Miss­brauch und gefähr­li­chen Cyber­at­ta­cken Tür und Tor (…) Mit die­sen Geset­zes­ver­schär­fun­gen haben Bund und Län­der einen wei­te­ren, ver­fas­sungs­recht­lich hoch pro­ble­ma­ti­schen Schritt in Rich­tung prä­ven­tiv-auto­ri­tä­rer Sicher­heits­staat zurück­ge­legt – unter Aus­bau des Über­wa­chungs­po­ten­zi­als, das demo­kra­tisch kaum noch kon­trol­lier­bar ist, das die Grund- und Frei­heits­rech­te mas­siv beschränkt und auch Unbe­tei­lig­te und die Gesell­schaft nicht ver­schont. Mit der prä­ven­ti­ven Vor­ver­la­ge­rung von Poli­zei­auf­ga­ben und gehei­mer Befug­nis­se weit ins Vor­feld eines Ver­dachts oder einer mög­li­chen Gefahr ver­keh­ren sich die Bezie­hun­gen zwi­schen Bür­ger und Staat: Die Unschulds­ver­mu­tung, eine der wich­tigs­ten rechts­staat­li­chen Errun­gen­schaf­ten, ver­liert ihre Staatsmacht­ begren­zen­de Funk­ti­on. Der Mensch mutiert zum poten­zi­el­len Sicher­heits­ri­si­ko, der letzt­lich unter Umkehr der Beweis­last sei­ne Harm­lo­sig­keit und Unschuld nach­wei­sen muss. Es dürf­te zu bezwei­feln sein, dass mit den neu­en Poli­zei­ein­grif­fen mehr Sicher­heit vor Gewalt, Amok und Ter­ror geschaf­fen wer­den kann. (…) Zwar lässt sich die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung durch unhalt­ba­re Sicher­heits­ver­spre­chen der Regie­rungs­po­li­tik immer wie­der beschwich­ti­gen – bes­ser gesagt: hin­ter­ge­hen. Den­noch reg­ten sich gegen die Geset­zes­ver­schär­fun­gen star­ke Kri­tik und hef­ti­ger Pro­test…” Arti­kel von Rolf Göss­ner vom 23.12.2019 beim ND online externer Link
  • Wei­te­re Atta­cken auf Grund­rech­te geplant – Ver­schär­fung der Poli­zei­ge­set­ze in Ham­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Baden-Würt­tem­berg
    “Die Lan­des­re­gie­run­gen von Ham­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Baden-Würt­tem­berg wol­len ihre Repres­si­ons­mög­lich­kei­ten erwei­tern. Dage­gen wol­len an die­sem Sonn­tag mit­tag Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten in Meck­len­burg-Vor­pom­mern erneut auf die Stra­ße gehen. Das »Bünd­nis gegen die Ver­schär­fung des SOG in MV« (Sicher­heits- und Ord­nungs­ge­set­zes) kri­ti­siert unter ande­rem, dass der vor­lie­gen­de Ent­wurf »unkla­re For­mu­lie­run­gen« ent­hal­te. Dies las­se der Poli­zei »eine Men­ge Spiel­raum«. (…) Bereits am 22. August soll der vor­lie­gen­de Geset­zes­ent­wurf aus dem Hau­se von Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Lorenz Caf­fier (CDU) im Innen­aus­schuss des Schwe­ri­ner Land­ta­ges dis­ku­tiert wer­den. Auch in Ham­burg neh­men die poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die dort geplan­ten Ver­schär­fun­gen zu. Am Mitt­woch dis­ku­tier­te die Bür­ger­schaft der Han­se­stadt über den ent­spre­chen­den Geset­zes­ent­wurf der Regie­rungs­ko­ali­ti­on aus SPD und Bünd­nis 90/​Die Grü­nen. Am 20. August soll sich der Innen­aus­schuss der Bür­ger­schaft mit dem Ent­wurf befas­sen. An dem sei unter ande­rem der geplan­te Para­graph 49 »bemer­kens­wert«, wie das Inter­net­por­tal Netz​po​li​tik​.org am Mitt­woch berich­te­te. Denn dadurch wer­de der Poli­zei die »auto­ma­ti­sier­te Daten­ana­ly­se im gro­ßen Stil« erlaubt. »Bereits erho­be­ne Daten sol­len dem­nach auto­ma­ti­siert und ohne Anlass nach ihren Zusam­men­hän­gen« aus­ge­wer­tet wer­den. Das Ergeb­nis der Daten­ana­ly­se, »bei­spiels­wei­se eine ver­meint­lich risi­ko­be­haf­te­te Per­son«, wür­de dann den Aus­gangs­punkt für wei­te­re Ermitt­lun­gen lie­fern. Besag­te Plä­ne dürf­ten vor allem mit Blick auf die Ver­fol­gung von Geg­ne­rin­nen und Geg­nern des G‑20-Gip­fels in Ham­burg von Bedeu­tung sein. (…) In Sach­sen-Anhalt droht unter­des­sen aktu­ell eine weit­rei­chen­de Novel­lie­rung des Ver­fas­sungs­schutz­ge­set­zes. (…)Vor allem Mes­sen­ger­diens­te und Online­kom­mu­ni­ka­ti­on sol­len zukünf­tig inten­siv über­wacht wer­den dür­fen. Zudem ent­hält der Ent­wurf die »gesetz­ge­be­ri­sche Klar­stel­lung, dass Prä­ven­ti­on und Wirt­schafts­schutz eigen­stän­di­ge Auf­ga­ben des Ver­fas­sungs­schut­zes« sei­en.” Bei­trag von Mar­kus Bern­hardt bei der jun­gen Welt vom 16. August 2019 externer Link
  • Mus­ter­po­li­zei­ge­setz – Ver­schär­fung des Poli­zei­ge­set­zes nach den Län­dern auch auf Bun­des­ebe­ne? 
    Nur weni­ge wis­sen, dass die Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Län­der (IMK) vor zwei Jah­ren beschlos­sen hat, ein Mus­ter­po­li­zei­ge­setz zu schaf­fen. Ziel soll sein, die Poli­zei­ge­set­ze der Bun­des­län­der ein­an­der anzu­glei­chen. Kommt also nach den Ver­schär­fun­gen der Poli­zei­ge­set­ze in Bay­ern, NRW und ande­ren Bun­des­län­dern dem­nächst auch mehr Über­wa­chung und Repres­si­on auf Bun­des­ebe­ne? Die Fol­ge wären Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten wie Ver­samm­lungs­frei­heit, Pres­se­frei­heit, Per­sön­lich­keits­rech­ten und Bewe­gungs­frei­heit. Noch bevor das Mus­ter­po­li­zei­ge­setz groß dis­ku­tiert wird, haben wir uns ratz­fatz die Domain gesi­chert und ein kri­ti­sches Info­por­tal auf­ge­baut.” Info-Sei­te zum Mus­ter­po­li­zei­ge­setz von und bei Digi­tal­cou­ra­ge e.V. externer Link
  • Ver­schär­fung der Poli­zei­ge­set­ze: Wenn schon die Gefahr einer Gefahr aus­reicht
    Über vie­le Jahr­zehn­te hin­weg mar­kier­te die “kon­kre­te Gefahr” die Schwel­le zum Ein­schrei­ten für die Poli­zei. Doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab es eine regel­rech­te Reform­wel­le der Poli­zei­ge­set­ze. In eini­gen Geset­zen ent­deckt man einen Hang zur Maß­lo­sig­keit. Wer mit libe­ra­lem Rechts­staats­den­ken sozia­li­siert ist, staunt bei­spiels­wei­se nicht schlecht ange­sichts man­cher Plä­ne zur Prä­ven­tiv­haft. Die mar­kan­tes­te Ver­än­de­rung ist aller­dings die schlei­chen­de Meta­mor­pho­se der “Gefahr”. (…) Die Poli­zei habe die Bür­ger vor kon­kre­ten Gefah­ren zu schüt­zen, nicht vor ver­bau­ter Aus­sicht. Das Kreuz­ber­gur­teil vom 14. Juni 1882 gilt als Grund­stein eines moder­nen Poli­zei­rechts, das der Poli­zei rechts­staat­li­che Gren­zen setzt. Sie soll für die Sicher­heit der Bür­ger sor­gen und nicht all­ge­mei­ne “Wohl­fahrts­pfle­ge” betrei­ben, zu der irgend­wie alles gehört. Auch die Aus­sicht in Kreuz­berg. Die “kon­kre­te Gefahr”, die fort­an die Schwel­le zum poli­zei­li­chen Ein­schrei­ten mar­kie­ren soll­te, war so etwas wie der kur­ze Zügel des Rechts­staats. Kei­ne ande­re Staats­ge­walt kann so tief in die Grund­rech­te der Men­schen ein­grei­fen wie die Poli­zei – von der Über­wa­chung bis zur Fest­nah­me -, des­halb soll­te die Macht der Beam­ten strikt auf das Not­wen­di­ge begrenzt sein. Jeder wünsch­te sich Sicher­heit durch die Poli­zei, gewiss. Aber man woll­te eben auch Sicher­heit vor der Poli­zei; die Angst vor dem Obrig­keits­staat war nie ganz weg. Das ist der Hin­ter­grund, vor dem man die Pro­tes­te der ver­gan­ge­nen Mona­te betrach­ten muss. In Bay­ern, in Nord­rhein-West­fa­len, in Nie­der­sach­sen, in Bran­den­burg – land­auf, land­ab haben Bür­ger gegen die neu­en Poli­zei­ge­set­ze der Län­der demons­triert. Denn es schwappt eine regel­rech­te Reform­wel­le durch die Repu­blik. (…) Die Kri­ti­ker war­nen vor all­zu nied­ri­gen Hür­den für heim­li­che Über­wa­chung oder gar für poli­zei­li­chen Gewahr­sam. Denn die preu­ßi­sche Klar­heit ist dahin, spä­tes­tens seit Bay­ern die “dro­hen­de Gefahr” ins Poli­zei­ge­setz auf­ge­nom­men hat, einen ver­wa­sche­nen Begriff, der nach mehr klingt, als er bedeu­tet – wann wäre eine Gefahr nicht “dro­hend”? Auch NRW hat­te den Ter­mi­nus anfäng­lich im Gesetz­ent­wurf, strich ihn aber wegen recht­li­cher Beden­ken. In Wahr­heit begann die schlei­chen­de Begriffs­ver­schie­bung schon sehr viel frü­her. Mat­thi­as Bäcker, Jura-Pro­fes­sor in Mainz, erin­nert dar­an, dass bereits seit den Sieb­zi­ger­jah­ren Befug­nis­se etwa zur Iden­ti­täts­fest­stel­lung oder zum Ein­satz ver­deck­ter Ermitt­ler geschaf­fen wor­den sei­en. Und in den Neun­zi­gern folg­ten Wohn­raum­über­wa­chung oder Ras­ter­fahn­dung. Ter­ro­ris­mus und orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät hat­ten die Sicher­heits­la­ge ver­än­dert – oder wenigs­tens deren Wahr­neh­mung. Die Poli­zei soll­te nicht mehr auf die “kon­kre­te Gefahr” war­ten. Sie soll­te sich aktiv auf die Suche nach dem Risi­ko machen. (…) In eini­gen Geset­zen ent­deckt man einen Hang zur Maß­lo­sig­keit. Bay­ern etwa sieht einen Ein­satz von “Explo­siv­mit­teln” vor. (…) Maß­los sind auch die Plä­ne diver­ser Län­der zur soge­nann­ten Prä­ven­tiv­haft. Bay­ern sieht einen drei­mo­na­ti­gen – und theo­re­tisch unend­lich ver­län­ger­ba­ren – Gewahr­sam vor, und zwar bereits zur Abwehr einer Gefahr für “Sachen, deren Erhalt im beson­de­ren öffent­li­chen Inter­es­se liegt”. In Nie­der­sach­sen beträgt die geplan­te Höchst­dau­er 74 Tage, statt bis­her zehn Tage. (…) Doch so waf­fen­klir­rend all die neu­en Poli­zei­be­fug­nis­se daher­kom­men, die auf lan­ge Sicht mar­kan­tes­te Ver­än­de­rung ist die schlei­chen­de Meta­mor­pho­se der “Gefahr”. Der Fokus liegt inzwi­schen nicht mehr so sehr auf dem angeb­lich dro­hen­den Ereig­nis, son­dern auf der Kon­trol­le der “Gefähr­der”…” Arti­kel von Wolf­gang Janisch vom 18.02.2019 bei der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Ermäch­ti­gen­de Geset­ze 
    “In nahe­zu allen Bun­des­län­dern erhält die Poli­zei per Par­la­ments­be­schluss weit­rei­chen­de Befug­nis­se. Grund­rech­te wer­den damit wei­ter ein­ge­schränkt, mehr Sicher­heit wird aber nicht geschaf­fen. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten haben wir nicht nur Bestre­bun­gen nahe­zu aller Lan­des­re­gie­run­gen zur Ver­schär­fung der Poli­zei­ge­set­ze erlebt, son­dern in deren Fol­ge auch eine beein­dru­cken­de zivil­ge­sell­schaft­li­che Gegen­be­we­gung. Ein kur­zer Über­blick dar­über, wor­um es in der gro­ßen Poli­zei­rechts­re­form geht, vor wel­chen gesell­schaft­li­chen Hin­ter­grün­den sie statt­fin­det und wie es aktu­ell um sie steht. (…) Was sich momen­tan abspielt, ist hin­ge­gen in zwei­er­lei Hin­sicht außer­ge­wöhn­lich. Ers­tens ist die föde­ra­lis­ti­sche Auf­fä­che­rung der Poli­zei­ge­set­ze deut­schen Sicher­heits­po­li­ti­kern schon lan­ge ein Dorn im Auge. Die gegen­wär­ti­gen, in ihrem flä­chen­de­cken­den Aus­maß bemer­kens­wer­ten Reform­be­stre­bun­gen müs­sen als Ver­such ver­stan­den wer­den, das Sicher­heits­recht zu ver­ein­heit­li­chen und die nach 1945 aus guten Grün­den ein­ge­führ­te Dezen­tra­li­sie­rung teil­wei­se rück­gän­gig zu machen. Zwei­tens fin­den auch inhalt­lich fun­da­men­ta­le Umwäl­zun­gen statt. Trotz erheb­li­cher regio­na­ler Unter­schie­de las­sen sich hier drei über­grei­fen­de Schwer­punk­te her­aus­stel­len: das Her­ab­set­zen der Vor­aus­set­zun­gen poli­zei­li­chen Ein­grei­fens, die Aus­wei­tung frei­heits­ent­zie­hen­der Maß­nah­men und die Zunah­me der Befug­nis­se ins­be­son­de­re hin­sicht­lich ver­deck­ter tech­ni­scher Über­wa­chung. Die­se Hin­wen­dung zu einem auto­ri­tä­ren und illi­be­ra­len Staats­ver­ständ­nis ist zwar nicht gänz­lich neu, son­dern voll­zieht sich schritt­wei­se schon seit Jah­ren. Die geplan­ten aus­ufern­den Ermäch­ti­gun­gen haben aber dazu bei­getra­gen, genau die­se Ent­wick­lung sicht­bar zu machen. (…) Glück­lich wird damit wohl nie­mand wer­den. Denn anders als es die oft bemüh­te Flos­kel vom Aus­gleich von Sicher­heit und Frei­heit sug­ge­riert, füh­ren die mit den Poli­zei­ge­set­zen ein­ge­führ­ten Maß­nah­men nicht zu mehr Sicher­heit. Wie die NSU-Mord­se­rie und der Anschlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt gezeigt haben, ist die Ver­hin­de­rung sol­cher Taten kei­ne Fra­ge der Befug­nis­se. Die Behör­den ver­fü­gen längst über die recht­li­chen und tech­ni­schen Mit­tel, unse­re phy­si­sche Sicher­heit zu gewähr­leis­ten. Dass die vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men, empi­risch betrach­tet, nicht zu einer Ver­bes­se­rung der Sicher­heits­la­ge oder einem Rück­gang der Kri­mi­na­li­tät füh­ren wer­den, das wis­sen auch die Innen­mi­nis­ter und Poli­zei­funk­tio­nä­re. Solan­ge damit das Dog­ma der Sicher­heit bedient wird, kann aber so ver­mie­den wer­den, sich um die wirk­li­chen Pro­ble­me zu küm­mern.” Bei­trag von Ben­ja­min Derin in der jun­gen Welt vom 13. Okto­ber 2018 externer Link (Ben­ja­min Derin ist Rechts­an­walt und Redak­ti­ons­mit­glied der Zeit­schrift Bür­ger­rech­te und Polizei/​Cilip)
  • Neue deut­sche Wel­le: Zum Stand der Poli­zei­ge­setz­ge­bung der Län­der 
    “Im April 2017 ver­ab­schie­de­te der Bun­des­tag ein neu­es BKA-Gesetz. Jetzt zie­hen die Län­der nach. Das ein­zig Posi­ti­ve an die­ser Ent­wick­lung: Erst­mals seit Jahr­zehn­ten regt sich brei­te­rer Wider­stand. 40.000 Leu­te demons­trier­ten am 10. Mai 2018 gegen das baye­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz, 20.000 gin­gen am 7. Juli 2018 gegen das nord­rhein-west­fä­li­sche Poli­zei­ge­setz auf die Stra­ße. Von den Geset­zen über das Bun­des­kri­mi­nal­amt und die Bun­des­po­li­zei abge­se­hen ist das Poli­zei­recht in Deutsch­land Län­der­sa­che. Obwohl der Bund hier also nichts zu hus­ten hat, kün­dig­ten CDU, CSU und SPD im Febru­ar 2018 in ihrem Koali­ti­ons­ver­trag die „Erar­bei­tung eines gemein­samen Mus­ter­po­li­zei­ge­set­zes (gemäß Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz)“ an. Die in die Klam­mer ver­bann­te Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz (IMK) hat­te bereits im Juni 2017 beschlos­sen, eine „län­der­of­fe­ne Arbeits­grup­pe unter Betei­li­gung des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums“ für die Erar­bei­tung eines sol­chen Mus­ters ein­zu­rich­ten, um „hohe gemein­sa­me gesetz­li­che Stan­dards und eine effek­ti­ve Erhö­hung der öffent­li­chen Sicher­heit zu errei­chen“. Seit Jahr­zehn­ten sieht die IMK die Ver­ein­heit­li­chung des Poli­zei­rechts der Län­der als ihre Auf­ga­be. Dafür hat sie bereits in den 1970er Jah­ren und dann erneut 1986 „Mus­ter­ent­wür­fe für ein ein­heit­li­ches Poli­zei­ge­setz“ vor­ge­legt, die nicht nur eine Ver­ein­heit­li­chung, son­dern vor allem eine mas­si­ve Aus­deh­nung der poli­zei­li­chen Auf­ga­ben und Befug­nis­se brach­ten…” Bei­trag von Hei­ner Busch vom 14. August 2018 in Clip 116 externer Link
  • Vor­ver­la­ge­rung von Ein­griffs­be­fug­nis­sen: Die „dro­hen­de Gefahr“ in Poli­zei­ge­set­zen 
    “… Zwei neue juris­ti­sche Stel­lung­nah­men set­zen sich mit den umstrit­te­nen Über­ar­bei­tun­gen von Poli­zei­ge­set­zen in Deutsch­land aus­ein­an­der. Die Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te des Bun­des­tags gehen der Fra­ge nach, ob das umstrit­te­ne baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz eine Vor­la­ge für eine bun­des­wei­te Anglei­chung in einem Mus­ter­po­li­zei­ge­setz sein könn­te. Die Neue Rich­ter­ver­ei­ni­gung (NRV) unter­sucht am Bei­spiel der Poli­zei­ge­setz­no­vel­le in Bran­den­burg einen zen­tra­len Aspekt der Refor­men: die Ein­füh­rung einer neu­en Gefah­ren­ka­te­go­rie ins Poli­zei­recht. Dabei geht es um die Rechts­be­griff der „dro­hen­den Gefahr“, der nicht nur im geplan­ten Poli­zei­ge­setz Bran­den­burg Kon­junk­tur hat. Der Bericht der Bun­des­tags­wis­sen­schaft­ler zur recht­li­chen Bewer­tung der „Aus­wei­tung poli­zei­li­cher Befug­nis­se in Deutsch­land und Euro­pa“ (pdf) wid­met sich drei beson­ders umstrit­te­nen Berei­chen, bei denen zu befürch­ten ist, dass sie bun­des­weit Ein­gang in die Poli­zei­ge­setz­ge­bung neh­men: Die Fra­ge, wie kon­kret oder vage eine Gefahr sein muss, damit die Poli­zei Men­schen über­wa­chen oder fest­set­zen darf. Damit ver­bun­den wird die Prä­ven­tiv­haft dis­ku­tiert, die in Bay­ern erst­mals kei­ne fes­te zeit­li­che Ober­gren­ze hat. Ob ein sol­cher poten­ti­ell unbe­grenz­ter Frei­heits­ent­zug bei einer poli­zei­li­chen Prä­ven­tiv­haft ver­hält­nis­mä­ßig ist, bewer­ten die Bun­des­tags­wis­sen­schaft­ler in einem zwei­ten Teil mit kri­ti­schem Blick. Der drit­te Bereich ist dann die Gen­da­ten­nut­zung, die in Form der Erwei­ter­ten DNA-Ana­ly­se in das baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz Ein­zug gehal­ten hat. In einem letz­ten Teil des Berichts sind ver­glei­chend sehr kur­ze Zusam­men­fas­sun­gen der poli­zei­li­chen Befug­nis­se in ande­ren euro­päi­schen Staa­ten erfasst….” Bei­trag von Con­stan­ze Kurz vom 8. August 2018 bei Netz­po­li­tik externer Link mit Links u.a. zur Stel­lung­nah­me der Neu­en Rich­ter­ver­ei­ni­gung (NRV) und des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Deut­schen
  • Über­sicht Poli­zei­ge­set­ze: Bünd­nis­se unter­stüt­zen! 
    “Trotz der nied­rigs­ten Kri­mi­na­li­täts­ra­te seit 25 Jah­ren ver­schär­fen fast alle Bun­des­län­der ihre Poli­zei­ge­set­ze. In Bay­ern wur­de das schärfs­te Poli­zei­ge­setz seit 1945 bereits ver­ab­schie­det, ande­re Län­der dis­ku­tie­ren ähn­li­che Geset­ze in den Land­ta­gen oder haben Plä­ne ange­kün­digt. Auf­ge­rüs­tet sol­len die Poli­zei­en wer­den unter ande­rem mit Staats­tro­ja­nern (unse­re Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Bun­destro­ja­ner unter­stüt­zen), prä­ven­ti­ven Maß­nah­men, Hand­gra­na­ten und Maschi­nen­ge­weh­ren. (…) Par­tei­li­ni­en exis­tie­ren nicht: Ange­trie­ben oder kri­ti­siert wird die Poli­zei­ver­schär­fung von AfD, CDU/​CSU, FDP, Grü­nen und SPD – je nach poli­ti­scher Rol­le in der Regie­rung oder der Oppo­si­ti­on. Ledig­lich die rot-rot-grü­ne Koali­ti­on in Thü­rin­gen macht nicht mit. Die gute Nach­richt ist: Fast über­all wer­den Men­schen aktiv und grün­den Bünd­nis­se, um Frei­heit und Grund­rech­te gegen den Aus­bau zum Poli­zei­staat zu ver­tei­di­gen. Unter­stüt­zung ist will­kom­men!..” Auf­ruf von Jus­tus Holz­ber­ger und Frie­de­mann Ebelt vom 25. Juni 2018 bei digi­tal­cou­ra­ge externer Link mit Über­sicht zum Stand der Poli­zei­ge­set­ze in den Bun­des­län­dern
  • Appell gegen Poli­zei­ge­set­ze und inne­re Auf­rüs­tung 
    Die deut­sche Innen­po­li­tik legt mit einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­rüs­tung der Exe­ku­ti­ve und mit Über­wa­chungs­ge­set­zen der demo­kra­tisch erstrit­ten Frei­heit, Sicher­heit und den Bür­ger­rech­ten schwe­re Ket­ten an. Die Unter­zeich­nen­den die­ses Appells for­dern grü­ne, libe­ra­le und sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Abge­ord­ne­te im Deut­schen Bun­des­tag und den deut­schen Land­ta­gen auf: Hören Sie auf die Appel­le und War­nun­gen der Bür­ger­rechts­be­we­gung und der Bür­ger­rechts­flü­gel ihrer Par­tei­en! Deutsch­land braucht Frei­heits- statt Über­wa­chungs­ge­set­ze!” Appell an FDP, Grü­ne und SPD von und bei Digi­tal­cou­ra­ge externer Link, dort im Wort­laut und zum Mit­zeich­nen
  • Sicher­heits­po­li­tik: Bay­ern als Vor­bild [Neu: Rhein­land-Pfalz und Saar­land] 
    Neben Bay­ern pla­nen auch die ande­ren Bun­des­län­der neue Poli­zei­ge­set­ze. Nicht alle gehen dabei so weit wie der Frei­staat. (…) Rhein­land-Pfalz: Die Ampel-Regie­rung aus SPD, FDP und Grü­nen will vor­aus­sicht­lich nach der Som­mer­pau­se eine Novel­le zum Poli­zei­ge­setz vor­le­gen, die neben dem Daten­schutz und den Anpas­sun­gen zum BKA-Gesetz auch eine neue Zuver­läs­sig­keits­prü­fung für Mit­ar­bei­ter bei staat­li­chen und pri­va­ten Ver­an­stal­tun­gen vor­sieht. Anlass dafür war ein Zwi­schen­fall beim Musik­fes­ti­val Rock am Ring 2017, wo zwei den Behör­den nicht gemel­de­te Syrer als Hel­fer ein­ge­setzt waren und das Fes­ti­val des­halb wegen Ter­ror­ver­dachts unter­bro­chen wur­de. Saar­land: An der Saar steht frü­hes­tens in der zwei­ten Jah­res­hälf­te eine umfang­rei­che­re Reform an. Poli­zis­ten sol­len Ver­an­stal­tun­gen und Ver­samm­lun­gen mehr als bis­her per Video über­wa­chen und Ein­sät­ze mit Body­cams auf­zeich­nen dür­fen. Die gro­ße Koali­ti­on in Saar­brü­cken hat­te sich zudem auf die Ein­füh­rung einer Quel­len-TKÜ, also das Hacken und Mit­le­sen lau­fen­der elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on, ver­stän­digt. Gefähr­der sol­len künf­tig mit Fuß­fes­seln elek­tro­nisch über­wacht und Auto­kenn­zei­chen auto­ma­tisch erfasst wer­den…” Über­blicks-Arti­kel von SZ-Autoren vom 24. Mai 2018 bei der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Pro­test nicht nur in Bay­ern: Peter Schaar über den Wider­stand gegen Poli­zei­ge­set­ze 
    Was uns als ver­meint­li­che Ver­bes­se­rung der Sicher­heit ver­kauft wird, hält einer kri­ti­schen Prü­fung oft nicht stand. Wir spre­chen mit Peter Schaar über den Wett­lauf um das här­tes­te Poli­zei­ge­setz, die über­fäl­li­ge Pro­test­wel­le dage­gen und war­um in Bre­men die Debat­te um das Poli­zei­ge­setz anders ver­lief als in Bay­ern. Der über­ra­schend gro­ße Pro­test gegen das Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz in Bay­ern war Anlass für ein Gespräch mit Peter Schaar. Der ehe­ma­li­ge Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te und Sach­buch­au­tor hat­te in sei­nem Buch „Trü­ge­ri­sche Sicher­heit“ ana­ly­siert, wie sich die Ter­ror­angst auf grund­le­gen­de Bür­ger- und Frei­heits­rech­te aus­wirkt und wie inten­si­ve Grund­rechts­ein­grif­fe durch die Gro­ße Koali­ti­on („Gro­Ko“) in der ver­gan­ge­nen Legis­la­tur­pe­ri­ode damit gerecht­fer­tigt wur­den. Ob die­se Geset­ze tat­säch­lich für mehr Sicher­heit sor­gen, ist aber alles ande­re als bewie­sen. Wider­stand gegen die­se Ent­wick­lung reg­te sich in den letz­ten Jah­ren wenig, was sich nun zu ändern scheint: Anders als in Bay­ern wur­de die Novel­lie­rung des Poli­zei­ge­set­zes in Bre­men nach Pro­tes­ten vor­erst gestoppt…” Inter­view von Con­stan­ze Kurz vom 20.05.2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Die nied­rigs­te Kri­mi­na­li­täts­ra­te seit 25 Jah­ren – und trotz­dem über­all schär­fe­re Poli­zei­ge­set­ze
    Die Kri­mi­nal­sta­tis­tik berich­tet von einer sin­ken­den Zahl an Ein­brü­chen, Dieb­stäh­len und Gewalt­ver­bre­chen. Trotz­dem erhält die Poli­zei immer mehr Tech­nik und Befug­nis­se. War­um eigent­lich? Bei der Lösung gesell­schaft­li­cher Pro­ble­me füh­ren uns die Sta­tis­tik und neue Poli­zei­ge­set­ze in die Irre. Aus Behör­den­sicht ist Deutsch­land so sicher wie schon seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert nicht mehr. Die poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik (PKS) weist alle bei der Poli­zei regis­trier­ten Straf­ta­ten aus. Deren Zahl war 2017 nach heu­ti­ger Ver­laut­ba­rung des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums mit 5,8 Mil­lio­nen ange­zeig­ten Straf­ta­ten so nied­rig wie seit 1992 nicht mehr. Im Ver­gleich zum Jahr davor sank die Kri­mi­na­li­täts­ra­te um fünf Pro­zent. Die Auf­klä­rungs­quo­te erreicht mit 55 Pro­zent sogar den höchs­ten Wert seit Ein­füh­rung der ent­spre­chen­den Anga­be im Jahr 2005. Sogar Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer sagt, dass Deutsch­land im Ver­hält­nis zur Bevöl­ke­rungs­zahl nie weni­ger Kri­mi­na­li­tät auf­wies. Den­noch drän­gen er und vie­le Lan­des­po­li­ti­ker auf eine immer wei­te­re Aus­wei­tung der Poli­zei­be­fug­nis­se…” Arti­kel von Alex­an­der Fan­ta und Marie Bröck­ling vom 08.05.2018 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Inne­re Unsi­cher­heit: In meh­re­ren Bun­des­län­dern darf die Poli­zei zur Abwehr von Gefah­ren immer frü­her ein­grei­fen. Die­se Art von Prä­ven­ti­on ist ein Alb­traum für den Rechts­staat
    “… Die Wahr­schein­lich­keits­aus­sa­ge über künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen ist umso unzu­ver­läs­si­ger, je wei­ter sie sich von ihrem Anlass ent­fernt. Je frü­her also poli­zei­li­che Ein­grif­fe anset­zen, umso häu­fi­ger wer­den sie auch Bür­ger tref­fen, von denen tat­säch­lich kei­ne Gefahr aus­geht. Zugleich wird durch die Ver­la­ge­rung in das Vor­feld die rechts­staat­lich essen­zi­el­le Kon­trol­le staat­li­cher Grund­rechts­ein­grif­fe erheb­lich erschwert. Je kla­rer und bestimm­ter die Gren­zen für staat­li­ches Han­deln sind, des­to bes­ser kön­nen Gerich­te deren Ein­hal­tung prü­fen. Eine wei­te und vage Kate­go­rie wie die “dro­hen­de Gefahr” aber ist nur schwer zu bestim­men und zu über­prü­fen. (…) Das größ­te Pro­blem eines sol­chen Prä­ven­ti­ons­stre­bens ist indes sei­ne poten­zi­el­le Gren­zen­lo­sig­keit. Ursa­chen für Gefah­ren gibt es unend­lich vie­le; und man kann ihnen immer noch frü­her und immer noch umfas­sen­der begeg­nen. Der nächs­te Schritt ins Vor­feld ist daher nur eine Fra­ge der Zeit. Die Vari­an­ten des “Pre­dic­ti­ve Poli­cing”, die in den USA prak­ti­ziert wer­den, und das in Chi­na ein­ge­führ­te “Social Sco­ring” – die per­ma­nen­te Bewer­tung der Kon­for­mi­tät aller Bür­ger anhand zahl­lo­ser Daten über das Sozi­al­ver­hal­ten – zei­gen, wohin die Rei­se geht. Ein Staat, der sich auf die­sem Weg kei­ne Gren­zen setzt, droht selbst zur Gefahr zu wer­den.” Gast­kom­men­tar von Tobi­as Sin­geln­stein vom 13. April 2018 bei der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link (Tobi­as Sin­geln­stein ist Pro­fes­sor für Kri­mi­no­lo­gie an der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum)

Der Bei­trag Neue Poli­zei­ge­set­ze, über­all – eine Bestands­auf­nah­me erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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