[Freiheitsliebe:] Die Wiederbelebung der Geschichte des schwarz-asiatischen Internationalismus

Inmit­ten einer glo­ba­len Pan­de­mie bie­tet der Inter­na­tio­na­lis­mus der Drit­ten Welt einen Rah­men, um die heu­ti­gen Bewe­gun­gen gegen Anti-Black­ness, Impe­ria­lis­mus und antiasia­ti­schen Ras­sis­mus zu ver­bin­den.

Sax Roh­mers Roman The Mys­te­ry of Fu Man­chu aus dem Jah­re 1913 fas­zi­nier­te die Leser mit sei­ner Destil­la­ti­on von Jahr­hun­der­ten west­li­cher Begier­de, Angst und Fas­zi­na­ti­on des „Ostens“ zu einem ein­zi­gen Ant­ago­nis­ten: Dr. Fu Man­chu, „die leib­haf­ti­ge gel­be Gefahr“. Aus­ge­stat­tet mit der „grau­sa­men Geris­sen­heit einer gan­zen öst­li­chen Ras­se“ und der Beherr­schung der west­li­chen Wis­sen­schaf­ten, begeis­ter­te und erschreck­te der hin­ter­häl­ti­ge Chi­ne­se die Leser mit sei­nen spek­ta­ku­lä­ren Taten.

Ein Kri­mi­nel­les Genie, ver­rück­ter Wis­sen­schaft­ler und meis­ter­haf­ter Che­mi­ker, bei dem ein Stich sei­ner Injek­ti­ons­na­del aus­reicht, um selbst den wil­lens­stärks­ten Haupt­dar­stel­ler in den Wahn­sinn zu trei­ben. In Fu Man­chu kris­tal­li­sier­te Roh­mer west­li­che Vor­stel­lung von öst­li­cher Krank­heit, Inva­si­on, Kor­rup­ti­on und Ver­skla­vung in einen abscheu­li­chen Mann, den es zu fürch­ten, schmä­hen und letzt­lich zu bezwin­gen galt.

Die Ras­si­fi­zie­rung von COVID-19 – als „chi­ne­si­sches Virus“ oder „Kung-Flu“ – belebt die­sen tief ver­wur­zel­ten kul­tu­rel­len Prüf­stein wie­der. Trotz auf­tau­chen­der Bewei­se, die dar­auf hin­deu­ten, dass das Virus vor dem ers­ten doku­men­tier­ten Aus­bruch in Wuhan im Dezem­ber 2019 jah­re­lang im Umlauf war, hat sich das Sün­den­bock-Nar­ra­tiv, dass das Virus von den „wet mar­kets“ der chi­ne­si­schen Stadt stam­me oder sogar aus einem hoch­ge­si­cher­ten chi­ne­si­schen Virus­la­bor ent­kom­men sei, fest in der Vor­stel­lungs­kraft der Men­schen ver­an­kert und unter­streicht die dau­er­haf­te rhe­to­ri­sche Ver­wen­dung des Tro­pus der „gel­ben Gefahr“.

Als die neue ori­en­ta­li­sche Inva­si­on wur­de COVID-19 zu einem geeig­ne­ten exter­nen Feind, der in Zei­ten sozia­ler Umwäl­zun­gen die natio­na­le Ein­heit not­wen­dig mach­te, unge­ach­tet der über­pro­por­tio­na­len Aus­wir­kun­gen von COVID-19 in schwar­zen, indi­ge­nen und latein­ame­ri­ka­ni­schen Gemein­schaf­ten. Wie die „Chi­ne­se Must Go!“-Arbeiterbewegungen, die Lynch­mor­de und die Selbst­jus­tiz der 1870er Jah­re, dient auch die jüngs­te anti-asia­ti­sche Gewalt – von einem Mes­ser­an­griff in einem texa­ni­schen Lebens­mit­tel­ge­schäft bis hin zu einem Säu­re­an­griff in Brook­lyn – dazu, die natio­na­le, wirt­schaft­li­che und kör­per­li­che Gesund­heit durch die gewalt­sa­me Ent­fer­nung des „Frem­den in unse­rer Mit­te“ zu erhal­ten.

Doch als die Iso­la­ti­on des social distancing nach den Poli­zei­m­or­den an Geor­ge Floyd und Bre­on­na Tay­lor, den Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen von „Black Lives Mat­ter“ wich, wur­de eine wei­te­re Ver­si­on der „gel­ben Gefahr“ wie­der­be­lebt. Pro­test­schil­der mit dem Slo­gan „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power“ spie­len auf die oppo­si­tio­nel­le Poli­tik der asia­tisch-ame­ri­ka­ni­schen Bewe­gung der „lan­gen Sech­zi­ger“ an: eine, in wel­cher der Alb­traum von der ori­en­ta­li­schen Inva­si­on in einen Auf­ruf zur anti­ko­lo­nia­len Revol­te ver­wan­delt wird. Ein­ge­bet­tet in die­sen Slo­gan ist der Geist der schwarz-asia­ti­schen inter­na­tio­na­lis­ti­schen Kri­tik am glo­ba­len Impe­ri­um und der wei­ßen Vor­herr­schaft, wel­cher die Idee von der „Drit­ten Welt“ defi­niert hat.

Die sich über­schnei­den­den sozia­len Umwäl­zun­gen, einer als „ori­en­ta­lisch“ ras­si­fi­zier­ten Pan­de­mie und die schwar­zen Auf­stän­de gegen ras­sis­ti­sche Poli­zei­ar­beit erfor­dern eine Ana­ly­se, die die Dis­kur­se von Anti-Black­ness und Ori­en­ta­lis­mus nicht als gleich­wer­ti­ge, son­dern kon­sti­tu­ti­ve Bestand­tei­le eines glo­ba­len ras­sis­ti­schen Kapi­ta­lis­mus ver­knüpft. Inmit­ten der Wider­sprü­che, zwi­schen einem sich ver­schär­fen­den mili­tä­ri­schen „Schwenk nach Asi­en“ und einer schwar­zen aboli­tio­nis­ti­schen Visi­on sich von kar­zera­len Insti­tu­tio­nen zu tren­nen, bie­tet die revo­lu­tio­nä­re inter­na­tio­na­lis­ti­sche Tra­di­ti­on schwar­zer und asia­ti­scher Anti­im­pe­ria­lis­ten einen Weg­wei­ser für die Vor­stel­lung und den Auf­bau einer ande­ren Welt.

Abscheu oder Aufstand? Die Konkurrierenden Diskurse der „gelben Gefahr“

Der impe­ria­le Dis­kurs der „gel­ben Gefahr“ funk­tio­niert, indem ein Wesen erschaf­fen wird, das es zu Fürch­ten und aus­zu­lö­schen gilt; ein äuße­rer Feind, um den sich die Idee des Wes­tens als Ein­heit bil­det. In Mask of Fu Man­chu von 1932, einer der vie­len Ver­fil­mun­gen von Roh­mers Roma­nen, heckt ein „Yel­low Face“-tragender Boris Kar­loff einen Plan aus, um die ver­lo­re­ne Mas­ke von Dschin­gis Khan wie­der­zu­fin­den. Mit der Mas­ke des legen­dä­ren Erobe­rers kann er sich zum Erben des Khan aus­spre­chen und die Völ­ker Asi­ens und des Nahen Ostens in einen Krieg füh­ren, um „den wei­ßen Mann zu töten und ihm sei­ne Frau­en zu neh­men!“.

Das Gen­re der „gel­ben Gefahr“ stellt in sei­ner Bild­spra­che ori­en­ta­li­sche Hor­den und sinn­lo­se Gewalt in den Vor­der­grund – was John Kuo Wei Tchen und Dyl­an Yeats eine „trans­his­to­risch phan­ta­sier­te Tra­di­ti­on des öst­li­chen Ant­ago­nis­mus gegen den Wes­ten“ nen­nen. Jed­we­der Sub­text eines anti­ko­lo­nia­len Auf­stands wird zuguns­ten einer geheu­chel­ten west­li­chen Unschuld, die einer männ­li­chen Ver­tei­di­gung gegen den ter­ro­ris­ti­schen Osten bedarf, ent­fernt.

Die kolo­nia­le Vor­herr­schaft in Asi­en selbst wur­de als vor­beu­gen­de Maß­nah­me gegen die Bedro­hung durch die „gel­be Gefahr“ hin­ge­stellt. Als die impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te Euro­pas 1895 Asi­en in eine Rei­he kolo­nia­ler Ver­wal­tun­gen und Kon­zes­sio­nen auf­teil­ten, ver­an­schau­lich­te eine Litho­gra­phie Kai­ser Wil­helms II. die gött­li­che Visi­on der kolo­nia­len Erobe­rung. Ein leuch­ten­der Bud­dha schwebt bedroh­lich im Osten, wäh­rend die Natio­nen Euro­pas – per­so­ni­fi­ziert als engels­glei­che, hel­le­nis­ti­sche Krie­ger – gewarnt wer­den: „Völ­ker Euro­pas, hütet eure hei­ligs­ten Besitz­tü­mer.“ Als Japan 1905 die west­li­che Welt scho­ckier­te, indem es eine euro­päi­sche Groß­macht im rus­sisch-japa­ni­schen Krieg besieg­te, schien Wil­helms Alb­traum eines anti­im­pe­ria­len Ras­sen­krie­ges unmit­tel­bar bevor­zu­ste­hen.

Auf der ande­ren Sei­te des Atlan­tiks jedoch, traf der durch­schla­gen­de Sieg Japans für eini­ge einen voll­kom­men ande­ren Nerv. Der pan­afri­ka­ni­sche Sozia­list und Sozio­lo­ge W.E.B. Du Bois betrach­te­te es als „das Erwa­chen der gel­ben Ras­se“, ein Ereig­nis das die „schwar­zen und brau­nen Ras­sen“ unver­meid­lich zur Nach­fol­ge beweg­te. „Dies,“ schrieb Du Bois, „ist das Pro­blem der gel­ben Gefahr und der Ras­sen­schran­ke, und es ist das Pro­blem des ame­ri­ka­ni­schen Negers“.

Du Bois‘ The­se der „Ras­sen­schran­ke“ iden­ti­fi­zier­te die glo­ba­le Natur der wei­ßen Vor­herr­schaft und ver­deut­lich­te die Macht der schwar­zen, brau­nen und gel­ben Mehr­heit der Welt, um Impe­ria­lis­mus und Kapi­ta­lis­mus zu unter­gra­ben. Wo die west­li­chen Mäch­te eine Bedro­hung für die glo­ba­le Vor­herr­schaft der Wei­ßen sahen, betrach­te­te Du Bois die „gel­be Gefahr“ als Leucht­feu­er des Poten­zi­als der Peop­le of Color, die Ras­sen­schran­ke ein für alle Mal zu über­schrei­ten.

Und wäh­rend die Geschich­te bewei­sen wür­de, dass das japa­ni­sche Mili­tär die Kräf­te des glo­ba­len Impe­ria­lis­mus nicht her­aus­for­dern, son­dern in Wahr­heit fes­ti­gen wür­de, zeigt Du Bois‘ radi­ka­le Inter­pre­ta­ti­on des japa­ni­schen Sie­ges, dass sich die „gel­be Gefahr“ auf zwei Wei­sen ver­wen­den lässt: sowohl als Werk­zeug des Impe­ri­ums, als auch als Auf­ruf, die Waf­fen dage­gen zu erhe­ben.

„Gelbe Gefahr“ unterstützt Black Power

Als 1968 die jun­gen Mit­glie­der der Asi­an Ame­ri­can Poli­ti­cal Alli­an­ce von Ber­ke­ley zu einem Pro­test in San Fran­cis­co gegen die Inhaf­tie­rung des Vor­sit­zen­den der Black Pan­ther Par­ty, Huey New­ton, erschie­nen, tru­gen sie Schil­der mit dem nun iko­ni­schen Slo­gan: „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power.“

In Du Bois­scher Manier wur­de ihre Umdeu­tung des impe­ria­len Dis­kur­ses der gel­ben Gefahr zur Kurz­form für eine Pra­xis gemein­sa­mer Rebel­li­on gegen Ras­sis­mus, Impe­ria­lis­mus und Kapi­ta­lis­mus.

Für asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Radi­ka­le inmit­ten der „Black Power“-Bewegung und eines impe­ria­lis­ti­schen Viet­nam-Krie­ges gegen einen „unsicht­ba­ren“ ori­en­ta­li­schen Feind, wur­de der Tro­pus, der Asia­ten in den USA als „ewi­ge Aus­län­der“ und „feind­li­che Frem­de“ ver­damm­te, zu eben jenem Dis­kurs, der Fremd­heit als Kri­tik am US-Impe­ri­um besetz­te. Er ver­deut­lich­te die Ver­pflich­tung zu einem revo­lu­tio­nä­ren inter­na­tio­na­lis­ti­schen Auf­trag, der die Logik der wei­ßen Vor­herr­schaft, des Impe­ria­lis­mus und der Ver­ei­nig­ten Staa­ten selbst unter­gra­ben konn­te.

In der wie­der­auf­le­ben­den „Black Lives Matter“-Bewegung ist „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power“ als kla­rer Auf­ruf zu asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Soli­da­ri­tät wie­der auf­ge­taucht. Wäh­rend eini­ge sich über den Slo­gan „Gel­be Gefahr“ beschwert haben, weil er die schwar­zen Kämp­fe dezen­trie­ren wür­de, soll­ten wir nicht ver­ges­sen, dass es die Anfüh­rer der schwar­zen Befrei­ungs­be­we­gung selbst waren, die frü­he asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Akti­vis­ten ermu­tig­ten, sich glo­bal zu ori­en­tie­ren.

Als bei­spiels­wei­se „Black Pan­ther Party“-Mitglied, David Hil­li­ard, den Roten Gar­den sag­te: „Wenn ihr euch nicht auf Chi­na bezie­hen könnt, könnt ihr euch nicht auf die Pan­thers bezie­hen“, bestand er dar­auf, dass die kom­mu­nis­ti­schen und anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Bewe­gun­gen in Asi­en ent­schei­den­de Ergän­zun­gen im Kampf der Pan­ther gegen Anti-Black­ness und wei­ße Vor­macht­stel­lung waren. Um den Pan­thers bei­ste­hen zu kön­nen, muss­ten asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner ihren Blick über assi­mi­la­to­ri­sche Ansprü­che auf US-Zuge­hö­rig­keit hin­aus auf die stei­gen­de Flut von Revo­lu­tio­nen der Drit­ten Welt im Osten rich­ten.

Die Rufe nach schwarz-asia­ti­scher inter­na­tio­na­lis­ti­scher Soli­da­ri­tät lie­ßen in den radi­ka­len Bewe­gun­gen des 20. Jahr­hun­derts nach. 1943 schrieb der Dich­ter und Akti­vist Langston Hug­hes das anti­ko­lo­nia­le Gedicht „Roar, Chi­na!“ das danach ver­lang­te, „die Dreh­tü­ren des Jim Crow Y.M.C.A. zu zer­schla­gen“ – und ver­knüpf­te so die Jim-Crow-Segre­ga­ti­on im Süden der USA mit den rein wei­ßen Unter­neh­men in den impe­ria­lis­ti­schen Kon­zes­sio­nen Shang­hais. 1964 erklär­te Mal­colm X Viet­nam zum „Kampf der gesam­ten Drit­ten Welt.“

Und dann lei­te­te die „Anti-Impe­ria­list Dele­ga­ti­on“ 1979 – unter der Füh­rung des Par­tei­vor­sit­zen­den der Black Pan­ther, Eld­ridge Clea­ver – eine „volks­di­plo­ma­ti­sche“ Rund­rei­se durch die Demo­kra­ti­sche Volks­re­pu­blik Korea, Nord­viet­nam und die Volks­re­pu­blik Chi­na. Die mul­ti­eth­ni­sche Dele­ga­ti­on selbst war eine Kri­tik des soge­nann­ten Wes­tens. Clea­ver such­te nach revo­lu­tio­nä­ren Tak­ti­ken im Osten, um sie an das Herz der Bes­tie anzu­pas­sen und for­der­te „die unter­drück­ten und revo­lu­tio­nä­ren Völ­ker der Welt auf, dem Bei­spiel des hel­den­haf­ten korea­ni­schen Vol­kes zu fol­gen“.

Das Impe­ri­um war der Kern der Kri­tik die­ser Dele­ga­ti­on, die fest­stell­te wie die Ras­si­fi­zie­rung der Kar­to­gra­phie­rung der Welt folg­te. Als Sym­bo­le der Idee der Drit­ten Welt stell­ten Mao Zedong, Ho Chi Minh und Kim Il Sung eine ande­re Art von Füh­rung und poli­ti­scher Phi­lo­so­phie dar, die die Mas­sen von kapi­ta­lis­ti­scher Aus­beu­tung und kolo­nia­lem Trau­ma befrei­en konn­te. In ihrer Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Pro­jekt der Drit­ten Welt schmie­de­ten dia­spo­ri­sche Gemein­schaf­ten – ein­schließ­lich schwar­zer und asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Radi­ka­ler – Soli­da­ri­tä­ten, die nicht auf Gleich­wer­tig­keit beruh­ten, son­dern auf den Alli­an­zen und Koali­tio­nen, die not­wen­dig waren, um in einer Zeit der Ent­ko­lo­nia­li­sie­rung eine block­freie Welt­ord­nung zu schaf­fen.

Die­se inter­na­tio­na­lis­ti­schen, anti­im­pe­ria­len Alli­an­zen foch­ten die glo­ba­le Ras­sen­schran­ke an, die Du Bois bekann­ter­ma­ßen als das bestim­men­de Pro­blem des 20. Jahr­hun­derts bezeich­ne­te. Unse­re gegen­wär­ti­gen Kri­sen zei­gen sowohl die Lang­le­big­keit die­ser glo­ba­len Macht­an­ord­nung als auch ihre Fle­xi­bi­li­tät.

Das linea­re Farb­sche­ma einer Ära der De-jure-Segre­ga­ti­on, der Auf­tei­lung und der Kolo­ni­al­herr­schaft wur­de weit­ge­hend in einen Dis­kurs mul­ti­kul­tu­rel­ler Inklu­si­on umge­wan­delt, der „Unter­schie­de“ tole­riert oder sogar fei­ert, wäh­rend die Struk­tu­ren bei­be­hal­ten wer­den, die ras­sen­ba­sier­te Ver­letz­lich­keit erzeu­gen. Die Anpas­sungs­fä­hig­keit der Ras­sen­schran­ke ist para­dig­ma­tisch für den zeit­ge­nös­si­schen Ras­sis­mus, da Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und eth­ni­scher Libe­ra­lis­mus als das domi­nan­te Nar­ra­tiv der US-Poli­tik her­vor­ge­gan­gen sind, das den anhal­ten­den Ras­sis­mus und Impe­ria­lis­mus in einer schein­bar „post-ras­si­schen“ Ära ver­schlei­ert.

Mit­te des 20. Jahr­hun­derts ent­stand ein neu­es Nar­ra­tiv, um asia­ti­sche Ras­sen­un­ter­schie­de in das Pro­jekt des Impe­ri­ums ein­zu­be­zie­hen: der Mythos der „vor­bild­li­chen Min­der­heit“. Im Gegen­satz zu schwar­zen Ame­ri­ka­nern, die sich für Ras­sen­gleich­heit und anti­ko­lo­nia­le, kom­mu­nis­ti­sche natio­na­le Befrei­ungs­be­we­gun­gen der Drit­ten Welt ein­setz­ten, wur­den asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner als unpo­li­tisch, auf­stiegs­wil­lig und daher als Beweis des Wohl­wol­lens der kapi­ta­lis­ti­schen libe­ra­len Demo­kra­tie in den USA dar­ge­stellt.

Wo die „gel­be Gefahr“ die glo­ba­le Ras­sen­schran­ke durch die ima­gi­nä­re Bedro­hung der Über­schrei­tung aus­wies, hält der Mythos der vor­bild­li­chen Min­der­heit das post­ras­si­sche Hirn­ge­spinst der ver­meint­li­chen Irrele­vanz der Ras­sen­schran­ke auf­recht. Das Nar­ra­tiv der vor­bild­li­chen Min­der­heit domes­ti­ziert den inter­na­tio­na­lis­ti­schen Geist der radi­ka­len Ursprün­ge des asia­ti­schen Ame­ri­ka und ver­hin­dert Mög­lich­kei­ten für eine oppo­si­tio­nel­le, anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Poli­tik, die zu unse­rem gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt so drin­gend nötig ist.

Die konterrevolutionäre Funktion der vorbildlichen Minderheit

Die erneu­te Anzie­hungs­kraft von „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power“ beruht auf der Ableh­nung des Nar­ra­tivs der vor­bild­li­chen Min­der­heit, das die asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Ent­po­li­ti­sie­rung, Anti-Black­ness sowie eine assi­mi­la­to­ri­sche Akzep­tanz ame­ri­ka­ni­scher sozia­ler Nor­men vor­aus­setzt. Der Slo­gan stellt seit lan­gem eine Ableh­nung des­sen dar, was Frank Chin und Jef­frey Paul Chan als wei­ße „ras­sis­ti­sche Lie­be“ für asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner im Diens­te des „ras­sis­ti­schen Has­ses“ gegen schwar­ze Ame­ri­ka­ner bezeich­ne­ten.

Gut doku­men­tiert ist die Ent­ste­hung des Mythos der vor­bild­li­chen Min­der­heit, als Instru­ment zur Zurecht­wei­sung schwar­zer For­de­run­gen nach Ras­sen­ge­rech­tig­keit in den 1960er Jah­ren. Wil­liam Peter­sens Arti­kel „Suc­cess Sto­ry: Japa­ne­se Ame­ri­can Style“ aus dem Jah­re 1966, der japa­nisch-ame­ri­ka­ni­sche Fami­li­en­wer­te, Bil­dungs­er­fol­ge und eine Kul­tur des Flei­ßes inmit­ten von Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung ver­kün­de­te, steht sinn­bild­lich für die Brauch­bar­keit des Mythos, den asia­tisch-ame­ri­ka­ni­schen „Erfolg“ der ver­meint­li­chen, vom Moy­ni­han-Bericht popu­la­ri­sier­ten, schwar­zen Kul­tur­pa­tho­lo­gie gegen­über­zu­stel­len.

In der Tat ist das Anprei­sen asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Errun­gen­schaf­te –, als „Beweis“ für die US-ame­ri­ka­ni­sche Meri­to­kra­tie und den eth­ni­schen Libe­ra­lis­mus – von zen­tra­ler Bedeu­tung für den Dis­kurs der vor­bild­li­chen Min­der­heit, der häu­fig aus­drück­lich geführt wird, um schwar­ze Ame­ri­ka­ner für ihr eige­nes Ver­säum­nis zu tadeln. In die­sem Sin­ne fun­giert der Mythos der vor­bild­li­chen Min­der­heit als kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­rer Dis­kurs: die von Schwar­zen ange­führ­ten For­de­run­gen nach einer anti­ras­sis­ti­schen Umver­tei­lung und Umstruk­tu­rie­rung einer fun­da­men­tal ras­sis­ti­schen US-Gesell­schaft zu ent­kräf­ten, indem auf asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche „Erfolgs­ge­schich­ten“ als Beweis für die Chan­cen­gleich­heit der USA ver­wie­sen wird.

Was bei der „Ursprungs­ge­schich­te“ der vor­bild­li­chen Min­der­heit oft über­se­hen wird, ist die ande­re kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re Funk­ti­on des Mythos: als impe­ria­le Pro­pa­gan­da im Kon­text des Kal­ten Krie­ges, in des­sen Ver­lauf der US-Ras­sis­mus droh­te das geo­po­li­ti­sche Pro­jekt, die „Her­zen und Köp­fe“ in der Drit­ten Welt zu gewin­nen, schei­tern zu las­sen. Wo die „gel­be Gefahr“ das Gespenst der ori­en­ta­li­schen Aggres­si­on mit sich führt und kolo­nia­lis­ti­sche und impe­ria­lis­ti­sche US-Sied­ler als strah­len­de Rit­ter der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on dar­stellt, sub­su­miert die vor­bild­li­che Min­der­heit die Exis­tenz des US-Impe­ria­lis­mus unter dem Anschein mul­ti­kul­tu­rel­ler Har­mo­nie.

Dies ist sicht­bar im Fal­le meh­re­rer US-Besat­zun­gen im Pazi­fik. Laut Dean Sar­anil­lio bot die Dar­stel­lung der hawai­ia­ni­schen Staat­lich­keit als Errin­gung asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Bür­ger­rech­te eine libe­ra­le Tar­nung, für die Ver­an­ke­rung des Sied­ler­ko­lo­nia­lis­mus im Land der Kana­ka Mao­li, im Diens­te der stra­te­gi­schen Posi­tio­nie­rung Hawai­is an der Pazi­fik­front des US-Mili­tärs. 1952 führ­te der Pro­pa­gan­dist Edward Ber­nays Hawai­is stra­te­gi­sche Posi­ti­on als „Schmelz­tie­gel“ einer „ori­en­ta­li­schen Assi­mi­la­ti­on“ an, was den Insel­ar­chi­pel zu einem „psy­cho­lo­gi­schen Wall in der natio­na­len Ver­tei­di­gung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von unschätz­ba­rem Wert“ machen wür­de, gegen „kom­mu­nis­ti­sche Ankla­gen“ von US-Ras­sis­mus und Impe­ria­lis­mus.

Eben­so erfor­der­te die US-ame­ri­ka­ni­sche Besat­zung Japans nach dem Krieg und des­sen Aus­for­mung zu einem Juni­or­part­ner der US-Agen­da des Kal­ten Kriegs in Asi­en, die eth­ni­sche Reha­bi­li­tie­rung der Japa­ner von ihrem Image als „Kamikaze“-Aggressoren aus dem Zwei­ten Welt­krieg, zu einer, wie der His­to­ri­ker Nao­ko Shi­busa­wa argu­men­tiert, femi­ni­sier­ten, füg­sa­men Posi­ti­on als „inter­na­tio­na­le vor­bild­li­che Min­der­heit“.

Wie die Beschwö­rung einer „Problem“-Minderheit durch die vor­bild­li­che Min­der­heit, exis­tiert die Auf­wer­tung vor­bild­li­cher geo­po­li­ti­scher Ver­bün­de­ter in einer pro­duk­ti­ven Span­nung mit „Feind­na­tio­nen“. Aus die­ser Sicht könn­te die jüngs­te Dar­stel­lung inter­na­tio­na­ler Reak­tio­nen auf die Pan­de­mie in den Main­stream­m­edi­en pro­duk­tiv als eine Geo­gra­phie von US-Agen­den in Asi­en im Rah­men eines neu­en Kal­ten Krie­ges gele­sen wer­den. Wäh­rend Süd­ko­rea, Tai­wan und Japan als Vor­bil­der für den „rich­ti­gen Weg“ der öffent­li­chen Gesund­heit Asi­ens ver­kün­det wur­den, rich­te­te man faden­schei­ni­ge Behaup­tun­gen über gefälsch­te Zah­len, Mas­sen­grä­ber und ande­re Kenn­zei­chen von „Auto­ri­ta­ris­mus“ gegen die Regie­run­gen Chi­nas, der DVRK und des Iran.

Wäh­rend die „gel­be Gefahr“ das Bild einer iso­lier­ten und von Sank­tio­nen aus­ge­hun­ger­ten Demo­kra­ti­schen Volks­re­pu­blik Korea als krie­ge­ri­sche nuklea­re Bedro­hung für das ame­ri­ka­ni­sche Volk zeich­net und die US-Mili­tär­prä­senz, von Süd­ko­rea bis Oki­na­wa, Guam, Hawaii und den Phil­ip­pi­nen, als einen gerech­ten Kreuz­zug recht­fer­tigt, um Chi­na „in Schach zu hal­ten“, stellt die Inter­na­tio­na­li­sie­rung der vor­bild­li­chen Min­der­heit Japan, Süd­ko­rea und ande­re, als „Erfolgs­ge­schich­ten“ der west­li­chen kapi­ta­lis­ti­schen Moder­ne und Recht­fer­ti­gung der US-Hege­mo­nie in Asi­en, im Namen der anti­kom­mu­nis­ti­schen Ein­däm­mung und kapi­ta­lis­ti­schen Inte­gra­ti­on, dar.

Um asia­ti­sche „Erfolgs­ge­schich­ten“ von „Feind­na­tio­nen“ abzu­gren­zen, arbei­ten die „gel­be Gefahr“ und die Nar­ra­ti­ve von vor­bild­li­chen Min­der­hei­ten wei­ter­hin zusam­men, um die geo­po­li­ti­sche Vor­macht­stel­lung der USA zu legi­ti­mie­ren.

Gegen eine Politik der „Einforderung Amerikas“

Die ein­an­der ergän­zen­den kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Funk­tio­nen der Tro­pen der „gel­ben Gefahr“ und der vor­bild­li­chen Min­der­heit machen es schwie­rig, das eine zu wider­le­gen, ohne das ande­re zu ver­ge­gen­ständ­li­chen. Der durch die Pan­de­mie aus­ge­lös­te Anstieg anti-asia­ti­scher Gewalt, hat bei­spiels­wei­se eini­ge asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner dazu inspi­riert, dem impe­ria­len Dis­kurs der „gel­ben Gefahr“ durch Ansprü­che auf eine impe­ria­le US-Staats­bür­ger­schaft zu ent­ge­hen. Am bekann­tes­ten ver­kör­per­te der frü­he­re Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Andrew Yang die­sen Impuls der vor­bild­li­chen Min­der­heit in sei­ner For­de­rung an asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner, „ohne Zwei­fel zu zei­gen, dass wir Ame­ri­ka­ner sind, die unse­ren Bei­trag für unser Land leis­ten wer­den“.

Trotz der weit ver­brei­te­ten Kri­tik des asia­tisch-ame­ri­ka­ni­schen Main­streams unter­schied sich Yangs Argu­ment nicht all­zu sehr von den Ansprü­chen, die vie­le asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner seit lan­gem in Bezug auf Sicher­heit, Inklu­si­on und Zuge­hö­rig­keit gestellt haben. Pro­mi­nen­te asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Schrift­stel­ler ver­fass­ten Erklä­run­gen und orga­ni­sier­ten ganz­tä­gi­ge Work­shops wie „United Against Hate: A Day of Soli­da­ri­ty“. Die Leh­ren­den reg­ten kri­ti­sche Gesprä­che an, über asia­ti­sche und asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Erfah­run­gen auf dem Cam­pus. Kom­men­ta­to­ren – sogar Pro­mi­nen­te wie John Chobemerk­ten die Leich­tig­keit, mit der die beque­me, wenn auch unsicht­bar machen­de Posi­ti­on der vor­bild­li­chen Min­der­heit, der ras­sis­ti­schen Sicht­bar­keit und Kon­trol­le der „gel­ben Gefahr“ wei­chen konn­te.

Vie­le die­ser Reak­tio­nen auf eine ori­en­ta­lis­ti­sche Rhe­to­rik und Gewalt ver­lang­ten eine aus­ge­dehn­te­re Staats­bür­ger­kun­de, um den Tro­pus der Inva­si­on mit denen von Staats­bür­ger­schaft und Zuge­hö­rig­keit zu bekämp­fen. Die­se Ein­for­de­rung des Sta­tus der vor­bild­li­chen Min­der­heit wie­sen eine tie­fer­ge­hen­de Kri­tik an den USA zurück und such­ten statt­des­sen Zuflucht vor dem staat­li­chen Dis­kurs über die „gel­be Gefahr“ in den Armen des Staa­tes selbst. Vie­le haben sich der Gesetz­ge­bung zu Hass­ver­bre­chen und ihrer Durch­set­zung durch die Poli­zei zuge­wandt und die Rol­le kar­zera­ler Gewalt, als Lin­de­rung zuneh­men­der anti-asia­ti­scher Hass­ver­bre­chen, legi­ti­miert.

Zum Bei­spiel star­te­te New York City im Mai eine Akti­on zur Bekämp­fung anti-asia­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung durch Öffent­lich­keits­ar­beit mit Kos­ten von 100.000 US-Dol­lar, ein­schließ­lich Schil­dern mit der Auf­schrift: „Dis­kri­mi­nie­rung und Beläs­ti­gung auf­grund von COVID-19 sind in New York City ille­gal.“ In ähn­li­cher Wei­se beschwört der Leit­fa­den über anti-asia­ti­sche Gewalt der „Japa­ne­se Ame­ri­can Citi­zens‘ League“, Zeu­gen und Opfer von Hass­ver­bre­chen „unein­ge­schränkt mit der Poli­zei zusam­men­zu­ar­bei­ten“. Die­se For­de­run­gen nach Sicher­heit durch die Begrü­ßung des kar­zera­len Staa­tes sind Teil einer län­ge­ren Geschich­te der Ver­ein­nah­mung anti-asia­ti­scher Gewalt zur Stär­kung der Gesetz­ge­bung zu Hass­ver­bre­chen auf Bun­des­ebe­ne – um eine anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Hal­tung, die die USA selbst als den „größ­ten Gewalt­lie­fe­ran­ten der Welt“ iden­ti­fi­ziert, zurück­zu­wei­sen.

Wenn Assi­mi­la­ti­on his­to­risch die Bezie­hung zwi­schen „gel­ber Gefahr“ und vor­bild­li­cher Min­der­heit ver­mit­telt hat, dann tauscht die Ein­for­de­rung des Ame­ri­ka­ni­schen unwei­ger­lich den impe­ria­len Alb­traum eines anti­ko­lo­nia­len „Ras­sen­krie­ges“ gegen die legi­ti­mie­ren­de impe­ria­le Fan­ta­sie einer „post-ras­si­schen“ Har­mo­nie ein. Anstatt sich der impe­ria­len Logik der „gel­ben Gefahr“ zu wider­set­zen, fun­gie­ren asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Zuge­hö­rig­keits­an­sprü­che häu­fig als ein­fa­che Umlei­tung impe­ria­lis­ti­scher Gewalt. T‑Shirts mit der stol­zen Auf­schrift „Ich bin Asia­te, aber ich bin kein Chi­ne­se“ zei­gen dies am deut­lichs­ten.

In der Zwi­schen­zeit for­der­te die „Asi­an Ame­ri­can Jour­na­lists Asso­cia­ti­on“ die Medi­en auf, in ihrer COVID-19-Bericht­erstat­tung „gene­ri­sche Bil­der von Chi­na­town“ zu ver­mei­den, davor war­nend, dass dies „Ste­reo­ty­pe ver­stär­ken und ein Gefühl von ‚Anders­ar­tig­keit‘ erzeu­gen kön­ne“. Wäh­rend der­ar­ti­ge Reak­tio­nen sicher­lich gut gemeint sind, natu­ra­li­sie­ren sie impe­ria­le Gewalt in Asi­en, indem vor allem der Miss­brauch „unschul­di­ger“ asia­ti­scher Ame­ri­ka­ner bemän­gelt wird, anstatt Fremd­heit als Kri­tik zu behan­deln, die die Auf­wer­tung alles Ame­ri­ka­ni­schen desta­bi­li­siert und gel­tend macht, dass die USA impe­ria­le Gewalt ver­an­kern. Die blo­ße Befür­wor­tung erwei­ter­ter Para­me­ter, um das ame­ri­ka­ni­sche „Wir“ zu defi­nie­ren, bestä­tigt impli­zit die Dicho­to­mie zwi­schen „Uns“ und „Ihnen“.

Inter­es­san­ter­wei­se ver­schlei­ert die Wie­der­be­le­bung des Slo­gans „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power“ die­sen inter­na­tio­na­lis­ti­schen Kon­text weit­ge­hend, trotz der schein­ba­ren Anru­fung des Gespens­tes ori­en­ta­li­scher anti-kolo­nia­ler Revol­te, zuguns­ten einer domes­ti­zier­ten Ver­si­on asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Soli­da­ri­tät, model­liert nach einem Mus­ter wei­ßer Mit­strei­ter­schaft.

Kon­train­tui­tiv geschieht die Mem­ei­fi­zie­rung von „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power“ ent­lang einer Vari­an­te des asia­tisch-ame­ri­ka­ni­schen Dis­kur­ses, die davon aus­geht, dass das Asia­ti­sche den Wer­ten sozia­ler Gerech­tig­keit wider­spricht, auf denen die asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Unter­stüt­zung schwar­zer Leben mut­maß­lich beruht. Zum Bei­spiel stellt das neu­es­te „Sprich mit dei­nen asia­ti­schen Eltern über Anti-Black­ness“-Gen­re, die zwei­te Genera­ti­on asia­ti­scher Ame­ri­ka­ner, meist mit Hoch­schul­ab­schluss, als die not­wen­di­gen Brü­cken dar, um ihre Eltern in das Milieu der Aner­ken­nung von Pri­vi­le­gi­en, des Sicht­bar­ma­chens ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung und der Wider­le­gung des Mythos der vor­bild­li­chen Min­der­heit ein­zu­füh­ren.

Trotz sei­ner Inten­ti­on asso­zi­iert die­ses Gen­re das Asia­ti­sche mit Igno­ranz und Ras­sis­mus und das asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche mit Pro­gres­si­vis­mus und Soli­da­ri­tät – eine Annah­me, die Gefahr läuft, die anti­ko­lo­nia­len, anti­im­pe­ria­len und kom­mu­nis­ti­schen Kämp­fe, die vie­le unse­rer Eltern und Groß­el­tern durch­leb­ten, als irrele­vant für die Auf­ga­be des Kamp­fes gegen Anti-Black­ness und die wei­ße Vor­herr­schaft zu ent­fer­nen. Wo die asia­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Mit­strei­ter­schaft auf das­sel­be Ter­rain von Libe­ra­lis­mus und Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus beschränkt ist, die zusam­men die Fas­sa­de des US-Post­ras­sis­mus bil­den, ermög­licht eine Rück­kehr zum Inter­na­tio­na­lis­mus eine grund­le­gen­de Kri­tik des Ame­ri­ka­ni­schen, die nicht moti­viert ist durch Nächs­ten­lie­be oder Empa­thie, son­dern durch eine Ana­ly­se der mit­ein­an­der ver­floch­te­nen Sys­te­me von Anti-Black­ness, Ori­en­ta­lis­mus und glo­ba­ler wei­ßer Vor­herr­schaft.

Trotz der The­sen, wonach COVID-19 den Schlei­er der vor­bild­li­chen Min­der­heit gelüf­tet hat, um die „gel­be Gefahr“ zu ent­hül­len, wäre es ein­deu­ti­ger zu sagen, dass die Pan­de­mie klar­ge­stellt hat, wie ent­schei­dend die Koexis­tenz bei­der Dis­kur­se für deren Kohä­renz ist. In dem Ver­such, die „gel­be Gefahr“ zurück­zu­er­obern, stel­len die­se Bemü­hun­gen unwis­sent­lich eine neue vor­bild­li­che Min­der­heit her, die den radi­ka­len Inter­na­tio­na­lis­mus im Zen­trum asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Iden­ti­täts­bil­dung ent­stellt, zuguns­ten eines vor­bild­li­chen Sub­jekts des US-Pro­gres­si­vis­mus und des eth­ni­schen Libe­ra­lis­mus.

Die Dritte Welt wartet

Der His­to­ri­ker Vijay Pras­had drängt: „Die Drit­te Welt war­tet auf … Auf­er­ste­hung, nicht in Form von Nost­al­gie, son­dern als Pro­jekt, das unse­ren gegen­wär­ti­gen Dilem­ma­ta ent­spricht.“ In der Tat ist der Geist des Inter­na­tio­na­lis­mus der Drit­ten Welt in der heu­ti­gen Black-Lives-Mat­ter-Bewe­gung gesund und mun­ter – wenn er auch über­se­hen wird.

Die über­wäl­ti­gen­de poli­ti­sche Platt­form „Visi­on for Black Lives“ aus dem Jahr 2016 hat in ihrem Auf­ruf, sich von kar­zera­len Struk­tu­ren zu tren­nen und in schwar­ze Gemein­den zu inves­tie­ren, den US-Mili­ta­ris­mus direkt ange­klagt. Unter Beru­fung auf die „zuneh­men­de Mili­ta­ri­sie­rung Afri­kas“ im Rah­men von US-Mili­tär­pro­gram­men wie AFRICOM, ver­ur­teil­te das Doku­ment den US-Impe­ria­lis­mus als „direk­te Bedro­hung der glo­ba­len Befrei­ung der Schwar­zen“ und iden­ti­fi­zier­te Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung als Vor­aus­set­zung für Inves­ti­tio­nen in schwar­ze Gemein­den.

Ande­re haben den inter­na­tio­na­len Poli­zei­aus­tausch und den Ver­kauf mili­tä­ri­scher Aus­rüs­tung an Poli­zei­dienst­stel­len als wei­te­ren Beweis für die mit­ein­an­der ver­kop­pel­ten kar­zera­len Funk­tio­nen von inner­staat­li­cher Poli­zei und inter­na­tio­na­ler mili­tä­ri­scher Hege­mo­nie iden­ti­fi­ziert, wel­che eine ver­bun­de­ne aboli­tio­nis­ti­sche und anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Bewe­gung erfor­dern.

Die ent­schei­den­den Ver­bin­dun­gen von „Black Lives Mat­ter“ zum anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Kampf wur­den in den Main­stream-Dis­kus­sio­nen weit­ge­hend zum Schwei­gen gebracht. Dies spricht für eine his­to­ri­sche Wahr­heit: Schwar­ze Befrei­ungs­be­we­gun­gen haben schon immer ein beson­de­res Pro­blem für die Auf­recht­erhal­tung des US-Impe­ri­ums dar­ge­stellt. Die Außen­mi­nis­te­ri­en haben beklagt, dass die bru­ta­le Unter­drü­ckung von Demons­tran­ten die „mora­li­sche Auto­ri­tät“ der USA für Pro­jek­te zur Aus­deh­nung ihrer geo­po­li­ti­schen Agen­da unter­gräbt. Wäh­rend­des­sen stell­te die US-Bot­schaft in Seo­ul demons­tra­tiv ein „Black Lives Matter“-Banner zur Schau, wäh­rend das US-Mili­tär sei­ne 70-jäh­ri­ge Beset­zung der korea­ni­schen Halb­in­sel fort­setzt.

Wäh­rend schwar­ze Inter­na­tio­na­lis­ten ver­sucht haben, die Ver­bin­dun­gen zur Drit­ten Welt durch die Schlie­ßung stra­te­gi­scher Alli­an­zen mit den kolo­ni­sier­ten Völ­kern in Afri­ka, Asi­en, Latein­ame­ri­ka und dar­über hin­aus aus­zu­nut­zen, haben die poli­ti­schen Eli­ten der USA statt­des­sen den Fort­schritt der Bür­ger­rech­te ver­ein­nahmt, als „Beweis“ für die demo­kra­ti­schen Wer­te der USA auf der Welt­büh­ne. Die Nutz­nie­ßer der heu­ti­gen glo­ba­len Ras­sen­schran­ke haben ein begrün­de­tes Inter­es­se dar­an, Kämp­fe für Ras­sen­ge­rech­tig­keit zu domes­ti­zie­ren, um inner­staat­li­che Rebel­lio­nen in das glei­che Nar­ra­tiv des pro­gres­si­ven US-Exzep­tio­na­lis­mus ein­zu­he­gen, das eine glo­ba­le Füh­rung der USA not­wen­dig macht.

Die ers­te Wel­le der COVID-19-Pan­de­mie lös­te eine affek­ti­ve Kri­se für asia­ti­sche Ame­ri­ka­ner aus, die zwi­schen der beque­men Unsicht­bar­keit der vor­bild­li­chen Min­der­heit und der ras­sis­ti­schen Beob­ach­tung der „gel­ben Gefahr“ gefan­gen waren. Doch im Kon­text einer erneu­ten Rebel­li­on von „Black Lives Mat­ter“ wur­den die pro­duk­ti­ven Wider­sprü­che die­ses emo­tio­na­len Auf­ruhrs weit­ge­hend begra­ben unter den wich­ti­gen aber ein­schrän­ken­den Framings wie asia­tisch-ame­ri­ka­ni­scher Pri­vi­le­gi­en, Mit­strei­ter­schaft und Soli­da­ri­tät.

Sie bie­ten eine Mög­lich­keit, den rohen Ori­en­ta­lis­mus des „chi­ne­si­schen Virus“ und die ende­mi­sche Anti-Black­ness unse­rer kar­zera­len Insti­tu­tio­nen als kom­ple­men­tä­re, kon­sti­tu­ti­ve Ele­men­te glo­ba­ler wei­ßer Vor­herr­schaft zu ver­ste­hen.

Die mit­ein­an­der ver­floch­te­nen aboli­tio­nis­ti­schen und inter­na­tio­na­lis­ti­schen Tra­di­tio­nen bie­ten eine Alter­na­ti­ve zur impe­ria­len Hege­mo­nie: die Zen­trie­rung einer Poli­tik der Ableh­nung und Ver­pflich­tung, die impe­ria­le Herr­schaft der USA durch inter­na­tio­na­lis­ti­sche Soli­da­ri­tä­ten zu demon­tie­ren, rück­gän­gig zu machen, zu ver­ler­nen, abzu­leh­nen, zu defi­nan­zie­ren und abzu­schaf­fen. Wie die grund­sätz­lich aboli­tio­nis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on „Cri­ti­cal Resis­tance“ auf ihrer Platt­form für Pan­de­mie­po­li­tik erklär­te: „Die­se Pan­de­mie ist nicht an Gren­zen gebun­den. Daher müs­sen unse­re Soli­da­ri­tät und Reak­ti­on inter­na­tio­nal sein.“

Inmit­ten einer glo­ba­len Pan­de­mie und eines glo­ba­len Auf­stands fun­giert die Geschich­te des schwarz-asia­ti­schen Inter­na­tio­na­lis­mus – zusam­men­ge­fasst unter dem Mot­to „Gel­be Gefahr unter­stützt Black Power“ – als ent­schei­den­der Rah­men für die Dekon­struk­ti­on der Sys­te­me von Anti-Black­ness und Ori­en­ta­lis­mus, Poli­zei­ar­beit und immer­wäh­ren­dem Krieg, um die­se unter­drü­cke­ri­sche Welt­ord­nung zu trans­for­mie­ren.

Die­ser Auf­satz von Min­ju Bae und Mark Tse­ng-Put­ter­man erschien zuerst hier auf dem ROAR Mag und wur­de von Domi­nik Frie­ling­haus für Die Frei­heits­lie­be über­setzt.


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