[ak:] Dezentrale vs. zentrale Planung

Wie Räte und Com­mons den Wider­spruch auf­he­ben könn­ten

Ein Wider­spruch in der Uto­pie­dis­kus­si­on trieb die Arbei­ter­be­we­gung von Anbe­ginn an: Ver­fü­gen die Betrie­be selbst über her­ge­stell­te Pro­duk­te und Pro­duk­ti­ons­mit­tel oder bestimmt dar­über eine zen­tra­le Insti­tu­ti­on? Pla­nen die Betrie­be oder ein Staat? Die­ser Text ver­sucht, die Auf­he­bung des Wider­spruchs zwi­schen zen­tra­ler und dezen­tra­ler Pla­nung anzu­deu­ten – unter Rück­griff auf zwei Theo­rie­strän­ge: dem Räte­kom­mu­nis­mus/-anar­chis­mus und Com­mo­nis­mus. Zen­tra­le Fra­gen dabei sind: Was ersetzt in der gesell­schaft­li­chen Koor­di­na­ti­on Staat und Markt? Wie wer­den staat­li­che Funk­tio­nen in die Gesell­schaft auf­ge­löst? Was bedeu­tet die Ver­ge­sell­schaf­tung der Re/​Produktionsmittel kon­kret?

Rätekommunist*innen sind die Anarchist*innen des Kom­mu­nis­mus. Als getrenn­te Insti­tu­ti­on, die von oben die Gesell­schaft plant, soll der Staat been­det wer­den. »Die Räteidee inten­dier­te nichts ande­res als die Auf­he­bung der Tren­nung von Staat und Gesell­schaft.« (1) Aber wie der Staat folgt auch die Räte­in­sti­tu­ti­on der Aggre­ga­ti­ons­lo­gik: Eine zen­tra­le Insti­tu­ti­on bün­delt Infor­ma­tio­nen, dis­ku­tiert Kon­flik­te und trifft schluss­end­lich all­ge­mein­gül­ti­ge Ent­schei­dun­gen. Eine ein­zel­ne Insti­tu­ti­on stellt gesell­schaft­li­che All­ge­mein­heit her und reprä­sen­tiert sie.

Um die Staats­wer­dung zu ver­hin­dern, besitzt die Räte­in­sti­tu­ti­on das nicht, was Staat­lich­keit aus­zeich­net: Durch­set­zungs­ge­walt. »Die Räte sind kei­ne Regie­rung; nicht ein­mal die zen­tra­len Räte haben regie­rungs­ar­ti­gen Cha­rak­ter, denn sie ver­fü­gen über kein Organ, den Mas­sen ihren Wil­len auf­zu­er­le­gen; sie besit­zen kei­ne Gewalt­mit­tel«, schrieb der nie­der­län­di­sche Räte­kom­mu­nist Anton Pan­ne­koek. Trotz­dem sol­len die Re-/Produzent*innen den Vor­schlä­gen fol­gen: »Was hier die Durch­füh­rung der von den Räten getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen sichert, ist ihre mora­li­sche Auto­ri­tät. Aber in einer sol­chen Gesell­schaft hat mora­li­sche Auto­ri­tät eine zwin­gen­de­re Gewalt, als ihn irgend­ein von einer Regie­rung aus­ge­hen­der Zwangs­be­fehl haben könn­te.« Die Räteidee lebt von einer ähn­li­chen Hoff­nung wie die bür­ger­li­che Demo­kra­tie: die Uto­pie der Reprä­sen­ta­ti­on.

Ent­schie­den wird nicht mehr zen­tral, son­dern poly­zen­tral an vie­len Orten.

Demo­kra­tie war von jeher getra­gen von der Hoff­nung, dass die Regie­ren­den tat­säch­lich den Wil­len der Regier­ten aus­drü­cken. Auf Basis davon ent­war­fen Staatskritiker*innen eine nicht-staat­li­che Demo­kra­tie: Reprä­sen­tiert eine Regie­rung in ihrem Wil­len den Wil­len aller, muss sie ihre Ent­schei­dun­gen nicht durch­set­zen. Die Regie­rung wäre so legi­tim, dass sie kei­ner Gewalt bedarf und somit kei­ne Regie­rung mehr wäre. Oder umge­kehrt: Gera­de, weil die­se Insti­tu­ti­on ihre Ent­schei­dun­gen nicht durch­set­zen kann, muss sie beson­ders über­zeu­gen­de, bedürf­nis­ori­en­tier­te Vor­schlä­ge machen.

So schön die­se Idee ist: Zu befürch­ten bleibt, dass die Räte­in­sti­tu­ti­on staats­ähn­li­cher ist, als sie ent­wor­fen wird. Fol­gen­de Dyna­mi­ken könn­ten dazu bei­tra­gen: Ers­tens sozia­le Regie­rungs­bil­dung. In der Räte­in­sti­tu­ti­on ent­steht ein Milieu aus Planer*innen und Dele­gier­ten, die kei­ne Zeit mehr haben, mit den Re-/Produzent*innen in Kran­ken­haus oder Fabrik tätig zu sein. Sol­che Milieus ent­wi­ckeln eige­ne Wer­te, Kul­tu­ren und Bedürf­nis­se, die in Wider­spruch zum Rest der Gesell­schaft tre­ten kön­nen.

Zwei­tens Macht­hier­ar­chie: Die Räte­in­sti­tu­ti­on benö­tigt (sehr) viel Men­schen und Res­sour­cen, um ihre Plan­auf­ga­be zu rea­li­sie­ren. Dadurch ent­steht eine enor­me Macht­hier­ar­chie. Macht muss nicht zu Herr­schaft wer­den, aber das ist eher wahr­schein­lich. So könn­ten die zen­tra­len Räte eine eige­ne Agen­da ver­fol­gen, über­zeu­gen­de Pres­se­ar­beit leis­ten oder gar Infor­ma­tio­nen ver­fäl­schen. Die Hier­ar­chie legt den Dele­gier­ten ein poli­tisch-instru­men­tel­les Ver­hal­ten nahe: Real haben die­se mehr Über­blick und Kon­flikter­fah­rung und könn­ten ihre Dele­gie­ren­den als Stimm­vieh behan­deln. Auf­grund der Infor­ma­ti­ons­asym­me­trie und ein­ge­schränk­ten Zeit­ka­pa­zi­tä­ten wäre dies teil­wei­se schwer auf­zu­de­cken.

Drit­tens wer­den Bedürf­nis­un­ter­schie­de zu Bedürf­nis­ge­gen­sät­zen: Eine Zen­tral­in­sti­tu­ti­on legt Kon­flikt­par­tei­en nicht nahe, eine gemein­sa­me Lösung zu fin­den, son­dern eröff­net die viel­ver­spre­chen­de Mög­lich­keit, Macht in der Insti­tu­ti­on auf­zu­bau­en und die eige­nen Bedürf­nis­se gegen die der ande­ren durch­zu­set­zen. Und schließ­lich vier­tens die Gefahr der Ver­staat­li­chung: Eine Zen­tral­in­sti­tu­ti­on ver­ein­facht Ver­staat­li­chung – Grup­pen inner­halb der Insti­tu­ti­on könn­ten die Durch­set­zungs­ge­walt ergrei­fen (viel­leicht als staats­so­zia­lis­ti­scher Putsch »Arbeit soll sich wie­der loh­nen«) und frü­her oder spä­ter die staats­an­ge­mes­se­nen Mecha­nis­men von Lohn­ar­beit und Eigen­tum ein­füh­ren.

Commonistische Dezentralität

Bei die­sen Gefah­ren ist ver­ständ­lich, wes­halb vie­le Anarchist*innen die auto­no­me Pla­nung der Re-/Produzent*innen ver­tei­di­gen. Aber gera­de eine »Insti­tu­ti­on der All­ge­mein­heit« ver­spricht kohä­ren­te Pla­nung und gesell­schaft­li­che Refle­xi­on. Wie ent­steht aus auto­nom pla­nen­den Betrie­ben eine kohä­ren­te gesamt­ge­sell­schaft­li­che Pla­nung, die kom­ple­xe Pro­duk­te wie Trak­to­ren her­stel­len kann, deren Pro­duk­ti­on indes schei­tert, wenn nur eini­ge Schrau­ben zu wenig pro­du­ziert wer­den? Man­che über­tra­gen die Auf­ga­be dem Markt, ent­wi­ckeln genos­sen­schafts­ka­pi­ta­lis­ti­sche oder markt­so­zia­lis­ti­sche Model­le, igno­rie­ren dabei aber die struk­tu­rel­le Gewalt des Mark­tes. Ande­re wen­den sich von glo­ba­ler Koor­di­na­ti­on ab und statt­des­sen kom­mu­na­ler Selbst­ver­sor­gung und regio­na­ler Auto­no­mie zu – eine glo­ba­le Tätig­keits­tei­lung geschieht nur durch lose Föde­ra­ti­on. Auch bei dezen­tra­ler Pla­nung bestehen gefähr­li­che Dyna­mi­ken: man­geln­de Ent­schei­dungs- und Refle­xi­ons­pro­zes­se, wenig Abspra­che, feh­len­de gemein­sa­me Pla­nung, Iso­la­ti­on, Tren­nung und Unab­hän­gig­keits­ideo­lo­gie.

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit dezen­tral-ver­ein­zeln­der und zen­tral-unter­wer­fen­der Pla­nung mag sich eine drit­te Alter­na­ti­ve erge­ben. Die­se steht in ihrer Absa­ge an eine zen­tra­le Pla­nungs­in­sti­tu­ti­on eher auf Sei­ten der Dezen­tra­li­tät. Aber indem sie Aggre­ga­ti­on als not­wen­dig erach­tet und fle­xi­bel erzeugt, chan­giert sie zwi­schen den bei­den. Die­se drit­te Alter­na­ti­ve könn­te Com­mo­nis­mus hei­ßen oder auch Anar­chis­mus, Kom­mu­nis­mus oder liber­tä­rer Sozia­lis­mus. Der Name ist zweit­ran­gig und unter­liegt einer stra­te­gi­schen Ent­schei­dung. Wich­tig ist eine gemein­sa­me lin­ke Dis­kus­si­on über Uto­pie.

Dezen­tra­le Pla­nung betont zu Recht Frei­wil­lig­keit und Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on, zen­tra­le Pla­nung zu Recht Abhän­gig­keit und Abspra­che­no­t­wen­dig­keit. Die bei­den Ele­men­te las­sen sich ver­bin­den zu einer Art »Frei­heit in Abhän­gig­keit«. Ist Lohn­ar­beit abge­schafft, koor­di­niert nicht mehr Geld, Wert, Markt und Staat qua­si »von oben« Betrie­be und Pro­duk­ti­on, son­dern Betrie­be ord­nen sich nach ihren Bedürf­nis­sen (re-)produktiven Plä­nen und Auf­ga­ben zu. Sie ent­schei­den selbst, wie sie ihre Pro­duk­te ver­tei­len und wo sie Dienst­leis­tun­gen ein­brin­gen, aber nicht getrennt-iso­liert von ande­ren. Die Betrie­be sind von­ein­an­der abhän­gig. Igno­rie­ren sie bei ihren Ent­schei­dun­gen die Bedürf­nis­se ihrer Zulie­fe­rer, üben die­se Druck aus oder stel­len die Koope­ra­ti­on ein. Ver­teilt zum Bei­spiel ein Schrau­ben­be­trieb sei­ne Schrau­ben nach par­ti­ku­la­ren Bedürf­nis­sen und exklu­diert ande­re, wer­den sei­ne Partner*innen, die ihn mit Putz­diens­ten, Metall, Logis­tik oder ähn­li­chem unter­stüt­zen, Sank­tio­nen ins Spiel brin­gen.

Gera­de Abhän­gig­keit legt nahe, die Bedürf­nis­se der Partner*innen ein­zu­be­zie­hen. Sie erzeugt Inklu­si­ons­lo­gik: Zur Befrie­di­gung der eige­nen Bedürf­nis­se ist es rat­sam, ande­re ein­zu­be­zie­hen. Die Uto­pie bedarf nicht mehr der guten Men­schen, son­dern regt Men­schen an, ande­re ein­zu­be­zie­hen. Dage­gen herrscht im Kapi­ta­lis­mus Exklu­si­ons­lo­gik: Ein Leben und Pro­du­zie­ren auf Kos­ten ande­rer ist hier durch Kon­kur­renz, Patri­ar­chat, Markt, Staat etc. vor­ge­ge­ben – und eben nicht Resul­tat des bösen Wil­lens ego­is­ti­scher Men­schen, son­dern Ergeb­nis einer gesell­schaft­li­chen Struk­tur.

Die Fra­ge stellt sich, wie die Betrie­be wis­sen, wer was benö­tigt. Nun, alle Gesell­schaf­ten sind hin­weis­ba­siert. Der Kapi­ta­lis­mus koor­di­niert sich vor allem über den Hin­weis Preis, und auch im Staats­so­zia­lis­mus ist Wert­rech­nung zen­tral. Im Com­mo­nis­mus sind die Hin­wei­se Bedürf­nis­si­gna­le. Kin­der­gär­ten signa­li­sie­ren, wie vie­le Bei­tra­gen­de sie brau­chen, Phos­phor­com­mons, wie viel Phos­phor sie nächs­tes Jahr wahr­schein­lich för­dern wer­den, etc.

Flexible Aggregation und Quasi-Verträge

Die­se kom­ple­xe Signal­welt erlaubt die dezen­tra­le Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Betrie­be und fes­te Abspra­chen und Pla­nung zwi­schen ihnen. Ver­bind­li­che Abspra­chen – Qua­si-Ver­trä­ge – ermög­li­chen kom­ple­xe Re-/Pro­duk­ti­ons­ket­ten. Dies sind Qua­si-Ver­trä­ge, da kein Staat sie mehr garan­tiert, viel­mehr die Betrie­be selbst sank­tio­nie­ren: Bricht ein Com­mons-Betrieb öfter die Ver­trä­ge, ver­su­chen die Part­ner­be­trie­be, Feh­ler zu fin­den, zu unter­stüt­zen, oder sie wer­den vor­sich­ti­ger und mei­den die Koope­ra­ti­on. Vor­stell­bar wären Ver­trä­ge etwa, wenn sich eini­ge Stahl- und Maschi­nen­be­trie­be einig­ten, einen Teil ihrer Güter für einen gemein­sa­men Sechs­jah­res­plan für Trak­to­ren zur Ver­fü­gung zu stel­len. Auch gro­ße sek­to­ra­le Ver­bün­de kön­nen ent­ste­hen, wenn sich vie­le Alu­mi­ni­um­be­trie­be in zwei glo­bal agie­ren­de Ver­bün­de zusam­men­schlie­ßen.

Die­se Ver­trä­ge und Ver­bün­de sind der Ort der Aggre­ga­ti­on und der bewusst-kol­lek­ti­ven Pla­nung im Com­mo­nis­mus. Ver­bün­de selbst ent­schei­den kol­lek­tiv-demo­kra­tisch und nut­zen dazu ver­schie­de­ne Aggre­ga­ti­ons­me­tho­den wie Räte­struk­tu­ren, oder sie wäh­len jene, die ent­schei­den, oder losen sie aus oder über­las­sen die Ent­schei­dung dazu moti­vier­ten Per­so­nen. Für alle For­men aggre­gier­ter Ent­schei­dung gilt: Sie blei­ben so lan­ge bestehen, wie die Bedürf­nis­se der ver­bun­de­nen Re-/Produzent*innen aus­rei­chend gut ein­be­zo­gen sind. Schafft der Ver­bund dies nicht, wird er reor­ga­ni­siert oder Betrie­be ver­las­sen ihn. So blei­ben jene Ver­bün­de und Metho­den bestehen und wei­ten sich aus, die die Bedürf­nis­se vie­ler beson­ders effi­zi­ent ein­be­zie­hen und ver­mit­teln. Die Pro­fis der Inklu­si­on sind qua­si die Stars der Koope­ra­ti­on.

Kritik des (demokratischen Staatssozialismus)

Die Staats­hoff­nung lebt – dank feh­len­der uto­pi­scher Dis­kus­sio­nen häu­fig unbe­wusst – in demo­kra­ti­sier­tem Anstrich fort. »Lohn­ar­beit ist nicht schön, aber ohne die Kopp­lung von Kon­sum an Leis­tung wird zu wenig pro­du­ziert.« Aber auf­grund der Lohn­ar­beit teilt Staats­wirt­schaft ein zen­tra­les Merk­mal mit Markt­wirt­schaft: den Wider­spruch von Gebrauchs- und Tausch­wert. In einer Arbeits­ge­sell­schaft mag Arbei­te­rin­nen und Betrie­ben der Gebrauchs­wert ihrer Pro­duk­te am Herz lie­gen, aber sie müs­sen sich am Tausch­wert ori­en­tie­ren. Arbeit dient vor­ran­gig der indi­vi­du­el­len Exis­tenz­si­che­rung. Dies schafft einen Wider­spruch: Der Plan­staat for­dert gute Pro­duk­te, ehr­li­che Zah­len und Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung. Die zur Arbeit genö­tig­ten Betrie­be inter­es­sie­ren hohe Zuwen­dun­gen, Mini­mie­rung des Auf­wands und stei­gen­de Boni. Der Wider­spruch von Tausch- und Gebrauchs­wert erscheint im Staats­so­zia­lis­mus als Wider­spruch von (demo­kra­ti­schem) Staat und Betrieb, wobei der Staat kei­nes­wegs voll­stän­dig Gebrauchs­wert-/Be­dürf­nis­stand­punk­te ver­tritt. Unter einer büro­kra­ti­schen Len­kung wol­len die Her­stel­le­rin­nen ihre Pro­duk­ti­on los­wer­den und wei­ter nicht mehr dar­an den­ken. Wie kapi­ta­lis­ti­sche Betrie­be exter­na­li­sie­ren sozia­lis­ti­sche Kos­ten, zer­stö­ren die Umwelt (falls nötig), erhö­hen die Aus­beu­tung (falls mög­lich), stei­gern Prei­se und ver­schlei­ern Real­kos­ten. Nur ist die Gewalt des Tausch­werts nicht so durch­schla­gend, da die Kon­kur­renz fehlt. Dies führt aber auch zur feh­len­den Kon­su­men­ten­ori­en­tie­rung. Eine Demo­kra­ti­sie­rung besei­tigt den Grund­wi­der­spruch nicht und zusätz­lich ist sie pre­kär: In einer Staats­wirt­schaft ver­fügt der Staat über so viel Res­sour­cen, dass sei­ne his­to­risch auto­ri­tä­re Form eher wahr­schein­lich denn Zufall ist.

Die Inklu­si­ons­na­he­le­gung gilt sogar im Kon­flikt­fall: Wahr­schein­lich erar­bei­ten Inter­es­sier­te oder spe­zia­li­sier­te Kon­flikt-Com­mons Lösungs­vor­schlä­ge, kei­ne Insti­tu­ti­on kann die­se jedoch durch­set­zen. Auch hier ent­schei­den die Re-/Produzent*innen selbst­be­stimmt, eben­falls aber in Abhän­gig­keit von ihren Partner*innen. Des­halb set­zen sich die Vor­schlä­ge, die vie­le Bedürf­nis­se ein­be­zie­hen und gut ver­mit­teln, eher durch: Sie moti­vie­ren schlicht mehr Men­schen und Betrie­be.

Durch die freie Koope­ra­ti­on hoch-tätig­keits­tei­li­ger Betrie­be ent­steht also kein fla­ches Netz­werk, son­dern es ent­ste­hen kom­ple­xe Abspra­chen und aggre­gie­ren­de Kno­ten. Die Betrie­be sind kei­ner Räte­in­sti­tu­ti­on auf Gedeih und Ver­derb aus­ge­lie­fert, son­dern erschaf­fen durch gemein­sa­me Abspra­chen eine kom­ple­xe Tätig­keits­tei­lung von unten, die aber auch immer wie­der Aggre­ga­ti­on und damit oben erzeugt. Wäre ein Ver­bund sehr inklu­siv und beson­ders kon­flikt­fä­hig, könn­te er ein Groß­teil der gesell­schaft­li­chen Pla­nung ver­ei­nen – eine Zen­tral­in­sti­tu­ti­on von unten wäre ent­stan­den. Die Räte­in­sti­tu­ti­on exis­tiert als Mög­lich­keit, bleibt aber unwahr­schein­lich. Eher ver­bleibt die Koor­di­na­ti­on in dem fle­xi­blen Wech­sel­spiel von Aggre­ga­ti­on und Dezen­tra­li­tät. Ent­schie­den wird nicht mehr zen­tral, son­dern poly­zen­tral an vie­len Orten. Die Com­mons­for­sche­rin Eli­nor Ostrom spricht des­halb von »poly­zen­tri­scher Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on« jen­seits von Markt und Staat. All­ge­mein­heit wird nicht von einer Insti­tu­ti­on als getrenn­te All­ge­mein­heit her­ge­stellt, son­dern ent­steht als ein­ge­bet­te­te All­ge­mein­heit aus den Ent­schei­dun­gen der vie­len – der Ver­such der rea­len Auf­lö­sung des Staa­tes in die Gesell­schaft.

Anmer­kun­gen:
1) Chris­ti­an Oswald: Jen­seits des Arbeits­zwangs. Müns­ter 2018. The­sen online unter https://​ueber​-die​-mau​er​.de/​t​h​e​s​en/
2) Anton Pan­ne­koek: Über Arbei­ter­rä­te. Fern­wald 2008. Eng­lisch online unter: www​.mar​xists​.org.

Simon Sutterlütti

Simon Sut­ter­lüt­ti ist aktiv beim Com­mons-Insti­tut und bloggt auf keim​form​.de.

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