[ak:] Geh bitte! Jan Feddersen

In die­ser ak-Pro­duk­ti­ons­wo­che habe ich gelernt, dass Namens­wit­ze in der Zei­tungs­welt ver­schrien sind. Das macht man nicht, hieß es aus infor­mier­ten Redak­ti­ons­krei­sen. Naja. Damit wären wir schon beim The­ma: Din­ge, die man eigent­lich nicht macht. Zum Bei­spiel Wiki­pe­dia-Arti­kel über sich selbst ver­fas­sen, quee­re Aktivist*innen als »Queer­gi­da« bezeich­nen oder Ver­an­stal­tun­gen zum The­ma Trans­ge­schlecht­lich­keit mit dem Titel »Die Trans­kra­ke« ankün­di­gen. Min­des­tens zwei die­ser drei Sachen hat Jan Fed­der­sen, taz-Redak­teur »für beson­de­re Auf­ga­ben« und (Ach­tung, mys­te­ri­ös:) »libe­ra­ler Kom­mu­nist«, in den letz­ten Jah­ren abge­lie­fert. Zeit, über einen Abgang nach­zu­den­ken.

Man muss den Knal­ler auch mal zün­den, scheint sich der Fed­der­sen zu den­ken. Allein im Juli die­sen Jah­res wuss­te er wie­der span­nen­des zu sei­nem Hass­the­ma »Queer­ness« zu berich­ten. Irgend­was mit, die jun­gen quee­ren Leu­te haben kei­nen Respekt mehr für die alten schwu­len Her­ren. Frü­her, da wur­de noch ver­nünf­tig rum­ge­schwult, davon ver­ste­hen die gan­zen ver­wöhn­ten Neu­zeit-Tran­sen mit ihrer wet­ter­füh­li­gen Geschlechts­iden­ti­tät aber gar nichts mehr. Ent­we­der Leu­te wol­len mit Män­nern oder mit Frau­en bum­sen und das heißt sie sind ent­we­der homo oder hete­ro, Män­ner oder Frau­en. Hat er mal bei Freud gele­sen.

Queer sein, das ist für Fed­der­sen der Hete­ro­mann, der sich die Fin­ger­nä­gel lackiert. Unpo­li­tisch, ober­fläch­lich. Eine Per­for­mance, die jun­ge Leu­te sich anzie­hen wür­den, wie einen Schlüp­fer mit Ein­griff, anstatt wie er damals, ihre Puber­tät noch geho­be­nen Haup­tes mit all ihren Irrun­gen und Wir­run­gen zu durch­le­ben. Seit eini­gen Jah­ren wol­len nun aber vie­le Mäd­chen nicht mehr ver­nünf­ti­ge Les­bie­rin­nen oder Ehe­frau­en wer­den, son­dern behaup­ten statt­des­sen trans­ge­schlecht­lich zu sein. Nicht, wie die boden­stän­di­gen Trans­frau­en und ‑män­ner der alten Schu­le, nein, statt­des­sen sei­en nun eine besorg­nis­er­re­gen­de Anzahl jun­ger Men­schen »nicht-binär«, las­sen sich die Brüs­te ampu­tie­ren und mit Tes­to­ste­ron voll­pum­pen. Arme­en halb­tran­si­tio­nier­ter Irrer zie­hen durch die Lan­den, so der Hob­by-Sex­olo­ge.

Man fragt sich: Hört der sich eigent­lich mal sel­ber zu? Es tut schon weh, Fed­der­sen dabei bei­zu­woh­nen, wie er in bes­ter Frü­her-war-alles-bes­ser-Manier auf »den jun­gen Leu­ten« rum­hackt und dabei mun­ter Geschlechts­iden­ti­tät und sexu­el­le Ori­en­tie­rung durch­ein­an­der­wirft. Immer auf der Suche nach irgend­ei­nem Argu­ment für sein Gefühl, dass er als schwu­ler Mann Opfer die­ser neu­en Zeit ist, weil es nur noch um quee­re Men­schen gehen wür­de. Damals hin­gen noch nicht alle immer nur an ihren Han­dys, frü­her wur­den den Omas in der Bahn noch Sitz­plät­ze ange­bo­ten und gene­rell wird alles immer, immer, immer schlech­ter. Und sagen darf man auch nichts mehr. Den Rent­ner­sprech hat Fed­der­sen für sich abon­niert. Allein es fehlt die Ein­sicht, dass es viel­leicht gar nicht so schlecht ist, dass auch mal jün­ge­re Leu­te das Ruder über­neh­men.

»Redak­teur für beson­de­re Auf­ga­ben« heißt bei der taz, dass man mal ordent­lich über das eige­ne man­geln­de Ver­ständ­nis für »die jun­gen Leu­te« abjam­mern darf. Die Ver­bit­te­rung und der Neid auf die Jugend sind kaum zu über­se­hen. Aus allen Poren dringt ihm der Ver­rat, um auch mal Onkel Sigis­mund zu zitie­ren. Ich sage: Schluss mit dem neo­li­be­ra­len Arbeits­zwang, Jan Fed­der­sen sei­nen wohl­ver­dien­ten Ruhe­stand jetzt!

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