[gG:] 01.08.2020 „Raus aus der Defensive“-Demo: taktische Auswertung

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Als Inter­kiezio­na­le-Bünd­nis machen wir mit die­sem Text eine ers­te Aus­wer­tung der Demo am 01.08.2020. Die­se beschränkt sich auf die Tak­tik einer offen­si­ven Demo­kul­tur in Ber­lin. Dies bedeu­tet nicht, dass Tak­tik das ein­zi­ge ist, wor­an sich der Erfolg einer Demo mes­sen lässt, noch, dass allein offen­si­ve Demos unse­re Stra­te­gie dar­stel­len. Wir wol­len die ange­schnit­te­nen The­men mit euch wei­ter reflek­tie­ren und dis­ku­tie­ren, um unse­re Stra­te­gien wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und die Bewe­gung zu stär­ken.
Die Aus­wer­tung fand vor der Räu­mung des Syn­di­kats statt und wird dar­auf nicht Bezug neh­men. Eine Aus­wer­tung der Gescheh­nis­se nach dem 01.08. folgt in einem sepa­ra­ten Text in den kom­men­den Tagen.

Als Organisator_​innen der »Raus aus der Defen­si­ve« Demo vom 01. 08.2020 sehen wir die Demo und die Spon­tan­de­mons­tra­ti­on am Abend als einen Erfolg. Die Erwar­tun­gen waren hoch ange­setzt mit einem offen­si­ven Slo­gan. Wir haben gemein­sam das Mot­to umge­setzt, sind „raus aus der Defen­si­ve“ gekom­men und haben einen kraft­vol­len, kol­lek­ti­ven Schritt gegen zukünf­ti­ge Räu­mungs­ver­su­che unter­nom­men. Wir hof­fen, dass die­ser Tag mobi­li­sie­rend auf die kom­men­den Wochen, Demos und Aktio­nen wirkt.
Auch wenn in Ber­lin vie­le Men­schen poli­tisch aktiv sind, mei­nen wir, dass es an kol­lek­ti­ven wider­stän­di­gen Momen­ten fehlt. Gemein­sam mit den offen­si­ven Momen­ten der letz­ten Zeit haben wir am 01.08. mit dem Bild von einem pas­si­ven Ber­lin gebro­chen: z.B. die Inter­kiezio­na­le Demo am 02.11.2019, die etli­chen Beset­zun­gen, die Geor­ge-Floyd-Spon­ti, die Spon­ti in Fried­richs­hain für die Liebig34 & Rigaer94 und nun die­se Demo zei­gen, dass wir kol­lek­tiv mili­tant sein kön­nen. Momen­te, in denen wir unse­re Kämp­fe kol­lek­ti­vie­ren sind Momen­te, in denen wir tat­säch­lich gefähr­lich für den Staat und das Kapi­tal wer­den. Es sind Momen­te wie die am 01.08., die uns zei­gen, dass unse­re Stär­ke dar­in liegt, gemein­sam zu kämp­fen. Lasst uns daher aus unse­ren Feh­lern ler­nen und uns von unse­rem Poten­ti­al ermu­ti­gen.

Was ist pas­siert?
Am 01.08. fand unter dem Mot­to „Raus aus der Defen­si­ve“ eine Demons­tra­ti­on in Ber­lin-Neu­kölln in Soli­da­ri­tät mit bedroh­ten Pro­jek­ten statt. Etwa 2500 Men­schen sam­mel­ten sich am Start­punkt. Nach Rede­bei­trä­gen und der Ankün­di­gung, sich im Fal­le der Auf­lö­sung um 23 Uhr im Prenz­lau­er Berg wie­der­zu­tref­fen, star­te­te die Demo zügig um 20:20 Uhr vom Herr­furth­platz. Von Beginn an hat­te die Demo einen kraft­vol­len Cha­rak­ter.
Die Demo for­mier­te sich schnell. An der Ecke Wei­sestr-/ Herr­furth­str. gab es einen Ban­ner­drop und eine Pyro­show. Mit einem schnel­len Rhyth­mus, lau­ten Paro­len, Pyro und Rauch­schwa­den beweg­te sich die Demo Rich­tung Her­mann­stra­ße. Trotz der sicht­ba­ren Poli­zei­prä­senz kre­ierte die Demo eine Atmo­sphä­re von Soli­da­ri­tät und Ent­schlos­sen­heit.
Links abbie­gend auf die Main­zer­stra­ße, wo die Cops das Job­cen­ter schütz­ten, fand eine ers­te Kon­fron­ta­ti­on statt. Men­schen lie­ßen es sich nicht neh­men, das Gebäu­de und die Cops anzu­ge­hen. Men­schen zün­de­ten wei­ter­hin Pyro und rie­fen Paro­len, vie­le hat­ten Trans­pis und Schir­me dabei, um die Demo vor Angrif­fen zu schüt­zen.
An der Ecke Her­mann-/Flug­ha­fen­str. wur­de dann ein neu­er Luxus­bau mit Farb­beu­tel beschmis­sen. Wäh­rend der Front­block die Flug­ha­fen­stra­ße run­ter lief, grif­fen die Cops die Demo­mit­te an. Größ­ten­teils unge­schützt durch feh­len­de Sei­ten­trans­pis ließ sich die Demo in zwei Tei­le tei­len. Men­schen dräng­ten sich an die Sei­ten der Kreu­zung und der zuvor kom­pak­te Demo­zug lös­te sich auf. Eini­ge Men­schen ver­tei­dig­ten sich gegen die Angrif­fe der Cops und ver­such­ten trotz Pfef­fer die Demo Mas­se wie­der zu struk­tu­rie­ren, Schutz mit Trans­pis und Schir­men auf­recht­zu­er­hal­ten und ein Wei­ter­lau­fen zu ermög­li­chen, was ihnen nicht gelang. Die Cops trie­ben Men­schen mehr und mehr in Rich­tung Her­mann­stra­ße und Colum­bia­damm. Wäh­rend eini­ge in Panik gerie­ten und weg rann­ten, nutz­ten ande­re das ent­stan­de­ne Cha­os für wei­te­re Aktio­nen. Da sich der größ­te Teil der Demo nun Rich­tung Colum­bia­damm beweg­te, lös­te sich die Demo mehr und mehr auf.
Von dort lief die größ­te Mas­se in Rich­tung Schil­ler­kiez. Wäh­rend sich eini­ge trei­ben lie­ßen, ver­such­ten ande­re, Bar­ri­ka­den zu bau­en, um sich die Stra­ße zurück zu neh­men. Durch den Kiez lau­fend gelang die Mas­se zurück auf die Her­mann­stra­ße, wo das Büro der SPD mit Stei­nen atta­ckiert wur­de. Mit stei­gen­der Poli­zei­prä­senz und einem Heli­ko­pter nun über Neu­kölln schwir­rend lös­te sich die Mas­se auf und ver­schwand in den umlie­gen­den Kiezen. Die Ver­ab­re­dung sich um 23 Uhr im Prenz­lau­er Berg zu tref­fen, rück­te ohne­hin immer näher.

Reflek­ti­on
a) Demo-Struk­tur & ‑Orga
Wir müs­sen selbst­kri­tisch zuge­ben, dass wir unser Vor­ha­ben pünkt­lich los­zu­ge­hen, im Vor­hin­ein nicht komm­mu­ni­ziert haben. Da wir es gewöhnt sind, dass Demos mit gro­ßer Ver­spä­tung los­ge­hen, waren vie­le davon über­rascht oder kamen zu spät. Gene­rell hal­ten wir es für sinn­voll, nicht zu spät los zu gehen, da lan­ges War­ten eine trä­ge Stim­mung erzeu­gen kann. 
Zudem gab es übli­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me, da die Mega­pho­ne bei wei­tem nicht laut genug waren, um alle in der Demo zu errei­chen. Nicht­des­to­trotz hal­ten wir Mega­pho­ne für eine bes­se­re Wahl als einen Laut­spre­cher­wa­gen. Die Mega­pho­ne ermög­li­chen eine mobi­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tur – eine Her­ans­ge­hens­wei­se die in ande­ren Kon­tex­ten (wie Ende Gelän­de) längst eta­bliert ist und die wir auch im städ­ti­schen Raum aus­bau­en soll­ten.

Bezüg­lich der Demo­ge­schwin­dig­keit war es ein Pro­blem, dass die Demo über die gesam­te Rou­te sehr schnell war. Einer­seits ließ der schnel­le Start den Cops kei­ne Gele­gen­heit die Demo gut zu kon­trol­lie­ren, ande­rer­seits hat­ten es Men­schen schwer Schritt zu hal­ten. Dies führ­te zu Lücken in die Demo mit der Kon­se­quenz, dass Men­schen weni­ger geschützt waren oder weni­ger Schutz bie­ten konn­ten als eine struk­tu­rier­te Demo. Auch ließ das Tem­po wenig Zeit für ande­re Sachen (Schluck Was­ser trin­ken, Schuh zubin­den, etc…).
Statt­des­sen hät­te die Demo mit mehr Selbst­si­cher­heit und weni­ger Hek­tik agie­ren kön­nen. Es wäre mög­lich gewe­sen im Schil­ler­kiez lang­sam zu star­ten, Geschwin­dig­keit auf­zu­neh­men (z.B. nach den ers­ten Angrif­fen) und auch lang­sa­mer zu wer­den wenn Lücken zu schlie­ßen sind. Es soll­te nicht allein die Demor­ga sein, die das Tem­po bestimmt indem durch Melder_​innen auf der Demo und inter­ner Struk­tur Lücken gemel­det wer­den. Auch beim Tem­po kann, wie es aus ande­ren Kon­tex­ten und Län­dern bekannt ist, auf Hand­zei­chen zurück­ge­grif­fen wer­den, die alle ken­nen. So ist unser agie­ren anti-hier­ar­chi­scher und Ver­ant­wor­tung mehr ver­teilt.

Zum ers­ten Ziel auf der Rou­te wur­de das Job­Cen­ter, wel­ches am Anfang der Rou­te liegt. So star­te­te die Eska­la­ti­on sehr früh. Im Nach­hin­ein den­ken wir, dass es durch eine frü­he Eska­la­ti­on kei­ne Mög­lich­keit gab, das Eska­la­ti­ons­le­vel lang­sam zu stei­gern was poten­ti­ell mehr Men­schen hät­te ein­bin­den kön­nen. Es hät­te von vor­ne­her­ein eine ande­re Rou­te ange­setzt wer­den kön­nen.

Die Tei­le der Rou­te hiel­ten unter­schied­lich viel Poten­ti­al, um unse­re inhalt­li­che Kri­tik an Orten der kapi­ta­lis­ti­schen und staat­li­chen Unter­drü­ckung zu äußern. Unglück­li­cher­wei­se lie­fen Men­schen nach der Auf­lö­sung in Rich­tun­gen, die tak­tisch unge­eig­net waren (Columbiadamm/​Schil­ler­kiez). Wäh­rend der Schil­ler­kiez wie eine gro­ße Sack­gas­se auf­ge­baut ist, besteht er auch über­wie­gend aus Wohn­häu­sern. Auch der Colum­bia­damm ist eine lan­ge gera­de und lee­re Stra­ße. Es ist durch­aus mög­lich, dass die Cops bereits mit der Auf­lö­sung ver­such­ten, die Mas­se davon abzu­hal­ten, sich in bestimm­te Rich­tun­gen zu bewe­gen. So oder so, gelang es der Struk­tur nicht, die Demo in Rich­tung der geplan­ten Rou­te zu len­ken. Hier braucht es viel­leicht wei­ter­füh­ren­de Dis­kus­si­on über das Out-of-Con­trol Kon­zept, denn Out-of-Con­trol soll­te nicht hei­ßen, plan­los zu agie­ren.

Ins­ge­samt wis­sen wir von 7 Fest­nah­men auf der Demo. Im Umfeld der Spon­tan­de­mons­tra­ti­on in Prenz­lau­er Berg hör­ten wir von min­des­tens 12 Per­so­nen­kon­trol­len und 3 Fest­nah­men. Alle Fest­ge­nom­me­nen (von denen wir wis­sen) waren am nächs­ten Mor­gen wie­der aus der Gesa. Schön ist, dass eini­ge Fest­nah­men auf­grund des Kon­troll­ver­lusts der Poli­zei abge­bro­chen wer­den muss­ten oder nicht durch­ge­führt wer­den konn­ten. Für das Level an Eska­la­ti­on gab es unse­rer Mei­nung nach weni­ge Fest­nah­men. Das ver­deut­licht mal wie­der, dass die Anzahl an Fest­nah­men häu­fig gerin­ger ist auf offen­si­ven Demos. Hier zeigt sich ein ers­ter Kon­troll­ver­lust der Poli­zei.
Wir ent­schul­di­gen uns dafür, dass eini­ge Men­schen allei­ne waren als sie aus der GeSa kamen. Die Ver­ant­wor­tung für den feh­len­den Gefan­ge­nen-Sup­port liegt nicht beim EA Ber­lin, son­dern bei uns, den Organisator_​innen der Demo.

b) All­ge­mei­ne Demo­kul­tur
Durch unse­re Reak­tio­nen auf der Demo wur­de deut­lich, dass wir Angst vor den Cops ver­in­ner­licht haben. Ein Bei­spiel ist, dass sich Men­schen an der Ecke Flughafen/​Her­mann­stra­ße an die Sei­ten dräng­ten obwohl zu Anfang nicht vie­le Cops da waren. Das hat­te zur Fol­ge, dass orga­ni­sier­te Rei­hen allei­ne da stan­den und Men­schen die das Luxus­loft angrif­fen unge­schützt auf der Kreu­zung stan­den. Wir hat­ten den Ein­druck, dass vie­le Men­schen panisch wur­den und eini­ge Men­schen noch mehr Panik erzeug­ten in dem sie rie­fen, dass Men­schen ren­nen soll­ten. Die meis­ten folg­ten die­ser Dyna­mik und lie­ßen sich von den Cops jagen. Wir kön­nen nicht bewer­ten, ob es in die­sem Moment not­wen­dig war zu ren­nen, aber wol­len unse­re all­ge­mei­ne Angst vor Cops in Fra­ge stel­len. Wir mei­nen, dass die Bewe­gung sich mehr Selbst­be­wusstein im Umgang mit Cops aneig­nen muss, um sie zum Bei­spiel in orga­ni­sier­ten Rei­hen zu blo­ckie­ren und Angrif­fen wie denen am 01.08. nicht wehr­los aus­ge­setzt zu sein.
Die Cops haben sich weder schlau ver­hal­ten noch waren sie zu Beginn vie­le. Obwohl es Momen­te gab, in denen wir ihnen zah­len­mä­ßig weit über­le­gen waren, lie­ßen sich vie­le Men­schen von Geren­ne und wild umher­fah­ren­den Wan­nen weg­ja­gen. Hier könn­ten wir ler­nen, Ruhe zu bewah­ren. Wir den­ken, dass es sinn­voll ist, als Ein­zel­per­so­nen zu ler­nen, in Stress­mo­men­ten wie sol­chen einen Blick für das Ganze/​Ande­re und nicht allein für sich selbst zu haben. Wir soll­ten unser kol­lek­ti­ves Han­deln wei­ter trai­nie­ren (Akti­ons­trai­nings) da wir Demos als gute Mög­lich­keit sehen, unse­re Wut gemein­sam aus­zur­dü­cken.

c) Prenz­lau­er Berg Spon­ti (Plan B) – was ist pas­siert & wie bewer­ten wir Plan B
Wäh­rend der Demo in Neu­köl­len wur­de ange­sagt, dass wir uns um 23 Uhr im Prenz­lau­er Berg tref­fen, für den Fall, dass wir in Neu­kölln nicht so lau­fen kön­nen wie wir es wol­len. Die Orts­wahl war nicht zufäl­lig. Der gewähl­te Kiez ist einer der meist gen­tri­fi­zier­ten Gebie­te Ber­lins und beher­bergt vie­le Immo­bi­li­en­bü­ros, Luxu­bau­ten und über­teu­er­te Geschäf­te.
Die Spon­ti vom Koll­witz­platz zum Sene­felder­platz hin­ter­ließ eini­ge zer­stör­te Schei­ben. Doch war die ein­ge­schla­ge­ne Rou­te nicht ide­al. Auch hier war eine ande­re Rou­te geplant. Auf­grund der Situa­ti­on am Koll­witz­platz nach dem Auf­tau­chen zwei­er Wan­nen und einer Zivi­kar­re, ver­such­te sich jedoch die Mas­se auf­zu­lö­sen beweg­te sich kol­lek­tiv in eine unge­plan­te Rich­tung. Schluss­end­lich wur­de aus die­sem Auf­lö­sungs­ver­such der Start der Spon­ti. Am Sene­felder­platz fuh­ren zwei wei­te­re Wan­nen an und Bul­len spran­gen her­aus was zur Auf­lö­sung führ­te.

Für die Zukunft möch­ten wir ger­ne an der Idee des Plan B wei­ter­ar­bei­ten, da wir selbst­be­stimmt pro­tes­tie­ren wol­len. Ein Plan B kann ent­we­der als Dro­hung an die Cops wir­ken um uns lau­fen zu las­sen oder aber sicher­stel­len, dass es min­des­tens bei einem Plan B zu wider­stän­di­gen kol­lek­ti­ven Momen­ten auf der Stra­ße kommt.

Ein wich­ti­ger Punkt in unse­rer bis­he­ri­gen Reflek­ti­on war die unzu­rei­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on dar­über wann und ob Plan B (die Spon­ti) statt­fin­den wür­de. Öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on in solch einer Situa­ti­on ist gene­rell kom­pli­ziert und bringt uns stets in die Zwick­müh­le zwi­schen gro­ßen Aktio­nen die nicht aus­schlie­ßend sind und in denen wir gemein­sam stark sein kön­nen und der durch die Auf­merk­sam­keit erhöh­ten Poli­zei­prä­senz. Uns ist es wich­tig, Aktio­nen zu pla­nen, die öffent­lich ange­wor­ben wer­den kön­nen, damit mehr Men­schen dar­an teil­neh­men kön­nen und es ein­fa­cher ist zu Aktio­nen dazu zu sto­ßen, auch weil eins sich vor­her schon mit der Gegend oder der Rou­te ver­traut machen kann. Gleich­zei­tig ist die erhöh­te Cop­p­rä­senz durch öffent­li­che Mobi­li­sie­rung eine Hür­de. Das Kon­zept, dass am 01.08. gefah­ren wur­de, soll­te einen Mit­tel­weg gehen in dem nur ein Stadt­teil, aber nicht der genaue Treff­punkt, öffent­lich kom­mu­ni­ziert wur­de. Die Dis­kus­si­on über die Mobi­li­sie­rung zu spon­ta­nen, unan­ge­mel­de­ten Demos (Spon­tis) wird in unse­rer Aus­wer­tung zur Syn­di­kat-Tag X- Spon­ti fort­ge­führt.

Auch muss­ten wir fest­stel­len, dass Plan B offen­sicht­lich nicht als Andro­hung wirk­te, um die Cops davon abzu­hal­ten uns anzu­grei­fen und die Demo zu zer­schla­gen. Es war trotz­dem wich­tig, dass wir unse­rer Andro­hung einer spä­te­ren Spon­ti nach­ka­men. Falls wir an dem Bedro­hungs­po­ten­zi­al fest­hal­ten wol­len, soll­ten wir Andro­hun­gen in Zukunft frü­her, lau­ter und direk­ter an die Ver­ant­wort­li­chen gerich­tet for­mu­lie­ren. 

Der letz­te Punkt auf den wir ein­ge­hen wol­len bezüg­lich Plan B ist, dass wir uns trotz Poli­zei­prä­senz zu einer Spon­ti for­mier­ten und lie­fen. Wir den­ken, dass das ein wich­ti­ger Schritt für uns war. Es ist scha­de, dass die Demo­rou­te dar­un­ter litt, dass wir zu Anfang von den Cops weg lie­fen. Wir wol­len Men­schen natür­lich die Angst vor Repres­si­on nicht abspre­chen, doch mei­nen wir im all­ge­mei­nen, dass wir in den rich­ti­gen Momen­ten kei­ne Angst vor Cops haben müs­sen. Des­we­gen glau­ben wir, dass wir uns aktu­ell wirk­lich in die Offen­si­ve bewe­gen. Die Spon­ti war ein wei­te­rer Schritt um Angst und Ohmacht hin­ter uns zu las­sen. Wir wol­len noch mehr kol­lek­ti­ve Aktio­nen, mehr Selbst­be­wusst­sein, mehr Miss­ach­tung und mehr Wut gegen das Sys­tem im all­ge­mei­nen und die prü­gel­wü­ti­gen Cops im spe­zi­el­len. Wir freu­en uns über einen Aus­tausch und Erfah­run­gen zur Demo­kul­tur in denen sich unse­re gemein­sa­me Stär­ke ent­fal­ten kann.

Vor­schau
Mit der kraft­vol­len Demo sowie der wüten­den Spon­ti als Reak­ti­on sind wir auf einem guten Weg in die Offen­si­ve zu kom­men. Wie wir bereits am Anfang sag­ten, sind die Punk­te in die­sem Text ers­te Ideen die wir ger­ne mit euch wei­ter dis­ku­tie­ren wür­den. Wir freu­en uns über digi­ta­les Feed­back aber wol­len in der Zukunft auch ande­re Räu­me für Aus­tausch schaf­fen. Wir wol­len wei­ter an unse­rer Stra­te­gie fei­len und uns an grö­ße­ren Dis­kus­sio­nen bezüg­lich Orga­ni­sie­rung von kraft­vol­len Demos und Demo­kul­tur betei­li­gen.

Die Demo war ein star­kes Signal und wir wol­len alle Räu­mungs­ver­su­che zu einem Desas­ter machen. Im Fal­le von Räu­mun­gen wol­len wir mit Demos und Spon­tis den Preis in die Höhe trei­ben. Neben den Aktio­nen zu Tag X wird es in der Woche vom 7.–13. Sep­tem­ber eine femi­nis­ti­sche Akti­ons­wo­che geben, in der auch eine wei­te­re Inter­kiezio­na­le Demo statt­fin­det.

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As Inter­kiezio­na­le we offer with this text a first eva­lua­ti­on of the demo of 1st August 2020. This eva­lua­ti­on only con­cerns the tac­tics of an offen­si­ve demo cul­tu­re. That does not mean, that the suc­cess of a demo can only be mea­su­res by tac­tics or that our stra­te­gy only con­sist of offen­si­ve demos. We want to fur­ther reflect with you on the points brought up in this text, to work on our stra­te­gy and streng­t­hen the move­ment.

As orga­nisers of the “Out of the defen­se” demo on 1st August, we see the demons­tra­ti­on and the Spon­ti that took place in the evening as a suc­cess. The expec­ta­ti­ons we put high with an offen­si­ve slo­gan. Tog­e­ther we made the slo­gan come real, we came out of the defen­si­ve and took a power­ful collec­ti­ve step against upco­m­ing evic­tions. We hope that the demo has a mobi­li­sing effect on the upco­m­ing weeks, demons­tra­ti­ons and actions.
Des­pi­te the fact that the­re are many poli­ti­cal­ly acti­ve peop­le in Ber­lin, we are reco­gni­se a lack of collec­ti­ve offen­si­ve moments. Tog­e­ther with other offen­si­ve moments in recent times, we mana­ges on the 1st august to “break” again the image of a pas­si­ve Ber­lin: i.e. the Inter­kiezio­na­le Demo on the 02.11.19, the many occup­a­ti­ons, the Geor­ge Floyd-spon­ti, the spon­ti for Liebig34 & Rigeaer94 recent­ly, and now the demo show­ed, that we can do mili­tant collec­ti­ve actions. The­se moments in which we collec­ti­vi­ze our strug­gles are moments in which we actual­ly beco­me a thre­at to the sta­te and the capi­tal. It is moments like tho­se on 1st August show us, that our strength lies in figh­t­ing collec­tiv­ly. Let us learn from our mista­kes and be encou­ra­ged by our poten­ti­al.

What hap­pen­ed?
On the 1st of August a demons­tra­ti­on in soli­da­ri­ty with the threa­tened pro­jects took place in Ber­lin-Neu­kölln, under the slo­gan of “Raus aus der Defen­si­ve”. Around 2500 peop­le star­ted gathe­ring at the star­ting point of the demo. After some spee­ches and the announ­ce­ment to gather at 11pm in Prenz­lau­er Berg in case of dis­so­lu­ti­on the demo star­ted at 8.20pm from Herr­furth­platz reve­aling from the first moment a power­ful cha­rac­ter.
The crowd quick­ly gathe­red. At the cor­ner of Wei­se- and Kie­nitzer­stra­ße a ban­ner drop and pyro­show took place. With a fast rhythm the demons­tra­ti­on hea­ded towards Her­mann­stra­ße shou­ting paro­les and ligh­t­ing pyro and smo­ke. Des­pi­te the visi­ble poli­ce pre­sence, the dyna­mic in the demo crea­ted an atmo­s­phe­re of soli­da­ri­ty and decisi­ve­ness.
Tur­ning left at Main­zer Stra­ße, whe­re the cops were guar­ding the Job­Cen­ter a first con­fron­ta­ti­on took place. Peop­le atta­cked the buil­ding and the cops. Peop­le con­ti­nued to shout paro­les and light pyro and many car­ri­ed ban­ners and umbrel­las to pro­tect the demo.
At the cor­ner of Her­mann- and Flug­ha­fen­stra­ße a luxu­ry buil­ding was atta­cked with paint and stones. While the first rows were hea­ding down Flug­ha­fen­stra­ße, poli­ce made an attack in the midd­le of the demo. Unpro­tec­ted by a lack of ban­ners the demo split into two parts. Peop­le spread to the edges of the cros­sing and the firm demo body disper­sed. Some peop­le defen­ded them­sel­ves against the attacks by the cops and attemp­ted des­pi­te pep­per spray, to rest­ruc­tu­re the demo. Kee­ping up ban­ners and umbrel­las for pro­tec­tion and wal­king in rows none­theless did not suc­ceed in making the demo walk fur­ther.
The cops were cha­sing peop­le more and more in direc­tion of Her­mann­stra­ße and Colum­bia­damm. While some pani­cked and ran off, others used the cha­os for fur­ther actions. Sin­ce the big­gest part of the demo was moving in the direc­tion of Colum­bia­damm, the demo was disper­sing more and more.
From the­re, the crowds moved into Schil­ler­kiez. While some were car­ri­ed along, other tried to built bar­ri­ca­des to take back the streets. Moving through the Kiez, the crowd mana­ged to reach Her­mann­stra­ße again, whe­re the par­ty office of SPD was atta­cked.
With incre­a­sing poli­ce pre­sen­ces and the heli­co­p­ter buz­zing over Neu­kölln, des crows disper­sed into the neigh­bou­ring streets. The date to meet again in Prenz­lau­er Berg at 11pm was com­ing clo­ser.

Reflec­tion
a) Demo struc­tu­re & orga­ni­sa­ti­on
We have to cri­ti­cal­ly reflect that we did not mana­ge to publish in advan­ce, that we want to start on time. We are used to demo­stra­ti­ons in Ber­lin star­ting with a big delay, which is why many were sur­pri­sed and some came to late to the demo. Gene­ral­ly, we think it makes sen­se howe­ver to start on time as long wai­t­ing can crea­te a lethar­gic mood.
Also we had the usu­al issu­es with mega­pho­nes, as they were not loud enough to bea heard by all peop­le. None­theless, we think that mega­pho­nes are a bet­ter tool than sound trucks. They enab­le a mobi­le com­mu­ni­ca­ti­on – an approach that has been long estab­lis­hed in other con­text (Ende Gelän­de) which we think is worth estab­li­shing here too.
Regar­ding the speed of the demons­tra­ti­on, it was a pro­blem that the front block wal­ked all the way very fast. While the fast start did not lea­ve the cops much space for con­trol­ling the demo, it was hard to keep up with the demo. This led to gaps in the demons­tra­ti­on with the con­se­quence, that peop­le were less pro­tec­ted or could offer less pro­tec­tion. The speed also left no time for other things (drin­king some water, tiing your shoes, …)
ins­tead, the demo could have star­ted with con­fi­dence and less hec­tic. It was pos­si­ble to start slow­ly in Schil­ler­kiez and only take up speed after the first con­fron­ta­ti­on and slow down when the­re are gaps. It should also not be the only the demo-orga which dic­ta­ted the speed through infor­ma­ti­on by run­ners and inter­nal com­mu­ni­ca­ti­on informing about gaps. Als known from other coun­tries and con­texts is the working with hand sings to com­mu­ni­ca­te and con­trol the demo speed among all. That way we can work anti-hier­ar­chi­cal­ly and spread respon­si­bi­li­ty.

The first tar­get was the job­cent­re, which is loo­ca­ted at the start of the rou­te. That way, the esca­la­ti­on star­ted real­ly ear­ly. In hind­sight, we think, that the ear­ly esca­la­ti­on did not allow for a smooth incre­a­se of esca­la­ti­on which might have allo­wed more peop­le to par­ti­ci­pa­te. We could have from the start plan­ned the rou­te dif­fer­ent­ly.

Dif­fe­rent parts of the rou­te offe­red a dif­fe­rent poten­ti­al to show our cri­tique of capi­ta­list and sta­te opp­res­si­on. Unfor­tu­n­a­te­ly, peop­le ran into tac­ti­cal­ly unsui­ta­ble direc­tions (Columbiadamm/​Schil­ler­kiez). While Schil­ler­kiez is a big dead-end, it is most­ly a resi­den­ti­al area. Colum­bia­damm is a long empty street. It is actual­ly pos­si­ble, that while sma­shing the demons­tra­ti­on, alrea­dy attemp­ted to pre­vent the crowd from run­ning into cer­tain are­as. Eit­her way, the demo struc­tu­re did not mana­ge to steer the demo back into the plan­ned direc­tion. Here it might be use­ful to also dis­cuss the ide­aa of out-of-con­trol again, which should not mean to act unplan­ned.

Over­all we know of 7 arrests during the demo. In the sur­roun­ding of the spon­ta­ne­ous demons­tra­ti­on in Prenz­lau­er Berg, we heard of a mini­mum of 12 iden­ti­ty con­trols and 3 arrests. All arres­ted peop­le had left the detenti­on cent­re by the next morning. We were hap­py to hear that some arrests had to be stop­ped or could not be made due to the cops being over­whel­med. For the level of esca­la­ti­on, the­re was a low amount of arrests. It again shows, that often the­re are less arrests when the­re is more con­fron­ta­ti­on. This also pro­ofs of a loss of con­trol by the poli­ce.
We apo­lo­gi­se by tho­se peop­le who were left alo­ne when com­ing out of detenti­on. The respon­si­bi­li­ty of the lack of pri­son sup­port does not lie with the EA Ber­lin but with us, the orga­nisers of the demo.

b) Gene­ral demo cul­tu­re:
Through our reac­tions on the demons­tra­ti­on is beca­me clear, that we have inter­na­li­sed a fear of cops. The exmap­le at the cor­ner of Flug­ha­fen-/Her­mann­stra­ße when peop­le spread to the sides of the cros­sing even though not many cops were pre­sent. The sprea­ding out led to orga­nis­ed rows being left alo­ne and peop­le attacking the lofts being unpro­tec­ted. Our impres­si­on was, that many peop­le pani­cked and some pushed the panic even more by shou­ting at others to run. Most peop­le fol­lo­wed this dyna­mic and let them­sel­ves be cha­sed by the cops. We can­not eva­lua­te if it was necessa­ry to run in this moment. Rather howe­ver, we want to ques­ti­on gene­ral­ly our fear of cops. We thank that the move­ment has to gain con­fi­dence in dealing with cops, for examp­le by forming orga­nis­ed rows to block them and not be at the mer­cy of the cop’s attacking is without defen­ding ours­le­ves.
Neit­her did the cops act smart, not were the­re many of them. Even though we we outn­um­be­red them in many situa­tions, many peop­le let them­sel­ves be cha­sed by run­ning cops and cop cars dri­ving like cra­zy. Here we should learn to stay calm. We think it is use­ful for indvi­du­als to learn in moment of stress, to keep the view of the who­le of the demo/​others and not just focus on oneself. We should work on our collec­ti­ve acting (in action trai­nings) as demons­tra­ti­ons are a good pos­si­bi­li­ty to express our anger­collec­tively.

c) Prenz­lau­er Berg Spon­ti (Plan B)
During the demo in Neu­kölln it was announ­ced, that we want to meet again at 11pm in Prenz­lau­er Berg in case the demo is disper­sed. The choice of place was not arbi­tra­ry, as this area is one of the most gen­tri­fied in Ber­lin, hos­ting real esta­te offices, luxu­ry apart­ments and over­pri­ced shops.
The spon­ti from Koll­witz­platz to Sene­felder­platz left behin­de some bro­ken win­dows. Howe­ver the taken rou­te was to ide­al. Here also, ano­t­her rou­te was pla­ned. Due to the situa­ti­on at Koll­witz­platz, with two cop vans and civil cops, the crowd spread out moving into an unplan­ned direc­tion. In the end, this oppor­tu­ni­ty was taken to start the Spon­ti. At Sene­felder­platz two more cop vans arri­ved, cops jum­ped out and the spon­ti disper­sed.
In the future we want to cont­nue working with a Plan B as we want to walk auto­no­mous­ly. A plan B can work as a thre­at to the cops to let a demons­tra­ti­on take place or ensu­re, that at least during the plan B we can have offen­si­ve collec­ti­ve moments on the streets.

An important point in our reflec­tion was the lack of com­mu­ni­ca­ting when and if plan B is taking place. Public com­mu­ni­ca­ti­on in such situa­tions is gene­ral­ly tri­cky as we are stuck bet­ween big­ger mobi­li­sed actions which are not exclu­si­ve and in which we can be strong tog­e­ther and and incre­a­sed poli­ce pre­sence due topu­blic infor­ma­ti­on. For us it is important to plan actions publicly, so that more peop­le can par­ti­ci­pa­te and can pre­pa­re them­sel­ves for the action and the area. At the same time incre­a­sed cop pre­sence is a bar­ri­er to our pro­test. The con­cept on the 1st August tried to go the midd­le way by only publicly announ­cing the district but not the exact star­ting point. Our dis­cus­sion about mobi­li­sing for and spon­ta­ne­ous, unre­gis­tered demons­tra­ti­on (Spon­ti) will be cont­nued in our text on the Syn­di­kat-Spon­ti.

Also we have to admit, that the plan B did not work as a thre­at to the cops, to keep them from attacking the demons­tra­ti­on. Nont­heless, it was important that we fol­lo­wed up on our announ­ce­ment. If we want to keep working on this poten­ti­al thre­at, we have to com­mu­ni­ca­te it ear­lier, lou­der and more direct­ly to tho­se respon­si­ble.

The last point we want to men­ti­on regar­ding pla­ne B is, that we wal­ked des­pi­te the cops being pre­sent. We think that this was an important step. It is unfor­tu­n­a­te, that the spon­ti rou­te suf­fe­red under our initi­al panic. Of cour­se we do not want to deny people’s fear of repres­si­on. Gene­ral­ly howe­ver, we think it is not necessa­ry to be afraid of the cops in the right moments. That is why we belie­ve, that we are real­ly com­ing out of the defen­si­ve. The spon­ti was ano­t­her step in loo­sing our fear and power­less­ness. We want more collec­ti­ve actions, more con­fi­dence, more dis­re­gard, and more anger against this sys­tem and the eager cops. We wel­co­me an exchan­ge and expe­ri­en­ces about demo­cul­tu­re in which our collec­ti­ve strength enfolds.

Pre­view
With this power­ful demons­tra­ti­on and the angry spon­ta­ne­ous demons­tra­ti­on as a reac­tion we think we are on a good way to come out of the defen­se. As we sta­ted at the begin­ning, the are first points of a tac­ti­cal reflec­tion. We appre­cia­te for digi­tal feed­back but also want to open other spaces for exchan­ge. We want to reflect on our stra­te­gy and take part in big­ger dis­cus­sions on power­ful demons­tra­ti­ons and demo cul­tu­re.

The demo was a strong signal and we want to turn all evic­tion attempts into a desas­ter. In case of evic­tions we want to come tog­e­ther for demons­tra­ti­ons or spon­tis. Asi­de from actions on day X a femi­nist action week will take place from 7th-13th Sep­tem­ber, with the ano­t­her Inter­kiezio­na­le Demo.

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