[gG:] Eine Kolumne: Oberstaatsanwalt Matthias Fenner – ein Beamter offenbart sich

Als wir von den momen­tan viel dis­ku­tier­ten faschis­ti­schen Ver­stri­ckun­gen der Ber­li­ner Staats­an­walt­schaft im Neu­kölln-Kom­plex hör­ten, wun­der­te uns dies nicht. Eher freu­te uns der Fakt, dass die Mas­ke­ra­de des deut­schen Rechts­staa­tes einen wei­te­ren offen­sicht­li­chen Riss vor­zu­wei­sen hat. Und so haben auch wir schon ein­mal eine klei­ne Kolum­ne zu den aktu­el­len Vor­komm­nis­sen rund um den Lei­ter der Staats­schutz­ab­tei­lung, Mat­thi­as Fen­ner, bei­zu­tra­gen:

Gewöhnt haben wir uns an das Gerau­ne der Bul­len auf Demos, bei Ver­haf­tun­gen oder Haus­durch­su­chun­gen, auf ihren Wachen. Was sie gleich alles mit uns machen wer­den, wenn … , was wir doch für “Assis”, “Fot­zen”, “Pis­ser”, “Homos” sind, was man frü­her mit so Abschaum wie uns gemacht hät­te, „Wenn du mich anguckst, brech ich dir alle Kno­chen, du Wixer!“.

Im Zeu­gen­stand vor Gericht win­seln sie dann her­um, die PMS­le­rIn­nen, Strei­fen­bul­len, Hun­dert­schafts­füh­rer. Wie es ihre Ehre ver­letzt habe, als sie Schwein genannt wur­den, als sie ACAB auf einem T‑shirt lesen muss­ten. Wie sie mona­te­lang aus­ge­fal­len sind von dem Schlag gegen ihren Helm. Ver­ständ­nis­vol­les Nicken der schwar­zen Roben auf der Rich­ter­bank und des Staats­an­walts.

Was denkt sich so ein Staats­an­walt, nen­nen wir ihn Ober­staats­an­walt Mat­thi­as Fen­ner, Lei­ter der Abtei­lung 231, wenn unse­re Anwäl­tIn­nen ver­zwei­felt in mani­pu­lier­ten Akten wüh­len, einem lügen­den Bul­len­zeu­gen ver­su­chen einen Fun­ken Wahr­heit zu ent­lo­cken? Im bes­ten Fall denkt Fen­ner dann: Ihr Trot­tel, das wird euch gar nichts nüt­zen. Viel­leicht lau­fen an die­sen trü­ben Tagen im Kri­mi­nal­ge­richt Moa­bit auch ande­re Bil­der, die wir nur aus alten Wochen­schau­en ken­nen, vor Fen­ners inne­rem Auge ab: Erschie­ßungs­kom­man­dos der Wehr­macht und in Gru­ben pur­zeln­de Lei­chen, der brül­len­de Prä­si­dent des Volks­ge­richts­hofs etc. Denn über Mat­thi­as Fen­ner ver­brei­tet sogar der des Anti­fa­schis­mus unver­däch­ti­ge Tages­spie­gel:

„F. gilt, so ist von etli­chen Sei­ten in der Behör­de zu hören, als stramm rechts. … Eine wei­te­re Bege­ben­heit zeigt sei­ne ande­re Sei­te. Es war im März 2020, kurz vor dem Coro­na-Lock­down. Fritz Mar­quardt, Mit­ar­bei­ter eines Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten der Grü­nen, saß mit weni­gen ande­ren Jura-Student*innen beim letz­ten Vor­ge­spräch zur münd­li­chen Prü­fung für das ers­te Staats­examen. F. war Chef der Prü­fungs­kom­mis­si­on. Eigent­lich wur­de Fach­li­ches bere­det. Aber F., so erin­nert sich Mar­quardt, soll ohne Anlass über Poli­tik gespro­chen haben. Dass es kei­ne Hetz­jag­den auf Migran­ten in Chem­nitz gege­ben habe, damals bei den Aus­schrei­tun­gen im Som­mer 2018. F. soll mit den Prüf­lin­gen auch über den NSU-Pro­zess um die rechts­ter­ro­ris­ti­sche Mord­se­rie gere­det haben. Die Sicher­heits­be­hör­den hat­ten es dem Neo­na­zi-Trio bekannt­lich leicht gemacht. F. soll gesagt haben, die angeb­li­che schlech­te Rol­le des Ver­fas­sungs­schut­zes im NSU-Kom­plex sei eine Ver­schwö­rungs­theo­rie, die Behör­de habe sau­ber gear­bei­tet.“ [Quel­le: Tages­spie­gel]

Wir ken­nen den Staats­an­walt Fen­ner seit lan­gem. Wir wis­sen wie er Akten, Pro­zes­se und Zeu­gin­nen mani­pu­liert. Dar­auf ist geschis­sen weil die Macht kein Inter­es­se an einem Aus­gleich unter­schied­li­cher Posi­tio­nen in einem Staat haben kann. Sonst wäre sie kei­ne Macht, die aus­schließ­lich expan­die­ren oder sich min­des­tens erhal­ten will. Das Mär­chen von der demo­kra­ti­schen Gewal­ten­tei­lung auf meh­re­re Staats­or­ga­ne zum Zwe­cke der Macht­be­gren­zung und der Siche­rung von Frei­heit und Gleich­heit, auf die drei Gewal­ten Legis­la­ti­ve, Exe­ku­ti­ve und Judi­ka­ti­ve, haben wir noch nie geglaubt. Der Staat betrach­tet Figu­ren wie Gei­sel oder Hen­kel nur als net­tes Thea­ter für sei­ne Gläu­bi­gen. In Wirk­lich­keit besteht der Staat aus sei­nem Beam­ten­ap­pa­rat, der auch nach Wah­len nicht aus­ge­tauscht wer­den kann, weil er sonst nicht funk­tio­nie­ren wür­de. Staats­an­wäl­tIn­nen, Rich­te­rIn­nen, Bul­len, Mili­tärs und die Stä­be in den Minis­te­ri­en und Behör­den sind unver­än­der­li­ches Wesen Deutsch­lands, egal wel­chen Namen sich der Staat aktu­ell gibt.

Eine Neue­rung des der­zei­ti­gen Ver­ständ­nis­ses sei­ner Funk­ti­ons­trä­ge­rIn­nen ist, dass nicht mehr über straf­recht­li­che, dis­zi­pli­na­ri­sche oder ruf­schä­di­gen­de Kon­se­quen­zen nach­ge­dacht wird. Als der Poli­zei­be­am­te Sebas­ti­an Kay­ser im Dezem­ber 2017 sei­ne Droh­brie­fe u.a. an uns ver­schick­te (sie­he hier) , arbei­te­te er als Tat­be­ob­ach­ter ( wie groß ist die Wahr­schein­lich­keit, dass er nie­mals jemand falsch belas­tet hat als Zeu­ge vor Gericht?) einer Hun­dert­schaft. Das er ermit­telt wer­den wür­de, wenn er die Brie­fe aus sei­nem Dienst­rech­ner aus­druckt war im voll­kom­men egal, wie es auch den poli­zei­li­chen Ver­fas­sern der Frank­fur­ter Droh­brie­fe egal war.

Das Ober­staats­an­walt Fen­ner jetzt einem Ver­däch­ti­gen, des­sen TKÜ ihm bekannt ist, signa­li­sier­te, er brau­che sich kei­ne Sor­gen wegen dem Ver­fah­ren machen, ist inso­fern eine Stei­ge­rung, dass auch er kei­ne Angst vor den Fol­gen hat. Damit reiht er sich ganz sub­til in die Rei­he der klei­nen Bul­len ein, die uns auf der Stra­ße immer ihre Nazi­ge­sin­nung ins Gesicht rau­nen. Eine Auf­zäh­lung aller faschis­ti­scher „Ein­zel­tä­ter“ aus den Rei­hen von VS, Poli­zei oder Bun­des­wehr in den letz­ten Jah­ren, wür­de jeden Rah­men spren­gen. Ihre man­geln­de Kon­spi­ra­ti­on ist nur mit ihrem sub­jek­ti­vem Emp­fin­den zu erklä­ren, sich qua­si in einer Situa­ti­on ähn­lich dem Ende der Wei­ma­rer Repu­blik zu befin­den – kurz vor der Mach­ter­lan­gung der natio­na­len Restau­ra­ti­on. Was hat Mat­thi­as Fen­ner gewählt bevor es die AfD gab? Ist es vor­stell­bar, dass ein Staats­an­walt ver­gleich­ba­re Zusa­gen an beschul­dig­te Bul­len macht? Wie im Fall Maria, hin­ge­rich­tet von einem Beam­ten des Abschnitts 51? Wun­dert es uns, dass Mat­thi­as Fen­ner irgend­wann, ver­mut­lich als Stu­dent, sich eher vom Feind­straf­recht des Carl Schmitt als von Mon­tes­quieu ange­zo­gen fühl­te? Natür­lich decken sie sich alle gegen­sei­tig, wis­send das sie nicht der brau­ne Rand der Gesell­schaft sind. Typen wie Fen­ner sind die Stich­wort­ge­ber um den Leu­ten fürs Gro­be den rich­ti­gen Moment zum Han­deln anzu­kün­di­gen. Als Anklä­ger hat Fen­ner die­ses Signal auch im Pro­zess (Quel­le: taz) gegen den PMS Beam­ten Ste­fan Koll­mann (Quel­le: recherche030) gege­ben. Die­ser hat­te in sei­ner Frei­zeit das erle­digt, was er als Beschüt­zer von Pegi­da Demos beruf­lich leis­tet.

Wir ver­öf­fent­li­chen die­sen Text nicht als Mah­nung, doch bit­te rechts­staat­li­che Kri­te­ri­en anzu­wen­den. Es geht dar­um, wie wir als Men­schen, egal ob Auto­no­me, Links­ra­di­ka­le, Anti­fa­schis­tIn­nen oder wie auch immer, unser Ver­hält­nis zum Staat even­tu­ell neu defi­nie­ren müs­sen. Tra­di­tio­nell opfert der Staat sei­ne eige­nen Leu­te, wie die Poli­zis­tin Kie­se­wet­ter oder den Regie­rungs­prä­si­den­ten Lüb­cke, aus für uns nicht nach­voll­zieh­ba­ren Moti­ven. Dass die­ser Staat aus­ge­rech­net mit uns, sei­nen erklär­ten Geg­ne­rIn­nen weni­ger skru­pel­los umgeht, kön­nen wir uns nicht vor­stel­len.

Dass ein Staats­an­walt sich in der Art offen­bart, soll­te in unse­ren Krei­sen nicht mit einem sat­ten Schmun­zeln über die­sen klei­nen Skan­dal in den Medi­en gou­tiert wer­den. Bei den Bul­len und in der Jus­tiz sehen wir inter­ne Macht­kämp­fe mit unge­wöhn­li­chen Manö­vern, wie der Anzei­ge von Anwalt Ber­nau gegen den Innen­se­na­tor und die Poli­zei­prä­si­den­tin. Auch wenn uns lin­ke Regie­run­gen wie die gegen­wär­ti­ge, poli­tisch gefähr­li­cher wer­den kön­nen, dür­fen wie auch den Punkt nicht ver­pas­sen, gegen die Ver­tre­te­rIn­nen der rabia­te­ren Metho­den geeig­ne­te Stra­te­gien zu ent­wi­ckeln. Fen­ner und sei­ne AfD-Cli­que wer­den eher unter­ge­hen als sich ratio­na­len Argu­men­ten beu­gen.

Zeit die anti­fa­schis­ti­sche Selbst­ver­tei­di­gung zu orga­ni­sie­ren!

Rigaer94

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