[IL:] Anreise aus Mannheim: Demo gegen rechten Terror in Hanau

Gemein­sa­me Anrei­se aus Mann­heim.
Mann­heim HBF 10:20, Gleis 9 -> Frank­furt 11:24 Gleis 9
Frank­furt 11:43 -> Hanau 12:01
Sechs Mona­te nach dem 19. Febru­ar: Erin­ne­rung – Gerech­tig­keit – Auf­klä­rung – Kon­se­quen­zen!
Auf­ruf zur Demons­tra­ti­on und Kund­ge­bung in Hanau
Sams­tag, 22. August 2020 /​13 Uhr Kes­sel­stadt > 14 Uhr Frei­heits­platz
Am 19. August wird es sechs Mona­te her sein, dass ein Ras­sist mit sei­nen töd­li­chen Schüs­sen unse­re Her­zen gebro­chen und unse­re Leben, unse­re Fami­li­en und unse­re Stadt zer­rüt­tet hat. Wir alle wer­den nie­mals so leben wie zuvor und nichts und nie­mand kann wie­der­gut­ma­chen, was gesche­hen ist. Nie­mand kann Fer­hat, Fatih, Gök­han, Kaloy­an, Mer­ce­des, Vili, Nesar, Ham­za und Sedat ins Leben zurück­ru­fen.
Wir, die Ange­hö­ri­gen der Opfer; die Über­le­ben­den und Betrof­fe­nen; das Insti­tut für Tole­ranz und Zivil­cou­ra­ge – 19. Febru­ar Hanau e.V. und die Initia­ti­ve 19. Febru­ar Hanau rufen gemein­sam zur Demons­tra­ti­on und zum Geden­ken auf: In Hanau am 22.8.2020, dem Sams­tag nach dem 19. August.
Wir erfah­ren nach und nach, was vor dem 19. Febru­ar pas­sier­te, wel­che War­nun­gen nicht ernst genom­men wur­den und dass vie­le Poli­zis­ten – vor allem in Kes­sel­stadt – seit Jah­ren lie­ber unse­re Kin­der und Freun­de schi­ka­nie­ren, statt ihrer Pflicht nach­zu­kom­men, Nazis die Waf­fen weg­zu­neh­men und für die Sicher­heit für jeden zu sor­gen. Ja, wir erfah­ren, dass sich hier nie­mand um den Schutz von jun­gen Men­schen sorgt, die eine Migra­ti­ons­ge­schich­te haben.
Wir recher­chie­ren und ermit­teln selbst. Jeden Tag. Wir rekon­stru­ie­ren nicht nur die Tat­nacht, son­dern auch die Jah­re davor und fin­den immer mehr behörd­li­ches Ver­sa­gen. Offe­ne Fra­gen wer­den nicht beant­wor­tet und wir erle­ben die blin­den Fle­cken im soge­nann­ten sozia­len Rechts­staat.
Wir kämp­fen seit jenem Tag. Und wir wer­den nicht auf­hö­ren. Denn in den letz­ten 5 Mona­ten wur­de viel ver­spro­chen und wenig gelie­fert. Wir las­sen uns nicht stumm stel­len und wir geben uns mit Bei­leids­be­kun­dun­gen und war­men Wor­ten nicht zufrie­den. Der Ras­sis­mus ist nicht ver­schwun­den, nur weil Poli­ti­ker die­ses Mal das Pro­blem nicht mit Schwei­gen, son­dern mit Reden unter den Tep­pich gekehrt haben.
Unse­re Fra­ge an die Poli­tik und die Behör­den: Wor­auf war­tet ihr eigent­lich, wenn nicht auf den nächs­ten Anschlag?
Heut­zu­ta­ge ist es bereits ein Erfolg, dass die Tat als das aner­kannt wird, was sie war: Purer Ras­sis­mus. Kein ver­wirr­ter Ein­zel­tä­ter. Wie vie­le Hin­ter­blie­be­ne muss­ten selbst Jahr­zehn­te um die­se Benen­nung kämp­fen! Doch das reicht uns nicht. Wir wol­len Taten sehen. Wir wol­len, dass Hanau kei­ne Sta­ti­on von vie­len ist, son­dern die End­sta­ti­on. Wir sagen ein hal­bes Jahr danach: Es muss sich end­lich nicht nur etwas, son­dern vie­les in die­sem Land ändern.
Wir for­dern eine lücken­lo­se Auf­klä­rung der Tat des 19. Febru­ar 2020.
War­um wur­den die­se Mor­de nicht ver­hin­dert? Wir for­dern Ant­wor­ten auf unse­re Fra­gen und dass die­je­ni­gen Beam­ten, die nicht nur in der Tat­nacht, son­dern all die Jah­re davor bereits ver­sagt und die Warn­si­gna­le igno­riert haben, beim Namen genannt und zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den.
Wir for­dern poli­ti­sche Kon­se­quen­zen.
Die Ver­schär­fung des Waf­fen­ge­set­zes ändert nichts, wenn es immer noch Beam­te gibt, die ihrem Job nicht nach­kom­men und Ras­sis­ten die Waf­fen­schei­ne aus­stel­len. Wir for­dern eine Ent­na­zi­fi­zie­rung des Bun­des­tags, der Behör­den und Insti­tu­tio­nen und die Ent­waff­nung aller Ras­sis­ten in die­sem Land.
Wir for­dern den Rück­tritt des Hes­si­schen Innen­mi­nis­ters Beuth, dem das Ver­sa­gen der Behör­den vor, wäh­rend und nach dem 19. Febru­ar 2020 bewusst und bekannt war, und der es bis heu­te immer noch schön redet.
Wir for­dern den Rück­tritt aller Ver­ant­wort­li­chen, die lebens­be­droh­li­che Infor­ma­tio­nen und Warn­si­gna­le für jede Form von ter­ro­ris­ti­schen Anschlä­gen igno­rie­ren oder ver­schwei­gen.
Wir for­dern Gerech­tig­keit und Unter­stüt­zung.
Dass das Leid der Fami­li­en ernst genom­men wird. Dass durch Taten und nicht nur Wor­te oder Krän­ze gezeigt, ja bewie­sen wird, dass die­ser Anschlag und dass Ras­sis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus in die­sem Land nicht gedul­det, tole­riert und akzep­tiert wer­den.
Dass alles Erdenk­li­che dafür getan wird, den Fami­li­en wei­te­re Sor­gen zu erspa­ren und ihnen ihren zer­rüt­te­ten All­tag und ihre Zukunft zu erleich­tern, so gut es geht – psy­cho­so­zi­al und finan­zi­ell.
Wir for­dern ein ange­mes­se­nes Erin­nern.
Ein Denk­mal an unse­re neun Ver­lo­re­nen – zen­tral – sicht­bar und vor allem spür­bar für alle. Die The­ma­ti­sie­rung des rechts­ex­tre­men Atten­tats des 19. Febru­ar 2020 und die Auf­recht­erhal­tung der Erin­ne­rung an sie in allen Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen.
Wir haben uns ein Ver­spre­chen gege­ben: Nie zu ver­ges­sen und nie zu ver­ge­ben. Solan­ge nicht lücken­los auf­ge­klärt wird, solan­ge nicht end­lich Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den und es Gerech­tig­keit gibt, solan­ge wer­den wir nicht auf­hö­ren zu kämp­fen. Denn wer sich mit Hanau ange­legt hat, hat sich mit der fal­schen Stadt ange­legt. Wir wer­den kei­ne Ruhe geben.

Hanau am 19. Juli 2020

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