[labournet:] Menschen ohne Krankenversicherung: Durchs Raster gefallen

Medizin und ÖkonomieHun­dert­tau­sen­de Men­schen in Deutsch­land sind laut Schät­zun­gen nicht kran­ken­ver­si­chert. Dabei gibt es eine Ver­si­che­rungs­pflicht. Mit einer Kund­ge­bung will der Ver­ein “Ärz­te der Welt” dar­auf hin­wei­sen. (…) Schät­zun­gen zufol­ge sind zwi­schen 80.000 und meh­re­ren Hun­dert­tau­send Men­schen in Deutsch­land ohne zurei­chen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz. Die Zah­len sind schwer zu veri­fi­zie­ren, die Dun­kel­zif­fer dürf­te noch viel höher sein. Dabei gibt es seit 2007 in Deutsch­land eine Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht. Betrof­fen sind bei­spiels­wei­se zahl­rei­che Solo-Selbst­stän­di­ge, weil sie sich selbst in der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung den Bei­trag nicht leis­ten kön­nen. Vie­le kom­men mit ihrem Ein­kom­men gera­de so über die Run­den, der Min­dest­bei­trag in der GKV von über 300 Euro ist da nicht mehr drin. Die Fol­ge sind Bei­trags­schul­den und ein nur sehr ein­ge­schränk­ter Ver­si­che­rungs­schutz. (…) Eine wei­te­re Grup­pe von Betrof­fe­nen sind Men­schen ohne Papie­re, die kei­nen lega­len Auf­ent­halts­sta­tus haben. Auch sol­che mit abge­lehn­tem Asyl­be­scheid fal­len dar­un­ter. Die haben zwar eigent­lich einen Anspruch auf einen Kran­ken­schein. Weil sie dafür aber zum Sozi­al­amt müss­ten und das wie­der­um eine Mel­de­pflicht gegen­über der Aus­län­der­be­hör­de hat, gehen sie die­sen Weg in der Regel nicht. Und auch EU-Bür­ger, die wegen der Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit in Deutsch­land auf Arbeits­su­che sind, haben kei­nen Anspruch mehr auf aus­rei­chen­de Kran­ken­ver­sor­gung. (…) Zwar gibt es ver­schie­de­ne zivil­ge­sell­schaft­lich orga­ni­sier­te Ein­rich­tun­gen, die Men­schen auch ohne Kran­ken­ver­si­che­rung medi­zi­nisch ver­sor­gen: Ärz­te der Welt, die Medi­net­ze oder die Mal­te­ser Medi­zin für Men­schen ohne Kran­ken­ver­si­che­rung. Doch es sei eigent­lich nicht Auf­ga­be von Zivil­ge­sell­schaft, Lücken zu schlie­ßen, die der Staat durch eige­ne Ver­säum­nis­se ent­ste­hen lässt, fin­det Offe. Mit einem zwei­tä­gi­gen Kon­gress und einer Kund­ge­bung in Ber­lin will ihre Orga­ni­sa­ti­on die Poli­tik heu­te für das The­ma sen­si­bi­li­sie­ren…” Bei­trag von San­dra Sta­lin­ski vom 20. März 2018 bei Tages​schau​.de externer Link. Sie­he dazu:

  • Unter­las­se­ne Hil­fe: Trotz gesetz­li­cher Pflicht steigt Zahl der Men­schen ohne Kran­ken­ver­si­che­rung rasant. Betrof­fen sind vor allem Migran­ten und deren Kin­der New
    “Seit 2007 muss sich jeder Nicht­selb­stän­di­ge in der Bun­des­re­pu­blik gesetz­lich kran­ken­ver­si­chern. Zwei Jah­re spä­ter führ­te der Bun­des­tag eine all­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht ein. Doch die Zahl der Men­schen, die kei­nen Schutz im Krank­heits­fall haben, steigt trotz­dem rasant. Bin­nen vier Jah­ren hat sie sich fast ver­dop­pelt. Das geht aus dem aktu­el­len Mikro­zen­sus des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes für 2019 her­vor. Zu den Ergeb­nis­sen hat­te Sabi­ne Zim­mer­mann, Sozi­al­ex­per­tin der Par­tei Die Lin­ke im Bun­des­tag, eine klei­ne Anfra­ge gestellt. Waren dem­nach im Jahr 2015 noch knapp 80.000 Per­so­nen betrof­fen, waren 2019 bereits rund 143.000 Men­schen nicht bei einer Kas­se gegen Krank­heit abge­si­chert – Ten­denz stei­gend. Damit nahm die Zahl der Nicht­ver­si­cher­ten um fast 80 Pro­zent zu. In zwei Drit­teln aller Fäl­le betraf es männ­li­che Per­so­nen. Auch 13.000 Kin­der und 7.000 Jugend­li­che zwi­schen 15 und 19 Jah­ren gehör­ten dazu, das sind 14 Pro­zent. Außer­dem waren nach Hoch­rech­nung des Bun­des­am­tes im ver­gan­ge­nen Jahr rund 15.000 Solo­selb­stän­di­ge und 27.000 Mini­job­ber nicht kran­ken­ver­si­chert. Das wach­sen­de sozia­le Pro­blem macht die struk­tu­rel­le ras­sis­ti­sche Aus­gren­zung sicht­bar. 66.000 nicht Ver­si­cher­te, also fast die Hälf­te, füh­ren die Sta­tis­ti­ker unter der Rubrik »Aus­län­der«. Dabei dürf­te es sich vor allem um arbeits­su­chen­de EU-Bür­ger, oft Sin­ti und Roma, han­deln. Hin­ter­grund ist ihr feh­len­der Anspruch auf Grund­si­che­rung jeder Art, was eine Sozi­al­ver­si­che­rung mit sich bräch­te. Mit dem »EU-Bür­ger-Aus­schluss­ge­setz« hat­te die Bun­des­re­gie­rung ihre Lage 2016 wesent­lich ver­schärft. (…) Kein Geheim­nis ist, dass auch lan­ge in der Bun­des­re­pu­blik leben­de Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund beson­ders oft arm sind und schlech­te­re Chan­cen haben. Mit rund 81.000 Betrof­fe­nen stel­len sie auch den über­wie­gen­den Teil der nicht Ver­si­cher­ten. Alle 13.000 betrof­fe­nen Kin­der unter 15 Jah­ren oder ihre Eltern haben den Daten zufol­ge aus­län­di­sche Wur­zeln…” Arti­kel von Sus­an Bonath in der jun­gen Welt vom 15. August 2020 externer Link
  • Sie­he unser Dos­sier Medi­zi­ni­sche Min­der­ver­sor­gung von Asyl­su­chen­den und Flücht­lin­gen sowie EU-Bür­gern been­den

Der Bei­trag Men­schen ohne Kran­ken­ver­si­che­rung: Durchs Ras­ter gefal­len erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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