[labournet:] Nach dem Mord an Regierungspräsidenten in Kassel: Rechte geifern und predigen Hass

Dossier

"Wir fordern Aufklärung!" Kein Bock auf Nazis zum Prozess um den Mord an Walter Lübcke Die Todes­um­stän­de des CDU-Poli­ti­kers Wal­ter Lüb­cke sind unklar. Was man bis­her weiß, ist, dass der Regie­rungs­prä­si­dent von Kas­sel mit einem Kopf­schuss getö­tet wur­de. Eben­falls weiß man, dass Lüb­cke im Faden­kreuz von AfD-Fans und art­ver­wand­ten Idio­ten stand – und das bereits seit 2015, als er sich für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen in der nord­hes­si­schen Pro­vinz stark gemacht hat­te. Schon damals erhielt er Mord­dro­hun­gen. Nicht weni­ge Beob­ach­ter ver­mu­ten nun das extrem rech­te Milieu hin­ter der Blut­tat. Die Trau­er um den ehe­ma­li­gen Abge­ord­ne­ten des Hes­si­schen Land­ta­ges in Wolf­ha­gen, wo Lüb­cke zu Hau­se war, ist groß. Das hält jedoch die Rech­ten nicht davon ab, grin­send das Mobil­te­le­fon zur Hand zu neh­men und ihrer Freu­de über den Tod des Lokal­po­li­ti­kers im World Wide Web frei­en Lauf zu las­sen. Kost­pro­be: »Die Dreck­sau hat den Gna­den­schuss bekom­men ! RESPEKT !«, schreibt einer auf You­tube. Ein ande­rer auf Face­book: »Selbst schuld, kein Mit­leid, so wird es Mer­kel und den ande­ren auch erge­hen.« Sol­che Kom­men­ta­re sind kaum zu ertra­gen. Sie zei­gen, wie ver­gif­tet der poli­ti­sche Dis­kurs in Deutsch­land inzwi­schen ist. Anstatt Trau­er zu bekun­den, bricht sich der Hass auf Anders­den­ken­de immer wei­ter Bahn. Gren­zen scheint es kei­ne zu geben. Mit­ten­drin statt nur dabei ist die AfD. Auch die­ses Mal…“ – aus dem Kom­men­tar „AfD ist mit­ten­drin statt nur dabei“ von Chris­ti­an Klemm am 04. Juni 2019 in neu­es deutsch­land online externer Link über die Haß­ti­ra­den, die die ver­schie­de­nen rech­ten Strö­mun­gen ver­ei­ni­gen. Sie­he dazu auch wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge und die aktu­el­le Ent­wick­lung:

  • Das Netz­werk: Wal­ter Lüb­cke ist tot – vie­le Fin­ger waren am Abzug New
    “Wie umfas­send ist das Neo­na­zi-Netz­werk von Ste­phan Ernst und Mar­kus H., und wie weit war es in den Mord am Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke invol­viert? Die­se Fra­ge treibt seit dem Tod des CDU-Poli­ti­kers im Juni 2019 vie­le um. Die Bun­des­an­walt­schaft will bis heu­te bei mut­maß­li­chen Tätern kei­ne Ter­ror­ver­ei­ni­gung erken­nen. Die­se müss­te aus min­des­tens drei Per­so­nen bestehen – ange­klagt sind aber nur Ernst als Haupt­tä­ter sowie H. als Unter­stüt­zer. Wäh­rend sich die Sicher­heits­be­hör­den zu mög­li­chen wei­te­ren Invol­vier­ten ver­hal­ten äußern, wei­sen Anti­fa­schis­ten schon seit Lan­gem auf die engen Ver­bin­dun­gen der Ange­klag­ten zur mili­tan­ten hes­si­schen Neo­na­zi­sze­ne hin – wie auch zu zahl­rei­chen Ver­bin­dun­gen in den NSU-Kom­plex. Nur scheib­chen­wei­se wer­den seit dem Mord neue Infor­ma­tio­nen bekannt, oft­mals durch inves­ti­ga­ti­ve Recher­chen und meist gegen die Infor­ma­ti­ons­blo­cka­de der Sicher­heits­be­hör­den. »nd« fasst im Fol­gen­den die aktu­el­len Erkennt­nis­se zu den wich­tigs­ten Per­so­nen aus dem Netz­werk von Ernst und H. zusam­men. Die Fak­ten stam­men unter ande­rem aus eige­nen nd-Auf­zeich­nun­gen aus der Gerichts­ver­hand­lung um den Mord an Wal­ter Lüb­cke, von Erkennt­nis­sen ande­rer inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­ten, den akri­bi­schen Recher­chen der Grup­pe Exif und ande­rer Anti­fa­schis­ten, von der hes­si­schen Links­frak­ti­on sowie aus den diver­sen Unter­su­chungs­aus­schüs­sen zum NSU in Bund und Län­dern…” Bei­trag von Johan­na Treb­lin und Sebas­ti­an Bähr bei neu­es Deutsch­land vom 15. August 2020 externer Link
  • [Mate­ri­al­samm­lung zum Pro­zess­be­ginn] Da waren es nur noch Zwei: Der Unter­schied im „his­to­ri­schen Pro­zess“ um den Mord an Wal­ter Lüb­cke zum „his­to­ri­schen Pro­zess“ gegen die NSU-Ban­de 
    Dass der Pro­zess um den Mord an Wal­ter Lüb­cke ein his­to­ri­scher Pro­zess sei – das ist in den Tagen rund um sei­ne Eröff­nung am 16. Juni 2020 sehr oft zu lesen gewe­sen, unge­fähr so oft wie damals, als der NSU-Pro­zess begann. Der wesent­li­che Unter­schied ist natür­lich, dass mit dem Mord an Wal­ter Lüb­cke dem einen oder der ande­ren, die Ämter inne­ha­ben, deut­lich wur­de, dass Nazi-Ter­ror in der BRD auch sie tref­fen könn­te, ein wei­te­rer Grund für die Auf­rüs­tung der Poli­zei. Kein Unter­schied ist es, dass die Fra­ge der Zusam­men­hän­ge, Umfel­der und Beför­de­rung der Tat außen vor blei­ben sol­len: „Es waren drei“ war der Kurs bei NSU, „es sind zwei“ ist es jetzt. Und auch ansons­ten gibt es wesent­li­che Gemein­sam­kei­ten: Eine Ver­ei­ni­gung, die sofort auf­ge­löst wer­den soll­te, hat ein­mal mehr ihre nicht nur schmut­zi­gen Fin­ger im Spiel. Die kei­nes­falls gewag­te Pro­gno­se ist, dass ein­mal mehr die nicht dubio­se, son­dern ein­deu­ti­ge Rol­le des Ver­fas­sungs­schut­zes kein The­ma sein wird – so wenig, wie bei NSU die Akti­vi­tä­ten ihrer V‑Leute zum The­ma wer­den soll­ten, so wenig wird jetzt ihre Unter­schla­gung der Akten über die mut­maß­li­chen Täter zum The­ma wer­den, die denen die Bewaff­nung ermög­lich­te. Nicht zufäl­lig beginnt daher unse­re klei­ne aktu­el­le Mate­ri­al­samm­lung zum Pro­zess­be­ginn vom 18. Juni 2020 mit der Erklä­rung, dass es eben kei­ne „zwei Ein­zel­tä­ter“ waren…
    • „Kei­ne Ein­zel­tä­ter“ am 16. Juni 2020 beim Tri­bu­nal NSU-Kom­plex-Auf­lö­sen externer Link (Face­book) ist eine Erklä­rung zum Pro­zess­auf­takt, in der her­vor geho­ben wird: „… Das mil­de Urteil im NSU-Pro­zess in Mün­chen wur­de von den Neo­na­zis in ganz Deutsch­land als Ermu­ti­gung ver­stan­den, wei­ter zu mor­den: Lüb­cke, Hal­le, Hanau folg­ten. Fana­le des Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus. Das Mor­den wird erst auf­hö­ren, wenn der struk­tu­rell in die Insti­tu­tio­nen ein­ge­las­se­ne Ras­sis­mus auf­ge­löst wird: in Poli­zei­be­hör­den, in Gerich­ten, in Amts­stu­ben und der Poli­tik. Tri­bu­nal-Pres­se­spre­cher Tim Klodzko erklärt dazu: „Die Dis­kus­si­on um insti­tu­tio­nel­len Ras­sis­mus in den USA muss eben­so für Deutsch­land geführt wer­den. Wür­de der Ver­fas­sungs­schutz nicht sei­ne schüt­zen­de Hand über Neo­na­zis hal­ten, wür­den Gerich­te die­se V‑Leute nicht straf­frei davon­kom­men las­sen und wür­de die Poli­zei und Bun­des­wehr sich allein ihrer offen­kun­di­gen Rassist*innen ent­le­di­gen, dann könn­ten vie­le Men­schen heu­te noch leben. Ras­sis­ti­sche Gewalt ist töd­lich und sie hat eine insti­tu­tio­nel­le Vor­ge­schich­te. Was wir jetzt benö­ti­gen, ist eine Ent­na­zi­fi­zie­rung auf allen Ebe­nen.“ Klei­ner Tipp für eine begin­nen­de Auf­ar­bei­tung: aus einer Frank­fur­ter Poli­zei­wa­che wur­de im Namen eines „NSU 2.0“ Droh­brie­fe u.a. gegen die Opfer­an­wäl­tin Seda Başay-Yıl­dız ver­schickt: eine ein­zi­ge Sus­pen­die­rung in der Fol­ge scheint ein Bau­ern­op­fer statt ech­ter Auf­klä­rung. Weder Hart­mann noch Ernst noch der mut­maß­li­che Waf­fen­lie­fe­rant Elmar Johann­wer­ner waren Unbe­kann­te oder Ein­zel­tä­ter. Im Gegen­teil waren sie ein­ge­bet­tet in ein neo­na­zis­ti­sches Umfeld (erfahrt mehr dazu in unse­rem Hin­ter­grund­pa­pier „Der Mord­fall Lüb­cke und der NSU-Kom­plex“), das vom Ver­fas­sungs­schutz beschützt wird. In der letz­ten Woche wur­de bekannt, dass der hes­si­sche Ver­fas­sungs­schutz die rechts­ex­tre­me Ver­gan­gen­heit von Hart­mann der zustän­di­gen Waf­fen­be­hör­de nicht mel­de­te: der Nazi konn­te folg­lich legal eine Waf­fe besit­zen. Wer da noch von einer Pan­ne spricht, der ver­harm­lost die Ver­stri­ckung des Geheim­diens­tes mit der neo­na­zis­ti­schen Sze­ne. Auch die Lis­te bekann­ter Straf­ta­ten von Ernst und Hart­mann ist so lang, wie das Gedächt­nis der Staats­an­walt­schaf­ten kurz ist. Nur ein Bei­spiel: Ernst wird in die­sem Pro­zess auch wegen eines Mes­ser­an­grif­fes auf den Refu­gee Ahmad E. 2016 in Loh­fel­den ange­klagt. Er wohn­te seit kur­zem in der soge­nann­ten Erst­auf­nah­me­stel­le in Loh­fel­den und war aus dem Irak geflüch­tet, zu dem Zeit­punkt war er 22 Jah­re alt. Auf der Inten­siv­sta­ti­on behan­delt, über­leb­te Ahmad die Ver­let­zun­gen und behielt schlim­me Schä­den. Nach dem Mord an Lüb­cke fan­den Ermitt­ler ein Klapp­mes­ser bei Ste­phan Ernst mit den DNA-Spu­ren von Ahmad E…“
    • „HINTERGRUNDPAPIER: Der Mord­fall Lüb­cke und der NSU-Kom­plex“ im Juni 2020 eben­falls beim Tri­bu­nal NSU-Kom­plex-Auf­lö­senexterner Link hält ein­lei­ten­de Par­al­le­len fest: „… Der Mord an Lüb­cke im Juni 2019 wur­de in der Tat­be­ge­hung im Modus Ope­ran­di des NSU began­gen: Die Mör­der schli­chen sich an das arg­lo­se Opfer an, und der Kopf­schuss wur­de ohne Inter­ak­ti­on mit ihm aus nächs­ter Nähe abge­ge­ben. Es gab kei­ne for­ma­le Beken­nung zur Tat. Der Mord wur­de sofort von der rech­ten Sze­ne ver­stan­den und im Netz sowie auf PEGI­DA-Ver­an­stal­tun­gen gefei­ert. Auf einer unmit­tel­bar nach dem Mord anbe­raum­ten Pres­se­kon­fe­renz wur­de von den Sicher­heits­be­hör­den, nament­lich von Gene­ral­staats­an­walt Horst Streiff und LKA-Che­fin Sabi­ne Thurau Fra­gen von Jour­na­lis­ten über mög­li­che Zusam­men­hän­ge zu der seit 2015 lau­fen­den Hetz­kam­pa­gne von Rech­ten gegen Lüb­cke mit Aus­sa­gen wie: „Das kann ich nicht bestä­ti­gen (…) kein Motiv im Zusam­men­hang mit Flücht­lings­kri­se (…) kein Bezug zur jet­zi­gen Tat“ abge­wehrt. Erst durch den Abgleich mit DNA-Spu­ren vom Tat­ort konn­ten kur­ze Zeit spä­ter die seit Jahr­zehn­ten bis in die jüngs­te Gegen­wart in der Nazi-Sze­ne her­vor­ra­gend ver­netz­ten Ste­phan Ernst (Jg. 1973) und Mar­kus Hart­mann (Jg.1976) sowie Elmar Johann­wer­ner (Jg. 1955) als Waf­fen­lie­fe­rant, als mut­maß­li­che Täter ermit­telt wer­den. Hart­mann war schon nach dem Mord an Halit Yozgat am 6. April 2006 2006 im Inter­net-Cafe­Kas­sel von der Poli­zei ver­nom­men wor­den, weil er die Web­sei­te, auf wel­cher das BKA über die Mord­se­rie infor­mier­te, häu­fig besucht. Das Inter­net­ca­fe war zuvor von Cor­ry­na Goe­rtz aus­ge­kund­schaf­tet wor­den, die schon in den 1990er Jah­ren auf einer Lis­te des LKA Thü­rin­gen neben Bea­te Zschäpe auf­ge­taucht war, in der vor „beson­ders gefähr­li­chen“ Nazis in Thü­rin­gen gewarnt wur­de. Obwohl Hart­mann in sei­ner Ver­neh­mung angibt, das Opfer zuken­nen, wird er zu sei­nem Enga­ge­ment in der Nazi­sze­ne nicht befragt. Auch nach­dem sich der NSU im Novem­ber 2011 selbst ent­tarnt, bleibt er von Ermitt­lun­gen ver­schont. (Exif v. 1.3.2020) Ernst ist tief in der Kas­se­ler Nazi­sze­ne ver­an­kert. Bei NPD-Wahl­kämp­fen arbei­te­te er mit Mike Sawal­lich (Jg. 1981) zusam­men und bei Schlä­ge­rei­en tritt er dem spä­te­ren füh­ren­den Com­bat-18 Akti­vis­ten Stan­ley Rös­ke (Jg. 1976), auf, so zum Bei­spiel beim Angriff am Ran­de der Wehr­machts­aus­stel­lung 2003 in Neu­müns­ter und schließ­lich zusam­men mit 400 wei­te­ren Neo­na­zis bei dem Angriff auf die 1. Mai-Kund­ge­bung des DGB 2009 in Dort­mund. In einem poli­ti­schen Sin­ne nimmt der wenigs­tens von Ernst und Hart­mann ver­üb­te Mord an Lüb­cke direk­ten Bezug sowohl zu der seit 2015 von Hart­mann und Ernst gestar­te­ten Hetz­kam­pa­gne gegen den Flücht­lings­hel­fer Lüb­cke als auch zu der münd­li­chen Urteils­ver­kün­dung des OLG Mün­chen im Juli 2018...“
    • „Ein Pro­zess mit his­to­ri­scher Dimen­si­on“ von Mari­us Buhl und Frank Jan­sen am 16. Juli 2020 im Tages­spie­gel online externer Link steht hier als Bei­spiel für die zahl­rei­chen Bei­trä­ge in vie­len Medi­en, die die­sen Pro­zess als his­to­risch bewer­te­ten.
    • „Mord an Wal­ter Lüb­cke: Das sind die Han­deln­den beim Mam­mut-Pro­zess“ von Flo­ri­an Hage­mann und Mat­thi­as Lohr am 15. Juni 2020 in der FR online externer Link zu den Per­so­na­li­en unter ande­rem: „… Der Vor­sit­zen­de Rich­ter: Tho­mas Sage­biel war schon für meh­re­re gro­ße Pro­zes­se ver­ant­wort­lich. 2011 lei­te­te der Süd­hes­se die Ver­hand­lung gegen den isla­mis­ti­schen Atten­tä­ter, der ein Jahr zuvor auf dem Frank­fur­ter Flug­ha­fen zwei US-Sol­da­ten getö­tet hat­te. Zudem war er feder­füh­rend im Ver­fah­ren wegen Völ­ker­mords gegen einen ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter aus Ruan­da. (…) Bun­des­an­walt­schaft: Für die Bun­des­an­walt­schaft nimmt laut „Bild am Sonn­tag“ Die­ter Kill­mer am Pro­zess teil. Als Prä­si­di­ums­mit­glied des Bun­des­ge­richts­hofs ist er für Staats­schutz- und Ter­ro­ris­mus­straf­recht zustän­dig. Ver­mut­lich wird es noch einen zwei­ten Ver­tre­ter der Bun­des­an­walt­schaft geben. (…) Fami­lie Lüb­cke: Mit der Neben­kla­ge unter­stüt­zen Wal­ter Lüb­ckes Frau Irm­gard Braun-Lüb­cke und die Söh­ne Chris­toph und Jan-Hen­drik Lüb­cke die Kla­ge. Das ist kei­ne Pflicht, die Fami­lie Lüb­cke hat sich aber bewusst dafür ent­schie­den, Teil des Pro­zes­ses zu sein. In einer Mit­tei­lung mach­te sie klar, dass sie sich den christ­lich, sozia­len und demo­kra­ti­schen Wer­ten, für die Wal­ter Lüb­cke ein­ge­tre­ten sei, ver­pflich­tet füh­le. In sei­nem Sinn „wol­len wir dafür ein­tre­ten, dass Hass und Gewalt kei­nen Platz in unse­rer Gesell­schaft haben“. Zum Auf­takt wer­den Irm­gard Braun-Lüb­cke und die Söh­ne auf alle Fäl­le anwe­send sein. Ver­tre­ten wird die Fami­lie vom Frank­fur­ter Rechts­an­walt Hol­ger Matt, der in unse­rer Zei­tung bereits ange­kün­digt hat­te, alles dafür zu tun, die Zie­le der Neben­kla­ge zu errei­chen: „voll­stän­di­ge Auf­klä­rung der Tat, Ver­ur­tei­lung der Schul­di­gen“…“
    • „Blo­ckie­ren und schwei­gen“ von Clau­dia Wan­ge­rin am 17. Juni 2020 in der jun­gen welt externer Link zu Auf­takt – und wei­te­rem „han­deln­den Per­so­nal“: „… Ernst hat­te im Juni 2019 den Mord an Lüb­cke gestan­den, sei­ne Aus­sa­ge aber kurz dar­auf wider­ru­fen und behaup­tet, Hart­mann habe die Pis­to­le in der Hand gehabt, als sich der töd­li­che Schuss auf der Ter­ras­se des CDU-Poli­ti­kers gelöst habe. Vor Gericht will Ernst zunächst schwei­gen. Die Bun­des­an­walt­schaft hält ihn wei­ter für den Haupt­tä­ter – Hart­mann wird Bei­hil­fe zum Mord vor­ge­wor­fen. Ernsts Anwäl­te bean­trag­ten am Diens­tag sowohl die Abbe­ru­fung des Vor­sit­zen­den Rich­ters Tho­mas Sage­biel als auch die Ent­pflich­tung von Hart­manns Kover­tei­di­ge­rin Nico­le Schnei­ders, die aus ihrer Sicht einen gefähr­li­chen Wis­sens­vor­sprung hat. Die Ex-NPD-Funk­tio­nä­rin, die im Münch­ner NSU-Pro­zess Ralf Wohl­le­ben ver­tei­digt hat­te, ver­tritt nun in einem wei­te­ren Ver­fah­ren Ernsts frü­he­ren Anwalt Dirk Wald­schmidt, der Ernst zum Geständ­nis gera­ten haben soll. Nach Ernsts Stra­te­gie­wech­sel mein­ten sei­ne neu­en Rechts­bei­stän­de Frank Han­nig und Mus­ta­fa Kaplan, Rich­ter Sage­biel dür­fe Schnei­ders nicht dem Mit­an­ge­klag­ten Hart­mann als Anwäl­tin bei­ord­nen, da sie durch Wald­schmidt an sen­si­bles Ver­tei­di­ger­wis­sen über Ernst kom­men kön­ne. Mit ihrer Bei­ord­nung gebe der Rich­ter Anlass zur Besorg­nis der Befan­gen­heit, argu­men­tier­te Kaplan nach Berich­ten des Hes­si­schen Rund­funks (HR), der einen der 19 Jour­na­lis­ten­plät­ze im Gerichts­saal beset­zen konn­te. Der Zugang war wegen der Coro­na­pan­de­mie ein­ge­schränkt, nur 40 von mehr als 200 akkre­di­tier­ten Repor­tern konn­ten in einem wei­te­ren Saal einer Ton­über­tra­gung fol­gen – was Han­nig zum Anlass nahm, die Aus­set­zung des Ver­fah­rens zu bean­tra­gen. Weder sei der Gesund­heits­schutz gewähr­leis­tet noch eine ange­mes­se­ne Öffent­lich­keit, erklär­te er…“
    • „Ver­fas­sungs­schutz­pan­ne im Fall Lüb­cke“ von Juli­an Feld­mann, Nino Sei­del und Robert Bon­gen am 11. Juni 2020 in tages​schau​.de wie­der­um ist lei­der eben­falls ein Bei­trag, der hier nur als Bei­spiel steht: Dafür, wie schon wie­der das Agie­ren des VS als „Pan­ne“ schön gere­det wird. Der gefähr­li­che Ver­ein heißt zwar noch nicht Pan­nen-VS, es wird ihm aber gut geschrie­ben: „… Die Waf­fen­be­hör­de der Stadt Kas­sel hat­te dem Neo­na­zi Mar­kus H. zunächst eine Waf­fen­be­sitz­kar­te mit Hin­weis auf sei­ne rechts­ex­tre­mis­ti­schen Akti­vi­tä­ten ver­wei­gert. H. klag­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel dage­gen und bekam 2015 Recht. Das Gericht sah kei­ne Anhalts­punk­te für eine Unzu­ver­läs­sig­keit. Hin­ter­grund ist eine Rege­lung im Waf­fen­recht, nach der jemand nur als “unzu­ver­läs­sig” gilt, wenn er inner­halb der letz­ten fünf Jah­re ver­fas­sungs­feind­li­che Bestre­bun­gen ver­folgt hat. Dem Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel lagen kei­ne Hin­wei­se auf eine ver­fas­sungs­feind­li­che Betä­ti­gung von Mar­kus H. nach 2009 vor, sagt Gerichts­spre­che­rin Chris­ti­ne Loh­mann. “In den letz­ten fünf Jah­ren, in dem maß­geb­li­chen Zeit­raum, waren kei­ne Vor­fäl­le zu ver­zeich­nen, und es gab kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass er sich irgend­wie in dem rechts­ex­tre­mis­ti­schen Milieu bewegt hät­te”, so Loh­mann. In der Ver­fas­sungs­schutz-Akte von Mar­kus H. fand sich nach Recher­chen des NDR jedoch auch noch ein Ein­trag aus 2011. Damals hat­ten die Ver­fas­sungs­schüt­zer einen rechts­ex­tre­mis­ti­schen You­Tube-Kanal ana­ly­siert, den sie H. zurech­ne­ten. Dort regis­trier­ten die Staats­schüt­zer anti­se­mi­ti­sche Vide­os und notier­ten, unter H.s Freun­den sei­en “zahl­rei­che Pro­fi­le, die der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne zuge­ord­net wer­den kön­nen”. (…) Der Waf­fen­be­hör­de gemel­det hat­te der Ver­fas­sungs­schutz nur Erkennt­nis­se über H. bis 2009, dar­un­ter Teil­nah­men an Demons­tra­tio­nen und Ein­trä­ge in rechts­ex­tre­mis­ti­schen Foren im Inter­net. Dem Gericht lagen daher kei­ne Hin­wei­se zum frag­li­chen Zeit­raum zwi­schen 2010 und 2015 vor, sodass die Rich­te­rin dem Rechts­ex­tre­mis­ten Mar­kus H. das Recht auf eine Waf­fen­be­sitz­kar­te zuer­ken­nen muss­te...“
    • „Quel­len­schutz ist Täter­schutz“ von Sebas­ti­an Bähr am 11. Juni 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link schreibt zwar eben­falls von einem Ver­sa­gen des VS merkt aber immer­hin noch an: „… Nicht erst seit der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem NSU-Kom­plex und der Cau­sa Maaßen müss­te klar sein, dass der Ver­fas­sungs­schutz nicht nur bis ganz oben von rech­tem Gedan­ken­gut durch­drun­gen ist, son­dern auch sei­ne Quel­len über alles ande­re stellt. In der Kon­se­quenz wird gelo­gen, ver­tuscht und weg­ge­schaut, um V‑Männer zu schüt­zen. Die­se sind dabei nicht sel­ten zen­tra­le Kader der Neo­na­zi­sze­ne und Täter. Eine Auf­klä­rung ihrer Rol­le wird den­noch kon­se­quent ver­hin­dert, auch wenn dadurch Ermitt­lun­gen tor­pe­diert wer­den. Extrem rech­te Struk­tu­ren gehen dar­aus gestärkt her­vor...“
    • „Der Lüb­cke-Pro­zess in Frank­furt“ von Wolf Wet­zel am 14. Juni 2020 bei tele­po­lis externer Link unter­streicht unter ande­rem zu den Ver­tei­di­gungs­li­ni­en für die Waf­fen­be­schaf­fungs-Beschüt­zer und gegen­sei­ti­ger Hil­fe: „… Der im Pro­zess ange­klag­te mut­maß­li­che Mör­der Ste­phan Ernst sei, so Ste­phan J. Kra­mer, Prä­si­dent des Amts für Ver­fas­sungs­schutz in Thü­rin­gen, dem Inlands­heim­dienst ab dem Jahr 2009 “vom Schirm gerutscht”. Seit­dem habe die­ser best aus­ge­stat­te­te Geheim­dienst kei­nen blas­sen Schim­mer. Vor­her kann­te der­sel­be Ver­fas­sungs­schutz (VS) den Neo­na­zi Ste­phan Ernst als Kader, als “gewalt­be­rei­ten” Neo­na­zi, gut und fest in der Kas­se­ler Neo­na­zi­sze­ne ver­an­kert. Er war “poli­zei­be­kannt”, hat­te eine “schwe­re Straf­tat” began­gen und hat ein “lan­ges Vor­stra­fen­re­gis­ter”. Eine Grö­ße in der Neo­na­zi­sze­ne in Kas­sel und beim Geheim­dienst, der dort unter ande­rem meh­re­re V‑Leute “geführt” hat­te. Nach dem omi­nö­sen Jahr 2009 habe sich Ste­phan Ernst ins Pri­va­te zurück­ge­zo­gen und sei poli­tisch nicht mehr in Erschei­nung getre­ten. Wie in allen ande­ren Fäl­le auch dau­er­te es lan­ge, bis die­se haar­sträu­ben­de Erkennt­nis­la­ge des Ver­fas­sungs­schut­zes Ris­se bekam. So erfuhr man zum Bei­spiel, dass Ste­phan Ernst bereits bei dem Mord an dem Inter­net­ca­fé­be­sit­zer Halit Yozgat in Kas­sel 2006 eine Rol­le gespielt hat­te. Dann durch­brach die Nach­richt das geheim­dienst­li­che Ver­schwei­gen, dass auch der V‑Mann-Füh­rer Andre­as Tem­me mehr­mals mit Ste­phan Ernst “befasst” war. Jener V‑Mann-Füh­rer war nicht nur beim Mord an Halit Yozgat 2006 in Kas­sel anwe­send. Er “führ­te” auch einen Neo­na­zi als V‑Mann (Deck­na­me Gemü­se), der bes­te Kon­tak­te zur Kas­se­ler Neo­na­zis-Sze­ne hat­te und zum NSU-Netz­werk zählt(e). Ein wei­te­res Foto zer­stört die VS-Legen­de vom zurück­ge­zo­ge­nen Fami­li­en­va­ter… (…) Im Juni 2019 kratz­ten Bil­der von einem kon­spi­ra­ti­ven Tref­fen im säch­si­schen Mücka gewal­tig am VS-getun­ten Bild vom Fami­li­en­va­ter Ste­phan Ernst. Im März 2019 tra­fen sich in Mücka Neo­na­zis, die mit dem “Ras­sen­krieg” und dem “füh­rer­lo­sen Wider­stand” sehr viel anfan­gen kön­nen. Mit­glie­der von “Com­bat 18”, “Blood & Honour”, “Bri­ga­de 8” bis “Oido­xie” waren dort anwe­send. Ein sehr exklu­si­ver Kreis, dem nur ange­hört, wer sich als “Kame­rad” so rich­tig ver­dient gemacht hat. Auf einem Foto ist Ste­phan Ernst zu erken­nen. Das bestä­tig­te auch ein zu Rate gezo­ge­ner Gut­ach­ter gegen­über dem Polit­ma­ga­zin Moni­tor. Wie­der schweigt der Ver­fas­sungs­schutz zu die­sen Umstän­den. Mehr noch: Anstatt sei­nen Erkennt­nis­stand zu die­sem Com­bat 18 Tref­fen öffent­lich zu machen, über­lässt man Neo­na­zis die nun fäl­li­ge “Ent­las­tungs­ar­beit”: Neo­na­zis, die auf die­sem kon­spi­ra­ti­ven Tref­fen anwe­send waren, wol­len bezeu­gen, dass es sich bei der abge­bil­de­ten Per­son nicht um Ste­phan Ernst han­de­le. Man könn­te auch sagen, dass Neo­na­zis dem Ver­fas­sungs­schutz aus der Pat­sche gehol­fen haben, indem sie die Fami­li­en­va­ter-The­se zu ret­ten ver­such­ten. Aber die­se Neo­na­zis leg­ten sich noch mehr für den Ver­fas­sungs­schutz ins Zeug – was schon eine beson­de­re Art der Paa­rung ist...“
    • „Neo­na­zis im Dienst des Staa­tes Die Ver­stri­ckung des Inlands­ge­heim­diens­tes in rechts­ex­tre­me Sze­nen und Par­tei­en sowie das Umfeld des NSU“ von Rolf Göss­ner in der Aus­ga­be 4/​2019 der Zeit­schrift INDES externer Link ist eine aus­führ­li­che, detail­lier­te und kon­kre­te Ana­ly­se des Wir­kens des VS, die unter ande­rem so vor­ge­stellt wird: „… Die »Verfassungsschutz«-Behörden des Bun­des und der Län­der … sind Insti­tu­tio­nen, die offen oder ver­deckt Infor­ma­tio­nen u. a. über Bestre­bun­gen gegen die »frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung« sam­meln und aus­wer­ten. Als »Früh­warn­sys­te­me« sol­len sie Regie­run­gen und Par­la­men­te über ver­fas­sungs­feind­li­che Bestre­bun­gen früh­zei­tig infor­mie­ren, in gewis­sem Maße auch Poli­zei und Öffent­lich­keit. Das hört sich zunächst ganz sinn­voll an – doch streng genom­men trägt der »Ver­fas­sungs­schutz« (VS) einen irre­füh­ren­den Tarn­na­men, hin­ter dem skan­dal­ge­neig­te Inlands- und Regie­rungs­ge­heim­diens­te des Bun­des und der Län­der ste­cken, aus­ge­stat­tet mit gehei­men Mit­teln, Metho­den und Struk­tu­ren, die gemein­hin als »anrü­chig« gel­ten: Der VS hat die gesetz­li­che Befug­nis, gehei­me Infor­man­ten, V‑Leute und ver­deck­te Ermitt­ler ein­zu­set­zen sowie tech­ni­sche Hilfs­mit­tel für Obser­va­tio­nen, Lausch- und Späh­an­grif­fe…“
    • „Fall Lüb­cke: So rief der mut­maß­li­che Mord­hel­fer ande­re Neo­na­zis zu Gewalt auf“ von Joa­chim F. Tornau am 16. Juni 2020 bei Vice externer Link zum ande­ren der bei­den ein­zi­gen Ange­klag­ten VS-Schütz­lin­ge mit eini­gen Tat­sa­chen, die dem VS eben­falls „kei­ne Erwäh­nung wert“ waren, und dies nicht aus Unfä­hig­keit: „… Anders als Ste­phan E., der in zwei gegen­sätz­li­chen Geständ­nis­sen erst sich zum kalt­blü­ti­gen Allein­tä­ter und dann sei­nen Mit­an­ge­klag­ten zum Todes­schüt­zen “aus Ver­se­hen” erklär­te, hat Mar­kus H. zu den Vor­wür­fen bis­her geschwie­gen. Und viel spricht dafür, dass er das auch vor Gericht tun wird. Doch bei ande­rer Gele­gen­heit, frü­her, war er weit­aus red­se­li­ger. Am 12. Dezem­ber 2003 mel­de­te sich der Neo­na­zi im Forum der Web­site frei​er​-wider​stand​.net an – einer Platt­form, auf der sich fast 5.000 Rechts­ex­tre­me aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum tum­mel­ten. Bis die Inter­net­sei­te im Jahr 2005 von anti­fa­schis­ti­schen Hackern geknackt und alle Daten vor­über­ge­hend im Netz ver­öf­fent­licht wur­den, pos­te­te Mar­kus H. unter sei­nem Pseud­onym “Stadt­rei­ni­ger” mehr als 300 Bei­trä­ge. Sein ein­gangs zitier­tes Bekennt­nis zur Gewalt war einer davon...“
    • „Zum Pro­zess­be­ginn gegen Ste­phan Ernst und Mar­kus H. am 16.06. in Ober­lan­des­ge­richt, Frank­furt: Hes­sen muss Ent­na­zi­fi­ziert wer­den!“ am 16. Juni 2020 bei der Initia­ti­ve 6. April externer Link („Die Initia­ti­ve 6.April setzt für das Geden­ken an Halit Yozgat ein, der am 06.April 2006 durch den soge­nann­ten NSU in Kas­sel ermor­det wur­de“) macht eine nahe lie­gen­de For­de­rung deut­lich: „… Der Fall zeigt vie­le Par­al­le­len zum NSU-Kom­plex. Die Ermittler*innen ermit­tel­ten zwar auch, aber eher unam­bi­tio­niert, gegen Nazis, dar­un­ter auch Ernst, viel enga­gier­ter jedoch gegen Ahmed und sein Umfeld. Die Ermittler*innen haben damals lei­der nicht den Ana­ly­sen des jun­gen Man­nes zuge­hört und nah­men sei­nen Hin­weis, dass es ein Nazi sein muss, nicht ernst genug. Wie wich­tig es ist den Betrof­fe­nen zuzu­hö­ren und zu glau­ben, ist eine der zen­tra­len Leh­ren aus dem NSU-Kom­plex wie auch dem ver­such­ten Mord­an­schlag auf Ahmed: Die Betrof­fe­nen wis­sen genau, wenn es Nazis waren! Wir wis­sen heu­te mehr dar­über, dass die hes­si­sche Lan­des­be­hör­de für Ver­fas­sungs­schutz schon damals über die Täter wuss­te und hal­ten daher fest: die­se Taten und auch der Mord an Wal­ter Lüb­cke hät­ten ver­hin­dert wer­den kön­nen, wenn das Netz­werk – bestehend aus loka­len Helfer*innen und Unterstützer*innen – des NSU-Tri­os voll­stän­dig auf­ge­klärt und ver­ur­teilt wor­den wäre. Mar­kus H. war 2006 von der Poli­zei zum Mord an Halit ver­nom­men wor­den und nach vier kur­zen Fra­gen und Ant­wor­ten für „nicht wei­ter rele­vant“ befun­den wor­den, obwohl die­ser als Neo­na­zi poli­zei­lich bekannt war. Zudem braucht es nur eine Per­son um den Mord an Halit Yozgat und den Mord an Wal­ter Lüb­cke zu ver­knüp­fen. Der ehe­ma­li­ge Ver­fas­sungs­schüt­zer Andre­as Tem­me, der zur Tat­zeit am Tat­ort war als Halit erschos­sen wur­de und dienst­lich mit Ste­phan Ernst ver­fasst war. Andre­as Tem­me arbei­tet seit sei­ner Ver­set­zung für das Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­di­um des­sen Prä­si­dent Wal­ter Lüb­cke war. Die Lan­des­be­hör­de für Ver­fas­sungs­schutz muss­te zuge­ben, dass der Name „Ernst“ elf­mal in einem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt vor­kommt. Die­ser Bericht soll­te 120 Jah­re geheim blei­ben. Erst nach dem Mord an Wal­ter Lüb­cke wur­de der öffent­li­che Druck so groß, dass die Akten nur noch „30 Jah­re“ unter Ver­schluss blei­ben. Wir for­dern eine sofor­ti­ge Frei­ga­be die­ses Berichts, weil die­ser Bericht die Täter*innen und ihre Netz­wer­ke deckt!...“
  • Ein Jahr nach dem Nazi-Mord an Wal­ter Lüb­cke wer­den (ein paar) Woh­nun­gen von Het­zern durch­sucht 
    „… Die Schmä­hun­gen waren mar­tia­lisch. „Hängt die­se Volks­ver­rä­ter“, kom­men­tier­te ein Nut­zer einen Auf­tritt von Wal­ter Lüb­cke auf einer Bür­ger­ver­samm­lung 2015, auf wel­cher der Kas­sel Regie­rungs­prä­si­dent für die Auf­nah­me von Geflüch­te­ten plä­diert hat­te. Ein ande­rer nann­te Poli­ti­ker wie Lüb­cke „lau­ter geis­tig min­der­be­mit­tel­te Krea­tu­ren“. Als Lüb­cke im Juni 2019 erschos­sen wur­de, schrieb ein ande­rer: „Mal den Rich­ti­gen erwischt.“ Wegen die­ser und wei­te­rer Online­kom­men­ta­re gin­gen Ermitt­le­rIn­nen am Don­ners­tag in einer kon­zer­tier­ten Akti­on gegen 40 Beschul­dig­te in zwölf Bun­des­län­dern vor und führ­ten Haus­durch­su­chun­gen und Ver­neh­mun­gen durch. Schwer­punk­te waren Bay­ern mit sie­ben Beschul­dig­ten, sowie Hes­sen, Nord­rhein-West­fa­len und Sach­sen mit jeweils sechs Beschul­dig­ten. Koor­di­niert wur­de die Akti­on von der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Frank­furt am Main, die seit Sep­tem­ber 2019 zu den Kom­men­ta­ren ermit­telt hat­te...“ – aus dem Bei­trag „Raz­zi­en wegen Het­ze gegen Lüb­cke“ von Kon­rad Litsch­ko am 04. Juni 2020 in der taz online externer Link – in dem auch noch selt­sa­me Ver­tei­di­ger des „Rechts­staa­tes“ zu Wort kom­men…
  • Ein Jahr nach dem Mord an Wal­ter Lüb­cke. Wie vie­le Mona­te nach den Mor­den von Hal­le? Wie vie­le Tage nach den Mor­den von Hanau? Wie vie­le Stun­den nach der letz­ten ras­sis­ti­schen Atta­cke? 
    „… Am 16. Juni soll am Ober­lan­des­ge­richt in Frank­furt am Main der Pro­zess wegen des Mor­des am Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke (CDU) begin­nen. Neue Erkennt­nis­se legen nahe, dass hin­ter dem mut­maß­li­chen Täter Ste­phan E. mög­li­cher­wei­se ein grö­ße­res Netz­werk stand. Die The­se, wonach der E. ein Ein­zel­tä­ter war und ledig­lich Hil­fe vom Mit­an­ge­klag­ten Mar­kus H. bei der Beschaf­fung der Tat­waf­fe hat­te, könn­te sich als falsch erwei­sen. Meh­re­re Indi­zi­en deu­ten auf wei­te­re Unter­stüt­zung hin. So ließ E. bei­spiels­wei­se nach den töd­li­chen Schüs­sen auf Lüb­cke weder die Tat­waf­fe noch die lee­ren Hül­sen ver­schwin­den, son­dern rei­nig­te die Waf­fe und fet­te­te sie sorg­fäl­tig ein. Nach eige­ner Aus­sa­ge ver­steck­te er den Revol­ver danach wäh­rend einer Nacht­schicht mit einem Arbeits­kol­le­gen – ein­ge­wi­ckelt in einem blau­en Müll­sack in einem Erd­de­pot, zusam­men mit wei­te­ren Schuss­waf­fen. Die Ermitt­lungs­be­am­ten bezeich­ne­ten das Ver­hal­ten als sehr pro­fes­sio­nell. Es lässt zugleich dar­auf schlie­ßen, dass wei­te­re Taten geplant waren…“ – aus dem Bei­trag „Revol­ver, Rohr­bom­ben und Erd­de­pots“ von Ralf Fischer am 28. Mai 2020 in der jung­le world externer Link (Aus­ga­be 22/​2020). Sie­he dazu auch einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag:
    • „Ein Jahr und vie­le Fra­gen“ von Mar­kus Bern­hardt am 02. Juni 2020 in der jun­gen welt externer Link erin­nert auch an Aktio­nen am Jah­res­tag: „… Nach bis­he­ri­ger Pla­nung ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Pro­zess gegen Ernst und sei­nen Mit­an­ge­klag­ten Mar­kus H. im August vor dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main eröff­net wird. Dass der Fall dann lücken­los auf­ge­klärt wer­den wird, darf aber bezwei­felt wer­den. Bei­spiel­haft erwähnt sei an die­ser Stel­le etwa, dass der ehe­ma­li­ge Ver­fas­sungs­schutz­mit­ar­bei­ter Andre­as Tem­me, der 2006 beim vom faschis­ti­schen Ter­ror­netz­werk »Natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Unter­grund« (NSU) began­ge­nen Mord an Halit Yozgat am Tat­ort im Kas­se­ler Inter­net­ca­fé zuge­gen war, dienst­lich auch mit dem mut­maß­li­chen Lüb­cke-Mör­der Ernst befasst war. Zur Erin­ne­rung: Mit der Erschie­ßung Yozgats ende­te nach bis­he­ri­ge Erkennt­nis­sen die NSU-Mord­se­rie an Bür­gern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Die Rol­le, die Tem­me dabei spiel­te, gilt bis heu­te als nicht auf­ge­klärt. Man­cher­orts wird er gar als Mör­der Yozgats gehan­delt. Tem­me wech­sel­te vom hes­si­schen Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz als Sach­be­ar­bei­ter ins Regie­rungs­prä­si­di­um Kas­sel, wel­ches bis zu sei­ner Ermor­dung von Wal­ter Lüb­cke geführt wur­de. Wäh­rend Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker aller gro­ßen Par­tei­en den Jah­res­tag der Ermor­dung des CDU-Man­nes für poli­ti­sche All­ge­mein­plät­ze nutz­ten, benann­te das Inter­na­tio­na­le Ausch­witz-Komi­tee am Pfingst­mon­tag die Ber­li­ner Sigis­mund­stra­ße in Wal­ter-Lüb­cke-Stra­ße um. »Wir erin­nern damit auch an den rechts­extremen Hass, dem Wal­ter Lüb­cke zum Opfer gefal­len ist und der nicht nur in Deutsch­land immer offe­ner zuta­ge tritt«, erläu­ter­te der Zusam­men­schluss die Akti­on in einer Stel­lung­nah­me. Unter dem Mot­to »Wal­ter Lüb­cke ist nicht ver­ges­sen! – Den rech­ten Ter­ror stop­pen!« rufen anti­fa­schis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen für den heu­ti­gen Diens­tag zu einer Kund­ge­bung vor der AfD-nahen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung (17 Uhr, Unter den Lin­den 21, Ber­lin) auf, die von Eri­ka Stein­bach gelei­tet wird...“
  • Am Jah­res­tag des Nazi-Mor­des an Wal­ter Lüb­cke: Wer an der Stim­mungs­ma­che gegen den kon­ser­va­ti­ven Poli­ti­ker betei­ligt war 
    „… Das Video einer Rede, die Lüb­cke wäh­rend einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zu den geplan­ten Unter­künf­ten hielt, wur­de von einem Anhän­ger der loka­len PEGIDA ins Inter­net gestellt. Dar­auf­hin begann eine über das hal­be Inter­net ver­streu­te Alli­anz von CDU-Mit­glie­dern, »Neu­rech­ten« und offe­nen Neo­na­zis ihn zu atta­ckie­ren, zu belei­di­gen und zu bedro­hen. Sei­ne Adres­se wur­de ver­öf­fent­licht mit der Auf­for­de­rung dort »vor­bei­zu­schau­en«. Wäh­rend des ers­ten Jubi­lä­ums der ras­sis­ti­schen PEGIDA- Auf­mär­sche im Okto­ber 2015, for­der­te der Autor Akif Pirin­çci in Dres­den, vor 200.000 Anhänger*innen, Wal­ter Lüb­cke aus dem Land zu wer­fen, »wenn er gefäl­ligst nicht pariert.« Und wei­ter: »Es gäbe natür­lich auch ande­re Alter­na­ti­ven. Aber die KZ sind ja lei­der der­zeit außer Betrieb.« Drei­ein­halb Jah­re lang war Lüb­cke immer wie­der das Ziel von Anfein­dun­gen unter­schied­lichs­ter Art. Den letz­ten grö­ße­ren Shit­s­torm im Febru­ar 2019 lös­te die ehe­ma­li­ge CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te, und Vor­sit­zen­de der AFD-nahen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung, Eri­ka Stein­bach aus. Drei Mona­te spä­ter fiel der Schuss. Nach Wal­ter Lüb­ckes Tod ist Stein­bach sich kei­ner Mit­ver­ant­wor­tung bewusst und schweigt sich aus. Max Otte, Mit­glied der »Wer­te­Uni­on« und Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­der der Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung, bezeich­ne­te Lüb­ckes Mör­der als min­der­be­mit­tel­ten Ein­zel­tä­ter, kri­ti­sier­te dass die Bericht­erstat­tung gegen die „rech­te Sze­ne het­ze“ und stell­te deren Exis­tenz in Fra­ge. Die Begrün­dung für die Mit­leids­lo­sig­keit gegen­über dem ermor­de­ten CDU-Poli­ti­ker for­mu­lier­te der ehe­ma­li­ge CDU­ler und heu­ti­ge AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­tin Hoh­mann tref­fend; die CDU, so Hoh­mann, tra­ge eine Mit­schuld am Mord an Wal­ter Lüb­cke. Hät­te Ange­la Mer­kel kei­ne Geflüch­te­ten ins Land gelas­sen, so »wür­de Wal­ter Lüb­cke noch leben«…“ – aus dem Auf­ruf „2. Juni – Todes­tag von Wal­ter Lüb­cke /​/​AfD, Stein­bach, Pirin­çci und »Wer­te­Uni­on« haben mit­ge­schos­sen!“ der Kam­pa­gne Rech­ten Ter­ror stop­pen externer Link, hier am 28. Mai 2020 bei de.indymedia – wor­in es auch Infor­ma­tio­nen und Mate­ria­li­en zu den Akti­ons­ta­gen gibt, sowie einen Demons­tra­ti­ons­auf­ruf für Ber­lin am 02. Juni 2020 um 17.00 Uhr vor der Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung, Unter den Lin­den 21
  • Es feh­len Akten über den mut­maß­li­chen Mör­der von Wal­ter Lüb­cke? Eine wei­te­re “Erfolgs­ge­schich­te” des Ver­fas­sungs­schut­zes 
    „… Ein Spre­cher der Bun­des­an­walt­schaft sag­te am Sonn­tag, die Ermitt­lun­gen dau­er­ten an. Zu dem Bericht der Zei­tung äußer­te er sich nicht. Die “Welt am Sonn­tag” berich­te­te unter Beru­fung auf die Staats­an­walt­schaft Kas­sel, dass die Akten und das sicher­ge­stell­te Pro­jek­til zehn Jah­re nach Ende der ergeb­nis­lo­sen Ermitt­lun­gen ver­nich­tet wor­den sei­en. Die Bun­des­an­walt­schaft will Ernst wegen des Mor­des an Lüb­cke und einer Mes­ser­at­ta­cke auf einen ira­ki­schen Asyl­be­wer­ber im Jahr 2016 ankla­gen. Der 46-Jäh­ri­ge soll den hes­si­schen CDU-Poli­ti­ker Lüb­cke Anfang Juni 2019 auf des­sen Ter­ras­se erschos­sen haben, weil die­ser für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen ein­trat. Seit Sep­tem­ber ermit­telt die Bun­des­an­walt­schaft auch zu einem unge­klär­ten Angriff auf einen jun­gen Ira­ker in der Nähe. Ein Unbe­kann­ter hat­te dem Mann am 6. Janu­ar 2016 in Loh­fel­den bei Kas­sel von hin­ten ein Mes­ser in den Rücken gesto­chen...“ – aus der Mel­dung „Akten aus Ver­fah­ren gegen mut­maß­li­chen Lüb­cke-Mör­der sind weg“ am 05. April 2020 in der hes­sen­schau online externer Link, wie eine zu ver­mu­ten­de min­des­tens 16-jäh­ri­ge Ter­ror­ge­schich­te sys­te­ma­tisch ver­schwie­gen und nun gezwun­ge­ner­ma­ßen scheib­chen­wei­se auf­ge­tischt wird. Wor­aus sich nur die Fra­ge ergibt: Wel­che Akten wur­den noch geschred­dert?
  • Ein Nazi war – ein ehe­ma­li­ger. Für die hes­si­schen „Sicher­heits­be­hör­den“ – bis er in Ver­dacht geriet, Hil­fe beim Lüb­cke-Mord geleis­tet zu haben 
    „… Aus heu­ti­ger Sicht erscheint es ver­wun­der­lich, dass Mar­kus H. im Zuge der Prü­fung nicht umge­hend zum Sicher­heits­ri­si­ko erklärt wur­de. Die Behör­den jedoch waren damals offen­bar der Ansicht, H. habe sich von der rechts­ex­tre­men Sze­ne gelöst. Das hes­si­sche Innen­mi­nis­te­ri­um mach­te nach dem Mord gel­tend, dass das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz zu H. von 2011 an kei­ne “spei­cher­rele­van­ten Akti­vi­tä­ten” mehr regis­triert hat. Sei­ne Akte bei dem Geheim­dienst des Lan­des wur­de 2016 geschlos­sen und gesperrt. Er galt somit als “abge­kühlt” – genau so war es auch bei dem mut­maß­li­chen Mör­der Ste­phan E. ein Jahr zuvor gelau­fen. Inzwi­schen über­prüft eine eige­ne Arbeits­grup­pe des hes­si­schen Ver­fas­sungs­schut­zes sol­che bereits gesperr­ten Akten noch ein­mal. Die Arbeits­grup­pe heißt BIAREX – Bear­bei­tung inte­grier­ter bzw. abge­kühl­ter Rechts­ex­tre­mis­ten. Und gut inte­grier­te bezie­hungs­wei­se ver­meint­lich abge­kühl­te Rechts­ex­tre­mis­ten gibt es offen­bar eini­ge: Bis­lang wur­den 1.300 Daten­sät­ze laut Innen­mi­nis­te­ri­um unter­sucht, bei 200 sah man wei­te­ren Auf­klä­rungs­be­darf. Bereits 20 Akten wur­den bis Janu­ar wie­der ent­sperrt, weil sich Hin­wei­se erga­ben, dass die Rechts­ra­di­ka­len doch wei­ter aktiv sind. Allein fünf­zehn die­ser Per­so­nen haben oder hat­ten Bezü­ge zur Sze­ne in Nord­hes­sen, aus der auch Ste­phan E. und Mar­kus H. stam­men. Die Prü­fun­gen dau­ern an…“ – aus dem Bei­trag „War­nung vor Rechts­ex­tre­mis­ten blieb fol­gen­los“ von Juli­an Feld­mann, Chris­ti­an Fuchs, Astrid Geis­ler, Nino Sei­del und Mar­tín Stein­ha­gen am 31. März 2020 bei der Zeit online externer Link über den nächs­ten nicht wei­ter beob­ach­te­ten Ver­bre­cher. Sie­he dazu drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge:
    • „Sicher­heits­über­prü­fung bestan­den“ am 01. April 2020 in der jun­gen welt externer Link mel­det dar­über hin­aus unter ande­rem: „… Im Rah­men der Über­prü­fung habe das Poli­zei­prä­si­di­um Nord­hes­sen in Kas­sel dem Ver­fas­sungs­schutz mit­ge­teilt, zu Hart­mann lägen »kei­ne aktu­el­len staats­schutz­po­li­zei­li­chen Erkennt­nis­se« vor. Die Ant­wort der Poli­zei erfolg­te dem Bericht zufol­ge fünf Tage nach dem töd­li­chen Atten­tat auf Lüb­cke. Zu die­sem Zeit­punkt wur­de noch nicht gegen Hart­mann wegen Bei­hil­fe ermit­telt. Inzwi­schen hat der Haupt­ver­däch­ti­ge Ste­phan Ernst ihn sogar als eigent­li­chen Todes­schüt­zen bezich­tigt. (…) War­um die Poli­zei angeb­lich kei­ne Erkennt­nis­se über Hart­mann hat­te, bleibt unklar. Er ist seit vie­len Jah­ren Teil der Neo­na­zi­sze­ne und 2006 von Ermitt­lern zum NSU-Mord an Halit Yozgat in Kas­sel befragt wor­den, nach­dem er auf­fäl­lig oft eine spe­zi­ell ein­ge­rich­te­te Inter­net­sei­te des Bun­des­kri­mi­nal­amts (BKA) auf­ge­ru­fen hat­te. Das gehe aus Ermitt­lungs­ak­ten der dama­li­gen Kas­se­ler Mord­kom­mis­si­on her­vor, berich­te­te der Spie­gel weni­ge Wochen nach dem Mord an Lüb­cke im Juni 2019…“
    • „Noch nach Lüb­cke-Mord als unbe­denk­lich ein­ge­stuft“ von Jana Frie­ling­haus am 31. März 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link hebt her­vor: „… Vie­les spricht für eine sehr akti­ve Rol­le des Neo­fa­schis­ten Mar­kus H. bei der Vor­be­rei­tung des Mor­des an Wal­ter Lüb­cke am 2. Juni 2019. Der am 15. Juni ver­haf­te­te Haupt­ver­däch­ti­ge Ste­phan E. hat­te in einem zwei­ten Geständ­nis aus­ge­sagt, H. sei mit ihm zusam­men zu Lüb­ckes Wohn­haus gefah­ren, der Schuss habe sich »ver­se­hent­lich« aus des­sen Waf­fe gelöst. In einem ers­ten Geständ­nis hat­te sich E. noch als allei­ni­gen Täter dar­ge­stellt. H., der seit Ende Juni 2019 in Unter­su­chungs­haft sitzt, hat sich gegen­über Ermitt­lern bis­lang nicht zu sei­ner Rol­le geäu­ßert. Fest steht aber, dass E. und H. in den Jah­ren vor dem Anschlag auf den Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten wie­der­holt gemein­sam Schieß­trai­nings absol­viert hat­ten und dass H. legal zahl­rei­che Waf­fen besaß. Das hes­si­sche Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz will E. und H. vier Jah­re vor dem Ter­ror­akt als »abge­kühlt«, also als nicht mehr akti­ve »Rechts­ex­tre­mis­ten« ein­ge­stuft und daher nicht mehr beob­ach­tet haben. Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) inter­es­sier­te sich dage­gen offen­bar noch 2019 für Mar­kus H. – der bis zu sei­ner Ver­haf­tung in einem Rüs­tungs­un­ter­neh­men arbei­te­te…“
    • „War­nung vor Gefahr durch Neo­na­zi in Hes­sen ver­san­de­te“ von Pitt v. Beben­burg am 31. März 2020 in der FR online externer Link über ers­te Reak­tio­nen: „… Die hes­si­sche Oppo­si­ti­on zeig­te sich alar­miert. Es spre­che für einen „besorg­nis­er­re­gen­den Man­gel an Auf­merk­sam­keit im Umgang mit der rechts­ter­ro­ris­ti­schen Gefahr in unse­rem Land“, dass „die über­deut­li­chen Aus­sa­gen der ehe­ma­li­gen Lebens­ge­fähr­tin zur Gesin­nung und der Gefähr­lich­keit von Mar­kus H. igno­riert“ wor­den sei­en, urteil­te der hes­si­sche SPD-Innen­po­li­ti­ker Gün­ter Rudolph. Er for­der­te Auf­klä­rung von Innen­mi­nis­ter Peter Beuth und Jus­tiz­mi­nis­te­rin Eva Küh­ne-Hör­mann (bei­de CDU). Auch der hes­si­sche Lin­ken-Innen­po­li­ti­ker Her­mann Schaus wit­tert ein „Ver­sa­gen“ der Behör­den. „Es ist zu klä­ren, ob die Ex-Freun­din das so kon­kret ange­ge­ben hat und was damit pas­siert ist“, sag­te er der FR. Vor­aus­sicht­lich wer­de sich ein Unter­su­chungs­aus­schuss damit beschäf­ti­gen müs­sen. (…) Der NDR und „Zeit Online“ berich­te­ten auch, dass die nord­hes­si­sche Poli­zei noch fünf Tage nach dem Mord an Lüb­cke behaup­tet habe, ihr lägen „kei­ne aktu­el­len staats­schutz­po­li­zei­li­chen Erkennt­nis­se“ über Mar­kus H. vor. Die Infor­ma­ti­on sei im Rah­men einer Sicher­heits­über­prü­fung an den Ver­fas­sungs­schutz gege­ben wor­den – zu einem Zeit­punkt, als H. noch nicht im Zusam­men­hang mit dem Lüb­cke-Mord ver­däch­tigt wur­de…“
  • „… was zusam­men gehört“: Wäh­rend die AFD das Anti-Lüb­cke-Hetz­vi­deo des mut­maß­li­chen Täters ver­brei­te­te, kleb­te die­ser für sie Pla­ka­te 
     „… Der Rechts­ex­tre­mist Ste­phan Ernst hat zumin­dest im Jahr 2018 die AfD in sei­ner Hei­mat­stadt Kas­sel tat­kräf­tig unter­stützt. So soll Ernst unter ande­rem Wahl­pla­ka­te auf­ge­hängt und meh­re­re Tref­fen der Par­tei in Nord­hes­sen besucht haben. Das haben AfD-Mit­glie­der gegen­über der Poli­zei ange­ge­ben, wie NDR-Recher­chen erga­ben. Bis­her waren ledig­lich eine Spen­de an die Par­tei sowie die Teil­nah­me an einer AfD-Demons­tra­ti­on in Chem­nitz 2018 bekannt. Nach­dem Mit­te Juni ver­gan­ge­nen Jah­res bekannt gewor­den war, dass Ernst für den Mord an Wal­ter Lüb­cke ver­ant­wort­lich sein soll, mel­de­te sich der ehe­ma­li­ge Kreis­vor­sit­zen­de der Kas­se­ler AfD bei der Poli­zei. Er schil­der­te den Beam­ten, dass Ernst im Wahl­kampf zur Land­tags­wahl 2018 beim Pla­ka­tie­ren gehol­fen habe. Das geht aus Unter­la­gen her­vor, die der NDR ein­se­hen konn­te. (…) Nach Recher­chen des NDR haben wei­te­re Zeu­gen bei der Poli­zei aus­ge­sagt, sie hät­ten den Mord­ver­däch­ti­gen bei AfD-Tref­fen gese­hen. Ein AfD-Anhän­ger aus Kas­sel sag­te den Ermitt­lern, er habe Ernst Ende 2018 bei einem Vor­trag bei der AfD ken­nen gelernt. Man habe sich auch mehr­mals pri­vat getrof­fen, aber nie über Poli­tik gespro­chen…“ – aus der Mel­dung „Mut­maß­li­cher Lüb­cke-Mör­der war für AfD aktiv“ am 21. Janu­ar 2020 in der Hes­sen­schau online externer Link – wor­in noch dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass dies kei­ne Par­tei­mit­glied­schaft bedeu­ten müs­se… Sie­he dazu drei wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge zum Zusam­men­wir­ken von Nazi­ban­den und AFD:
    • „Lüb­cke-Video führt zu Ver­däch­ti­gen und zur AfD“ von Lars Wien­and am 20. Janu­ar 2020 bei T‑Online externer Link berich­tet zum Anti-Lüb­cke-Video der mut­maß­li­chen Täter und des­sen Ver­brei­tung durch die AFD uter ande­rem: „… Recher­chen von t‑online.de zei­gen, dass von den Haupt­ver­däch­ti­gen im Mord­fall Lüb­cke mehr Spu­ren zur AfD füh­ren als bis­her bekannt. Mit­glie­der der Par­tei hat­ten ein Video ver­brei­tet, um Stim­mung gegen den Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke und die Regie­rung zu machen. Es zeigt einen kur­zen Aus­schnitt einer Bür­ger­ver­samm­lung mit dem spä­ter ermor­de­ten CDU-Poli­ti­ker. Recher­chen von t‑online.de erge­ben nun, dass Ste­phan E. und Mar­kus H. das Video offen­bar selbst ins Netz gestellt haben. Die Auf­nah­men, um die es geht, und die Ein­ord­nung sehen Sie oben im Video. (…) Der im Geständ­nis geäu­ßer­te Plan ging aber auf, mit dem Video Stim­mung zu machen: Kei­ne 24 Stun­den spä­ter hat­ten es unter ande­rem die heu­ti­ge AfD-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­ne Ander­son* und der heu­ti­ge Schatz­meis­ter der Wer­te­Uni­on, Udo Kell­mann, auf Face­book geteilt. Der “Moriatti”-Kanal hat­te zu die­sem Zeit­punkt gera­de ein­mal 18 Abon­nen­ten, kann auf You­Tube folg­lich also kaum auf­ge­fal­len sein. Der Haupt­ac­count der Bun­des-AfD selbst pos­te­te den Link zu dem Video andert­halb Tage nach der Ein­woh­ner­ver­samm­lung mit dem Text “Noch ist es unser Land, Herr Lüb­cke” auf Face­book. Lüb­cke erhielt in der Fol­ge des Vide­os Hun­der­te Dro­hun­gen. Das Video oder Tex­te dazu wur­den anlass­los immer wie­der ver­brei­tet, so etwa im Febru­ar 2019 von Eri­ka Stein­bach. Das Pos­ting der AfD ver­schwand in der zwei­ten Juni­hälf­te nach dem Mord an Wal­ter Lüb­cke am 2. Juni 2019…“
    • „Mord an Wal­ter Lüb­cke: Tat­ver­däch­ti­ger für AfD aktiv“ am 22. Janu­ar 2020 im Miga­zin externer Link mel­det über sol­che Ten­den­zen: „… Bei der Durch­su­chung des Wohn­hau­ses des mut­maß­li­chen Lüb­cke-Mör­ders Ste­phan E. fan­den die Ermitt­ler nach NDR-Recher­chen Unter­schrif­ten­lis­ten mit den Namen von AfD-Kan­di­da­ten. Gegen­über dem Hes­si­schen Lan­des­kri­mi­nal­amt hat eine Zeu­gin zudem aus­ge­sagt, Ste­phan E. habe zusam­men mit dem mut­maß­li­chen Mord­hel­fer Mar­kus H. 2016 und 2017 an AfD-Demons­tra­tio­nen in Erfurt teil­ge­nom­men. Nach Ein­schät­zung des Kas­se­ler Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Prof. Wolf­gang Schroe­der kön­ne die AfD zwar nichts dafür, wenn sich Rechts­ex­tre­mis­ten wie Ste­phan E. für sie ein­set­zen. Man müs­se sich aber fra­gen, war­um er gera­de zur AfD gegan­gen sei. Die AfD habe sich im Lau­fe der Zeit radi­ka­li­siert, sagt Prof. Schroe­der im Inter­view mit dem NDR Maga­zin „Pan­ora­ma 3“. So sei die Par­tei auch für Rechts­ex­tre­mis­ten inter­es­sant gewor­den…“
    • „Die Gewalt der AfD Müns­ter: Unser Rede­bei­trag auf der Kund­ge­bung gegen den AfD-Kreis­par­tei­tag am am 11.01.2020 in Müns­ter“ am 19. Janu­ar 2020 bei der Anti­fa­schis­ti­schen Lin­ken Müns­ter externer Link zur Ana­ly­se die­ses Zusam­men­wach­sens unter ande­rem: „… Das ist brand­ge­fähr­lich: Denn auch wenn die Begrif­fe ande­re sein mögen: Es macht kei­nen Unter­schied, ob ein Richard Mol von der AfD Müns­ter oder ein x‑beliebiger Neo­na­zi in sozia­len Netz­wer­ke gegen anti­fa­schis­tisch enga­gier­te Lokalpolitiker*innen hetzt. Am Ende bei­der Ket­ten ste­hen Aus­gren­zung, Bedro­hung und Gewalt. Den­noch sitzt die AfD wei­ter in Talk­shows und auf Podi­en und wird von Tei­len der CDU mitt­ler­wei­le ganz offen als mög­li­cher Koali­ti­ons­part­ner gehan­delt. Ganz offen­sicht­lich schafft es die AfD also einer­seits die klas­si­schen Inhal­te und Feind­bil­der der extre­men Rech­ten auf­zu­grei­fen, wäh­rend sie gleich­zei­tig ein Allein­stel­lungs­merk­mal inner­halb der extrem rech­ten Par­tei­en­fa­mi­lie hat, dass sie vor klas­si­schen Skan­da­li­sie­rungs­stra­te­gien a la „Nazis raus“ schützt. Stellt sich die Fra­ge, was das für ein Allein­stel­lungs­merk­mal sein könn­te. Wür­de man der AfD die­se Fra­ge stel­len, wäre Teil der Ant­wort auf jeden Fall die Beto­nung der eige­nen Bür­ger­lich­keit und Gewalt­frei­heit. Wo für Neo­na­zis Gewalt wesent­li­cher Bestand­teil von Ideo­lo­gie und Poli­tik ist, stellt sich die AfD selbst ger­ne als die fried­fer­ti­ge Par­tei dar, die ihre Zie­le gewalt­frei errei­chen möch­te. Denn da, wo eine Par­tei inhalt­lich nah an der klas­si­schen extre­men Rech­ten ist und trotz­dem erfolg­reich sein möch­te, ist eine Abgren­zung zu neo­na­zis­ti­scher Gewalt Grund­la­ge jed­we­der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Par­tei.(…) Bereits wäh­rend des Bun­des­tags­wahl­kampfs 2014 enga­gier­te die AfD einen Schlä­ger­trupp, der sowohl einen Jour­na­lis­ten, als auch pro­tes­tie­ren­de Antifaschist*innen mas­siv anging und zu ver­trei­ben ver­such­te. 2016 wur­de der Rats­herr Rüdi­ger Sagel als Teil­neh­mer einer Men­schen­ket­te vor einem AfD-Info­stand getre­ten, ein ande­rer Teil­neh­mer gewürgt. Ein Jahr spä­ter griff ein eige­ner, uni­for­mier­ter “Sicher­heits­dienst” der AfD am Wahl­kampf­stand mit­ten in der Fuß­gän­ger­zo­ne Demonstrant*innen mit Pfef­fer­spray an…“
  • Neue Aus­sa­gen zum Lüb­cke-Mord machen vor allen Din­gen klar: Da muss „mehr“ gewe­sen sein…
    „… Ernst hat­te am Mitt­woch in einer erneu­ten Befra­gung eine neue Tat­ver­si­on des Lüb­cke-Mor­des prä­sen­tiert. Nicht er, son­dern der Mit­be­schul­dig­te Mar­kus H. habe den Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten in der Nacht zum 2. Juni 2019 vor des­sen Haus erschos­sen. Gemein­sam sei man damals zu Lüb­ckes Anwe­sen gefah­ren, um dem CDU-Mann eine „Abrei­bung“ zu ver­pas­sen. Als Lüb­cke nach einem Streit auf der Ter­ras­se Hil­fe holen woll­te, habe sich „ver­se­hent­lich“ ein Schuss aus dem mit­ge­brach­ten Revol­ver gelöst. Geschos­sen habe aber nicht Ernst, son­dern Mar­kus H. So schil­der­te es Ernsts Anwalt Frank Han­nig am Mitt­woch­abend auf einer Pres­se­kon­fe­renz. (…) Mar­kus H. ist, genau wie Elmar J., seit Ende Juni in Haft. Die Bun­des­an­walt­schaft wirft ihnen wegen der Ver­mitt­lung der Tat­waf­fe Bei­hil­fe zum Mord vor. Die neue Ernst-Aus­sa­ge wird dort nicht kom­men­tiert. Die Ermitt­ler prüf­ten aber schon früh, ob wei­te­re Täter am Tat­ort waren. Nach taz-Infor­ma­tio­nen fan­den sich dafür bis­her kei­ne Hin­wei­se oder DNA-Spu­ren…“ – aus dem Bericht „„Weiß nicht, wie er dazu kommt““ von Kon­rad Litsch­ko am 09. Janu­ar 2020 in der taz online externer Link über eine neue Aus­sa­ge, die zutref­fen mag oder auch nicht – in jedem Fal­le aber deut­lich macht, dass ein­mal mehr eine „Einzeltäter“-These geschei­tert ist… Sie­he dazu einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trä­ge zu den nahe­lie­gen­den Fol­ge­run­gen die­ser neu­en Aus­sa­ge – unab­hän­gig von ihrem Wahr­heits­ge­halt…
    • „Fra­ge nach Hin­ter­män­nern“ von Kris­ti­an Stemm­ler am 10. Janu­ar 2020 in der jun­gen Welt externer Link zu mög­li­chen Fol­ge­run­gen: „… FDP-Innen­po­li­ti­ker Ben­ja­min Stras­ser bezeich­ne­te Ernsts Anga­ben über einen zwei­ten Täter gegen­über der Deut­schen Pres­se­agen­tur (dpa) als »hoch­bri­sant«. Der Vor­wurf der Bil­dung einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung ste­he im Raum, so der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Zum ande­ren habe es bereits bei der NSU-Mord­se­rie Hin­wei­se auf Hel­fer und Mit­wis­ser aus der Kas­se­ler Neo­na­zi­sze­ne gege­ben. Der Gene­ral­bun­des­an­walt müs­se nun alle NSU-Akten »auf links dre­hen«. Mar­ti­na Ren­ner, Abge­ord­ne­te der Links­frak­ti­on, erklär­te, der Gene­ral­bun­des­an­walt müs­se auf­klä­ren, wer beim Lüb­cke-Mord Täter, Mit­tä­ter und Unter­stüt­zer war. Nie­mand sol­le sich von Sze­ne­an­walt Frank Han­nig, Ver­tei­di­ger von Ste­phan Ernst, und sei­nem Man­dan­ten in die­ser Dis­kus­si­on »Takt und Rich­tung vor­ge­ben las­sen«. Soll­te Ernst tat­säch­lich Schutz und Geld ange­bo­ten wor­den sein, könn­te dies ein Hin­weis auf einen grö­ße­ren Unter­stüt­zer­kreis sein, sag­te Ren­ner. Die Innen­ex­per­tin der Grü­nen-Frak­ti­on, Ire­ne Miha­lic, for­der­te eben­falls Klar­heit über mög­li­che Hin­ter­män­ner. Der Tat­her­gang und auch die mut­maß­li­che Betei­li­gung wei­te­rer Tat­ver­däch­ti­ger müss­ten »unab­hän­gig von der Glaub­haf­tig­keit der Ein­las­sun­gen von Ste­phan Ernst« auf­ge­klärt wer­den, sag­te Miha­lic dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land...“
  • Die geschlos­se­ne Ver­fas­sungs­schutz-Akte des Täters: Die Aus­re­de „nicht mehr aktiv“ ist geplatzt 
    „… Wie konn­te der Ver­fas­sungs­schutz den Rechts­ex­tre­men Ste­phan E., den mut­maß­li­chen Mör­der von Wal­ter Lüb­cke, jemals aus den Augen ver­lie­ren? Schließ­lich schie­nen die Ver­fas­sungs­schüt­zer lan­ge über­zeugt, dass von ihm eine Gefahr aus­ge­hen könn­te. Noch Ende 2009 galt E. im Ver­fas­sungs­schutz Hes­sen als “brand­ge­fähr­lich”. Das belegt eine hand­schrift­li­che Anmer­kung, die sich in roter Far­be auf einem 15-sei­ti­gen inter­nen Ver­merk über Neo­na­zis aus Nord­hes­sen vom Okto­ber 2009 fin­det. E. war bereits in den Neun­zi­ger­jah­ren mit ein­schlä­gi­gen Gewalt­ta­ten auf­ge­fal­len, dar­un­ter ein ver­such­ter Spreng­stoff­an­schlag auf eine Flücht­lings­un­ter­kunft. Vom hes­si­schen Innen­mi­nis­te­ri­um hat­te es bis­lang dazu stets gehei­ßen, dass nach dem Jahr 2009 kei­ne neu­en Erkennt­nis­se über Ste­phan E. vor­ge­le­gen hät­ten. Daher sei sei­ne Per­so­nen­ak­te beim Ver­fas­sungs­schutz fünf Jah­re spä­ter gesperrt wor­den. Das ist ver­wun­der­lich, da die nun bekannt gewor­de­ne Notiz nahe­legt, dass der Ver­fas­sungs­schutz ihn zumin­dest Ende 2009 noch als sehr gefähr­lich ein­stuf­te und ihm wohl Gewalt­ta­ten zutrau­te…“ – aus dem Bei­trag „Ver­fas­sungs­schutz hielt Ste­phan E. noch 2009 für “brand­ge­fähr­lich”“ von Mar­tin Stein­ha­gen am 26. Okto­ber 2019 bei der Zeit online externer Link zum The­ma, war­um der VS nie­mand die Akte zei­gen woll­te…
  • Der Mord in Kas­sel und die Mor­de des NSU: Der Ver­fas­sungs­schutz ver­sagt nie. Son­dern erfüllt die Auf­ga­be, für die ihn Alt­na­zis nach ihrer Nie­der­la­ge gegrün­det haben: Nazis för­dern 
    „… Im Innen­aus­schuss des Land­tags hat am Don­ners­tag eine neue Infor­ma­ti­on über den Haupt­ver­däch­ti­gen im Mord­fall Lüb­cke, Ste­phan Ernst, für Auf­re­gung gesorgt. Laut Innen­mi­nis­ter Peter Beuth (CDU) war der ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter des Ver­fas­sungs­schut­zes, Andre­as Tem­me, mit Ste­phan Ernst vor 2006 “dienst­lich befasst”. In wel­cher Form, sag­te Beuth nicht. Tem­me spielt eine wich­ti­ge Rol­le im NSU-Unter­su­chungs­aus­schuss des Land­tags. Er wur­de mehr­mals als Zeu­ge gela­den, weil er sich wäh­rend der Ermor­dung des NSU-Opfers Halit Yozgat am Tat­ort in einem Kas­se­ler Inter­net­ca­fe auf­hielt. Yozgat wur­de im April 2006 durch zwei geziel­te Schüs­se getö­tet. Laut SPD stellt sich die Fra­ge, ob es damit eine Ver­bin­dung zum NSU-Mord in Kas­sel gibt. Die FDP teil­te nach der Innen­aus­schuss­sit­zung mit, man sei “scho­ckiert”: “Es ist erstaun­lich, dass die­se Infor­ma­ti­on erst durch inten­si­ve Befra­gung des Innen­mi­nis­ters ans Licht kommt”, schreibt der innen­po­li­ti­sche Spre­cher der Land­tags­frak­ti­on, Ste­fan Mül­ler. Es bestehe die Fra­ge, ob Tem­me an der Ent­schei­dung betei­ligt gewe­sen sei, dass Ernst als “abge­kühlt”, also nicht mehr aktiv in der rech­ten Sze­ne, ein­ge­stuft wur­de. Die Infor­ma­ti­ons­po­li­tik des Minis­ters soll nach dem Wil­len der FDP Fol­gen haben: “Der Innen­mi­nis­ter bet­telt um einen Unter­su­chungs­aus­schuss”, so Mül­ler. Der innen­po­li­ti­sche Spre­cher der Lin­ken, Her­mann Schaus, sag­te: “Ich fra­ge mich lang­sam, ob die Vor­gän­ge im Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz eher ein Fall für die Jus­tiz oder für einen neu­en Unter­su­chungs­aus­schuss sind.” Das Ver­hal­ten von Minis­ter Beuth sei “kata­stro­phal”...“ – aus dem Bericht „Andre­as Tem­me war “dienst­lich befasst” mit Ste­phan Ernst“ von Nico­las Busch­schlü­ter und Son­ja Süß am 17. Okto­ber 2019 in der hes­sen­schau externer Link über eine Zen­tral­fi­gur der NSU-Ver­tu­schung mit Ver­bin­dun­gen zum jüngs­ten Nazi­mord in Hes­sen. Sie­he dazu auch eine wei­te­re Mel­dung über die­sen jüngst ent­deck­ten „Zufall“:
  • Tat­waf­fe im Lüb­cke-Mord: Vom Com­bat 18 Pin­ne­berg? 
    „… Eine neue Spur im Mord­fall Wal­ter Lüb­cke führt nach Schles­wig-Hol­stein. Die Bun­des­an­walt­schaft prüft, ob die Tat­waf­fe, ein Revol­ver der Mar­ke Ros­si, von der rechts­ex­tre­men Ter­ror­grup­pe „Com­bat 18 Pin­ne­berg“ stam­men könn­te. Zwar ist der mut­maß­li­che Mör­der des Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten, Ste­phan E., gefasst, die Hin­ter­grün­de des Anschlags sind aber noch nicht aus­er­mit­telt. Die Bun­des­an­walt­schaft bat die schles­wig-hol­stei­ni­schen Behör­den um die Akten zu einer auf­ge­lös­ten Grup­pe mit dem pro­gram­ma­ti­schen Namen „Kampf­ver­bund Adolf Hit­ler“. Nach Infor­ma­tio­nen des Redak­ti­ons­netz­werks Deutsch­land (RND) will sie klä­ren, ob die bra­si­lia­ni­sche Waf­fe des Kali­bers 38 Spe­zi­al, mit der Lüb­cke ermor­det wur­de, zu jenen gehört, die der dama­li­ge schles­wig-hol­stei­ni­sche NPD-Lan­des­vor­sit­zen­de Peter Bor­chert für Com­bat 18 Pin­ne­berg besorgt haben soll...“ – aus dem Bei­trag „Spur der Waf­fe führt in den Nor­den“ von Andre­as speit am 15. Okto­ber 2019 in der taz online externer Link über Ver­bin­dun­gen, die nie­mand über­ra­schen kön­nen…
  • Eine wei­te­re Lüge des Ver­fas­sungs­schut­zes fliegt auf: Kas­se­ler Haupt­ver­däch­ti­ger war bei den Nazis dau­er­ak­tiv
    Dass die bei­den einen Auf­marsch der AfD besuch­ten, ist nahe­lie­gend. Schon 2016 spen­de­te Ste­phan Ernst Geld an die AfD Thü­rin­gen. Eine Ver­mi­schung der orga­ni­sier­ten Neo­na­zi­sze­ne mit der sich bür­ger­lich-kon­ser­va­tiv geben­den Rech­ten, um Par­tei­en wie die AfD, ist kein neu­es Phä­no­men. Die extrem rech­te Grup­pie­rung «Pro Chem­nitz» mel­de­te am 1. Sep­tem­ber 2018 in zeit­li­cher und ört­li­cher Nähe eine Kund­ge­bung an, um sich spä­ter mit dem AfD-Auf­marsch zu ver­ei­ni­gen. So schlos­sen sich vie­le bekann­te Neo­na­zis dem AfD-Auf­marsch an – von ehe­ma­li­gen HDJ-Funk­tio­nä­ren und NPD-Mit­glie­dern, über rech­te Hoo­li­gans bis hin zu Holo­caust­leug­nern und Rechts­ter­ro­ris­ten. Zur Erin­ne­rung: Auch zen­tra­le Per­so­nen der rechts­ter­ro­ris­ti­schen Grup­pe «Revo­lu­ti­on Chem­nitz» nah­men an dem Auf­marsch teil – auf der Stra­ße ver­eint mit Björn Höcke und AfD-Vor­den­ker Götz Kubit­schek, die die­sen soge­nann­ten „Trau­er­marsch“ anführ­ten. Der ras­sis­ti­sche Mob griff an die­sem Tag mehr­fach und mas­siv Pres­se, Geflüch­te­te und Poli­zei an. In Fol­ge der Eska­la­ti­on wur­de der Auf­marsch auf­ge­löst. An die­sem 1. Sep­tem­ber zeig­te sich ein­dring­lich der Schul­ter­schluss der AfD mit der extre­men Rech­ten, die die­se schon längst als ihren par­la­men­ta­ri­schen Arm ange­nom­men hat. Durch ihre völ­ki­sche und ras­sis­ti­sche Agi­ta­ti­on bestä­tigt die Par­tei Rechts­ter­ro­ris­ten wie Ste­phan Ernst in ihrem Han­deln und gibt ihnen poli­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on. Bis­her gaben Ver­fas­sungs­schutz­chef Tho­mas Hal­den­wang und Innen­mi­nis­ter Horst See­hofer auf einer Pres­se­kon­fe­renz im Juni 2019 an, dass Ste­phan Ernst ledig­lich bis 2009 als Neo­na­zi in Erschei­nung getre­ten war und danach von ihrem Radar ver­schwun­den sei. Hal­den­wang dach­te laut dar­über nach, ob man den Täter als „Schlä­fer“ kate­go­ri­sie­ren soll­te…“ – aus dem Bei­trag „Lüb­cke-Mord: Ste­phan Ernst und Mar­kus Hart­mann auf AfD-Demo 2018 in Chem­nitz“ am 26. Sep­tem­ber 2019 bei Exif-Recher­che externer Link wor­aus deut­lich wird, dass die For­de­rung nach Auf­lö­sung des Ver­eins unab­hän­gig davon rich­tig ist, wie weit rechts der jewei­li­ge Ober­boss gera­de steht…
  • Ein Mord­ver­däch­ti­ger mit lan­ger Ver­bre­chens-Kar­rie­re, oder: Was der Ver­fas­sungs­schutz wie­der ein­mal ver­heim­li­chen woll­te 
    Im Fall des ermor­de­ten Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke ermit­telt die Bun­des­an­walt­schaft nun auch wegen einer wei­te­ren Blut­tat gegen den Haupt­ver­däch­ti­gen. Der in Unter­su­chungs­haft sit­zen­de Ste­phan E. ste­he im Ver­dacht, am 6. Janu­ar 2016 in Loh­fel­den im Kreis Kas­sel ver­sucht zu haben, einen ira­ki­schen Asyl­be­wer­ber zu töten, teil­te die Bun­des­an­walt­schaft am Don­ners­tag in Karls­ru­he mit. Er soll dem Mann von hin­ten mit einem Mes­ser in den Rücken gesto­chen und ihn dabei schwer ver­letzt haben. Grund für die Tat soll die rechts­ex­tre­mis­ti­sche Welt­an­schau­ung von Ste­phan E. gewe­sen sein, was die Über­nah­me der Ermitt­lun­gen durch die Bun­des­an­walt­schaft ermög­li­che. Der Ira­ker war nahe der dama­li­gen Erst­auf­nah­me­stel­le in Loh­fel­den nie­der­ge­sto­chen und an der Schul­ter ver­letzt wor­den. Der Täter ent­kam uner­kannt auf einem Fahr­rad, die Staats­an­walt­schaft Kas­sel ermit­tel­te seit­her wegen ver­such­ter Tötung. Zunächst war frag­lich gewe­sen, ob sich nach mehr als drei Jah­ren noch Uten­si­li­en bei Ste­phan E. fin­den, die einen kla­ren Bezug zu der Straf­tat erge­ben...“ – aus der Mel­dung „Ermitt­lun­gen gegen Ver­däch­ti­gen im Fall Lüb­cke aus­ge­wei­tet“ am 22. Sep­tem­ber 2019 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link über die Akti­vi­tä­ten eines Man­nes, der zu jener Zeit vom Ver­fas­sungs­schutz einen Frei­fahr­schein hat­te („unver­däch­tig“ befand die auf­zu­lö­sen­de Behör­de). Sie­he dazu einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag über das Wir­ken des Ver­fas­sungs­schut­zes auch in die­sem Fall – was nicht gelang, zu ver­heim­li­chen und „ins Mus­ter“ passt:
    • „Elf Rät­sel und ein Mord“ von Ronen Stein­ke eben­falls am 22. Sep­tem­ber 2019 in der SZ online externer Link zu den Infor­ma­tio­nen, die der Ver­fas­sungs­schutz eigent­lich ver­heim­li­chen woll­te unter ande­rem: „… Der mut­maß­li­che Mör­der des Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke taucht elf Mal in einem gehei­men Bericht des hes­si­schen Ver­fas­sungs­schut­zes über die rechts­ra­di­ka­le Sze­ne von 2014 auf. Dies hat nun der Ver­fas­sungs­schutz offen­ge­legt, nach­dem die Zei­tung Die Welt ihn erfolg­reich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den ver­klagt hat­te. Damit gerät die Behaup­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes in Zwei­fel, man habe den mut­maß­li­chen Mör­der schon lan­ge nicht mehr auf dem Schirm gehabt und des­halb auch nicht mit­be­kom­men kön­nen, wie er sich von 2014 an neu radi­ka­li­sier­te und sich mit­hil­fe eines alten Neo­na­zi-Kame­ra­den über Jah­re hin­weg ille­gal Waf­fen besorg­te. Auf fast 260 Sei­ten wer­den in dem gehei­men Ver­fas­sungs­schutz-Papier (“Abschluss­be­richt zur Akten­prü­fung”) Hin­wei­se zu mili­tan­ten Rechts­ra­di­ka­len zusam­men­ge­tra­gen, die einen Bezug zur Mord­ban­de NSU auf­wei­sen könn­ten. Das Papier war 2012 von dem dama­li­gen hes­si­schen Innen­mi­nis­ter Boris Rhein (CDU) in Auf­trag gege­ben wor­den. Die Stadt Kas­sel steht dar­in im Mit­tel­punkt. Kas­sel gilt als Hoch­burg der rechts­ra­di­ka­len Sze­ne, dort hat­te der NSU im Jahr 2006 den 21-jäh­ri­gen Halil Yozgat hin­ter dem Tre­sen sei­nes Inter­net­ca­fés umge­bracht, in dem Café war damals auch ein Mit­ar­bei­ter des hes­si­schen Ver­fas­sungs­schut­zes. Und dort leb­te auch der Mann, der nun des Mor­des an Wal­ter Lüb­cke beschul­digt wird, Ste­phan E...“
  • Ein all­seits ver­netz­ter „Ein­zel­tä­ter“… 
    Beim rechts­ex­tre­mis­ti­schen Mord­an­schlag auf den Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke soll der Mit­be­schul­dig­te Mar­kus H. eine grö­ße­re Rol­le gespielt haben als bis­lang bekannt. Das geht aus dem jetzt bekannt gewor­de­nen Beschluss her­vor, mit dem der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) eine Beschwer­de des 43-Jäh­ri­gen gegen sei­ne Unter­su­chungs­haft abwies. Nach dem gegen­wär­ti­gen Stand der Ermitt­lun­gen, so schrei­ben die Bun­des­rich­ter in ihrem Beschluss vom 22. August, habe es Mar­kus H. „spä­tes­tens ab Juli 2016“ nicht nur für mög­lich gehal­ten, dass der mit ihm eng befreun­de­te Haupt­ver­däch­ti­ge Ste­phan E. einen poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger töten wer­de, „um die­sen für sei­ne libe­ra­le Linie in der Flücht­lings­po­li­tik abzu­stra­fen“. Er habe auch des­sen Zie­le und Moti­ve geteilt und ihn „im Wil­len zur Tat­be­ge­hung bestärkt“. Mar­kus H., der wie E. seit vie­len Jah­ren in der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne in Kas­sel aktiv ist, war ursprüng­lich fest­ge­nom­men wor­den, weil er den Erwerb der spä­te­ren Tat­waf­fe bei einem ille­ga­len Waf­fen­händ­ler ver­mit­telt haben soll. Damit lässt sich nach Ansicht des BGH der Vor­wurf der Bei­hil­fe zum Mord aller­dings nicht mehr begrün­den. Denn die Kon­takt­an­bah­nung sei schon deut­lich vor jener Bür­ger­ver­samm­lung im Okto­ber 2015 in Loh­fel­den erfolgt, die E.’s mör­de­ri­schen Lüb­cke-Hass erst begrün­det haben soll…“ – aus der am 17. Sep­tem­ber 2019 aktua­li­sier­ten Mel­dung „Mord­fall Lüb­cke: Wel­che Rol­le spiel­te der zwei­te Ver­däch­ti­ge Mar­kus H. wirk­lich?“ bei der FR online externer Link über eine wei­te­re Erkennt­nis zu mehr als einem Ein­zel­tä­ter. Dass das Täter-Netz­werk noch viel wei­ter rei­chen könn­te, macht eine wei­te­re Mel­dung aus die­ser Woche deut­lich – und der hes­si­sche Innen­mi­nis­ter bekommt damit Pro­ble­me:
    • „Wei­te­re Droh­schrei­ben an Frank­fur­ter Anwäl­tin auf­ge­taucht“ von Frank Anger­mund am 16. Sep­tem­ber 2019 beim Hes­si­schen Rund­funk externer Link mel­det: „… 5. Juni 2019: In den Wohn­zim­mern läuft Akten­zei­chen XY – unge­löst. Die Poli­zei sucht mit Hil­fe der ZDF-Fern­seh­sen­dung Zeu­gen und Hin­wei­se im Fall des ermor­de­ten Kas­se­ler Ex-Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke. Drei Tage sind seit dem Anschlag auf den CDU-Poli­ti­ker ver­gan­gen. Es soll noch elf Tage dau­ern, bis der Rechts­ex­tre­mist Ste­phan Ernst als Tat­ver­däch­ti­ger fest­ge­nom­men wird. Aber an die­sem 5. Juni erhielt die Frank­fur­ter Anwäl­tin Seda Basay-Yil­diz nach hr-Infor­ma­tio­nen ein Droh-Fax. Sie hat­te zuvor schon meh­re­re Schrei­ben die­ser Art erhal­ten. Die­ses Fax wur­de erneut mit NSU 2.0 unter­schrie­ben. Der oder die Ver­fas­ser droh­ten sinn­ge­mäß: Wir haben Wal­ter Lüb­cke getö­tet. Bald bist Du dran!..
    • „Wenn er so wei­ter­macht…“ – Beuth nach Droh­fax von „NSU 2.0“ unter Druck“ von Pitt v. Beben­burg am 17. Sep­tem­ber 2019 in der FR online externer Link zu den Pro­ble­men, die sich ein Innen­mi­nis­ter beschert: „… Innen­mi­nis­ter Peter Beuth (CDU) gerät wegen sei­ner Infor­ma­ti­ons­po­li­tik im Fall der Droh­fa­xe gegen die Frank­fur­ter Rechts­an­wäl­tin Seda Basay-Yil­diz wei­ter unter Druck. „Wenn er so wei­ter­macht, läuft er in einen Unter­su­chungs­aus­schuss“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­chefin Nan­cy Fae­ser der Frank­fur­ter Rund­schau am Mon­tag. Beuth habe das Par­la­ment und die innen­po­li­ti­schen Spre­cher der Frak­tio­nen nicht über eine wich­ti­ge neue Ent­wick­lung in dem Fall infor­miert, beklag­te die Sozi­al­de­mo­kra­tin. Zuvor war bekannt­ge­wor­den, dass Basay-Yil­diz wei­te­re Dro­hun­gen erhal­ten haben soll – dar­un­ter eine, die einen Bezug zum Mord an Regie­rungs­prä­si­dent Wal­ter Lüb­cke (CDU) her­ge­stellt haben soll. (…) Der Lin­ken-Innen­po­li­ti­ker Her­mann Schaus äußer­te die Sor­ge, es müs­se „von einem nach wie vor akti­ven, rechts­ter­ro­ris­ti­schen Netz­werk aus­ge­gan­gen wer­den, das sich in Kon­ti­nui­tät zum NSU“ sehe. Dies wäre nach Ein­schät­zung des Lin­ken-Abge­ord­ne­ten der Fall, „soll­ten die Droh­brief­schrei­ber gewusst haben, dass der Mord an dem Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten eine NSU-Nach­fol­ge­tat gewe­sen“ sei...“
  • Deut­sche Behör­den glau­ben an das Gute im Men­schen – er muss nur rechts genug sein. Bei­spiels­wei­se ver­däch­tig im Mord­fall Lüb­cke 
    „… Wie die Bun­des­re­gie­rung auf eine Anfra­ge der Links­frak­ti­on mit­teilt, wur­den bei den bis­her ermit­tel­ten Ver­däch­ti­gen ins­ge­samt 46 Schuss­waf­fen gefun­den. Außer­dem sei­en Chi­nab­öl­ler, Sport­bö­gen und Mes­ser sicher­ge­stellt wor­den, heißt es in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung die »nd« am Mitt­woch vor­lag. (…) Die LIN­KE-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­ti­na Ren­ner, die die Anfra­ge initi­iert hat­te, erklär­te am Mitt­woch gegen­über »nd«, die Tat­sa­che, dass die Raz­zi­en in fünf Bun­des­län­dern statt­ge­fun­den haben, deu­te dar­auf hin, dass die Fest­ge­nom­me­nen im Rah­men eines Netz­werks agie­ren. »Erfah­rungs­ge­mäß gibt es kei­ne rech­ten Ein­zel­tä­ter«, sag­te Ren­ner. »Umfang und Akti­ons­ra­di­us des Netz­wer­kes des mut­maß­li­chen Täters Ste­phan E.« müss­ten auf­ge­klärt wer­den, for­der­te die Poli­ti­ke­rin. Der 45-Jäh­ri­ge hat­te die Tat zunächst gestan­den, sein Geständ­nis spä­ter aber wider­ru­fen. Unter­des­sen berich­te­te der Recher­che­ver­bund von »Süd­deut­scher Zei­tung«, WDR und NDR am Mitt­woch, einer der als Hel­fer Beschul­dig­ten, Mar­kus H., habe ganz legal Waf­fen beses­sen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel habe 2015 ent­schie­den, dass er eine Waf­fen­be­sitz­kar­te mit Muni­ti­ons­be­rech­ti­gung haben darf, obwohl er als Neo­na­zi bekannt war. H. habe in dem Schüt­zen­ver­ein, in dem auch Ste­phan E. Mit­glied war, mit eige­nen schar­fen Waf­fen geschos­sen, bestä­tig­te der Vor­sit­zen­de des Clubs…“ – aus dem Arti­kel „Ver­däch­ti­ge sind Waf­fen­samm­ler“ von Jana Frie­ling­haus am 21. August 2019 in neu­es deutsch­land online externer Link über die inzwi­schen gefun­de­nen (min­des­tens) 45 Waf­fen (wofür es frü­her den Begriff „Arse­nal“ gab). Sie­he dazu auch noch einen wei­te­ren Bei­trag mit Aus­zü­gen zur Rol­le des Ver­fas­sungs­schut­zes bei der Waf­fen­be­schaf­fung:
    • „»Unbe­denk­li­cher« Neo­na­zi“ von Marc Beben­roth am 22. August 2019 in der jun­gen welt externer Link zur Betei­li­gung einer auf­zu­lö­sen­den Ver­ei­ni­gung an der „Waf­fen­über­ga­be“: „… Der zwei­te Ver­such, an eine Waf­fen­be­sit­z­erlaub­nis zu kom­men, glück­te H. im Jahr 2015. Gegen die erneu­te Wei­ge­rung der Stadt Kas­sel klag­te er erfolg­reich beim Ver­wal­tungs­ge­richt. Die Rich­te­rin begrün­de­te dem ARD-Bericht zufol­ge die Ent­schei­dung damit, dass die vom hes­si­schen Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz vor­ge­leg­ten Infor­ma­tio­nen zu des­sen »rechts­ex­tre­men Umtrie­ben« älter gewe­sen sei­en als fünf Jah­re. Eine »Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung« für den Besitz von Spreng­stoff soll die Stadt­ver­wal­tung H. bereits 2011 aus­ge­stellt haben. Zuvor war am Mitt­woch bekannt­ge­wor­den, dass im Rah­men der Mord­er­mitt­lun­gen bei Durch­su­chun­gen wesent­lich mehr Waf­fen gefun­den wur­den, als bis­her bekannt war. Die Ermitt­ler beschlag­nahm­ten ins­ge­samt 46 Schuss­waf­fen…“
  • Die Unter­su­chun­gen im Kas­se­ler Nazi­mord wei­ten sich immer mehr aus – die NSU Akten blei­ben trotz­dem wei­ter „Geheim!“ 
    „… Den Mord an Lüb­cke habe er schließ­lich wort­los durch­ge­führt – und bereue die­sen heu­te. Nie­mand müs­se für sei­ne Wor­te ster­ben, soll Ernst den Ermitt­lern gesagt haben. Inzwi­schen zog er sein Geständ­nis zurück. Zuvor aber hat­te er noch Mar­kus H. belas­tet: Die­ser sei es gewe­sen, der ihn zurück in die rech­te Sze­ne gelotst habe. Min­des­tens bis 2009 hat­te Ernst dort selbst aktiv mit­ge­wirkt, auch schwe­re Gewalt­ta­ten ver­übt. Dann habe er sich gelöst, habe sich auf sei­ne Fami­lie und sei­nen Job fokus­sie­ren wol­len, soll Ernst im Geständ­nis gesagt haben. Bis er wie­der auf sei­nen alten Bekann­ten Mar­kus H. traf. Auch Mar­kus H. hat eine lan­ge Sze­never­gan­gen­heit. Fotos zei­gen einen bul­li­gen Mann mit kurz­ge­scho­re­nen Haa­ren. Schon in den neun­zi­ger Jah­ren soll er sich in Krei­sen der rechts­ex­tre­men Klein­par­tei FAP bewegt haben. Spä­ter war er Teil der Kas­se­ler Kame­rad­schafts­sze­ne – und traf dort auf offen­bar auf Ste­phan Ernst. Bei­de betei­lig­ten sich nach taz-Infor­ma­tio­nen noch 2009 an einem Angriff von Rechts­ex­tre­men auf eine DGB-Kund­ge­bung in Dort­mund. Vor gut fünf Jah­ren will Ernst dann zufäl­lig wie­der Mar­kus H. getrof­fen haben: bei sei­nem Kas­se­ler Arbeit­ge­ber, einem Her­stel­ler von Mobi­li­täts­tech­nik. Der bestä­tig­te am Mon­tag, dass H. dort vor Jah­ren für kur­ze Zeit als Leih­ar­bei­ter beschäf­tigt war. Laut Ernst nahm Mar­kus H. ihn 2015 auch mit zu der Bür­ger­ver­samm­lung von Lüb­cke. Ob die Aus­sa­ge so stimmt, ist unklar. Denn Ernst und H. waren auch gemein­sam Mit­glie­der eines Kas­se­ler Schüt­zen­ver­eins – und zwar seit gut zehn Jah­ren, wie deren Vor­sit­zen­der Rei­ner Wei­de­mann am Mon­tag der taz sag­te. Den­noch ver­lo­ren sich die bei­den aus den Augen?…“ – aus dem Bei­trag „Ste­phan Ernsts rechts­ex­tre­mer Hel­fer“ von Kon­rad Litsch­ko am 08. Juli 2019 in der taz online externer Link über einen wei­te­ren Bau­stein des all­mäh­lich zuta­ge tre­ten­den Net­zes rund auch um die­sen Mord… Sie­he dazu auch einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag, in dem auch die wei­ter­hin gesperr­ten NSU-Akten The­ma sind:
    • „Psy­cho-Framing im Fall Lüb­cke“ von Clau­dia Wan­ge­rin am 09. Juli 2019 in der jun­gen Welt externer Link, wor­in unter­stri­chen wird: „… Der hes­si­sche Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Her­mann Schaus (Die Lin­ke) warn­te der­weil davor, Ste­phan Ernst als psy­chisch labi­len Ein­zel­tä­ter abzu­tun. »Das machen sie gern«, sag­te Schaus, der Ernsts Namen aus dem Unter­su­chungs­aus­schuss zum »Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grund« (NSU) kennt, am Mon­tag im Gespräch mit jun­ge Welt. Sei­ne Frak­ti­on for­dert nach wie vor die Frei­ga­be der hes­si­schen Ver­fas­sungs­schutz­ak­ten mit NSU-Bezug, die nun auf­grund des öffent­li­chen Drucks »nur« noch bis 2044 gesperrt sind. Im Jahr 2014 waren die Akten zunächst für 120 Jah­re gesperrt wor­den. Im Koali­ti­ons­ver­trag der 2018 bestä­tig­ten »schwarz-grü­nen« Lan­des­re­gie­rung war aber eine Über­prü­fung der Ein­stu­fungs­pra­xis ver­ein­bart wor­den. Zwei wei­te­re Fest­nah­men infol­ge des Geständ­nis­ses von Ernst waren nicht mit einem Ver­dacht auf Mit­tä­ter­schaft bei dem Mord begrün­det wor­den, son­dern mit mut­maß­li­chen ille­ga­len Waf­fen­ge­schäf­ten…“
  • Geständ­nis hin, Geständ­nis her: Die Schluss­fol­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung aus dem Mord heißt immer auf­rüs­ten 
    „… Ernst habe sei­ne Aus­sa­gen kom­plett zurück­ge­zo­gen, bestä­tig­te des­sen neu­er Anwalt Frank Han­nig der taz. Zu den Grün­den, war­um dies geschah, woll­te er sich nicht äußern. Han­nig wur­de nach eige­ner Aus­kunft erst am Diens­tag als neu­er Ver­tei­di­ger von Ernst bei­geord­net. Zuvor wur­de die­ser durch den hes­si­schen Anwalt und NPD-Poli­ti­ker Dirk Wald­schmidt ver­tre­ten. (…) Am jet­zi­gen Diens­tag wur­de der 45-Jäh­ri­ge nach Karls­ru­he zum Bun­des­ge­richts­hof geflo­gen, um sei­nen Haft­be­fehl zu erneu­ern. Der bis­he­ri­ge lief noch über das Amts­ge­richt Kas­sel. Bei der Anhö­rung wider­rief Ernst sein Geständ­nis. Der Bun­des­ge­richts­hof ließ sich davon nicht beein­dru­cken: Er ver­häng­te danach den­noch einen neu­en Haft­be­fehl gegen Ernst – wegen eines wei­ter bestehen­den „drin­gen­den Tat­ver­dachts des Mor­des“…“ – aus dem Bericht „Ver­däch­ti­ger wider­ruft Geständ­nis“ von Kon­rad Litsch­ko am 02. Juli 2019 bei der taz online externer Link zur ver­än­der­ten Tak­tik des Mord­waf­fen­be­sit­zers. Sie­he dazu auch einen Bei­trag zur kei­nes­wegs wider­ru­fe­nen Kon­se­quenz der Bun­des­re­gie­rung:
    • „Frei­brief nach dem Schuss“ von Micha­el März am 03. Juli 2019 in der jun­gen Welt externer Link zur Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung unter ande­rem: „… Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­hofer (CSU) nutzt den Mord am Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke, um sein seit län­ge­rer Zeit erklär­tes Pro­jekt, dem Ver­fas­sungs­schutz mehr Befug­nis­se und Per­so­nal zu über­ant­wor­ten, vor­an­zu­trei­ben. Bereits im Mai, vor dem Tod Lüb­ckes in der Nacht zum 2. Juni, waren Details aus dem Ent­wurf für ein »Gesetz zur Har­mo­ni­sie­rung des Ver­fas­sungs­schutz­rechts« öffent­lich gewor­den. Die­ser sah unter ande­rem die digi­ta­le Über­wa­chung von Kin­dern, aber auch Jour­na­lis­ten, die zu den Berufs­ge­heim­nis­trä­gern gehö­ren, ohne Rich­ter­be­schluss vor. Die Plä­ne stie­ßen unter ande­rem im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um auf Wider­stand und sol­len nun über­ar­bei­tet wer­den. Sei­nen Vor­stoß unter­mau­er­te See­hofer am Diens­tag mit dem erst­ma­li­gen Besuch des »Gemein­sa­men Extre­mis­mus- und Ter­ro­ris­mus­ab­wehr­zen­trums« (GETZ) im Köl­ner Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz. Das GETZ ging aus dem »Gemein­sa­men Abwehr­zen­trum Rechts­ex­tre­mis­mus« (GAR) her­vor, dass nach dem Auf­flie­gen des »NSU« gegrün­det wur­de. Sein Tätig­keits­feld wur­de 2012 unter ande­rem auf »Links­ex­tre­mis­mus« erwei­tert. Erwar­tungs­ge­mäß for­der­te See­hofer am Diens­tag mehr Per­so­nal und Befug­nis­se für den Inlands­ge­heim­dienst, ins­be­son­de­re im Inter­net, und ver­gaß auch nicht, den Anlass sei­ner Visi­te zu beto­nen: »Wir sind nicht auf dem rech­ten Auge blind«, sag­te er laut AFP…“
  • Ein Geständ­nis als Ver­tei­di­gungs­li­nie für ein Nazi-Netz­werk. In Kas­sel. Und in Dort­mund. Und wo noch? 
    „… Ste­phan E., 45 Jah­re alt, zwei­fa­cher Fami­li­en­va­ter, schwieg eisern. Alle Ver­su­che der Ermitt­ler, ihn zu ver­neh­men, blie­ben zunächst erfolg­los. Er gab nichts zu, er stritt nichts ab. Nur Schwei­gen. Bis zum Diens­tag die­ser Woche. Da erklär­te Ste­phan E., der in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt in Kas­sel inhaf­tiert ist, ganz plötz­lich, er wol­le mit der Poli­zei reden. Was dann in einer acht Stun­den wäh­ren­den Ver­neh­mung folg­te, war ein Geständ­nis: Ste­phan E. gab zu, den Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni erschos­sen zu haben – auf des­sen Ter­ras­se in dem klei­nen Ort Wolf­ha­gen-Istha. Der CDU-Poli­ti­ker saß in sei­nem Gar­ten­stuhl und rauch­te eine Ziga­ret­te, als ihn die Kugel in den Kopf traf. Kurz ober­halb des rech­ten Ohrs. (…) Fast vier Jah­re soll­ten aller­dings noch bis zu der Tat ver­ge­hen, und war­um dies so ist, wann Ste­phan E. genau den Tat­plan fass­te, ob er ihn mit ande­ren besprach und sogar aus­führ­te, gehört zu den noch offe­nen Fra­gen des Ver­fah­rens. Ste­phan E. sag­te aus, bereits seit lan­ger Zeit über eine Tat gegen Lüb­cke nach­ge­dacht und sich damit beschäf­tigt zu haben. Es sei kein spon­ta­ner Beschluss gewe­sen. Für ihn habe die Bür­ger­ver­samm­lung eine gro­ße Rol­le gespielt. Dort habe Lüb­cke nicht etwa erklärt, als Regie­rungs­prä­si­dent müs­se er Flücht­lin­ge auf­neh­men und ver­sor­gen. Er habe das aus­drück­lich gut­ge­hei­ßen…“ – aus dem Bei­trag „Ein vor­be­straf­ter Gewalt­tä­ter und vie­le Fra­gen“ von Flo­ri­an Fla­de, Georg Mas­co­lo und Ronen Stein­ke am 26. Juni 2019 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link über das über­ra­schen­de Geständ­nis des brau­nen Mör­ders. Sie­he dazu und zu ver­schie­de­nen Netz­wer­ken vier wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge:
    • „Hin­wei­se auf NSU-nahes Ter­ror­netz­werk in Kas­sel“ von Mar­kus Decker, Jan Stern­berg und Jörg Köp­ke am 27. Juni 2019 in der FR online externer Link zu den bereits jetzt wei­te­ren Fest­ge­nom­me­nen und den ein­ge­üb­ten – und wohl nicht wirk­lich unbe­ob­ach­te­ten – Struk­tu­ren: „… Je mehr über den Mör­der von Wal­ter Lüb­cke und sein Umfeld bekannt wird, des­to schlim­mer wird der Alp­traum. Die neu­es­ten Erkennt­nis­se legen nahe, dass sich der Täter Ste­phan E. in einem Unter­stüt­zer­um­feld bewegt hat, das in Kas­sel seit der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grunds (NSU) besteht. Er hat bei der Pla­nung sei­nes Mor­des von Neo­na­zi­struk­tu­ren pro­fi­tiert, die auch nach dem Ende der rechts­ter­ro­ris­ti­schen Mord­se­rie wei­ter bestan­den. So hat Ste­phan E. sich Waf­fen beschafft, ver­steckt und teil­wei­se mit ihnen gehan­delt. E. gestand den Ermitt­lern, dass er neben der Tat­waf­fe auch zahl­rei­che ande­re Schuss­waf­fen besit­ze – dar­un­ter eine Pump­gun und eine Maschi­nen­pis­to­le vom israe­li­schen Typ Uzi. E. offen­bar­te auch die Ver­ste­cke – er hat­te die Waf­fen auf dem Gelän­de sei­nes Arbeit­ge­bers ver­gra­ben. Die Tat­waf­fe vom Kali­ber 9 Mil­li­me­ter war nicht dar­un­ter. Bereits 2014 soll er ange­fan­gen haben, sich Waf­fen zu beschaf­fen, die Tat­waf­fe kauf­te er 2016, drei Jah­re, bevor er den töd­li­chen Schuss auf Wal­ter Lüb­cke abfeu­er­te. Zwei Män­ner wur­den wegen des Ver­dachts der Bei­hil­fe zum Mord fest­ge­nom­men, der Ver­mitt­ler und der Ver­käu­fer der Tat­waf­fe. Der 64-jäh­ri­ge Elmar J. aus dem Land­kreis Höx­ter hat die Pis­to­le ver­kauft – über ihn weiß man nicht viel. Er gilt als Ein­zel­gän­ger, lebt im Anbau einer lee­ren Gast­stät­te mit­ten im Ört­chen Nat­zun­gen im Land­kreis Höx­ter, 50 Kilo­me­ter von Kas­sel ent­fernt. Über den Ver­mitt­ler weiß man mehr. So viel, dass sich hin­ter dem Mord an Wal­ter Lüb­cke ein Abgrund auf­tut – und in die­sem Abgrund sind die ver­dräng­ten Struk­tu­ren des NSU zu sehen. Der 43-jäh­ri­ge Mar­kus H. soll den Kon­takt zwi­schen dem kauf­wil­li­gen E. und dem Ver­käu­fer im Gast­stät­ten­an­bau her­ge­stellt haben. Her­mann Schaus kennt den Namen Mar­kus H. nur all­zu gut. In den Akten des NSU-Unter­su­chungs­aus­schus­ses des hes­si­schen Land­tags hat der Lin­ken-Obmann ihn immer gele­sen. Nach­dem der NSU am 6. April 2006 in Kas­sel Halit Yozgat in sei­nem Inter­net­ca­fé erschos­sen hat­te, wur­de auch H. vom BKA befragt. Er soll das Mord­op­fer gekannt haben. Nach sei­nem rechts­ex­tre­men Hin­ter­grund frag­ten die Ermitt­ler damals nicht…“
    • „Fall Lüb­cke: Mut­maß­li­cher Mör­der mit Ver­bin­dun­gen in Dort­munds Nazi­sze­ne“ bereits am 17. Juni 2019 bei der Auto­no­men Anti­fa 170 externer Link über ein Netz­werk nicht nur in Kas­sel, son­dern auch in Dort­mund: „… Wie die Tages­schau und ande­re Medi­en berich­ten, soll der Neo­na­zi Ste­phan E. den Mord am Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke began­gen haben. Der Täter ist kein Unbe­kann­ter: Bereits vor 10 Jah­ren wur­de er beim Über­fall meh­re­rer hun­dert Nazis auf die Demo des Dort­mun­der DGB zum 1. Mai fest­ge­nom­men. 400 Neo­na­zis zogen damals – orga­ni­siert vom „Natio­na­len Wider­stand Dort­mund“ (NWDO) – ohne Anmel­dung durch die Dort­mun­der Innen­stadt und grif­fen Teil­neh­men­de der DGB-Demo an. Der NWDO wur­de schließ­lich im August 2012 ver­bo­ten, nach­dem sei­ne Mit­glie­der in den Fol­ge­jah­ren zahl­rei­che wei­te­re schwe­re Gewalt­ta­ten began­gen hat­ten. Ver­schwun­den sind die Neo­na­zis in Dort­mund des­we­gen jedoch nicht. Unter neu­em Namen machen die­sel­ben Kader in der Par­tei „Die Rech­te“ bis heu­te regel­mä­ßig wegen Über­grif­fen auf Men­schen, die nicht in ihre Ideo­lo­gie pas­sen, Schlag­zei­len. Wesent­lich bri­san­ter sind die Ver­bin­dun­gen zur rech­ten Ter­ror­grup­pe „Com­bat 18“, über die E. ver­fü­gen soll. Com­bat 18 (auch: C18) ver­steht sich als bewaff­ne­ter Arm der ver­bo­te­nen Rechts­rock-Ver­ei­ni­gung „Blood and Honour“ und ver­folgt die Stra­te­gie des „füh­rer­lo­sen Wider­stands“. Sie pro­pa­gie­ren Mord­an­schlä­ge auf poli­ti­sche Gegner*innen – der Mord an Wal­ter Lüb­cke wür­de durch­aus in die­ses Kon­zept pas­sen. Dort­mund hat sich in den letz­ten Jah­ren zu einem Hot­spot im Netz­werk der Rechtsterrorist*innen ent­wi­ckelt. Meh­re­re Mit­glie­der von C18 woh­nen in Dort­mund und sind hier poli­tisch aktiv. Robin Schmie­mann, der län­ger inhaf­tiert war, weil er bei einem Über­fall auf einen Super­markt auf einen Kun­den schoss und ihn schwer ver­letz­te, lebt in Dort­mund. Schmie­mann war Teil einer C18-Zel­le, die Mit­te der 2000er Jah­re in Dort­mund aktiv war, und bekennt sich bis heu­te mit T‑Shirts und Tat­toos zu der Grup­pie­rung. Er nimmt regel­mä­ßig an den Demons­tra­tio­nen der Par­tei „Die Rech­te“ teil – die Leu­te, mit denen zusam­men E. die Dort­mun­der DGB-Demo angriff. Beim letz­ten Dort­mun­der Auf­marsch am 25. Mai hat­te er die zwei­fel­haf­te „Ehre“, vor Beginn des Mar­sches eine EU-Fah­ne auf der Stra­ße aus­zu­brei­ten, über die die Teilnehmer*innen dann hin­über­lie­fen. Schmie­mann wur­de über­re­gio­nal als Brief­freund des NSU-Mit­glieds Bea­te Zschäpe bekannt…
    • „Inter­na­tio­nal akti­ves brau­nes Netz­werk“ von Horst Frei­re am 27. Juni 2019 beim Blick nach Rechts externer Link zu den­sel­ben Netz­wer­ken nicht nur in Kas­sel oder Dort­mund, son­dern auch in Kana­da: „… Vor dem Ver­bot der deut­schen B&H‑Sektion im Jahr 2000 knüpf­te und pfleg­te der Sän­ger, Gitar­rist und Dudel­sack­spie­ler David Allen Suret­te mit dem Sze­ne-Namen „Grif­fin“ Kon­tak­te zu inter­na­tio­na­len B&H‑Gefolgsleuten, spe­zi­ell auch in Deutsch­land. Seit­her gilt der frü­he­re Kopf der kana­di­schen Band „Stone­ham­mer“ (Toron­to) als bes­tens ver­netzt in der Rechts­rock-Sze­ne. Seit etli­chen Jah­ren hat er sich in Ber­lin und Bran­den­burg nie­der­ge­las­sen, ver­dingt sich zum Teil als Täto­wie­rer. Erst vor weni­gen Tagen trat er als Ope­ner beim „Schild- und Schwert-Fes­ti­val“ von Thors­ten Hei­se im säch­si­schen Ost­ritz auf, konn­te die spär­li­che Besu­cher­zahl vor der Büh­ne Beob­ach­tun­gen zufol­ge aber nicht von den Sit­zen rei­ßen. Als der­zeit wohl umtrie­bigs­te Rechts­rock-Band aus Kana­da ist „Legi­ti­me Vio­lence“ aus Que­bec anzu­se­hen. Bei einer Euro­pa-Tour­nee 2015 durch Frank­reich, Spa­ni­en, Ita­li­en und Groß­bri­tan­ni­en kam die 2008 gegrün­de­te Com­bo in Kon­takt mit rechts­ex­tre­men deut­schen Bands und B&H‑Aktivisten, auch wenn offi­zi­ell ande­re Ver­an­stal­ter wie zum Bei­spiel „Casa­Pound“ aus Ita­li­en oder die Kampf­sport­mar­ke „Pri­de“ aus Frank­reich als Ver­an­stal­ter agier­ten…“
    • „Todes­lis­ten“, Lei­chen­sä­cke, Ätz­kalk: Nazi-Grup­pe berei­te­te wei­te­re Angrif­fe vor“ von Jörg Köp­ke (RND) am 28. Juni 2019 in den Kie­ler Nach­rich­ten online externer Link über die Plä­ne die­ser – und ande­rer – Netz­wer­ke unter ande­rem: „… Nach RND-Infor­ma­tio­nen stammt die drei­sei­ti­ge, hand­ge­schrie­be­ne Auf­stel­lung von Mit­glie­dern der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ver­ei­ni­gung „Nord­kreuz“. Die Bun­des­an­walt­schaft ermit­telt seit August 2017 gegen Mit­glie­der die­ses Netz­wer­kes wegen des Ver­dachts der Vor­be­rei­tung einer ter­ro­ris­ti­schen Straf­tat. „Nord­kreuz“ gehö­ren mehr als 30 soge­nann­te Prep­per an, die über den Mes­sen­ger-Dienst Tele­gram mit­ein­an­der ver­bun­den sind und sich auf den „Tag X“ vor­be­rei­ten – den Zusam­men­bruch der staat­li­chen Ord­nung durch eine Flücht­lings­wel­le oder isla­mis­ti­sche Anschlä­ge und die anschlie­ßen­de Liqui­die­rung poli­ti­scher Geg­ner. Die meis­ten Per­so­nen der Chat-Grup­pe stam­men aus dem Umfeld von Bun­des­wehr und Poli­zei, dar­un­ter sind meh­re­re ehe­ma­li­ge sowie ein akti­ves Mit­glied des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos (SEK) des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes (LKA) Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Alle Mit­glie­der von „Nord­kreuz“ haben Zugang zu Waf­fen, ver­fü­gen über Zehn­tau­sen­de Schuss Muni­ti­on und sind geüb­te Schüt­zen. Gegen drei der Män­ner ermit­telt par­al­lel die Staats­an­walt­schaft Schwe­rin. Ihnen wird vor­ge­wor­fen, seit April 2012 ille­gal rund 10.000 Schuss Muni­ti­on sowie eine Maschi­nen­pis­to­le aus Bestän­den des LKA abge­zweigt zu haben. Die Beschul­dig­ten bestrei­ten, „Todes­lis­ten“ ange­legt und Ermor­dun­gen geplant zu haben. In Sicher­heits­krei­sen heißt es dage­gen, die Vor­be­rei­tun­gen auf den „Tag X“ sei­en mit „enor­mer Inten­si­tät“ betrie­ben wor­den. Die „Prep­per“ hät­ten unter Zuhil­fe­nah­me von Dienst­com­pu­tern der Poli­zei knapp 25.000 Namen und Adres­sen zusam­men­ge­tra­gen. Dabei han­de­le es sich in den aller­meis­ten Fäl­len um Per­so­nen aus dem regio­na­len Umfeld der „Prep­per“, bevor­zugt Lokal­po­li­ti­ker von SPD, Grü­nen, Lin­ken und CDU, die sich als „Flücht­lings­freun­de“ zu erken­nen gege­ben und Flücht­lings­ar­beit geleis­tet hät­ten…“
  • Auf ewig unvoll­endet: Die Abgren­zung der CDU – nach Rechts 
    „… Denn in Ord­nung war hier auch vor der AfD, vor Pegi­da, vor den gan­zen Bernds und Björns gar nichts. Damals, als noch steif und fest behaup­tet wur­de, die­ses Land habe kein hand­fes­tes Pro­blem mit rech­tem Gedan­ken­gut. Der Unter­schied zu damals ist: Die Rech­ten sind heu­te klar sicht­bar – und das stört. Die brei­te libe­ra­le (meist wei­ße) Öffent­lich­keit wäre wohl schon zufrie­den, wür­de die AfD ein­fach wie­der unsicht­bar. Ver­ständ­lich. Aber was ist mit jenen Bürger_​innen, die sich auch dann täg­lich mit struk­tu­rel­lem Ras­sis­mus, mit Rechts­ex­tre­men, mit Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von Haut­far­be, ver­meint­li­cher Her­kunft oder Reli­gi­on her­um­schla­gen müs­sen? Selbst wenn es kei­ne Par­tei mehr geben soll­te, die rechts von der Uni­on steht, wird es immer noch Wähler_​innen geben, die rechts von der Uni­on ste­hen. Wenn die Uni­on sich wirk­lich gegen Rechts­ex­tre­mis­mus abgren­zen will, dann muss sie es nicht nur da tun, wo es endet – bei einem Mord an einem Poli­ti­ker aus den eige­nen Rei­hen –, son­dern auch da, wo es anfängt: bei der Vor­stel­lung, dass es Men­schen gibt, die mehr wert sind als ande­re. Und die­se Vor­stel­lung fin­det sich eben nicht nur in der AfD. Son­dern auch in der CDU…“ – aus dem Kom­men­tar „Die CDU ist Teil des Pro­blems“ von Saskia Hödl am 24. Juni 2019 in der taz online externer Link zur sehr spä­ten Abgren­zung der CDU-Vor­sit­zen­den nach dem Lüb­cke-Mord. Sie­he dazu auch wei­te­ren Bei­trag
    • „Eine Par­tei­che­fin in der Klem­me“ von Danie­la Vates am 25. Juni 2019 in der FR online externer Link zur Abgren­zungs­übung – und auch Afd­ler zitie­rend, die über die rea­le Zusam­men­ar­beit vor Ort spre­chen: „… Der CDU-Poli­ti­ker Wer­ner Lüb­cke ist auf der Ter­ras­se sei­nes Wohn­hau­ses erschos­sen wor­den, unter Ver­dacht steht ein Rechts­ex­tre­mer. Der CDU-Vor­stand legt eine Gedenk­mi­nu­te ein. Dann wird über poli­ti­sche Kon­se­quen­zen dis­ku­tiert. Das Wort Pen­zlin fällt nicht, aber es geht um die Zusam­men­ar­beit mit der AfD. Dazu hat die Par­tei eigent­lich eine kla­re Beschluss­la­ge. Die CDU lehnt Koali­tio­nen „oder ähn­li­che For­men der Zusam­men­ar­beit“ mit der AfD ab, hat der Bun­des­par­tei­tag im Dezem­ber beschlos­sen. Aber am Mon­tag scheint es ange­ra­ten, das noch mal schrift­lich zu bekräf­ti­gen. Kramp-Kar­ren­bau­er hat schon reagiert in der ver­gan­ge­nen Woche, mit etwas Ver­zö­ge­rung, aber dann deut­lich. Die AfD tra­ge dazu bei, dass Hemm­schwel­len so sin­ken, „dass sie augen­schein­lich in pure Gewalt umschla­gen“, hat sie gesagt. Es kön­ne also „kei­ne Form der Zusam­men­ar­beit mit der AfD geben“. Es schei­nen nicht alle zu hören. In Sach­sen-Anhalt, wo in zwei Jah­ren gewählt wird, schrei­ben zwei Vize-Frak­ti­ons­chefs der Land­tags­frak­ti­on ein Papier, in dem sie for­dern, „das Sozia­le mit dem Natio­na­len zu ver­söh­nen“. Eine Koope­ra­ti­on mit der AfD müs­se mög­lich sein, fin­den sie. Das ist eine Umdre­hung mehr als in Sach­sen, wo Minis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­schmer, der eine Zusam­men­ar­beit mit der AfD aus­ge­schlos­sen hat, sich von einem Poli­tik-Pro­fes­sor bera­ten lässt, der für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reit­schaft plä­diert. Wie viel Kraft also hat Kramp-Kar­ren­bau­er, wie ent­schlos­sen ist Kret­schmer?…“
  • Demons­tra­ti­on in Kas­sel – und die Fra­ge nach der lau­ten stil­le in den Rei­hen der CDU 
    „… Der Pro­test war kurz­fris­tig orga­ni­siert, da fin­de ich 2.500 Men­schen in Kas­sel ein gutes Zei­chen. Aber im Grun­de hät­ten es noch viel Men­schen sein müs­sen, die auf die Stra­ße gehen, und zwar über­all in die­sem Land. Ich fin­de es viel zu still gera­de. [Was heißt das?] Auch Kas­sel wirk­te anfangs wie gelähmt. Ich kann das auf der einen Sei­te ver­ste­hen, auf der ande­ren aber nicht. Gera­de die CDU ver­ste­he ich nicht. Vie­le der Christ­de­mo­kra­ten haben geschwie­gen, als Herr Lüb­cke sich in den letz­ten Jah­ren für Geflüch­te­te ein­setz­te und dafür von Rech­ten ange­fein­det wur­de. Nun wur­de Lüb­cke – einer von ihnen – erschos­sen, und sie schwei­gen wie­der. (…) Es braucht jetzt ein har­tes Vor­ge­hen der Behör­den gegen rechts­ex­tre­me Struk­tu­ren. Hier wur­de ja genau ver­sagt nach dem NSU-Ter­ror. Trotz vie­ler Ver­su­che der Anwäl­te von Halits Fami­lie und den ande­ren Betrof­fe­nen wur­den die Unter­stüt­zer des Tri­os bis heu­te nicht auf­klärt, obwohl klar ist, dass sich das Trio in einem Netz­werk von rund 40 V‑Leuten und Nazis beweg­te. Nach dem NSU-Urteil konn­ten Ange­klag­te, beken­nen­de Nazis, frei aus dem Gericht spa­zie­ren. Und hes­si­sche Ver­fas­sungs­schutz­ak­ten wur­den für 120 Jah­re weg­ge­schlos­sen. Dar­über haben sie in der Nazi-Sze­ne doch gelacht! Auch der Tat­ver­däch­ti­ge im Fall Lüb­cke, Ste­fan E., ist kein Ein­zel­tä­ter, da bin ich über­zeugt. Des­halb müs­sen nun die rech­ten Struk­tu­ren wirk­lich auf­ge­klärt wer­den, auch noch­mal der Mord an Halit. Und die gesperr­ten Akten müs­sen offen­ge­legt wer­den…“ das sind Ant­wor­ten von Ayse Gülenc auf die Fra­gen von Kon­rad Litsch­ko in dem Gespräch „„Dar­über lachen die doch““ am 23. Juni 2019 in der taz online externer Link über die bis­he­ri­gen Reak­tio­nen auf den Mord in Kas­sel
  • Ob mit oder ohne die geschred­der­ten oder gesperr­ten Akten des Ver­fas­sungs­schut­zes: Jeder wuss­te, dass der Ver­däch­ti­ge im Mord­fall Lüb­cke akti­ver Nazi war 
    Die Kas­se­ler Knei­pe “Stadt Stock­holm” war jah­re­lang Treff­punkt der Neo­na­zi-Sze­ne. Auch Ste­phen E., der mut­maß­li­che Mör­der von Wal­ter Lüb­cke, ver­kehr­te hier – zum Ärger der Gast­wir­te. Das 17 Jah­re alte Foto ihrer Gast­stät­te, das gera­de deutsch­land­weit die Run­de macht, wür­de Clau­dia Hauck am liebs­ten löschen las­sen. Es zeigt ein Dut­zend Rechts­ex­tre­mer vor der Knei­pe „Stadt Stock­holm“ am Enten­an­ger in der Kas­se­ler Innen­stadt. Gut zu erken­nen auf dem Foto ist Ste­phan E., der am Sams­tag fest­ge­nom­men wur­de, weil er den Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke ermor­det haben soll. Das Foto doku­men­tiert, wie sich Neo­na­zis am 30. August 2002 für eine Aus­ein­an­der­set­zung mit lin­ken Gegen­de­mons­tran­ten wapp­nen. Anlass war eine Wahl­kampf­ver­an­stal­tung der NPD. Dabei hält Ste­phan E. einen Stuhl als Wurf­ge­schoss in der Hand. Die ande­ren Rechts­ex­tre­mis­ten haben sich mit Stö­cken und Stei­nen bewaff­net. Hauck kann sich noch gut an Ste­phan E. erin­nern, denn der Neo­na­zi war nicht nur an die­sem Tag mit sei­nen Kum­pels im „Stadt Stock­holm“ zu Gast. Die Gast­stät­te, die ihren Namen dem schwe­di­schen König ver­dankt, der hier im 18. Jahr­hun­dert über­nach­tet haben soll, galt jah­re­lang als Treff­punkt der rech­ten Sze­ne. (…) Oft mit­ten­drin: Ste­phan E., der auch in kör­per­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­wi­ckelt war. Trotz­dem war Hauck erstaunt, als sie am Mon­tag erfuhr, dass der 45-Jäh­ri­ge ver­däch­tigt wird, Wal­ter Lüb­cke erschos­sen zu haben. Über die Tat wird auch an ihrer The­ke gere­det. „Wir haben noch eini­ge Gäs­te, die den Ste­phan von frü­her ken­nen. Die sagen alle: Der war das nicht, zumin­dest nicht allein.“ Für Hauck ist Ste­phan E. nicht der Typ, der etwas orga­ni­sie­ren kann: „Aufs Gym­na­si­um hät­te der nicht gehen kön­nen. Das war immer nur ein Mit­läu­fer.“ Die Ansa­gen sei­en damals vor allem von Mike S. gekom­men, der als einer der Köp­fe der Kas­se­ler Neo­na­zi-Sze­ne gilt…“ – aus dem Bericht „In die­ser Kas­se­ler Knei­pe tra­fen sich Ste­phan E. und die Neo­na­zis“ von Flo­ri­an Hage­mann, Ulri­ke Pflü­ger-Scherb und Mat­thi­as Lohr am 20. Juni 2019 in HNA online externer Link über Stadt­ge­sprä­che in Kas­sel… Sie­he wei­te­re Aktua­li­sie­run­gen zum Fall:
    • „Die brau­nen Schlä­fer erwa­chen“ von Sascha Lobo am 19. Juni 2019 bei Spie­gel online externer Link unter­streicht: „… In der nie­der­län­di­schen Stu­die steht, es kom­me auf “das brei­te­re, radi­ka­le Milieu” an. Die im Raum ste­hen­de The­se möch­te ich erwei­tern: Nicht nur das Milieu, son­dern auch grö­ße­re gesell­schaft­li­che Stim­mun­gen kön­nen auf rechts­ex­tre­me Atten­tä­ter ermu­ti­gend wir­ken. Die Mani­fes­te des nor­we­gi­schen Mas­sen­mör­ders von 2011 und des aus­tra­li­schen Mas­sen­mör­ders von Christ­church 2019 deu­ten dar­auf hin. In bei­den Fäl­len wur­de zunächst ein gesell­schaft­li­cher Hand­lungs­druck ima­gi­niert, der sich in einen per­sön­li­chen Hand­lungs­drang ver­wan­del­te, bevor der Ent­schluss zur Tat gefasst wur­de. Bei bei­den haben sozia­le Medi­en eine ent­schei­den­de Rol­le gespielt. Der Nor­we­ger hat Pas­sa­gen aus bekann­ten, rechts­ex­tre­men Blogs in sein Mani­fest ein­ge­baut. Das ist die wahr­schein­li­che Ver­bin­dung zwi­schen der rech­ten Het­ze in sozia­len Medi­en und der Akti­vie­rung von brau­nen Schlä­fern, der Tag der Abrech­nung sei gekom­men oder müs­se mit einer auf­rüt­teln­den Tat her­bei­ge­führt wer­den: der Tag X. Der Mas­sen­mör­der von Christ­church woll­te aus­drück­lich an die­sem Tag pro­vo­zie­ren. Genau in die­ser Wei­se haben auch die kürz­lich auf­ge­deck­ten, rechts­ex­tre­men Netz­wer­ke in Bun­des­wehr und Poli­zei gear­bei­tet, die zehn­tau­send Schuss Muni­ti­on sam­mel­ten. Weil sie auf den einen Tag war­te­ten, der die Geschich­te Deutsch­lands ver­än­dern soll…“
    • „Schred­der lau­fen wie­der“ von Clau­dia Wan­ge­rin am 20. Juni 2019 in der jun­gen welt externer Link zur übli­chen Ver­wal­tungs­ar­beit beim VS unter ande­rem: „…Das hes­si­sche Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (LfV) hat schon wäh­rend der Mord­se­rie des »Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grunds« (NSU) eine obsku­re Rol­le gespielt und einen Teil sei­ner Akten dazu für 120 Jah­re sper­ren las­sen – am Mitt­woch äußer­ten Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker auch im Mord­fall Wal­ter Lüb­cke einen Ver­tu­schungs­ver­dacht gegen das Amt. Angeb­lich gibt es im LfV kei­ne Per­so­nal­ak­te mehr über den mut­maß­li­chen Mör­der des Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten – dies berich­te­te am Mitt­woch der Hes­si­sche Rund­funk. Der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Her­mann Schaus (Die Lin­ke) erin­nert sich aber, dass dem NSU-Unter­su­chungs­aus­schuss im Jahr 2015 Akten vor­la­gen, in denen sich »ein geheim ein­ge­stuf­tes Doku­ment mit rele­van­ten Infor­ma­tio­nen« zu dem heu­te drin­gend tat­ver­däch­ti­gen Neo­na­zi Ste­phan Ernst befand. Der Geheim­dienst las­se medi­al ver­brei­ten, dass Akten beim LfV fünf Jah­re nach der letz­ten akten­kun­di­gen Tätig­keit des Betrof­fe­nen aus Daten­schutz­grün­den gelöscht wer­den müss­ten, so Schaus – das sei aber im Fall Ernst nicht kor­rekt. Schaus ver­wies auf das wegen der NSU-Ermitt­lun­gen 2012 erlas­se­ne Lösch­mo­ra­to­ri­um für Akten, die die rech­te Sze­ne betref­fen – und bekannt­lich habe sich Ernst 2009 am Über­fall auf eine DGB-Kund­ge­bung in Dort­mund betei­ligt. Der heu­te 45jährige Ernst, des­sen DNA an der Klei­dung des Anfang Juni erschos­se­nen Wal­ter Lüb­cke gefun­den wur­de, war bereits 1993 wegen eines ver­such­ten Rohr­bom­ben­an­schlags auf eine Flücht­lings­un­ter­kunft ver­ur­teilt wor­den…
    • „Auf­ga­ben der Zivil­ge­sell­schaft“ von Sebas­ti­an Bähr am 20. Juni 2019 in neu­es deutsch­land online externer Link kom­men­tiert: „… Dar­aus erge­ben sich Auf­ga­ben: Die Zivil­ge­sell­schaft muss den Behör­den im Fall Lüb­cke auf die Fin­ger schau­en und die Ermitt­lun­gen kri­tisch beglei­ten. Dies bedeu­tet, eine Ver­stei­fung der Ermitt­ler auf eine Ein­zel­tä­ter-The­se zu ver­hin­dern, für die Offen­le­gung der NSU-Akten ein­zu­tre­ten, Recher­chen von Jour­na­lis­ten und Anti­fa­schis­ten zu berück­sich­ti­gen. Es bedeu­tet auch, Bedroh­te zu infor­mie­ren, zu schüt­zen und ihnen zuzu­hö­ren. Abseits der Ermitt­lun­gen ist ein gesell­schaft­li­ches Umden­ken not­wen­dig. Vie­le Bür­ger neh­men rech­ten Ter­ror nicht ernst, weil sie bis­her nicht zu sei­nen Opfern gehör­ten. Ande­re den­ken immer noch, dass es trotz rech­ter Anschlä­ge legi­tim ist, auf Rechts­au­ßen mit Dia­log- und Bünd­nis­an­ge­bo­ten zuzu­ge­hen. Gera­de aus die­ser ver­meint­li­chen Akzep­tanz zie­hen dabei mili­tan­te Neo­na­zis ihre Zuver­sicht…“
  • Die Täter von Kas­sel: Das nächs­te mör­de­ri­sche Netz­werk wur­de über­se­hen – oder geför­dert? 
    „… Auf­fal­lend ist, dass selbst dem Unter­su­chungs­aus­schuss, der jah­re­lang die gewalt­tä­ti­ge Kas­se­ler Neo­na­zi-Sze­ne durch­leuch­te­te, kei­ne Infor­ma­tio­nen über den Anschlag in Hohen­stein-Ste­cken­rodt zur Ver­fü­gung gestellt wor­den waren, der von einem Neo­na­zi began­gen wur­de, der spä­tes­tens seit Anfang der 2000er Jah­re in Kas­sel wohn­te. Die ver­gan­ge­nen Jah­re soll Ernst in Süd­deutsch­land gelebt haben. Erst vor kur­zem sei er, so heißt es, wie­der nach Kas­sel gezo­gen. Es deu­tet der­zeit eini­ges dar­auf hin, dass Ernst zum Netz­werk «Com­bat 18» min­des­tens Kon­tak­te unter­hielt. Mög­li­cher­wei­se war er dort tie­fer ein­ge­bun­den. Eine zen­tra­le Per­son des deut­schen «Com­bat 18»-Ablegers ist der ehe­ma­li­ge Kas­se­ler Stan­ley Rös­ke, mit dem Ernst spä­tes­tens seit den frü­hen 2000er Jah­ren bekannt ist. Exif hat erst im Jahr 2018 sei­ne Recher­chen über die­ses ter­ro­ris­tisch ambi­tio­nier­te neo­na­zis­ti­sche Netz­werk offen gelegt. Es ist offen­sicht­lich, dass die­ses Netz­werk von Spit­zeln ver­schie­de­ner Behör­den und Geheim­diens­te durch­setzt ist und des­we­gen seit Jah­ren von den Behör­den, allen vor­an vom Ver­fas­sungs­schutz, klein gere­det und „an der lan­gen Lei­ne“ lau­fen gelas­sen wird…“ – aus dem (lau­fend ergänz­ten) Bei­trag „Tat­ver­däch­ti­ger im Fall Lüb­cke ist bekann­ter Neo­na­zi“ am 17. Juni 2019 bei Exif-Recher­che externer Link zum nächs­ten Ein­zel­tä­ter… Sie­he dazu eine klei­ne aktu­el­le Bei­trags­samm­lung:
    • „Mord­fall Lüb­cke: Poli­zei lie­gen angeb­lich Hin­wei­se auf wei­te­re Täter vor“ von Ulrich Weih und Mela­nie Bäder am 18. Juni 2019 in der FR online externer Link mel­de­te unter ande­rem: „… Bereits im Haft­be­fehl gegen Ste­phan E., den eine Rich­te­rin des Amts­ge­richts Kas­sel am Sams­tag aus­ge­stellt hat­te, hieß es, es gebe “Hin­wei­se auf Mit­tä­ter oder Mit­wis­ser”. Bei der Durch­su­chung der Woh­nung von Ste­phan E. ent­deck­ten die Ermitt­ler dem­nach einen wei­te­ren Auto­schlüs­sel, der im CD-Fach eines Radi­os im Gäs­te-WC ver­steckt war. Die­ser gehört zu einem Fahr­zeug der Mar­ke Sko­da, das Ste­phan E. kurz vor der Tat­nacht von einem Fami­li­en­mit­glied über­nom­men haben soll. Er habe das Auto für den Ver­wand­ten ver­kau­fen sol­len. Nach Anga­ben der Ehe­frau von Ste­phan E. ist dies zwi­schen dem 2. und 4. Juni auch gesche­hen. Bis jetzt konn­te die­ses Auto nicht gefun­den wer­den…“
    • „Erwei­ter­te Tole­ranz für Rechts­ter­ro­ris­mus?“ von Tomasz Konicz am 18. Juni 2019 bei tele­po­lis externer Link zu Her­ren wie Gauck in der aktu­el­len Ent­wick­lung: „… Ganz viel, so wört­lich, “erwei­ter­te Tole­ranz” gegen­über der Neu­en deut­schen Rech­ten for­der­te jüngst auch der ehe­ma­li­ge Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck. Man kön­ne doch nicht eine gan­ze Par­tei zum “Feind erklä­ren”, klag­te das ehe­ma­li­ge Staats­ober­haupt der Bun­des­re­pu­blik mit tole­ran­tem Blick auf die AfD. Damit wür­de man nur die Anhän­ger­schaft der Neu­en Rech­ten “noch wei­ter in eine Trotz­re­ak­ti­on” trei­ben, so Gauck. Die auf­schäu­men­de rech­te Gewalt geht somit ein­her mit Bemü­hun­gen, die Neue Rech­te als eine neue Nor­ma­li­tät des deut­schen poli­ti­schen Spek­trums zu eta­blie­ren. Ins­be­son­de­re am brei­ten rech­ten Rand der CDU, der sich seit 2017 in der soge­nann­ten “Wer­te­uni­on” for­miert, schei­nen die­se Bemü­hun­gen for­ciert zu wer­den. Ziel scheint letzt­end­lich die Nor­ma­li­sie­rung einer schwarz-Brau­nen Koali­ti­on zu sein. Dies hat ein unum­strit­te­ner Exper­te für die Nor­ma­li­sie­rung rech­ter Gewalt, der ehe­ma­li­ge Ver­fas­sungs­schutz­chef Maaßen, jüngst expli­zit öffent­lich for­mu­liert. In einem Inter­view woll­te das pro­mi­nen­te Mit­glied der Wer­te­uni­on eine Koali­ti­on der CDU mit der AfD nicht mehr aus­schlie­ßen. (…) Im Licht die­ser Aus­ein­an­der­set­zun­gen inner­halb der CDU, wo offen­sicht­lich die Bereit­schaft zu Schwarz-Braun zunimmt, schei­nen die wüten­den Angrif­fe der AfD auf Lüb­cke nicht nur ideo­lo­gisch moti­viert zu sein, da die­ser “christ­li­che Wer­te” über den völ­ki­schen Wahn der Neu­en rech­ten stell­te, son­dern auch macht­po­li­tisch. CDU-Poli­ti­ker, die – im Gegen­satz zu einem Herrn Gauck – ihre christ­li­chen Wer­te ernst neh­men, stel­len schlicht ein poli­ti­sches Hin­der­nis bei der von der AfD-Füh­rung anvi­sier­ten Koali­ti­on mit der CDU dar. Die­ses poli­ti­sche Kal­kül, die Schwä­chung des gemä­ßig­ten Flü­gels des deut­schen Kon­ser­va­tis­mus, moti­viert die ver­ba­len Atta­cken von AfD und Pegi­da auf die “Volks­ver­rä­ter” in der CDU – die nun von mili­tan­ten Nazis buch­stäb­lich exe­ku­tiert wor­den sind. Letzt­end­lich han­del­te es sich bei dem Mord an Lüb­cke um einen rech­ten Ter­ror­akt, der all jene Kräf­te im deut­schen Kon­ser­va­tis­mus ein­schüch­tern soll, die Schwarz-Braun im Weg ste­hen. Lüb­cke war ein Hin­der­nis auf dem Weg zu Schwarz-Braun, die Angst, die die­ser Ter­ror­akt in sein poli­ti­sches Milieu hin­ein­trägt, soll dazu bei­tra­gen, es zu para­ly­sie­ren…“
    • „„Wir schie­ßen den Weg frei“ – berei­tet die AfD-Spra­che den Boden für rech­ten Ter­ror mit?“ von Kat­ja Tho­or­warth am 19. Juni 2019 in der FR online externer Link zu Zusam­men­wir­ken: „… Die Lis­te lässt sich belie­big lang fort­set­zen, You­tube hat es bis­lang nicht für nötig befun­den, hier mode­rie­rend ein­zu­grei­fen. Auch die hes­si­sche AfD-nahe Poli­ti­ke­rin Eri­ka Stein­bach hat­te den Hass auf Lüb­cke neu ange­heizt. „Zunächst soll­ten die Asyl­kri­ti­ker die CDU ver­las­sen, bevor sie ihre Hei­mat auf­ge­ben!“, twee­te­te sie im Febru­ar die­ses Jah­res. Zahl­rei­che Reak­tio­nen bezo­gen sich auf Wal­ter Lüb­cke – „ Lan­des­ver­rat. An die Wand mit dem. Hat ja direkt die Ant­wort bekom­men…“ war neben einem Gal­gen eine der Reak­tio­nen, die sich laut „t‑online.de“ im Juni noch unkom­men­tiert auf Face­book und Twit­ter fan­den. Wei­te­res pro­mi­nen­tes Bei­spiel ist Akif Pirincci. Der tür­ki­sche Autor, bekannt für sei­ne rech­ten Hetz­ti­ra­den, hat­te 2015, kurz nach Lüb­ckes Rede, von Poli­ti­kern im Kon­text der Flücht­lings­po­li­tik als den „Gau­lei­tern des eige­nen Vol­kes“ gespro­chen. Bei­spiel­haft war für ihn Wal­ter Lüb­cke: „Offen­kun­dig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem Volk so rest­los abge­legt zu haben, dass man ihm schul­ter­zu­ckend die Aus­rei­se emp­feh­len kann“, wird er aus einer „Pegida“-Rede zitiert. Sys­te­ma­tisch wur­de in den letz­ten Jah­ren gegen einen Mann gehetzt, der auf­grund sei­ner huma­ni­tä­ren Hal­tung nun wohl Opfer eines Neo­na­zis wur­de. Umso erstaun­li­cher, dass ein Kom­men­ta­tor der „Dresd­ner Neus­ten Nach­rich­ten“ sich an „kalt­blü­ti­ge Anschlä­ge der RAF“ erin­nert fühl­te. Mitt­ler­wei­le wur­de die Über­schrift um die NSU ergänzt, jedoch sei an die­ser Stel­le auf eine Sta­tis­tik des Ter­ro­ris­mus­ex­per­ten Dani­el Köh­ler ver­wie­sen, den der „Deutsch­land­funk“ im März 2018 ver­öf­fent­lich­te: Seit 1971 gescha­hen in Deutsch­land 229 rechts­ter­ro­ris­ti­sche Mor­de, 123 Spreng­stoff­an­schlä­ge, 2173 Brand­an­schlä­ge, 12 Ent­füh­run­gen und 174 bewaff­ne­te Über­fäl­le durch 92 rechts­ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen…“
    • „Trau­ern um Wal­ter Lüb­cke“ von Jago­da Mari­nic am 17. Juni 2019 in der taz online externer Link kom­men­tiert: „… Man kann bei einem poli­ti­schen Mord (und allem Anschein nach war es ein poli­ti­scher Mord) nicht zwei Wochen für die öffent­li­che Trau­er auf Stand by schal­ten, nur um kei­ne fal­schen Debat­ten aus­zu­lö­sen. Vor allem wenn die Ursa­che für die fal­schen Debat­ten schon an sich untrag­bar ist: Dro­hun­gen, die Men­schen über sich erge­hen las­sen müs­sen, wenn sie sich in die­sem Land für Nächs­ten­lie­be und die Umset­zung des gel­ten­den Asyl­rechts stark­ma­chen. Die „Schon­frist“ für die öffent­li­che Auf­ar­bei­tung gilt meist ins­be­son­de­re dann, wenn rechts­ex­tre­me Milieus nicht vor­schnell beschul­digt wer­den sol­len. Angeb­lich um die Spal­tung der Gesell­schaft nicht vor­an­zu­trei­ben. Demo­kra­tie kann sich Geduld die­ser Art nicht leis­ten. Jeder poli­ti­sche Mord erfor­dert umge­hend Par­tei­nah­me und Schutz, ganz gleich wel­che Moti­ve noch zu ergrün­den sind. Als am 16. Juni 2016 die bri­ti­sche Poli­ti­ke­rin Jo Cox ermor­det wur­de, gestat­te­te sich Groß­bri­tan­ni­en zu trau­ern, auch wenn die Hin­ter­grün­de noch offen waren. Ihr Mör­der galt zunächst ledig­lich als psy­chisch gestört. Im Nach­hin­ein wur­den Ver­bin­dun­gen in die Neo­na­zi­sze­ne bekannt…“
    • „»Direk­te Linie« zum Mord“ von Clau­dia Wan­ge­rin am 19. Juni 2019 in der jun­gen Welt externer Link über eini­ge Beweg­grün­de der extrem selt­sa­men Hal­tung der CDU zum Mord an ihrem Mit­glied: „… In der CDU sorg­ten die Erkennt­nis­se zum Mord an ihrem Par­tei­mit­glied Lüb­cke Anfang der Woche für fun­da­men­tal unter­schied­li­che Reak­tio­nen. Micha­el Brand, Mit­glied im Innen­aus­schuss des Bun­des­tags, sag­te am Diens­tag im Deutsch­land­funk, er sehe »eine direk­te Linie von der gren­zen­lo­sen Het­ze« von AfD-Poli­ti­kern wie Björn Höcke »zu Gewalt und jetzt auch zu Mord«. Max Otte, Mit­glied des rechts­kon­ser­va­ti­ven CDU-Flü­gels »Wer­te­uni­on« und Vor­sit­zen­der des Kura­to­ri­ums der AfD-nahen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung, hat­te zunächst get­wit­tert, der »Main­stream« habe jetzt »eine neue NSU-Affä­re und kann het­zen. Es sieht so aus, dass der Mör­der ein min­der­be­mit­tel­ter Ein­zel­tä­ter war, aber die Medi­en het­zen schon jetzt gegen die ›rech­te Sze­ne‹, was immer das ist«. Spä­ter lösch­te er den Ein­trag und bezeich­ne­te ihn als Feh­ler…
    • „Wie Lüb­cke zum Ziel rech­ter Het­ze wur­de“ von Zita Zen­ger­ling am 17. Juni 2019 in der SZ online externer Link zur Vor­ge­schich­te des Mor­des: „… Der getö­te­te Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­dent Wal­ter Lüb­cke war seit Jah­ren Opfer von Het­ze und Dro­hun­gen. Der Hass gegen ihn ging vor allem von einer Aus­sa­ge aus, die eigent­lich ein Appell an christ­li­che Wer­te sein soll­te. Auf einer Bür­ger­ver­samm­lung im hes­si­schen Loh­fel­den hat­te Lüb­cke im Okto­ber 2015 über eine Erst­auf­nah­me-Ein­rich­tung für Geflüch­te­te gespro­chen. Immer wie­der war er dabei durch Zwi­schen­ru­fe unter­bro­chen wor­den. Schließ­lich ent­geg­ne­te Lüb­cke den Stö­rern, dass er stolz auf das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment und das Ver­tre­ten christ­li­cher Wer­te in der Flücht­lings­hil­fe sei: “Wer die­se Wer­te nicht ver­tritt, der kann jeder­zeit die­ses Land ver­las­sen, wenn er nicht ein­ver­stan­den ist. Das ist die Frei­heit eines jeden Deut­schen”, sag­te der Behör­den­lei­ter. Es folg­te ein Rau­nen im Zuschau­er­raum, Pfif­fe und Buh­ru­fe, jemand rief, Lüb­cke sol­le ver­schwin­den. Auch wenn es im Bericht der Hessischen/​Niedersächsischen All­ge­mei­nen (HNA) zu der Ver­an­stal­tung hieß, dass die Stim­mung nicht kipp­te und die dem Flücht­lings­the­ma auf­ge­schlos­se­nen Besu­cher in der Über­zahl gewe­sen sei­en, wur­de ein Video mit Lüb­ckes Satz noch am sel­ben Tag auf You­tube hoch­ge­la­den. Dar­un­ter sam­mel­ten sich Kom­men­ta­re mit Belei­di­gun­gen, Rück­tritts­for­de­run­gen und Todes­wün­schen: “So eine Dreck­sau!!”, schrieb ein User, ein ande­rer kom­men­tier­te “Auf­hän­gen!”, und ein User, der sich “kein Nazi” nennt, schrieb: “Gott sei Dank war ich da nicht mit dabei, denn sonst wür­de ich jetzt wegen einer Straf­tat im Knast sit­zen!“…“
    • „Der Mord an Wal­ter Lüb­cke“ am 17. Juni 2019 bei der Anti­fa Pin­ne­berg externer Link fasst zusam­men: „… Seit Jah­ren wird von Rassit*innen und orga­ni­sier­ten Faschis*innen aller Cou­leur gedroht und gehetzt, von Sar­ra­zin (SPD), Pal­mer (Grü­ne), Maaßen (CDU), Eri­ka Stein­bach, „Iden­ti­tät­re Bewe­gung“, „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“, „Pegi­da“, „NPD“ und“ Drit­ter Weg“. Ein Teil die­ser Sze­ne sieht sich spä­tes­tens seit 2015 im Krieg gegen die Regie­rung und gegen alle ande­ren Men­schen die nicht in ihr Welt­bild pas­sen. Die Anti­fa Bon­n/Rhein-Sieg berich­tet tref­fend nach dem Atten­tat auf Hen­ri­et­te Reker Ober­bür­ger­meis­te­rin von Köln durch Frank Stef­fen einem Nazi der in den 90er in der ver­bo­te­nen Frei­heit­li­chen Deut­schen Arbei­ter­par­tei (FAP) orga­ni­siert war. „Die men­schen­ver­ach­ten­den Täter der 90er Jah­re wur­den juris­tisch kaum ver­folgt und ihre Taten wur­den durch die Jus­tiz als Taten von „ver­rück­ten Ein­zel­tä­tern“ ver­klärt und ent­po­li­ti­siert. Dass die Nazis der 1990er Jah­re zu einem Teil immer noch das glei­che Gedan­ken­gut haben bemer­ken wir zum Bei­spiel bei dem Waf­fen­händ­ler Ralf Tege­t­hoff, der Mit­or­ga­ni­sa­tor des jähr­lich statt­fin­den­den Nazi­auf­mar­sches in Rema­gen ist und Aus­bil­der der inzwi­schen ver­bo­ten Kame­rad­schaft Akti­ons­bü­ro Mit­tel­rhein war. Der ehe­ma­li­ge Chef­na­zisch­lä­ger Nor­bert Weid­ner ist heu­te in der rechts­ex­tre­men Bur­schen­schaft der Rac­zeks zu Bonn aktiv…
  • Der Mord an dem Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten: Ver­däch­ti­ger mit Nazi-Akti­vi­tä­ten… 
    „… Im Fall des Mor­des an dem Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke ver­dich­ten sich die Hin­wei­se, dass es sich um einen Anschlag mit poli­ti­schem Hin­ter­grund han­deln könn­te. Nach Anga­ben der Poli­zei wur­de am Sams­tag ein 45 Jah­re alter Mann unter drin­gen­dem Tat­ver­dacht fest­ge­nom­men. Gegen ihn wur­de mitt­ler­wei­le Unter­su­chungs­haft ver­hängt. Nach F.A.Z.-Informationen han­delt es sich um eine Per­son, die frü­her in der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne aktiv war Geprüft wird der­zeit, inwie­weit der Mann dort jüngst noch aktiv war. Der Ver­däch­ti­ge soll über eine DNA-Spur iden­ti­fi­ziert wor­den sein, die am Tat­ort gefun­den wur­de. Offen­bar war der Mann ein­schlä­gig bekannt. Wie die Staats­an­walt­schaft Kas­sel und das hes­si­sche Lan­des­kri­mi­nal­amt am Sonn­tag mit­teil­ten, wur­de der Ver­däch­ti­ge am frü­hen Sams­tag­mor­gen gegen zwei Uhr fest­ge­nom­men. Nähe­re Infor­ma­tio­nen zu der Per­son mach­ten sie zunächst nicht. Sie wol­len sich an die­sem Mon­tag zu den mög­li­chen Hin­ter­grün­den der Tat äußern…“ – aus dem Arti­kel „Drin­gen­der Tat­ver­dacht gegen Rechts­ex­tre­mis­ten im Mord­fall Lüb­cke“ von Katha­ri­na Iskan­dar am 16. Juni 2019 im FAZ​.net externer Link, wor­in auch noch die Mög­lich­keit einer „län­ge­ren Lis­te“ poten­zi­el­ler Mord­op­fer The­ma ist.
  • „Wal­ter Lüb­cke: AfD Kreis­ver­band ver­höhnt getö­te­ten Regie­rungs­prä­si­den­ten“ von Kat­ja Thor­warth am 04. Juni 2019 in der FR online externer Link hebt dazu her­vor: „… Die AfD Kreis Dith­mar­schen nahm den Tod des Poli­ti­kers zum Anlass, um zu demons­trie­ren, wes Geis­tes Kind sie ist: „Mord???? Er woll­te nicht mit dem Fall­schirm sprin­gen…“ hieß es auf Face­book – mit einem eini­ger­ma­ßen unzwei­deu­ti­gen Ver­weis auf den Sui­zid von Jür­gen Möl­le­mann 2003. Ver­ant­wort­lich für die Sei­te zeich­net laut Impres­sum Mario Reschke. Der ruder­te Stun­den spä­ter zurück, ein jeder sol­le „… Halb­sät­ze selbst zu Ende den­ken…“ ent­spre­chend sei jeder „auch für sei­ne Gedan­ken selbst ver­ant­wort­lich“. Häme oder Spott wies er weit von sich. Reschke, der seit 1. April 2017 den Vor­sitz des AfD-Kreis­ver­ban­des stellt, ist in der rech­ten Sze­ne kein Unbe­kann­ter. Er soll der Reichs­bür­ger­be­we­gung nahe ste­hen, dass er ein Waf­fen­narr zu sein scheint, legt ein ein­schlä­gi­ges Bild von ihm auf der mitt­ler­wei­le still­ge­leg­ten Face­book­sei­te Ma Reschke nahe. Dort posier­te er öffent­lich sicht­bar mit geschwell­ter Brust und einer Maschi­nen­pis­to­le. Eben­so archi­viert sind anti­se­mi­ti­sche Posts und Ver­schwö­rungs­theo­rien…“
  • „Fall Lüb­cke: Sani­tä­ter soll Tat­ort ver­än­dert haben“ bis zum 05. Juni 2019 in der FR online externer Link ist eine Chro­no­lo­gie zu dem Mord, in der es unter ande­rem heißt: „… Im Rah­men der Ermitt­lun­gen prüft die Staats­an­walt­schaft Kas­sel auch die Hass­kom­men­ta­re im Netz, in denen Rechts­ex­tre­me den getö­te­ten Regie­rungs­prä­si­den­ten, der sich mit sei­ner Hal­tung gegen­über Flücht­lin­gen im rech­ten Lager vie­le Fein­de gemacht hat, ver­höh­nen. Die Ermitt­ler prü­fen jeden ein­zel­nen Kom­men­tar auf „straf­recht­li­che Rele­vanz“, so Thö­ne. Belei­di­gung, Stö­rung des öffent­li­chen Frie­dens und die öffent­li­che Auf­for­de­rung zu Straf­ta­ten kämen als Delik­te in Betracht. (…) Auch nach Lüb­ckes Tod kommt es noch zu geschmack­lo­sen Kom­men­ta­ren und Ver­höh­nun­gen im Netz von ein­schlä­gi­ger Sei­te. Rechts­ex­tre­me zei­gen offe­ne Freu­de über die Tat. In den sozia­len Medi­en fin­den sich zahl­rei­che Grenz­über­schrei­tun­gen: “Die Dreck­sau hat den Gna­den­schuss bekom­men! RESPEKT!”, schreibt etwa ein “Franz Brand­wein” auf You­Tube. Auf Face­book kom­men­tiert ein Nut­zer “Selbst schuld, kein Mit­leid, so wird es Mer­kel und den ande­ren auch erge­hen“…“

Der Bei­trag Nach dem Mord an Regie­rungs­prä­si­den­ten in Kas­sel: Rech­te gei­fern und pre­di­gen Hass erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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