[labournet:] Griechische Migrationspolitik (mit Syriza) – und Nachfolgern

Dossier

Poseidons Kinder. Ein Lied über die Flüchlinge im Mittelmeer von der österreichische Reggaegruppe Iriepathie.Unter der Syri­za-Regie­rung wer­den Flücht­lin­ge an Grie­chen­lands Mee­res­gren­zen nicht mehr zurück­ge­drängt, Sam­mel­la­ger wur­den auf­ge­löst. Hei­ke Schra­der im Gespräch mit Tasia Chris­to­doulo­pou­lou in der jun­gen Welt vom 15. Mai 2015 externer Link. Sie­he zur Situa­ti­on der Flücht­lin­ge das Dos­sier Huma­ni­tä­re Kri­se in Grie­chen­land droht zu eska­lie­ren und zum Push-back-Deal mit See­hofer See­hofers har­ter Kurs in der Asyl- und Flücht­lings­po­li­tik: Zurück­wei­sun­gen an der Gren­ze (euro­pa­feind­lich und rechts­wid­rig) und dem mit der Tür­kei EU-Tür­kei-Deal in der Flücht­lings­fra­ge sowie hier zum Umgang der grie­chi­schen Poli­tik damit:

  • Im Mit­tel­meer aus­ge­setzt: Grie­chi­sche Küs­ten­wa­che drängt laut Berich­ten Flücht­lin­ge in Schlauch­boo­te und schickt sie Rich­tung Tür­kei New
    Die kon­ser­va­ti­ve grie­chi­sche Regie­rung hat in den ver­gan­ge­nen Mona­ten offen­bar Hun­der­te Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer aus­ge­setzt. Laut Recher­chen der »New York Times« haben staat­li­che Behör­den im Rah­men von 31 ver­schie­de­nen Aktio­nen min­des­tens 1072 Schutz­su­chen­de an den Gren­zen der natio­na­len Gewäs­ser zurück­ge­las­sen. Die Geflüch­te­ten hät­ten in teil­wei­se über­füll­ten Schlauch­boo­ten ver­har­ren müs­sen, bis tür­ki­sche Hil­fe gekom­men sei. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Zei­tung beruft sich in ihren Recher­chen auf Infor­ma­tio­nen von drei unab­hän­gi­gen Nichts­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, zwei For­schern, die tür­ki­sche Küs­ten­wa­che, Bild- und Video­ma­te­ri­al sowie die Aus­sa­gen von meh­re­ren Über­le­ben­den. Syri­sche Geflüch­te­te berich­te­ten dem­nach der Zei­tung, dass mas­kier­te grie­chi­sche Beam­te sie nachts aus einer Sam­mel­un­ter­kunft auf der Insel Rho­dos abge­holt und dann auf ein Schlauch­boot ohne Motor und Ruder gebracht hät­ten. Erst die tür­ki­sche Küs­ten­wa­che habe sie spä­ter im Meer gefun­den und auf­ge­nom­men. Auch Kin­der sol­len von der Maß­nah­me betrof­fen gewe­sen sein. (…) Der­zeit bekla­gen die Akti­vis­ten eine Ver­schär­fung der Lage. »Nicht nur die Zahl der Push­backs hat seit März enorm zuge­nom­men, auch die Gewalt, die die Beam­ten der Küs­ten­wa­che gegen Asyl­su­chen­de ein­set­zen, hat ein scho­ckie­ren­des Level erreicht«, erklär­te Lisa Gross, eine Spre­che­rin der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on, gegen­über »nd«. »Die Küs­ten­wa­che schießt auf Flücht­lings­boo­te und bringt Boo­te durch gefähr­li­che Manö­ver zum Ken­tern, dazu wer­den Men­schen in see­un­taug­li­chen Ret­tungs­in­seln auf See sich selbst über­las­sen«, führ­te sie aus. Mare Liber­um hat min­des­tens 150 Push­backs seit März regis­triert, von denen etwa 5000 Men­schen betrof­fen gewe­sen sein sol­len. (…) Mare Liber­um hat meh­re­re Metho­den von Push­backs in der Ägä­is regis­triert, dar­un­ter das ein­gangs beschrie­be­ne Aus­set­zen auf grenz­na­hen Ret­tungs­in­seln, die in tür­ki­sche Gewäs­ser trei­ben sol­len. Die Orga­ni­sa­ti­on zählt sie­ben bekann­te Fäl­le in die­sem Jahr, in denen Flüch­ten­de die grie­chi­schen Inseln Samos, Symi oder Chi­os bereits erreicht hat­ten, von dort aber wie­der zurück aufs Meer gebracht wor­den sein sol­len…” Arti­kel von Sebas­ti­an Bähr vom 19.8.2020 im ND online externer Link, sie­he dazu auch: Push­backs in der Ägä­is: Deut­sche Mari­ne drückt Auge zu
  • Dubio­ser 992.000-Euro-Vertrag mit der EU: Flücht­lings­po­li­tik nach McK­in­sey-Metho­de 
    “Als die Umset­zung des Flücht­lings­pakts mit der Tür­kei stock­te, enga­gier­te die EU die Unter­neh­mens­be­ra­tung McK­in­sey. Inter­ne Berich­te zei­gen, wie die Con­sul­tants arbei­te­ten. (…) Auch mehr als ein hal­bes Jahr nach­dem die EU im März 2016 einen Flücht­lings­de­al mit der Tür­kei geschlos­sen hat­te, steck­ten noch immer Tau­sen­de Migran­tin­nen und Migran­ten auf den Inseln Les­bos, Samos, Chi­os, Leros und Kos fest – in soge­nann­ten EU-Hot­spots. Amnes­ty Inter­na­tio­nal pran­ger­te die hygie­ni­schen Bedin­gun­gen eben­so an wie die “schlech­te Ernäh­rung und unzu­rei­chen­de medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung”. Die grie­chi­sche Asyl­be­hör­de war von der Viel­zahl der Asyl­fäl­le über­wäl­tigt. (…) Vor die­sem Hin­ter­grund trat im Janu­ar 2017 ein Ver­trag in Kraft, den die EU mit McK­in­sey geschlos­sen hat­te. Die US-Fir­ma, eine der größ­ten Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen der Welt, soll­te bei der Besei­ti­gung des “Rück­staus” an Asyl­ge­su­chen hel­fen…” Bei­trag von Maxi­mi­li­an Popp, Alex­an­der Saro­vic und Luděk Sta­vi­no­ha vom 22. Juli 2020 bei Spie­gel online externer Link (lei­der mit Zahl­schran­ke), sie­he dazu:
    • “#McK­in­sey, der US-Unter­neh­mens­be­ra­ter-Gigant, der ger­ne Fir­men dabei berät, wie die­se ihr Per­so­nal ent­las­sen kön­nen, wur­de 2017 von der #EU (ohne Aus­schrei­bung) für eine knap­pe Mil­li­on € beauf­tragt, beim Manage­ment der #Asyl­ge­su­che in #Grie­chen­land zu hel­fen. Damals hiel­ten sich ins­ge­samt weni­ger als 6000 Asyl­su­chen­de auf den grie­chi­schen Inseln auf (2020 bis 40.000). Genug Geld für deren huma­ni­tä­re Unter­brin­gung wäre damals da gewe­sen. „Wo floss das Geld hin?“, fragt ein Migra­ti­ons­ex­per­te, ohne von der EU Ant­wor­ten zu bekom­men. Nicht die #Res­sour­cen waren das Pro­blem, son­dern feh­len­der poli­ti­scher Wil­le. #McK­in­sey habe den wich­tigs­ten Grund für die kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen in den Lagern schlicht igno­riert: “Die Gleich­gül­tig­keit #Athen|s und #Brüssel|s gegen­über dem Schick­sal der #Geflüchtete|n.“ Thread von MISSION LIFELINE am 22.7.20 bei Twit­ter externer Link
  • Grie­chen­land: Regie­rung treibt Tau­sen­de Flücht­lin­ge gezielt in die Obdach­lo­sig­keit 
    In Grie­chen­land droht einer wach­sen­den Zahl von Geflüch­te­ten mit schwer­wie­gen­den gesund­heit­li­chen oder psy­chi­schen Pro­ble­men die Ver­trei­bung aus ihren Unter­künf­ten. Die inter­na­tio­na­le Not­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen kri­ti­siert, dass die Betrof­fe­nen ohne Schutz und ange­mes­se­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung gezielt in die Obdach­lo­sig­keit gedrängt wer­den und zudem von finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung abge­schnit­ten wer­den. Die grie­chi­sche Regie­rung strebt danach, über­füll­te Geflüch­te­ten­la­ger etwa auf den Inseln Moria und Samos rasch zu ent­las­ten. Zu die­sem Zweck haben die Behör­den damit begon­nen, mehr als 11.000 Geflüch­te­te aus ihren Unter­künf­ten aus­zu­wei­sen, sowohl auf dem grie­chi­schen Fest­land als auch auf den grie­chi­schen Inseln. Vie­le die­ser Men­schen sind äußerst schutz­be­dürf­tig. Zu ihnen zäh­len Opfer von sexu­el­ler Gewalt, Fol­ter und Miss­hand­lung, älte­re Men­schen sowie chro­nisch kran­ke Men­schen. Ärz­te ohne Gren­zen for­dert die grie­chi­sche Regie­rung dazu auf, die Räu­mungs­maß­nah­men aus­zu­set­zen und bestehen­de Kapa­zi­tä­ten zur Unter­brin­gung von Geflüch­te­ten aus­zu­wei­ten. (…) Ärz­te ohne Gren­zen for­dert die grie­chi­sche Regie­rung, die EU sowie alle am Bereit­stel­len von Unter­künf­ten betei­lig­ten Orga­ni­sa­tio­nen drin­gend auf, sofort Lösun­gen für die Unter­brin­gung jener Flücht­lin­ge zu schaf­fen, die der­zeit auf dem Vik­to­ria-Platz in Athen kam­pie­ren müs­sen. Bis alle admi­nis­tra­ti­ven Hin­der­nis­se für die Inte­gra­ti­on und den Zugang zur medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung besei­tigt sind, muss die Ver­trei­bung von Flücht­lin­gen aus bestehen­den Lagern grund­sätz­lich gestoppt wer­den.” Pres­se­mit­tei­lung vom 14. Juli 2020 externer Link, sie­he dazu:
    • Ärz­te ohne Gren­zen hat eine Hilfs­ein­rich­tung neben dem EU(!)-Flüchtlingslager Moria auf­ge­baut, um vor Ort gegen Coro­na gewapp­net zu sein – und soll dafür nun von der ört­li­chen Stadt­ver­wal­tung eine Stra­fe von 35.000 € bekom­men habenTweet vom 13.7.2020 externer Link
  • Grie­chen­land errich­tet schwim­men­de Bar­rie­ren vor Les­bos /​Die Grie­chi­sche Rechts­re­gie­rung mobi­li­siert den Poli­zei­staat: Groß­an­griff auf Flücht­lin­ge in Athen 
    • Grie­chen­land errich­tet schwim­men­de Bar­rie­ren vor Les­bos 
      “… Schwim­men­de Bar­rie­ren sol­len dem­nächst ver­hin­dern, dass Migran­tin­nen und Migran­ten von der Tür­kei auf die grie­chi­sche Insel Les­bos über­set­zen. Dies berich­ten das Nach­rich­ten­por­tal Real sowie die Nach­rich­ten­agen­tur AFP, letz­te­re unter Beru­fung auf Krei­se des grie­chi­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums. Tat­säch­lich hat­te das Minis­te­ri­um im Janu­ar eine Aus­schrei­bung für die Instal­la­ti­on von “schwim­men­den Schutz­sys­te­men” in der Ägä­is ver­öf­fent­licht. Sie sol­len Boo­te dar­an hin­dern, sie zu über­que­ren. Die geschätz­ten Gesamt­kos­ten für das Pro­jekt belau­fen sich auf eine hal­be Mil­li­on Euro. Seit dem ver­gan­ge­nen Jahr erwei­ter­te die Regie­rung in Athen ihre Über­wa­chungs­maß­nah­men ent­lang der Gren­ze zur Tür­kei – sowohl an der Land­gren­ze in Thra­ki­en als auch an der See­gren­ze in der Ägä­is. (…) EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en (CDU) hat­te sich bei der grie­chi­schen Regie­rung dafür bedankt, der “euro­päi­sche Schild” zu sein. Migra­ti­ons­mi­nis­ter Notis Mitara­kis sagt immer wie­der, die Regie­rung sei von der Ver­fas­sung dazu ver­pflich­tet, die Gren­zen des Lan­des und der EU auch im Meer zu schüt­zen: “Wir kön­nen kein offe­nes Feld ohne Gren­zen sein.” Die schwim­men­de Bar­rie­re soll nun nord­öst­lich der Insel Les­bos errich­tet wer­den. Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen sehen dies kri­tisch…” Agen­tur­mel­dung vom 30. Juni 2020 in der Zeit online externer Link, sie­he dazu auch: Fron­tex deckt Ver­bre­chen der Grenz­po­li­zei in Grie­chen­land
    • Die Grie­chi­sche Rechts­re­gie­rung mobi­li­siert den Poli­zei­staat: Groß­an­griff auf Flücht­lin­ge in Athen
      Mas­si­ve Poli­zei­ge­walt gegen Refu­gees­GR & soli­da­ri­sche Men­schen heu­te Nacht in Athen beim Ver­such den Vic­to­ria­platz zu räu­men. Hier leben vie­le Geflüch­te­te, die nicht wis­sen wohin, seit sie zum 1.7. aus ihren Unter­künf­ten ver­trie­ben wur­den“ – so der Tweet (mit Videobe­richt) am 05. Juli 2020 im Twit­ter-Kanal der See­brü­cke Frank­furt externer Link über das Poli­zei-Groß­auf­ge­bot zur Flücht­lings­jagd in Athen. Im wei­te­ren Ver­lauf des Threads wird noch berich­tet: „Men­schen wur­den in alle Rich­tun­gen geprü­gelt. Es gab 22 Fest­nah­men von Refu­gees­GR, dar­un­ter ein Mann, dem die Schul­ter aus­ge­ku­gelt wur­de und eine Mut­ter, die von ihren Kin­dern getrennt wur­de“ und „Letz­te Nacht auf dem Vic­to­ria Squa­re scho­ckie­ren­der Angriff der Poli­zei auf obdach­lo­se Refu­gees­GR scho­ckie­rend. Am Nach­mit­tag waren die meis­ten dort Frau­en und Klein­kin­der“. So sieht poli­zei­staat­li­che EU-Kon­se­quenz aus: Erst die Men­schen auf die Stra­ße wer­fen, dann sie von der Stra­ße prü­geln…
  • Bru­ta­les Vor­ge­hen gegen Flücht­lin­ge: Wie die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che Men­schen in See­not bringt [und ob Fron­tex an den Push-Backs betei­ligt ist] 
    “Ret­tungs­in­seln sind zum Ret­ten da, möch­te man mei­nen. Doch die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che nutzt sie offen­bar, um dar­auf Flücht­lin­ge auf dem Meer aus­zu­set­zen. Amjad Naim hat viel hin­ter sich, als er die Rei­se nach Euro­pa antre­ten will. Er steht an der tür­ki­schen Küs­te, der Blick nach Wes­ten gerich­tet, er sieht die Küs­ten­li­nie von Samos. Dann besteigt er das voll bepack­te Schlauch­boot in Rich­tung Grie­chen­land, in Rich­tung EU. Was dann pas­siert, schil­dert er so: Ein Hub­schrau­ber ent­deckt sie auf dem Meer, bald dar­auf kommt die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che. Sie wer­den gezwun­gen, vom Schlauch­boot auf Ret­tungs­in­seln umzu­stei­gen – und dann zurück in Rich­tung Tür­kei geschleppt. Über Stun­den drif­ten sie auf den auf­blas­ba­ren Inseln auf dem Meer. Wir zei­gen die Rekon­struk­ti­on eines Push­back…” Bericht von Hei­ner Hoff­mann bei Report Mainz am 16. Juni 2020 externer Link (Video­län­ge: 6:42 Min.) – sie­he dazu noch:
    • Recher­che von Spie­gel, Report Mainz und Light­house: Grie­chi­sche Küs­ten­wa­che setzt Flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer aus […] Könn­ten auch deut­sche Grenz­schüt­zer betei­ligt sein?
      “… Meh­re­ren Augen­zeu­gen­be­rich­ten und Vide­os zufol­ge sol­len meh­re­re Fäl­le doku­men­tiert sein, in denen die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che zunächst eine Ret­tungs­in­sel mit Geflüch­te­ten durch die Ägä­is zieht, aber nach eini­ger Zeit das Tau löst und die Men­schen auf dem Meer zurück­lässt. Laut „Spie­gel“ sei­en die­se Vor­komm­nis­se kei­ne Ein­zel­fäl­le, son­dern Teil eines Sys­tems. Dazu wur­den dut­zen­de Vide­os foren­sisch ana­ly­siert, mit Geo­da­ten abge­gli­chen und mit Aus­sa­gen von Augen­zeu­gen gegen­ge­prüft. Neben dem Ein­satz von Schuss­waf­fen wur­den auch wie­der­holt die Moto­ren der Schlauch­boo­te zer­stört, um die Schif­fe manö­vrier­un­fä­hig zu machen. (…) Ob die Bun­des­wehr, die als Teil der Fron­tex-Mis­si­on „Posei­don“ gemein­sam mit 600 wei­te­ren euro­päi­schen Grenz­schüt­zern zur Unter­stüt­zung der grie­chi­schen Kol­le­gen vor Ort ist, die ille­ga­len „Push-Backs“ tole­riert oder sogar unter­stützt, ist nicht bekannt. Laut Spie­gel soll sich eine däni­sche Crew kürz­lich einem sol­chen Ein­satz ver­wei­gert haben. In der Ver­gan­gen­heit kam es immer wie­der zu ähn­li­chen Vor­fäl­len auf dem Mit­tel­meer. (…) Über die Fra­ge, inwie­weit Fron­tex über die Push­backs infor­miert sagt der SPD-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Diet­mar Kös­ter auf Tages­spie­gel Anfra­ge, Fron­tex habe in einer inter­nen Sit­zung die Vor­komm­nis­se bestä­tigt. Die Grenz­schutz­agen­tur sei dar­auf­hin zurück­ge­ru­dert und habe von einem „Miss­ver­ständ­nis“ gespro­chen. „Fron­tex ist nicht bereit, die Vor­komm­nis­se offen­siv auf­zu­klä­ren“, sag­te er. Aktu­ell habe sich in der Ägä­is ein neu­er mög­li­cher Push­back ereig­net, der von einem deut­schen NATO-Schiff beob­ach­tet wor­den war. Dass dort das Völ­ker­recht gebro­chen wur­de, sei „offen­sicht­lich“. (…) „Wir hat­ten gera­de eine Ple­nar­sit­zung im Euro­päi­schen Par­la­ment zu Black Lives Mat­ter, in der sich Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin von der Ley­en gegen Ras­sis­mus aus­ge­spro­chen hat“, sag­te der 63-Jäh­ri­ge. „Die­se Push­backs sind aller­dings extrem ras­sis­tisch. Euro­pä­er in See­not wür­den wir sofort ret­ten – Nicht-Euro­pä­er schein­bar nicht.“…” Bei­trag von Paul Gäb­ler vom 17. Juni 2020 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Schlech­te Zei­ten für Asyl­be­wer­ber in Grie­chen­land /​Geflüch­te­te »ver­schwin­den« – Grie­chi­sche Regie­rung beför­dert rech­te Het­ze und ille­ga­le Push-Backs. Athen kann wäh­rend Pan­de­mie unge­straft han­deln 
    • Schlech­te Zei­ten für Asyl­be­wer­ber in Grie­chen­land
      “… Die Regie­rung Mit­sota­kis geht mit har­ten Maß­nah­men gegen Asyl­be­wer­ber vor. Sie berei­tet sich zum Ende der ers­ten Wel­le der CoVi­d19-Pan­de­mie auch auf einen erwar­te­ten neu­en Ver­such der tür­ki­schen Regie­rung vor, Asyl­be­wer­ber über die Gren­zen nach Grie­chen­land zu schi­cken. Der­weil wird auf EU-Ebe­ne den Vor­wür­fen gegen Grie­chen­land wegen der ille­ga­len Push-Back-Aktio­nen nach­ge­gan­gen. Außer um Men­schen­rech­te geht es offen­bar auch um Geld. Viel Geld, das im Namen der Flücht­lin­ge und Migran­ten aus­ge­ge­ben wird, und in der Regel allen ande­ren außer den Betrof­fe­nen zu Gute kommt. (…) Die Ver­stär­kung des Grenz­schut­zes an der Land­gren­ze am Evros-Fluss beinhal­tet neben einer Auf­sto­ckung des für den Grenz­schutz abge­stell­ten Per­so­nals die bau­li­che Erwei­te­rung des Grenz­zauns. Zu die­sem Zweck reis­te Bür­ger­schutz­mi­nis­ter Micha­lis Chry­so­cho­idis am Mitt­woch an die Gren­ze (). Chry­so­cho­idis stell­te für den Grenz­schutz 400 neue Beam­te ein. Ins­ge­samt wer­den damit 1100 Poli­zis­ten die Gren­ze bewa­chen. (…) Die EU glaub­te offen­bar weni­ger an die Orga­ni­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten des grie­chi­schen Staats und mehr an die Effek­ti­vi­tät der NGOs. Sie för­der­te in der Fol­ge des anfäng­li­chen Cha­os die Flücht­lings­be­treu­ung durch NGOs. Die wie­der­um dien­te Geg­nern der Flücht­lings­po­li­tik als Argu­ment für den Sozi­al­neid. Immer wie­der wer­den rea­le oder irrea­le Anga­ben über die Löh­ne und Gehäl­ter von Mit­ar­bei­tern der NGOs durch die grie­chi­sche Pres­se ver­brei­tet. Meist fehlt der Hin­weis, dass die aus dem Aus­land nach Grie­chen­land ent­sand­ten Mit­ar­bei­ter nach den im Hei­mat­land gül­ti­gen Tari­fen ent­lohnt wer­den. Bereits zu Oppo­si­ti­ons­zei­ten zähl­te die heu­te regie­ren­de Nea Dimo­kra­tia zu den Haupt­kri­ti­kern der NGOs. (…) 320 NGOs ope­rie­ren in Grie­chen­land im Zusam­men­hang mit der Flücht­lings­kri­se. Die Regie­rung setzt nun 40 Fahn­der der Steu­er­fahn­dung, der Kri­mi­nal­po­li­zei und der Trans­pa­renz­be­hör­de auf sie an. Gleich­zei­tig jedoch wur­de im neu­en Asyl­recht ein Pas­sus ein­ge­baut, wel­cher dem Immi­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um einen gehei­men Etat zubil­ligt. (…) Ab dem 31. Mai könn­ten sich in Grie­chen­land Zustän­de wie 2015 wie­der­ho­len. Die Regie­rung setzt näm­lich rund 11.000 Asy­lan­ten auf buch­stäb­lich auf die Stra­ße. Sie sol­len dann Wege fin­den, selbst für ihren Lebens­un­ter­halt zu sor­gen, meint das zustän­di­ge Minis­te­ri­um. Wie das bei immer noch gel­ten­den Kon­takt­be­schrän­kun­gen wegen der Coro­na-Pan­emie und mit­ten in der Coro­na-beding­ten Wirt­schafts­kri­se gesche­hen soll, erklärt das Minis­te­ri­um nicht. Zudem kön­nen vie­le der aner­kann­ten Asy­lan­ten kein Grie­chisch. Es dürf­te damit vor­pro­gram­miert sein, dass sie sich auf den Weg in den euro­päi­schen Nor­den machen wer­den…” Bei­trag von Was­si­lis Aswestopou­los vom 29. Mai 2020 bei Tele­po­lis externer Link
    • Geflüch­te­te »ver­schwin­den« – Grie­chi­sche Regie­rung beför­dert rech­te Het­ze und ille­ga­le Push-Backs. Athen kann wäh­rend Pan­de­mie unge­straft han­deln
      “Die rech­te Regie­rung Grie­chen­lands benutzt offen­bar die Coro­na­pan­de­mie, um Flücht­lin­ge aus den Kriegs­ge­bie­ten des Nahen und Mitt­le­ren Ostens heim­lich und sys­te­ma­tisch aus dem Land schaf­fen zu las­sen. Inter­na­tio­na­le Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen wie der nor­we­gi­sche Aege­an Boat Report (ABR) wie­sen jüngst dar­auf hin, dass die Zahl der vor allem aus der Tür­kei ankom­men­den Men­schen seit dem Aus­bruch der Seu­che fast auf null zurück­ge­gan­gen sei. Lin­ke Akti­vis­ten auf der grie­chi­schen Insel Samos erklär­ten die­se Ent­wick­lung am Don­ners­tag gegen­über jW mit der ille­ga­len, mut­maß­lich gewalt­sa­men Rück­füh­rung – im inter­na­tio­na­len Jar­gon »Push-Backs« genannt – von Flücht­lin­gen, die in den ver­gan­ge­nen Wochen in Schlauch­boo­ten auf den Inseln der nörd­li­chen Ägä­is ange­kom­men waren. Das Bor­der Vio­lence Moni­to­ring Net­work (BVMN), eine inter­na­tio­na­le Alli­anz unab­hän­gi­ger NGO, lis­tet in sei­nem jüngs­ten Monats­be­richt mehr als »200 gehei­me Aus­wei­sun­gen« seit März. Das BVMN, das sich auf Berich­te über Poli­zei­ge­walt an den Gren­zen der EU spe­zia­li­siert hat, beruft sich nach eige­nen Anga­ben auf Zeu­gen­aus­sa­gen von Flücht­lin­gen, aber auch von Ein­hei­mi­schen und Jour­na­lis­ten. Wie jW von Akti­vis­ten (Namen der Redak­ti­on bekannt) in Kar­lo­va­si auf Samos erfuhr, »ver­schwin­den« immer häu­fi­ger ankom­men­de Flücht­lin­ge, die bereits EU-Boden betre­ten hat­ten und im Besitz gül­ti­ger Papie­re waren. Auch die fran­zö­sisch-grie­chi­sche Jour­na­lis­tin Maria Mala­gar­dis berich­te­te jW jüngst von min­des­tens 40 Men­schen, die am 28. April in einem arm­se­li­gen Boot auf Samos gestran­det waren. Von ihnen feh­le inzwi­schen jede Spur. »Offi­zi­ell gab es kei­ne Ankunft an die­sem Tag, die Ver­ant­wort­li­chen der Insel behaup­ten, dass es kei­ne Schiff­brü­chi­gen gab«, schrieb Mala­gar­dis danach in einem Arti­kel für die Pari­ser Tages­zei­tung Libé­ra­ti­on. Mit hoher Wahr­schein­lich­keit sei­en die Fami­li­en mit Kin­dern von Ein­satz­kräf­ten zurück aufs offe­ne Meer geschleppt wor­den…” Arti­kel von Hans­ge­org Her­mann in der jun­gen Welt vom 29. Mai 2020 externer Link
  • Mit­sota­kis macht dicht: Das grie­chi­sche Par­la­ment hat in der Pan­de­mie eine Ver­schär­fung des Asyl­rechts beschlos­sen. Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen befürch­ten die unzu­läs­si­ge Inhaf­tie­rung von Asyl­su­chen­den 
    “… Am 9. Mai ließ Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Kyria­kos Mit­sota­kis, der auch Par­tei­vor­sit­zen­der der kon­ser­va­ti­ven Nea Dimo­kra­tia ist, eine Ände­rung des Asyl­rechts beschlie­ßen. Es ist die zwei­te Asyl­rechts­ver­schär­fung seit Mit­sota­kis’ Amts­an­tritt im Juli 2019. (…) Unter den neu­en Bestim­mun­gen für Asyl­su­chen­de ist es die Regel, ankom­men­de Asyl­su­chen­de in geschlos­se­nen Lagern unter­zu­brin­gen, die Haft­an­stal­ten ähneln. Am 14. Mai beur­teil­te der Euro­päi­sche Gerichts­hof den mehr als ein­jäh­ri­gen Auf­ent­halt von vier Per­so­nen in denn soge­nann­ten Tran­sit­zo­nen in Ungarn, nahe der Gren­ze zu Ser­bi­en, als unzu­läs­si­ge Inhaf­tie­rung, da die Asyl­su­chen­den die Tran­sit­zo­ne »recht­mä­ßig in kei­ne Rich­tung ver­las­sen« könn­ten. Die grie­chi­schen Tran­sit­zo­nen haben einen ande­ren Namen als ihr unga­ri­sches Vor­bild, sie wer­den auf den Inseln nahe der Gren­ze zur Tür­kei errich­tet. Der Euro­pa­rat und das Flücht­lings­hilfs­werk der Ver­ein­ten Natio­nen äußer­ten Beden­ken gegen die Lager. (…) Die Ein­zel­fall­prü­fung wird durch eine Pau­schal­re­gel ersetzt. Künf­tig kön­nen Anträ­ge allein wegen der Staats­an­ge­hö­rig­keit des Antrag­stel­lers abge­lehnt wer­den. Für die Ableh­nung reicht es aus, wenn im Her­kunfts­land kein offi­zi­el­ler Kriegs­zu­stand herrscht. Antrag­stel­ler, die im Her­kunfts­land als Ange­hö­ri­ge einer unter­drück­ten reli­giö­sen Min­der­heit oder wegen ihrer poli­ti­schen Über­zeu­gung oder sexu­el­len Ori­en­tie­rung ver­folgt wer­den, blei­ben so außen vor. (…) Ein abge­lehn­ter Asyl­an­trag gilt als zuge­stellt, wenn 48 Stun­den seit der Ver­sen­dung der Ableh­nung per E‑Mail ver­gan­gen sind. Ob dem Emp­fän­ger im Flücht­lings­la­ger ein stän­di­ger Inter­net­zu­gang zur Ver­fü­gung steht, ist uner­heb­lich. Eine pos­ta­li­sche Zustel­lung der Ableh­nung ist nicht vor­ge­schrie­ben. (…) Der Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te und ehe­ma­li­ge Jour­na­list Kon­stan­ti­nos Bogda­nos von der Nea Dimo­kra­tia brüs­te­te sich kürz­lich damit, dass die Regie­rung Asyl­su­chen­de ille­gal zurück in die Tür­kei brin­ge: Bei soge­nann­ten Push-Backs wer­den an der Gren­ze auf­ge­grif­fe­ne Asyl­su­chen­de sofort wie­der zurück­ge­schickt, ohne die Chan­ce zu erhal­ten, einen Asyl­an­trag zu stel­len…” Bei­trag von Was­si­lis Aswestopou­los in der jung­le world 2020/​21 vom 20. Mai 2020 externer Link
  • Bewei­se für wei­te­ren Mord durch grie­chi­sche Gren­zer /​Euro­pa­par­la­men­ta­ri­er for­dern EU-Unter­su­chung der Schüs­se auf Migran­ten 
    • Euro­pa­par­la­men­ta­ri­er for­dern EU-Unter­su­chung der Schüs­se auf Migran­ten
      Recher­chen des SPIEGEL legen nahe, dass grie­chi­sche Sol­da­ten im März an der tür­ki­schen Gren­ze einen Migran­ten erschos­sen haben. Nun for­dern Poli­ti­ke­rin­nen und Men­schen­recht­ler Kon­se­quen­zen. Mehr als 100 Abge­ord­ne­te des Euro­päi­schen Par­la­ments for­dern in einem Brief an die EU-Kom­mis­si­on eine Unter­su­chung der töd­li­chen Schüs­se an der tür­kisch-grie­chi­schen Gren­ze externer Link. “Wir erwar­ten, dass die Kom­mis­si­on ihrer Ver­ant­wor­tung gerecht wird und eine gründ­li­che Unter­su­chung ein­lei­tet”, heißt es in dem Schrei­ben, das dem SPIEGEL vor­liegt. Wür­den die grie­chi­sche Regie­rung und die Kom­mis­si­on auf den Bericht nicht reagie­ren, bedeu­te­te dies eine “Straf­lo­sig­keit, die in einer Uni­on, die sich auf die Ach­tung der Rechts­staat­lich­keit grün­det, nicht tole­riert wer­den kann.” Der SPIEGEL hat­te in einer gemein­sa­men Recher­che mit den Teams von Foren­sic Archi­tec­tu­re, Bel­ling­cat und Light­house Reports den Tod des paki­sta­ni­schen Migran­ten Muham­mad Gul­zar rekon­stru­iert externer Link. Die Recher­cheu­rin­nen und Recher­cheu­re konn­ten Gul­z­ars Aut­op­sie­be­richt ein­se­hen, spra­chen mit Augen­zeu­gen und ana­ly­sier­ten rund acht Stun­den Video­ma­te­ri­al. Die Rekon­struk­ti­on des 4. März weist detail­liert nach, dass mit schar­fer Muni­ti­on geschos­sen wur­de, höchst­wahr­schein­lich von grie­chi­schen Gren­zern. Aller Wahr­schein­lich­keit nach wur­de Gul­zar von der Kugel eines grie­chi­schen Sol­da­ten getrof­fen. Sechs wei­te­re Migran­ten wur­den an dem Tag am Grenz­zaun inner­halb von 37 Minu­ten ver­wun­det…” Arti­kel von Gior­gos Chris­ti­des, Stef­fen Lüd­ke und Maxi­mi­li­an Popp vom 12.05.2020 beim Spie­gel online externer Link
    • Sie­he auch den Kom­men­tar von Maxi­mi­li­an Popp am 11.05.2020 beim Spie­gel online externer Link: Der ver­roh­te Kon­ti­nent.Grie­chi­sche Grenz­schüt­zer haben aller Wahr­schein­lich­keit nach einen Migran­ten erschos­sen. Die Euro­pä­er haben sich ihre Empa­thie mit Geflüch­te­ten so sehr abtrai­niert, dass sich dar­an kaum jemand stört…”
    • Bewei­se für wei­te­ren Mord durch grie­chi­sche Gren­zer
      “Ver­schie­de­ne Quel­len haben bewie­sen, dass Anfang März meh­re­re Men­schen an der Gren­ze zur Tür­kei von grie­chi­schen Gren­zern erschos­sen wur­den (wir berich­te­ten dar­über). Der Spie­gel ver­öf­fent­lich­te am 8.5.2020 einen Arti­kelexterner Link über den Mord an dem Paki­sta­ni Muham­med Gul­zar. Der Arti­kel beruht auf den Recher­chen von Foren­sic Archi­tec­tu­re.”
      Mel­dung vom 8. Mai 2020 bei der Grie­chen­landso­li­da­ri­tät externer Link mit Links zu den Recher­chen von Amnes­ty Inter­na­tio­nal am 4. April und von Foren­sic Archi­tec­tu­re vom 5. Mai 2020 (bei­des in Eng­lisch).
    • Sie­he dazu auch die Mel­dung “Amnes­ty Inter­na­tio­nal: Zwei Män­ner sicher und eine Frau sehr wahr­schein­lich Anfang März von grie­chi­schen Gren­zern erschos­sen” vom 4. April 2020 der Grie­chen­landso­li­da­ri­tät externer Link
  • Aus­set­zung des Asyl­rechts durch Grie­chen­land war ille­gal /​Amnes­ty Inter­na­tio­nal: Zwei Män­ner sicher und eine Frau sehr wahr­schein­lich Anfang März von grie­chi­schen Gren­zern erschos­sen …
    • Gut­ach­ten von Völ­ker­recht­lern: Aus­set­zung des Asyl­rechts durch Grie­chen­land war ille­gal
      Im März 2020 setz­te die grie­chi­sche Regie­rung das Asyl­recht außer Kraft. In einem Gut­ach­ten kri­ti­sie­ren deut­sche Juris­ten Athen nun scharf: Es gebe kei­ne recht­li­che Grund­la­ge für das Vor­ge­hen…” Arti­kel von Stef­fen Lüd­ke vom 05.04.2020 beim Spie­gel online externer Link
    • Grie­chen­lands Kampf gegen Coro­na – Ände­run­gen in der Flücht­lings­po­li­tik
      “… Die Covid-19-Kri­se hat hin­sicht­lich der Flücht­lings- und Immi­gra­ti­ons­po­li­tik zu eini­gen Ände­run­gen geführt. Immi­gra­ti­ons­mi­nis­ter Notis Mitara­kis setz­te die Aus­zah­lung der vom UNHCR an Asyl­be­wer­ber gezahl­ten Hilfs­gel­der bis auf wei­te­res aus. Sie sol­len erst dann wie­der gezahlt wer­den, wenn die Ban­ken in den Lagern Geld­au­to­ma­ten auf­stel­len. Auf der ande­ren Sei­te ver­kün­de­te das Minis­te­ri­um über Face­book, dass sämt­li­che im Land befind­li­chen Asyl­be­wer­ber nun wie­der Zugang zum staat­li­chen Gesund­heits­sys­tem bekom­men. Die Abschaf­fung die­ses Zugangs gehör­te zu den ers­ten Geset­zen, wel­che die Regie­rung von Kyria­kos Mit­sota­kis erließ. Dar­über hin­aus ist im Gespräch, dass die ab dem 1. März gel­ten­de Aus­set­zung des Asyl­rechts wahr­schein­lich wie­der zurück­ge­nom­men wird.” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los vom 04. April 2020 bei tele­po­lis externer Link
    • Amnes­ty Inter­na­tio­nal: Zwei Män­ner sicher und eine Frau sehr wahr­schein­lich Anfang März von grie­chi­schen Gren­zern erschos­sen
      In einem am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Bericht von Amnes­ty Inter­na­tio­nal hat die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on den Tod von min­des­tens zwei Migran­ten an der grie­chisch-tür­ki­schen Gren­ze Anfang März bestä­tigt. Zudem doku­men­tier­te die Orga­ni­sa­ti­on wei­te­re schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, for­der­te sofor­ti­ges Han­deln der EU und warn­te in Anbe­tracht der Coro­na-Kri­se vor einer wei­te­ren Zuspit­zung der Lage. Der Bericht doku­men­tiert die Ereig­nis­se an der Gren­ze zwi­schen Grie­chen­land und der Tür­kei zwi­schen dem 27. Febru­ar und dem 27. März sowie die Situa­ti­on auf den grie­chi­schen Inseln zwi­schen dem 27. Febru­ar und dem 23. März. Amnes­ty Inter­na­tio­nal sprach mit 21 Män­nern und 13 Frau­en sowie mit Men­schen­rechts­ver­tei­di­gern, huma­ni­tä­ren Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­hei­mi­schen…“ Agen­tur­mel­dung vom 03. April 2020 bei den Salz­bur­ger Nach­rich­ten online externer Link
    • Kriegs­schiff vol­ler Flücht­lin­ge: Von Les­bos nach Mal­a­ka­sa – und jetzt nach Straß­burg!
      Mit einem Mili­tär­schiff wur­den Mit­te März in Grie­chen­land Schutz­su­chen­de abtrans­por­tiert. Die­sen Men­schen wird seit einem Monat das Recht auf Asyl, die Men­schen­wür­de und die Frei­heit vor­ent­hal­ten. PRO ASYL/​RSA klagt mit 20 Betrof­fe­nen durch alle Instan­zen. Der Fall zwei­er Min­der­jäh­ri­ger ist nun beim Men­schen­rechts­ge­richts­hof in Straß­burg anhän­gig…” Pro Asyl-Mel­dung vom 02.04.2020 externer Link
  • “Men­schen­recht­li­cher Damm­bruch” – Grie­chen­land und Mal­ta wei­sen Flücht­lin­ge ohne Asyl­ver­fah­ren zurück /​Stein­mei­er hat Ver­ständ­nis für Maß­nah­men an grie­chi­scher Gren­ze
    • Stein­mei­er hat Ver­ständ­nis für Maß­nah­men an grie­chi­scher Gren­ze
      Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er hat Ver­ständ­nis für die Zurück­wei­sung von Migran­ten an der grie­chisch-tür­ki­schen Gren­ze geäu­ßert. Die Lage dort wie in den grie­chi­schen Flücht­lings­un­ter­künf­ten sei „dra­ma­tisch“, sag­te Stein­mei­er dem Nach­rich­ten­por­tal „t‑onlineexterner Link. Man kön­ne aber „nicht auf den Schutz der EU-Außen­gren­zen, auch den Schutz vor unkon­trol­lier­ten Grenz­über­trit­ten, ver­zich­ten“, erklär­te Stein­mei­er im Hin­blick auf den Ein­satz von Sta­chel­draht und Trä­nen­gas an der Gren­ze…” Miga­zin-Mel­dung vom 17.03.2020 externer Link (im Abo)
    • “Men­schen­recht­li­cher Damm­bruch” – Grie­chen­land und Mal­ta wei­sen Flücht­lin­ge ohne Asyl­ver­fah­ren zurück
      “… Die grie­chi­schen Behör­den wol­len auf Les­bos fest­ge­hal­te­ne Migran­ten zurück in die Tür­kei abschie­ben. Wie die „Welt am Sonn­tag“ berich­tet, geht dies aus einem der Zei­tung vor­lie­gen­den Doku­ment her­vor, das den Men­schen im Hafen von Myti­li­ni aus­ge­hän­digt wur­de. Dar­in wird ihnen von der Poli­zei­di­rek­ti­on Les­bos mit­ge­teilt, dass sie auf einer Lis­te von „uner­wünsch­ten Migran­ten“ stün­den und daher abge­scho­ben wer­den wür­den. „Pro Asyl“ wirft Grie­chen­land vor, im Umgang mit Flücht­lin­gen den Rechts­staat außer Kraft zu set­zen. Dem Schrei­ben zufol­ge haben die Per­so­nen sechs Mona­te Zeit, bei der Iden­ti­täts­fest­stel­lung mit­zu­wir­ken; solan­ge sol­len sie inhaf­tiert blei­ben. Sofern sie nicht koope­rie­ren, wür­den sie ein wei­te­res hal­bes Jahr in Haft blei­ben. Auf Anfra­ge der „Welt am Sonn­tag“ bestä­tig­te Manos Logo­the­tis, Sekre­tär für die Ernst­auf­nah­me von Migran­ten im grie­chi­schen Innen­mi­nis­te­ri­um, die Echt­heit des Schrei­bens. Die Fra­ge, ob die Tür­kei die Men­schen wie­der zurück­neh­me, beant­wor­te­te er nicht. Sei­nen Anga­ben zufol­ge wür­den zunächst die etwa 500 im Hafen von Myti­li­ni fest­ge­hal­te­nen Migran­ten in ein geschlos­se­nes Lager auf dem Fest­land gebracht. Auch die rund 1.000 Men­schen, die auf ande­ren Inseln in der Ost­ägä­is fest­sit­zen, sol­len dort­hin ver­legt wer­den. (…) Die Flücht­lings­hil­fe­organsia­ti­on „Pro Asyl“ kri­ti­sier­te am Sams­tag das „skan­da­lö­se Schwei­gen der EU-Innen­mi­nis­ter zum Rechts­bruch in Grie­chen­land“. Auf der Insel Les­bos wür­den seit Tagen 500 Flücht­lin­ge auf einem Kriegs­schiff unter unmensch­li­chen und ernied­ri­gen­den Bedin­gun­gen fest­ge­hal­ten, denen der Zugang zu einem Asyl­ver­fah­ren ver­wehrt wer­de. Unter ihnen sei­en vie­le Fami­li­en mit klei­nen Kin­dern. Ihnen dro­he nun die Zurück­schie­bung in die Tür­kei. Das Schwei­gen der EU sei ein „men­schen­recht­li­cher Damm­bruch“, sag­te „Pro Asyl“-Geschäftsführer Gün­ter Burk­hardt…” Mel­dung vom 16. März 2020 bei MiGA­ZIN externer Link
  • Grie­chi­sche Poli­zis­ten pro­tes­tie­ren gegen unmensch­li­che Behand­lung von Schutz­su­chen­den auf den grie­chi­schen Grenz­in­seln /​Grie­chen­land setzt Ven­ti­la­to­ren gegen Flüch­ten­de ein
    • Grie­chi­sche Poli­zis­ten pro­tes­tie­ren gegen unmensch­li­che Behand­lung von Schutz­su­chen­den auf den grie­chi­schen Grenz­in­seln
      Mit­glie­der der grie­chi­schen Gewerk­schaft der Poli­zei von den Inseln Les­bos, Chi­os, Samos, des Nord- und Süd­do­de­ka­nes pro­tes­tie­ren auch aus Grün­den der öffent­li­chen Gesund­heits­ge­fähr­dung in aller Ein­dring­lich­keit gegen die unmensch­li­chen Behand­lung von Schutz­su­chen­den. Seit dem 1. März 2020 gilt, dass Flücht­lin­ge kei­ne Asyl­an­trä­ge mehr stel­len dür­fen, son­dern umge­hend zurück­ge­bracht wer­den sol­len. Des­halb kom­men Neu­an­kömm­lin­ge auf den Inseln seit dem 1. März nicht in die – bereits viel­fach über­füll­ten – loka­len Hot­spots son­dern in geschlos­se­ne Berei­che im Hafen­be­reich. (Les­bos, Mili­tär­schiff) Am 13. März pro­tes­tiert sogar die grie­chi­sche Gewerk­schaft der Poli­zei in einem offe­nen Brief gegen die inak­zep­ta­ble Lage, die dadurch auf den Inseln der Nord­ägä­is ent­steht. Aus­ge­rech­net Poli­zis­ten von Les­bos, Chi­os, Samos beschwe­ren sich bei ihren Vor­ge­setz­ten über „die für die Men­schen­rech­te und die öffent­li­che Gesund­heit inak­zep­ta­ble Situa­ti­on auf unse­ren Inseln.“ Erst­mals wird dadurch der zah­len­mä­ßi­ge Umfang der men­schen­rechts­wid­ri­gen Behand­lung öffent­lich…” Pres­se­mit­tei­lung vom 14.03.2020 von und bei Pro Asyl externer Link samt der Über­set­zung des Pro­test­schrei­ben
    • Grie­chen­land setzt Ven­ti­la­to­ren gegen Flüch­ten­de ein
      “… Die grie­chi­sche Grenz­po­li­zei hat an der Gren­ze zur Tür­kei in Kas­ta­nies erst­mals gro­ße Ven­ti­la­to­ren ein­ge­setzt. Es war erneut zu Zusam­men­stö­ßen gekom­men. Beim Ver­such, den Grenz­zaun zu über­win­den, zün­de­ten eini­ge Flüch­ten­de Brand­sät­ze und war­fen mit Stei­nen. Die grie­chi­sche Poli­zei blies mit den Ven­ti­la­to­ren Trä­nen­gas und die Rauch­schwa­den der Feu­er auf die tür­ki­sche Sei­te in Rich­tung der Flüch­ten­den. Nach Anga­ben aus Mili­tär­krei­sen han­delt es sich um Hoch­druck­ge­rä­te, die übli­cher­wei­se in Wind­ka­nä­len für Fall­schirm­sprin­ger ein­ge­setzt wer­den. Sie wur­den für ihren Ein­satz auf Jeeps mon­tiert. Neben den Ven­ti­la­to­ren und dem Trä­nen­gas setz­te die grie­chi­sche Poli­zei auch Was­ser­wer­fer ein. Zunächst war es zwi­schen Sicher­heits­be­am­ten auf grie­chi­scher und auf tür­ki­scher Sei­te zum Ein­satz von Trä­nen­gas gekom­men. Ein Repor­ter der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters berich­te­te, am abge­rie­gel­ten Grenz­über­gang Kas­ta­nies sei­en Trä­nen- und Rauch­gas­gra­na­ten von tür­ki­scher Sei­te in Rich­tung der grie­chi­schen Poli­zei geschos­sen wor­den. Die­se habe zum Teil eben­falls Trä­nen­gas ein­ge­setzt…” Mel­dung vom 13. März 2020 bei Zeit online externer Link (mit kur­zem Video)
    • EU-Außen­gren­ze: Miss­ach­tet Grie­chen­land Migran­ten-Rech­te?
      “Vier Jah­re Haft wegen ille­ga­ler Ein­rei­se – in Grie­chen­land wer­den Flücht­lin­ge in Schnell­ver­fah­ren ohne Ver­tei­di­ger abge­ur­teilt, wie Recher­chen des Maga­zins Moni­tor vor Ort erga­ben. Das UNHCR kri­ti­siert das Vor­ge­hen deut­lich. (…) Es ist in gro­ßes Are­al mit vie­len wei­ßen Con­tai­nern, umzäunt von Sta­chel­draht. Jour­na­lis­ten erhal­ten kei­nen Zutritt. Vor dem Tor berich­tet Mar­ga­ri­tis Petritz­i­kis vom UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR, dass vie­le Flücht­lin­ge in juris­ti­schen Schnell­ver­fah­ren zu mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt wur­den: “Das ist eine neue Pra­xis und wir sind sehr besorgt, weil Fami­li­en getrennt wer­den, indem zum Bei­spiel ein Fami­li­en­va­ter zu drei Jah­ren Haft ver­ur­teilt und in ein Gefäng­nis gebracht wird, wäh­rend Mut­ter und Kin­der in ein Flücht­lings­la­ger gebracht wer­den”, so Petritz­i­kis. Genaue Fall­zah­len dazu habe er nicht, sagt Petriz­i­kis. Doch er schätzt, dass mitt­ler­wei­le mehr als 50 Per­so­nen in sol­chen Schnell­ver­fah­ren ver­ur­teilt wor­den sind – mit Haft­stra­fen bis zu vier Jah­ren allein wegen ille­ga­ler Ein­rei­se. Das Aus­ein­an­der­rei­ßen von Fami­li­en, die hohen Haft­stra­fen in juris­ti­schen Schnell­ver­fah­ren – für den Ver­tre­ter des UNHCR ist das eine besorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lung. “Es ist beun­ru­hi­gend. Wir als UNHCR ermah­nen die Mit­glied­staa­ten der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on, dass sie Asyl­su­chen­de und Flücht­lin­ge nicht wegen eines irre­gu­lä­ren Grenz­über­tritts straf­recht­lich ver­fol­gen dür­fen.” (…) Aber nicht nur die hohen Stra­fen, auch die schnel­len Pro­zes­se selbst haben mit rechts­staat­li­chen Straf­ver­fah­ren nach euro­päi­schen Stan­dards wenig gemein. In Thes­sa­lo­ni­ki berich­tet Rechts­an­walt Dimi­tris Koros vom grie­chi­schen Flücht­lings­rat GCR, dass er erst nach den ers­ten Schnell­ver­ur­tei­lun­gen der Flücht­lin­ge von die­sen Vor­gän­gen erfah­ren hat. Neben Haft­stra­fen von vier Jah­ren sei­en Geld­stra­fen von bis zu 10.000 Euro ver­hängt wor­den. Jetzt ver­su­che Koros gemein­sam mit sei­nen Kol­le­gin­nen, eini­ge der Flücht­lin­ge aus den Gefäng­nis­sen her­aus­zu­ho­len. Vor Gericht hät­ten die­se Men­schen kei­ner­lei Rechts­bei­stand gehabt. So etwas habe er bis­her nicht erlebt: “Es wirkt, als ob das Gericht sei­ne Rol­le jetzt dar­in sieht, mit die Gren­zen zu schüt­zen. Den Flücht­lin­gen wer­den ihre Rech­te weder erklärt noch gewährt. Kei­ner von ihnen hat­te wäh­rend des Gerichts­ver­fah­rens einen Anwalt. Das ein­zi­ge, was ihnen begeg­net: Poli­zei, Straf­ver­fol­ger, Gefäng­nis.” Grie­chen­land ver­sto­ße damit mas­siv gegen Men­schen­rech­te und gegen die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on. Sogar Min­der­jäh­ri­ge lan­de­ten mitt­ler­wei­le vor Gericht, berich­ten grie­chi­sche Anwäl­te. Ein ange­klag­tes, afgha­ni­sches Mäd­chen sei erst zwölf Jah­re alt. (…) EU-Kom­mis­si­on und Bun­des­re­gie­rung befür­wor­ten den­noch den grie­chi­schen Kurs. Fron­tex und die Bun­des­po­li­zei sol­len nun ver­stärkt die grie­chi­sche Grenz­po­li­zei unter­stüt­zen. Doch mit den Inter­nie­run­gen, der Aus­set­zung des Asyl­rechts und den Schnell­ver­fah­ren miss­ach­te Grie­chen­land sys­te­ma­tisch Men­schen­rech­te und ver­sto­ße gegen EU-Recht, kri­ti­siert Jür­gen Bast, Pro­fes­sor für Euro­pa­recht an der Uni­ver­si­tät Gie­ßen: “Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on stellt sich hin­ter Grie­chen­land, zeigt Soli­da­ri­tät und nimmt sehen­den Auges in Kauf, dass das EU-Recht hier nicht beach­tet wird.” Bericht von Nai­ma El Moussaoui und Lara Straat­mann bei tages​schau​.de vom 12. März 2020 externer Link. Sie­he hier­zu den Bericht “Bru­ta­le Gewalt: Euro­pas Rechts­bruch an der Außen­gren­ze” von Nai­ma El Moussaoui, Lara Straat­mann, Bay­sal Mar­ti und Ralph Höt­te vom 12. März 2020 externer Link (Video­län­ge: ca. 10 Min.)
  • Rechts­bruch ohne Fol­gen: EU lehnt Unter­su­chung gegen Grie­chen­land ab
    “An den EU-Gren­zen in Grie­chen­land mel­den Men­schen­recht­ler mas­si­ve Rechts­brü­che. Berich­te von gehei­men Flücht­lings­la­gern wie­gen schwer. Die EU hat Grie­chen­land zur Ein­hal­tung von Men­schen­rech­ten ange­mahnt. Rechts­brü­che will sie aber nicht unter­su­chen. (…) Der­zeit sei man „in engem Kon­takt“ mit den grie­chi­schen Behör­den, sag­te ein Spre­cher am Mitt­woch bei einer Pres­se­kon­fe­renz auf wie­der­hol­te Fra­gen, ob Brüs­sel ange­sichts der Lage der Migran­ten an der Gren­ze nicht stär­ker durch­grei­fen müs­se. Vor­wür­fe wegen Rechts­ver­let­zun­gen müss­ten die natio­na­len Behör­den in indi­vi­du­el­len Fäl­len selbst klä­ren, mach­te der Spre­cher deut­lich. Ein ande­rer Spre­cher ergänz­te, dass wenn die aktu­el­len Kon­tak­te zu nichts führ­ten, „spä­ter ande­re Schrit­te gemacht wer­den kön­nen“. Die EU-Kom­mis­si­on hat, um das euro­päi­sche Recht durch­zu­set­zen, eine Rei­he von Mög­lich­kei­ten bis hin zur Kla­ge vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof. (…) Am Diens­tag berich­te­te die „New York Times“ von einem gehei­men grie­chi­schen Lager nahe der Gren­ze, wo Men­schen ohne Kon­takt zur Außen­welt fest­ge­hal­ten und von wo sie ohne Ver­fah­ren in die Tür­kei abge­scho­ben wür­den. Die Vor­wür­fe wie­gen hart. EU-Kom­mis­si­ons­chefin Ursu­la von der Ley­en zeig­te sich bei einem Besuch an der Gren­ze ver­gan­ge­ne Woche mit den Grie­chen soli­da­risch. Am Don­ners­tag wer­den sie und Innen­kom­mis­sa­rin Ylva Johans­son zu einem wei­te­ren Besuch in Grie­chen­land erwar­tet…” Mel­dung vom 12. März 2020 bei MiGA­ZIN externer Link
  • 500 Geflüch­te­te har­ren auf Kriegs­schiff aus – ohne Hoff­nung auf Asyl /​Ab Mit­te März: Grie­chen­land will Flücht­lin­gen finan­zi­el­le Unter­stüt­zung strei­chen
    • Grie­chen­land: 500 Geflüch­te­te har­ren auf Kriegs­schiff aus – ohne Hoff­nung auf Asyl
      Seit Tagen hält die grie­chi­sche Poli­zei mehr als 500 Geflüch­te­te auf einem Schiff fest, wie Auf­nah­men zei­gen. Sie befürch­ten, in die Kri­sen­re­gio­nen zurück­ge­schickt zu wer­den, aus denen sie geflo­hen sind.” Video-Repor­ta­ge von Les­bos von Gior­gos Chris­ti­des, Kat­rin Kuntz und Mar­tin Jäsch­ke vom 10.03.2020 beim Spie­gel online externer Link, sie­he auch:
    • Ab Mit­te März: Grie­chen­land will Flücht­lin­gen finan­zi­el­le Unter­stüt­zung strei­chen
      “… In Grie­chen­land soll ab Mit­te März die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für Flücht­lin­ge gekappt wer­den. “Unser Ziel ist es, Berech­tig­ten inner­halb von zwei bis drei Mona­ten Asyl zu gewäh­ren und anschlie­ßend die Leis­tun­gen und die Unter­brin­gung zu strei­chen, weil all die­se Maß­nah­men dazu bei­getra­gen haben, dass die Men­schen ins Land kom­men und die­se Leis­tun­gen aus­nut­zen”, sag­te der grie­chi­sche Migra­ti­ons­mi­nis­ter Notis Mitara­kis am Sams­tag dem grie­chi­schen Fern­seh­sen­der Skai. Grie­chen­land wer­de die­se Vor­tei­le beschnei­den. “Wer Asyl erhält, ist anschlie­ßend selbst für sich ver­ant­wort­lich”, sag­te Mitara­kis. Es gebe Inte­gra­ti­ons- und Unter­stüt­zungs­pro­gram­me, aber dar­über hin­aus kön­ne man nichts finan­zie­ren. Bis­her dau­er­te es wegen Per­so­nal­man­gels aller­dings rund sie­ben Mona­te, bis ein Asyl­ver­fah­ren in ers­ter Instanz abge­schlos­sen wur­de – mit­un­ter auch ein Jahr und län­ger. Wei­ter schloss Mitara­kis den Bau geschlos­se­ner Lager auf unbe­wohn­ten grie­chi­schen Inseln nicht aus, schränk­te aber ein, dass eine sol­che Lösung nicht leicht umzu­set­zen wäre. Nach sei­nen Wor­ten sol­len zunächst zwei geschlos­se­ne Zen­tren auf dem Fest­land errich­tet wer­den, eines in Atti­ka, der Regi­on rund um Athen, und eines in der nord­grie­chi­schen Regi­on Ser­res. Die 2000 Plät­ze, die dadurch ent­stün­den, sol­len die Kri­se auf den Inseln lin­dern. Plä­ne der grie­chi­schen Regie­rung, geschlos­se­ne Lager auf Flücht­lings­in­seln wie Les­bos und Chi­os zu errich­ten, waren auf erbit­ter­ten Wider­stand der Insel­be­woh­ner gesto­ßen. Auch auf dem Fest­land weh­ren sich Anwoh­ner, in deren Nähe sol­che Zen­tren ent­ste­hen sol­len…” Mel­dung vom 7. März 2020 beim Spie­gel online externer Link
  • War­um die Regie­rung in Athen voll auf eine rechts­ex­tre­me, natio­na­lis­ti­sche und flücht­lings­feind­li­che Poli­tik setzt 
    “„Die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on stellt eine akti­ve, erns­te, außer­ge­wöhn­li­che und asym­me­tri­sche Bedro­hung für die natio­na­le Sicher­heit des Lan­des dar“, sag­te der grie­chi­sche Regie­rungs­spre­cher Ste­li­os Pet­s­as am 1. März, im Anschluss an die Sit­zung des Natio­na­len Rates für Aus­wär­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten und Ver­tei­di­gung vom 1. März. Vom grie­chi­schen Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Ado­nis Geor­gia­dis stammt der Satz „Sie sind kei­ne Flücht­lin­ge, son­dern Inva­so­ren.“ (…) Auf das Vor­ge­hen Anka­ras reagiert Athen mit einer rechts­ex­trem, natio­na­lis­tisch und flücht­lings­feind­lich kon­no­tier­ten Poli­tik. Die seit Juli 2019 amtie­ren­de kon­ser­va­ti­ve Regie­rung von Minis­ter­prä­si­dent Kyria­kos Mit­sota­kis hat eine Atmo­sphä­re der natio­na­len Kri­se, ja der mora­li­schen Panik geschaf­fen. Sie behan­delt Geflüch­te­te und Ein­wan­de­rer als „asym­me­tri­sche Bedro­hung“, als „Ein­dring­lin­ge“. Mit­sota­kis sprach von der „ille­ga­len Inva­si­on Tau­sen­der Men­schen“, von deren „Flut­schen in unser Staats­ge­biet“. Der Minis­ter­prä­si­dent ver­kün­de­te: „Es ist mei­ne Pflicht, die Inte­gri­tät und Sou­ve­rä­ni­tät mei­nes Lan­des zu schüt­zen, und das wer­de ich tun.“ Tau­sen­de von Poli­zis­ten wur­den an die Gren­ze ver­legt. Die Regie­rung mobi­li­sier­te auch die Natio­nal­gar­de sowie Anwoh­ner mit Jagd­waf­fen. Der Befehl lau­tet, in die Luft zu schie­ßen – die Tür­kei spricht von Flücht­lings­mor­den. Die Annah­me von Asyl­an­trä­gen wur­de für einen Monat aus­ge­setzt. „Push backs“, also das Zurück­drän­gen von Flücht­lin­gen und Ein­wan­de­rern in die Tür­kei, ohne sie sich regis­trie­ren oder Asyl­an­trä­ge stel­len zu las­sen, ist offi­zi­el­le Paro­le. Zudem demons­triert die Regie­rung eine pro­vo­kan­te Tole­ranz für Angrif­fe faschis­ti­scher Ban­den auf NGO-Mit­glie­der, Immi­gran­ten und Jour­na­lis­ten auf den Inseln und am Evros. Die Poli­tik der Regie­rung ruht auf zwei Säu­len: Der Vik­tor-Orbán-Agen­da in der Ein­wan­de­rungs­po­li­tik und der tra­di­tio­nell natio­na­lis­ti­schen Rhe­to­rik gegen­über der Tür­kei. (…) Vor­erst ist die Regie­rung in die­sem Spiel in der Vor­hand. Eine gesell­schaft­li­che Mehr­heit scheint ihre Poli­tik zu unter­stüt­zen. Schlim­mer noch, Ras­sis­mus und Faschis­mus tre­ten bei vie­len offen zuta­ge. (…) Pro­gres­si­ve Bür­ger, die die­ser Regie­rungs­po­li­tik ent­ge­gen­tre­ten, kämp­fen für das Selbst­ver­ständ­li­che: Unbe­waff­ne­te Geflüch­te­te und Ein­wan­de­rer sind kei­ne Bedro­hung für die natio­na­le Sicher­heit. Ein unver­äu­ßer­li­ches Men­schen­recht wie das auf Asyl kann nicht abge­schafft wer­den. Es darf nicht sein, dass gegen die­je­ni­gen, die die Gren­ze über­que­ren, mili­tä­ri­sche Gewalt ange­wen­det wird oder dass sie zu vier Jah­ren Gefäng­nis ohne Bewäh­rung ver­ur­teilt wer­den. Vor allem aber ist die­ser Kampf gegen die Ent­rech­tung von Flücht­lin­gen und Migran­ten gerich­tet. Das Schreck­lichs­te, was der­zeit in Grie­chen­land geschieht, ist, dass ein bedeu­ten­der Teil der Gesell­schaft auf­ge­hört hat, sie als Men­schen zu betrach­ten, die Rech­te haben und Respekt ver­die­nen…” Arti­kel von Yan­nis Alm­pa­nis vom 05.03.2020 bei Frei­tag online externer Link (Yan­nis Alm­pa­nis ist ein Repor­ter für CNN Grie­chen­land. In der ers­ten, 2015 gewähl­ten Regie­rung Tsi­pras war er Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­ter des Pre­mier­mi­nis­ters). Sie­he zum Hin­ter­grund:
    • Die grie­chi­sche Rechts­re­gie­rung betreibt ihren men­schen­feind­li­chen Kurs gegen Flücht­lin­ge mit faschis­ti­schem Mob und EU-Unter­stüt­zung – und stößt auf Wider­stand der grie­chi­schen Bevöl­ke­rung
      „… Der grie­chi­sche Minis­ter­prä­si­dent Kyria­kos Mit­sota­kis, im Juli 2019 als libe­ra­ler Poli­ti­ker zur Wahl ange­tre­ten, hat sich in nur sie­ben Mona­ten Amts­zeit zu einem Par­tei­gän­ger Vik­tor Orbáns und Matteo Sal­vi­nis gewan­delt. Gegen den Popu­lis­mus und für eine sach­orientierte Poli­tik woll­te er ein­ste­hen und einen funk­tio­nie­ren­den, schlan­ken Beam­ten­staat errich­ten. Zehn­tau­sen­de gut­be­zahl­te Arbeits­plät­ze wür­den geschaf­fen, so ver­sprach er – und schei­ter­te auf gan­zer Linie. Zudem woll­te er die bereits bei sei­nem Amts­an­tritt über­füll­ten Flücht­lings­la­ger auf Les­bos, Samos und Chi­os ent­las­ten – und ver­sag­te auch hier. Bis­lang ent­lud sich die Frus­tra­ti­on der Regie­rung in Poli­zei­ak­tio­nen im Athe­ner Vier­tel Exar­chia und Poli­zei­ge­walt gegen Stu­den­ten und oft­mals auch Pas­san­ten. Öffent­li­che Empö­rung über die Poli­zei­ge­walt blieb weit­ge­hend aus, die Mehr­heit sah in Mit­sota­kis’ »har­tem Durch­grei­fen« die »Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät«. Die meis­ten Medi­en applau­dier­ten der Regie­rung. Mit­sota­kis refor­mier­te die Sozi­al­ver­si­che­rung, er führ­te Ren­ten »nur für Grie­chen« ein. Er strich Asyl­be­wer­bern die Gesund­heits­ver­sor­gung, so dass Krebs­kran­ke unbe­han­delt blei­ben und ein Säug­ling mit Was­ser­kopf nicht ope­riert wer­den kann. Erneut gab es kei­nen gro­ßen Pro­test. So in sei­nem Kurs bestä­tigt, bewegt sich Mit­sota­kis immer wei­ter nach rechts und gleicht sich den bekann­ten Vor­bil­dern der neu­en und extre­men Rech­ten an…“ aus dem Arti­kel „Die Orbá­ni­sie­rung des Kyria­kos M.“ von Was­si­lis Aswestopou­los am 05. März 2020 in der jung­le world externer Link (Aus­ga­be 10/​2020). Sie­he dazu drei wei­te­re Bei­trä­ge zur reak­tio­nä­ren Front gegen Flücht­lin­ge (nicht nur) in Grie­chen­land sowie fünf Bei­trä­ge, die Aspek­te des Wider­stan­des gegen die­sen Kurs (eben­falls nicht nur) in Grie­chen­land deut­lich machen
  • Die Herr­schaft des Rechts an der EU-Außen­gren­ze? 
    “… Die­je­ni­gen Men­schen, die die Gren­ze trotz der vehe­men­ten Abschot­tung pas­sie­ren, wer­den von den grie­chi­schen Behör­den inhaf­tiert. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag schließ­lich setz­te die grie­chi­sche Regie­rung das Asyl­recht aus und will kei­ne Asyl­an­trä­ge mehr anneh­men. Die Regie­run­gen der ande­ren euro­päi­schen Län­der unter­stüt­zen die grie­chi­sche Regie­rung in ihrem Vor­ge­hen, die euro­päi­sche Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex hat zusätz­li­ches Per­so­nal in die Regi­on ent­sandt, um die Behör­den vor Ort bei der Grenz­si­che­rung zu unter­stüt­zen. Herrscht an der grie­chisch-tür­ki­schen Gren­ze ein recht­li­cher Aus­nah­me­zu­stand, der Men­schen­rech­te und rechts­staat­li­che Gewähr­leis­tun­gen außer Kraft set­zen kann? Die Ant­wort ist klar: Nein. Die Zustän­de an der grie­chisch-tür­ki­sche Gren­ze und auf den Inseln in der nord­öst­li­chen Ägä­is sind kei­ne huma­ni­tä­re Kata­stro­phe, die vom Him­mel gefal­len ist. Gewalt, push­backs, Inter­nie­run­gen und elen­de Zustän­de in völ­lig über­füll­ten Lagern sind men­schen- und staats­ge­mach­te Ver­let­zun­gen fun­da­men­ta­ler Rech­te, die durch nichts gerecht­fer­tigt sind. Die Aus­set­zung des Asyl­rechts durch die grie­chi­sche Regie­rung bedeu­tet kon­kret, dass ein­ge­reis­te Per­so­nen von der Gren­ze aus ohne eine Regis­trie­rung direkt in die Tür­kei abge­scho­ben wer­den sol­len. Laut der Begrün­dung im grie­chi­schen Geset­zes­blatt wird die­se zunächst für einen Monat befris­te­te Maß­nah­me mit „beson­de­ren und unvor­her­ge­se­he­nen Ereig­nis­sen“ gerecht­fer­tigt, die die Sicher­heit des Lan­des gefähr­de­ten. Das ist schon rein zah­len­mä­ßig eine Dra­ma­ti­sie­rung, als dass sich nach­Schät­zun­gen des UN-Flücht­lings­hilfs­werks der­zeit gera­de ein­mal 13.000 Men­schen im Grenz­ge­biet befin­den. Vor allem ist eine Aus­set­zung recht­lich nicht zuläs­sig: Sowohl die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on (GFK) in Art. 33 als auch die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) in Art. 3 for­mu­lie­ren nach ein­hel­li­ger und unum­strit­te­ner Les­art ein Zurück­wei­sungs­ver­bot, soweit eine poli­ti­sche Ver­fol­gung oder eine unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung dro­hen. (…) Auch kann die Aus­set­zung des Asyl­ver­fah­rens auch nicht unter Ver­weis auf die Tür­kei als siche­rem Dritt­staat erfol­gen: Die Tür­kei ist, wie es die Art. 38 und 39 der Asyl­ver­fah­rens­richt­li­nie vor­se­hen, zum einen weder im natio­na­len Recht noch auf euro­päi­scher Ebe­ne als siche­rer Dritt­staat kate­go­ri­siert. Dies wäre zum ande­ren auch recht­lich nicht mög­lich, da die GFK in der Tür­kei für Flücht­lin­ge aus außer­eu­ro­päi­schen Staat rein recht­lich nicht gilt, und außer­dem tat­säch­lich Schutz­su­chen­de in der Tür­kei kein dau­er­haf­tes Auf­ent­halts­recht und kei­ne Rech­te haben, die den Vor­ga­ben der GFK ent­spre­chen, sowie nach­weis­lich Ket­ten­ab­schie­bun­gen unter ande­rem nach Syri­en und Afgha­ni­stan statt­fin­den…” Arti­kel von Mat­thi­as Leh­nert vom 4.3.2020 beim Ver­fas­sungs­blog externer Link
  • Grie­chen­land setzt vor­läu­fig [und rechts­wid­rig] Asyl­recht aus /​ [Peti­ti­on] Huma­ni­tä­re Kri­se in Grie­chen­land: Deutsch­land & Euro­pa müs­sen Flücht­lin­gen Schutz bie­ten
    An der tür­kisch-grie­chi­schen Gren­ze trägt sich eine huma­ni­tä­re Kata­stro­phe zu: Nach­dem der tür­ki­sche Prä­si­dent Erdoğan die Gren­ze zu Grie­chen­land geöff­net hat, haben sich tau­sen­de Flücht­lin­ge auf den Weg gemacht, um in der EU einen Antrag auf Asyl zu stel­len. In Grie­chen­land wen­det die Poli­zei Gewalt an, damit die Men­schen nicht ins Land kom­men. Die grie­chi­sche Regie­rung dekla­riert die Abschre­ckung zur Ver­tei­di­gung der EU-Außen­gren­ze. Gleich­zei­tig hat Grie­chen­land ange­kün­digt, das Asyl­recht aus­zu­set­zen. Seit Mona­ten har­ren mehr als 40.000 Men­schen in völ­lig über­füll­ten Lagern auf den grie­chi­schen Inseln aus. Die­se Situa­ti­on auf den Inseln ist nicht län­ger trag­bar. Jour­na­lis­ten und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen wer­den von rech­ten Grup­pen bedroht und die Behör­den schüt­zen sie nicht. Nur durch eine schnel­le Ant­wort von EU-Staa­ten kann eine wei­te­re Eska­la­ti­on ver­hin­dert wer­den. Auch die Bun­des­re­gie­rung muss rasch han­deln. Jetzt ist umso not­wen­di­ger, was schon lan­ge hät­te pas­sie­ren müs­sen: Die Euro­päi­sche Uni­on steht in der Pflicht, Grie­chen­land bei der Bewäl­ti­gung der Lage mit allen Mit­teln zu unter­stüt­zen. Huma­ni­tät und Ord­nung müs­sen nun die Leit­prin­zi­pi­en der EU sein. Das ist eine euro­päi­sche Not­la­ge, kei­ne grie­chi­sche. Wenn wir Grie­chen­land jetzt allei­ne las­sen, tra­gen wir zu wei­te­rem Leid, Unsi­cher­heit und Insta­bi­li­tät bei. Wir for­dern daher vier Sofort­maß­nah­men: 1. Die Bun­des­re­gie­rung soll­te ein Kon­tin­gent von Geflüch­te­ten aus Grie­chen­land und den ägäi­schen Inseln auf­neh­men (…) 2. Das Bun­des­amt für Flücht­lin­ge (BAMF) und die Bun­des­re­gie­rung dür­fen nicht län­ger die Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung von Schutz­su­chen­den in Grie­chen­land mit ihren Ver­wand­ten in Deutsch­land blo­ckie­ren (…) 3. Das Asyl­recht ist ein Men­schen­recht. Men­schen, die Schutz inner­halb der EU suchen, dür­fen nicht ohne eine indi­vi­du­el­le Prü­fung ihres Asyl­ge­suchs abge­scho­ben wer­den. (…) 4. Die Poli­zei­ge­walt gegen Flücht­lin­ge muss auf­hö­ren. Trä­nen­gas und Was­ser­wer­fer ver­schlim­mern nur die Not und lösen nichts. So darf Euro­pa nicht mit Schutz­su­chen­den umge­hen. Journalist*innen, Anwält*innen und NGOs müs­sen geschützt wer­den und unge­hin­dert ihre wich­ti­ge Arbeit leis­ten kön­nen. Die Bun­des­re­gie­rung muss zusam­men mit der EU dar­auf hin­wir­ken, dass Grund­rech­te auf allen Ebe­nen gewahrt blei­ben. Die Behör­den vor Ort müs­sen Recht und Gesetz durch­set­zen, statt die gewalt­tä­ti­gen Mobs auf den grie­chi­schen Inseln zu dul­den…” Peti­ti­on von Sven Gie­gold MdEP, Erik Mar­quardt MdEP, Cla­ra Anne Bün­ger und Ans­gar Gils­ter bei chan​ge​.org externer Link – sie­he zum Hin­ter­grund:
  • Grie­chen­land setzt vor­läu­fig [und rechts­wid­rig] Asyl­recht aus
    “… Jeder, der inner­halb der Peri­ode der Auf­he­bung des Asyl­rechts ohne gül­ti­ge Rei­se­pa­pie­re nach Grie­chen­land ein­reist, soll direkt und ohne Regis­trie­rung oder Mög­lich­keit zur Stel­lung eines Asyl­an­trags zurück ins Hei­mat­land abge­scho­ben wer­den. Dar­über hin­aus wer­den ille­ga­le Grenz­über­trit­te mit von Schnell­ge­rich­ten zu ver­hän­gen­den Haft­stra­fen belegt. An der Land­gren­ze fin­den ab die­ser Woche Mili­tär­ma­nö­ver mit schar­fer Muni­ti­on statt, was die Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten, aber auch die tür­ki­sche Sei­te abschre­cken soll. Momen­tan sind im Nie­mands­land an der grie­chisch-tür­ki­schen Land­gren­ze Tau­sen­de gefan­gen. Sie kön­nen weder nach Grie­chen­land ein­rei­sen, noch in die Tür­kei zurück­keh­ren. Gleich­zei­tig fah­ren auf Sei­ten der Tür­kei immer mehr Son­der­bus­se und Züge die Aus­rei­se­wil­li­gen an die Gren­ze. Pro­ble­ma­tisch ist in die­sem Zusam­men­hang die Veri­fi­zie­rung der Nach­rich­ten­la­ge, da von Sei­ten bei­der Län­der kei­ne Jour­na­lis­ten mehr ins Nie­mands­land gelas­sen wer­den. Grie­chi­sche Medi­en stim­men der­weil die Bevöl­ke­rung auf einen Kon­flikt ein. Die Berich­te von der Gren­ze titeln mit ein­deu­ti­ger Wort­wahl “Schlacht an der Gren­ze” oder “Wider­stand gegen die Inva­si­on der Flücht­lin­ge”. Immer mehr Poli­ti­ker der Regie­rungs­par­tei Nea Dimo­kra­tia bezeich­nen die Asyl­su­chen­den und Migran­ten pau­schal als “ille­ga­le Ein­wan­de­rer”, “Inva­si­ons­ar­mee”, “Inva­so­ren” oder gar als “fünf­te Kolon­ne Erdo­gans”. Es ist ein sehr pola­ri­sier­tes Kli­ma, wel­ches auch in der Bevöl­ke­rung ein Echo fin­det. (…) Grie­chen­land ste­hen schwe­re und unru­hi­ge Zei­ten bevor.” Bericht von Was­si­lis Aswestopou­los vom 2. März 2020 bei Tele­po­lis externer Link, sie­he dazu:
    • Grie­chen­land hebt Asyl­recht auf, “für einen Monat” – Bewoh­ner von Les­bos las­sen Geflüch­te­te nicht an Land
      “Der Natio­na­le Sicher­heits­rat (Government Coun­cil for For­eign Affairs and Defen­se (KYSEA) ent­schied am 1.3.2020, Men­schen, die um Asyl bit­ten, einen Monat lang sofort wie­der abzu­schie­ben (…) Erik Mar­quardt (Grü­ne), Mit­glied im Euro­pa­par­la­ment berich­tet am 1.3.2020 auf Twit­ter: „Auf Les­bos blo­ckie­ren Ein­woh­ner Bevöl­ke­rung jetzt Schlauch­boo­te. NGOs und Jour­na­lis­ten wer­den bedroht. Die Küs­ten­wa­che schaut zu. Ich wur­de auch bedroht. Die Poli­zei hat mei­ne Per­so­na­li­en auf­ge­nom­men, statt die der Angrei­fer.“ (…) Ver­schie­de­ne Jour­na­lis­ten berich­ten davon, das sie bei die­ser Akti­on ange­grif­fen oder ver­letzt wur­den…” Bericht von Georg Brzo­s­ka vom 1. März 2020 bei der Grie­chen­landso­li­da­ri­tät externer Link
    • Anm.: Ille­gal ist bereits die Auf­he­bung des Asyl­rechts nach Rück­spra­che mit Frau Mer­kel externer Link. Einen “Staats­not­stand” auf­grund zu viel Asyl­su­chen­der kennt das Völ­ker­recht nicht nur nicht. Er lie­ße sich auch rechts­kon­form ver­mei­den, wenn die Betrof­fe­nen umge­hend auf die Mit­glieds­län­der ver­teilt wer­den wür­den. Allein wegen der Bin­dung an das Völ­ker­recht (Art. 25 GG) kann die Bun­des­re­gie­rung sol­che Soli­da­ri­tät mit Grie­chen­land auch gar nicht ver­wei­gern. Das Dub­lin-Abkom­men steht recht­lich nicht höher als das Grund­recht auf Asyl und im Sin­ne von Art.16a GG ist Grie­chen­land nun wahr­lich kein siche­rer Staat mehr. Ein Schei­tern der bis­he­ri­gen Asyl­po­li­tik war nicht zwangs­läu­fig und die Flücht­lin­ge zum Objekt krie­ge­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zung zu machen wider­spricht auch noch dem IV. Gen­fer Abkom­men zum Schut­ze von Zivil­per­so­nen in Kriegs­zei­ten. Was hier aktu­ell abläuft, ist nichts ande­res, als ein (ver­bo­te­ner) Krieg gegen die Opfer eines Krie­ges.
  • Min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge in Grie­chen­land: War­um Fron­tex und die Poli­zei aus Kin­dern Erwach­se­ne machen 
    Mehr als 7.500 Flücht­lin­ge hau­sen der­zeit auf Samos unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen – unter ihnen zahl­rei­che Min­der­jäh­ri­ge. Doch vie­le mut­maß­lich Min­der­jäh­ri­ge berich­ten, dass sie bei ihrer Ankunft ein­fach als Erwach­se­ne regis­triert wur­den. Es gibt nicht viel Schutz für Min­der­jäh­ri­ge auf Samos – vie­le schla­fen in ein­fa­chen Zel­ten unter unmensch­li­chen Bedin­gun­gen. Doch immer­hin haben sie in der Regel bes­se­re Chan­cen, die Insel zu ver­las­sen, zum Bei­spiel über Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung mit Ver­wand­ten im Aus­land. Auf dem Papier haben sie Anspruch auf einen siche­ren Schlaf­platz und einen Betreu­er. Doch all das ent­fällt, wenn sie als Erwach­se­ne regis­triert sind. Und genau das berich­ten uns meh­re­re Betrof­fe­ne und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Die grie­chi­sche Poli­zei und die EU-Grenz­schutz­be­hör­de Fron­tex hät­ten bei Ankunft ein­fach ein fal­sches Alter ein­ge­tra­gen und sie damit als voll­jäh­rig erschei­nen las­sen. Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Human Rights Watch spricht von einem “Mus­ter, einem Sys­tem“…” Bei­trag aus der der Sen­dung Report Mainz vom 25.2.2. beim SWR externer Link und die Mel­dung dazu ebd.: Schwe­re Vor­wür­fe gegen Fron­tex und grie­chi­sche Poli­zei externer Link
  • [Push­backs aus Grie­chen­land in die Tür­kei] Ille­ga­le Abschie­bun­gen am Evros /​Bür­ger­weh­ren auf Les­bos, NGOs gel­ten als Sün­den­bö­cke
    • Bür­ger­weh­ren auf Les­bos, NGOs gel­ten als Sün­den­bö­cke. Die grie­chi­sche Regie­rung setzt auf Abschre­ckung von Flücht­lin­gen, Kon­flik­te auf den grie­chi­schen Grenz­in­seln
      Auf der Insel Les­bos wur­den in der Nacht von Don­ners­tag auf Frei­tag Mit­glie­der einer selbst ernann­ten Bür­ger­wehr ver­haf­tet. Den Jugend­li­chen und Män­nern im Alter von 17 bis 24 Jah­ren wird vom Staats­an­walt die Bil­dung einer kri­mi­nel­len Grup­pe vor­ge­wor­fen. Sie wur­den mir Schlag­ge­rät bewaff­net, Gesichts­mas­ken und Hel­men am Orts­ein­gang des Dor­fes Moria fest­ge­nom­men. Auch ande­re Grup­pen wie die­se kon­trol­lie­ren auf der Insel Les­bos Pas­san­ten, Woh­nun­gen und Geschäf­te. Sie sind auf der Suche nach Flücht­lin­gen, Migran­ten und Mit­ar­bei­tern von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGO). Letz­te­re gel­ten für zahl­rei­che grie­chi­sche Medi­en, aber auch gemäß dem Nar­ra­tiv der grie­chi­schen Regie­rung als Schleu­ser und Auf­wieg­ler. Ein frisch erlas­se­nes Gesetz der ver­gan­ge­nen Woche ver­schärft die Pflicht der Mit­ar­bei­ter von NGOs sich in einem staat­li­chen Regis­ter ein­zu­tra­gen. Regie­rungs­po­li­ti­ker jubeln, dass damit nie­mand der Flücht­lings­hel­fer mehr anonym blei­ben wür­de. Wer nicht regis­triert ist und bei der Flücht­lings­hil­fe erwischt wird, kann, so wird ange­deu­tet, künf­tig als Schleu­ser straf­recht­lich ver­folgt wer­den. In Medi­en war von einem “Big Bro­ther” für die NGOs die Rede, wobei dies aus­drück­lich begrüßt wur­de. (…) Dass zum Bei­spiel deut­sche und nie­der­län­di­sche Mit­ar­bei­ter einer NGO als EU-Bür­ger durch­aus ins Land rei­sen, und dort für ihre Arbeit­ge­ber tätig wer­den kön­nen, wird ver­schwie­gen. Dies ist auch inso­fern inter­es­sant, als dass die neo­li­be­ra­le Poli­tik der regie­ren­den Nea Dimo­kra­tia frei­wil­li­ge Hel­fer und vom Staat unab­hän­gi­ge Orga­ni­sa­tio­nen als för­der­lich für die Wirt­schaft preist. Das Nar­ra­tiv von der “Gesell­schaft der Bür­ger” und dem “schlan­ken Staat” gilt offen­bar nicht in der Flücht­lings­hil­fe. Dies, obwohl der grie­chi­sche Staat, auch unter den vor­he­ri­gen Regie­run­gen, die Unfä­hig­keit, die Men­schen zu erfas­sen und zu ver­sor­gen, mehr­fach unter Beweis stell­te. (…) Schließ­lich ver­kün­de­te der frisch ernann­te Minis­ter für Migra­ti­on, Notis Mitara­kis, dass Mit­ar­bei­ter von NGOs hin­ter den jüngs­ten Demons­tra­tio­nen der Flücht­lin­ge und Migran­ten im Lager Moria ste­cken wür­den. Weder der Minis­ter noch die Medi­en kön­nen, in den meis­ten Fäl­len, kon­kre­te Namen von für die von ihnen ange­pran­ger­ten Miss­stän­de nen­nen. Damit wer­den die NGOs pau­schal als Sün­den­bock für das Cha­os der grie­chi­schen und euro­päi­schen Flücht­lings- und Migra­ti­ons­po­li­tik gebrand­markt. (…) Gemäß der Argu­men­ta­ti­ons­ket­te der Regie­rung sind sämt­li­che Maß­nah­men, die Boots­flücht­lin­ge ret­ten oder deren Leben in den Lagern ver­bes­sern kön­nen, Anrei­ze für immer wie­der neue Flücht­lin­ge und Migran­ten, die aus der Tür­kei über das Meer anrei­sen. Dem­nach lau­tet die Paro­le nun: “maxi­ma­le Abschre­ckung”. Tat­säch­lich ist die Situa­ti­on auf den Inseln auch ohne Über­trei­bung der grie­chi­schen Medi­en schlimm genug…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los vom 09. Febru­ar 2020 bei tele­po­lis externer Link
    • [Push­backs aus Grie­chen­land in die Tür­kei] Ille­ga­le Abschie­bun­gen am Evros 
      Ayse Erdo­gan wur­de in der Tür­kei als Gülen-Anhän­ge­rin ver­folgt. Die Leh­re­rin floh nach Grie­chen­land und woll­te einen Asyl­an­trag stel­len. Doch dann gelang­te sie in die Hän­de grie­chi­scher Poli­zis­ten. (…) Im Dezem­ber hat­ten der SPIEGEL und Foren­sic Archi­tec­tu­re Vide­os externer Link aus­ge­wer­tet, die zei­gen, wie die ille­ga­len Push­backs am Evros mut­maß­lich ablau­fen: Mas­kier­te Män­ner mit grie­chi­schem Akzent brin­gen Geflüch­te­te in motor­be­trie­be­nen Schlauch­boo­ten auf die tür­ki­sche Sei­te des Evros. Oft wer­den die Flücht­lin­ge vor­her nach eige­ner Aus­sa­ge miss­han­delt, ihre Han­dys unbrauch­bar gemacht. Alles deu­tet dar­auf hin, dass grie­chi­sche Behör­den die Push­backs sys­te­ma­tisch durch­füh­ren. Tür­ki­sche Doku­men­te, über die der SPIEGEL berich­te­te, legen nahe, dass Grie­chen­land Zehn­tau­sen­de Migran­ten und Flücht­lin­ge ille­gal abschiebt externer Link. Die EU-Kom­mis­si­on for­der­te nach der Ent­hül­lung eine Unter­su­chung der Anschul­di­gun­gen. Pas­siert ist bis­her nichts. Nur der Ombuds­mann, der unab­hän­gig die grie­chi­schen Behör­den kon­trol­liert, geht den Push­back-Vor­wür­fen nach. Die Behör­de hat bereits im Juni 2017 eine Unter­su­chung ein­ge­lei­tet. Inzwi­schen unter­sucht sie mehr als ein hal­bes Dut­zend Fäl­le, dar­un­ter nun auch die vom SPIEGEL ver­öf­fent­lich­ten Vide­os. Die grie­chi­schen Behör­den jedoch inter­es­sie­ren sich nicht für die Vide­os. Ein Spre­cher der Poli­zei sag­te dem SPIEGEL im Janu­ar: “Es wird kei­ne Unter­su­chung geben, weil es kei­ne Push­backs am Evros gibt.” Ayse Erdo­gans Fall zeigt, dass das mit sehr gro­ßer Wahr­schein­lich­keit falsch ist. Er illus­triert, wie grie­chi­sche Gren­zer mut­maß­lich selbst tür­ki­sche Asyl­be­wer­ber ohne Asyl­ver­fah­ren abschie­ben, obwohl die­se in ihrer Hei­mat aus poli­ti­schen Grün­den ver­folgt wer­den…” Arti­kel von Gior­gos Chris­ti­des, Stef­fen Lüd­ke und Maxi­mi­li­an Popp vom 08.02.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Flücht­lin­ge: “Grie­chen ver­weh­ren schwer kran­ken Kin­dern Ver­sor­gung” – Athen hat 55.000 Geflüch­te­ten Zugang zu medi­zi­ni­scher Hil­fe gestri­chen – dar­un­ter sind tod­kran­ke Klein­kin­der 
    “Wer in Grie­chen­land kei­nen Asyl­be­scheid hat, muss auf den Inseln in der Ägä­is aus­har­ren. Und wer kei­ne Papie­re hat – was auf vie­le Gestran­de­te auf den Inseln zutrifft – bekommt kei­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung: Im Som­mer hat die grie­chi­sche Regie­rung ins­ge­samt 55.000 Men­schen die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung gestri­chen. Das ist ein Teu­fels­kreis – vor allem für vie­le klei­ne Kin­der: „Wir sehen vie­le Kin­der, dar­un­ter Babys, die an Krank­hei­ten wie Dia­be­tes, Asth­ma und Herz­krank­hei­ten lei­den“, sagt Hil­de Voch­ten, medi­zi­ni­sche Koor­di­na­to­rin von Ärz­te ohne Gren­zen in Grie­chen­land. Wegen der heil­los über­füll­ten Lager leben sie oft in Zel­ten, und das „unter kata­stro­pha­len unhy­gie­ni­schen Bedin­gun­gen, ohne Zugang zu der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung und den Medi­ka­men­ten, die sie brau­chen.“ (…) Zah­len ver­deut­li­chen die Situa­ti­on: In Moria, einem der größ­ten Elend­sla­ger auf der Insel Les­bos, leben knapp 19.000 Geflüch­te­te, so das UNHCR – und gut 40 Pro­zent davon sind Kin­der, hat die deut­sche NGO Pro Asyl eru­iert. Hun­der­te davon sei­en teils schwer erkrankt, bräuch­ten Spe­zi­al­the­ra­pien, so Ärz­te ohne Gren­zen. Aufs Fest­land über­stellt wer­den sie aber nicht. „Die Wei­ge­rung der Regie­rung, eine schnel­le, orga­ni­sier­te Lösung für die­se Kin­der zu fin­den, ist empö­rend“, sagt Voch­ten – das kön­ne „lebens­lan­ge Fol­gen und sogar den Tod nach sich zie­hen.“ Allein in Moria sind bin­nen der ver­gan­ge­nen Mona­te drei Kin­der gestor­ben, zuletzt ein neun Mona­te altes Baby aus dem Kon­go…” Bericht von Eve­lyn Peter­nel vom 1. Febru­ar 2020 beim Kurier​.at externer Link
  • 2700 Meter lang: Grie­chen­land will schwim­men­de Bar­rie­re gegen Migran­ten errich­ten /​Geflüch­te­te ein­ge­sperrt: Grie­chen­land star­tet umstrit­te­nes neu­es Asyl­ver­fah­ren 
    • 2700 Meter lang: Grie­chen­land will schwim­men­de Bar­rie­re gegen Migran­ten errich­ten
      “… Die Regie­rung in Grie­chen­land will mit einer schwim­men­den Bar­rie­re im Mit­tel­meer Flücht­lin­ge und Migran­ten dar­an hin­dern, von der Tür­kei aus auf grie­chi­sche Inseln über­zu­set­zen. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um hat nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen vier grie­chi­sche Unter­neh­men gebe­ten, bis zu die­sem Mitt­woch ein Ange­bot für eine ent­spre­chen­de öffent­li­che Aus­schrei­bung abzu­ge­ben. Das Unter­neh­men, das den Auf­trag erhält, soll dem­nach inner­halb von drei Mona­ten nach Ver­trags­un­ter­zeich­nung lie­fern. In der Aus­schrei­bung wird das Errich­ten der Bar­rie­re als “äußerst drin­gend” bezeich­net. Es bestehe die “drin­gen­de Not­wen­dig­keit, die zuneh­men­den Flücht­lings­strö­me ein­zu­däm­men”. Das Hin­der­nis soll 2,7 Kilo­me­ter lang sein. “Wir wol­len sehen, ob das funk­tio­niert und wo und ob es ein­ge­setzt wer­den kann”, sag­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Nikos Panagio­to­pou­los im Nach­rich­ten­sen­der Skai. (…) Für 500.000 Euro soll die Bar­rie­re errich­tet und ihre War­tung für vier Jah­re auf­recht­erhal­ten wer­den. Auch die Schu­lun­gen des not­wen­di­gen Per­so­nals sind in der Sum­me inbe­grif­fen…” Bei­trag vom 30. Janu­ar 2020 von und bei Spie­gel online externer Link
    • Geflüch­te­te ein­ge­sperrt: Grie­chen­land star­tet umstrit­te­nes neu­es Asyl­ver­fah­ren
      “… Als Kyria­kos Mit­sota­kis sich zum Minis­ter­prä­si­den­ten wäh­len ließ, ver­sprach er den Grie­chen Ord­nung und Här­te; so woll­te er die Flücht­lings­kri­se in den Griff bekom­men. Asyl­be­wer­ber soll­ten end­lich schnel­ler abge­scho­ben wer­den. (…) Nun will Mit­sota­kis die Wen­de schaf­fen: Zum ers­ten Mal sol­len sei­ne Beam­ten ein neu­es Asyl­ge­setz anwen­den. Es ist so hart wie umstrit­ten. 55 Asyl­be­wer­ber sind am Wochen­en­de in zwei Boo­ten auf der Insel Kos ange­kom­men. Es han­delt sich nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen größ­ten­teils um syri­sche, ira­ki­sche, soma­li­sche und paläs­ti­nen­si­sche Fami­li­en. An ihnen tes­ten die grie­chi­schen Behör­den nun das neue Gesetz. Der Test­lauf zeigt, wie Grie­chen­land und Euro­pa die Migran­ten und Flücht­lin­ge künf­tig behan­deln wer­den, die über die Ägä­is aus der Tür­kei kom­men. Der Auf­trag des grie­chi­schen Migra­ti­ons­mi­nis­ters an sei­ne Mit­ar­bei­ter: Den Asyl­an­trag der Geflüch­te­ten inner­halb von 25 Tagen ent­schei­den, so lan­ge wer­den sie im Abschie­be­flü­gel des soge­nann­ten Hot­spots auf Kos ein­ge­sperrt. Bis­lang durf­ten Asyl­be­wer­ber zwar die Agä­is-Inseln nicht ohne Wei­te­res ver­las­sen, sich aber auf der Insel frei bewe­gen. Wer­den die Anträ­ge nun abge­lehnt, sol­len die Migran­ten als­bald abge­scho­ben wer­den. Wer­den sie ange­nom­men, dür­fen sie schnell aufs Fest­land. (…) Das Gesetz sieht knap­pe Fris­ten und schnel­le Ent­schei­dun­gen vor. Auf den Inseln Kos, Les­bos, Samos, Chi­os und Leros baut die Regie­rung zudem gro­ße geschlos­se­ne Haft­la­ger für die Flücht­lin­ge. Sobald sie fer­tig sind, wer­den dort Asyl­be­wer­ber inter­niert. Mög­lichst schnell sol­len dann ihre Anträ­ge ent­schie­den wer­den. Ganz so, wie es nun auf Kos getes­tet wird. (…) Bis­her saßen in dem Gre­mi­um, das über die Ein­sprü­che ent­schied, auch Sach­ver­stän­di­ge, die das Uno-Flücht­lings­hils­werk UNHCR ernannt hat­te. Sie ver­hin­der­ten vie­le Abschie­bun­gen – zum Bei­spiel, weil die Geflüch­te­ten in der Tür­kei ihrer Mei­nung nach nicht sicher wären. Die grie­chi­sche Regie­rung hofft augen­schein­lich, dass die grie­chi­schen Rich­ter stren­ger vor­ge­hen. Akti­vis­ten und auch Juris­ten kri­ti­sie­ren das neue grie­chi­sche Gesetz. Die pau­scha­le Inhaf­tie­rung der Asyl­be­wer­ber könn­te ihrer Mei­nung nach unrecht­mä­ßig sein. Nach EU-Recht muss stets im Ein­zel­fall geprüft wer­den, ob ein Haft­grund vor­lie­ge. Außer­dem sieht das Gesetz zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten zur Ver­län­ge­rung der Haft vor. Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen fürch­ten zudem, dass künf­tig eini­ge Flücht­lin­ge Pro­ble­me haben könn­ten, recht­zei­tig einen Anwalt zu fin­den, der Wider­spruch gegen den abge­lehn­ten Asyl­an­trag ein­le­gen kann.” Arti­kel von Gior­gos Chris­ti­des und Stef­fen Lüd­ke vom 27. Janu­ar 2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Grie­chi­sche Poli­ti­ker zu den Tra­gö­di­en mit Flücht­lings­boo­ten: “Wir sind Opfer eines kol­lek­ti­ven Ver­suchs, das Land zu ver­der­ben”
    Anders als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, ver­su­chen in dies­jäh­ri­gen Win­ter Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten auch bei schlech­ten, win­ter­li­chen Ver­hält­nis­sen mit einem Boot nach Grie­chen­land zu kom­men, oder die­ses in Rich­tung der übri­gen Euro­päi­schen Uni­on per Boot zu ver­las­sen. Dies for­dert zuneh­mend Todes­op­fer. 2019 kamen 74.348 Men­schen als Flücht­lin­ge oder Migran­ten ins Land, davon 59.457 über den See­weg. 2018 waren es ins­ge­samt 32.494. Ziel der Regie­rung in Athen sind bis zum Jah­res­en­de 10.000 Abschie­bun­gen in die Tür­kei externer Link. Am Sams­tag­mor­gen kam es drei­zehn See­mei­len süd­west­lich der Insel­grup­pe Paxi im Ioni­schen Meer zu einem Unglück. Ein Boot ken­ter­te. Ins­ge­samt 21 Per­so­nen, zwan­zig Män­ner und eine Frau, konn­ten geret­tet wer­den. Ret­tungs­teams fan­den bis­lang zehn ertrun­ke­ne Män­ner und zwei ertrun­ke­ne Frau­en. Die Zahl der Insas­sen des Boo­tes wird gemäß den Anga­ben der Geret­te­ten mit bis zu 50 ange­ge­ben. (…) Wirt­schafts­mi­nis­ter Geor­gia­dis schürt Angst vor Über­frem­dung: In einer ers­ten Reak­ti­on, noch wäh­rend der Ret­tung der ers­ten Über­le­ben­den und der Auf­fin­dung der ers­ten Opfer, äußer­te sich der grie­chi­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Ado­nis Geor­gia­dis abfäl­lig über die Schiff­brü­chi­gen. Er beton­te in einer Live-Fern­seh­sen­dung des Pri­vat­sen­ders ANT1: “Stel­len Sie sich vor, wie gut vor­be­rei­tet die waren, sie wuss­ten, als sie in Gefahr waren, dass sie die 112 anru­fen müssen(Notfallnummer, die kürz­lich ein­ge­rich­tet wur­de). Wir sind Opfer eines kol­lek­ti­ven Ver­suchs, das Land zu ver­der­ben. Aber die Regie­rung wird sich dage­gen­stel­len.” Die anwe­sen­de frü­he­re Minis­te­rin und Abge­ord­ne­te von SYRIZA, Olga Ger­ova­si­li, war eben­falls in der Sen­dung. Sie reagier­te sofort, “Güti­ge Gna­de! Men­schen sind in Gefahr und ertrin­ken. Das Mit­tel­meer wird zum Grab. Wovon wird das Land ver­dor­ben, von Men­schen?” Geor­gia­dis bestand dar­auf: “Ganz sicher. Es wird offen­sicht­lich ver­dor­ben.” “Die gru­se­li­ge Aus­sa­ge des Wirt­schafts­mi­nis­ters Ado­nis Geor­gia­dis über einen [pos­tu­lier­ten] Ver­such, die Bevöl­ke­rung zu ver­der­ben, ist ras­sis­tisch, ohne Geschichts­be­wusst­sein, aber auch äußerst gefähr­lich, vor allem wäh­rend gleich­zei­tig in der Ägä­is eine Flücht­lings­ret­tung durch­ge­führt wird. Geor­gia­dis ent­hüllt sei­ne tief­grei­fen­de Ver­ach­tung des mensch­li­chen Lebens “, kom­men­tier­te der SYRI­ZA-Spre­cher Alexis Cha­rit­sis. Cha­rit­sis füg­te hin­zu, “Aber ist es Herr Mit­sota­kis, der end­lich Stel­lung bezie­hen muss: Ist er mit der kon­kre­ten Aus­sa­ge sei­nes Minis­ters und des Vize­prä­si­den­ten der Neu­en Demo­kra­tia ein­ver­stan­den? Wann wer­den wir den hei­mi­schen Orban in die Schran­ken ver­wie­sen sehen? Und vor allem: Sol­len Flücht­lin­ge in der Ägä­is geret­tet wer­den oder ist es die Poli­tik sei­ner Regie­rung, sie ertrin­ken zu las­sen?” (…) Am Sonn­tag­mor­gen lie­fer­te sich Geor­gia­dis, des­sen Medi­en­prä­senz rund um die Uhr eines sei­ner Erken­nungs­zei­chen ist, im Sen­der Skai TV ein Rede­du­ell mit dem frü­he­ren SYRIZA Vize-Minis­ter für Ver­tei­di­gung Panos Rigas. Zunächst ver­tei­dig­te Geor­gia­dis sei­ne Ein­schät­zung, dass der grie­chi­schen Bevöl­ke­rung sei­ner Ansicht nach eine Über­frem­dung dro­he. Er bestand dar­auf, dass es ein erstre­bens­wer­tes und patrio­ti­sches Ziel sei­ner Par­tei sei, dass Grie­chen­land auch in einem Jahr­hun­dert noch ein mehr­heit­lich zur Ortho­do­xen Kir­che gehö­ren­des Land sei. Dem­entspre­chend, so argu­men­tier­te Geo­gia­dis, wür­den die über­wie­gend mos­le­mi­schen Ein­wan­de­rer und Flücht­lin­ge eine Gefahr dar­stel­len. Dies sei als Sor­ge über die Zukunft des Lan­des und die Erhal­tung der Tra­di­tio­nen zu sehen, und kei­nes­wegs als ras­sis­tisch moti­vier­te Her­ab­wür­di­gung ande­rer Kul­tu­ren. Dar­über hin­aus gab Geor­gia­dis den Flüch­lings­schleu­sern die Schuld an den Todes­fäl­len…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los vom 13. Janu­ar 2020 bei tele­po­lis externer Link
  • Grie­chen­land: Vor­bei die Zei­ten der Soli­da­ri­tät. Die Stim­mung ist kom­plett gekippt: Kein Will­kom­men mehr für Flücht­lin­ge 
    Die Situa­ti­on für Flücht­lin­ge und Migran­ten in Grie­chen­land hat sich in den letz­ten Mona­ten dra­ma­tisch geän­dert. Am 18. Dezem­ber 2019, dem inter­na­tio­na­len Tag der Migran­ten, befan­den sich 41.363 Asyl­be­wer­ber auf den grie­chi­schen Inseln. Ende April 2019 waren es nach offi­zi­el­len Anga­ben weni­ger als 15.000. Eine in der ver­gan­ge­nen Woche erfolg­te Mei­nungs­um­fra­ge zeig­te, dass 55 Pro­zent der Grie­chen nicht mit der Asyl­po­li­tik der Regie­rung ein­ver­stan­den sind. Die Umfra­ge stellt nicht klar, in wel­che Rich­tung die Poli­tik gehen soll­te. Aller­dings zei­gen zahl­rei­che Indi­zi­en auf, dass die Stim­mung im Land kom­plett gekippt ist. Vor­bei die Zei­ten, als sich eine Mehr­zahl der Grie­chen soli­da­risch zeig­te. (…) Nie­mand möch­te ein Flücht­lings­la­ger in sei­nem Bezirk haben. Ähn­lich wie Pre­mier­mi­nis­ter Kyria­kos Mit­sota­kis inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on ver­geb­lich um die Soli­da­ri­tät sei­ner Amts­kol­le­gen und die Auf­nah­me von gro­ßen Kon­tin­gen­ten von Asyl­be­wer­bern bet­telt, reagie­ren auch sei­ne eige­nen Par­la­men­ta­ri­er, wenn es um ihren Wahl­be­zirk geht. (…) Nach inter­na­tio­na­lem Recht ille­ga­le Push-Back Aktio­nen, wie sie Anfang Dezem­ber vom Spie­gel mit einem gele­ak­ten Video belegt wur­den externer Link, sind für die Anhän­ger der Regie­rungs­par­tei kein Makel, sie wün­schen sich viel­mehr, dass die­se Aktio­nen in grö­ße­rem Maß und sys­te­ma­ti­scher durch­ge­führt wür­den. Bei den Push-Back-Aktio­nen, über die es bereits wäh­rend der Regie­rungs­zeit von Alexis Tsi­pras ver­ein­zel­te Berich­te in grie­chi­schen Medi­en externer Link gab, wer­den in Grie­chen­land aus der Tür­kei ankom­men­de poten­ti­el­le Asyl­be­wer­ber zunächst durch Beschlag­nah­me ihrer Habe mit­tel­los gemacht und dann wie­der in die Tür­kei gebracht. Die ankom­men­den Men­schen haben wäh­rend der gesam­ten, oft mit Gewalt ver­bun­de­nen Akti­on, kei­ne Gele­gen­heit, einen Asyl­an­trag zu stel­len. Die­se Aktio­nen fin­den in Gebie­ten statt, in denen neben der grie­chi­schen Poli­zei, der grie­chi­schen Was­ser­schutz­po­li­zei und dem grie­chi­schen Mili­tär auch Fron­tex tätig ist. Noch 2015 hät­te das Bekannt­wer­den sol­cher Aktio­nen einen öffent­li­chen Auf­schrei her­vor­ge­ru­fen. Damals war das vor­herr­schen­de Nar­ra­tiv der Schutz der Men­schen und die Bewäl­ti­gung einer von Tsi­pras oft zitier­ten “huma­ni­tä­ren Kri­se”. (…) Die Regie­rung möch­te nun zumin­dest die Land­gren­ze zur Tür­kei mög­lichst dicht machen. Zu die­sem Zweck wird ein neu­er Zaun mit Sta­chel­draht ent­lang der Gren­ze, aber auf grie­chi­schem Gebiet instal­liert. Sinn ist es offen­bar, die­je­ni­gen, die es über den vor allem im Win­ter gefähr­li­chen Grenz­fluss Evros nach Grie­chen­land schaf­fen, im Nie­mands­land vor dem Zaun gefan­gen zu hal­ten, so dass außer einer frei­wil­li­gen Rück­kehr in die Tür­kei, kei­ne wei­te­re Opti­on bleibt. In der unwirt­li­chen Gegend kom­men durch die Wit­te­rungs­be­din­gun­gen immer wie­der Asyl­be­wer­ber ums Leben. Zuletzt wur­den am 7. Dezem­ber zwei jun­ge erfro­re­ne Frau­en gefun­den. Die Bewoh­ner der Grenz­dör­fer weh­ren sich dage­gen, dass sie außer dem Zaun zusätz­lich noch einen neu­en, geschlos­se­nen Hot­spot für Asyl­be­wer­ber bekom­men sol­len…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los vom 22. Dezem­ber 2019 bei tele­po­lis externer Link
  • Euro­pas Gefäng­nis­in­sel Samos: Grie­chen­land baut Haft­la­ger für Flücht­lin­ge – Hel­fer sind ent­setzt 
    Auf der grie­chi­schen Insel Samos har­ren Tau­sen­de Asyl­be­wer­ber in nas­sen und kal­ten Zel­ten aus. Schon bald sol­len vie­le von ihnen in ein geschlos­se­nes Lager hin­ter hohe Mau­ern und Sta­chel­draht umzie­hen. (…) Die Insel Samos dür­fen sie nicht ver­las­sen, so wie alle Flücht­lin­ge, über deren Asyl­an­trag noch nicht ent­schie­den ist. Reg­net es, dringt das Was­ser ins Zelt, nachts frie­ren alle drei. Mit dem ers­ten Regen kam auch Rag­hads Hus­ten. Im Lager gibt es nur einen Arzt, für mehr als 7000 Men­schen. Nachts schla­fen die Flücht­lin­ge vor sei­ner Pra­xis, wer­den häu­fig trotz­dem nicht unter­sucht. Krank­hei­ten brei­ten sich im Camp aus, ein Groß­teil der Flücht­lin­ge ist trau­ma­ti­siert, immer wie­der bre­chen Pro­tes­te aus; Hun­der­te Rat­ten rascheln durch den Müll. Die Gesich­ter vie­ler Kin­der sind von Insek­ten­bis­sen über­sät. Immer wie­der bre­chen im Camp Brän­de aus, weil Bewoh­ner Feu­er ent­fa­chen, um Zel­te zu hei­zen oder Tee zu kochen. Das wil­de Zelt­la­ger von Samos, am Ran­de Euro­pas, die­se Schan­de für den gan­zen Kon­ti­nent, wächst immer wei­ter, denn seit dem Früh­som­mer kom­men wie­der mehr Flücht­lin­ge in Grie­chen­land an. Mehr als 40.000 sit­zen der­zeit auf den fünf Hot­spot-Inseln Leros, Chi­os, Kos, Les­bos und Samos fest, so vie­le wie noch nie. Was die grie­chi­sche Regie­rung für die Lösung hält, kon­stru­ie­ren Bau­ar­bei­ter fünf Kilo­me­ter ent­fernt, hin­ter einem Berg auf der ande­ren Sei­te der Bucht. Hier gibt es kei­ne Häu­ser, kei­ne Läden, soweit das Auge reicht. Krä­ne wuch­ten rie­si­ge Metall­tei­le in die Luft, Bag­ger heben den Boden aus und errich­ten eine drei Meter hohe Mau­er aus Beton. Oben­drauf Sta­chel­draht. “Im Nato-Style”, ruft einer der Arbei­ter. Die Mau­er wird ein Haft­la­ger schüt­zen, das neue Flücht­lings­ge­fäng­nis Euro­pas. Bereits im Janu­ar könn­te es fer­tig wer­den. Alle Asyl­be­wer­ber, die in Samos ankom­men, sol­len zunächst für bis zu 25 Tage hier unter­ge­bracht wer­den. Spä­ter sol­len wohl Flücht­lin­ge mit guten Asyl­chan­cen das Lager tags­über ver­las­sen dür­fen. In Aus­nah­me­fäl­len kann die Haft jedoch um wei­te­re 100 Tage ver­län­gert wer­den, für Flücht­lin­ge, die abge­scho­ben wer­den sol­len, sogar um 18 Mona­te. (…) Juris­ten haben auch recht­li­che Beden­ken. “Die geplan­te Inhaf­tie­rung der Asyl­be­wer­ber ist weder mit EU-Recht noch mit der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­ein­bar”, sagt Catha­ri­na Ziebritz­ki, Rese­arch Fel­low am Max-Planck-Insti­tut in Hei­del­berg. Nach EU-Recht müs­se im Ein­zel­fall geprüft wer­den, ob ein Haft­grund vor­lie­ge. Die Haft dür­fe zudem nur als letz­tes Mit­tel ange­wandt wer­den und müs­se ver­hält­nis­mä­ßig sein. Ziebritz­kis Fazit: “All die­se recht­li­chen Stan­dards wären im Fall der Ein­füh­rung sys­te­ma­ti­scher Inhaf­tie­rung in den EU-Hot­spots ver­letzt.” Die grie­chi­sche Regie­rung sieht das anders…” Repor­ta­ge von Gior­gos Chris­ti­des, Stef­fen Lüd­ke und Gian­mar­co Mara­viglia (Fotos) vom 21.12.2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Nach SPIE­GEL-Bericht über mut­maß­li­che Push­backs: EU-Kom­mis­si­on setzt grie­chi­sche Behör­den unter Druck 
    Die EU-Kom­mis­si­on for­dert die grie­chi­schen Behör­den auf, die Push­back-Vor­wür­fe gegen sie zu unter­su­chen. “Wir erwar­ten von den grie­chi­schen Behör­den, dass sie die Berich­te prü­fen und die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on auf dem Lau­fen­den hal­ten”, sag­te ein Spre­cher der Kom­mis­si­on dem SPIEGEL. (…) Push­backs sind ille­ga­le Abschie­bun­gen von schutz­su­chen­den Migran­ten. Sie ver­sto­ßen gegen das Völ­ker­recht und ver­letz­ten sowohl die EU-Grund­rech­te­char­ta als auch die Gen­fer Kon­ven­ti­on – unter ande­rem weil den Migran­ten kein Zugang zu einem Asyl­ver­fah­ren gewährt wird. Der Spre­cher der grie­chi­schen Poli­zei hat­te ange­ge­ben, von den mut­maß­li­chen ille­ga­len Abschie­bun­gen kei­ne Kennt­nis zu haben, es gebe kei­nen Grund, die Vor­wür­fe wei­ter zu ver­fol­gen. Laut dem Spre­cher der Kom­mis­si­on ste­he die­se mit den grie­chi­schen Behör­den in enger Ver­bin­dung, um sicher­zu­stel­len, dass die grie­chi­schen Behör­den sich bei der Aus­übung ihres Grenz­ma­nage­ments an gel­ten­des EU-Recht hiel­ten. Der Grenz­schutz müs­se so aus­ge­übt wer­den, dass die Men­schen­wür­de unein­ge­schränkt gewahrt blei­be, heißt es. Der Zugang zu Asyl­ver­fah­ren müs­se zudem im Ein­klang mit EU-Recht eben­falls gewähr­leis­tet sein. Auch zahl­rei­che deut­sche und grie­chi­sche Poli­ti­ker sowie Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen drän­gen auf eine Unter­su­chung und ver­ur­teil­ten die mut­maß­li­che grie­chi­schen Abschie­bun­gen. (…) Am Sams­tag ver­kün­de­te der grie­chi­sche Migra­ti­ons­mi­nis­ter Gior­gos Kou­mout­sa­kos statt­des­sen, dass sei­ne Regie­rung die Kon­troll­maß­nah­men am Evros sub­stan­zi­ell aus­bau­en wer­de. Am Fluss sol­len Wär­me­bild­ka­me­ras und Sta­chel­draht an zahl­rei­chen Stel­len instal­liert wer­den, dazu sol­len die Luft­über­wa­chung gestärkt und die Patrouil­len zu Land und zu Was­ser aus­ge­wei­tet wer­den…” Bei­trag von Gior­gos Chris­ti­des, Stef­fen Lüd­ke und Maxi­mi­li­an Popp vom 14. Dezem­ber 2019 beim Spie­gel online externer Link
    • Push­backs an EU-Gren­ze: Vide­os zei­gen mut­maß­lich ille­ga­le Abschie­bung von Migran­ten
      “Schaf­fen mas­kier­te Ein­satz­kräf­te im Auf­trag Grie­chen­lands heim­lich Migran­ten zurück in die Tür­kei? (…) Immer wie­der hat die grie­chi­sche Regie­rung bestrit­ten, an der Land­gren­ze zur Tür­kei ille­ga­le Push­backs durch­zu­füh­ren. Man schaf­fe kei­ne Schutz­su­chen­den am Grenz­fluss Evros zurück in die Tür­kei, ohne ihnen ein fai­res Asyl­ver­fah­ren gewährt zu haben, hieß es – auch wenn zahl­rei­che Flücht­lin­ge genau das über Jah­re hin­weg behaup­te­ten. Jetzt zei­gen Vide­os, die dem SPIEGEL zuge­spielt wur­den und die das Recher­che­kol­lek­tiv Foren­sic Archi­tec­tu­re aus­ge­wer­tet hat, zum ers­ten Mal einen sol­chen mut­maß­li­chen Push­back am Evros. Sechs akti­ve und ehe­ma­li­ge Poli­zis­ten und Sol­da­ten schil­der­ten dem SPIEGEL zudem über­ein­stim­mend, dass Push­backs am Evros sys­te­ma­tisch durch­ge­führt wür­den. (…) Push­backs sind ein Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht, sie ver­letz­ten sowohl die EU-Grund­rech­te­char­ta als auch die Gen­fer Kon­ven­ti­on – vor allem aus zwei Grün­den: Schutz­su­chen­de haben das Recht auf ein ordent­li­ches Ver­fah­ren, in dem fest­ge­stellt wird, ob sie inter­na­tio­na­len Schutz benö­ti­gen. Sie dür­fen nicht gegen ihren Wil­len in ein Land zurück­ge­führt wer­den, in dem ihre Sicher­heit nicht garan­tiert ist. Die­ses soge­nann­te Refou­le­ment-Ver­bot oder Prin­zip der Nicht­zu­rück­wei­sung ist ein Grund­satz des inter­na­tio­na­len Völ­ker­rechts zum Schutz von Flücht­lin­gen. Auch eine kol­lek­ti­ve Aus­wei­sung ohne eine Ein­zel­fall­prü­fung des Asyl­an­spru­ches ist ille­gal. (…) Das Uno-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR und der Euro­pa­rat nann­ten die­se Berich­te glaub­wür­dig und kon­sis­tent. Auf der grie­chi­schen Insel Samos sprach der SPIEGEL mit einem 28-jäh­ri­gen paläs­ti­nen­si­schen Asyl­be­wer­ber, der nach eige­nen Anga­ben von grie­chi­schen Beam­ten oder deren Hel­fern in die Tür­kei depor­tiert wor­den ist. Es sei­en mas­kier­te Män­ner gewe­sen, die ihn zurück­ge­bracht hät­ten, sag­te der Paläs­ti­nen­ser. Zuvor sei­en ihm nach der Fest­nah­me die Schnür­sen­kel und sein Han­dy abge­nom­men wor­den. In der drit­ten Nacht sei­ner Gefan­gen­schaft habe die grie­chi­sche Poli­zei sie in einen Truck gela­den und zum Ufer des Evros gefah­ren. Zwei mas­kier­te Män­ner hät­ten ein Schlauch­boot gelenkt und ihn und die ande­ren Migran­ten auf die tür­ki­sche Sei­te gebracht…” Bei­trag von Gior­gos Chris­ti­des, Stef­fen Lüd­ke und Maxi­mi­li­an Popp vom 12. Dezem­ber 2019 beim Spie­gel online externer Link
  • Eine (nicht ganz so heim­li­che) Offen­si­ve gegen Flucht­hil­fe in Grie­chen­land trifft auf Wider­stand – Peti­ti­on für die Frei­las­sung Salam Aldeens
    Ges­tern wur­de Salam Aldeen, Grün­der der däni­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Team Huma­ni­ty, auf Les­vos fest­ge­nom­men. Er hat­te in den ver­gan­ge­nen Wochen im über­füll­ten Lager Moria gehol­fen. For­de­re jetzt mit uns sei­ne Frei­las­sung!“ – so ein Tweet von iuven­ta 10 am 12. Dezem­ber 2019 auf ihrem Kanal externer Link über den jüngs­ten Angriff der grie­chi­schen Rechts­re­gie­rung auf die Unter­stüt­ze­rIn­nen jener Flücht­lin­ge, die sie am liebs­ten alle ein­sper­ren möch­te. In dem Thread zu die­sem jüngs­ten Angriff wer­den auch wei­te­re sol­che Aktio­nen, vor allem eben aus Grie­chen­land (aber nicht nur) ange­führt, die alle Men­schen betref­fen, die hel­fen wol­len – und es auch tun. Was ja in allen EU-Staa­ten fak­tisch unter Stra­fe gestellt wird. Sie­he dazu auch einen wei­te­ren Bericht über das Vor­ge­hen der grie­chi­schen Regie­rung und den Link zu der Peti­ti­on für die Frei­las­sung Salam Aldeens:
    • „Ask the Greek Government to RELEASE refu­gees’ acti­vist Salam Aldeen NOW and NOT DEPORT HIM“ externer Link seit dem 11. Dezem­ber 2019 bei Chan​ge​.org ist die Peti­ti­on für die Frei­las­sung Aldeens, die in den 2 Tagen knapp 2.500 Men­schen unter­zeich­net haben.
    • „Vide­os zei­gen mut­maß­lich ille­ga­le Abschie­bung von Migran­ten“ von Gior­gos Chris­ti­des, Stef­fen Lüd­ke und Maxi­mi­li­an Popp am 12. Dezem­ber 2019 bei Spie­gel online externer Link berich­tet unter ande­rem: „… Das Mate­ri­al besteht aus ins­ge­samt elf Vide­os. Auf Bil­dern einer Über­wa­chungs­ka­me­ra, die auf der tür­ki­schen Sei­te des Evros ange­bracht ist, sind mas­kier­te Män­ner in teil­wei­se mili­tä­risch anmu­ten­der Klei­dung ohne Hoheits­zei­chen zu sehen. Sie trans­por­tie­ren Grup­pen von Men­schen von der grie­chi­schen Sei­te des Grenz­flus­ses auf die tür­ki­sche Sei­te. Grup­pe für Grup­pe wer­den die Men­schen in einem klei­nen motor­be­trie­be­nen Schlauch­boot auf der tür­ki­schen Sei­te der Gren­ze abge­setzt. Auf den Bil­dern ist aller­dings nicht zu sehen, wie die mas­kier­ten Män­ner die Mit­te des Flus­ses, also die Gren­ze zwi­schen den bei­den Staa­ten, über­que­ren. Die Men­schen spre­chen ver­schie­de­ne Spra­chen, dar­un­ter offen­bar unter ande­rem Pasch­tu­nisch, eine Spra­che, die in Afgha­ni­stan und Paki­stan gespro­chen wird. Mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit han­delt es sich bei ihnen um Migran­ten, die den Evros heim­lich über­quert haben, um in Euro­pa Asyl zu bean­tra­gen. So machen es vie­le Flüch­ten­de, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren über die öst­li­chen Migra­ti­ons­rou­ten nach Grie­chen­land gelangt sind. (…) Die mas­kier­ten Män­ner im Video kön­nen nicht iden­ti­fi­ziert wer­den. Meh­re­re Indi­zi­en spre­chen aller­dings dafür, dass sie zu grie­chi­schen Behör­den gehö­ren oder in deren Auf­trag han­deln…“
  • Migran­ten hin­ter Git­tern: Grie­chen­land plant geschlos­se­ne Lager 
    Die neue Regie­rung stellt ihren Mas­ter­plan Migra­ti­on vor. Über­füll­te Flücht­lings­la­ger auf Les­bos sol­len durch Inter­nie­rungs­la­ger ersetzt wer­den. Wie im Wahl­kampf ver­spro­chen, will Kyria­kos Mit­sota­ki, Chef der grie­chi­schen Kon­ser­va­ti­ven das Asyl­recht ver­schär­fen. Migran­ten „sol­len ein­se­hen, dass sie ihr Geld nur ver­lie­ren, wenn sie es Men­schen­schmugg­lern anver­trau­en“, mahn­te Regie­rungs­spre­cher Ste­li­os Pet­s­as am Mitt­woch in Athen. (…) Unter ande­rem sieht der Mas­ter­plan der Regie­rung Mit­sota­kis fol­gen­des vor: Das hoff­nungs­voll über­füll­te Flücht­lings­la­ger von Moria auf der Insel Les­bos soll geschlos­sen wer­den. Abge­schafft wird auch das Camp von Samos nahe der Insel­haupt­stadt Vat­hy, das seit Jah­ren aus allen Näh­ten platzt und mitt­ler­wei­le als „zwei­tes Moria“ bezeich­net wird – wegen der unmensch­li­chen Bedin­gun­gen, die dort herr­schen. Die 5.000 Men­schen, die der­zeit in den Camps ver­har­ren, wer­den vor­erst in Hotels unter­ge­bracht. Künf­tig sol­len auf den Inseln der Ost-Ägä­is aber neue, geschlos­se­ne Flücht­lings­zen­tren ent­ste­hen, ver­mut­lich so etwas wie Inter­nie­rungs­la­ger. (…) Anschei­nend will die neue Athe­ner Regie­rung Migran­ten wie­der ein­sper­ren las­sen und dadurch Tei­le der Bevöl­ke­rung beschwich­ti­gen, die gegen die jet­zi­ge Situa­ti­on pro­tes­tie­ren. Denn vor allem auf den Inseln Les­bos und Samos kla­gen Anwoh­ner über die Dau­er­prä­senz der Geflüch­te­ten vor der eige­nen Haus­tür. Exper­ten war­nen aller­dings vor neu­en Miss­stän­den. Bei allen Pro­ble­men, die heu­te auf den grie­chi­schen Inseln herr­schen, bekom­men Migran­ten immer­hin die Gele­gen­heit, zumin­dest für ein paar Stun­den dem Cha­os in den Camps zu ent­kom­men und etwa einen Spa­zier­gang in eine nahe gele­ge­ne Stadt oder ans Meer zu unter­neh­men. Wür­de das Ver­las­sen der Flücht­lings­la­ger ver­bo­ten, könn­ten Frus­tra­ti­on und Gewalt­be­reit­schaft in geschlos­se­nen Camps deut­lich zuneh­men. Schon heu­te kommt es gele­gent­lich vor, dass ver­schie­de­ne Natio­na­li­tä­ten, etwa Syrer und Afgha­nen, in Moria oder in ande­ren Camps anein­an­der gera­ten…” Arti­kel von Jan­nis Papa­di­mi­triou vom 20. 11. 2019 bei der taz online externer Link, sie­he dazu auch: 
    • Die neue Regie­rung stellt ihren Mas­ter­plan Migra­ti­on vor. Über­füll­te Flücht­lings­la­ger auf Les­bos sol­len durch Inter­nie­rungs­la­ger ersetzt wer­den.
      Die grie­chi­sche Regie­rung will drei über­füll­te Flücht­lings­la­ger auf den ost­ägäi­schen Inseln schlie­ßen – und durch neue, geschlos­se­ne Zen­tren erset­zen. Die neue Rege­lung soll auch Signal­wir­kung haben. Grie­chen­land will die drei größ­ten Flücht­lings­la­ger auf den grie­chi­schen Inseln der Ost­ägä­is schritt­wei­se schlie­ßen. Die deut­lich über­füll­ten Lager auf Les­bos, Chi­os und Samos soll­ten durch neue Ein­rich­tun­gen mit Auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten von je min­des­tens 5000 Men­schen ersetzt wer­den, teil­te die Regie­rung in Athen mit. Regie­rungs­spre­cher Ste­li­os Petas sprach von “Iden­ti­fi­ka­ti­ons- und Abrei­se­zen­tren”. Geplant sei­en Con­tai­ner­häu­ser mit flie­ßen­dem Was­ser, sani­tä­ren Anla­gen und Strom. In ihnen wer­den den Plä­nen zufol­ge jene Migran­ten unter­ge­bracht, die kei­ne Aus­sicht auf Asyl haben und zurück in die Tür­kei oder ihre Her­kunfts­län­der gebracht wer­den sol­len. Ent­ste­hen sol­len geschlos­se­ne Lager, die die Migran­ten nicht ver­las­sen dür­fen…” Bei­trag vom 20.11.2019 bei tages​schau​.de externer Link
  • Push-Backs in die Tür­kei: Grie­chen­land soll 60.000 Migran­ten ille­gal abge­scho­ben haben 
    “Men­schen­recht­ler und die Tür­kei beschul­di­gen Grie­chen­land, Migran­ten und Flücht­lin­ge ille­gal abzu­schie­ben. (…) Seit Jah­ren beschul­di­gen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen und Anwäl­te grie­chi­sche Behör­den, Migran­ten am Grenz­fluss Evros ille­gal in die Tür­kei abzu­schie­ben. Der SPIEGEL hat nun tür­ki­sche Doku­men­te erhal­ten, dar­un­ter auch die Auf­zeich­nun­gen der Poli­zis­ten über den Vor­fall am 3. Novem­ber. Die­se legen nahe, dass Grie­chen­land im gro­ßen Stil ille­ga­le Push-Backs an der Gren­ze zur Tür­kei durch­führt. (…) Das tür­ki­sche Mate­ri­al umfasst Fall­be­rich­te und Inter­view­pro­to­kol­le. Zudem Fotos, die angeb­lich Migran­ten zei­gen sol­len, die von grie­chi­schen Behör­den miss­han­delt wur­den. Dazu ent­hält es bis­her unver­öf­fent­lich­te Daten, die vom tür­ki­schen Innen­mi­nis­te­ri­um zusam­men­ge­stellt wur­den. Die­sen Daten zufol­ge hat Grie­chen­land in den zwölf Mona­ten vor dem 1. Novem­ber 2019 ins­ge­samt 58.283 Migran­ten zurück­ge­schafft. (…) Die grie­chi­schen Behör­den wei­sen die tür­ki­schen Vor­wür­fe zurück. Es gebe kei­ne Push-Backs, teil­te ein Spre­cher des grie­chi­schen Minis­te­ri­ums für Bür­ger­schutz auf Anfra­ge mit. Bis­her haben grie­chi­sche Behör­den nur weni­ge der Beschwer­den über­prüft – und fan­den dem­nach kei­ne Bewei­se für Fehl­ver­hal­ten. Nicht nur tür­ki­sche Behör­den spre­chen aller­dings von sys­te­ma­ti­schen ille­ga­len Abschie­bun­gen: Men­schen­recht­ler wer­fen Grie­chen­land und ande­ren euro­päi­schen Staa­ten an der Außen­gren­ze schon seit Jah­ren Push-Backs vor und doku­men­tie­ren die­se. Auch in der grie­chi­schen und inter­na­tio­na­len Pres­se wird immer wie­der über ein­zel­ne Vor­fäl­le berich­tet (…). Der Euro­pa­rat spricht von “glaub­wür­di­gen Anschul­di­gun­gen”, und auch das Flücht­lings­hilfs­werk der Uno zeig­te sich bereits besorgt…” Bei­trag von Gior­gos Chris­ti­des und Stef­fen Lüd­ke vom 13. Novem­ber 2019 beim Spie­gel online externer Link
  • „Empö­ren und Weg­schau­en“: ver­schärf­tes Asyl­ge­setz 
    Am frü­hen Mor­gen des 1. Novem­ber 2019 beschloss das grie­chi­sche Par­la­ment ein neu­es Asyl­ge­setz. Vie­le Men­schen­rechts- und Geflüch­te­ten­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen kri­ti­sie­ren die­ses Gesetz scharf. So schrieb die UN-Orga­ni­sa­ti­on für Geflüch­te­te UNHCR u.a. fol­gen­des: Die UNHCR sei wegen des Geset­zes besorgt, weil es den Schutz der Geflüch­te­ten schwä­che. Es belas­te Asyl­su­chen­de exzes­siv und fokus­sie­re auf Straf­maß­nah­men. Wenn ein Asyl­su­chen­der z.B. bestimm­te For­ma­li­tä­ten des Asyl­ver­fah­rens nicht ein­hal­te, wer­de sein Asyl­ge­such abge­lehnt. Das Gesetz beschrän­ke das Recht zur Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung. Z.B. wer­de die Defi­ni­ti­on eines „Fami­li­en­mit­glieds ein­ge­schränkt: Nur wer vor der Flucht aus dem Hei­mat­land schon Fami­li­en­glied war, gel­te als sol­ches. D.h. z.B. dass ein nach der Flucht gebo­re­nes Kind nicht als Fami­li­en­mit­glied zäh­le. Nach dem Gesetz dür­fen Geflüch­te­te in Zukunft 18 Mona­te (statt wie bis­her 3 Mona­te) inhaf­tiert wer­den. (Hier die Stel­lung­nah­me des UNHCR externer Link ) (…) Dass mehr Flücht­lin­ge und Migran­ten kom­men, sei aber noch lan­ge kein Grund, sie im Schnell­ver­fah­ren abzu­fer­ti­gen, kom­men­tiert Karin Senz. Der ein­zel­ne Mensch gehe so ver­lo­ren. Bei der Flücht­lings­kri­se zeigt sich eines ziem­lich deut­lich: Es ist mög­lich, ein The­ma im Fokus zu haben und trotz­dem weg­zu­schau­en.“” Bei­trag von Georg Brzo­s­ka vom 1. Novem­ber 2019 bei Grie­chen­landso­li externer Link
  • Ver­schärf­te Migra­ti­ons­po­li­tik – Grie­chen­land will Flücht­lin­ge in die Tür­kei zurück­schi­cken /​grie­chi­sche Regie­rung plant die Abschie­bung von Migran­ten in Dritt­staa­ten 
    “Die grie­chi­sche Regie­rung reagiert mit einer Ver­schär­fung ihrer Migra­ti­ons­po­li­tik auf den töd­li­chen Brand in einem Flücht­lings­la­ger auf Les­bos. Sie kün­dig­te nach einer Kri­sen­sit­zung die Rück­füh­rung von 10’000 Geflüch­te­ten in die Tür­kei bis Ende 2020 an. Zudem sol­len geschlos­se­ne Lager für ille­ga­le oder abge­lehn­te Migran­ten errich­tet wer­den. Bei dem Brand im Flücht­lings­la­ger Moria vom Sonn­tag war min­des­tens eine Frau ums Leben gekom­men. (…) Die Ver­ein­ten Natio­nen dräng­ten der­weil die Regie­rung in Athen, die Lage in Moria in den Griff zu bekom­men. Die Über­füh­rung von Geflüch­te­ten auf das grie­chi­sche Fest­land müs­se «beschleu­nigt», die Lebens­be­din­gun­gen müss­ten «ver­bes­sert» wer­den, sag­te der Spre­cher des UNO-Flücht­lings­hilfs­werks UNHCR. Moria ist für 3000 Men­schen aus­ge­legt, aller­dings leben rund 13’000 Geflüch­te­te in dem Lager. Das Lager hat sich über die Jah­re zu einer Art Klein­stadt ent­wi­ckelt. Die Zel­te, in denen die Migran­ten woh­nen, zie­hen sich bis in die umlie­gen­den Oli­ven­hai­ne hin­ein. Ein Teil der Bewoh­ner lebt in Con­tai­nern. (…) Wer tau­sen­de Men­schen in einer «aus­weg­lo­sen Lage» fest­set­ze, sei «mit­ver­ant­wort­lich», wenn die Lage eska­lie­re, erklär­te die Flücht­lings­or­ga­ni­sa­ti­on Pro Asyl. Den Schutz­su­chen­den wer­de zum Teil über Jah­re hin­weg der Zugang zu einem fai­ren Asyl­ver­fah­ren ver­wei­gert.” Mel­dung vom 30. Sep­tem­ber 2019 beim SRF externer Link, sie­he dazu:
    • Abschie­bun­gen: Grie­chen­land will siche­re Dritt­staa­ten für Flücht­lin­ge fest­le­gen
      Die grie­chi­sche Regie­rung plant die Abschie­bung von Migran­ten in Dritt­staa­ten. Das Vor­bild sei der Vor­stoß von Horst See­hofer für Boots­flücht­lin­ge aus Ita­li­en. (…) Eine ent­spre­chen­de “umfas­sen­de Lis­te” wer­de in Kür­ze vor­ge­legt, sag­te der Vize-Minis­ter für Migra­ti­on, Gior­gos Kou­mout­sa­kos, der Süd­deut­schen Zei­tung. Kou­mout­sa­kos kri­ti­sier­te die lin­ke Vor­gän­ger­re­gie­rung von Ex-Minis­ter­prä­si­dent Alexis Tsi­pras als zu nach­gie­big. “Wir wer­den stren­ger sein”, sag­te er. Asyl­be­hör­den sol­len laut Kou­mout­sa­kos ver­stärkt wer­den, die Regie­rung in Athen erwar­te aber auch mehr Hil­fe von der EU…” Agen­tur­mel­dung vom 2. Okto­ber 2019 bei der Zeit online externer Link
  • Regie­rungs­rat beschließt Maß­nah­men für die Flücht­lings­kri­se – Mit­sota­kis’ Ent­schei­dun­gen ent­täu­schen Anhän­ger und Geg­ner 
    In Athen wur­de am Sams­tag der minis­te­ri­el­le Rat für aus­wär­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten und Ver­tei­di­gung ein­be­ru­fen. Unter Pre­mier Kyria­kos Mit­sota­kis dis­ku­tier­ten Minis­ter und füh­ren­de Beam­te dar­über, wie die Regie­rung mit den Flücht­lin­gen auf den grie­chi­schen Ägä­is-Inseln umge­hen soll. Die Flücht­lings­zah­len auf den grie­chi­schen Inseln stei­gen wie­der. Offen­bar hat die tür­ki­sche Regie­rung ihre Dro­hung wahr gemacht und ist hin­sicht­lich der Kon­trol­le der Strän­de, von denen aus Flücht­lin­ge und Migran­ten von der Tür­kei nach Grie­chen­land über­set­zen, nach­läs­si­ger gewor­den. (…) Sehr zum Ärger der eige­nen Wäh­ler kann die Nea Dimo­kra­tia ihr Ver­spre­chen, die Gren­zen zur Tür­kei her­me­tisch zu schlie­ßen, nicht hal­ten. Die Regie­rung muss­te ein­ge­ste­hen, dass es ihr auch mit der Unter­stüt­zung der Fron­tex nicht mög­lich ist, die Gewäs­ser vor den grie­chi­schen Inseln abzu­rie­geln. Das Ergeb­nis ist, dass die Flücht­lings­la­ger auf den Inseln erneut hoff­nungs­los über­füllt sind. Der Regie­rungs­rat beschloss daher eini­ge Sofort­maß­nah­men. • Anders als in der Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und der Tür­kei eigent­lich ver­ein­bart, sol­len Asyl­be­wer­ber von den Inseln aufs Fest­land, in dor­ti­ge Lager, gebracht wer­den. In der Nähe der nord­grie­chi­schen Stadt Kil­kis wird bereits ein Lager für die neu Ankom­men­den vor­be­rei­tet. Die Regie­rung von Alexis Tsi­pras hat­te sich immer dar­auf beru­fen, dass so etwas erst nach Abschluss des Asyl­ver­fah­rens mög­lich sei. (…) Die Grenz­über­wa­chung soll ver­stärkt wer­den. Die Regie­rung plant eine Inves­ti­ti­on von 50 Mil­lio­nen Euro in neue Tech­no­lo­gien, wie ther­mi­sche Kame­ra­sys­te­me und Droh­nen. Die Regie­rung möch­te die Ein­spruchs­mög­lich­keit für Bewer­ber beim Asyl­ver­fah­ren abschaf­fen. Wenn die ers­te Instanz des Asyl­ver­fah­rens über den Antrag einer Per­son ableh­nend ent­schie­den hat, soll die­se umge­hend ins Hei­mat­land abge­scho­ben wer­den. In die­sem Zusam­men­hang sieht die Regie­rung auch bei der Tür­kei Ver­säum­nis­se. Im gesam­ten Land sol­len die Poli­zei­kon­trol­len ver­stärkt wer­den. Die Regie­rung weist dar­auf hin, dass die Vor­gän­ger­re­gie­rung unter Tsi­pras zu weni­ge Kon­trol­len durch­ge­führt habe. (…) Die von der Flücht­lings­kri­se betrof­fe­nen Inseln, wie Les­bos, sol­len mehr medi­zi­ni­sches Per­so­nal zuge­teilt bekom­men. Auf die Ent­schei­dung, Asyl­be­wer­bern die Wider­spruchs­mög­lich­kei­ten gegen eine ableh­nen­de Ent­schei­dung in ers­ter Instanz zu ver­wei­gern, reagier­te Amnes­ty Inter­na­tio­nal mit “ers­ter Sor­ge”…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los vom 01. Sep­tem­ber 2019 bei tele­po­lis externer Link
  • Grund­rech­te sind kei­ne Ehren­aus­zeich­nung: Drei Migran­ten ret­ten Grie­chen das Leben und erhal­ten dafür die Staats­bür­ger­schaft /​Wer Geflüch­te­te ret­tet, wird kri­mi­na­li­siert 
    “Staats­bür­ger­schaft bedeu­tet Zugang zu Grund­rech­ten. Sie ist »das Recht, Rech­te zu haben«, wie es die poli­ti­sche Theo­re­ti­ke­rin Han­nah Arendt aus­drückt. Staats­bür­ger­schaft ist kei­ne Ehren­aus­zeich­nung, die einem nur auf­grund beson­de­rer Leis­tung zuge­dacht wer­den soll­te. Genau­so aber hat die grie­chi­sche Regie­rung sie ver­wen­det, als Prä­si­dent Pro­ko­pis Pav­lo­pou­los drei migran­ti­schen Fischern am 2. Janu­ar die grie­chi­sche Staats­bür­ger­schaft ver­lieh. Der Grund: Sie hat­ten ver­gan­ge­nen Juli Grie­chen aus dem Meer geret­tet, die von schwe­ren Wald­brän­den ein­ge­schlos­sen und ins Was­ser geflüch­tet waren. Einen ähn­li­chen Fall hat­te es im Sep­tem­ber in Frank­reich gege­ben. Der mali­sche Migrant Mamou­dou Gas­sa­ma erhielt die fran­zö­si­sche Staats­bür­ger­schaft nach­dem er mit blo­ßen Hän­den vier Stock­wer­ke eines Wohn­blocks hoch­ge­klet­tert war, um ein Kind zu ret­ten, das von einem Bal­kon­ge­län­der hing. Zum Ver­gleich: Die Schwes­tern Sarah und Yus­ra Mar­di­ni, letz­te­re Olym­pia­schwim­me­rin, ret­te­ten 2015 auf ihrer Flucht aus Syri­en 18 ande­ren Flüch­ten­de vor dem Ertrin­ken. Stun­den­lang zogen sie ein schiff­brü­chi­ges Schlauch­boot schwim­mend hin­ter sich her bis an die grie­chi­sche Küs­te. Sarah Mar­di­ni, die in Ber­lin lebt, sich aber auf der grie­chi­schen Insel Les­bos stark in der Geflüch­te­ten­hil­fe enga­giert, war mona­te­lang in Grie­chen­land unter frag­wür­di­gen Vor­wür­fen in Haft und kam erst ver­gan­ge­nen Dezem­ber auf Kau­ti­on frei. Der Unter­schied: Die Men­schen, wel­che die Schwes­tern Mar­di­ni ret­te­ten, und für die sich Sarah Mar­di­ni wei­ter­hin ein­setzt, waren kei­ne Europäer*innen, son­dern Geflüch­te­te…” Bei­trag von Lou Zucker bei neu­es Deutsch­land vom 3. Janu­ar 2019 externer Link
  • Flücht­lings­hel­fe­rin in Grie­chen­land: Sarah Mar­di­ni kommt gegen Kau­ti­on frei 
    “… Die syri­sche Flücht­lings­hel­fe­rin und ehe­ma­li­ge Leis­tungs­schwim­me­rin Sarah Mar­di­ni kommt nach mehr als drei Mona­ten in grie­chi­scher Unter­su­chungs­haft gegen Kau­ti­on in Höhe von 5000 Euro frei. Das bestä­tig­te ihr ehe­ma­li­ger Trai­ner Sven Span­ne­krebs am Diens­tag dem Tages­spie­gel. “Ich habe heu­te mit Sarah tele­fo­nie­ren kön­nen”, sag­te Span­ne­krebs. “Sie ist natür­lich sehr glück­lich.” Mar­di­ni war am 21. August auf der Insel Les­bos fest­ge­nom­men wor­den, die grie­chi­sche Jus­tiz wirft der 23 Jah­re alten Syre­rin Men­schen­schmug­gel, indi­vi­du­el­le Berei­che­rung durch Spen­den, Geld­wä­sche, Spio­na­ge und die Mit­glied­schaft in einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung vor. Ihr droht eine mehr­jäh­ri­ge Haft­stra­fe. (…) Mar­di­ni soll in den nächs­ten ein bis zwei Tagen frei gelas­sen wer­den, sie darf Grie­chen­land ver­las­sen. “Das Nah­ziel ist natür­lich, Sarah so schnell wie mög­lich nach Ber­lin zu holen”, sag­te Span­ne­krebs. Dem­nach stellt das Bard Col­le­ge Ber­lin, an dem Sarah Mar­di­ni stu­diert, die Kau­ti­on zur Ver­fü­gung. Auch zwei wei­te­re inhaf­tier­te Flücht­lings­hel­fer kom­men auf Kau­ti­on frei. Wann und ob es zu einem Pro­zess gegen die drei kommt, ist wei­ter unklar…” Mel­dung von Lars Span­nagel vom 4. Dezem­ber 2018 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Mer­kel macht Tsi­pras zum Horst 
    “In Ber­lin mag die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin unter Druck ste­hen. In Grie­chen­land ist sie immer noch in der Lage, die kom­plet­te Regie­rungs­mann­schaft bloß­zu­stel­len. Im Rah­men der bila­te­ra­len Ver­ein­ba­run­gen Deutsch­lands mit EU-Mit­glieds­staa­ten über die Rück­nah­me von im Mit­glieds­staat regis­trier­ten Asyl­be­wer­bern hat­te der grie­chi­sche Pre­mier­mi­nis­ter Alexis Tsi­pras für Grie­chen­land die ent­spre­chen­de Zusi­che­rung gege­ben. Daheim in Athen ver­kün­de­te der Pre­mier stolz, dass im Gegen­zug die Mehr­wert­steu­er­erhö­hung auf den von der Flücht­lings­kri­se betrof­fe­nen Inseln vom Tisch sei. Dies gel­te für die Dau­er der Flücht­lings­kri­se, ließ Tsi­pras wis­sen. Auf­merk­sa­men Beob­ach­tern in Grie­chen­land ent­ging nicht, dass die avi­sier­te groß­zü­gi­ge Befrei­ung von der Steu­er­erhö­hung im ent­spre­chen­den Minis­ter­lass eine ganz ande­re Begren­zung auf­wies. Der am Tag nach Tsi­pras voll­mun­di­ger Ankün­di­gung im Staats­an­zei­ger ver­öf­fent­lich­te Erlass hat eine Gül­tig­keit bis zum 31.12.2018. Umge­hend erfolg­te eine Stel­lung­nah­me aus dem Mega­ro Maxi­mou, wie der Amts­sitz des grie­chi­schen Pre­miers nach sei­nem Spen­der heißt. Die Begren­zung sei schlicht tech­ni­scher Natur, der Rabatt wer­de von der Regie­rung alle sechs Mona­te ver­län­gert, hieß es aus dem offi­zi­el­len Mund des Regie­rungs­spre­chers. Die SYRI­ZA-Poli­ti­ker schwärm­ten aus, um in den zahl­rei­chen Talk­shows im grie­chi­schen Fern­se­hen die neue Situa­ti­on zu erklä­ren und den Deal als gro­ßen Erfolg zu ver­kau­fen. Denn eigent­lich ist die – nach Anga­ben der Ber­li­ner Regie­rung – inner­halb von 48 Stun­den zu erfol­gen­de Rück­sen­dung von nach Deutsch­land gelang­ten und vor­her in Grie­chen­land regis­trier­ten Asyl­be­wer­bern nicht das, was Tsi­pras seit Jah­ren als sein Ziel pro­pa­giert. Zusam­men mit einer als Aner­ken­nung für die mit hoff­nungs­los über­be­leg­ten Hot­spots belas­te­ten Inseln gedach­ten finan­zi­el­len Ent­las­tung woll­te Tsi­pras sein Nach­ge­ben gegen­über Mer­kel in einen klei­nen Erfolg ummün­zen. Vie­le Grie­chen emp­fan­den dies als schlech­ten Deal. Für die der Migra­ti­on kri­tisch gegen­über­ste­hen­den Grie­chen war die Kom­pen­sa­ti­on zu wenig, für die Anhän­ger der Will­kom­mens­kul­tur dage­gen ein inhu­ma­nes Gescha­che­re über das Schick­sal von Men­schen…” Bei­trag von Was­si­lis Aswestopou­los vom 5. Juli 2018 bei Tele­po­lis externer Link
  • Die grie­chi­sche Jus­tiz mit Will­kür­akt pur: Auch nach dem Urteil wer­den die Ange­klag­ten aus dem Lager Moria im Gefäng­nis fest­ge­hal­ten – dar­un­ter auch ein Frei­ge­spro­che­ner 
    Ende April war der Pro­zess gegen die „Moria 35“ zu Ende gegan­gen – die seit 9 Mona­ten im Gefäng­nis gehal­ten wur­den, wegen ihrer Pro­tes­te aus dem Som­mer 2017, mit den „übli­chen Vor­wür­fen“ wie Wider­stand gegen die Staats­ge­walt, Belei­di­gung von Poli­zei­be­am­ten und ande­res mehr. Und obwohl 32 der 35 Ange­klag­ten nur wegen Belei­di­gung ver­ur­teilt wer­den konn­ten und drei ganz frei­ge­spro­chen wur­den, wer­den 26 von ihnen, dar­un­ter eben einer der frei­ge­spro­che­nen in ver­schie­de­nen Gefäng­nis­sen – eini­ge auch in Athen – wei­ter­hin fest gehal­ten – und sie­ben von ihnen sol­len nun in die Tür­kei abge­scho­ben wer­den – und von dort aus zurück in die Län­der, aus denen sie geflo­hen sind. In dem Bericht „Moria35 Update – 26 of the 35 remain detai­ned – 7 face immi­nent depor­ta­ti­on“ am 08. Mai 2018 bei Enough is Enough externer Link wer­den auch Poli­zei- und Gefäng­nis­adres­sen für Pro­tes­te gegen die­se Vor­ge­hens­wei­se ange­ge­ben. Sie­he dazu auch einen Bei­trag zum eigent­li­chen Urteil im Moria 35 Pro­zess:
    • „Moria 35 Tri­al Ends in Con­vic­tion of 32 – But After 9 Mon­ths of Unjust Detenti­on, the 35 will Final­ly be Free!“ am 28. April 2018 beim Les­bos Legal Cent­re externer Link war ein Arti­kel unmit­tel­bar nach­dem das Urteil bekannt gege­ben wur­de – in dem, wie die Über­schrift zeigt, noch von einer nor­ma­len Pro­ze­dur aus­ge­gan­gen wur­de, also, dass die Ange­klag­ten zu min­des­tens frei kom­men wür­den, womit die Anti-Migran­ten Jus­tiz wie­der ein­mal in ihrer Will­kür unter­schätzt wur­de. In dem Arti­kel wird auch deut­lich gemacht, dass der Pro­zess­ver­lauf auch zum Ergeb­nis hat­te, dass Ermitt­lun­gen gegen die bei der Nie­der­schla­gung der Pro­tes­te im Lager betei­lig­ten Poli­zei­kräf­te auf­ge­nom­men wer­den muss­ten – und zwar sowohl wegen deren Vor­ge­hen jen­seits lega­ler Bestim­mun­gen, als auch wegen ihrer offen­sicht­lich frag­wür­di­gen Aus­sa­gen bei den Ermitt­lun­gen gegen die 35.
  • Pro­zess in Grie­chen­land: Frei­spruch für spa­ni­sche Flücht­lings­hel­fer 
    Drei spa­ni­sche Feu­er­wehr­leu­te waren als Flücht­lings­hel­fer vor der Insel Les­bos im Ein­satz. Dafür droh­ten ihnen zehn Jah­re Haft. Doch ein grie­chi­sches Gericht ent­schied anders. Die Feu­er­wehr­leu­te aus Süd­spa­ni­en müs­sen weder ins Gefäng­nis – ihnen droh­ten zehn Jah­re Haft – noch eine Geld­stra­fe zah­len. Nach Ansicht des Gerichts auf Les­bos haben die Feu­er­wehr­män­ner aus Nächs­ten­lie­be gehan­delt und woll­ten kei­ne Men­schen nach Euro­pa schmug­geln – so wie es ihnen die grie­chi­sche Staats­an­walt­schaft vor­ge­wor­fen hat­te. Auch zwei däni­sche Flücht­lings­hel­fer sprach das Gericht frei…” Bericht von Oli­ver Neu­roth vom 07.05.201 bei tages​schau​.de externer Link
  • Les­bos: Tau­sen­de Grie­chen pro­tes­tie­ren gegen Flücht­lings­po­li­tik 
    Tau­sen­de Men­schen haben auf der grie­chi­schen Insel Les­bos für Lösun­gen in Migra­ti­ons­fra­gen pro­tes­tiert. Zwi­schen den rund 2500 Demons­tran­ten kam es laut Augen­zeu­gen zu Ran­ge­lei­en, die Poli­zei setz­te Trä­nen­gas ein. Meh­re­re Pro­test­teil­neh­mer hat­ten zuvor ver­sucht, einen Poli­zei­bus umzu­wer­fen. Die Aktio­nen rich­te­ten sich direkt gegen die Migra­ti­ons­po­li­tik der EU – auf Les­bos befin­den sich der­zeit 8849 Migran­ten, die Flücht­lings­la­ger der Insel sind über­füllt. Anlass der Pro­tes­te war ein Besuch von Regie­rungs­chef Alexis Tsi­pras am Don­ners­tag­abend. In sei­ner Rede beton­te er, es sei nicht leicht mit dem Flücht­lings­zu­strom fer­tig zu wer­den...” Bericht vom 03.05.2018 beim Spie­gel online externer Link
  • Pro­zess gegen Flücht­lings­hel­fer: Er ret­te­te tau­sen­de Men­schen aus dem Mit­tel­meer – jetzt dro­hen ihm zehn Jah­re Knast 
    “Auf der grie­chi­schen Insel Les­bos gilt Salam Aldeen als Legen­de: Meh­re­re tau­send Men­schen soll der ira­kisch­stäm­mi­ge Däne aus dem Mit­tel­meer geret­tet haben. Doch die grie­chi­sche Jus­tiz will ihn nun ins Gefäng­nis ste­cken – wegen angeb­li­chen Men­schen­han­dels. Am 7. Mai beginnt der Pro­zess. (…) Mona­te­lang enga­gier­te sich Aldeen auf Les­bos, doch in einer Nacht im Janu­ar 2016 änder­te sich alles. In jener Nacht sei ein Not­ruf via Whats­app ein­ge­gan­gen, so erzählt Aldeen es heu­te, er und sei­ne Crew hät­ten sich mit dem Ret­tungs­boot sofort ins Was­ser auf­ge­macht. Zwei über­füll­te Boo­te sei­en lie­gen­ge­blie­ben und vom Ken­tern bedroht, so habe es in der Whats­app-Nach­richt eines Flücht­lings gehei­ßen. Allein: Aldeen und sei­ne Hel­fer fan­den die Boo­te nicht. Die Orts­mar­ke aus der Whats­App-Nach­richt war nur unge­nau. Immer wei­ter fuhr das Ret­tungs­schiff auf die See hin­aus – bis es plötz­lich von einem Boot der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che ange­hal­ten wur­de. Aldeen und sei­ne Crew wur­den ver­haf­tet. Der Vor­wurf: Men­schen­schmug­gel. Sie sol­len ver­sucht haben, Flücht­lin­ge aus der Tür­kei nach Grie­chen­land zu brin­gen. Zwar haben die Hel­fer kei­ne Flücht­lin­ge an Bord genom­men und sind auch nicht in tür­ki­sche Hoheits­ge­wäs­ser ein­ge­fah­ren. Doch nach grie­chi­schem Recht ist schon der Ver­such des Men­schen­schmug­gels straf­bar – und was als „Ver­such“ gilt, ent­schei­den im Zwei­fels­fall die Behör­den. Zwar exis­tiert eine UN-Vor­ga­be, dass Hel­fer nicht wegen Men­schen­schmug­gels belangt wer­den dür­fen, wenn sie Leben ret­ten. Ver­bind­lich für die Mit­glieds­staa­ten ist die­se Vor­ga­be aber nicht. (…) Am 7. Mai beginnt der Pro­zess gegen ihn, laut „Team Huma­ni­ty“ dro­hen ihm bis zu zehn Jah­re Haft. Aldeen könn­te sich irgend­wo in der EU ver­ste­cken, aber er will zur Gerichts­ver­hand­lung nach Grie­chen­land rei­sen. Denn wenn es ein Ver­bre­chen sei, Leben zu ret­ten, sag­te Aldeen bei der Hein­rich-Böll-Stif­tung, „dann bin ich ein Ver­bre­cher.“ .” Bei­trag von Flo­ri­an Rei­ter vom 1. Mai 2018 bei Focus online externer Link
  • Poli­zei mar­schiert auf: Gegen Flücht­lings­pro­tes­te in grie­chi­schen Lagern
    Am Sams­tag, 09. Sep­tem­ber 2017 führ­ten 350 Poli­zis­ten eine Raz­zia im Lager Moria auf Les­bos durch – das nach den Pro­tes­ten dort zu einer Art beson­de­rem „hot spot‘“ gewor­den ist: Für Poli­zei­re­pres­si­on. Am Mon­tag, also zwei Tage spä­ter dann eine Poli­zei­raz­zia im Lager Sou­da auf Chi­os. Wäh­rend auf Samos neue Pro­tes­te im Lager orga­ni­siert wur­den. Der Bericht „#Refu­gees­GR: Cops Rai­ded #Sou­da Camp on #Chi­os – Pro­tests on #Samos“ am 11. Sep­tem­ber 2017 bei Enough is Enough externer Link macht deut­lich, wor­in – neben arro­gan­ter und ras­sis­ti­scher Poli­zei­pra­xis – ein wesent­li­cher Grund dafür besteht, dass die­se Pro­tes­te trotz allen ‚Poli­zei­ein­sat­zes nicht auf­hö­ren: Das Lager auf Samos, für 700 Men­schen geplant, hält jetzt über 2.500 Men­schen fest.
  • Neue Pro­tes­te auf Les­bos: Demons­tra­ti­on aus dem Lager 
    Am 28. August 2017 demons­trier­ten über 100 Insas­sen des Lagers Moria vom Camp nach Myti­le­ne, wo sie in der Stadt­mit­te eine Pro­test­kund­ge­bung abhiel­ten und über Nacht ein eige­nes Pro­test­camp orga­ni­sier­ten. Unter ihnen waren auch Teil­neh­mer des kürz­lich orga­ni­sier­ten Hun­ger­streiks im Lager (sie­he die Bericht­erstat­tung im Dos­sier). Bei den im Lager Gefan­ge­nen han­delt es sich um Men­schen, die oft schon weit über ein Jahr dort fest­ge­hal­ten wer­den, was einer der Grün­de dafür ist, dass sich hier ein regel­rech­tes Zen­trum von Flücht­lings­pro­tes­ten ent­wi­ckelt hat. In dem Bericht „Refu­gees­GR in Moria: Enough is Enough!“ am 29. August 2017 bei Enough is Enough externer Link (mit Bil­dern und Vide­os) wird unter­stri­chen, die ört­li­che Poli­zei habe den Platz­be­set­zern – meist Flücht­lin­ge aus Afgha­ni­stan – die gewalt­sa­me Räu­mung ange­droht. Sie­he dazu auch einen Bericht über einen wei­te­ren Pro­test in Grie­chen­land:
  • „Refu­gee Women in Greece Strugg­le to Access Con­tracep­ti­on“ von Zoe Hol­man am 27. August 2017 bei Trut­hout externer Link ist ein Bericht über eine geflüch­te­te Frau aus Syri­en, die wäh­rend ihres bei­na­he jah­re­lan­gen Auf­ent­halts in einem Lager in der Nähe von Athen unge­wollt schwan­ger wur­de. Sie hat damit begon­nen, für die For­de­rung zu mobi­li­sie­ren, dass geflüch­te­te Frau­en Zugang zu Ver­hü­tungs­mit­teln bekom­men – was eigent­lich eine der kleins­ten Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten sein müss­te, ist eben in der Fes­tung EU statt­des­sen zu einem wei­te­ren Abschre­ckungs- und Repres­si­ons­mit­tel gewor­den.
  • Hun­ger­streik im grie­chi­schen Lager Moria nach 35 Tagen been­det 
    Bahrooz Arash und Kozhin Hus­sein, die bei­den Hun­ger­strei­ken­den inner­halb des Lagers auf Les­bos haben ihre Akti­on nach 35 Tagen been­det, wäh­rend der drit­te Betei­lig­te, Arash Ham­pay, sei­nen Hun­ger­streik in der Orts­mit­te fort­setz­te. In einer Erklä­rung unter­stütz­te Ham­pay das Ende der Akti­on der bei­den im Lager, weil eine Fort­set­zung nur die Todes­ge­fahr erhöht hät­te – ein mög­li­cher Tod, so Ham­pay, der jene, die sie ver­folg­ten, nicht im Min­des­ten gerührt hät­te. Sie alle sei­en kei­ne Flücht­lin­ge, son­dern Gefan­ge­ne, unter­streicht er in sei­ner Erklä­rung vom 03. August 2017, die in dem Bei­trag „#Moria­Hun­ger­Strike Ended: Out­side Arash Ham­pay Con­ti­nues!“ externer Link am sel­ben Tag bei Enough is Enough doku­men­tiert ist. Sowohl die grie­chi­schen Behör­den, als auch die inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen hät­ten sich des Ver­sto­ßes gegen alle dies­be­züg­li­chen Erklä­run­gen eben­so schul­dig gemacht, wie sie sich als Unter­drü­cker der Flücht­lin­ge betä­tigt hät­ten. Sie­he dazu auch einen Bei­trag über die Fort­set­zung des Kamp­fes nach Been­di­gung des Hun­ger­streiks im Lager Moria:
    • „After #Moria­Hun­ger­Strike: The Strugg­le Con­ti­nues!“ am 04. August 2017 bei Enough is Enough externer Link ist ein Bei­trag über die Fort­set­zung des Kamp­fes nach Ende des Hun­ger­streiks, der mit einem Auf­ruf zu einer Pro­test­de­mons­tra­ti­on vor dem Lager Moria am 5. August beginnt. Das Ziel aller Akti­vi­tä­ten, so wird in dem Bei­trag unter­stri­chen, sei es, die Frei­heit der Men­schen zu errin­gen, die ille­gal als Gefan­ge­ne gehal­ten wür­den, denen alles genom­men wer­de, sogar das Recht auf Pro­test…
  • Der Hun­ger­streik im Lager Moria auf Les­bos geht wei­ter – die Soli­da­ri­täts­kam­pa­gne mit den Inhaf­tier­ten des 18. Juli wird stär­ker
    Polizeiüberfall auf die Proteste im Lager Moria auf Lesbos am 18. Juli 2017: #FreeTheMoria35 Eine Soli­da­ri­täts­kam­pa­gne mit den 35 Men­schen, die seit dem Poli­zei­über­fall auf die Pro­tes­te im Lager Moria am 18. Juli 2017 immer noch fest­ge­hal­ten wer­den, wird in ganz Grie­chen­land orga­ni­siert, wäh­rend die Zahl der Anzei­gen gegen den Poli­zei­ter­ror eben­falls wächst. In dem Bei­trag „#FreeTheMoria35 #Moria : Many #Refu­gees­GR Still Impr­i­son­ed After Clas­hes on July 18“ am 28. Juli 2017 bei Enough is Enough externer Link wird auf die unter­schied­li­chen Ergeb­nis­se der Ver­neh­mun­gen ver­wie­sen – eini­ge konn­ten man­gels Über­set­zung noch nicht ein­mal durch­ge­führt wer­den. Unter­des­sen wird der Hun­ger­streik der drei Akti­vis­ten inner­halb und außer­halb des Lagers Moria auch an den Tagen 32 bezie­hungs­wei­se 31 fort­ge­führt, ohne dass bis­her die Behör­den oder sons­ti­ge Ver­ant­wort­li­che auf die For­de­run­gen in irgend­ei­ner Wei­se ein­ge­gan­gen wären. Sie­he dazu auch einen Bei­trag, der sich mit der sys­te­ma­ti­schen Gewalt der Euro­päi­schen Uni­on gegen Flücht­lin­ge aus­ein­an­der­setzt sowie die Vor­stel­lung des Soli­da­ri­täts-Pla­kats, das nun im gan­zen Land ver­brei­tet wird:
  • Der Hun­ger­streik auf Les­bos geht wei­ter: Die all­täg­li­che Poli­zei­re­pres­si­on, der Abschie­bungs­ter­ror eben­falls
    Eine Erklä­rung von Arash Ham­pay, der sich seit 28 Tagen auf dem Myti­li­ni-Platz in Moria auf Les­bos im Hun­ger­streik befin­det – zusam­men mit Kozhin Hus­sein und Bahrooz Arash, die seit 29 Tagen inner­halb des Lagers ihren Hun­ger­streik durch­füh­ren – ist in dem Bei­trag „#Refu­gees­GR: Hun­ger Strike at #Moria Con­ti­nues“ am 27. Juli 2017 bei Enough is Enough externer Link doku­men­tiert. Dar­in zieht er ein bit­te­res Ergeb­nis sei­ner eige­nen Akti­vi­tä­ten: Sei­ne Foto­samm­lung – unter ande­rem über den Über­fall von 200 Poli­zis­ten auf das Lager und die Depor­ta­tio­nen nach Pro­tes­ten – die er in sozia­len Medi­en ver­öf­fent­licht, haben 20.000 Fol­lower – von denen auf die­se Doku­men­te gera­de ein­mal 100 reagiert hät­ten. Er wis­se, so schreibt er in dem State­ment, dass er sich wie­der­ho­le – und gera­de das sei das Pro­blem, weil sich eben auch die Erfah­rung der Unter­drü­ckung und Demü­ti­gung jeden Tag wie­der­ho­le – und weil es genau das gewe­sen sei, was sie alle eigent­lich in Euro­pa nicht erwar­tet hät­ten… Sie­he dazu auch eine Soli­da­ri­täts­er­klä­rung gegen den Poli­zei­über­fall auf das Lager:
  • Nach dem Mas­sen­pro­test in grie­chi­schem Lager: Pro­test vor der Bot­schaft der BRD
    In der kur­zen Mel­dung „Bot­schafts­pro­test“ am 20. Juli 2017 in der jun­gen Welt externer Link heißt es unter ande­rem: „Flücht­lin­ge und Migran­ten haben am Mitt­woch vor der deut­schen Bot­schaft in Athen die Ein­schrän­kung des Fami­li­en­nach­zugs durch die BRD ver­ur­teilt. Etwa hun­dert Men­schen betei­lig­ten sich laut Medi­en­be­rich­ten an der Akti­on. Wie bereits im Mai bekannt­ge­wor­den war, hat die Bun­des­re­gie­rung den Nach­zug von Ange­hö­ri­gen in Deutsch­land leben­der Flücht­lin­ge aus Grie­chen­land seit April deut­lich ein­ge­schränkt
  • Pro­test und Hun­ger­streik in grie­chi­schem Flücht­lings­la­ger: Poli­zei greift an 
    Die For­de­run­gen der Pro­tes­te im Flücht­lings­la­ger Moria uf der Insel Les­vos sind beschei­den: Wer 6 Mona­te im Lager fest­ge­hal­ten wur­de, soll in die EU ein­rei­sen dür­fen. Nach­dem drei Insas­sen vor Wochen einen Hun­ger­streik began­nen, fan­den am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de Demons­tra­tio­nen im und vor dem Lager statt – und die Behör­den­ver­tre­tung im Lager wur­de blo­ckiert. Ein aggres­si­ver Poli­zei­ein­satz gegen die­se Blo­cka­de rief dann noch brei­te­re Pro­tes­te her­vor, wird in dem Bericht „Cops Atta­cked #Refu­gees­GR in #Moria Camp at #Les­vos, #Greece“ am 18. Juli 2017 bei Enough is enough externer Link infor­miert. Dar­in auch Fotos und Vide­os zum Pro­test, sowie Aus­zü­ge von Inter­views mit Flücht­lin­gen über die Grün­de ihres Pro­tes­tes, zu denen unter ande­rem abso­lu­tes Besuchs­ver­bot gehört. Sie­he dazu auch einen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trag zum Hun­ger­streik und ein Video des Poli­zei­ein­sat­zes:
    • „Hun­ger Strike of #Refu­gees­GR Con­ti­nues“ am 17. Juli 2017 bei Enough is enough externer Link ist ein Bei­trag über den Hun­ger­streik von drei Flücht­lin­gen im Lager Moria, der auf den Auf­zeich­nun­gen des Bru­ders eines der drei basiert, der sei­ner­seits in der Stadt Myti­li­ni eben­falls im Hun­ger­streik sich befin­det. Dabei wird ins­be­son­de­re auf die repres­si­ve Hal­tung der grie­chi­schen wie inter­na­tio­na­len Behör­den kon­kret ein­ge­gan­gen.
    • „Poli­ce thro­wing rocks at pro­tes­tors insi­de #Moria camp #Les­vos #Refu­gees­gr“ am 18. Juli 2017 bei dem Twit­ter­ka­nal von United Res­cue Aid externer Link ist ein kur­zes Video über den Poli­zei­an­griff auf den Pro­test im Lager – mit Bil­dern von Stei­ne wer­fen­den Poli­zis­ten
    • Auf­ruhr im Lager auf Les­bos
      Mehr als zwei Jah­re nach dem offe­nen Aus­bruch der Flücht­lings­kri­se hat sich euro­pa­weit die frü­he­re Will­kom­mens­kul­tur ins Gegen­teil ver­wan­delt
      In Grie­chen­land wer­den Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten immer noch dem glei­chen Pro­ce­de­re unter­zo­gen. Gemäß dem Flücht­lings­de­al der EU mit der Tür­kei müs­sen sämt­li­che Neu­an­kömm­lin­ge auf den grie­chi­schen Inseln blei­ben, auf denen sie ange­kom­men sind. Erst nach abge­schlos­se­ner Über­prü­fung des Asyl­an­trags ist eine Wei­ter­rei­se auf das grie­chi­sche Fest­land oder aber, nach Abschluss eines mög­li­chen Wider­spruchs gegen eine Ableh­nung, eine Aus­wei­sung in die Tür­kei mög­lich. Die gesam­te Zeit über müs­sen die Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten in den in vie­ler Hin­sicht unzu­rei­chen­den Lagern ver­blei­ben. Dies wie­der­um stra­pa­ziert die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der mit dem Tou­ris­mus befass­ten Insu­la­ner, wel­che ihrer­seits in der Furcht über ihre eige­ne Exis­tenz zu xeno­pho­ben Über­re­ak­tio­nen nei­gen. Ein Ergeb­nis die­ses explo­si­ven Kli­mas sind Kon­flik­te auch in den Lagern…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los vom 19. Juli 2017 bei tele­po­lis externer Link
  • Flücht­lin­ge: EU-Gerichts­hof ver­ur­teilt Grie­chen­land
    “… Die grie­chi­sche Regie­rung, die sich gern für ihre Flücht­lings­po­li­tik lobt und in der ver­gan­ge­nen Woche den vier­ten Jah­res­tag der Exis­tenz einer grie­chi­schen Asyl­be­hör­de fei­er­te, wur­de erneut wegen der Lebens­be­din­gun­gen von Asyl­be­wer­bern ver­ur­teilt. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te befand im Fall eines Ira­ners, des­sen Asyl­an­trag abge­lehnt wur­de, dass der grie­chi­sche Staat nicht aus­rei­chend für des­sen Ver­sor­gung gesorgt habe. Der Mann wur­de bis zu sei­ner Abschie­bung schlicht auf die Stra­ße geschickt, wo er ohne Zugang zu Was­ser, Nah­rung und Obdach über die Run­den kom­men muss­te. (…) Wei­te­re Urtei­le, zum Bei­spiel hin­sicht­lich der untrag­ba­ren Zustän­de unter denen Flücht­lin­ge, auch Min­der­jäh­ri­ge, in Poli­zei­sta­tio­nen in Arrest gehal­ten wer­den, ste­hen an. Das Urteil und die noch aus­ste­hen­den Ent­schei­dun­gen las­sen die von Deutsch­land beab­sich­tig­te Rück­füh­rung von Flücht­lin­gen gemäß der Dub­li­ner Abkom­men uto­pisch erschei­nen. Grie­chen­land ist auf­grund der ange­spann­ten finan­zi­el­len Situa­ti­on wei­ter­hin nicht in der Lage, in ange­mes­se­ner Wei­se für die Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten zu sor­gen…” Bei­trag von Was­si­lis Aswestopou­los vom 27. Juni 2017 bei Tele­po­lis externer Link
  • Schutz für aner­kann­te Flücht­lin­ge gibt es in Grie­chen­land nur auf dem Papier
    Seit Jah­ren unter­stüt­zen unse­re Anwäl­tin­nen und Menschenrechtler*innen im Auf­trag von PRO ASYL Schutz­su­chen­de in Grie­chen­land. Eine umfas­sen­de juris­ti­sche Stel­lung­nah­me von PRO ASYL und unse­rem Pro­jekt­part­ner Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA) zeigt, unter wel­chen erschre­cken­den Lebens­be­din­gun­gen aner­kann­te Flücht­lin­ge in Grie­chen­land leben müs­sen…” Pro Asyl-Pres­se­mit­tei­lung vom 26.06.2017 externer Link samt Link zur Stel­lung­nah­me (engl.)
  • Flücht­lin­ge in Grie­chen­land: „Jetzt sit­zen wir hier in der Fal­le“
    Mehr als 60 000 Flücht­lin­ge und Migran­ten sit­zen in Grie­chen­land fest. Wegen der unmensch­li­chen Bedin­gun­gen machen sich vie­le auf eige­ne Faust Rich­tung Nor­den auf. (…) Auch die ver­spro­che­ne Umver­tei­lung der Flücht­lin­ge kommt kaum vor­an. Im Janu­ar haben ande­re EU-Staa­ten aus Grie­chen­land und Ita­li­en nur 1682 Men­schen über­nom­men statt der vor­ge­se­he­nen 3000. Eini­ge Län­der wie Ungarn, Öster­reich und Polen haben bis­her über­haupt kei­ne Flücht­lin­ge aus Grie­chen­land ange­nom­men. Die EU-Kom­mis­si­on könn­te Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die wider­spens­ti­gen Län­der ein­lei­ten, warn­te Kom­mis­si­ons­vi­ze­prä­si­dent Frans Tim­mer­mans die­se Woche. (…) Jeden Tag grei­fen die grie­chi­sche Poli­zei und Grenz­schüt­zer an der maze­do­ni­schen Gren­ze etwa zehn bis 15 Migran­ten auf. Wie vie­le es schaf­fen, mit Hil­fe von Schleu­sern oder auf eige­ne Faust die Gren­ze unent­deckt zu über­que­ren und sich nach Nor­den durch­zu­schla­gen, weiß nie­mand. Des­halb wol­len die Staa­ten ent­lang der Stre­cke jetzt die Siche­rung der Gren­zen ver­stär­ken. Seit ver­gan­ge­nem Frei­tag sind bereits Poli­zis­ten der euro­päi­schen Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex an der grie­chisch-maze­do­ni­schen Gren­ze im Ein­satz, dar­un­ter zwölf Deut­sche…Arti­kel von Gerd Höh­ler vom 09. Febru­ar 2017 bei der Frank­fur­ter Rund­schau online externer Link
  • Weil sie Men­schen geret­tet haben: Spa­ni­sche Feu­er­wehr­leu­te in Grie­chen­land vor Gericht
    Die drei spanischen Feuerwehrmänner, in Griechenland als Menschenschmuggler angeklat (August 2016) - weil sie sie nicht ertrinken liessenManu­el Blan­co, Enri­que Rodrí­guez und Julio Lator­re sind spa­ni­sche Feu­er­wehr­män­ner. Im Dezem­ber fuh­ren sie nach Grie­chen­land, um auf der Insel Les­bos als ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter der NGO PROEM AID (Pro­fes­sio­nal Emer­gen­cy Aid) Flücht­lin­gen zu hel­fen: damit Men­schen, die vor Krieg und Armut geflo­hen sind, nicht ertrin­ken müs­sen. Jetzt dro­hen ihnen zehn Jah­re Gefäng­nis. Die drei Män­ner haben ihr Leben ris­kiert, um tau­sen­de Kin­der und Erwach­se­ne zu ret­ten. Doch die grie­chi­schen Behör­den sehen dar­in Men­schen­schmug­gel. Die EU-Richt­li­nie, auf die sich Grie­chen­land dabei beruft, wird der­zeit von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on über­ar­bei­tet, doch ohne Druck von uns Bürger/​innen wird sich da nichts zum Guten wen­den. Das ist die Gele­gen­heit für einen star­ken Appell! Wir for­dern, dass frei­wil­li­ge Helfer/​innen wie Manu­el, Enri­que und Julio für ihre huma­ni­tä­re Arbeit nicht kri­mi­na­li­siert wer­den“ aus der aktu­el­len Peti­ti­on „Not­hil­fe ist kein Schmug­gel“ bei WeMo­ve externer Link wor­in auch noch infor­miert wird: „Die drei Feu­er­wehr­män­ner wur­den am 14. Janu­ar 2016 ver­haf­tet, nach­dem sie eines Nachts auf den Not­ruf eines sin­ken­den Schif­fes reagiert hat­ten. 68 Stun­den lang hiel­ten die Behör­den sie fest. Nach dem der­zei­ti­gen Recht kann jede/​r, die/​der ein ertrin­ken­des Kind ret­tet, das kei­ne Papie­re hat, ange­klagt wer­den: wegen Men­schen­schmug­gel. Genau­so ist es Manu­el, Enri­que und Julio ergan­gen. Ihnen droht eine Gefäng­nis­stra­fe von zehn Jah­ren – nur weil sie Leben ret­te­ten“. Sie­he dazu das Video: „Not­hil­fe ist kein Schmug­gel“ am 17. August 2016 bei You Tube externer Link ein­ge­stellt, ist das Begleit­vi­deo (mit deut­schen Unter­ti­teln) zur oben ver­link­ten Soli­da­ri­täts­pe­ti­ti­on von WeMo­ve, in dem die drei Ange­klag­ten selbst zu Wort kom­men
  • Streit über die Flücht­lin­ge in Grie­chen­land: Wo immer sie sicht­bar sind, weh­ren sich Lokal­po­li­ti­ker gegen ihre Prä­senz. Ris­se in der Gesell­schaft wer­den deut­li­cher
    “3.034 Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten sind in den ers­ten sie­ben Mona­ten des Jah­res im Mit­tel­meer ertrun­ken. Das sind 1.064 mehr als im Ver­gleichs­zeit­raum des Vor­jah­res. Dar­über hin­aus sind zwi­schen dem 23. Juli und dem 2. August 1.011 Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten aus der Tür­kei nach Grie­chen­land gelangt. Auch ohne das – von der Tür­kei im Fall der Ver­wei­ge­rung der Visa­frei­heit ange­droh­te – Auf­kün­di­gen der Ver­ein­ba­rung mit der EU zur Lösung der Flücht­lings­pro­ble­ma­tik doku­men­tie­ren die Zah­len bereits ein Schei­tern auf gan­zer Linie. (…) In Grie­chen­land hat sich das Kli­ma in der Flücht­lings­pro­ble­ma­tik gewen­det. (…) Die Flücht­lin­ge wer­den in geschlos­se­ne Lager ver­frach­tet und sol­len so mög­lichst von der Mehr­zahl der Grie­chen unbe­merkt unter teil­wei­se kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen vege­tie­ren. Wo immer sie sicht­bar sind, weh­ren sich Lokal­po­li­ti­ker gegen ihre Prä­senz…” Bericht von Was­si­lis Aswestopou­los vom 3. August 2016 bei Tele­po­lis externer Link – sie­he auch unser Dos­sier: EU-Tür­kei-Deal in der Flücht­lings­fra­ge
  • Grie­chen­land: Kei­ne Ver­bes­se­rung in Sicht – Die Flücht­lin­ge haben wei­ter Pro­ble­me
    “Gar nicht heim­lich still und lei­se, aber noch von der inter­na­tio­na­len Pres­se unbe­ach­tet, setzt sich die Flücht­lings­kri­se in Grie­chen­land fort. Aller­dings nimmt das The­ma immer gro­tes­ke­re Züge an. Das Leid der Betrof­fe­nen ist in die­sem Zusam­men­hang für vie­le Ver­ant­wort­li­che offen­bar zweit­ran­gig. Seit dem geschei­ter­ten Putsch von Tei­len der Mili­tärs gegen den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Recep Tayy­ip Erdo­gan gibt es zudem nach Mei­nung der grie­chi­schen Pres­se einen signi­fi­kan­ten Anstieg der Flücht­lings­zah­len. (…) In Grie­chen­land selbst gilt es für die Regie­rung, die in besetz­ten Häu­sern von Auto­no­men beher­berg­ten Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten in staat­li­che Hei­me zu brin­gen. Noch im letz­ten Jahr hat­te das Immi­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um die Auto­no­men man­gels eige­ner Kapa­zi­tä­ten in die staat­li­che Flücht­lings­hil­fe ein­bin­den wol­len. Am Mitt­woch wur­den drei Beset­zun­gen in Thes­sa­lo­ni­ki geräumt, 74 soli­da­ri­sche Hel­fer wur­den fest­ge­nom­men und ange­klagt. Bei der minis­te­ri­ell ange­ord­ne­ten Räu­mung ging die Poli­zei nicht zim­per­lich vor. (…) Im Hafen von Pirä­us, wo am Diens­tag immer noch 850 Men­schen in den Stra­ßen der Docks haus­ten, ver­lief die Räu­mung dage­gen weni­ger dra­ma­tisch. Am Mitt­woch­vor­mit­tag wur­de der Hafen, in dem am Mon­tag noch über 1.000 Per­so­nen Obdach fan­den, kom­plett geräumt. Dem­ge­gen­über sah sich Athens Bür­ger­meis­ter, Gior­gos Kami­nis, bemü­ßigt, am Mitt­woch auch für Athen ähn­li­che Aktio­nen wie in Thes­sa­lo­ni­ki und die sofor­ti­ge Räu­mung sämt­li­cher als Flücht­lings­hei­me die­nen­den Haus­be­set­zun­gen zu for­dern. Für Kami­nis sind nur die staat­li­chen Hot­spots als Unter­kunft für die Flücht­lin­ge und Immi­gran­ten geeig­net. Das wie­der­um zwei­felt aus­ge­rech­net die staat­li­che Seu­chen­kon­trol­le KEELPNO an…” Bericht von Was­si­lis Aswestopou­los vom 28. Juli 2016 bei Tele­po­lis externer Link. Sie­he zur Räu­mung umfang­rei­che Bericht­erstat­tung im geson­der­ten Dos­sier: Min­des­tens 70 Ver­haf­tun­gen bei Räu­mung von drei für und mit Geflüch­te­ten besetz­ten Häu­sern in Thes­sa­lo­ni­ki
  • Grie­chi­sche Küs­ten­wa­che: Die ille­ga­len Push-Backs sind zurück
    Mit dem Amts­an­tritt der 1. Syri­za-Regie­rung Anfang letz­ten Jah­res schie­nen sie abge­schafft: Die ille­ga­len Push-Backs, für die die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che berüch­tigt war: Regel­mä­ßig waren bis dahin Flücht­lings­boo­te gewalt­sam aus grie­chi­schem (=euro­päi­schem) Hoheits­ge­biet in den Zustän­dig­keits­be­reich der Tür­kei zurück­ge­drängt wor­den. Nun aber hat das Watch The Med Alarm­pho­ne erst­mals wie­der einen sol­chen Vor­fall gemel­det. Weil es auch eine aus­führ­li­che Foto-Doku­men­ta­ti­on dazu gibt, ist klar: Zwei Fron­tex-Schif­fe waren wäh­rend der Akti­on anwe­send. Sie­he dazu den Bericht “WatchThe­Med Alarm Pho­ne denoun­ces ille­gal push-back ope­ra­ti­on with Fron­tex pre­sent!” vom 15. Juni 2016 beim WatchThe­Med Alarm Pho­ne externer Link
  • Wenn das die Regie­rung wüss­te
    “… Auf der Insel Les­bos haben die Bewoh­ner gelernt, sich selbst zu hel­fen, indem sie den Flücht­lin­gen hel­fen…Bei­trag von Bar­tho­lo­mä­us von Laf­fert im Frei­tag, Aus­ga­be 0516, online am 8. Febru­ar 2016 externer Link. Aus dem Text: “… So wie Mari­us haben ande­re Grie­chen erlebt, dass ihnen der Boden unter den Füßen ent­glit­ten ist. Viel­leicht kann gera­de des­halb kaum jemand sonst in Euro­pa bes­ser ver­ste­hen, wie sich die Men­schen aus den Boo­ten füh­len, die alles hin­ter sich lie­ßen. „Wir haben durch unse­ren Ein­satz etwas zurück­ge­won­nen, wor­an nie­mand mehr geglaubt hat“, sagt Fotis, „Soli­da­ri­tät.“ Ste­fa­nia nickt. Sie sieht das ähn­lich. Eigent­lich arbei­tet sie als Foto­jour­na­lis­tin: „Über unser Schick­sal kön­nen wir nicht mehr selbst ent­schei­den, die Kri­se in Grie­chen­land ist zu groß. Aber das hier – den Flücht­lin­gen hel­fen –, das kön­nen wir schaf­fen.“ (…) Im letz­ten hal­ben Jahr hat sich auf der Insel viel geän­dert. Bewoh­ner, deren Dör­fer so gut wie ein­ge­schla­fen waren, haben gelernt, mit der Kri­se umzu­ge­hen – zum Wohl der Ankom­men­den, zum eige­nen Vor­teil. Jour­na­lis­ten und Vol­un­te­ers bewoh­nen im Win­ter die Unter­künf­te, in denen die Tou­ris­ten im Som­mer nicht mehr woh­nen woll­ten. Tau­sen­de von Euro, die von den vie­len Frei­wil­li­gen über Crowd­fun­ding-Platt­for­men ein­ge­sam­melt wer­den, flie­ßen in die loka­le Wirt­schaft…
  • Und wer ret­tet die Ret­ter? Auf Les­bos lan­den Ret­tungs­schwim­mer im Gefäng­nis
    Eigent­lich kam Salam nach Les­bos, um als frei­wil­li­ger Ret­tungs­schwim­mer Men­schen­le­ben zu ret­ten. Nun braucht er selbst Hil­fe. Weil er Flücht­lin­ge vor dem Ertrin­ken bewahr­te, dro­hen ihm zehn Jah­re Haft. “Eigent­lich” ist ein Wort, das man oft hört an der Nord­küs­te von Les­bos: Eigent­lich soll­ten die Flücht­lin­ge doch mit der Fäh­re kom­men dür­fen. Eigent­lich könn­te man sie doch ein­fach über Land ein­rei­sen las­sen. Eigent­lich soll­ten sich Behör­den von EU und Grie­chen­land und nicht ein paar Dut­zend Frei­wil­li­ge um sie küm­mern. Eigent­lich müss­te die Küs­ten­wa­che die Men­schen vor dem Ertrin­ken bewah­ren. Die Geschich­te von Salam Aldeen ist auch so eine, die es “eigent­lich” nicht geben dürf­te. Es dau­ert eine Wei­le, bis er Zeit fin­det, sie zu erzäh­len. “Ich kann jetzt nicht, wir kom­men schon wie­der ein Boot her­ein. Kannst du spä­ter noch­mal…”, sagt er und legt auf. Irgend­wann am spä­ten Abend klappt es dann doch mit dem Gespräch über jenen Tag, an dem er wie an jedem Tag hin­aus fuhr aufs Meer, um Flücht­lin­ge zu ret­ten und schließ­lich selbst aus dem Gefäng­nis geret­tet wer­den muss­te…Bei­trag von Fabi­an Köh­ler bei tele­po­lis vom 27.01.2016 externer Link
  • Ein erneu­ter Auf­schrei aus Ido­me­ni: Flücht­lin­ge frie­ren im Frei­en, die beheiz­ba­ren Zel­te im Camp Ido­me­ni blei­ben leer!
    Seit Wochen gesche­hen in Ido­me­ni Din­ge, die ein Ver­bre­chen sind. Die War­te­zei­ten der Bus­se aus Athen mit Flücht­lin­gen an einer Tank­stel­le kurz vor der Gren­ze lie­gen oft über 20 Stun­den. Am 30.12. war für meh­rer Stun­den die Gren­ze von der Sei­te der Grenz­be­am­ten FYROMS (Maze­do­ni­ens) geschlos­sen wor­den, es gab kei­nen Strom. An der Tank­stel­le gibt es kei­ne Ver­sor­gung durch NGOs, kei­ne offi­zi­el­le Infor­ma­ti­on, kei­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung. Täg­lich kom­men dort 50 bis 60 Bus­se an. Dies ist nicht hin­zu­neh­men, zumal im Camp in Ido­me­ni sowohl NGOs im Dienst sind als auch heiz­ba­re Zel­te zur Ver­fü­gung ste­hen. Auch wenn die Flücht­lin­ge dann mit den Bus­sen zur Gren­ze gebracht wer­den, dür­fen sie das Camp nicht in Anspruch neh­men, son­dern wer­den sofort von der Poli­zei in Rich­tung Gren­ze beor­dert. Und in der Regel müs­sen sie auch dort stun­den­lang vor der Gren­ze im Frei­en und in der Käl­te aus­har­ren, bis sie an die Rei­he kom­men. Ein­fach weil irgend­je­mand beschlos­sen hat, dass die Flücht­lin­ge das aus­ge­rüs­te­te Camp nicht betre­ten und nicht nut­zen sol­len. Die beheiz­ba­ren Zel­te ste­hen nun alle leer da. Die Frei­wil­li­gen tun, was in ihren Möglick­ei­ten liegt, aber gegen die Käl­te kom­men sie auch nicht an. Täg­lich wer­den Klei­der ver­teilt und über 1.000 Por­tio­nen gekoch­tes Essen ver­teilt unter sehr schwie­ri­gen Umstän­den, und die Flücht­lin­ge müs­sen sich irgend­wo im Frei­en hin­set­zen, um zu essen. Seit 2 Tagen sind die Tem­pe­ra­tu­ren stark gefal­len und es beginnt zu schnei­en. Auf den nack­ten Fel­dern Nord­grie­chen­lands wei­nen klei­ne Kin­der vor Käl­te, es gibt kei­ne Dol­met­scher, kei­ne Infor­ma­tio­nen, kei­nen Rechts­bei­stand. Es muss zumin­des­tens sofort dafür gesorgt wer­den, dass Flücht­lin­ge die bereits vor­han­de­nen Ein­rich­tun­gen des Camps in Anspruch neh­men kön­nen und vor Käl­te und Schnee geschützt wer­den! Und dass die NGOs und Frei­wil­li­gen ihre Arbeit tun kön­nen.” Bericht von Doro­thee Vaka­lis aus Thes­sa­lo­ni­ki am 31.12.2015 (per Email)
  • Grie­chen­land: Auf­stand im Lager der abge­wie­se­nen Flücht­lin­ge
    Das Lager Korinth gleicht mehr einem Gefäng­nis, denn einer Unter­brin­gung. Täg­lich kom­men noch immer 4.000 Flücht­lin­ge in Grie­chen­land an. Im Zug eines Auf­stands gelang es sechs Alge­ri­ern und Marok­ka­nern aus einem gefäng­nis­ar­ti­gen Lager in Grie­chen­land zu flie­hen. Wäh­rend CSU-Chef Horst See­hofer vor der Klau­sur­ta­gung sei­ner Par­tei eine Ober­gren­ze von 200.000 Flücht­lin­gen fabu­liert lau­fen die Din­ge dort, wo die Flücht­lin­ge ankom­men, aus dem Ruder…Bei­trag von Was­si­lis Aswestopou­los bei tele­po­lis 04.01.2016 externer Link. Aus dem Text: “… Im Lager Korinth, in dem die von der EJR Maze­do­ni­en abge­wie­se­nen und per Kol­lek­tiv­be­schluss als Migran­ten ein­ge­stuf­ten Flücht­lin­ge unter­ge­bracht sind, kam es am Sams­tag zu einem Auf­stand. Das Lager gleicht mehr einem Gefäng­nis, denn einer Unter­brin­gung für Flücht­lin­ge. Und tat­säch­lich wur­den von hier bereits zwan­zig Per­so­nen wie­der abge­scho­ben. 350 Insas­sen in dem Lager woll­ten sich nicht wider­stands­los mit ihrem Schick­sal abfin­den. (…) Sie zet­tel­ten einen Auf­stand an. Wäh­rend der tur­bu­len­ten Kämp­fe mit der Poli­zei, die per Video auf­ge­zeich­net wur­den, konn­ten sechs der Insas­sen ent­kom­men. Sie wer­den es ver­mut­lich nicht mehr über die EJR Maze­do­ni­en, son­dern dies­mal über die alter­na­ti­ve Rou­te über Alba­ni­en ver­su­chen. Denn hier zeich­net sich nach der Blo­cka­de der Poli­zei­kräf­te am grie­chi­schen Grenz­ort Eido­me­ni eine Alter­na­tiv­rou­te nach Euro­pa ab…
  • „Grie­chen­land ist jetzt unser Gefäng­nis“: Poli­zei räumt Camp in Ido­me­ni
    Seit der Schlie­ßung der Gren­ze zwi­schen Maze­do­ni­en und Grie­chen­land am 19. Novem­ber cam­pier­ten Flücht­lin­ge unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen in Ido­me­ni. Heu­te hat die grie­chi­sche Poli­zei mit der Räu­mung des pro­vi­so­ri­schen Lagers begon­nen. Chris­si Wil­kens, Mit­ar­bei­te­rin des PRO ASYL-Pro­jek­tes Refu­gee Sup­port Pro­gram Aege­an (RSPA), war in den letz­ten Tagen in Ido­me­ni und Athen und doku­men­tier­te die Situa­ti­on…Bei­trag bei Pro Asyl vom 9. Dezem­ber 2015 externer Link. Dazu:
    • Aus dem Text: “… Die Men­schen, die nun aus Ido­me­ni nach Athen gebracht wer­den, sehen kei­ne Zukunft in Grie­chen­land. In der Haupt­stadt wer­den sie in pro­vi­so­ri­schen Mas­sen­un­ter­künf­ten unter­ge­bracht. (…) Die Men­schen in der dunk­len Tae­kwon­do-Hal­le sind ver­zwei­felt. Ein 20-jäh­ri­ger Mann aus Soma­lia, sucht eine Mög­lich­keit, Athen zu ver­las­sen. Dabei nimmt er jede Gefahr in Kauf, denn in Grie­chen­land sieht er kei­ne Mög­lich­keit zu über­le­ben: “Die ein­zi­ge Opti­on ist der Weg aus Grie­chen­land raus. Die Schlep­per ver­lan­gen aber sehr viel Geld, das ich nicht habe. Ich wer­de ver­su­chen, mich in einem LKW zu ver­ste­cken, der nach Ita­li­en fährt.” Bis jetzt hat nie­mand den jun­gen Flücht­ling über die Mög­lich­keit eines Asyl­an­trags infor­miert. Er weiß auch nicht, wie er wäh­rend eines Asyl­ver­fah­rens in Grie­chen­land über­le­ben soll­te…
    • Sie­he auch: Flücht­lings­camp in Ido­me­ni geräumt – Die Ereig­nis­se im Live­ti­cker doku­men­tiert. Dort wird unter ande­rem von teils mas­si­ver Poli­zei­ge­walt auch gegen Fami­li­en mit klei­nen Kin­dern berich­tet, sowie von mas­si­ver Behin­de­rung der Pres­se­be­richt­erstat­tung – inklu­si­ve Ver­haf­tun­gen von Journalist*innen
  • Wie Euro­pa auf Les­bos ver­sagt
    Zustän­dig für die Flücht­lin­ge wären grie­chi­sche und euro­päi­sche Behör­den, doch die­se über­las­sen die Ver­sor­gung Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und frei­wil­li­gen Hel­fern. Bericht von Fabi­an Köh­ler bei tele­po­lis vom 03.12.2015 externer Link. Aus dem Text: “… Zu wenig Essen, zu viel Gewalt, zu lan­ge War­te­zei­ten: Seit Mona­ten kla­gen Flücht­lin­ge auf Les­bos über zu wenig Hil­fe, kla­gen Hel­fer über zu wenig Unter­stüt­zung durch loka­le Behör­den, klagt die Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Athen las­se sie allein, klagt die grie­chi­sche Regie­rung über feh­len­de Gel­der aus Brüs­sel, klagt Brüs­sel über feh­len­de Zusa­gen der EU-Mit­glieds­staa­ten. “Eigent­lich” ist des­halb ein Wort, das man auf Les­bos häu­fig hört, wenn man fragt, war­um sich die Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge auch nach Mona­ten nicht ver­bes­sert hat. Eigent­lich soll­ten doch FRONTEX und die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che die Men­schen vor dem Ertrin­ken ret­ten, sagen die frei­wil­li­gen Ret­tungs­schwim­mer im Nor­den der Insel. Eigent­lich woll­te Athen doch mehr Schif­fe schi­cken, eigent­lich könn­te man die Flücht­lin­ge doch mit Fäh­ren abho­len, sagt Les­bos’ Bür­ger­meis­ter Spy­ros Gali­nos. Eigent­lich soll­ten EU-Behör­den längst 600 und nicht nur 67 Mit­ar­bei­ter auf die grie­chi­schen Inseln ent­sandt haben. Eigent­lich soll­ten die EU-Mit­glied­staa­ten längst dop­pelt so vie­le Mit­ar­bei­ter für das Euro­päi­sche Unter­stüt­zungs­bü­ro für Asyl­fra­gen frei­ge­stellt haben. Eigent­lich wird Camp Moria von grie­chi­schen Behör­den und der EU ver­wal­tet. In der Pra­xis erin­nern dar­an nur ein ein­sa­mer Wach­mann, ein Was­ser­wer­fer und die Räums­chil­der der Poli­zei hin­ter dem Zaun…
  • “Hot Spot Cen­ter“ in Grie­chen­land: Ver­zweif­lung im Elend­sla­ger Moria
    Das durch Sta­chel­draht umzäun­te Flücht­lings­la­ger Moria auf der grie­chi­schen Insel Les­bos wur­de zum euro­päi­schen „Hot­spot“ ernannt. Die Bedin­gun­gen, die Flücht­lin­ge dort vor­fin­den, sind men­schen­ver­ach­tend und ent­wür­di­gend. Hun­der­te war­ten etli­che Stun­den bis tage­lang unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen im Lager auf ihre Doku­men­te…Bericht von und bei Pro Asyl vom 29. Okto­ber 2015 externer Link. Aus dem Text: “… Letz­te Woche hat­te sich die Situa­ti­on mit dem ein­set­zen­den Regen dra­ma­tisch zuge­spitzt: Hun­der­te Flücht­lin­ge har­ren tage­lang im Schlamm vor den Zäu­nen Mori­as aus. Bis auf die Haut durch­näss­te Kin­der, Schwan­ge­re, Kran­ke ste­hen im Regen. Wer Glück hat, fin­det zumin­dest zeit­wei­se Platz unter behelfs­mä­ßig auf­ge­spann­ten Pla­nen, die durch den Wind immer wie­der her­un­ter­ge­ris­sen wer­den. Frei­wil­li­ge ver­tei­len Müll­sä­cke, die sich Kin­der und Erwach­se­ne gegen den Regen über­stül­pen, es fehlt am Not­wen­digs­ten. Ein Team von Ärz­te ohne Gren­zen ver­sucht ein­zel­nen medi­zi­nisch Hil­fe zu leis­ten, die Pati­en­ten lie­gen in dem not­dürf­tig ein­ge­rich­te­ten Zelt am Boden. Vie­le sind unter­kühlt, krank vom War­ten in der Käl­te, vie­le Schwan­ge­re ste­hen im Ein­gangs­be­reich…
  • Moria /​Les­bos: “Hot Spot” erin­nert an Kriegs­ge­biet
    ++ Refu­gees müs­sen in Moria unter unmensch­li­chen Bedigun­gen aus­har­ren ++ beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Flücht­lin­gen tage­lang ohne Schutz ++ 2.500 Men­schen kön­nen nach Medi­en­be­rich­ten pro Tag in Moria regis­triert wer­den, es kamen aber mehr als 10.000 in den letz­ten 24 Stun­den. Kilo­me­ter­weit geht die Schlan­ge der Refu­gees inner­halb und außer­halb des Camps, das ursprüng­lich als Gefäng­nis errich­tet wor­den war. Gleich­zei­tig fehlt es im Camp an jeder Form eines sinn­vol­len War­te­sys­tems, eben­so an Infra­struk­tur und Grund­ver­sor­gung. Refu­gees sit­zen und schla­fen zwi­schen Matsch und Müll, wer­den in der Men­ge her­um­ge­sto­ßen, wer­den von Poli­zis­ten belei­digt, geschla­gen – und manch­mal mit Trä­nen­gas trak­tiert. Die Men­schen erkran­ken und tra­gen Ver­let­zun­gen davon in die­sen lebens­be­droh­li­chen Zustän­den in Moria… Kurz­über­set­zung eines Berichts aus Les­bos bei Info­mo­bi­le Grie­chen­land vom 21. Okto­ber 2015 externer Link
  • Tran­sit­zo­ne Athen: Soli­da­ri­tät ersetzt staat­li­che Struk­tu­ren
    Unse­re grie­chi­sche Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on, das Refu­gee Sup­port Pro­gram Aege­an (RSPA) berich­tet über die Situa­ti­on in der grie­chi­schen Haupt­stadt. Täg­lich tref­fen dort mit den Fäh­ren von den Ägä­is-Inseln Tau­sen­de Flücht­lin­ge in Athen ein. Vie­le davon kau­fen sich schon auf den Inseln Fahr­kar­ten und stei­gen gleich im Hafen von Pirä­us in Bus­se, die sie direkt an die Gren­ze zu Maze­do­ni­en fah­ren. Von dort aus set­zen sie schnellst­mög­lich ihre Rei­se Rich­tung Nord­wes­ten fort. Man­che blei­ben jedoch län­ger in Athen – das Geld für die Wei­ter­rei­se fehlt. Die staat­li­chen Struk­tu­ren sind man­gel­haft, ohne ehren­amt­li­che Hel­fer wären vie­le Flücht­lin­ge hilf­los…Bei­trag von und bei Pro Asyl vom 20. Okto­ber 2015 externer Link. Aus dem Text: “… Auf Les­bos erklärt uns eine jun­ge syri­sche Mut­ter: „Wir haben schon Bus­ti­ckets gekauft und fah­ren von Athen direkt wei­ter. Das Wet­ter wird von Tag zu Tag schlech­ter und wir haben Angst, dass die Situa­ti­on an der Gren­ze sich ver­schlech­tern könn­te. Nie­mand weiß, wie lan­ge die Gren­ze offen blei­ben wird. Wir haben drei klei­ne Kin­der dabei. Wir müs­sen uns beei­len bevor der Win­ter kommt.“ Die Fami­lie besteigt weni­ge Minu­ten spä­ter die Fäh­re. Für die schwie­ri­gen Wet­ter­be­din­gun­gen sind sie nicht aus­ge­rüs­tet, aber sie hof­fen auf Unter­stüt­zung von Soli­da­ri­täts­grup­pen unter­wegs. Dut­zen­de Bus­se star­ten täg­lich in den frü­hen Mor­gen­stun­den von Pirä­us und abends zusätz­lich vom Zen­trum Athens aus. Ähn­lich wie die Tickets für die Son­der­fäh­ren für Flücht­lin­ge sind auch die Bus­fahr­kar­ten oft über­teu­ert. Laut der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM), fah­ren Anfang Okto­ber 70 Pro­zent der neu­an­kom­men­den Flücht­lin­ge direkt vom Ein­rei­se­ort an den Aus­rei­se­ort wei­ter. Die gesam­te Fahrt von Athen bis zur maze­do­ni­schen Gren­ze kos­te für eine syri­sche Fami­lie mehr als 700 Euro, so die Orga­ni­sa­ti­on. Mit­tel­lo­se Flücht­lin­ge sind jedoch nicht in der Lage ihre Rei­se so zügig fort­zu­set­zen und blei­ben gezwun­ge­ner­ma­ßen ein paar Tage län­ger in der grie­chi­schen Haupt­stadt, um auf Geld­über­wei­sun­gen von Ver­wand­ten oder Bekann­ten zu war­ten. Über­wie­gend han­delt es sich um afgha­ni­sche Fami­li­en, die zunächst zum Vik­to­ria-Platz im Zen­trum Athens gehen und sich von dort mit­hil­fe von Kon­tak­ten in der afgha­ni­schen Com­mu­ni­ty wei­ter ori­en­tie­ren…
  • „Ille­ga­le Ein­wan­de­rung, Ver­bre­chen und Kri­sen“: EU finan­ziert Moder­ni­sie­rung inne­rer Sicher­heit in Grie­chen­land
    Die grie­chi­sche Regie­rung will ihre Grenz­an­la­gen mas­siv auf­rüs­ten. Dies geht aus einem Doku­ment her­vor, das die bri­ti­sche Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on State­watch auf ihrer Web­sei­te ver­öf­fent­licht. Dem­nach erhält Grie­chen­land rund 194 Mil­lio­nen Euro zur Ein­füh­rung neu­er Tech­no­lo­gien für die Über­wa­chung und Kon­trol­le von Land- und See­gren­zen. Die Gel­der sol­len für die Umset­zung einer „Stra­te­gie zum inte­grier­ten Grenz­ma­nage­ment” genutzt wer­den, die von der frü­he­ren Nea Dimo­kra­tia-Regie­rung im Sep­tem­ber 2014 beschlos­sen wur­de. Wei­te­re 20 Mil­lio­nen sol­len für die Moder­ni­sie­rung der Poli­zei auf­ge­wen­det wer­den…Bei­trag von Mat­thi­as Mon­roy bei netz​po​li​tik​.org vom 7. Sep­tem­ber 2015 externer Link
  • Les­bos: Sta­ti­on auf der Flücht­lings­rou­te nach Mit­tel­eu­ro­pa
    An der Gren­ze zum Mach­ba­ren: Die wohl­wol­len­de Stim­mung in der Bevöl­ke­rung der Insel kippt und weicht einer Resi­gna­ti­on. Behör­den und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen sind heil­los über­for­dert. Die grie­chi­sche Insel Les­bos liegt gegen­über der tür­ki­schen Küs­te. Die Ankunft mit der Fäh­re von Ayva­lik (Tür­kei) im Hafen von Myti­li­ni, der Haupt­stadt der Ägä­is-Insel Les­bos, ist die Ankunft in ein Dra­ma. Die klei­ne Fäh­re mit eini­gen Tou­ris­ten und Insel­be­woh­nern, die zum Ein­kauf auf dem tür­ki­schen Fest­land waren, hält neben einer rie­si­gen Fäh­re nach Athen. Auf dem hin­te­ren Deck drän­gen sich ca. 400 Flücht­lin­ge, die sich ein Ticket ergat­tern konn­ten – nach einer tage­lan­gen Odys­see durch die Insel – unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen. Einen ers­ten Ein­druck, was uns auf der Insel erwar­tet, bekom­men wir schon am Hafen von Myti­li­ni: Rechts von Zoll- und Pass­kon­trol­len­ge­bäu­de war­ten hun­der­te Flücht­lin­ge am Kai hin­ter einem Maschen­draht­zaun, rechts ein Berg zer­stör­ter Schlauch­boo­te… Bericht von Elke Dan­ge­leit bei tele­po­lis vom 30.08.2015 externer Link
  • Die Mehr­klas­sen­ge­sell­schaft des Flücht­lings­le­bens. Ein­drü­cke von der Insel Kos – Schleu­ser, Hel­fer und Abzo­cker
    Unter den Flücht­lin­gen auf der Mit­tel­meer­in­sel Kos herrscht eine Mehr­klas­sen­ge­sell­schaft. Ganz oben auf der Pyra­mi­de ste­hen die Syrer. Sie wer­den von den Behör­den im Eil­ver­fah­ren als Asy­lan­ten aner­kannt. Zudem stam­men die meis­ten von ihnen ent­we­der aus der Ober­schicht oder aus der obe­ren Mit­tel­schicht. Inge­nieu­re, Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, Rechts­an­wäl­te, Ärz­te, Apo­the­ker und Phi­lo­lo­gen fin­den sich zwar obdach­los, sel­ten aber wirk­lich mit­tel­los auf der Insel ein. (…) Der Unter­schied in der Klas­sen­zu­ge­hö­rig­keit der Flücht­lin­ge aller Län­der vor ihrer Flucht macht sich an allen Ecken und Enden bemerk­bar…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los in tele­po­lis vom 20.08.2015 externer Link
  • Flücht­lin­ge auf Kos: Eine Insel fühlt sich allein­ge­las­sen
    Hun­der­te Flücht­lin­ge set­zen jede Nacht mit Boo­ten aus dem tür­ki­schen Bodrum auf die grie­chi­sche Insel Kos über. Am Wochen­en­de kam es zu Aus­schrei­tun­gen unter den Flücht­lin­gen, jetzt hat sich die Lage beru­higt. Die Men­schen in Kos-Stadt sind über­wie­gend hilfs­be­reit, ver­tei­len Was­ser und Essen. Gleich­zei­tig macht sich Ver­zweif­lung breit…” Bericht von Chris­toph Caden­bach, Kos, vom 17. August 2015 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Toter auf Kos – Flücht­lin­ge stür­men Züge durch Fens­ter
    Nach ihren Stra­pa­zen erwar­tet vie­le Flücht­lin­ge eine unwür­di­ge Behand­lung – zahl­rei­che Län­der sind über­for­dert. In Grie­chen­land ist nun ein 16-Jäh­ri­ger aus Syri­en an Dehy­drie­rung gestor­ben.
    Die Unter­brin­gung von syri­schen Flücht­lin­gen auf einer Fäh­re auf der grie­chi­schen Ägä­is-Insel Kos geht vor­an: Am Wochen­en­de und bis Mon­tag­mor­gen gin­gen knapp 500 Men­schen an Bord, wie die Behör­den mit­teil­ten. Prio­ri­tät haben Kin­der und ihre Müt­ter sowie Fami­li­en. (…) An einem ein­sa­men Strand der Insel wur­de die Lei­che eines 16 Jah­re alten Syrers ent­deckt. Sei­ne Ange­hö­ri­gen, die in Schwe­den leben, hat­ten ihn vor eini­gen Tagen als ver­misst gemel­det. Der jun­ge Mann soll nach ers­ten Erkennt­nis­sen von Ärz­ten auf Kos an Was­ser­man­gel (Dehy­drie­rung) gestor­ben sein, berich­te­te das grie­chi­sche Staats­ra­dio am Mon­tag wei­ter
    …” Agen­tur­mel­dung vom 17.08.15 bei der Welt online externer Link
  • Grie­chi­sche Poli­zei schaut zu: Flücht­lin­ge prü­geln auf­ein­an­der ein
    Immer mehr Flücht­lin­ge über­ren­nen die grie­chi­sche Insel Kos. Die Behör­den sind völ­lig über­for­dert. Vor einer Poli­zei­sta­ti­on ent­lädt sich Frust in Gewalt. Men­schen prü­geln auf­ein­an­der los, Stei­ne flie­gen…” Mel­dung vom 15. August 2015 bei N‑TV externer Link
  • Ansturm auf grie­chi­sche Feri­en­in­sel: War­um Tau­sen­de Flücht­lin­ge auf Kos lan­den
    Im Som­mer hat die klei­ne grie­chi­sche Insel Kos nor­ma­ler­wei­se nur die Mas­se von Urlau­bern zu bewäl­ti­gen. In die­sem Jahr kom­men noch zehn­tau­sen­de Flücht­lin­ge dazu. Sie war­ten in der Hit­ze ver­zwei­felt auf ihre Regis­trie­rung. Doch die Behör­den sind vom Ansturm der Flücht­lin­ge über­for­dert. (…) Das Flücht­lings­dra­ma ereilt Grie­chen­land in einer ohne­hin äußerst schwie­ri­gen Lage. Das Euro-Land steckt in sei­ner schwers­ten Finanz- und Wirt­schafts­kri­se seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs. Allein in den ers­ten sie­ben Mona­ten die­ses Jah­res kamen nach Zah­len des UN-Flücht­lings­hilfs­werks (UNHCR) etwa 124.000 per Boot in dem Land an – ein Anstieg von 750 Pro­zent im Ver­gleich zum sel­ben Zeit­raum des Vor­jah­res. Die Poli­zei nahm auf Kos und den klei­ne­ren vor­ge­la­ger­ten Eilands seit Jah­res­be­ginn fast 30.000 ille­gal Ein­ge­reis­te fest. Das ent­spricht nahe­zu der gesam­ten Ein­woh­ner­zahl…” Bei­trag vom 12.08.2015 bei heu​te​.de externer Link
  • Grie­chi­sche Insel über­for­dert: Zusam­men­stö­ße zwi­schen Poli­zei und Flücht­lin­gen auf Kos
    Die grie­chi­sche Insel Kos ist mit dem Andrang von Flücht­lin­gen über­for­dert. Die Poli­zei setzt Schlag­stö­cke und Lösch­schaum ein. Der Bür­ger­meis­ter warnt: „Die Gefahr eines Blut­ver­gie­ßens ist real.“ (…) Minis­ter­prä­si­dent Alexis Tsi­pras hat­te ver­gan­ge­ne Woche die EU zu Hil­fe geru­fen, da sein Land über­for­dert sei. Nach UN-Anga­ben tra­fen seit Jah­res­be­ginn knapp 124.000 Flücht­lin­ge in Grie­chen­land ein.” Agen­tur­mel­dung vom 11.08.2015 bei der FAZ online externer Link
  • Grie­chen­land: Situa­ti­on der Flücht­lin­ge wird immer dra­ma­ti­scher: Gewalt der Poli­zei, Ohn­macht des Staats und Soli­da­ri­tät von den Bür­gern
    “… Die Situa­ti­on der Flücht­lin­ge im von der Plei­te und den Vor­ga­ben der um den ESM erwei­ter­ten Troi­ka geplag­ten grie­chi­schen Staat wird immer dra­ma­ti­scher. Der Staat ist offen­sicht­lich nicht mehr in der Lage, des Flücht­lings­stroms Herr zu wer­den. Zudem fehlt es an Mit­teln und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren, um die Ankömm­lin­ge mit dem Aller­nö­tigs­ten, also Trink­was­ser, zu ver­sor­gen. Allein auf Kos und Rho­dos sol­len täg­lich knapp 1.000 Men­schen nach einer ris­kan­ten Boots­fahrt in meist see­un­taug­li­chen See­len­ver­käu­fern ankom­men. Im gesam­ten Juli waren es knapp 50.000 bis 55.000. Die Immi­gran­ten sta­peln sich förm­lich auf den Inseln und wer­den von eini­gen der Ein­hei­mi­schen sowie einer Anzahl von Tou­ris­ten als stö­rend emp­fun­den. Auf der ande­ren Sei­te sprin­gen soli­da­ri­sche Bür­ger in Eigen­re­gie bei, und sie gewäh­ren zumin­dest rudi­men­tär die Diens­te, wel­che der Staat in sei­ner Ohn­macht nicht mehr wahr­neh­men kann…” Arti­kel von Was­si­lis Aswestopou­los in tele­po­lis vom 10.08.2015 externer Link
  • „Die Situa­ti­on treibt eini­ge in den Wahn­sinn”
    … Das UN-Flücht­lings­hoch­kom­mis­sa­ri­at (UNHCR) spricht von einer huma­ni­tä­ren Flücht­lings­kri­se in Grie­chen­land. Etwa 1.000 Flie­hen­de gelan­gen im Durch­schnitt täg­lich nach Grie­chen­land, so die Schät­zun­gen von UNHCR. Mehr als 100.000 Flücht­lin­ge sind nach UN-Anga­ben seit Beginn des Jah­res auf dem See­weg in Grie­chen­land ange­kom­men. Grie­chen­land sei das euro­päi­sche Mit­tel­meer­land, in dem 2015 bis­lang die meis­ten Boots­flücht­lin­ge regis­triert wor­den sei­en, sag­te der Spre­cher des Hilfs­werks UNHCR, Adri­an Edwards, am 24. Juli 2015 in Genf. Etwa 60 Pro­zent sind Kriegs­flücht­lin­ge aus Syri­en. „Dass die Men­schen in ver­las­se­nen Gebäu­den oder auf Müll­fel­dern sich selbst über­las­sen blei­ben, wo kaum Zugang zu Was­ser oder gar Toi­let­ten besteht, ist ein­fach inak­zep­ta­bel und bringt die Gesund­heit die­ser Men­schen in Gefahr“, beschreibt Eli­sa­bet­ta Faga, Koor­di­na­to­rin des Not­ein­sat­zes von Ärz­te ohne Gren­zen (MSF) auf Les­bos, die sich zuspit­zen­de huma­ni­tä­re Kri­se auf den grie­chi­schen Inseln. Die Appel­le der huma­ni­tä­ren Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen vor Ort wer­den von Tag zu Tag dring­li­cher…Bericht bei Pro Asyl vom 31. Juli 2015 externer Link. Dort auch:
    • … neue Ära von Push Backs?
      (…) Ein loka­ler Nach­rich­ten­blog aus Les­bos ver­öf­fent­lich­te am 22. Juli 2015 ein Doku­ment, das den inter­nen Befehl der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che an alle natio­na­len Küs­ten­wa­chen der Nord­ägä­is ent­hält, bei Loka­li­sie­rung eines Flücht­lings­boo­tes sofort Maß­nah­men der „Vor­beu­gung der Ein­rei­se“ auf grie­chi­sches Ter­ri­to­ri­um ein­zu­lei­ten. Die tür­ki­sche Küs­ten­wa­che sei zu alar­mie­ren, damit die­se sich um den Vor­fall küm­me­re. Es ist zu befürch­ten, dass die­se Anwei­sung wie­der zu neu­en Push Backs – oft mit Bru­ta­li­tät aus­ge­führ­te völ­ker­rechts­rechts­wid­ri­ge Zurück­wei­sun­gen von Flücht­lin­gen – an der grie­chisch-tür­ki­schen Gren­ze füh­ren wird. Aktu­ell häu­fen sich wie­der Gerüch­te um ille­ga­le Zurück­wei­sun­gen auf See durch mas­kier­te Beam­te…
  • UNHCR warnt vor Flücht­lings­kri­se in Grie­chen­land
    Die Anzahl der Flücht­lin­ge, die auf den grie­chi­schen Inseln ankom­men, steigt wei­ter auf einen Durschnitt von 1.000 Men­schen täg­lich. Seit Beginn des Jah­res sind 77.100 Flücht­lin­ge über das Meer nach Grie­chen­land gekom­men (Zah­len vom 03.07.2015). Fast 60 von ihnen sind Flücht­lin­ge aus Syri­en. Ande­re kom­men aus Afgha­ni­stan, Irak, Eri­trea ud Soma­lia. Grie­chen­land steht nun vor einer bei­spiel­lo­sen Flücht­lings­kri­se. Am Diens­tag mor­gen ver­ließ ein Boot die Tür­kei, mit bis zu 40 Flücht­lin­gen, und ken­ter­te zwi­schen den grie­chi­schen Inseln Aga­tho­ni­si und Far­ma­ko­ni­si. Nach Anga­ben der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che haben grie­chi­sche und tür­ki­sche See­ret­tungs­hil­fen 19 Men­sche geret­tet. Acht wur­den von der grie­chi­chen Küs­ten­ret­tung und 1 von der tür­ki­schen geret­tet. 5 Kör­per wur­den gefun­den und bis zu 16 Men­schen feh­len noch und es wird befürch­tet, dass sie ertrun­ken sind…Pres­se­mel­dung von UNHCR vom 10. Juli 2015, deut­sche Über­set­zung von press​trans​la​ti​ons​.wor​d​press​.com doku­men­tiert bei Indy­m­e­dia Links­un­ten am 12. Juli 2015 externer Link
  • Ein Ende mit der Kriminalisierung/​Strafverfolgung des Trans­ports von Migran­ten
    Ein Ende der Kri­mi­na­li­sie­rung der Soli­da­ri­tät für die Flücht­lin­ge setzt eine Ände­rung im Geset­zes­ent­wurf zur Staats­an­ge­hö­rig­keit fest, die die stell­ver­tre­ten­de Minis­te­rin für Migra­ti­ons­po­li­tik Tasia Chris­to­doulo­pou­lou vor­leg­te, wobei über den Gesetz­tes­ent­wurf am Mitt­woch in der Voll­ver­samm­lung des Par­la­ments abge­stimmt wird. Die Ände­rung hebt die Sank­tio­nen für den Trans­port von Migran­ten mit öffent­li­chen oder pri­va­ten Trans­port­mit­tel auf, dies in drei Fäl­len: der Ret­tung im Meer, des Trans­ports von Men­schen, die den inter­na­tio­na­len Schutz benö­ti­gen und die Beför­de­rung ins Inne­re, damit die recht­li­chen Pro­ze­du­ren nach dem ille­ga­len Ein­gang ins Land fol­gen kön­nen. Die Sank­tio­nen soll­ten eigent­lich das Ziel haben, die Schleu­ser zu tref­fen, in der Pra­xis wirk­ten sie aber bestra­fend für die Flücht­lin­ge, die dut­zen­de von Kilo­me­ter lau­fen muss­ten, und bestra­fend für Bür­ger, die sich soli­da­risch zei­gen woll­ten, die Straf­ver­fah­ren auf sich zogen, da sie den erschöpf­ten Men­schen in Note zur Hil­fe kom­men woll­ten.” Arti­kel in EfSyn vom 12. Juli 2015, zusam­men­fas­sen­de Über­set­zung von und bei bor­der­line-euro­pe externer Link. Hier der Ori­gi­nal­ar­ti­kel externer Link (grie­chisch). Sie­he dazu: Noch nicht Gesetz, wer­den aber bereits ers­te Urtei­le in die­sel­be Rich­tung gespro­chen:
    • Myti­li­ni: Die Frei­wil­li­gen, die Migran­ten trans­por­tier­ten, sind unschul­dig
      “Das drei­köp­fi­ge Amstge­richt Myti­li­nis sprach die Frei­wil­li­ge, eine Post­gra­dua­te Stu­den­tin der Uni­ver­si­tät der Ägä­is, Dora Tsog­ka­ri, frei, die ver­gan­ge­nes Wochen­en­de ver­haf­tet w0rden war, da sie zwei Fami­li­en mit drei klei­nen Kin­dern zum Lager trans­por­tier­te hat­te. Am ver­gan­gen Diens­tag, 7. Juli wur­de aus dem sel­ben Grund die Frei­wil­li­ge Daf­ni Blo­u­midi-Tro­um­po­uni frei­ge­spro­chen, die auch ange­klagt wur­de, die “Bewe­gung und die Blei­be der Migran­ten auf der Insel erleich­tert zu haben”. “Ich wur­de ein­stim­mig frei­ge­spro­chen, es gewann die Mensch­lich­keit gegen­über den Krüm­mun­gen des Geset­zes” beton­te in einer schrif­li­chen Stel­lung­nah­me Frau Tsog­ka­ri nach ihrem Frei­spruch. Arti­kel bei e‑typos.com vom 12. Juli 2015, zusam­men­fas­sen­de Über­set­zung von und bei bor­der­line-euro­pe externer Link. Hier der Ori­gi­nal­ar­ti­kel externer Link (grie­chisch)
  • Elend und bru­ta­le Gewalt an der maze­do­nisch-grie­chi­schen Gren­ze
    Ein Trek von Tau­sen­den Flücht­lin­gen ver­sucht ver­zwei­felt an der maze­do­nisch-grie­chi­schen Gren­ze in die EU zu gelan­gen. Die Schutz­su­chen­den wer­den Opfer von bru­ta­ler Gewalt und nack­tem Elend. Augen­zeu­gen aus Grie­chen­land, Deutsch­land und Öster­reich appel­lie­ren an deut­sche Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker, jetzt sofort an den Ort der Kata­stro­phe zu rei­sen. Bei­trag von und bei Pro Asyl vom 10. Juli 2015 externer Link. Sie­he dazu:
    • Sie bet­teln um Was­ser
      Pres­se­er­klä­rung des vdää zur Flücht­lings­ka­ta­stro­phe in Nord-Grie­chen­land externer Link. Aus dem Text: “… „Es ist ent­setz­lich zu erle­ben, wie Men­schen aus Gebü­schen gekro­chen kom­men und nach Was­ser und Essen bet­teln müs­sen“, so Nad­ja Rako­witz, Geschäfts­füh­re­rin des vdää, die am 8. Juli mit dem Soli-Komi­tee vor Ort war. Der vdää appel­liert an die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in der EU, die­se men­schen­un­wür­di­ge Situa­ti­on umge­hend zu been­den und die Grie­chin­nen und Grie­chen damit nicht allei­ne zu las­sen. (…) An die deut­sche Bevöl­ke­rung appel­lie­ren wir, prak­ti­sche Soli­da­ri­tät zu üben…
    • Dort auch: “Ein Auf­schrei aus Idomeni/​Griechenland”,
      unter­zeich­net von Vasi­lis Tsart­sa­nis Poly­kas­tro, Doro­thee Vaka­lis, Kathe­ri­na Not­o­pou­lou Thes­sa­lo­ni­ki, Dr. Nad­ja Rako­witz Frankfurt/​M, Ger­hard Lan­zerstor­fer, Wien – der Text, auf den sich Pro Asyl und vdää in ihren Bei­trä­gen bezie­hen. Aus dem Auf­schrei: “Wo Euro­pa Augen und Ohren schließt und Ver­bo­te erlässt, da wach­sen kriegs­ähn­li­che Gefah­ren her­an und berei­chern sich mafio­se Grup­pen an hilf­lo­sen Flücht­lin­gen: Die Züge syri­scher, afgha­ni­scher und afri­ka­ni­scher Flücht­lin­ge an den Gren­zen Nord­grie­chen­lands zu FYROM (Maze­do­ni­en). (…) Wäh­rend ange­sichts der Mas­sen an Flücht­lin­gen staat­li­che und kom­mu­na­le Orga­ne in Ohn­macht ver­har­ren, bewegt sich jedoch die grie­chi­sche Zivil­ge­sell­schaft an vie­len Orten: Haus­frau­en, Geschäfts­leu­te, Lehr­kräf­te, Arbeits­lo­se tun sich zusam­men, kochen, ver­bin­den Wun­den, hel­fen und unter­stüt­zen uner­müd­lich: “Wir wol­len kei­ne Gel­der für Hilfs­maß­nah­men, wir wol­len, dass die Poli­tik hier end­lich Lösun­gen fin­det”, sagen sie uns in Poli­kas­tro. Augen­zeu­gen berich­te­ten auch von “deut­schen Beam­ten” an den Gren­zen FYROMS (Maze­do­ni­en) und sowie in Ungarn. Dort sol­len Hun­de auf Flücht­lin­ge los­ge­las­sen wer­den, die sie auf den Boden drü­cken sol­len. Welche/​r Abge­ord­ne­te rich­tet eine Anfra­ge an den Deut­schen Bun­des­tag, damit die­se Aus­sa­gen geklärt wer­den: “Wo über­all in Euro­pa und wel­che deut­schen Poli­zei­ein­hei­ten mit wie viel Beam­ten tun Dienst zur Abwehr von Flücht­lin­gen?” Wann end­lich sind wir bereit, die bru­ta­len Abschre­ckungs­maß­nah­men umzu­wan­deln in eine Kul­tur der euro­päi­schen Soli­da­ri­tät und der viel beschwo­re­nen Men­schen­rech­te? …
  • Huma­ni­tä­re Kata­stro­phe in der Ägä­is: Grie­chen­land geht in die Knie – EU ver­sagt
    Die huma­ni­tä­re Kri­se von Flücht­lin­gen in der Ägä­is spitzt sich wei­ter zu – es fehlt am Nötigs­ten. Staat­li­che Hil­fe gibt es kaum. Frei­wil­li­ge ver­su­chen, die Not der Schutz­su­chen­den zu lin­dern. Bericht von und bei Pro Asyl vom 9. Juli 2015 externer Link. Aus dem Text: “… “Den Flücht­lin­gen fehlt es an allem – man­chen sogar an Essen und Trin­ken”, berich­tet Pro-Asyl-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hard aus Grie­chen­land. “Wir befürch­ten, dass sich die Situa­ti­on wei­ter zuspitzt”. Eine kurz­fris­ti­ge, koor­di­nier­te und umfas­sen­de Inter­ven­ti­on des grie­chi­schen Staa­tes ist ange­sichts der kata­stro­pha­len finan­zi­el­len Situa­ti­on und der fak­ti­schen Nicht-Exis­tenz rele­van­ter Struk­tu­ren nicht zu erwar­ten. Auch die EU bleibt taten­los und sieht der Eska­la­ti­on zu. Ange­sichts der Not­si­tua­ti­on muss vor Ort drin­gend Kata­stro­phen­hil­fe erfol­gen. (…) Es sind bis­lang vor allem Frei­wil­li­ge, Soli­da­ri­täts­in­itia­ti­ven und zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen, die auf den Inseln ver­su­chen, dem huma­ni­tä­ren Not­stand zu begeg­nen und den Schutz­su­chen­den zu hel­fen. Sie orga­ni­sie­ren Lebens­mit­tel, Medi­ka­men­te, Hygie­ne­mit­tel, Zel­te auf eige­ne Kos­ten. (…) Die Schlie­ßung der Ban­ken ver­schärft jedoch die aku­ten Ver­sor­gungs­eng­päs­sen, da Unter­stüt­ze­rin­nen und Unter­stüt­zer nicht mehr an ihr Geld kom­men, um drin­gend benö­tig­te Lebens­mit­tel und Ver­sor­gungs­gü­ter kau­fen zu kön­nen. Auch die Flücht­lin­ge selbst kön­nen des­we­gen nicht ein­mal auf Not­über­wei­sun­gen von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen oder Freun­den zurück­grei­fen. Über­wei­sungs­diens­te wie Wes­tern Uni­on haben ihre Diens­te für Flücht­lin­ge eben­falls aus­ge­setzt…
  • Sie hal­ten nicht mehr lan­ge durch
    Über­füll­te Auf­fang­la­ger, gestopp­te Essens­lie­fe­run­gen: Die Wirt­schafts­kri­se in Grie­chen­land erreicht die Aller­schwächs­ten – die Flücht­lin­ge. Arti­kel von Eft­hy­mis Ange­lou­dis, Phil­ip Fai­g­le, Kars­ten Pol­ke-Majew­ski und Zacha­ri­as Zacha­ra­kis bei Zeit online vom 9. Juli 2015 externer Link. Aus dem Text: “… Spä­tes­tens seit die­ser Woche aber scheint die Situa­ti­on in vie­len Lagern zu eska­lie­ren. Am Diens­tag schrie­ben die zustän­di­gen Regio­nal­gou­ver­neu­re einen Brand­brief nach Athen: Das zustän­di­ge Cate­ring-Unter­neh­men für das Auf­fang­la­ger in Samos habe seit Mona­ten kein Geld gese­hen. Des­halb belie­fe­re es seit Mon­tag das Lager nicht mehr mit Nah­rung. Die Behör­den hät­ten kei­ne ande­re Wahl gehabt, als die Türen der Flücht­lings­la­ger zu öff­nen. Die Flücht­lin­ge sei­en dar­auf­hin in die Stadt gezo­gen, um selbst nach Essen zu suchen und irgend­et­was zum Über­le­ben zu fin­den. Orga­ni­sa­tio­nen wie das UNHCR, das Flücht­lings­werk der Ver­ein­ten Natio­nen und Human Rights Watch bestä­tig­ten die Dar­stel­lung der Gou­ver­neu­re. Die Regie­rung in Athen hat mitt­ler­wei­le mit­ge­teilt, dass das fäl­li­ge Geld an das Unter­neh­men über­wie­sen wur­de…
  • Flücht­lings­kri­se in der Ägä­is – Euro­pa lässt Grie­chen­land im Stich
    PRO ASYL for­dert huma­ni­tä­re Hil­fe vor Ort und lega­le Wei­ter­rei­se der Schutz­su­chen­den. Die Situa­ti­on der Flücht­lin­ge in Grie­chen­land spitzt sich dra­ma­tisch zu. Euro­pa sieht taten­los zu, wie sich die huma­ni­tä­re Kri­se zu einer Kata­stro­phe ent­wi­ckelt. Die Situa­ti­on auf den ägäi­schen Inseln ist außer Kon­trol­le. Doch anstatt Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und mit allen ver­füg­ba­ren Mit­teln das Leid der Schutz­su­chen­den zu been­den, strei­ten sich die EU- Innen­mi­nis­ter bei ihrem heu­te in Luxem­burg statt­fin­den­den Tref­fen über völ­lig unzu­rei­chen­de Flücht­lings­quo­ten…Pres­se­er­klä­rung von und bei Pro Asyl vom 16. Juni 2015 externer Link. Aus dem Text:
    • “… Bereits 102.000 Boots­flücht­lin­ge sind in den ers­ten fünf Mona­ten des Jah­res in Grie­chen­land (48.000)und Ita­li­en (52.000) ange­kom­men. Die Rou­te über die Ägä­is nach Grie­chen­land ent­wi­ckelt sich der­zeit zum Haupt­flucht­weg nach Euro­pa. Allein auf Les­bos steigt die Zahl der Ankünf­te von Janu­ar (737) bis Mai (7.200) kon­ti­nu­ier­lich an. Ins­ge­samt sind auf Les­bos in die­sem Jahr bereits über 20.000 Boots­flücht­lin­ge ange­kom­men. (…) Das kri­sen­ge­schüt­tel­te Grie­chen­land wird ohne schnel­le und umfang­rei­che huma­ni­tä­re Hil­fe vor Ort durch die ande­ren EU- Staa­ten und ohne die Eröff­nung lega­le Wei­ter­rei­se­mög­lich­kei­ten für die gestran­de­ten Flücht­lin­ge noch mehr desta­bi­li­siert, das Leben der Schutz­su­chen­den wird gefähr­det. Die Staa­ten Euro­pas ver­wei­gern den Flücht­lin­gen lega­le Wei­ter­rei­se­mög­lich­keit zur ihren Ver­wand­ten und Com­mu­nities…
  • Syri­za-Poli­ti­ke­rin über Flücht­lin­ge: „Es ist kata­stro­phal“
    Die neue grie­chi­sche Regie­rung will Flücht­lings­ge­fäng­nis­se schlie­ßen. Die EU ver­hin­dert das, sagt Tasia Chris­to­doulo­pou­lou. Inter­view von Chris­ti­nia Palitzsch in der taz online vom 11. Juni 2015 externer Link. Aus dem Text:
    • … Die lin­ke Syri­za-Regie­rung hat­te ange­kün­digt, alle Flücht­lings­haft­an­stal­ten zu schlie­ßen und einen Kurs­wech­sel ein­zu­lei­ten. Das ist bis­lang nicht gesche­hen. War­um?
      Amyg­da­le­za wur­de wie die ande­ren sechs Flücht­lings­ge­fäng­nis­se 2012 unter der Vor­gän­ger­re­gie­rung gebaut. Die Gel­der für den Bau der Haft­zen­tren stamm­ten zum Groß­teil aus Töp­fen der EU. Ein­ver­nehm­lich mit euro­päi­schem Recht haben die­se Zen­tren eine Lauf­zeit von zehn Jah­ren. Als wir sie schlie­ßen woll­ten, for­der­te die EU, dass wir dann das Geld zurück­ge­ben müs­sen, das die dama­li­ge Regie­rung für den Bau der Haft­zen­tren erhal­ten hat­te.
      Das wären zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­be­trä­ge.
      Und die­ses Geld hat Grie­chen­land der­zeit nicht. Als wir hör­ten, dass wir dann Stra­fe zah­len müs­sen, hat­ten wir natür­lich ein Pro­blem. Also haben wir ver­sucht her­aus­zu­fin­den, was wir tun kön­nen, ohne die­se hohe Sum­me zah­len zu müs­sen. Zuerst haben wir die ent­las­sen, die ille­gal ein­ge­sperrt waren, also die Asyl­an­trags­stel­ler, Kran­ke, schwan­ge­re Frau­en, die, die man abschie­ben woll­te, aber deren Antrag noch nicht bear­bei­tet wur­de und vor allem die unbe­glei­te­ten Min­der­jäh­ri­gen. Neu ist nun immer­hin, dass seit die­sem Jahr alle, die auf den Inseln ankom­men, gleich eine sechs­mo­na­ti­ge Auf­ent­halts­er­laub­nis erhal­ten.
      Wäre es mög­lich die Flücht­lings­ge­fäng­nis­se als Auf­nah­me- oder Will­kom­mens­zen­tren umzu­ge­stal­ten, ohne die EU-Vor­ga­ben zu ver­let­zen?
      Nein. Das Geld war nur für Gefäng­nis­se bewil­ligt, also nur für geschlos­se­ne Ein­rich­tun­gen, in denen Men­schen fest­ge­hal­ten wer­den…
  • Hei­ke Schra­der im Gespräch mit Tasia Chris­to­doulo­pou­lou in der jun­gen Welt vom 15. Mai 2015 externer Link – aus dem Text:”Was haben Sie bei Über­nah­me ihres Minis­ter­amts vor­ge­fun­den?
    Im Grun­de nichts, denn vor dem Wahl­sieg von Syri­za gab es kein Minis­te­ri­um für Migra­ti­ons­po­li­tik in Grie­chen­land. Statt des­sen haben die Vor­gän­ger­re­gie­run­gen ver­sucht, die­ses so wich­ti­ge poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Pro­blem mit Hil­fe von Repres­si­on zu lösen. (…) Wir ste­hen vor einem dop­pel­ten Pro­blem: Wir haben kei­ne Struk­tu­ren und wir haben kein Geld. Denn auch wenn uns die Gemein­den Räu­me zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen, braucht es Geld, um die­se nut­zen zu kön­nen. (…) Die vor­he­ri­ge Regie­rung wäre ver­pflich­tet gewe­sen, bis zum Okto­ber 2014 ihre Anträ­ge auf die EU-Finan­zie­rung von 2014 bis 2020 der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vor­zu­le­gen. Sie hat nichts ein­ge­reicht, die ent­spre­chen­den Anträ­ge wer­den nun von uns gestellt. Wir sind also in ein Finanz­loch gefal­len…

Der Bei­trag Grie­chi­sche Migra­ti­ons­po­li­tik (mit Syri­za) – und Nach­fol­gern erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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