[labournet:] Ungleichheit kennt keine Auszeit: Benachteiligte Schüler leiden besonders unter den Schulschließungen

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“… »Wir wis­sen alle noch nicht, wie es in den nächs­ten Wochen wei­ter­geht«, sagt eine Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin. Auf der extra ein­ge­rich­te­ten Lern­platt­form hät­ten sich bis jetzt nur drei Schü­le­rin­nen ihrer Klas­se ange­mel­det, aus­schließ­lich jene, die aus Aka­de­mi­ker­fa­mi­li­en kom­men und zusätz­li­che Hil­fe am wenigs­ten benö­tig­ten. (…) Vie­le wür­den von ihren Groß­el­tern betreut, die kein Deutsch spre­chen. Ande­re bekä­men hin­ge­gen einen Pri­vat­leh­rer. »Die Sche­re zwi­schen unse­ren Schü­lern, die sich durch die unter­schied­li­chen sozio­öko­no­mi­schen Hin­ter­grün­de ergibt, wird jetzt noch mal grö­ßer«, klagt ihr Kol­le­ge. (…) Auch für die Oberschüler*innen aus benach­tei­lig­ten Fami­li­en wach­sen mit den Schlie­ßun­gen von Bil­dungs­ein­rich­tun­gen die Hür­den. (…) Die Umstel­lung auf digi­ta­le Lern­an­ge­bo­te schei­tert teil­wei­se an der man­geln­den Medi­en­kom­pe­tenz vie­ler Jugend­li­cher, die es nicht gewohnt sind, über Drop-Box oder Webi­na­re zu kom­mu­ni­zie­ren oder schlicht kei­ne Com­pu­ter oder Scan-Gerä­te zu Hau­se haben«, sagt Weber. »Jetzt ist es zu spät, sie zu errei­chen und ein­zu­wei­sen in die Medi­en­hand­ha­bung. Die man­gel­haf­te Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len rächt sich an den sowie schon benach­tei­lig­ten Schü­le­rin­nen und Schü­lern jetzt ganz beson­ders.«” Arti­kel von Mascha Mal­burg vom 21.03.2020 beim ND online externer Link. Sie­he dazu:

  • »Wir wer­den nur als Schü­ler gese­hen« – Die Home­schoo­ling-Zeit ver­stärk­te sozia­le Ungleich­hei­ten und dem Bil­dungs­we­sen imma­nen­te Ver­wer­tungs­lo­gi­ken New
    “… Schon wäh­rend der Dis­kus­sio­nen dar­um, wie mit Schu­le und den Schüler*innen unter der Pan­de­mie umzu­ge­hen sei, fühl­ten sich vie­le Jugend­li­che über­gan­gen. Zu die­sem Ergeb­nis kommt etwa eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Hil­des­heim, für die über 5.000 Jugend­li­che befragt wur­den. Was sich in der Stu­die abzeich­net, fasst ein Jugend­li­cher exem­pla­risch zusam­men: »Wir Jugend­li­chen wer­den doch nur als Schü­ler gese­hen. Wir sol­len ler­nen und ler­nen und ler­nen. War­um wird dar­über dis­ku­tiert, die Som­mer­fe­ri­en zu kür­zen. Poli­ti­ker den­ken wie Kapi­ta­lis­ten.« (…) Auf die Mehr­fach­be­las­tung durch Schul­auf­ga­ben und Fami­li­en­le­ben, die dies gera­de für älte­re Schüler*innen bedeu­ten kann, macht Lou, Schü­le­rin vom Imma­nu­el-Kant-Gym­na­si­um in Ham­burg-Har­burg auf­merk­sam. »Wenn ich eh Zuhau­se bin, kann ich noch mal ne Stun­de auf mei­ne klei­ne Schwes­ter auf­pas­sen.« Es sei bei der Aus­ge­stal­tung des Home­schoo­ling ins­ge­samt wenig um die unter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Schüler*innen gegan­gen. So muss­ten »Freun­de, die kei­nen Lap­top hat­ten, über Han­dys die Auf­ga­ben bear­bei­ten, wäh­rend die Lern­platt­for­men nicht für die mobi­le Ansicht geeig­net waren. Die­se unter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen wur­den in der Noten­ge­bung nicht berück­sich­tigt.« Über­haupt sei sehr viel beno­tet wor­den, betont die 17-Jäh­ri­ge: »Es wur­de viel mehr beno­tet als sonst. Sonst kann man sich auch immer münd­lich betei­li­gen, aber wenn man was wäh­rend Coro­na nicht abge­ben konn­te, gab es direkt null Punk­te.« (…) Wäh­rend die Pan­de­mie die sozia­len Ungleich­hei­ten im Bil­dungs­we­sen und ins­ge­samt im Leben von Kin­dern und Jugend­li­chen ver­schärft, legt die Kri­se auch eine ent­schei­den­de Funk­ti­on der Schu­le in Bezug auf Eltern offen: Die Schu­le ist nicht nur Selek­ti­ons- und Aus­bil­dungs­ort, son­dern ganz zen­tral auch eine Ver­wahr­an­stalt für jun­ge Men­schen, die noch nicht als Arbeits­kräf­te ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Der öko­no­mi­sche Druck, die Schu­len wie­der zu öff­nen, ist gewal­tig; auf eine Dop­pel­be­las­tung der Eltern als Arbeits­kräf­te und Voll­zeit-Erzie­hungs­per­so­nen ist der moder­ne Kapi­ta­lis­mus nicht aus­ge­legt. In der Kri­se wird gesell­schaft­lich sicht­bar, was sonst nur für Schüler*innen spür­bar ist: Dass ein guter Teil ihrer Zeit in der Schu­le der rei­nen Ver­wah­rung dient. (…) Sowohl das Behar­ren auf Prü­fun­gen unter extrem unglei­chen Bedin­gun­gen als auch die staat­li­che Gewalt gegen Jugend­li­che zei­gen, dass es anschei­nend erst mal kein Inter­es­se an einem guten Auf­wach­sen von Kin­dern und Jugend­li­chen gibt, son­dern man sie tat­säch­lich nur als Schüler*innen und zu ver­wah­ren­de zukünf­ti­ge Arbeits­kräf­te sieht. Die Inter­es­sen von pro­le­ta­ri­schen Schüler*innen wer­den solan­ge nicht berück­sich­tigt wer­den, ehe die­se nicht selbst anfan­gen, sich dafür zu orga­ni­sie­ren.” Arti­kel von David Pape und Karl Mül­ler-Bahl­ke vom 17. August 2020 aus ak662 externer Link
  • Jetzt Bil­dungs­teil­ha­be von Geflüch­te­ten sichern! 
    “… Geflüch­te­te Kin­der und Jugend­li­che sei­en von den Beschrän­kun­gen wäh­rend der Coro­na­kri­se beson­ders hart getrof­fen wor­den, erklär­ten der Bun­des­fach­ver­band unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge (BumF) e.V, die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft (GEW), die Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL am Frei­tag in Ber­lin. Mit Blick auf die schritt­wei­se Wie­der­auf­nah­me des Regel­un­ter­richts an Schu­len for­dern die Orga­ni­sa­tio­nen von den Lan­des­re­gie­run­gen sofor­ti­ge Maß­nah­men zur Unter­stüt­zung von geflüch­te­ten Schüler*innen, um ihre Bil­dungs­teil­ha­be zu gewähr­leis­ten. Sie warn­ten davor, dass sich die ohne­hin bestehen­den Bil­dungs­un­ge­rech­tig­kei­ten im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie ver­schärf­ten. Struk­tu­rel­len Benach­tei­li­gun­gen müs­se drin­gend ent­ge­gen­wirkt wer­den. Den Kin­dern und Jugend­li­chen in Sam­mel­un­ter­künf­ten fehl­ten wesent­li­che Grund­vor­aus­set­zun­gen, um am digi­ta­len Fern­un­ter­richt teil­zu­neh­men und es gäbe kei­ne ver­läss­li­chen Unter­stüt­zungs­struk­tu­ren, sag­te GEW-Vor­sit­zen­de Mar­lis Tepe. (…) Vor die­sem Hin­ter­grund mahn­ten Lan­des­flücht­lings­rä­te, PRO ASYL, BumF e.V. und GEW die ver­ant­wort­li­chen Akteu­re in den Län­dern, schnell zu han­deln. Es gel­te, sowohl die digi­ta­le Infra­struk­tur in den Unter­künf­ten aus­zu­bau­en als auch geeig­ne­te Lern­räu­me sowie mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te zur Ver­bes­se­rung der Bil­dungs­teil­ha­be zu schaf­fen. „Bil­dung darf nicht war­ten“ erin­ner­te GEW-Vor­sit­zen­de Tepe in die­sem Zusam­men­hang. Es dür­fe kei­ne wei­te­re Zeit ver­lo­ren wer­den, um geflüch­te­ten Schüler*innen den Anschluss im neu­en Schul­jahr zu ermög­li­chen. Daher müss­ten in den Som­mer­fe­ri­en nicht nur eine adäqua­te tech­ni­sche Aus­stat­tung zur Ver­fü­gung gestellt und Vor­keh­run­gen für einen even­tu­el­len erneu­ten Lock­down getrof­fen wer­den. Eben­so wich­tig sei­en zusätz­li­che, außer­schu­li­sche För­der- und Lern­an­ge­bo­te, wel­che das digi­ta­le Ler­nen in Will­kom­mens- oder Vor­be­rei­tungs­klas­sen sowie den Über­gang in Regel­klas­sen erleich­tern.” For­de­run­gen der Lan­des­flücht­lings­rä­te, des Bun­des­fach­ver­bands unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge e.V., PRO ASYL und GEW vom 10. Juli 2020 externer Link
  • Chan­cen­gleich­heit à la BRD: Feh­len­der Zugang zu digi­ta­lem Ler­nen: Arbeits­mi­nis­te­ri­um fin­det, dass Com­pu­ter pro­blem­los aus dem Hartz-IV-Satz ange­spart wer­den kön­nen 
    “Fast zwei Mona­te Home­schoo­ling haben für vie­le Schü­ler ver­hee­ren­de Fol­gen. Denn armen Fami­li­en feh­len die Mit­tel für aus­rei­chen­den Zugang zu digi­ta­lem Ler­nen. Einem neu­en Gesetz zufol­ge kön­nen sie sich zwar nun an die Schu­le wen­den, die ihnen aus Bun­des­mit­teln einen Zuschuss von 150 Euro pro Kind gewäh­ren muss. Für alle not­wen­di­gen Mit­tel, wie Com­pu­ter und Inter­net­zu­gang, reicht das aber nicht. Tho­mas Wasi­lew­ski, erwerbs­un­fä­hi­ger Vater drei­er schul­pflich­ti­ger Kin­der aus Nord­rhein-West­fa­len, hat­te sich mit der Bit­te um Hil­fe an die zustän­di­gen Minis­te­ri­en auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne gewandt. Im Haus von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) ver­steht man das Pro­blem nicht. Hartz-IV-Bezie­her müss­ten die Kos­ten eben aus ihrem Regel­satz anspa­ren, teil­te die­ses ihm jetzt mit. Wasi­lew­ski hält es, wie er den Res­sorts am 14. April geschrie­ben hat­te, »für unglaub­lich und beun­ru­hi­gend, dass es kaum Auf­se­hen erregt, wenn Kin­dern aus armen Fami­li­en das digi­ta­le Home­schoo­ling ver­wehrt wird«. Er kri­ti­sier­te »eine Kul­tur der Gleich­gül­tig­keit«, die das Soli­da­ri­täts­prin­zip für obso­let erklärt habe. Er beton­te, dass es vie­len Kin­dern und ihren Fami­li­en ähn­lich gehe. Allei­ne an sei­nem Wohn­ort Mön­chen­glad­bach sei fast ein Drit­tel aller Kin­der von Hartz IV betrof­fen. Auch in ihrem Sin­ne habe er beim Job­cen­ter die Über­nah­me der Kos­ten für nöti­ge Hard- und Soft­ware bean­tragt. Doch die­ses lehn­te das Ansin­nen ab. Mit einem Eil­an­trag schei­ter­te Wasi­lew­ski auch vor dem Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf. Er habe nicht hin­rei­chend bewie­sen, dass ein digi­ta­ler Zugang zwin­gend erfor­der­lich sei. (…) Der Erwerbs­lo­sen­ver­ein Tache­les hat­te bereits vor eini­gen Wochen eine Kam­pa­gne unter dem Mot­to »Schul­com­pu­ter sofort« gestar­tet. Die­ser haben sich loka­le Orga­ni­sa­tio­nen wie der Köl­ner Flücht­lings­rat und die Rats­frak­ti­on der Par­tei Die Lin­ke aus Wup­per­tal sowie 13 Sozi­al­rechts­an­wäl­te ange­schlos­sen.” Arti­kel von Sus­an Bonath in der jun­gen Welt vom 11. Mai 2020 externer Link
  • 150 Euro für die Anschaf­fung digi­ta­ler End­ge­rä­te für Schü­le­rIn­nen aus ärme­ren Haus­hal­ten – GEW: „Rich­ti­ge Schrit­te – Tücke im Detail“ /​Die 150 Euro für digi­ta­le Teil­ha­be sind gro­tesk /​»Dafür gibt es kein Note­book oder Tablet«
    • GEW: „Rich­ti­ge Schrit­te – Tücke im Detail“
      Die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) begrüßt grund­sätz­lich, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus ärme­ren Fami­li­en einen Zuschuss für die Anschaf­fung digi­ta­ler End­ge­rä­te bekom­men sol­len. „Das ist ein rich­ti­ger Schritt: Die Tücke liegt jedoch im Detail“, sag­te GEW-Vor­sit­zen­de Mar­lis Tepe am Don­ners­tag in Frank­furt a.M. „Für arme Eltern reicht die Hil­fe von rund 150 Euro nicht aus. Wer Sozi­al­hil­fe bekommt, kann den Eigen­an­teil beim Kauf der Tablets oder PCs nicht stem­men – vor allem wenn in den Fami­li­en meh­re­re Schul­kin­der leben.“ Für die­se Haus­hal­te müs­se es zusätz­li­che Unter­stüt­zung geben. Tepe schlug vor, das Geld vor Ort nach Sozi­al­in­dex zu ver­tei­len. Die Kom­mu­ne als Schul­trä­ger müs­se gemein­sam mit den Schu­len ent­schei­den und Vor­schlä­ge für geeig­ne­te End­ge­rä­te ent­wi­ckeln. „Die sozia­le Sche­re darf durch den Fern­un­ter­richt nicht noch wei­ter aus­ein­an­der­ge­hen“, mahn­te die GEW-Vor­sit­zen­de. Sie mach­te dar­auf auf­merk­sam, dass es zur­zeit nicht genü­gend End­ge­rä­te auf dem Markt gebe. Zudem könn­ten vie­le Schü­le­rin­nen und Schü­ler, aber auch deren Eltern die Gerä­te nicht für den schu­li­schen Gebrauch ein­rich­ten. Die meis­ten Schu­len sei­en jedoch mit zu weni­gen IT-Fach­kräf­ten aus­ge­stat­tet, die die­se Arbei­ten schnell aus­füh­ren könn­ten. „Auch in die­ser Fra­ge zei­gen sich erneut die Ver­säum­nis­se der Ver­gan­gen­heit, die Schu­len auf die Arbeit mit digi­ta­len Mit­teln gut vor­zu­be­rei­ten“, beton­te Tepe…” PM vom 23.04.2020 zu den Beschlüs­sen des Koali­ti­ons­aus­schus­ses externer Link, sie­he wei­te­re Stel­lung­nah­men:
    • 150 Euro für Digi­tal­aus­stat­tung von Schü­lern laut Sozi­al­ver­band zu wenig. VdK-Spre­che­rin Ben­te­le: »Dafür gibt es kein Note­book oder Tablet«
      Der Sozi­al­ver­band VdK kri­ti­siert den ange­kün­dig­ten Zuschuss von 150 Euro für die Digi­tal­aus­stat­tung bedürf­ti­ger Schü­ler als zu gering. »Dafür gibt es kein Note­book oder Tablet«, sag­te Ver­bands­prä­si­den­tin Vere­na Ben­te­le der Düs­sel­dor­fer »Rhei­ni­schen Post« (Frei­tag). Der Staat müs­se sicher­stel­len, dass alle bedürf­ti­gen Kin­der am Digi­tal­un­ter­richt teil­neh­men könn­ten. »Es wäre sinn­vol­ler, bedürf­ti­gen Kin­dern gleich ein digi­ta­les End­ge­rät leih­wei­se zur Ver­fü­gung zu stel­len, statt einen Zuschuss, der hin­ten und vor­ne nicht reicht«, sag­te Ben­te­le…” Agen­tur­mel­dung vom 24.04.2020 in ND online externer Link
    • Coro­na-Hil­fe: Die 150 Euro für digi­ta­le Teil­ha­be sind gro­tesk
      Die Koali­ti­on hilft bedürf­ti­gen Kin­dern per Ein­mal­zah­lung, digi­tal beim Unter­richt mit­zu­ma­chen. Hier zeigt sich alles, was im Umgang mit armen Fami­li­en falsch läuft. 150 Euro. Das ist für man­che Leu­te ein Abend­essen, für man­che ein Urlaubs­wo­chen­en­de im Feri­en­haus, für ande­re das Bud­get für einen ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­tag. Und für man­che sind 150 Euro die exakt ein­zi­ge und ein­ma­li­ge Zah­lung, die der Staat ihnen als soge­nann­te Hil­fe in der Coro­na-Kri­se anbie­tet. 150 Euro, das hat der Koali­ti­ons­aus­schuss aus SPD und CDU/​CSU Mitt­woch­nacht beschlos­sen, sol­len arme Kin­der jetzt von ihren Schu­len bekom­men, um sich ein digi­ta­les End­ge­rät kau­fen zu kön­nen, das es ihnen mög­lich macht, zu Hau­se für die Schu­le zu ler­nen. Es ist wirk­lich ein Glück, dass es die­se 150 Euro jetzt gibt. Denn die­se 150 Euro sind wie ein Ver­grö­ße­rungs­glas, unter dem sich ganz genau erken­nen lässt, was an der Für­sor­ge für arme Kin­der in Deutsch­land noch nie funk­tio­niert hat und jetzt wei­ter­hin nicht funk­tio­niert. Die­se 150 Euro sind so gro­tesk, dass es fast schon wie­der lus­tig ist. Weil es einen doch erstaunt: wie sehr sich ein Koali­ti­ons­aus­schuss von den tat­säch­li­chen Bedürf­nis­sen tat­säch­li­cher Men­schen ent­fer­nen kann. Jedes fünf­te Kind in Deutsch­land ist arm. (…) Im Lock­down ist die Fami­lie nun das ein­zi­ge Sys­tem, das wei­ter­hin da ist. Das, wor­an sich nun vie­le hal­ten. Arme Kin­der hin­ge­gen bekom­men die 150 Euro aus­ge­rech­net über ihre geschlos­se­nen Schu­len aus­ge­zahlt. Das sagt alles über das Ver­hält­nis des Staa­tes zu den Eltern der armen Kin­der. Man ver­traut die­sen Eltern nicht. Man traut ihnen nicht zu, das Bes­te für ihre eige­nen Kin­der zu wol­len. Es wäre natür­lich mög­lich, den Fami­li­en 150 Euro pro Kind zu über­wei­sen – damit sie Din­ge kau­fen kön­nen, die ihnen gera­de wich­tig sind, um die­se Zeit zu über­le­ben. Statt­des­sen aber lässt man ihre Kin­der den demü­ti­gen­den Gang zum Klas­sen­leh­rer machen, um nach läp­pi­schen 150 Euro zu fra­gen. Wahr­schein­lich müs­sen die Kin­der spä­ter noch den Kas­sen­bon ein­rei­chen, um zu bewei­sen, dass sich ihre Eltern mit dem Geld auch bloß kei­nen Alko­hol gekauft haben. Die 150 Euro zemen­tie­ren einen Blick auf die Armen, der ihnen kein eige­nes, erfüll­tes Leben zuge­steht. Statt­des­sen wer­den sie ver­wal­tet: Die Eltern durch die Arbeits­agen­tur, die Kin­der durch die Schu­len…” Kom­men­tar von Anna Mayr vom 23. April 2020 in der Zeit online externer Link
    • Sozi­al­po­li­tik in der BRD: Die Ärms­ten ver­ges­sen
      Neu­es Hilfs­pa­ket für Kurz­ar­bei­ter, Fir­men, Schü­ler und die Gas­tro­no­mie: Links­par­tei und Sozi­al­ver­band war­nen vor wei­te­rer sozia­ler Spal­tung…” Arti­kel von Sus­an Bonath in der jun­gen Welt vom 24.04.2020 externer Link
  • Sie­he zum Hin­ter­grund im Labour­Net Ger­ma­ny die Dos­siers:

Der Bei­trag Ungleich­heit kennt kei­ne Aus­zeit: Benach­tei­lig­te Schü­ler lei­den beson­ders unter den Schul­schlie­ßun­gen erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

Read More