[Freiheitsliebe:] Das Kapital für den Klimaschutz einspannen

„Der Staat darf es nicht im Unkla­ren las­sen, dass er kon­kre­te Gegen­leis­tun­gen ver­langt.“ Das sag­te der frü­he­re fran­zö­si­sche Umwelt­mi­nis­ter Nico­las Hulot in einem Inter­view der füh­ren­den fran­zö­si­schen Tages­zei­tung Le Mon­de vom 7. Mai die­ses Jah­res. Gegen­leis­tun­gen für die Mil­li­ar­den, mit denen der Staat die Fir­men in Form von Sub­ven­tio­nen und Betei­li­gun­gen oder Bürg­schaf­ten und Kre­di­ten unter­stützt, damit sie die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Pan­de­mie über­ste­hen.

Haben Sie in der letz­ten Zeit etwas von sol­chen Gegen­leis­tun­gen in Deutsch­land gehört? Gefor­dert haben sie die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten der Lin­ken Lorenz Gös­ta Beu­tin und Bernd Riex­in­ger schon im April, aus­ge­hend von der unbe­streit­ba­ren Fest­stel­lung, dass „der Markt […] in Kri­sen­zei­ten auf öffent­li­che Hil­fe ange­wie­sen ist“. Aber die­se Abhän­gig­keit woll­te die Bun­des­re­gie­rung offen­sicht­lich nicht nut­zen, denn ihr Coro­na-Hilfs­pa­ket ver­langt kei­ne Gegen­leis­tun­gen von den Emp­fän­gern der öffent­li­chen Gel­der.

Zur Ver­tei­di­gung ihrer Zurück­hal­tung könn­te die Regie­rung, wenn sie denn ein Inter­view­er ein­mal frag­te, erwi­dern, dass die Fir­men und Kon­zer­ne die Hil­fe­leis­tun­gen zum all­ge­mei­nen Wohl ver­wen­den, indem sie, statt in Insol­venz zu gehen, wei­ter Waren oder Dienst­leis­tun­gen pro­du­zie­ren, Arbeits­kräf­te beschäf­ti­gen und ent­loh­nen, Kun­den belie­fern. Also ist das Fort­be­stehen der Fir­men doch im öffent­li­chen Inter­es­se, so dass die poli­ti­sche Macht ihrer­seits vom Kapi­tal abhängt; dann muss sie sich den Wei­ter­be­trieb der Wirt­schaft schon eini­ge Mil­li­ar­den kos­ten las­sen.

Das Pro­blem ist nur, dass die Art und Wei­se, wie pro­du­ziert wird, dem Gemein­wohl auch scha­det: wie wir alle wis­sen, durch den Gebrauch von Ener­gie aus fos­si­len Brenn­stof­fen und den Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen, der die Erde auf den Kli­ma­kol­laps zutreibt (wenn man ein­mal von ande­ren fata­len Fol­gen der gän­gi­gen Wirt­schafts­wei­se wie der Zer­stö­rung der Arten­viel­falt absieht). Im Hin­blick dar­auf for­dert Clau­dia Horn­berg, die Vor­sit­zen­de des Sach­ver­stän­di­gen­rats für Umwelt­fra­gen (SRU), bei der Wie­der­be­le­bung der Wirt­schaft „soll­te in Lösun­gen inves­tiert wer­den, die die umwelt­ver­träg­li­che Ent­wick­lung der Wirt­schaft för­dern“. Beu­tin und Riex­in­ger wer­den etwas kon­kre­ter: „Kon­junk­tur­pa­ke­te müs­sen ver­stärkt an Fir­men flie­ßen, die einen Bei­trag dazu leis­ten, den CO2-Aus­stoss zu sen­ken.“ Dabei bleibt aber offen, wie hoch der Bei­trag zur Redu­zie­rung der Treib­haus­ga­se sein soll. Und wie die nicht „ver­stärkt flie­ßen­den Kon­junk­tur­pa­ke­te“ zu ver­ste­hen sind, die reduk­ti­ons­re­sis­ten­te Fir­men bekom­men sol­len.

Katha­ri­na Drö­ge von den Grü­nen wur­de unlängst (11. August) in einem ande­ren Sinn deut­lich: Wenn der Staat Antei­le an einem Groß­un­ter­neh­men wie der Luft­han­sa erwirbt, „soll­te das mit kla­ren Kri­te­ri­en für Beschäf­ti­gungs­si­che­rung und Kli­ma­schutz ver­bun­den sein“. Offen­bar haben die Grü­nen sol­che Kri­te­ri­en noch nicht erar­bei­tet. Außer­dem ist ihre For­de­rung wesent­lich gering­fü­gi­ger als die der Lin­ken, denn sie betrifft nur die rela­tiv weni­gen Fäl­le der Staats­be­tei­li­gung und ver­zich­tet dar­auf, Finanz­hil­fen ande­rer Art wie etwa Kre­dit­ga­ran­tien an Bei­trä­ge zum Kli­ma­schutz zu bin­den. So beschei­den ist man andern­orts nicht.

Klimapolitische Forderungen aus der französischen Gesellschaft

Wie wär’s mit einem Blick über den Rhein? Seit den Pro­tes­ten der „Gelb­wes­ten“ vom Win­ter 2018/​19 wird da über vie­le Vor­schlä­ge für eine Neu­ord­nung von Wirt­schaft und poli­ti­schen Struk­tu­ren debat­tiert, und wie in Deutsch­land berei­tet die Ent­wick­lung des Kli­mas der Bevöl­ke­rung die größ­ten Sor­gen. Von der Par­la­ments­mehr­heit und der Regie­rung kann man aller­dings nicht sagen, dass ihre kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen die­sem Pro­blem­be­wusst­sein gerecht wer­den.

Schon die Gelb­wes­ten for­der­ten die Abge­ord­ne­ten auf, durch einen beschleu­nig­ten Ver­zicht auf fos­si­le Ener­gie­quel­len den CO2-Aus­stoß deut­lich zu ver­min­dern und die Ver­äch­ter die­ses Prin­zips zu bestra­fen. Prä­si­dent Macron kana­li­sier­te den Pro­test, den die Gelb­wes­ten ziem­lich laut wer­den lie­ßen, zu Beginn von 2019 in eine „Gro­ße natio­na­le Debat­te“, deren The­men er vor­gab, dar­un­ter die „öko­lo­gi­sche Wen­de“. In den Schluss­do­ku­men­ten der Debat­ten, an denen mehr als zwei Mil­lio­nen Bür­ger teil­ge­nom­men hat­ten, kann man lesen:

– Mit etwa 10 Mil­li­ar­den Euro öffent­li­cher Mit­tel jähr­lich wer­den Urhe­ber von Umwelt­schä­den unter­stützt. Die­se För­de­rung muss all­mäh­lich redu­ziert und die Mit­tel müs­sen sau­be­ren Ver­fah­rens­tech­ni­ken zugu­te­kom­men. [Nach der Berech­nung von J. Fer­gu­son, inves​ti​ga​te​-euro​pe​.eu vom 13.7.2020, dürf­ten es allein für die Ener­gie aus fos­si­len Brenn­stof­fen Sub­ven­tio­nen in Höhe von 17 Mil­li­ar­den sein, in Deutsch­land 37 Mil­li­ar­den, Anm. W. K.]

– Die umwelt­schäd­li­che Pro­duk­ti­on muss stär­ker besteu­ert wer­den. Den Haupt­an­teil der Kos­ten für die öko­lo­gi­sche Wen­de müs­sen die Unter­neh­men tra­gen.

Der Prä­si­dent schloss die „Gro­ße natio­na­le Debat­te“ Ende April 2019 ab und kün­dig­te zugleich einen „Bür­ger­kon­vent über das Kli­ma“ an, mit 150 aus­ge­los­ten Bür­gern besetzt, die nach ver­schie­de­nen Gesichts­punk­ten die Zusam­men­set­zung des Vol­kes reprä­sen­tie­ren soll­ten. Die­ser Kon­vent tag­te von Okto­ber 2019 bis April 2020. Er hat­te den Auf­trag zu klä­ren, mit wel­chen sozi­al gerech­ten Maß­nah­men der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen bis 2030 auf 40 Pro­zent gegen­über 1990 redu­ziert wür­de. Das ent­sprach dem Kli­ma­ziel der EU, deren Kom­mis­si­on inzwi­schen 55 Pro­zent errei­chen will. Der Kon­vent kam zu fol­gen­den For­de­run­gen:

  1. An der obli­ga­to­ri­schen Bericht­erstat­tung der Unter­neh­men über ihre CO2-Bilanz soll sich Fol­gen­des ändern:
    – nicht nur Fir­men mit mehr als 500 Beschäf­tig­ten, son­dern alle Fir­men, auch die der Finanz­in­dus­trie, sol­len öffent­lich berich­ten, und zwar
    – nicht alle drei Jah­re, son­dern jedes Jahr;
    – die Bilanz muss jeweils die gan­ze Lie­fer­ket­te umfas­sen, auch die CO2-Emis­sio­nen von aus­län­di­schen Lie­fe­ran­ten und von Kon­su­men­ten der pro­du­zier­ten Güter;
    – ver­wei­gert eine Fir­ma die Bilanz, dann muss sie eine Straf­ge­bühr pro­por­tio­nal zu ihrem Umsatz zah­len, und auf ihren Pro­duk­ten wer­den die Käu­fer auf ihre Ver­feh­lung hin­ge­wie­sen.
  2. Öffent­li­che Unter­stüt­zung wie Steu­er­vor­tei­le, Dar­le­hen und Sub­ven­tio­nen erhal­ten nur Fir­men, die eine posi­ti­ve Emis­si­ons­bi­lanz vor­wei­sen kön­nen.
  3. Die Emis­si­ons­bi­lanz gehört zu den öko­lo­gi­schen Kri­te­ri­en, die für alle öffent­li­chen Auf­trä­ge mit einer Gewich­tung von ins­ge­samt 20 Pro­zent her­an­ge­zo­gen wer­den müs­sen.
  4. Wenn Fir­men mehr als 10 Mil­lio­nen Euro Divi­den­den an ihre Aktio­nä­re aus­schüt­ten, sol­len sie 4 Pro­zent der Sum­me der Divi­den­den an das „Bud­get der öko­lo­gi­schen Wen­de“ abfüh­ren, bei einer gerin­ge­ren Divi­den­den­sum­me 2 Pro­zent.
  5. Die Prä­am­bel der fran­zö­si­schen Ver­fas­sung soll um die Vor­schrift ergänzt wer­den, dass der Aus­gleich von Rech­ten und Frei­hei­ten – aus der Erklä­rung der Men­schen­rech­te von 1789 – die Erhal­tung der Umwelt nicht gefähr­den darf.
  6. Der Text der Ver­fas­sung selbst soll künf­tig die Erklä­rung ent­hal­ten, dass die Repu­blik die Erhal­tung der Arten­viel­falt und der Umwelt garan­tiert und dass sie gegen die Kli­ma­er­wär­mung kämpft.

Prä­si­dent Macron hat­te zwar ver­spro­chen, das Par­la­ment oder das Volk – per Refe­ren­dum – über alle Ergeb­nis­se des „Bür­ger­kon­vents“ abstim­men zu las­sen, falls nicht er selbst sie unmit­tel­bar in Dekre­te umsetzt. Aber dann schloss er doch die Abga­be auf die Divi­den­den (4) aus, weil sie Inves­to­ren abschre­cke, und eben­so die Ände­rung der Prä­am­bel der Ver­fas­sung (5), weil sie der Natur Vor­rang gegen­über den öffent­li­chen Frei­hei­ten, sogar gegen­über den demo­kra­ti­schen Regeln ein­räu­me – mit der Zurück­wei­sung einer Öko­ab­ga­be auf Divi­den­den ent­schied der Prä­si­dent einen Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen Kapi­tal und Umwelt­schutz offen zuguns­ten des Kapi­tals; ande­re wer­den den Kon­flikt aber genau an die­ser Stel­le wie­der auf die Tages­ord­nung set­zen. Mit sei­ner Wei­ge­rung, die Prä­am­bel der Ver­fas­sung zu ändern (5), könn­te er den­sel­ben Kon­flikt im Sinn haben. Denn auch der „Bür­ger­kon­vent“ dürf­te mit den tra­di­tio­nel­len Rech­ten und Frei­hei­ten vor allem das Eigen­tums­recht und die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit gemeint haben, die Rechts­prin­zi­pi­en also, mit denen sich die Kapi­tal­be­sit­zer gegen öko­lo­gisch begrün­de­te Ein­grif­fe weh­ren. Der „Bür­ger­kon­vent“ will das jeweils pri­va­te Recht der Kapi­tal­be­sit­zer, über ihr Eigen­tum frei zu ver­fü­gen, durch das Inter­es­se der All­ge­mein­heit an einer Umwelt, die unser Leben begüns­tigt, ein­schrän­ken. Der Prä­si­dent will eine sol­che Beschrän­kung nicht.

Angemessener Klimaschutz oder Verbot von Dividenden

Damit ist die Mes­se gele­sen, wie man in Frank­reich sagt. Aber nur unter dem Gesichts­punkt der poli­ti­schen Macht, nicht im wei­te­ren Raum der öffent­li­chen Debat­te. Da leg­ten etwa 370 Orga­ni­sa­tio­nen der Zivil­ge­sell­schaft, dar­un­ter Attac, Green­peace und die Gewerk­schaft CGT, am 26. Mai, also nach der Peri­ode der stren­gen Iso­lie­rung, einen „Plan zur Über­win­dung der Kri­se“ in 34 Punk­ten vor. Dar­in wer­fen sie der Regie­rung vor, dass sie mit ihren Plä­nen nur ein gänz­lich unhalt­ba­res Sys­tem wie­der ankur­beln wol­le. Sie dage­gen wol­len unter ande­rem die land­wirt­schaft­li­che und indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on sowie die Dienst­leis­tun­gen der­art trans­for­mie­ren, dass die Bevöl­ke­rung und die Erde künf­tig kei­nen gra­vie­ren­den Scha­den mehr erlei­den.

Das klingt nicht sehr ori­gi­nell. Der Vor­schlag Nr. 28 ist es aber doch:

Ein Gesetz soll jene Unter­neh­men mit mehr als 5.000 Beschäf­tig­ten, die in der Roh­stoff­ge­win­nung, der Pro­duk­ti­on und im Dienst­leis­tungs­be­reich [zum Bei­spiel Ban­ken] tätig sind, ver­pflich­ten, die Treib­haus­ga­se, die mit ihrer Tätig­keit – auch Inves­ti­tio­nen – ent­ste­hen, jähr­lich so zu ver­min­dern, wie es das glo­ba­le Ziel der Begren­zung des Tem­pe­ra­tur­an­stiegs um 1,5 ° Cel­si­us im Ver­hält­nis zu 1990 erfor­dert. Dabei geht es um die Aus­wir­kun­gen und Emis­sio­nen in Frank­reich und im Aus­land. Wenn eine Fir­ma die­se Ver­pflich­tung nicht erfüllt, wird ihr ver­bo­ten, Divi­den­den zu zah­len.

Damit greift der „Plan zur Über­win­dung der Kri­se“ aus den Ergeb­nis­sen des „Bür­ger­kon­vents“ die Idee (4) auf, dass die Divi­den­den zur För­de­rung der öko­lo­gi­schen Wen­de genutzt wer­den sol­len. Aber nun wer­den Gewin­ne aus Divi­den­den prä­zi­ser und strik­ter mit der öko­lo­gi­schen Wen­de ver­knüpft: Die Divi­den­den sol­len nicht gering­fü­gig besteu­ert, son­dern ihre Aus­schüt­tung soll gera­de­wegs ver­bo­ten wer­den, wenn die jewei­li­ge Akti­en­ge­sell­schaft nicht zur Ver­min­de­rung der glo­ba­len Emis­si­on von Treib­haus­ga­sen bei­trägt. Das Ver­bot dürf­te die jewei­li­ge Kapi­tal­an­la­ge unin­ter­es­sant machen.

Woher weiß man, wie stark eine Akti­en­ge­sell­schaft zur glo­ba­len Emis­si­on bei­trägt? Die Ant­wort dar­auf fin­det man in einem aus­führ­li­chen Bericht von Green­peace Fran­ce „Cli­mat: l’argent du cha­os“ (dt. etwa „Kli­ma: Der Pro­fit aus dem Cha­os“): Man braucht die Fra­ge gar nicht zu beant­wor­ten, es genügt, von den Fir­men zu ver­lan­gen, dass sie die Emis­sio­nen, für die sie ver­ant­wort­lich sind, jähr­lich um den­sel­ben Pro­zent­satz ver­min­dern, um den der UNO zufol­ge der glo­ba­le Aus­stoß jedes Jahr ver­min­dert wer­den muss, wenn 2040 glo­ba­le Kli­ma­neu­tra­li­tät erreicht wer­den soll, das heißt um min­des­tens 7 Pro­zent. Das ent­spricht der Ver­pflich­tung, die Frank­reich in dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men ein­ge­gan­gen ist, die es aber nicht mehr erfüllt als Deutsch­land. Weil die ange­droh­te Sank­ti­on mit der Aus­schüt­tung der Divi­den­den das Eigen­tums­recht ein­schränkt, muss die­se Ein­schrän­kung um des Kli­ma­schut­zes wil­len durch eine ent­spre­chen­de Ver­fas­sungs­än­de­rung recht­lich abge­si­chert wer­den.

Green­peace fasst sei­nen Vor­schlag mit den For­meln zusam­men: Geschäfts­tä­tig­kei­ten, die das Kli­ma ver­schlech­tern, dür­fen kei­nen Gewinn brin­gen. Es kommt jetzt dar­auf an, die Inter­es­sen der Inves­to­ren von kli­ma­schäd­li­chen Geschäfts­tä­tig­kei­ten abzu­kop­peln. Damit spricht Green­peace den Kon­flikt aus, in dem sich Macron für die Inter­es­sen der Inves­to­ren ent­schei­det. Aber erst Green­peace bringt den Kon­flikt auf den Punkt und berei­tet ihn damit für eine öffent­li­che Debat­te auf:

Wollt ihr, dass die Kapi­tal­in­ter­es­sen und damit eure eige­nen, soweit sie von jenen abhän­gen, mög­lichst unan­ge­tas­tet blei­ben und damit die Kli­ma­ka­ta­stro­phe unent­rinn­bar wird, wie wir es den Kli­ma­for­schern glau­ben müs­sen? Oder wollt ihr dazu bei­tra­gen, dass die Mensch­heit der Kli­ma­ka­ta­stro­phe ent­kommt, sofern kli­ma­schäd­li­che Kapi­tal­an­la­gen unat­trak­tiv wer­den – mit erheb­li­chen wirt­schaft­lich nach­tei­li­gen Fol­gen, die jedoch ver­mie­den wer­den kön­nen, wenn die Fir­men fähig sind, ihre Emis­sio­nen ste­tig zu ver­min­dern, und die Vor­stän­de und Anle­ger das auch wol­len?

Welche Gegenleistungen für Subventionen?

Das Kon­zept von Green­peace greift nicht die For­de­rung des „Bür­ger­kon­vents über das Kli­ma“ (2) auf, dass staat­li­che Unter­stüt­zun­gen aller Art nur jenen Fir­men gewährt wer­den sol­len, die eine posi­ti­ve Emis­si­ons­bi­lanz auf­wei­sen. Aber Green­peace beklagt, dass das Par­la­ment mit einem Nach­trags­haus­halt im April – schon der zwei­te in 2020 – umwelt­schäd­li­che Indus­trien mit Sub­ven­tio­nen von 20 Mil­li­ar­den Euro unter­stütz­te, ohne auch nur die gerings­te Gegen­leis­tung zuguns­ten der Beschäf­tig­ten und der Umwelt zu for­dern. Dabei wur­de das Votum des offi­zi­el­len Hohen Kli­ma­rats (2018 von Macron gegrün­det) in den Wind geschla­gen, der von der Regie­rung ver­lang­te, jede Hil­fe unter die Bedin­gung zu stel­len, dass der Emp­fän­ger einen Inves­ti­ti­ons­plan zur Sen­kung der Emis­sio­nen vor­legt.

Damit sind wir zum ers­ten The­ma zurück­ge­kehrt, den Gegen­leis­tun­gen für die staat­li­chen Hil­fen zur Bewäl­ti­gung der wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Pan­de­mie. Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent äußer­te gegen­über der Finan­cial Times am 16. April, mit der Welt der Super­fi­nanz sei Schluss zu machen, um den Kli­ma­wan­del anzu­hal­ten. Mit dem Kli­ma­ri­si­ko ver­hal­te es sich wie mit den Fra­gen von Tod oder Leben, bei denen nie­mand zöge­re, radi­ka­le Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Die Ent­schei­dung über Gegen­leis­tun­gen für Sub­ven­tio­nen scheint für ihn kei­ne der radi­ka­len zu sein, denn zur sel­ben Zeit ließ er den zwei­ten Nach­trags­haus­halt ver­ab­schie­den.

Ende Juni und Anfang Juli ging es um einen drit­ten Nach­trags­haus­halt, der wie­der über 20 Mil­li­ar­den Euro an Sub­ven­tio­nen ent­hielt, vor allem zuguns­ten der Luft­fahrt und der Auto­in­dus­trie. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass die meis­ten Treib­haus­ga­se in Frank­reich vom Ver­kehr erzeugt wer­den, schlug die Öko­strö­mung der Frak­ti­on der Prä­si­den­ten­par­tei La Répu­bli­que en mar­che (LREM) vor, die Emp­fän­ger der staat­li­chen Hil­fen zur Ver­min­de­rung ihrer Treib­haus­ga­se zu zwin­gen. Auf den Wider­spruch der Frak­ti­ons­mehr­heit hin wur­de die­se Initia­ti­ve so abge­schwächt, dass die Maß­nah­men, die das Haus­halts­ge­setz im Ergeb­nis vor­sieht, kaum Wir­kung zei­ti­gen wer­den:

  • betrof­fen sind nur Fir­men mit mehr als 500 Mil­lio­nen Euro Jah­res­um­satz, an denen sich der Staat betei­ligt, also nicht die Emp­fän­ger von Dar­le­hen oder Kre­dit­ga­ran­tien;
  • der Umfang der Ver­min­de­rung der Emis­sio­nen wird den Fir­men nicht vor­ge­schrie­ben, son­dern soll nur zu dem Emis­si­ons­haus­halt ihrer jewei­li­gen Bran­che in Ein­klang sein, der hin­ter der Ver­pflich­tung aus dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men zurück­bleibt;
  • die Fir­men kön­nen ihre Selbst­ver­pflich­tung zu einer bestimm­ten Emis­si­ons­sen­kung „aktua­li­sie­ren“, also unter Umstän­den her­ab­set­zen;
  • wenn eine Fir­ma ihre Ver­pflich­tun­gen nicht erfüllt, braucht sie nur Ver­bes­se­run­gen ihres Vor­ge­hens in der Zukunft anzu­kün­di­gen.

Das war wohl nicht der gro­ße Wurf, den es ange­sichts der Kli­ma­ent­wick­lung gebraucht hät­te. Aber man kann auf kon­kre­te Anhalts­punk­te ver­wei­sen, wenn man sagen will, die For­de­rung des „Bür­ger­kon­vents“, staat­li­che Wirt­schafts­hil­fe dür­fe nur bei einer posi­ti­ven Emis­si­ons­bi­lanz gewährt wer­den, sei immer­hin in den poli­ti­schen Krei­sen ange­kom­men. Denn nicht nur ande­re Frak­tio­nen der Natio­nal­ver­samm­lung als die Prä­si­den­ten­par­tei woll­ten wei­ter im Sinn des „Bür­ger­kon­vents“ gehen. Auch der kon­ser­va­ti­ve Senat zeig­te sich ent­schie­de­ner als die Mehr­heit der Natio­nal­ver­samm­lung:

  • ­Fir­men, die mehr als 100 (statt 500) Mil­lio­nen Euro Jah­res­um­satz haben, und staat­li­che Hil­fe in wel­cher Form auch immer bekom­men, haben sich auf eine Reduk­ti­on der von ihnen zu ver­ant­wor­ten­den Treib­haus­ga­se zu ver­pflich­ten;
  • die­se Reduk­ti­on hat 2021 7,6 Pro­zent zu betra­gen und in den fol­gen­den Jah­ren so viel, wie der Hohe Kli­ma­rat den ver­schie­de­nen Bran­chen zur Errei­chung des Ziels, den Tem­pe­ra­tur­an­stieg auf 1,5 ° Cel­si­us zu begren­zen, vor­ge­ben wird.

Bei Dif­fe­ren­zen zwi­schen Natio­nal­ver­samm­lung und Senat ent­schei­det zuletzt die Natio­nal­ver­samm­lung. So lei­der auch hier. Die fran­zö­si­schen Kli­ma­ak­ti­vis­ten haben kei­nen Grund, sich damit abzu­fin­den. Und die Ent­wick­lung in Frank­reich erlaubt uns Deut­schen nicht, die Hän­de in den Schoß zu legen. Im Gegen­teil: „Der ein­zi­ge Kampf, der von vorn­her­ein ver­lo­ren ist, ist der, den man gar nicht erst beginnt“, sagt man in Frank­reich.

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Über den Autor

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Gebo­ren bin ich 1947, beruf­lich habe ich Phi­lo­so­phie an der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum gelehrt und in Paris am natio­na­len For­schungs­zen­trum über anti­ke und mit­tel­al­ter­li­che Phi­lo­so­phie geforscht. Poli­tisch habe ich mich frü­her in der Frie­dens­be­we­gung enga­giert und in der Chi­le­so­li­da­ri­tät nach 1973. In den letz­ten Jah­ren arbei­te­te ich in der fran­zö­si­schen Liga für Men­schen­rech­te mit, jetzt im Hei­del­ber­ger Bünd­nis für gerech­ten Welt­han­del.

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