[labournet:] UN verurteilt Zurückdrängen von Flüchtlingsbooten und Aussetzung der Seenotrettung

Dossier

EU: No Entrance. Titelbild zum isw-report 104 - Auf der Flucht. Fluchtursachen. Festung Europa. Alternativen. (Festung Europa, Februar 2016)“Für 79 geret­te­te Boots­flücht­lin­ge ist das Aus­har­ren auf einem Frach­ter im Mit­tel­meer zu Ende gegan­gen. Für über 150 Men­schen geht das War­ten wei­ter. (…) Das UN-Men­schen­recht­kom­mis­sa­ri­at hat die restrik­ti­ve Poli­tik euro­päi­scher Staa­ten gegen­über Boots­flücht­lin­gen auf dem Mit­tel­meer scharf kri­ti­siert. Die abweh­ren­den Maß­nah­men gefähr­de­ten Men­schen­le­ben, beton­te der Spre­cher des Hoch­kom­mis­sa­ri­ats, Rupert Col­vil­le, am Frei­tag in Genf. Laut Berich­ten ver­lang­ten die Behör­den Mal­tas von Han­dels­schif­fen, dass sie Boo­te mit Flücht­lin­gen und Migran­ten auf das offe­ne Meer zurück­drän­gen. Das sei beson­ders besorg­nis­er­re­gend. Der UN-Spre­cher beton­te auch, dass der­zeit kei­ne See­not­ret­tungs­schif­fe im zen­tra­len Mit­tel­meer ope­rier­ten. Die huma­ni­tä­re Arbeit pri­va­ter See­not­ret­ter wer­de laut Berich­ten von Regie­run­gen behin­dert und unter­bun­den. Allen pri­va­ten See­not­ret­tern müs­se unbe­dingt erlaubt wer­den, ihre Ope­ra­tio­nen fort­zu­set­zen…” Bericht vom 11. Mai 2020 bei MiGA­ZIN externer Link, sie­he neu dazu:

  • Vor Liby­en: UN bestürzt über Boots­un­glück mit min­des­tens 45 Toten New
    Nach einem neu­en schwe­ren Boots­un­glück mit Dut­zen­den Toten im Mit­tel­meer war­nen die UN vor wei­te­ren Tra­gö­di­en. Der­zeit sind nur pri­va­te See­not­ret­ter im Ein­satz. Die Ver­ein­ten Natio­nen haben sich bestürzt über ein Boots­un­glück im Mit­tel­meer geäu­ßert, bei dem nach Anga­ben von Über­le­ben­den min­des­tens 45 Migran­ten und Flücht­lin­ge ums Leben gekom­men sind. Ange­sichts des bis­lang schlimms­ten Unglücks vor der Küs­te Liby­ens in die­sem Jahr for­der­ten die UN am Don­ners­tag in Genf von den EU-Staa­ten, für eine siche­re Anlan­dung von Migran­ten und Flücht­lin­gen zu sor­gen. Unter den Toten sei­en nach Anga­ben von Über­le­ben­den fünf Kin­der, hieß es. Nach Anga­ben der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on und des Flücht­lings­hilfs­werks UNHCR konn­ten 37 Men­schen von Fischern geret­tet wer­den. Von ihnen stamm­ten die meis­ten aus dem Sene­gal, aus Mali, dem Tschad und aus Gha­na. Der Motor des Boo­tes sei explo­diert. Das Unglück habe sich am Mon­tag ereig­net. Die UN beton­ten, dass ohne offi­zi­el­le Mis­sio­nen zur See­not­ret­tung wei­te­re Tra­gö­di­en zu befürch­ten sei­en. Der­zeit ope­rie­ren kei­ne staat­li­chen oder EU-geführ­ten Ret­tungs­mis­sio­nen im Mit­tel­meer…” Mel­dung vom 21.08.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo), sie­he dazu auch die Mel­dung in unse­rem Dos­sier: [Liby­en-Deal] Absur­de EU-Poli­tik im Mit­tel­meer: Ret­tungs­mis­sio­nen sol­len zukünf­tig von liby­schen Schleu­sern koor­di­niert wer­den
  • Flücht­lings­dra­ma auf Vieh­frach­ter vor Mal­ta: “Heu­te ist der letz­te Tag, an dem ich sie ver­sor­gen kann” 
    Mal­ta ver­wehrt 50 aus See­not geret­te­ten Flücht­lin­gen, an Land zu gehen – und lässt sie in schmut­zi­gen Stäl­len eines Vieh­frach­ters aus­har­ren. Vie­le sind krank, die Vor­rä­te gehen aus. Der Kapi­tän warnt vor einer Tra­gö­die. (…) Der Vieh­frach­ter ist – anders als die Ret­tungs­schif­fe von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen – nicht auf Migran­ten vor­be­rei­tet. Nor­ma­ler­wei­se trans­por­tiert Shaa­ban mit sei­nem Schiff Kühe übers Mit­tel­meer. Zur­zeit hau­sen in den dre­cki­gen, stin­ken­den Stäl­len der MV “Talia” Flücht­lin­ge, die er am Frei­tag auf hoher See geret­tet hat. An Bord gibt es kei­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung für die Men­schen, und nun gehen auch die Vor­rä­te aus. (…) Die Behör­den ant­wor­ten uns nicht. Und die Migran­ten kom­men zu mir und bit­ten um Essen und Was­ser. Aber mei­ne Vor­rä­te gehen aus. Heu­te ist der letz­te Tag, an dem ich sie ver­sor­gen kann. Und es ist schon zu Kämp­fen unter ihnen gekom­men. (…)Sie befin­den sich alle in schlech­tem Zustand. Und 20 haben erns­te gesund­heit­li­che Pro­ble­me. Man­che zei­gen kaum Lebens­zei­chen, essen nicht, kön­nen sich kaum noch bewe­gen. Ande­re haben erns­te Ent­zün­dun­gen. Und alle haben fünf Tage bei schlech­tem Wet­ter auf offe­ner See ver­bracht, ohne Trink­was­ser und Lebens­mit­tel…” Arti­kel und Inter­view von Frank Hor­nig, Rom, vom 07.07.2020 beim Spie­gel online externer Link
  • Zwei Tage nach Not­stand: „Oce­an Viking“ darf in sizi­lia­ni­schen Hafen ein­lau­fen
    Nach­dem SOS Medi­ter­ra­née am Frei­tag den Not­stand auf der “Oce­an Viking” aus­ge­ru­fen hat­te, erhielt das Schiff heu­te die Erlaub­nis, einen siche­ren Hafen anzu­steu­ern. Die 180 Flücht­lin­ge an Bord sol­len am Mon­tag aus­ge­schifft wer­den…” Mel­dung vom 6.7.2020 im Miga­zin externer Link, sie­he zuvor:
    • Für die 180 Migran­ten auf der „Oce­an Viking“ zeich­net sich eine Lösung ab
      Die seit Tagen aus­har­ren­den Flücht­lin­ge sol­len am Mon­tag auf ein ita­lie­ni­sches Qua­ran­tä­ne-Schiff gebracht und dort auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wer­den. Das mel­den meh­re­re Nach­rich­ten­agen­tu­ren. Sie beru­fen sich auf das ita­lie­ni­sche Innen­mi­nis­te­ri­um. Das Qua­ran­tä­ne-Schiff liegt der­zeit vor der sizi­lia­ni­schen Hafen­stadt Por­to Empe­do­cle vor Anker. Zuvor hat­ten die Behör­den der Stadt Poz­zal­lo ein medi­zi­ni­sches Team zur „Oce­an Viking“ geschickt, um die Flücht­lin­ge zu unter­su­chen. Dabei sei­en kei­ne beson­de­ren Gesund­heits­pro­ble­me fest­ge­stellt wor­den. Auch die ange­spann­te Lage an Bord habe sich gebes­sert. Die „Oce­an Viking“ hat­te am Frei­tag den Not­stand aus­ge­ru­fen und über meh­re­re Sui­zid­ver­su­che berich­tet…” Agen­tur­mel­dung vom 5. Juli 2020 beim Deutsch­land­funk externer Link
    • Das Coro­na-Log­buch: Lage auf der »Oce­an Viking« vor Sizi­li­en ver­schärft sich – #dont­lea­ve­thembe­hind: Das Mit­tel­meer in der Coro­na­epi­de­mie
      “… Das Coro­na­vi­rus dient zuneh­mend vie­len euro­päi­schen Staa­ten als Ent­schul­di­gung, die See­not­ret­tung aus­zu­set­zen. Wir schau­en trotz­dem dort­hin, wo die Hil­fe­schreie der Flücht­lin­ge nun so uner­hört blei­ben, wie sel­ten zuvor: 3. Juli (…) Unter den 180 Migran­ten auf dem pri­va­ten Ret­tungs­schiff »Oce­an Viking« vor Sizi­li­en spitzt sich die Lage nach Anga­ben der Hel­fer zu. (…) Zuvor waren meh­re­re Bit­ten um Zuwei­sung eines siche­ren Hafens in bei­den Län­dern erfolg­los geblie­ben. (…) 12. Juni Ver­ein­te Natio­nen alar­miert wegen Grie­chen­lands Umgang mit Migran­ten. Die UN-Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) ist wegen Vide­os alar­miert, die offen­bar zei­gen, wie Migran­ten an der euro­päi­schen Außen­gren­ze teils mit Gewalt zurück­ge­drängt wer­den. (…) Das UN-Flücht­lings­hilfs­werk (UNHCR) äußer­te sich ähn­lich. Sol­che Zwi­schen­fäl­le häuf­ten sich seit März, sag­te ein Spre­cher in Genf. (…) 11. Juni Fast 53 Tote bei Boots­un­glück vor tune­si­scher Küs­te. (…) Unter den Opfern sind min­des­tens 22 Frau­en und drei Klein­kin­der. (…) 10. Juni Bun­des­re­gie­rung blo­ckiert See­not­ret­ter. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ver­sucht offen­bar mit einer Ände­rung von Rege­lun­gen, deut­sche See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen in ihrer Arbeit zu behin­dern. (…) 08. Juni. Außer Sicht­wei­te. Immer mehr Berich­te zei­gen: Euro­pa schiebt Geflüch­te­te ille­gal in die Tür­kei zurück. Oder setzt sie auf auf­blas­ba­ren Platt­for­men im Meer aus. Gleich­zei­tig har­ren mehr als 400 schutz­su­chen­de Men­schen aktu­ell auf Kreuz­fahrt­schif­fen vor Mal­ta fest. Man­che von ihnen har­ren dort bereits seit mehr als einem Monat aus. 07. Mai. (…) Nach dem deut­schen Ret­tungs­schiff »Alan Kur­di« ist auch ein spa­ni­sches Schiff in Ita­li­en fest­ge­setzt wor­den. Die ita­lie­ni­sche Küs­ten­wa­che leg­te die »Aita Mari« wegen »Nor­men­ver­let­zung« an die Ket­te. (…) 06. Mai. (…) Die Migra­ti­on übers Mit­tel­meer sorgt in der Coro­na-Kri­se für Kon­flik­te um zwei deut­sche Schif­fe (…) Die Ree­de­rei Klin­gen­berg aus Schles­wig-Hol­stein warn­te am Mitt­woch vor einer mög­li­chen Eska­la­ti­on auf ihrem Con­tai­ner­schiff »MV Mari­na«, das vor Mal­ta bei einer Ret­tungs­ak­ti­on am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de Dut­zen­de Migran­ten an Bord genom­men hat­te. (…) Unter­des­sen setz­ten die ita­lie­ni­schen Behör­den das pri­va­te Schiff »Alan Kur­di« der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Sea-Eye aus Regens­burg im Hafen von Paler­mo nach einer tech­ni­schen Kon­trol­le fest. Die 146 Men­schen, die die »Alan Kur­di« vor Liby­en geret­tet hat­te, sind nach zwei­wö­chi­ger Coro­na-Qua­ran­tä­ne zwar an Land. Doch das Tau­zie­hen, in wel­che EU-Län­der sie kom­men, dau­ert an…” Bericht von Fabi­an Hil­le­brand bei neu­es Deutsch­land vom 7. Mai 2020 externer Link
    • Sie­he auch unser Dos­sier: Ita­lie­ni­sche Flücht­lings­po­li­tik
  • Völ­ker­recht über Bord: See­not­ret­ter for­dern euro­päi­sche Ret­tungs­ein­sät­ze im Mit­tel­meer 
    “Boots­flücht­lin­gen, die auf See auf­ge­grif­fen und nach Liby­en zurück­ge­bracht wer­den, dro­hen Lager­haft und unmensch­li­che Behand­lung. Daher drän­gen Hel­fer die EU, selbst Ret­tungs­diens­te zu star­ten, und dies nicht der liby­schen Küs­ten­wa­che zu über­las­sen. Die See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on „SOS Médi­ter­ra­née“ hat Deutsch­land und die EU auf­ge­ru­fen, die Zusam­men­ar­beit mit der liby­schen Küs­ten­wa­che im Mit­tel­meer zu been­den. Die EU lage­re mit der Aus­bil­dung und der Finan­zie­rung der Küs­ten­wa­che ihre Ver­ant­wor­tung und ihre Migra­ti­ons­kon­trol­le aus, sag­te die Vor­stands­vor­sit­zen­de Lau­ra Gor­riahn in Ber­lin. Doch die liby­sche Küs­ten­wa­che erfül­le ihre Ret­tungs­auf­ga­be nicht, da sie die Flücht­lin­ge nicht in Sicher­heit, son­dern nach Liby­en brin­ge. Das See­recht ver­pflich­te Anrai­ner­staa­ten dazu, einen ange­mes­se­nen Such- und Ret­tungs­dienst zu betrei­ben und die Ret­tung durch pri­va­te Schif­fe zu ermög­li­chen, erläu­ter­te die Pro­fes­so­rin für Inter­na­tio­na­les Öffent­li­ches Recht, Nora Markard. Zudem sei fest­ge­legt, dass die Geret­te­ten an einen siche­ren Ort zu brin­gen sei­en. „Aber Liby­en ist kein siche­rer Ort.“ Die Geret­te­ten erhiel­ten kei­ne ange­mes­se­ne Unter­brin­gung und Ver­sor­gung und sei­en nicht vor Gewalt, Ver­fol­gung und ernied­ri­gen­der Behand­lung geschützt, wie es das Recht vor­se­he. Euro­pa mache sich durch die Zusam­men­ar­beit mit der liby­schen Küs­ten­wa­che der Bei­hil­fe zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen schul­dig. Nach Anga­ben der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) sind in die­sem Jahr bereits 4.856 Flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer abge­fan­gen und nach Liby­en zurück­ge­bracht wor­den. Allein in der Woche vom 16. bis 22. Juni waren es 477 Men­schen. Im ver­gan­ge­nen Jahr zähl­te die UN-Orga­ni­sa­ti­on 9.225 Boots­flücht­lin­ge, die nach Liby­en zurück­ge­bracht wur­den. Nach IOM-Schät­zung hal­ten sich etwa 650.000 Migran­ten in dem ara­bi­schen Bür­ger­kriegs­land auf…” Bei­trag vom 25. Juni 2020 von und bei MIGAZIN externer Link, sie­he dazu auch:
    • Die EU soll sich küm­mern
      “… Die Vor­stands­vor­sit­zen­de von SOS Médi­ter­ra­née, Lau­ra Gor­riahn, sag­te am Diens­tag, eine ver­stärk­te See­not­ret­tung im Mit­tel­meer müs­se ein Schwer­punkt der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft wer­den. Deutsch­land über­nimmt am 1. Juli für ein hal­bes Jahr den rotie­ren­den Vor­sitz des Euro­päi­schen Rates in Brüs­sel. Zudem for­dert SOS Médi­ter­ra­née, dass die Bun­des­wehr sich nicht mehr an der Aus­bil­dung der liby­schen Küs­ten­wa­che betei­ligt, und die liby­sche Küs­ten­wa­che nicht mehr mit EU-Gel­dern finan­ziert wird. Die NGO stell­te am Diens­tag Aus­zü­ge aus dem Log­buch ihres Ret­tungs­schif­fes »Oce­an Viking« vor. Sie zei­gen, wie wider­wil­lig ver­schie­de­ne Akteu­re rund um die Flucht­rou­te Mit­tel­meer mit pri­va­ten Seenotretter*innen zusam­men­ar­bei­ten. Minu­ti­ös ist etwa auf­ge­schrie­ben, wie kom­pli­ziert im Janu­ar die­ses Jah­res die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen der NGO, der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Alarm Pho­ne, der ita­lie­ni­schen und mal­te­si­schen Ret­tungs­leit­stel­len und der EU-Mis­si­on EUNAVFOR Med Iri­ni abläuft. Laut dem Log­buch dau­ert es Stun­den, bis klar ist, dass die »Oce­an Viking« Men­schen an Bord neh­men darf. »Ret­tun­gen ver­zö­gern sich auf Kos­ten von Men­schen­le­ben«, sag­te Vere­na Pap­ke, Geschäfts­füh­re­rin von SOS Médi­ter­ra­née Deutsch­land. Nora Markard, Pro­fes­so­rin für Inter­na­tio­na­les Öffent­li­ches Recht in Müns­ter, erin­ner­te bei der Pres­se­kon­fe­renz an ver­schie­de­ne recht­li­che Kon­ven­tio­nen, die auf See gel­ten und die über­ein­stim­mend die Pflicht regeln, Men­schen in See­not zu ret­ten. Das gel­te für alle Schif­fe, pri­va­te oder gewerb­li­che, und alle Schiffs­ty­pen…” Bei­trag von Mari­on Ber­ger­mann bei neu­es Deutsch­land vom 23. Juni 2020 externer Link
  • Wei­te­re Frau­en und Kin­der tot: IOM ver­langt staat­li­che See­not­ret­tung im Mit­tel­meer 
    Seit Jah­res­be­ginn sind im Mit­tel­meer min­des­tens 157 Men­schen ums Leben gekom­men. Am Mitt­woch wur­den wei­te­re Tote gemel­det – dar­un­ter vie­le Frau­en und Kin­der. Die Dun­kel­zif­fer schätzt die IOM deut­lich höher. Sie ruft die EU auf, die See­not­ret­tung im Mit­tel­meer wie­der­auf­zu­neh­men. Die Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on hat die EU zur sofor­ti­gen Wider­auf­nah­me der See­not­ret­tung im Mit­tel­meer auf­ge­for­dert. Vie­le Boots­flücht­lin­ge befän­den sich in einer aus­sichts­lo­sen Lage und ihre Leben müss­ten geret­tet wer­den, sag­te IOM-Spre­che­rin Safa Mseh­li dem „Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst“ in Genf. Seit Beginn des Jah­res sei­en im zen­tra­len Mit­tel­meer min­des­tens 157 Men­schen auf hoher See ums Leben gekom­men. Die Dun­kel­zif­fer dürf­te wesent­lich höher lie­gen. „Wir müs­sen von Boots­un­glü­cken im Mit­tel­meer aus­ge­hen, von denen wir nichts mit­be­kom­men. Wir befürch­ten das Schlimms­te“, sag­te Mseh­li. „Wir haben nur sehr weni­ge Infor­ma­tio­nen über die Bewe­gun­gen der Boo­te mit Flücht­lin­gen und Migran­ten, die von Liby­en oder Tune­si­en in See ste­chen.“ Da die Anrai­ner­staa­ten und die EU die See­not­ret­tung ein­ge­stellt hät­ten und die Regie­run­gen die pri­va­te See­not­ret­tung stark behin­der­ten, sei­en Boots­flücht­lin­ge allein ihrem Schick­sal über­las­sen…” Arti­kel von Jan Dirk Her­ber­mann vom 12.06.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
  • Außer Sicht­wei­te: Auf dem Mit­tel­meer wird immer bru­ta­ler gegen Flücht­lin­ge vor­ge­gan­gen – Euro­pa schiebt Geflüch­te­te ille­gal in die Tür­kei zurück. Oder setzt sie auf auf­blas­ba­ren Platt­for­men im Meer aus
    “… An der Küs­te wiegt ein lee­res Schlauch­boot in den Wel­len, die sanft an den Kie­sel­strand anlan­den. Auf den Stei­nen liegt eine Was­ser­fla­sche und eine Ret­tungs­wes­te. Sie ist noch voll mit Luft, leuch­tend Oran­ge und so klein, dass sie nur einem Kind passt. Das Video, in dem die­se Sze­ne zu sehen ist, hat die deut­sche NGO Mare Liber­um ver­öf­fent­licht. Es soll bele­gen, dass Ende April an der Ost­küs­te der grie­chi­schen Insel Chi­os Men­schen anka­men, die kurz dar­auf wie­der ver­schwan­den. 194 Men­schen sei­en im März und April Opfer sol­cher »Push-backs« gewor­den. Men­schen, die bereits im euro­päi­schen Rechts­ge­biet waren, wer­den zurück nach Afri­ka und Asi­en gebracht. Das ist ille­gal, den Men­schen wird ihr Recht, Asyl zu bean­tra­gen, ver­wehrt. Der grie­chi­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vist Vas­si­lis Tsar­nas hat des­halb Straf­an­zei­gen gestellt. Aus den Flücht­lings­camps Dia­va­ta und Para­nes­ti sei­en immer wie­der Men­schen abge­scho­ben wor­den, berich­tet er. Die Poli­zei habe zum Teil völ­lig zufäl­li­ge Grup­pen aus dem Camp zusam­men­ge­pfercht und auf Boo­te in Rich­tung Tür­kei geschickt. (…) Die tür­ki­sche Küs­ten­wa­che behaup­tet, bereits mehr­mals Men­schen geret­tet zu haben, die vor­her aus Grie­chen­land abge­scho­ben wur­den. Auf einem Video, dass ein Mit­glied der tür­ki­schen Küs­ten­wa­che film­te, sieht man die Flücht­lin­ge auf oran­ge­nen Ret­tungs­in­seln auf dem Meer schwim­men. Das per­fi­de: Die Flö­ße sind nicht etwa zur Ret­tung der Men­schen ein­ge­setzt wor­den. Die grie­chi­schen Behör­den haben die­se Men­schen auf die auf­blas­ba­ren Inseln gesetzt und sie dann aufs offe­ne Meer gebracht. Das bestä­tigt auch ein Bericht von Just Secu­ri­ty, einem Online-Rechts­fo­rum, das mit der juris­ti­schen Fakul­tät der New York Uni­ver­si­ty ver­bun­den ist. Der Bericht doku­men­tier­te seit dem 23. März min­des­tens elf Fäl­le, in denen Asyl­su­chen­de von der tür­ki­schen Küs­ten­wa­che in »oran­ge­far­be­nen, zel­t­ar­ti­gen auf­blas­ba­ren Ret­tungs­flö­ßen ohne Moto­ren oder Treib­mit­tel, die nicht gesteu­ert wer­den kön­nen« gefun­den wur­den…” Bei­trag von Fabi­an Hil­le­brand bei neu­es Deutsch­land vom 8. Juni 2020 externer Link
  • Ster­ben im Mit­tel­meer: Euro­pas Rück­zug bei der See­not­ret­tung /​[Appell] 425 Men­schen auf Fähr­schif­fen fest­ge­setzt 
    • [Appell] 425 Men­schen auf Fähr­schif­fen fest­ge­setzt
      Unter dem Vor­wand der COVID-19-Pan­de­mie hal­ten die mal­te­si­schen Behör­den seit April bzw. Mai Hun­der­te Asyl­su­chen­de auf Pri­vat­schif­fen fest, die nor­ma­ler­wei­se für den Küs­ten­tou­ris­mus genutzt wer­den und vor den Hoheits­ge­wäs­sern des Lan­des lie­gen. Die Situa­ti­on an Bord wird immer uner­träg­li­cher, da die Schif­fe nicht für län­ge­re Auf­ent­hal­te aus­ge­legt sind. Die mal­te­si­schen Behör­den müs­sen die auf den Schif­fen will­kür­lich fest­ge­hal­te­nen Per­so­nen umge­hend in Mal­ta von Bord gehen las­sen und dafür sor­gen, dass sie Asyl­an­trä­ge stel­len und ange­mes­se­ne Auf­nah­me­leis­tun­gen in Anspruch neh­men kön­nen. Bit­te setzt euch für Asy­suchen­de vor Mal­ta ein!...” Appell vom 28. Mai 2020 von und bei amnas­ty inter­na­tio­nal externer Link bis zum 09.07.2020
    • Ster­ben im Mit­tel­meer: Euro­pas Rück­zug bei der See­not­ret­tung 
      “Georg Rest­le: „Wäh­rend sich ganz Euro­pa mit den Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie beschäf­tigt, spie­len sich vor den Toren des Kon­ti­nents Dra­men ab, die kaum noch jemand zur Kennt­nis nimmt – drau­ßen auf dem Mit­tel­meer. Dabei scheint es fast so, als benut­ze die Euro­päi­sche Uni­on die Coro­na-Kri­se als Vor­wand, um Flücht­lin­ge, die in See­not gera­ten, nicht mehr ret­ten zu müs­sen. Mit tra­gi­schen Fol­gen: Immer noch ertrin­ken und ver­durs­ten Men­schen auf dem Mit­tel­meer, weil ihnen jede Hil­fe ver­wei­gert wird. Men­schen, die Gesich­ter und Geschich­ten haben…” (…) Euro­päi­sche Staa­ten wie Mal­ta und Ita­li­en machen im April ihre Häfen dicht für Flücht­lin­ge. Begrün­dung: die Coro­na-Pan­de­mie. Des­we­gen for­der­te die Bun­des­re­gie­rung die Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen schon Anfang April schrift­lich auf: Zitat: „(…) der­zeit kei­ne Fahr­ten auf­zu­neh­men und bereits in See gegan­ge­ne Schif­fe zurück­zu­ru­fen (…).” Gor­den Isler, Vor­sit­zen­der Sea-Eye: „Das hät­te ich mir in den kühns­ten Träu­men nicht vor­stel­len kön­nen, dass man sowas mal von einem deut­schen Minis­te­ri­um bekommt, so eine Auf­for­de­rung, dass man die Ret­tung tat­säch­lich ein­stel­len soll. Und das in der glei­chen Zeit, wo auch die glei­chen Poli­ti­ker, der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter nicht müde wird, immer wie­der zu sagen, wie wich­tig es doch jetzt in die­ser Zeit gera­de ist, Frei­heits­ein­schrän­kun­gen hin­zu­neh­men und rück­sichts­voll zu sein in der Coro­na-Kri­se, um jedes Men­schen­le­ben zu schüt­zen. Das ist schon ein Aus­blick dar­auf, dass hier bewer­tet wird, wel­ches Men­schen­le­ben schüt­zens­wert ist und wel­ches Men­schen­le­ben eben nicht.“ (…) Georg Rest­le: „ (…) Es gibt eine neue Schät­zung der UN-Migra­ti­ons­be­hör­de, wonach seit 2014 mehr als 20.000 Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer umge­kom­men sind. Und nein, das sind kei­ne Opfer einer Natur­ka­ta­stro­phe, son­dern 20.000 Men­schen­le­ben, von denen man die aller­meis­ten hät­te ret­ten kön­nen, wenn man es poli­tisch nur gewollt hät­te.“ Bericht von Lara Straat­mann und Andre­as Maus WDR Moni­tor vom 28. Mai 2020 externer Link (Video­län­ge: ca. 7 Min.)
  • Rund 160 Flücht­lin­ge wei­ter auf Boo­ten trotz Qua­ran­tä­ne-Ende – Die Ver­ein­ten Natio­nen for­dern jetzt die Auf­nah­me der Men­schen 
    “… Die Ver­ein­ten Natio­nen for­dern von euro­päi­schen Län­dern die Auf­nah­me von rund 160 Migran­ten und Flücht­lin­gen auf zwei Schif­fen vor der Küs­te Mal­tas. Den fest­sit­zen­den Men­schen müs­se die siche­re Ein­rei­se gestat­tet wer­den, ver­lang­ten das Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR und die Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on am Don­ners­tag in Genf. Die Men­schen befin­den sich den Anga­ben zufol­ge seit zwei Wochen auf den Schif­fen und hät­ten somit die Stan­dard-Qua­ran­tä­ne­zeit für mög­li­che Coro­na-Erkran­kun­gen hin­ter sich gebracht. Es sei inak­zep­ta­bel, die Men­schen län­ger als nötig und unter schwe­ren Bedin­gun­gen an Bord der Schif­fe zu belas­sen…” Mel­dung vom 21. Mai 2020 bei MiGA­ZIN externer Link
  • Noch im Bericht vom 11. Mai 2020 bei MiGA­ZINexterner Link: “… Der­weil haben fünf Tage nach ihrer Ret­tung 79 geret­te­te Boots­flücht­lin­ge an Bord des Frach­ters „Mari­na St. Johns“ in Sizi­li­en an Land gehen dür­fen. (…) Wei­te­re Flücht­lin­ge müs­sen nach Anga­ben von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen dage­gen noch auf Schif­fen im Mit­tel­meer aus­har­ren. Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on SOS Medi­ter­ra­née teil­te mit, dass sich wei­ter­hin 162 geret­te­te Boots­flücht­lin­ge auf mal­te­si­schen Schif­fen auf See befän­den. In inter­na­tio­na­len Gewäs­sern außer­halb des mal­te­si­schen Hoheits­ge­biets war­te­ten seit dem 30. April 57 Migran­ten auf der „Euro­pa II“ auf die Zuwei­sung eines siche­ren Hafens. Wei­te­re 105 Men­schen sei­en seit ihrer Ret­tung am Mitt­woch auf der „Baha­ri“ außer­halb mal­te­si­scher Gewäs­ser…”

Der Bei­trag UN ver­ur­teilt Zurück­drän­gen von Flücht­lings­boo­ten und Aus­set­zung der See­not­ret­tung erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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