[LCM:] Nawalny, Guaidó, Áñez: Die Demokraten des Westens

Wir alle lie­ben Demo­kra­ten. Aber wer ist denn eigent­lich einer? Nel­son Man­de­la galt wie heu­te Abdul­lah Öca­lan im all­zu frei­en Wes­ten lan­ge Zeit als „Ter­ro­rist“, wäh­rend wahl­wei­se ukrai­ni­schen Neo­na­zis, latein­ame­ri­ka­ni­schen Todes­schwa­dro­nen oder diver­sen Isla­mis­ten im Mitt­le­ren Osten ohne Beden­ken das Demo­kra­tie-Sie­gel ange­hef­tet wur­de.

Wer für die impe­ria­lis­ti­schen Staa­ten und ihre media­len Bericht­erstat­ter „Demo­krat“ ist und wer nicht, hat sehr wenig mit Demo­kra­tie zu tun. Und so bekom­men wir es der­zeit mit einer Rei­he ganz spe­zi­el­ler Heils­ge­stal­ten zu tun, von denen wir Tag um Tag ler­nen, wie hel­den­haft sie für Demo­kra­tie, gegen Kor­rup­ti­on und für das Men­schen­recht rin­gen.

Da ist ein­mal Ale­xei Nawal­ny, der nun mut­maß­lich ver­gif­te­te Kreml-Kri­ti­ker, des­sen Live-Gesund­heits­up­dates ver­mischt mit Sto­ries über den blut­rüns­ti­gen russ­si­chen Zaren Putin von Tages­schau bis Bild im Minu­ten­takt ins Netz geknallt wer­den. Bei so viel Mut, wen küm­mert es, dass Nawal­ny ein stram­mer Natio­na­list ist, der an Auf­mär­schen von Neo­na­zis teil­nahm und für sei­ne frü­he­re Par­tei NAROD Pro­pa­gan­da­vi­de­os dreh­te, in denen die Abschie­bung von Migrant*innen als Zie­hen von fau­len Zäh­nen dar­ge­stellt wur­de? Nun, was soll´s, dass er Geflüch­te­te als Kaker­la­ken bezeich­ne­te, weil für die gilt ja Demo­kra­tie auch im Wes­ten nicht.

Man darf nicht wäh­le­risch sein, wenn es um die Demo­kra­tie geht. Und so ist der vene­zo­la­ni­sche Nawal­ny auch direkt demo­kra­ti­scher Prä­si­dent sei­nes Lan­des gewor­den, ohne jemals demo­kra­tisch gewählt gewor­den zu sein: Juan Guai­dó. Aner­kannt als Inte­rims­prä­si­dent durch zahl­rei­che Natio­nen, auch Deutsch­land, wur­de er zwar nie gewählt, hat aber dafür ver­sucht, sei­nen Geg­ner Madu­ro durch ein ange­heu­er­tes US-Söld­ner­un­ter­neh­men aus dem Amt zu put­schen. Was tut man nicht alles für die Demo­kra­tie! In die Que­re kamen dem Plan nur eine Grup­pe von vene­zo­la­ni­schen Fischern und dann die Armee. Doch auch die dilet­tan­ti­sche Staats­streich­in­sze­nie­rung brach­te stram­me Demo­kra­ten wie Hei­ko Maas nicht ab von ihrem Demo­kra­ten­freund Guai­dó.

Erfolg­rei­cher waren die Demo­kra­ten indes in Boli­vi­en. Dort putsch­te im Novem­ber eine Koali­ti­on aus Mili­tärs, Poli­zei und rech­ten Eli­ten gegen den indi­ge­nen Sozia­lis­ten Evo Mora­les. Im Wes­ten jubel­te man, unter­stell­te Mora­les – mitt­ler­wei­le klar erfun­den – Wahl­be­trug. Seit die Demo­kra­tie in Boli­vi­en end­lich wie­der regiert, gibt es aber auch kei­nen Wahl­be­trug mehr. Denn es gibt kei­ne Wah­len mehr. Die wer­den von der „Inte­rims­re­gie­rung“ der Demo­kra­tin Jea­ni­ne Áñez wie­der und wie­der ver­scho­ben, denn Umfra­gen zei­gen kla­re Mehr­hei­ten für Mora­les´ Par­tei MAS. Um die­se Demo­kra­tie zu erhal­ten, muss dann eben auch gele­gent­lich auf Arbeiter*innen und Indi­ge­ne geschos­sen wer­den, die die west­li­che Demo­kra­tie noch nicht ganz ver­in­ner­licht haben.

Wer im Wes­ten als Demo­krat gilt, folgt einer ein­fa­chen Regel: Wer nützt dem west­li­chen Impe­ria­lis­mus. Und so hei­ßen die Regimes der Faschis­ten Orban, Trump und Bol­so­na­ro wei­ter­hin „Regie­run­gen“ und nicht „Regimes“, basis­de­mo­kra­ti­sche Bewe­gun­gen wie die Arbei­ter­par­tei Kur­di­stans, die kolum­bia­ni­sche Gue­ril­la ELN oder die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei der Phil­ip­pi­nen sind wei­ter­hin „Ter­ro­ris­ten“ und Áñez, Nawal­ny und Guai­dó lau­fen in Radio, Print und Inter­net als Segens­brin­ger der Völ­ker.

Titel­bild: wikimedia.commons

Der Bei­trag Nawal­ny, Guai­dó, Áñez: Die Demo­kra­ten des Wes­tens erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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