[perspektive:] Hanau ist überall – Erinnerung! Gerechtigkeit! Aufklärung! Konsequenzen!

Viel zu kurzfristig, als dass die Initiative 19. Februar rechtliche Schritte gehen könnte, hatte der Hanauer Oberbürgermeister die Demonstration „Sechs Monate nach Hanau“ verboten. In mehr rund 32 Städten wurde spontanes Gedenken und Protest organisiert, die Reden der Angehörigen wurden per Livestream übertragen.

Statt Tau­sen­der, die die Stra­ßen in Kes­sel­stadt fül­len, stan­den sym­bo­lisch 249 Zuhö­re­rIn­nen vor der Büh­ne in Hanau. Sie hör­ten Rede­bei­trä­ge der Fami­li­en und Freun­dIn­nen von Fer­hat Unvar, Gök­han Gül­te­kin, Ham­sa Kur­to­vić, Said Nesar Has­h­e­mi, Mer­ce­des Kier­pacz, Sedat Gür­büz, Kaloy­an Vel­kov, Fatih Saraçoğlu und Vili Vio­rel Păun zu.

Dabei stan­den sie sym­bo­lisch für Tau­sen­de, die zu spon­ta­nen Kund­ge­bun­gen in der gan­zen Bun­des­re­pu­blik gekom­men waren. An min­des­tens 50 Orten wur­de der Live­stream gemein­sam gese­hen. Neben bewe­gen­den Erin­ne­run­gen an die Ermor­de­ten teil­ten Freun­dIn­nen und Ange­hö­ri­ge auch ihre Gefüh­le und For­de­run­gen.

Immer wie­der rief die Mode­ra­ti­on gemein­sam mit Unzäh­li­gen in ganz Deutsch­land: „Wir for­dern ange­mes­se­ne Erin­ne­rung! Sozia­le Gerech­tig­keit! Lücken­lo­se Auf­klä­rung! Poli­ti­sche Kon­se­quen­zen!“.

Ganz kla­re Wor­te fand auch Sercan, ein Freund von Fer­hat, Göh­kan, Ham­za, Mer­ce­des und Sahid Nesar. Er hat­te an dem Abend, an dem der Rechts­ter­ro­rist sei­nen Freun­den das Leben nahm Schüs­se gehört und war zum Tat­ort gelau­fen, er berich­te­te immer noch trau­ma­ti­siert zu sein von dem, was er dort gese­hen hat. „Deutsch­land gilt als siche­res Land, aber für wen gilt die­se Sicher­heit? Nur für Hans und Marie, oder für uns alle? Es kotzt mich an, dass Leu­te wegen ihrer Her­kunft oder ihrer Reli­gi­on umge­bracht wer­den, wie hier in Hanau! Wir brau­chen kein AfD, wir brau­chen kei­ne brau­nen Nazis, wir brau­chen Viel­falt!“

„Meine Familie Hanau“

Zum Ende der Kund­ge­bung in Hanau kamen auch eini­ge Ange­hö­ri­ge und Über­le­ben­de ver­gan­ge­ner Anschlä­ge zu Wort. Unter ihnen auch Faruk Ars­lan, der einen Teil sei­ner Fami­lie beim Brand­an­schlag in Mölln, 1992, ver­lor. Immer wie­der spricht er aber von einer ande­ren Fami­lie, die er seit­dem ken­nen lern­te: „Mei­ne Fami­lie Hanau!“.

Er griff auf, was schon vie­le vor ihm for­der­ten: Hanau darf nicht eine wei­te­re Sta­ti­on des rech­ten Ter­rors in der deut­schen Geschich­te sein. Hanau soll die End­sta­ti­on sein!

Der Bei­trag Hanau ist über­all – Erin­ne­rung! Gerech­tig­keit! Auf­klä­rung! Kon­se­quen­zen! erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

Read More