[labournet:] Hierarchie der Not. Wer unten steht, leidet mehr: Die Corona-Krise verdeutlicht und verschärft die soziale Ungleichheit

Dossier

Coronavirus, die Hetze und der Ausnahmezustand: China im Shitstorm“Es geht jetzt auch um die gesell­schaft­li­chen Abwehr­kräf­te. Mit jeder Ver­schär­fung der Aus­gangs­re­geln, die die Poli­tik in die­sen Tagen beschließt, wird eine Zahl immer wich­ti­ger, die mit dar­über ent­schei­det, wie schwer es für jeden Ein­zel­nen wird: Die Qua­drat­me­ter­zahl. Je grö­ßer die eige­ne Woh­nung, des­to eher lässt es sich dort auf Dau­er aus­hal­ten. (…) Die Schwä­che­ren tra­gen die grö­ße­re Last und das grö­ße­re Risi­ko. Das gilt für bei­de Bevöl­ke­rungs­tei­le: für jene, die nicht mehr nor­mal arbei­ten kön­nen, und für jene, die jetzt erst recht arbei­ten müs­sen. Je weni­ger die unglei­che Ver­tei­lung des Leids abge­fe­dert wird durch Poli­tik und pri­va­te Soli­da­ri­tät und je län­ger die Aus­nah­me­zu­stands dau­ert des­to eher kann dar­aus gesell­schaft­li­cher Spreng­stoff wer­den. (…) Selbst bei den Kurz­ar­bei­tern gibt es Unter­schie­de: Wer bei VW oder BMW beschäf­tigt ist, wo man eh schon bes­ser ver­dient, bekommt bis zu 90 Pro­zent des Lohns, weil die IG Metall auf­stockt. Ande­re in Unter­neh­men ohne Tarif­bin­dung bekom­men nur 60 bis 67 Pro­zent. (…) Ungleich sind auch die Vor­aus­set­zun­gen für die Schü­ler. E‑Learning geht leich­ter, wenn man Tablet, Com­pu­ter und am bes­ten noch Eltern hat, die bei den Auf­ga­ben hel­fen kön­nen. Aber was ist bei­spiels­wei­se mit jenen, die sich nicht mit ihren Eltern aufs Abitur vor­be­rei­ten kön­nen, die dafür in Biblio­the­ken oder zu Mit­schü­lern gehen wür­den? Sie sind nun abge­schnit­ten…” Arti­kel von Lenz Jacob­sen und Par­vin Sadigh vom 21. März 2020 in der Zeit online externer Link. Sie­he dazu:

  • [DGB] Ungleich­heit: Super­rei­che an Coro­na-Kos­ten betei­li­gen New
    “Die wirt­schaft­li­chen und sozia­len Fol­gen der Coro­na-Kri­se sind immens. Doch sie tref­fen kei­nes­wegs alle gleich: Wäh­rend vie­le um ihren Arbeits­platz ban­gen oder in Kurz­ar­beit mit viel weni­ger Geld über die Run­den kom­men müs­sen, leben ande­re nach wie vor in gro­ßem Reich­tum. (…) Fakt ist: Die Kluft zwi­schen arm und reich ist sehr groß. Hier­zu­lan­de wur­den der Nied­rig­lohn­sek­tor und pre­kä­re Beschäf­ti­gung jahr­zehn­te­lang geför­dert. Die Zahl der Beschäf­tig­ten, die durch Tarif­ver­trä­ge geschützt sind, sank. Die zahl­rei­chen Steu­er­ge­schen­ke für Rei­che zu Anfang des Jahr­tau­sends för­der­ten die Ungleich­heit. Zudem ent­zo­gen sie den Staats­kas­sen Mit­tel, die zur Bewäl­ti­gung der aktu­el­len Kri­se drin­gend nötig wären. (…) Es braucht daher einen steu­er­po­li­ti­schen Kurs­wech­sel, eine Wie­der­erhe­bung der Ver­mö­gens­steu­er, eine effek­ti­ve Erb­schafts­steu­er sowie eine höhe­re Besteue­rung von Spit­zen­ein­kom­men und eine ent­spre­chen­de Ent­las­tung der mitt­le­ren und klei­ne­ren Ein­kom­men. Auch muss die Tarif­bin­dung flä­chen­de­ckend erhöht wer­den. Hier muss die Poli­tik die Wei­chen stel­len. Umver­tei­lung ist nicht nur aus Gerech­tig­keits­aspek­ten sinn­voll, son­dern Gebot der öko­no­mi­schen Ver­nunft. Denn der Staat hat rich­ti­ger­wei­se viel Geld in die Hand genom­men, um die Coro­na-Kri­se zu bekämp­fen. Super-Rei­che müs­sen viel stär­ker an die­sen Kos­ten betei­ligt wer­den. Nur so lässt sich die Jahr­hun­dert-Her­aus­for­de­rung „Coro­na“ meis­tern.” DGB-Klar­text 27/​2020 vom 19. August 2020 externer Link
  • [HBS-Umfra­ge] Coro­na-Kri­se: 26 Pro­zent der Erwerbs­tä­ti­gen haben bereits Ein­kom­mens­ein­bu­ßen erlit­ten, sozia­le Ungleich­heit ver­schärft sich 
    “Die Coro­na-Kri­se in Deutsch­land ver­schärft auch nach der weit­ge­hen­den Locke­rung der Kon­takt­be­schrän­kun­gen bestehen­de Ungleich­hei­ten bei Ein­kom­men und beruf­li­chen Mög­lich­kei­ten. Erwerbs­tä­ti­ge mit ohne­hin schon nied­ri­ge­ren Ein­kom­men haben deut­lich mehr unter nega­ti­ven wirt­schaft­li­chen Fol­gen zu lei­den als Men­schen mit höhe­ren Ein­kom­men. Sie haben bei­spiels­wei­se wäh­rend der Pan­de­mie spür­bar häu­fi­ger schon an Ein­kom­men ein­ge­büßt, bei Kurz­ar­beit erhal­ten sie deut­lich sel­te­ner eine Auf­sto­ckung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des, und sie fürch­ten etwa dop­pelt so häu­fig, als Fol­ge der Pan­de­mie ihren Arbeits­platz zu ver­lie­ren. Das zei­gen ers­te Ergeb­nis­se einer neu­en Online-Befra­gung, für die im Auf­trag der Hans-Böck­ler-Stif­tung zwi­schen Mit­te und Ende Juni 6.309 Erwerbs­tä­ti­ge inter­viewt wor­den sind. Müt­ter über­neh­men wei­ter­hin deut­lich häu­fi­ger als Väter den Haupt­teil der anfal­len­den Betreu­ungs­ar­beit. Der Anteil der Män­ner scheint im Ver­gleich zu einer Vor­gän­ger­be­fra­gung vom April sogar leicht rück­läu­fig zu sein. Der Abstand zwi­schen den durch­schnitt­li­chen Arbeits­zei­ten von Vätern und Müt­tern ist wei­ter­hin deut­lich grö­ßer als vor Beginn der Kri­se. Gene­rell bes­se­re Per­spek­ti­ven in der Kri­se haben Beschäf­tig­te in Unter­neh­men mit Tarif­ver­trag und/​oder Mit­be­stim­mung: So erhal­ten bei­spiels­wei­se im Fall von Kurz­ar­beit 54 Pro­zent der Befrag­ten mit Tarif­ver­trag eine Auf­sto­ckung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des, wäh­rend es ohne Tarif­ver­trag nur 31 Pro­zent sind. In Betrie­ben mit Betriebs­rat exis­tie­ren deut­lich häu­fi­ger fes­te Regeln für das Home­of­fice als in Betrie­ben ohne Mit­be­stim­mung. Gibt es eine sol­che Ver­ein­ba­rung, emp­fin­den Befrag­te die Arbeits­si­tua­ti­on im Home­of­fice als weni­ger belas­tend. Zudem fin­den in Betrie­ben mit Betriebs­rat in allen Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen häu­fi­ger Wei­ter­bil­dun­gen der Beschäf­tig­ten statt. Schaut man auf alle Befrag­ten, ist der Anteil der­je­ni­gen, die bereits Ein­kom­mens­ein­bu­ßen erlit­ten haben, zwi­schen April und Juni von 20 auf 26 Pro­zent gestie­gen. Dage­gen ist die Quo­te der Men­schen, die sich Sor­gen um ihre wirt­schaft­li­che Zukunft oder ihren Job machen, etwas zurück­ge­gan­gen. Erfol­ge bei der Ein­däm­mung der Epi­de­mie in Deutsch­land und die Anti-Kri­sen­po­li­tik von Bund und Län­dern wer­den also offen­sicht­lich posi­tiv wahr­ge­nom­men. Nach wie vor sind ins­ge­samt rund zwei Drit­tel der Befrag­ten eher oder voll zufrie­den mit dem Kri­sen­ma­nage­ment, aller­dings sind auch hier die Unter­schie­de erheb­lich. Die Zustim­mungs­wer­te stei­gen mit dem Ein­kom­men und lie­gen zwi­schen 46 Pro­zent bei Erwerbs­tä­ti­gen mit einem monat­li­chen Haus­halts­net­to­ein­kom­men unter 1500 Euro und 72 Pro­zent bei einem Haus­halts­net­to über 3200 Euro. Zudem kön­nen sich 39 Pro­zent aller Befrag­ten auch vor­stel­len, dass die Pan­de­mie „benutzt wird, um die Inter­es­sen von Rei­chen und Mäch­ti­gen durch­zu­set­zen.“ Die­ser Ver­dacht ist unter Men­schen mit nied­ri­gen Ein­kom­men eben­falls über­durch­schnitt­lich ver­brei­tet: Hier stim­men 50 Pro­zent zu…” Mit­tei­lung des Pres­se­diens­tes der Hans-Böck­ler-Stif­tung vom 10. Juli 2020 externer Link
  • Wie die Pan­de­mie die Ungleich­heit ver­schärft: Aty­pi­sche Beschäf­ti­gung und die Covid-19-Kri­se 
    “… Die Covid-19-Kri­se hat vie­le Regie­run­gen dazu ver­an­lasst, bei­spiel­lo­se Mass­nah­men zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie zu ergrei­fen, was zu einem vor­über­ge­hen­den Still­stand wei­ter Tei­le der Wirt­schaft geführt hat. Die am stärks­ten betrof­fe­nen Sek­to­ren sind in ers­ter Linie der Dienst­leis­tungs­sek­tor (z.B. Tou­ris­mus), Berei­che, in denen es zu direk­tem Kon­tak­ten zwi­schen Kun­dIn­nen und Dienst­leis­tungs­an­bie­te­rIn­nen kommt (z.B. Gas­tro­no­mie und Unter­hal­tungs­bran­che), sowie der Bau­sek­tor. Mit der mög­li­chen Aus­nah­me des Bau­ge­wer­bes han­delt es sich dabei um Bran­chen, in denen die wirt­schaft­li­che Akti­vi­tät vor­aus­sicht­lich noch eini­ge Zeit beein­träch­tigt blei­ben wird, auch wenn sich die Volks­wirt­schaf­ten lang­sam von den weit ver­brei­te­ten Still­le­gun­gen erho­len. Der Schutz der Arbeit­neh­me­rIn­nen in den betrof­fe­nen Sek­to­ren, ins­be­son­de­re der­je­ni­gen, die am stärks­ten von Ein­kom­mens­ver­lus­ten betrof­fen sind, und die nur begrenzt sozi­al abge­si­chert sind, wäre ein wich­ti­ger Schritt zur Ver­mei­dung zuneh­men­der nega­ti­ver Ver­tei­lungs­ef­fek­te infol­ge der Covid-19-Kri­se. Dies ist umso wich­ti­ger vor dem Hin­ter­grund, dass der Wan­del der moder­nen Arbeits­welt mit einer all­mäh­li­chen Zunah­me neu­er, nicht dem Stan­dard ent­spre­chen­der Beschäf­ti­gungs­for­men ein­her­geht. Die­se Ent­wick­lung stellt die Fähig­keit der der­zei­ti­gen sozia­len Siche­rungs­sys­te­me in Fra­ge, die­je­ni­gen zu errei­chen, wel­che wahr­schein­lich am stärks­ten auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind. Eine neue Unter­su­chung der OECD- lie­fert Schät­zun­gen des Anteils der aty­pi­schen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se, die beson­ders anfäl­lig für Ein­kom­mens- oder Arbeits­platz­ver­lus­te infol­ge von Stö­run­gen des Arbeits­mark­tes durch Covid-19 sind. Dabei wird erör­tert, wel­che poli­ti­schen Mass­nah­men die Regie­run­gen bis­her ergrif­fen haben sowie was dar­über hin­aus getan wer­den soll­te, um gefähr­de­te Beschäf­tig­te zu unter­stüt­zen und eine inte­gra­ti­ve Erho­lung des Arbeits­mark­tes zu för­dern sowie was dar­über hin­aus getan wer­den soll­te (z.B. Sta­bi­le et al. 2020, Din­gel und Nei­man 2020). Im Rah­men die­ser Ana­ly­se zäh­len zu aty­pi­schen Beschäf­tig­ten Teil­zeit­be­schäf­tig­te, Selb­stän­di­ge und Arbeit­neh­me­rIn­nen mit befris­te­ten Ver­trä­gen. Um es vor­weg­zu­neh­men: Im Durch­schnitt der OECD-Län­der machen Bran­chen, die Schät­zun­gen zufol­ge am stärks­ten von den Covid-19-Ein­däm­mungs­mass­nah­men betrof­fen sind, rund 40% der Gesamt­be­schäf­ti­gung aus. (…) Vie­le OECD-Län­der haben die Kranken‑, Gesund­heits- und Arbeits­lo­sen­un­ter­stüt­zung vor­über­ge­hend auf aty­pi­sche Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se aus­ge­wei­tet. Es soll­te in Erwä­gung gezo­gen wer­den, nach der Kri­se dau­er­haf­te­re Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­te­me für die­se Beschäf­tig­ten ein­zu­füh­ren, wel­che die Ver­si­cher­ten über ver­schie­de­ne Arten von Arbeits­ver­hält­nis­sen hin­weg beglei­tet. Ein gleich­be­rech­tig­ter Zugang zu sozia­lem Schutz für ver­schie­de­ne Kate­go­rien von Beschäf­tig­ten wür­de die Arbeits­platz­qua­li­tät erhö­hen und zur Ver­rin­ge­rung der Ungleich­hei­ten auf dem Arbeits­markt bei­tra­gen. Refor­men in die­sem Bereich wür­den eben­so zu Effi­zi­enz- und Gerech­tig­keits­ge­win­nen füh­ren.” Bei­trag von Orset­ta Cau­sa und Maria Chia­ra Caval­le­ri vom 7. Juli 2020 bei der Ökonomenstimme.org externer Link
  • Klas­se Virus – Wäh­rend in Fleisch­fa­bri­ken Hun­der­te erkran­ken, blei­ben Pri­vi­le­gier­te in Frei­bä­dern unter sich: Coro­na legt Milieu­gren­zen bru­tal offen 
    “… Wer ins Frei­bad will, muss sich das Ticket jetzt Tage vor­her kau­fen – online. Mit Kre­dit­kar­te, oder per Paypal. Das Prin­zen­bad in Ber­lin-Kreuz­berg galt immer als Treff­punkt aller Milieus. Jetzt nicht mehr. Jetzt schwim­men hier an einem Som­mer­tag nur noch: wei­ße Kör­per. Coro­nafrei. Dabei kam das Virus in Deutsch­land ein­mal genau über die­se Ein­falls­tür. Es befiel wei­ße Aka­de­mi­ker­kör­per, die im Febru­ar natür­lich nicht schwam­men, son­dern Ski fuh­ren, in Ischgl. Jetzt voll­zieht Coro­na eine Klas­sen­wan­de­rung. Wenn der R‑Wert in Deutsch­land über zwei liegt, dann löst das nur des­halb kei­ne Panik aus, weil der Infek­ti­ons­aus­bruch stark begrenzt ist. Auf einen Häu­ser­block in Ber­lin-Neu­kölln, zwei Häu­ser in Göt­tin­gen, die Mit­ar­bei­ter von Tön­nies. Noch rele­van­ter als die loka­le Begren­zung scheint die sozia­le. Die Trä­ger des Virus haben der­art wenig Kon­takt zu ande­ren Milieus, dass die­se sich kaum vor einer Anste­ckung sor­gen müs­sen. (…) Bru­ta­li­tät an pre­kä­ren Kör­pern ist kei­ne Erfin­dung der Pan­de­mie. Im Gegen­teil: Weil ins­be­son­de­re das viel rei­sen­de bür­ger­li­che Milieu als ers­tes von dem Virus betrof­fen war, ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit Opfern von Covid-19 hoch. Noch. Denn die Spra­che ver­schiebt sich. Von Fami­li­en­fei­ern zum Ende des Rama­dan ist die Rede, von Wochen­end­aus­flü­gen nach Rumä­ni­en. Alles Begrif­fe, die eines anzei­gen sol­len: Es sind die ande­ren, die sich anste­cken, weil sie anders sind. Weil sie Rumä­nen sind, hal­ten sie sich nicht an Regeln. Weil sie Mus­li­me sind, leben sie in Groß­fa­mi­li­en eng zusam­men. Die­se Form der Kul­tu­ra­li­sie­rung der Anste­ckungs­we­ge ist für die ver­ant­wort­li­che Poli­tik gemüt­lich, denn was, wenn es gar nicht an den Men­schen läge? Son­dern an ihren Wohn‑, Lebens‑, und Arbeits­ver­hält­nis­sen? Was, wenn Poli­tik es ändern könn­te, dass Fleisch­ar­bei­ter tau­send­fach krank wer­den, dass Hartz-IV-Bezie­hen­de frü­her ster­ben? Wenn Poli­tik für Leben und Tod der Bevöl­ke­rung ver­ant­wort­lich wäre? Was, wenn die Kör­per von Tön­nies-Arbei­tern eben­so betrau­er­bar wer­den wie jene von Ischgl-Ski­fah­ren­den? Doch das sind sie nicht. Sie sind die ande­ren…” Arti­kel von Elsa Koes­ter vom 26. Juni 2020 bei ‘Der Frei­tag’ Aus­ga­be 26/​2020 externer Link
  • Ein Virus spal­tet die Gesell­schaft 
    Die Coro­na-Pan­de­mie trifft arme und benach­tei­lig­te Men­schen beson­ders hart: Sie haben ein höhe­res Risi­ko, schwer zu erkran­ken – und sie lei­den stär­ker unter den Fol­gen der Kri­se. (…) Nun aber wird immer deut­li­cher sicht­bar, dass die Kri­se sehr wohl eine sozia­le Dimen­si­on hat. Beson­ders ein­drucks­voll zei­gen das die jüngs­ten gro­ßen Aus­brü­che. Die Tön­nies-Fleisch­fa­brik in Güters­loh, die Wohn­blö­cke in Ber­lin-Neu­kölln: Hot­spots ent­ste­hen dort, wo Men­schen unter schwie­ri­gen Bedin­gun­gen woh­nen und arbei­ten. Wo gro­ße Fami­li­en in klei­nen Woh­nun­gen leben, wo Schlacht­hof­ar­bei­ter zu nah neben­ein­an­der am Zer­le­ge­band ste­hen und in Grup­pen­un­ter­künf­ten schla­fen. Hin­zu kommt die enge, feuch­te und küh­le Umge­bung im Schlacht­hof, die das Risi­ko einer Anste­ckung mög­li­cher­wei­se erhöht. Neu ist all das natür­lich nicht. Es ist bekannt, dass Men­schen mit gerin­gem sozio-öko­no­mi­schen Sta­tus stär­ker und häu­fi­ger erkran­ken. (…) Für Deutsch­land lie­fern ers­te Unter­su­chun­gen deut­li­che Hin­wei­se, dass auch hier­zu­lan­de die Gesund­heit armer Men­schen unter der Pan­de­mie beson­ders lei­det. (…) Um die gesell­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie metho­disch zu unter­su­chen, hat sich das Kom­pe­tenz­netz Public Health zu Covid-19 gegrün­det, ein Zusam­men­schluss von mehr als 1000 Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern. In einer ers­ten Stel­lung­nah­me schrei­ben sie, es sei davon aus­zu­ge­hen, dass sozio­öko­no­misch benach­tei­lig­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen häu­fi­ger mit dem Virus in Kon­takt kämen, häu­fi­ger schwer erkrank­ten und dass sie ver­stärkt unter dem Infek­ti­ons­schutz lit­ten – etwa durch Arbeits­lo­sig­keit, Iso­la­ti­on oder feh­len­de Bil­dungs­mög­lich­kei­ten…” Arti­kel von Felix Hüt­ten, Mün­chen, und Hen­ri­ke Roß­bach, Ber­lin, vom 20. Juni 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • [“Risi­ko­fak­tor Arbeits­lo­sig­keit”] Wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se: Coro­na trifft sozi­al Benach­tei­lig­te här­ter 
    “Sozi­al benach­tei­lig­te Men­schen haben ein deut­lich höhe­res Risi­ko, wegen Covid-19 ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert zu wer­den. Das zeigt eine Ana­ly­se der Uni­kli­nik Düs­sel­dorf und der Kran­ken­kas­se AOK, die das ARD-Mit­tags­ma­ga­zin initi­iert hat. (…) Seit eini­gen Wochen kom­men immer weni­ger Ver­dachts­fäl­le ins Kli­ni­kum nach Darm­stadt. Und die, die kom­men, sind viel­fach ande­re Pati­en­ten als frü­her, sagt [Ober­arzt Cihan] Celik. Zu Beginn der Pan­de­mie sei die Zusam­men­set­zung der Pati­en­ten für eine Lun­gen­sta­ti­on sehr unty­pisch gewe­sen: Stu­den­ten, Geschäfts­rei­sen­de oder Urlaubs­rück­keh­rer. Doch das habe sich ver­än­dert. Die Pati­en­ten kom­men zuneh­mend aus ein­kom­mens­schwa­chen Ver­hält­nis­sen. Schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen, nied­ri­ge Löh­ne, wenig Platz zum Woh­nen. All das erhö­he das Infek­ti­ons­ri­si­ko, sagt Celik. (…) Eine gemein­sa­me Ana­ly­se des Insti­tuts für Medi­zi­ni­sche Sozio­lo­gie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Düs­sel­dorf und der AOK Rheinland/​Hamburg belegt nun: Bei sozi­al benach­tei­lig­ten Men­schen ist das Risi­ko, auf­grund von Covid-19 ins Kran­ken­haus zu kom­men, deut­lich erhöht. Dem­nach liegt das Risi­ko für ALG-II-Emp­fän­ger im Ver­gleich zu erwerbs­tä­tig Ver­si­cher­ten um 84,1 Pro­zent höher, für ALG-I-Emp­fän­ger um 17,5 Pro­zent. Für die Ana­ly­se haben die For­schen­den die Daten von knapp 1,3 Mil­lio­nen Ver­si­cher­ten dar­auf­hin unter­sucht, ob Men­schen in Arbeits­lo­sig­keit (ALG I und ALG II) häu­fi­ger mit einer Coro­na-Infek­ti­on in einem Kran­ken­haus behan­delt wer­den muss­ten als erwerbs­tä­ti­ge Ver­si­cher­te (Unter­su­chungs­zeit­raum 01. Janu­ar bis 04. Juni 2020). (…) For­scher Dra­ga­no von der Uni­kli­nik Düs­sel­dorf kri­ti­siert dage­gen, das erhöh­te Risi­ko sei bis­her nicht aus­rei­chend beach­tet wor­den. Um sozi­al benach­tei­lig­te Men­schen gezielt vor dem erhöh­ten Risi­ko zu schüt­zen, for­dert er ein umfas­sen­des Kon­zept, das neben dem Gesund­heits­sys­tem auch die Sozi­al- und Bil­dungs­po­li­tik mit ein­schließt. (…) Für Celik besteht auch ein ein­deu­ti­ger Zusam­men­hang zwi­schen Infek­ti­ons­ge­fahr und sozia­lem Sta­tus: “Ange­fan­gen bei der Art der Arbeit, die man macht, ob man stär­ker expo­niert ist, ob man etwa kein Home­of­fice machen konn­te, son­dern wei­ter an der Super­markt­kas­se oder im öffent­li­chen Nah­ver­kehr arbei­ten muss­te. Das betrifft natür­lich eher nied­rig bezahl­te Jobs stär­ker”, sagt der Ober­arzt.” Bericht von Ste­fa­nie Delfs und Kaveh Koo­ro­s­hy vom 15. Juni 2020 beim ARD-Mit­tags­ma­ga­zin externer Link und die Pres­se­mit­tei­lung des Insti­tuts für Medi­zi­ni­sche Sozio­lo­gie der Uni­kli­nik Düs­sel­dorf externer Link zur Stu­die “Risi­ko­fak­tor Arbeits­lo­sig­keit”
  • Coro­na­kri­se: Risi­ko­fak­tor Ungleich­heit /​Die Coro­na­kri­se sorgt für eine wei­ter wach­sen­de Kon­zen­tra­ti­on bei Ver­mö­gen und Ein­kom­men 
    • Coro­na­kri­se: Risi­ko­fak­tor Ungleich­heit
      Hohes Alter, Vor­er­kran­kun­gen – damit steigt bekann­ter­ma­ßen das Risi­ko, sich mit dem Coro­na­vi­rus zu infi­zie­ren. Doch welt­weit könn­te es noch einen wei­te­ren Gefah­ren­herd geben. Mehr als 1,8 Mil­lio­nen Infi­zier­te in den USA, mehr als eine hal­be Mil­li­on in Bra­si­li­en, eine gute Vier­tel­mil­li­on in Groß­bri­tan­ni­en: In vie­len Tei­len der Welt sind die Covid-19-Fall­zah­len in jenen Län­dern am höchs­ten, in denen die Kluft zwi­schen Arm und Reich am größ­ten ist. Nach Recher­chen des SPIEGEL zeich­net sich damit immer deut­li­cher ein wei­te­rer Risi­ko­fak­tor für die Aus­brei­tung der Pan­de­mie ab: sozia­le Ungleich­heit. Ein Team von SPIE­GEL-Doku­men­ta­ren hat in den ver­gan­ge­nen Wochen den Zusam­men­hang zwi­schen dem Arm-Reich-Gefäl­le ein­zel­ner Län­der und den dor­ti­gen Covid-19-Fall­zah­len unter­sucht – mit zum Teil ver­blüf­fen­den Ergeb­nis­sen. (…) Über­ra­schend sei der Zusam­men­hang nicht, sagt der bri­ti­sche Gesund­heits­wis­sen­schaft­ler Richard Wil­kin­son dem SPIEGEL. In sei­nem Buch “The Spi­rit Level” hät­ten er und sei­ne Kol­le­gin Kate Pickett bereits vor zehn Jah­ren fest­ge­stellt, dass unglei­che Gesell­schaf­ten unge­sun­de Gesell­schaf­ten sei­en. Je unglei­cher Ein­kom­men und Ver­mö­gen ver­teilt sei­en, des­to hef­ti­ger lit­ten die Men­schen in betrof­fe­nen Gesell­schaf­ten – quer durch alle Schich­ten – an Pro­ble­men wie Depres­si­on, Dro­gen­ab­hän­gig­keit und hohen Sui­zid­ra­ten. Auch sei­en in den ent­spre­chen­den Län­dern sehr viel mehr Men­schen über­ge­wich­tig und durch Atem­wegs­er­kran­kun­gen geschwächt – Risi­ko­fak­to­ren, die in der jet­zi­gen Pan­de­mie eine ent­schei­den­de Rol­le spie­len. (…) In der Pan­de­mie hat die Ungleich­heit fata­le Fol­gen: Sowohl in den USA als auch in Groß­bri­tan­ni­en star­ben in den ver­gan­ge­nen Mona­ten bei Wei­tem mehr Peop­le of Color an Covid-19 als Wei­ße.” Arti­kel von Jörg Schind­ler, Lon­don, vom 03.06.2020 beim Spie­gel online externer Link
    • Ver­schärf­te sozia­le Ungleich­heit. Die Coro­na­kri­se sorgt für eine wei­ter wach­sen­de Kon­zen­tra­ti­on bei Ver­mö­gen und Ein­kom­men
      Coro­na macht den Unter­schied bei Ein­kom­men und Ver­mö­gen in Deutsch­land. Der Lock­down und die Ver­un­si­che­rung über die Ent­wick­lung der Pan­de­mie hin­ter­las­sen längst ihre Spu­ren. (…) Für sozia­le Unwucht sor­gen wei­ter­hin Immo­bi­li­en. Eigen­tü­mer pro­fi­tie­ren, zumin­dest in den Städ­ten und in güns­ti­gen Lagen auf dem Land, schon seit eini­ger Zeit von enor­men Wert­zu­wäch­sen. So sind die Prei­se für Wohn­im­mo­bi­li­en seit 2010 laut Bun­des­bank um rund 70 Pro­zent gestie­gen, in Groß­städ­ten sogar um mehr als 100 Pro­zent. Ins­ge­samt bleibt der Kreis der Wohl­ha­ben­den über­schau­bar. Nach der Bafin-Umfra­ge spa­ren ledig­lich elf Pro­zent der Befrag­ten 500 Euro im Monat oder mehr. Ganz unten auf der Ska­la fin­den sich dage­gen 15 Pro­zent, die gar nicht spa­ren. Fast alle, weil sie zu wenig Geld dafür haben. Coro­na ver­schärft sol­che lang­fris­ti­gen Trends noch, wie eine Stu­die der Post­bank, deren Kun­den meist aus der Mit­tel­schicht kom­men, jetzt ergab. (…) Die sozia­le Unwucht beginnt bereits beim Ein­kom­men. Meh­re­re Mil­lio­nen Men­schen sind in Kurz­ar­beit. Vor allem Beschäf­tig­te in Klein- und Mit­tel­be­trie­ben müs­sen mit 60 Pro­zent (mit Kind: 67 Pro­zent) des Net­to­lohns aus­kom­men. Die von der Bun­des­re­gie­rung beschlos­se­ne Erhö­hung auf 70/​77 Pro­zent wird erst ab dem vier­ten Monat grei­fen. Zahl­rei­che Groß­kon­zer­ne hin­ge­gen sto­cken das Kurz­ar­bei­ter­geld ihrer ohne­hin über­durch­schnitt­lich bezahl­ten Beschäf­tig­ten auf 100 Pro­zent auf. Gan­zen mit­tel­stän­disch gepräg­ten Berufs­zwei­gen wie der Gas­tro­no­mie, den Volks­hoch­schu­len oder dem Fri­seur­hand­werk bra­chen im Lock­down kom­plett die Ein­nah­men weg. Mil­lio­nen Kin­der müs­sen wegen Schlie­ßung der Kin­der­ta­ges­stät­ten und Schu­len von ihren oft berufs­tä­ti­gen Eltern betreut wer­den, was offen­bar häu­fig mit her­ben Ein­kom­mens­ver­lus­ten ver­bun­den ist. Laut der Post­bank-Stu­die traf die Kri­se Fami­li­en finan­zi­ell beson­ders hart. (…) Coro­na ver­grö­ßert zugleich die Lohn­lü­cke zwi­schen Frau­en und Män­nern. Schät­zungs­wei­se dop­pelt so vie­le Frau­en haben ihre Arbeits­zeit redu­ziert, um die Kin­der­be­treu­ung zu gewähr­leis­ten. »Da die öko­no­mi­schen Fol­gen der Kri­se noch lan­ge spür­bar sein wer­den, wird eine Rück­kehr zur vor­he­ri­gen Arbeits­zeit wahr­schein­lich nicht für alle mög­lich sein«, befürch­tet der DGB. Frau­en mit gerin­ge­rem Ein­kom­men wer­den davon noch stär­ker getrof­fen als alle ande­ren…” Arti­kel von Her­man­nus Pfeif­fer vom 02.06.2020 im ND online externer Link
  • Covid-19-Arzt im Inter­view: „Es gibt eine sehr star­ke sozia­le Kom­po­nen­te bei die­ser Krank­heit“ 
    “… zum ande­ren kom­men bei uns auf der Nor­mal­sta­ti­on sozi­al kom­ple­xe Umstän­de dazu. Woh­nungs­lo­sig­keit zum Bei­spiel oder ande­re Situa­tio­nen, in denen kei­ne Heim­iso­la­ti­on mög­lich ist. Wir haben einen Lkw-Fah­rer behan­delt, der in sei­nem Füh­rer­haus wohnt. Ins­ge­samt sehen wir nach zwei Mona­ten Behand­lung von Covid-19-Pati­en­ten, dass es eine sehr star­ke sozia­le Kom­po­nen­te bei die­ser Krank­heit gibt. Gera­de Pati­en­ten, die zu Min­der­hei­ten gehö­ren und sozi­al schwach sind, sind bei der Mor­bi­di­tät und der Mor­ta­li­tät am stärks­ten betrof­fen. Sie wer­den also ver­hält­nis­mä­ßig öfter krank und ster­ben öfter an der Krank­heit. Das haben Stu­di­en in Län­dern wie den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Groß­bri­tan­ni­en und Nor­we­gen gezeigt und das sieht man auch im Mikro­kos­mos Kran­ken­haus. [Wor­an liegt das?] Vie­le sozio­öko­no­mi­sche Fak­to­ren tra­gen dazu bei, ob man die­se Krank­heit bekommt und wie schwer sie ver­läuft. Fett­lei­big­keit kann zu einem schwe­ren Ver­lauf füh­ren, das ist vor allem in sozi­al schwa­chen Schich­ten ein Pro­blem, genau wie ein Man­gel an gesund­heit­li­cher Auf­klä­rung, an gesun­der Ernäh­rung, an Sport. Sym­pto­me wer­den außer­dem oft erst spä­ter erkannt oder ernst genom­men. Ärme­re Men­schen sind weni­ger gut an Ärz­te ange­bun­den, Migran­ten kön­nen teil­wei­se ihre Beschwer­den nicht so gut auf Deutsch schil­dern. Die Men­schen leben auf enge­rem Raum und arbei­ten in Beru­fen, in denen sie vie­len Kon­tak­ten aus­ge­setzt sind. Armut macht krank, das ist bei vie­len Krank­hei­ten ein Pro­blem…” Inter­view von Sebas­ti­an Eder mit Cihan Çelik vom 17.05.2020 in der FAZ online externer Link
  • War­um die Coro­na­kri­se Ungleich­heit ver­stärkt: Die Kri­se trifft Gering­ver­die­ner hart, von denen vie­le ihren Job ver­lie­ren. Auch die Ungleich­heit zwi­schen den Geschlech­tern nimmt zu 
    “… Wie weit die Kluft in der Gesell­schaft aus­ein­an­der­geht, zeich­nen For­scher der Uni­ver­si­tät Mann­heim nach. Sie befra­gen jede Woche 3500 Men­schen dazu, wie sich ihr Leben durch die Pan­de­mie ver­än­dert. Ein ers­tes Ergeb­nis: Je nied­ri­ger der Schul­ab­schluss, des­to sel­te­ner kön­nen Ange­stell­te ins Home­of­fice wech­seln. So haben zuletzt 40 Pro­zent der Deut­schen mit einem hohen Schul­ab­schluss von Zuhau­se aus gear­bei­tet, wäh­rend das unter den­je­ni­gen mit einem nied­ri­gen Abschluss gera­de ein­mal sechs Pro­zent mög­lich war. Das lege den Schluss nahe, dass die Coro­na­kri­se die sozia­le Ungleich­heit im Land wei­ter ver­stärkt, schrei­ben die For­scher. Fol­gen hat das sowohl für die Gesund­heit als auch für die finan­zi­el­le Situa­ti­on der Men­schen. „Die Risi­ken der Pan­de­mie sind ungleich ver­teilt“, schrei­ben die Wis­sen­schaft­ler. „Unte­re Ein­kom­mens­grup­pen haben auf­grund ihrer Arbeit vor Ort ver­mut­lich ein grö­ße­res Risi­ko sich mit dem Coro­na­vi­rus anzu­ste­cken.“ (…) Der Sozi­al­wis­sen­schaft­ler Ste­fan Sell spricht des­halb von einer „Hier­ar­chie der Not“. Ver­stärkt wird die­se dadurch, dass gera­de in den Bran­chen, die beson­ders unter dem Shut­down lei­den, die Löh­ne sehr nied­rig sind: in der Gas­tro­no­mie oder im Ein­zel­han­del. (…) Wie groß das Pro­blem ist, zei­gen Zah­len, die das Kie­ler Insti­tut für Welt­wirt­schaft (IfW) für Schles­wig-Hol­stein erho­ben hat. Dort arbei­ten 240 000 Men­schen in Betrie­ben, die vom Shut­down betrof­fen sind – 80 000 von ihnen sind Gering­ver­die­ner. Dra­ma­tisch ist dabei die Lage der Mini­job­ber, also jener, die nur auf 450-Euro-Basis arbei­ten. Denn Unter­neh­men kön­nen sie gar nicht erst in Kurz­ar­beit schi­cken, sodass oft nur die Kün­di­gung bleibt. „Gera­de Gering­ver­die­nern droht der Stel­len­ver­lust und damit der Weg­fall ihres Ein­kom­mens“, sagt IfW-Exper­te Klaus Schra­der. (…) Dabei gibt es auch bei der Kurz­ar­beit Unter­schie­de: Wäh­rend Indus­trie­be­trie­be das Kurz­ar­bei­ter­geld näm­lich meist frei­wil­lig auf­sto­cken, ist das vie­len Dienst­leis­tern nicht mög­lich. Sie sind schon froh, wenn sie die Jobs erhal­ten kön­nen, die Mit­ar­bei­ter nicht ent­las­sen müs­sen. Auch das trifft vor allem Gering­ver­die­ner. (…) Ver­läss­li­che Zah­len, ob die Coro­na­kri­se die Ungleich­heit bei den Ver­mö­gen ver­grö­ßert, wird es erst in der Rück­schau in ein paar Jah­ren geben. (…) Miri­am Rehm, die an der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen zur Ungleich­heit forscht, glaubt zudem, dass der Crash am Akti­en­markt nur wenig Aus­wir­kun­gen auf das Gesamt­bild haben dürf­te. „Ent­schei­dend ist die Höhe der Ungleich­heit bei den Ver­mö­gen“, sagt sie. „In Deutsch­land sind die Ver­mö­gen so ungleich ver­teilt, dass die Kri­se die Ver­mö­gen der Reichs­ten extrem stark tref­fen müss­te, um die Ver­mö­gensun­gleich­heit nach­hal­tig zu redu­zie­ren.“ (…) Gleich­zei­tig aber haben sich für vie­le Men­schen die Lebens­um­stän­de ver­än­dert. Rehm sieht dabei vor allem die Frau­en im Nach­teil, die zusätz­lich zum Job nun viel­fach auch noch die Kin­der­be­treu­ung und das Home­schoo­ling über­neh­men. (…) Eben­so groß sind die Unter­schie­de bei den Unter­neh­mern. Wäh­rend die einen auf Hilfs­kre­di­te ange­wie­sen sind, machen ande­re das gro­ße Geschäft. Ein Extrem-Bei­spiel ist dabei Jeff Bezos, Chef des Online­ver­sand­händ­lers Ama­zon: Er ist durch die Coro­na­kri­se seit Jah­res­be­ginn um 23,6 Mil­li­ar­den Dol­lar rei­cher gewor­den. (…) DIW-For­scher Ste­fan Bach regt des­halb eine ein­ma­li­ge Ver­mö­gens­ab­ga­be an. Dabei wür­de ein­mal fest­ge­stellt, wer wie viel leis­ten muss – abbe­zah­len könn­ten die Ver­mö­gen­den sie dann über einen län­ge­ren Zeit­raum. „Nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat man mit einer sol­chen Ver­mö­gens­ab­ga­be gute Erfah­run­gen gemacht“, sagt Bach. Er schlägt vor, dass die­se Abga­be das reichs­te Pro­zent der Deut­schen zah­len soll­te…” Arti­kel von Car­la Neu­haus vom 10. Mai 2020 beim Tages­spie­gel online externer Link
  • Die Kri­se rückt die Klas­sen­ge­sell­schaft in den Fokus. Expert*innen und Beamt*innen machen die Ideo­lo­gie unsicht­bar. Aber die Ver­ant­wor­tung trägt die Poli­tik 
    In Not erkennt man sei­ne Freun­de, sagt das Sprich­wort. Ein Aus­druck, der davon aus­geht, dass wir erst in der Not wis­sen, wes Geis­tes Kind jemand wirk­lich ist. In guten Zei­ten ist es leicht, Freund zu sein, aber in schlech­ten Zei­ten trennt sich die Spreu vom Wei­zen. Das kann natür­lich leicht auf die gesell­schaft­li­che Ebe­ne über­tra­gen wer­den: In der Kri­se wird das Sys­tem auf die Pro­be gestellt. Das heißt, wenn es nicht in Bewe­gung ist, dann sehen wir am deut­lichs­ten die wah­re Natur der Gesell­schaft; wel­che Wer­te vor ande­ren geschützt wer­den und wes­sen Inter­es­sen an ers­te Stel­le gesetzt wer­den. Wir müs­sen uns jedoch bewusst sein, dass dies viel­leicht vor allem ein sys­tem­kri­ti­scher, sozia­lis­ti­scher Blick auf die Gesell­schaft ist. Für ein all­ge­mei­ne­res poli­ti­sches Bewusst­sein ist die Aus­nah­me ein­fach nur eine Aus­nah­me. Des­halb schreit die Rech­te der­zeit mit einer Stim­me: „Wenn die Kri­se vor­bei ist, wird alles wie­der so wei­ter­ge­hen wie vor­her!“ Die meis­ten Men­schen den­ken in ers­ter Linie dar­an, wie schön es wäre, Men­schen wie­der­zu­se­hen und das Leben wie­der auf­zu­neh­men. Poli­tisch bedeu­tet es etwas völ­lig ande­res, dass wir alles, was wir jetzt ler­nen, eben­so schnell wie­der ver­ges­sen sol­len. Alle Maß­nah­men, die not­wen­dig sind, um auf die Kri­se zu reagie­ren, sol­len so schnell wie mög­lich auf­ge­ho­ben wer­den, und alles soll zu der Ord­nung zurück­keh­ren, die vor­her bestand. Das sind natür­lich zwei völ­lig unter­schied­li­che Din­ge, aber über­all und immer wer­den sie zu einem zusam­men­ge­ba­cken. Das nennt man Ideo­lo­gie. Am stärks­ten wirkt die Ideo­lo­gie, wenn sie über­haupt nicht erwähnt wird, in angeb­lich unpo­li­ti­scher Rhe­to­rik. Wie bei der Ver­öf­fent­li­chung von Zah­len, die zei­gen, wie stark über­re­prä­sen­tiert im Aus­land gebo­re­ne Men­schen unter den Coro­na-Infi­zier­ten in offi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken sind, und der Ant­wort der Gesund­heits­be­hör­de, man kön­ne die betrof­fe­nen Grup­pen nicht mit Infor­ma­tio­nen errei­chen. Wie amt­lich und unpo­li­tisch das klingt! Das schafft Platz für wil­de Spe­ku­la­tio­nen über „kul­tu­rel­le Beson­der­hei­ten“, „gerin­ges Ver­trau­en in den Staat“, „man­geln­de Fähig­keit, sich Wis­sen anzu­eig­nen“, „Fami­li­en­struk­tu­ren, die von der schwe­di­schen Norm abwei­chen“. Alles klingt so objek­tiv und unideo­lo­gisch, dass wir Stopp rufen und das Band zurück­spu­len müs­sen, um Zeit zu haben dar­über nach­zu­den­ken, was wirk­lich gesagt wird…” Leit­ar­ti­kel aus der schwe­di­schen Zei­tung “Inter­na­tio­na­len” am 16. April 2020, doku­men­tiert in der Online-Aus­ga­be von die inter­na­tio­na­le Nr. 3/​2020 externer Link (Mai/​Juni 2020)(Übersetzung aus dem Schwe­di­schen: Björn Mer­tens)
  • [HBS] Drei Mona­te durch­hal­ten – Pan­de­mie ver­grö­ßert Ungleich­hei­ten 
    Die Coro­na-Kri­se in Deutsch­land macht sehr deut­lich, wie unter­schied­lich Beschäf­tig­te in beruf­lich und wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Situa­tio­nen abge­si­chert sind oder auf unter­stüt­zen­de Regeln ver­trau­en kön­nen. Das gilt bei­spiels­wei­se bei der Höhe des Kurz­ar­bei­ter­gel­des oder der Orga­ni­sa­ti­on von mobi­ler Arbeit und Home­of­fice. Durch die Pan­de­mie kön­nen sich bestehen­de Ungleich­hei­ten am deut­schen Arbeits­markt ver­schär­fen – etwa zwi­schen höher und nied­ri­ger bezahl­ten Beschäf­tig­ten­grup­pen, aber auch zwi­schen den Geschlech­tern. Gene­rell sind Beschäf­tig­te mit nied­ri­ge­ren Ein­kom­men, in Betrie­ben ohne Tarif­ver­trag oder Betriebs­rat sowie Frau­en der­zeit über­pro­por­tio­nal belas­tet. Das zei­gen ers­te Ergeb­nis­se einer neu­en Online-Befra­gung, für die im Auf­trag der Hans-Böck­ler-Stif­tung 7.677 Erwerbs­tä­ti­ge inter­viewt wur­den. Die von Kan­t­ar Deutsch­land durch­ge­führ­te Befra­gung bil­det die Erwerbs­per­so­nen in Deutsch­land im Hin­blick auf die Merk­ma­le Geschlecht, Alter, Bil­dung und Bun­des­land reprä­sen­ta­tiv ab. 94 Pro­zent der Befrag­ten unter­stüt­zen die For­de­rung nach bes­se­rer Bezah­lung und bes­se­ren Arbeits­be­din­gun­gen für Beschäf­tig­te in „sys­tem­re­le­van­ten“ Beru­fen wie Pfle­ge oder Ein­zel­han­del. „Bestimm­te gesell­schaft­li­che Grup­pen sind vor den Aus­wir­kun­gen der Kri­se schlech­ter geschützt als ande­re. Das kann lang­fris­tig nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den sozia­len Zusam­men­halt in der Gesell­schaft haben“, warnt Prof. Dr. Bet­ti­na Kohl­rausch. Die Sozio­lo­gin an der Uni­ver­si­tät Pader­born und desi­gnier­te Wis­sen­schaft­li­che Direk­to­rin des Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts (WSI) der Hans-Böck­ler-Stif­tung hat die neue Befra­gung aus­ge­wer­tet. 74 Pro­zent der Befrag­ten äußern Sor­gen um den sozia­len Zusam­men­halt in Deutsch­land, 70 Pro­zent sor­gen sich um ihre eige­ne wirt­schaft­li­che Situa­ti­on. Die­se Sor­gen sind in den unte­ren Ein­kom­mens­grup­pen stär­ker aus­ge­prägt. (…) 14 Pro­zent der zwi­schen dem 3. und dem 14. April Befrag­ten in abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung gaben an, momen­tan in Kurz­ar­beit zu sein. Rech­net man die­se Zahl auf die Gesamt­zahl der Beschäf­tig­ten hoch, ent­sprä­che dies ca. 4 Mil­lio­nen Beschäf­tig­ter, die momen­tan in Kurz­ar­beit sind. Beschäf­tig­te in nied­ri­ge­ren Ein­kom­mens­grup­pen sind häu­fi­ger in Kurz­ar­beit als Arbeit­neh­mer mit höhe­rem Ein­kom­men, zeigt die Aus­wer­tung der Befra­gungs­da­ten durch Bet­ti­na Kohl­rausch. Von den Befrag­ten in Kurz­ar­beit erklärt rund ein Drit­tel (32 Pro­zent), dass ihr Arbeit­ge­ber das Kurz­ar­bei­ter­geld auf­sto­cke, gut die Hälf­te (52 Pro­zent) berich­tet hin­ge­gen, es gebe in ihrem Betrieb kei­ne Auf­sto­ckung, der Rest konn­te das (noch) nicht sagen. Per­so­nen, die in einem Unter­neh­men mit Tarif­ver­trag arbei­ten, erhal­ten nach der Umfra­ge mehr als dop­pelt so häu­fig (45 Pro­zent) eine Auf­sto­ckung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des wie Per­so­nen, die nicht nach einem Tarif­ver­trag bezahlt wer­den (19 Pro­zent). Eine aktu­el­le Über­sicht des WSI zeigt, dass die DGB-Gewerk­schaf­ten der­zeit in knapp zwei Dut­zend Bran­chen und Groß­be­trie­ben tarif­ver­trag­lich Auf­sto­ckungs­zah­lun­gen ver­ein­bart haben…” HBS-Pres­se­mit­tei­lung vom 21.04.2020 externer Link, sie­he zum Hin­ter­grund auch unser Dos­sier: Wenn Arbeit­ge­ber nach mehr Staat rufen: Mit Kurz­ar­beit wert­vol­le Arbeits­kräf­te in vira­len Zei­ten hams­tern und die Unter­neh­men auch bei den Sozi­al­bei­trä­gen ent­las­ten?
  • Das dün­ne Eis: Die Coro­na-Kri­se zeigt, dass die meis­ten Men­schen in einer kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft von der Hand in den Mund leben
    “… So ken­nen wir die Gewerk­schaft: Selbst­ver­ständ­lich geht das mit der Kurz­ar­beit in Ord­nung – bei der Alter­na­ti­ve Ent­las­sung. Wenn die Unter­neh­men weni­ger Geschäf­te machen, müs­sen die Arbeit­neh­mer halt die Gür­tel enger schnal­len. Sie dür­fen froh sein, dass ihnen noch nicht gekün­digt wird. Die­ser Zusam­men­hang, die­se Abhän­gig­keit der Exis­tenz der Gewerk­schafts­mit­glie­der von der Fir­men­bi­lanz ist doch klar wie Kloß­brü­he. Wer dar­an zwei­felt, ver­steht nichts von “Wirt­schaft”, da gibt es kei­nen Dis­sens zwi­schen Unter­neh­mern und Ver­tre­tern der Arbei­ter­in­ter­es­sen. Men­schen zu bezah­len, die weni­ger oder sogar kei­nen Gewinn erwirt­schaf­ten, geht nun ein­mal nicht. Leis­tung in der Markt­wirt­schaft wird nur dann ent­lohnt, wenn sie sich lohnt – für den Arbeit­ge­ber. (…) Die Fra­ge nach einem Ein­kom­men, das dem abhän­gig Beschäf­tig­ten eine kom­for­ta­ble Exis­tenz sichert, kommt in die­sem Ver­hält­nis nicht vor. Logisch: Ein Arbeit­neh­mer kann sich weder sei­nen Job ein­tei­len noch gut davon leben. Was er zu leis­ten hat, bestimmt die Fir­ma. Und wie viel Geld er dafür bekommt, ist Gegen­stand stän­di­ger Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Arbeit­ge­ber – ob mit oder ohne Gewerk­schaft. Denn für den Betrieb sind die Per­so­nal-Aus­ga­ben Abzug vom Gewinn. Je gerin­ger sie aus­fal­len, des­to bes­ser sieht die Bilanz aus. Das steht natür­lich unmit­tel­bar im Gegen­satz zum Inter­es­se des Arbeit­neh­mers an einem aus­kömm­li­chen Gehalt. Aber was heißt schon “aus­kömm­lich”? In nor­ma­len Zei­ten kämp­fen sie schon damit, die all­täg­li­chen und not­wen­di­gen Aus­ga­ben zu finan­zie­ren. Die­se Kos­ten lau­fen selbst­ver­ständ­lich wei­ter auch bei einem Kurz­ar­bei­ter­geld von nur noch 60 bzw. 67 Pro­zent des Gehalts. Ent­spre­chend unge­müt­lich wird die Lage, von Tag zu Tag mehr. (…) Wie dünn die­ses Eis ist, auf dem der nor­mal abhän­gig Beschäf­tig­te in Deutsch­land wan­delt, zeigt sich des­halb nicht erst seit der wegen der Coro­na-Pan­de­mie ver­ord­ne­ten wirt­schaft­li­chen Aus­zeit. Monat für Monat müs­sen die Arbeit­neh­mer hof­fen, ihr Gehalt zu bekom­men – sonst ist ihre öko­no­mi­sche Lage in kür­zes­ter Zeit pre­kär. Rück­la­gen kön­nen sie kaum bil­den, lau­fen­de Kre­di­te und Mie­ten sowie natür­lich alle ande­ren not­wen­di­gen Aus­ga­ben für die Lebens­hal­tung müs­sen bezahlt wer­den. (…) Auf die ver­schärf­te Not­la­ge der Arbeit­neh­mer wegen “Coro­na” weist die IG Metall zu Recht hin. Nur was folgt für sie dar­aus? Es soll­ten beim Kurz­ar­bei­ter­geld schon 80 Pro­zent des letz­ten Net­to­lohns sein. Wie sie errech­net hat, dass die­ser Pro­zent­satz zum Leben reicht, bleibt rät­sel­haft. Die Ver­mu­tung liegt nahe: eher gar nicht. Denn sie begrün­det die “For­de­rung” mit der Unge­rech­tig­keit, dass die Unter­neh­men auch die Sozi­al­bei­trä­ge ihrer Beschäf­tig­ten erstat­tet bekom­men. Also nicht: Unse­re Mit­glie­der brau­chen min­des­tens die 80 Pro­zent, um ihre Kos­ten bezah­len zu kön­nen! Son­dern: Die paar Euros mehr sind nur zu gerecht! Und das ist lei­der etwas ande­res, als das mate­ri­el­le Inter­es­se von Arbeit­neh­mern an einer nicht unmit­tel­bar gefähr­de­ten Exis­tenz gegen die Sei­te der Arbeit­ge­ber durch­zu­set­zen. So bleibt es bei die­ser fol­gen­lo­sen Beschwer­de und der Wohl­tä­tig­keit ein­zel­ner Unter­neh­men vor­be­hal­ten, das Kurz­ar­bei­ter­geld auf­zu­sto­cken. (…) Ange­sichts der kata­stro­pha­len Wir­kun­gen des gesell­schaft­li­chen “Lock­downs” bin­nen rela­tiv kur­zer Zeit erscheint die Situa­ti­on davor selt­sam rosig. Doch da soll­te man sich nicht täu­schen: Die grund­sätz­li­che Armut der besitz­lo­sen Men­schen und ihre damit stän­dig pre­kä­re Lage gibt es, seit es Markt­wirt­schaft gibt. “Coro­na” macht für sie alles nur noch viel schlim­mer.” Bei­trag von Björn Hen­d­rig vom 12. April 2020 bei Tele­po­lis externer Link
  • Wie durch ein Brenn­glas – Pre­kä­re Arbeits- und Lebens­ver­hält­nis­se vor und wäh­rend der COVID-19-Pan­de­mie 
    “… Die COVID-19-Pan­de­mie führt der­zeit die grund­le­gen­de Ver­letz­bar­keit und Unsi­cher­heit allen Lebens vor Augen. (…) Pre­kä­re Beschäf­ti­gung (und mehr noch Arbeits­lo­sig­keit) haben aber nicht nur gro­ße öko­no­mi­sche Ungleich­heits­fol­gen, zumal sie in der Regel mit gerin­gen Ein­kom­men ver­bun­den sind, son­dern brin­gen auch Aner­ken­nungs­de­fi­zi­te in wei­te­ren Berei­chen mit sich. Pre­kä­re Beschäf­ti­gung wirkt sich auch auf das Sozia­le aus: „Es löchert die Gesell­schaft von innen raus auf“, so eine unse­rer Befrag­ten. Pre­ka­ri­sie­rung betraf dar­über hin­aus auch schon vor COVID-19 das gesam­te Leben: Sozia­le Bezie­hun­gen, Fami­lie, Freund­schaf­ten, Paar­be­zie­hun­gen, Lie­be kön­nen pre­kär wer­den, die Sor­ge für sich und ande­re, die Gesund­heit, sozia­le Teil­ha­be, Wohn­raum, Sinn, die Zukunfts­per­spek­ti­ven und ande­res mehr. Doch wie hän­gen Nah­be­zie­hun­gen, Sor­ge und das gesam­te Leben mit Ungleich­hei­ten, Pre­ka­ri­tät und Aner­ken­nung zusam­men? (…)Unse­re Gesell­schaft ist struk­tu­rell hete­ro- und paar­nor­ma­tiv. Das Leben in einer (hete­ro­se­xu­el­len) Paar­be­zie­hung wird gesell­schaft­lich als das ‚rich­ti­ge‘ und ‚glück­li­che Leben‘ ver­mit­telt. Wie unse­re For­schung zeigt, konn­ten für man­che der Befrag­ten Aner­ken­nungs­de­fi­zi­te aus einer pre­kä­ren Beschäf­ti­gung im Paar teil­wei­se auf­ge­fan­gen wer­den und tra­ten so etwas in den Hin­ter­grund. Oft ber­gen hete­ro­se­xu­el­le Paar­be­zie­hun­gen aber gro­ße Geschlech­te­r­un­gleich­hei­ten und unglei­che Arbeits­tei­lun­gen. Sor­ge­ar­beit wird in der Regel Frau­en zuge­wie­sen, ist unsicht­bar und wird kaum aner­kannt. Vie­le der befrag­ten Frau­en lit­ten emo­tio­nal und kör­per­lich unter der Mehr­fach­be­las­tung aus pre­kä­rer Beschäf­ti­gung, der nahe­zu allei­ni­gen Sor­ge­ver­ant­wor­tung und der Haus­ar­beit. Im Paar ent­stan­den Kon­flik­te, und meh­re­re Frau­en waren wegen Depres­si­on, Erschöp­fung und Burn-out in Behand­lung. Wer nicht in einer Paar­be­zie­hung lebt, ist zwar von Geschlech­te­r­un­gleich­hei­ten im Paar kaum betrof­fen. Aller­dings hat ein Leben ohne Partner*in in einer paar­nor­ma­ti­ven Gesell­schaft oft gro­ße Ungleich­heits­fol­gen, vor allem, wenn Kin­der im Spiel sind. Allein­er­zie­hen­de etwa haben das höchs­te Armuts­ri­si­ko. In unse­rer Stu­die deu­te­ten es eini­ge der Befrag­ten als ihr Schei­tern, dass sie kei­ne Part­ner­schaft eta­blie­ren und kei­ne Fami­lie grün­den konn­ten. Ande­re wie­der­um fan­den zur roman­ti­schen Lie­bes­be­zie­hung ansatz­wei­se alter­na­ti­ve Aner­ken­nungs- und Sinn­quel­len, etwa in Freund­schaf­ten oder einer Ori­en­tie­rung an Fami­lie und Kin­dern. Was wir aber nicht fan­den, waren zur Erwerbs­ar­beit alter­na­ti­ve Aner­ken­nungs­quel­len. Wäh­rend (die befrag­ten) Frau­en wei­ter­hin die Haupt­ver­ant­wor­tung für Sor­ge und Haus­halt tru­gen, wur­de von Män­nern – im Paar, in der Erwerbs­sphä­re, sozi­al­staat­lich – wei­ter erwar­tet, dass sie die Rol­le des Fami­lien­er­näh­rers aus­fül­len. Auch wenn Väter sich stär­ker um ihre Kin­der küm­mern woll­ten, erhiel­ten sie dafür auf den ver­schie­de­nen Ebe­nen nur sehr begrenzt Aner­ken­nung. Für sie bestehen ähn­li­che Ver­ein­bar­keits­kon­flik­te und Hür­den wie für Müt­ter; allein­er­zie­hen­de Väter stie­ßen ange­sichts ihrer Sor­ge­ori­en­tie­rung etwa bei der an Voll­zeit ori­en­tier­ten Arbeits­ver­mitt­lung auf grö­ße­re Schwie­rig­kei­ten. (…) Wie durch ein Brenn­glas ver­schär­fen sich also der­zeit Ungleich­hei­ten, die auch schon vor der Pan­de­mie bekannt waren, und neue ent­ste­hen. Wir soll­ten ihnen mit umfas­sen­den Poli­ti­ken der Ent_​Prekarisierung begeg­nen (…). Die­se neh­men in der Ver­letz­bar­keit des Lebens ihren Aus­gangs­punkt. Sie dezen­trie­ren Erwerbs­ar­beit und stel­len – so eine alte, doch unge­bro­chen aktu­el­le femi­nis­ti­sche For­de­rung – Sor­ge und den gesam­ten Lebens­zu­sam­men­hang ins Zen­trum. Wir plä­die­ren für eine Ent­p­re­ka­ri­sie­rung von Beschäf­ti­gung, eine Ori­en­tie­rung an Guter Arbeit, für eine 32- oder 35-Wochen­stun­den-Voll­zeit­vor­stel­lung und die Eta­blie­rung von krea­ti­ven Lebens­ar­beits­zei­ten­mo­del­len…” Bei­trag von Chris­ti­ne Wim­bau­er und Mona Mota­ke vom 9. April 2020 beim Gen­der­blog externer Link (Chris­ti­ne Wim­bau­er und Mona Mota­ke ver­öf­fent­lich­ten im April “Pre­kä­re Arbeit, pre­kä­re Lie­be – Über Aner­ken­nung und unsi­che­re Lebens­ver­hält­nis­se” beim Cam­pus Ver­lag (420 Sei­ten)
  • Coro­na und das Kri­sen­p­re­ka­ri­at – Die Coro­na-Pan­de­mie bringt es schlag­ar­tig an den Tag: die Kon­kur­renz­öko­no­mie erzeugt mas­sen­haft pre­kä­re Exis­ten­zen und sozia­le Unsi­cher­heit 
    “… Eine dem Indi­vi­dua­li­sie­rungs­zwang ver­fal­le­ne Gesell­schaft wird durch die Coro­na-Pan­de­mie und die dar­aus resul­tie­ren­den not­wen­di­gen Schutz- und Iso­lie­rungs­maß­nah­men einem Belas­tungs­test unter­zo­gen, wie er bis­her nicht denk­bar war. Mit einem Mal kur­siert ein Begriff in der Öffent­lich­keit und wird ins­be­son­de­re von Poli­ti­kern auf gera­de­zu infla­tio­nä­re Art und Wei­se vor sich her getra­gen, der in “nor­ma­len” Zei­ten eher als Kampf­be­griff der Lin­ken sein Unwe­sen treibt und des­halb auf gene­rell wenig öffent­li­che Gegen­lie­be stößt: “Soli­da­ri­tät” soll jetzt geübt wer­den – mit Nach­barn, ins­be­son­de­re Alten und Hilf­lo­sen, mit jetzt schlag­ar­tig in ihrer Exis­tenz gefähr­de­ten Unter­neh­mern, Solo­selb­stän­di­gen und über­haupt allen, denen mit dem öko­no­mi­schen Shut­down die Geschäfts­grund­la­ge weg­zu­bre­chen droht. Dass es sich bei der gefor­der­ten “Soli­da­ri­tät” nicht um eine mit lin­ken Erwar­tun­gen ange­rei­cher­te Form der wech­sel­sei­ti­gen Unter­stüt­zung und Hil­fe unter eman­zi­pa­to­ri­schen Vor­zei­chen han­delt, wird dar­an erkenn­bar, da es hier­bei nicht um die Durch­set­zung eines ega­li­tä­ren Gesell­schafts­mo­dells gehen soll, son­dern um den Erhalt der lebens­not­wen­di­gen Grund­la­gen des bestehen­den, die herr­schen­de öko­no­mi­sche und poli­ti­sche Rang- und Hack­ord­nung natür­lich mit inbe­grif­fen. Die Wirt­schaft in ers­ter Linie soll vor einem die eige­ne Kon­kur­renz­fä­hig­keit mas­siv schä­di­gen­den Nie­der­gang bewahrt wer­den. Die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung spielt dar­in inso­fern eine Rol­le, als einer­seits deren Arbeits- und somit öko­no­mi­sche Ver­fü­gungs­fä­hig­keit erhal­ten wer­den soll und ande­rer­seits eine staat­li­che und grund­ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Für­sor­ge­pflicht besteht, aus deren mehr oder weni­ger gelin­gen­den Erfül­lungs­kri­te­ri­en sich poli­ti­sches Kapi­tal ers­ter Güte schla­gen lässt. Die Staats­bür­ger erwar­ten Füh­rungs­stär­ke, und die Poli­ti­ker bemü­hen sich red­lich, die­sem Bedürf­nis zu ent­spre­chen, denn sie sehen dar­in eine Chan­ce, ihren Ermäch­ti­gungs­auf­trag in einen Zuge­winn an poli­ti­scher Macht umzu­mün­zen. (…) Arti­kel 14, Absatz 1 des Grund­ge­set­zes lau­tet: “Das Erbrecht und das Eigen­tum wer­den gewähr­leis­tet. …” Die­se höchst hoheit­li­che Eigen­tums­ge­wäh­rung, so kurz und bün­dig sie auch for­mu­liert ist, hat es in sich: garan­tiert wird nicht nur ein bestimm­tes Eigen­tum, son­dern Eigen­tum schlecht­hin. Das mag ein­leuch­tend klin­gen, den­noch stellt sich hier­bei die viel­leicht nicht ganz unbe­rech­tig­te Fra­ge, wes­halb der Staat es für nötig hält, Rie­sen­ver­mö­gen und Armuts­ei­gen­tum glei­cher­ma­ßen unter Schutz zu stel­len. Oder anders gefragt: Wes­halb ist dem Gesetz­ge­ber ein mil­li­ar­den­schwe­res Ver­mö­gen gleich viel wert wie die Schach­tel Ziga­ret­ten, die sich ein Hartz 4‑Bezieher von sei­nem schma­len Über­le­bens­bud­get leis­ten kann? Wenn der Staat, wie in GG Arti­kel 3, Absatz 1 aus­ge­führt, ver­spricht: “Alle Men­schen sind vor dem Gesetz gleich.” Wie­so garan­tiert der Staat sei­nen Bür­gern dann nicht auch einen glei­chen und kon­kret bezif­fer­ba­ren Anteil am gesell­schaft­li­chen Eigen­tum? Eine Ant­wort auf letz­te­re Fra­ge rückt näher, wenn wir uns GG Arti­kel 2, Absatz 1 anschau­en: “Jeder hat das Recĥt auf die freie Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit, soweit er nicht die Rech­te ande­rer ver­letzt und nicht gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung oder das Sit­ten­ge­setz ver­stößt.” Hier lässt sich bereits ein auf­schluss­rei­cher Bezug zum Eigen­tums­ar­ti­kel her­stel­len: Es ver­stößt dem­nach nicht gegen das Sit­ten­ge­setz, dass der Staat Eigen­tum unab­hän­gig von sei­ner Grö­ße und Art unter sei­nen Schutz stellt und damit so tut, als gäbe es über­haupt kei­nen prak­ti­schen Unter­schied zwi­schen einem Geld­ver­mö­gen und einer Zahn­bürs­te…” Bei­trag von Richard Win­ter­stein vom 3. April 2020 bei Tele­po­lis externer Link
  • Vor Coro­na sind nicht alle gleich 
    Die Aus­brei­tung des Coro­na-Virus beein­flusst der­zeit unser aller Leben und unse­ren All­tag enorm. Den­noch sind wir in der Pan­de­mie-Kri­se nicht alle gleich. Ob Geringverdiener*innen, Hartz IV-Bezieher*innen oder Woh­nungs­lo­se – die­je­ni­gen, die es vor­her schon schwer hat­ten, sind von den Aus­wir­kun­gen am mas­sivs­ten betrof­fen. Sie füh­ren nun umso mehr einen Kampf um ihre ohne­hin schon pre­kä­re Exis­tenz. Vie­le von ihnen sind auf Not­ver­sor­gungs­an­ge­bo­te wie die Tafeln ange­wie­sen, wel­che der­zeit nach und nach weg­fal­len. Durch die gras­sie­ren­den Hams­ter­käu­fe preis­wer­ter Nah­rungs­mit­tel ste­hen oft­mals (wenn über­haupt) nur noch die teu­ren Vari­an­ten im Super­markt­re­gal, die sich Empfänger*innen von Sozi­al­leis­tun­gen bei einem Bedarfs­satz von zur­zeit 150€ für Lebens­mit­tel und Geträn­ke schlicht nicht leis­ten kön­nen. Und die Schlie­ßung von Woh­nungs­lo­sen­un­ter­künf­ten bringt Men­schen ohne fes­ten Wohn­sitz in den immer noch bit­ter­kal­ten Näch­ten in gro­ße Gefahr. Wäh­rend für die Groß­kon­zer­ne in Eil­ver­fah­ren mil­li­ar­den­schwe­re Ret­tungs­pa­ke­te geschnürt und inzwi­schen auch für klei­ne­re und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men Schutz­schir­me gespannt wer­den, bleibt eine Ant­wort der bür­ger­li­chen Poli­tik auf die Fra­ge, wie den ärms­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen gehol­fen wer­den soll, bis­her aus. An unter­schied­li­chen Stel­len regt sich des­halb Wider­stand. re:volt-Redakteurin Mona Lorenz hat dar­über mit der Erwerbs­lo­sen­in­itia­ti­ve Bas­ta! Ber­lin gespro­chen…” Inter­view von Mona Lorenz mit der Erwerbs­lo­sen­in­itia­ti­ve Bas­ta! vom 26. März 2020 im re:volt maga­zi­ne externer Link und dar­in: “… Die Ein­schrän­kun­gen tref­fen alle Lohn­ar­bei­ten­den und abhän­gig Beschäf­tig­ten. Beson­ders betrof­fen sind momen­tan all jene, die ihre Arbeits­plät­ze wegen der Pan­de­mie­ver­lie­ren, aber zum Bei­spiel auch Men­schen mit Behin­de­run­gen oder Sexarbeiter*innen, also Men­schen, die sonst öfter mal in Arbeits­kämp­fen über­se­hen wer­den. Dazu kom­men Freiberufler*innen, Künstler*innen, Hono­rar­kräf­te und so wei­ter. All jene bräuch­ten unbü­ro­kra­ti­sche Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen. Eine ande­re Risi­ko­grup­pe sind Immi­grier­te aus EU-Staa­ten, die gera­de von Job­cen­tern in sub­al­ter­ne und schmut­zi­ge Berufs­bran­chen ver­wie­sen wur­den. Die­se Jobs in der Gas­tro­no­mie, dem Sicher­heits­ge­wer­be, der Tou­ris­mus­bran­che, auf dem Bau oder in den Schlacht­fa­bri­ken sind unge­si­cher­ter als ver­gleich­ba­re Arbei­ten und zudem mies bezahlt. Es ist damit zu rech­nen, dass in den nächs­ten Tagen und Wochen zig­tau­send Leiharbeiter*innen, Beschäf­tig­te in der Pro­be­zeit oder Ange­stell­te in soge­nann­ten Sub­un­ter­neh­men ihre Jobs ver­lie­ren, Auf­trä­ge bezie­hungs­wei­se gleich auch Ver­trä­ge gecan­celt wer­den und vie­le dann ohne Geld zur Finan­zie­rung ihrer Lebens­hal­tungs­kos­ten daste­hen. (…) Wir soll­ten strikt gegen eine kom­plet­te Aus­gangs­sper­re, bezie­hungs­wei­se die Ver­hän­gung des Not­stands han­deln und argu­men­tie­ren, eben­so wie gegen die Abschot­tung der Län­der von­ein­an­der. Ein Wider­stand dage­gen ist auch des­halb wich­tig, weil es vie­le Men­schen auf beson­ders har­te Art und Wei­se trifft – Men­schen ohne Wohn­sitz, ohne Mel­de­adres­se und so wei­ter. Sie sind durch die­se Restrik­tio­nen noch stär­ke­ren Gefähr­dun­gen aus­ge­setzt. Das bedeu­tet nicht, sich gegen phy­si­sche Distan­zie­rung und gegen­sei­ti­ge Inschutz­nah­me zu stel­len, im Gegen­teil: Es rich­tet sich gegen die men­schen­ver­ach­ten­den Aus­wüch­se davon, gegen die Ver­ein­ze­lung und Iso­la­ti­on. Der­zeit wird das Grund­recht auf Asyl aus­ge­setzt, die Frei­zü­gig­keit inner­halb der EU wird zumin­dest für eini­ge vakant. Wir bekom­men nichts mehr von­ein­an­der mit. Wir bekom­men nicht mehr mit, was mit den Leu­ten ohne Woh­nung, ohne Klo, ohne Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz pas­siert. Wir bekom­men nicht mehr mit, wenn Abschie­bun­gen lau­fen und so wei­ter. Teil­wei­se ver­pas­sen wir auch, was mit uns selbst pas­siert, falls wir selbst pre­kär beschäf­tigt sind und kei­ne Ahnung haben, wie es wei­ter­ge­hen soll…”

Der Bei­trag Hier­ar­chie der Not. Wer unten steht, lei­det mehr: Die Coro­na-Kri­se ver­deut­licht und ver­schärft die sozia­le Ungleich­heit erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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