[labournet:] Putsch in Mali: Wer hat warum Angst davor, er könne „regionale Auswirkungen“ haben?

Militärputsch in Mali: Für eine demokratische Zukunft?„… Zum jet­zi­gen Zeit­punkt hat der Putsch kei­ne unmit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf die Man­da­te der Inter­na­tio­na­len Mis­sio­nen vor Ort. Es ist jedoch klar, dass sowohl die UN-Mis­si­on MINUSMA als auch die Mis­sio­nen EUCAP und EUTM der Euro­päi­schen Uni­on nur mit demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Regie­run­gen eine effek­ti­ve Part­ner­schaft füh­ren kön­nen. Dies soll­te ein wei­te­rer Grund für eine schnel­le Klä­rung der Situa­ti­on sein, auch von inter­na­tio­na­ler Sei­te. Für die Sicher­heits­la­ge in der Regi­on könn­te sich die hohe inter­na­tio­na­le Prä­senz posi­tiv aus­wir­ken. 2012 stan­den wir vor der Situa­ti­on, dass sich ein Macht­va­ku­um durch die inner­ma­li­schen Pro­ble­me auf­tat, das dank­bar von radi­kal-isla­mis­ti­schen Grup­pen und bewaff­ne­ten Ban­den gefüllt wur­de. Mit der inter­na­tio­na­len mili­tä­ri­schen Prä­senz vor Ort ist es nun unwahr­schein­lich, dass es zu ähn­li­chen Pro­zes­sen kommt. Jedoch ist die Sahel­re­gi­on seit gerau­mer Zeit sehr fra­gil, eine Erschüt­te­rung der Macht­ver­hält­nis­se, wie wir sie gera­de in Mali sehen, könn­te auch in die Nach­bar­staa­ten aus­strah­len. In einem Jahr, in dem unter ande­rem noch die Prä­si­dent­schafts­wahl in der Elfen­bein­küs­te ansteht, wäre dies fatal. ..“ so ant­wor­tet in dem Bei­trag „Erschüt­te­rung der Macht­ver­hält­nis­se“ am 20. August 2020 bei Inter­na­tio­na­le Poli­tik und Gesell­schaft externer Link Chris­ti­an Klatt, Büro­lei­ter der Fried­rich Ebert-Stif­tung in Bama­ko auf die Fra­gen von Clau­dia Detsch und Dani­el Kopp – hier was den Ein­satz von Bun­des­wehr und Co anbe­trifft. Bezeich­nend für par­tei­po­li­ti­sche Ori­en­tie­rung dabei: Der abschlie­ßen­de Ver­weis auf anste­hen­de Wah­len in der Elfen­bein­küs­te „über­sieht“ den mas­sen­haf­ten Pro­test, der dort gegen eine erneu­te Kan­di­da­tur des amtie­ren­den Prä­si­den­ten immer stär­ker wird – auch gegen sei­nen Kurs der Anpas­sung an Frank­reichs Wün­sche (und die der EU). Sie­he dazu auch vier wei­te­re Bei­trä­ge zu Reak­tio­nen in Mali und in den Nach­bar­staa­ten – dar­un­ter auch ein Bei­trag zu gewerk­schaft­li­chen Reak­tio­nen in Mali – und in Frank­reich, sowie den Hin­weis auf unse­re Mate­ri­al­samm­lung zum Putsch vom 21. August 2020:

  • „Angst vor wei­te­ren Umstür­zen“ von Kat­rin Gäns­ler am 21. August 2020 in der taz online externer Link zu den Reak­tio­nen der Regie­run­gen in den Nach­bar­staa­ten unter ande­rem: „… Eini­ge von ihnen twit­ter­ten unge­wohnt eif­rig – unter ande­rem Macky Sall aus Sene­gal: „Der Staats­streich gegen einen demo­kra­tisch gewähl­ten Prä­si­den­ten ist eine Ver­let­zung des Eco­was-Pro­to­kolls.“ Aus Nige­ri­as Haupt­stadt Abu­ja ließ Muham­ma­du Buha­ri ver­kün­den: „Die Ereig­nis­se sind ein gro­ßer Rück­schritt für die regio­na­le Demo­kra­tie, mit schwe­ren Kon­se­quen­zen für Frie­den und Sicher­heit in West­afri­ka“. Dem­entspre­chend deut­lich fällt die abschlie­ßen­de Erklä­rung aus. Nicht nur Sank­tio­nen gegen Mali wie Grenz­schlie­ßun­gen und das sofor­ti­ge Aus­set­zen von finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung wer­den ange­kün­digt. Die 14 Staats­chefs for­dern außer­dem, dass Ibra­him Bou­ba­car Keï­ta, der nach sei­ner Fest­nah­me durch das Mili­tär sei­nen Rück­tritt ver­kün­de­te, unver­züg­lich wie­der als Prä­si­dent ein­ge­setzt wird. Eine „hoch­ran­gi­ge Dele­ga­ti­on“ soll ent­sen­det wer­den, um die „sofor­ti­ge Rück­kehr der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung zu gewähr­leis­ten“. Schon in den ver­gan­ge­nen Tagen, als die Eco­was die Ent­wick­lun­gen immer wie­der vehe­ment kri­ti­siert hat­te, war deren Äuße­run­gen von Keïta-Kritiker*innen in Mali als Belei­di­gung emp­fun­den wor­den. Sie sei­en von Men­schen geäu­ßert wor­den, die vom mali­schen All­tag kei­ne Ahnung hät­ten. (…) In Län­dern wie Gui­nea, Elfen­bein­küs­te, Bur­ki­na Faso und Niger, die mit Mali sogar eine Gren­ze tei­len, ste­hen aus­ge­rech­net bis zum Jah­res­en­de Wah­len an. Zu spü­ren war die Sor­ge schon seit Mit­te Juli, als ers­te Ver­mitt­lun­gen unter Füh­rung von Nige­ri­as Ex-Prä­si­dent Good­luck Jona­than statt­ge­fun­den hat­ten. Jetzt sind sie noch drän­gen­der gewor­den. Gro­ße Unzu­frie­den­heit mit den Regie­run­gen und vor allem deren Plä­nen, wei­ter­hin an der Macht zu blei­ben, hat sich vor allem in der Elfen­bein­küs­te und Gui­nea gezeigt. In Gui­nea kamen bei Demons­tra­tio­nen immer wie­der Men­schen ums Leben…“
  • „Ein unty­pi­scher Putsch“ von Claus-Die­ter König am 22. August 2020 in nd online externer Link zu Posi­tio­nie­run­gen in Mali unter ande­rem: „… Der Kern­satz der sie­ben­mi­nü­ti­gen Aus­füh­run­gen: »Die Zivil­ge­sell­schaft und die sozio­po­li­ti­schen Bewe­gun­gen sind ein­ge­la­den, mit uns zusam­men mit­tels einer Road­map, die die Basis für ein neu­es Mali grün­det, die bes­ten Bedin­gun­gen für einen zivi­len poli­ti­schen Über­gangs­pro­zess zu schaf­fen, der in all­ge­mei­nen Wah­len zur Aus­übung der Demo­kra­tie mün­det.« Die­ses Ange­bot wur­de von der M5/​RFP ange­nom­men, deren Spre­cher Cho­guel Mai­ga im Inter­view mit Radio Fran­ce Inter­na­tio­nal auch nicht von einem typi­schen Putsch spricht, son­dern von einer Umset­zung der For­de­run­gen der Pro­tes­te der letz­ten drei Mona­te. Die Zusam­men­ar­beit der M5/​RFP mit dem CNSP sol­le sich am im Juli ver­öf­fent­lich­ten Memo­ran­dum der Bewe­gung ori­en­tie­ren. Schon seit drei Mona­ten pro­tes­tie­ren die Men­schen auf Malis Stra­ßen. Die Bewe­gung des 5. Juni hat­te auch am 11. August wie­der Hun­dert­tau­sen­de in der Haupt­stadt Bama­ko und den ande­ren Städ­ten des Lan­des mobi­li­siert. Die Demons­trie­ren­den kom­men aus allen Tei­len der Gesell­schaft und ver­schie­dens­ten poli­ti­schen Lagern…“
  • „La CGT aux côtés des syn­di­cats mali­ens“ am 19. August 2020 bei der CGT externer Link ist die Stel­lung­nah­me des fran­zö­si­schen Gewerk­schafts­bun­des, in der unter­stri­chen wird, dass die Föde­ra­ti­on an der Sei­te der bei­den mali­schen Gewerk­schafts­ver­bän­de CSTM (Con­fé­dé­ra­ti­on Syn­di­ca­le des Travailleur-euse.s du Mali) und CDTM (Con­fé­dé­ra­ti­on Démo­cra­tique des Tra­vail­leurs du Mali) ste­he, die bei­de aktiv und mas­siv in der „5. Juni-Bewe­gung“ sich betei­ligt haben und betei­li­gen und von daher den Rück­tritt Kei­tas auch begrüßt haben…

Der Bei­trag Putsch in Mali: Wer hat war­um Angst davor, er kön­ne „regio­na­le Aus­wir­kun­gen“ haben? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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