[LCM:] Polizeigewalt in Berlin: „Ich habe nur noch Blut gesehen“

Anfang ver­gan­ge­ner Woche mach­ten auf Insta­gram Bil­der eines jun­gen Man­nes mit meh­re­ren Kopf­ver­let­zun­gen die Run­de. Zwei Brü­der, Jecki und King_​S, waren in der Nacht vom 16. auf den 17. August von Ber­li­ner Beam­ten fest­ge­nom­men wor­den. Sie erhe­ben schwe­re Vor­wür­fe gegen die Poli­zei, von Schlä­gen, Beschimp­fun­gen und Miss­hand­lun­gen ist die Rede.

Eine Pres­se­mel­dung der Ber­li­ner Poli­zei zu dem Vor­gang gibt es nicht, eine schrift­li­che Anfra­ge von lower class maga­zi­ne blieb bis­lang unbe­ant­wor­tet. Wir haben uns mit den bei­den jun­gen Män­nern getrof­fen und mit ihnen über den Vor­fall gespro­chen.

Ihr habt auf Insta­gram eure Begeg­nung mit der Ber­li­ner Poli­zei vom vor­ver­gan­ge­nen Wochen­en­de öffent­lich gemacht. Was ist an die­sem Abend gesche­hen?

Jecki: Wir waren zu zweit mit zwei Freun­din­nen im Mau­er­park, haben Musik gehört und gechillt. Es war schon etwas spä­ter, ein biss­chen dun­kel und schon men­schen­lee­rer. Da kam so ein Typ vor­bei, der Glas­fla­schen gesam­melt hat. Der woll­te eine halb­vol­le Fla­sche von uns neh­men, wir haben gesagt, er soll die nicht mit­neh­men. Dann gab es eine ver­ba­le Aus­ein­an­der­set­zung, der Typ hat ange­fan­gen, uns zu belei­di­gen und so. Aber dann ist er zunächst wie­der gegan­gen.

Nach zwan­zig Minu­ten kam er wie­der, aber nicht allein. Ein Kum­pel von ihn, eine Frau waren dabei und sie hat­ten jetzt zwei Kampf­hun­de. Dann haben sie mei­ne Bru­der ange­grif­fen und es kam zu einer Aus­ei­an­der­set­zung.

Gab es wäh­rend des Angriffs ras­sis­ti­sche Bemer­kun­gen?

Jecki: Ja, die haben ihn auch N**** genannt und so.

King_​S: Er hat sei­nen Hund auf mich gehetzt. Ich habe davon auch Biss­ver­let­zun­gen.

Was ist dann pas­siert?

Jecki: Wir sind dann weg­ge­gan­gen, zur Tram an der Ber­nau­er. Wir sind los­ge­fah­ren, ein paar Sta­tio­nen spä­ter kam dann aber die Poli­zei rein. Einer der Beam­ten hat gesagt, wir sol­len mit­kom­men. Ich habe gefragt, war­um. Er hat nichts dazu gesagt, son­dern mich nur auf­ge­for­dert, auf­zu­ste­hen und mich umzu­dre­hen. Ich habe wie­der gefragt, war­um. Auch da hat er nicht geant­wor­tet, son­dern direkt ver­sucht, mich mit Gewalt fest­zu­neh­men. Dann hat er mei­nen Bru­der am Nacken gepackt. Sie waren sehr grob zu ihm, sodass auch drei, vier Pas­san­tin­nen sich beschwert haben und gefragt haben, war­um die so mit ihm umge­hen. Er hat nur gesagt, das gehe sie nichts an.

King_​S: Dann hat er mich aus der Bahn raus­ge­holt. Und als ich drau­ßen war, hat er mir ins Ohr gesagt: „Du Wich­ser, du wirst sehen, was ich mit Dir mache.“ Mei­ne Hand­schel­len waren sehr fest, man sieht ja immer noch die Nar­ben. Ich sag­te: Kön­nen Sie bit­te mei­ne Hand­schel­len lockern? Aber ich wur­de nur beschimpft, als Arsch­loch, als Affe. Und ich wur­de bedroht. Er hat mich dann hin­ter das Auto mit­ge­nom­men, sein Bein war vor mei­nem und er hat zwi­schen den Hand­schel­len nach oben geris­sen. Er hat mich so auf den Boden gewor­fen und auf dem Boden war eine Bord­stein­kan­te, da bin ich dann mit dem Kopf dage­gen. Ich habe nur noch Blut gese­hen und gesagt: Mein Kopf blu­tet. Und er ant­wor­te­te nur: Halt dei­ne Fres­se, Halt dein Maul.

Du warst zu die­sem Zeit­punkt auch schon fest­ge­nom­men, Jecki?

Jecki: Ich war da noch in der Tram. Sie haben ihn zuerst raus­ge­zo­gen. Und als sie mich raus­ge­zo­gen haben, habe ich nur gese­hen, wie er bewusst­los auf dem Boden lag.

King_​S: Als ich da lag knie­ten sich ein Poli­zist auf mei­ne Bei­ne, einer auf mei­nen Nacken. Und ich habe dann irgend­wann kei­ne Luft mehr gekriegt. Auch als ich schon am Boden lag und blu­te­te, haben sie nicht auf­ge­hört, mich zu schla­gen. Ich hat­te ja viel Blut ver­lo­ren und wur­de ein­fach bewusst­los. Dann kam irgend­wann ein Kran­ken­wa­gen, ich kann mich noch erin­nern, dass ich kurz auf­ge­wacht wird und eine Kran­ken­schwes­ter mei­nen Kopf gestützt hat. Ich wur­de dann ins Kran­ken­haus gebracht. Ich habe immer gefragt, wo sie mei­nen Bru­der hin­brin­gen, aber es hat nie­mand geant­wor­tet.

Bei Dir ging es dann in die Gefan­ge­nen­sam­mel­stel­le?

Jecki: Mich haben sie in einen nahe­ge­leg­nen Poli­zei­ab­schnitt gefah­ren. Von dort dann zu einem ande­ren Abschnitt. Dann wur­de ich wie­der ent­las­sen. Ich habe die auch gefragt, was sie mit mei­nem Bru­der gemacht haben. Einer hat mich ange­guckt und mein­te, er wäre gestol­pert und dumm hin­ge­fal­len. Er hat­te ein Lächeln im Gesicht, als er das sag­te. Ich habe die gan­ze Zeit Fra­gen gestellt, war­um, wie­so, dies und das, weil die uns kei­nen Grund genannt haben, war­um sie uns fest­neh­men. Aber auch das Fra­gen hat denen anschei­nend nicht gepasst, der eine hat mich dann als Arsch­loch bezeich­net. Und es gab immer wie­der Über­grif­fe. Etwa bei der Fahrt von der Tram­sta­ti­on zum Abschnitt habe ich mit den Hand­schel­len das Fens­ter ein wenig run­ter­ge­macht, weil mir warm war. Dann hat einer von denen die Hand­schel­len ver­dreht, dass sie noch enger wer­den. Als wir auf dem Abschnitt waren, habe ich schon beim ers­ten Schritt aus dem Auto ein Knie abbe­kom­men. Da waren fünf, sechs Beam­te um mich rum. Ich hab ein paar Trit­te bekom­men und sie mein­ten, ich sol­le mein Maul hal­ten, wenn ich auf dem Abschnitt bin und dass ich mich beneh­men soll.

Hat man euch irgend­ei­ne Anzei­ge vor­ge­legt? Irgend­ei­nen Grund, war­um sie euch mit­ge­nom­men haben?

Jecki: Sie haben uns ange­zeigt wegen Wider­stand und weil wir sie angeb­lich belei­digt hät­ten.

Das bezieht sich aber ja, wenn über­haupt, auf die Zeit nach der Ver­haf­tung. Das Delikt, wegen dem man euch über­haupt erst mit­ge­nom­men hat, hat man euch nicht mit­ge­teilt?

Jecki: Nein. Wir haben ver­mu­tet, dass sie wegen die­ser Aus­ein­an­der­set­zung davor gekom­men sind. Aber gesagt haben sie uns nichts, also wis­sen wir es eigent­lich auch nicht.

Du hast ja ein Attest vom Arzt bekom­men, was für Ver­let­zun­gen hast du davon­ge­tra­gen?

King_​S: Vor allem die Wun­den am Kopf. Zwei der Platz­wun­den muss­ten genäht wer­den. Aber ich hat­te auch noch eine ver­letz­te Schul­ter von der Fest­nah­me. Und Biss­wun­den von dem Hund, aber das war ja vor der Fest­nah­me.

Hat­tet ihr ähn­lich schlech­te Erfah­run­gen mit der Poli­zei schon zuvor?

King_​S: Für mich ist es das ers­te Mal, dass ich so von Poli­zis­ten geschla­gen wur­de. Aber jetzt, da das pas­siert ist, will ich es auch öffent­lich machen. Das kann ja jedem jeder­zeit pas­sie­ren.

Jecki: Bei mir genau­so. Der­ar­ti­ge Gewalt von Beam­ten habe ich bis­her noch nie erlebt, das war das ers­te Mal.

Der Bei­trag Poli­zei­ge­walt in Ber­lin: „Ich habe nur noch Blut gese­hen“ erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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