[perspektive:] Folgen der Deindustrialisierung: Menschen im Osten verdienen immer noch weniger und arbeiten länger

Am 3. Oktober wird der 30. Jahrestag der „Deutschen Einheit“ gefeiert. Doch bis heute gibt es ein starkes Lohngefälle zwischen den neuen und alten Bundesländern. Im Osten müssen ArbeiterInnen im Jahresdurchschnitt bis zu anderthalb Wochen mehr arbeiten, verdienen dafür aber bis zu 15 Prozent weniger. Ursache dafür ist die Deindustrialisierung des Ostens

Das geht aus einer Unter­su­chung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes im Auf­trag der Links­frak­ti­on her­vor.

Dem­nach haben Men­schen in Ost­deutsch­land zum einen weni­ger Geld in der Tasche: Wäh­rend im Jahr durch­schnitt­lich 37.015€ deutsch­land­weit ver­dient wer­den, liegt der Jah­res­brut­to­lohn in Sach­sen-Anhalt bei­spiels­wei­se bei nur 30.739€.

Zum ande­ren müs­sen die Arbei­te­rIn­nen auch län­ger arbei­ten. Wur­den in Gesamt­deutsch­land 1.334 Stun­den im Jah­res­durch­schnitt gear­bei­tet, waren es in Thü­rin­gen schon 1.394 und in Sach­sen-Anhalt sogar 1.402 Stun­den.

Damit ver­die­nen Ost­deut­sche jähr­lich im Schnitt bis zu 17 Pro­zent weni­ger und müs­sen bis zu 1 ½ Wochen län­ger arbei­ten.

Keine schnelle Änderung zu erwarten

Dass sich dies kurz­fris­tig nicht ändern wird, sagt Peter Hahn, Lei­ter der Abtei­lung Staat beim Deut­schen Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) in Ber­lin, ganz offen.

Denn einer der wich­tigs­ten Grün­de für die unter­schied­li­chen Löh­ne in Ost und West sei, dass jeweils unter­schied­li­che Bran­chen ange­sie­delt sind. Zudem gebe es auch Unter­schie­de bei den Betriebs­grö­ßen. Denn: fast alle gro­ße Indus­trie­un­ter­neh­men befin­den sich in West­deutsch­land.

Deindustrialisierung als Grund

Das war nicht immer so. Ursa­che der gerin­gen Anzahl an Groß­be­trie­ben im Osten Deutsch­lands ist die geziel­te Deindus­tria­li­sie­rungs­po­li­tik nach der Ein­ver­lei­bung der DDR 1990. Durch die „Treu­hand“ wur­de damals ein Groß­teil der ost­deut­schen staat­li­chen Betrie­be pri­va­ti­siert und an west­deut­sche Kon­zer­ne fast ver­schenkt.

Der Gesamt­wert die­ses Kapi­tals, das die Treu­hand zu ver­wal­ten hat­te, wur­de zu Beginn auf 600 Mil­li­ar­den DM geschätzt. Bei der Treu­hand-Auf­lö­sung wies ihre Bilanz jedoch ein Minus von 256 Mil­li­ar­den DM auf.

Die ost­deut­schen Betrie­be wur­den nicht aus­ge­baut, son­dern zu Anhäng­seln west­deut­scher Betrie­be, deren Kon­zern­zen­tra­len ent­we­der im Wes­ten blie­ben oder dort­hin ver­la­gert wur­den. Das spie­gelt auch der mas­si­ve Rück­gang der Beschäf­tig­ten­zahl in der Indus­trie­for­schung von 75.000 (1989) auf ca. 12.000 (1994) in Ost­deutsch­land.

Auch wenn es ein­zel­ne Stand­or­te im Osten gibt, die wie­der Indus­trie­ka­pi­tal anlo­cken: die geziel­te Deindus­tria­li­sie­rung Ost­deutsch­lands wird ver­mut­lich noch über Jahr­zehn­te anhal­ten.

Der Bei­trag Fol­gen der Deindus­tria­li­sie­rung: Men­schen im Osten ver­die­nen immer noch weni­ger und arbei­ten län­ger erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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