[LCM:] Irland: Repressionswelle gegen irisch-republikanische Partei Saoradh

Unter der Füh­rung des bri­ti­schen Geheim­diens­tes gehen der­zeit Poli­zei­be­hör­den in Irland und Schott­land gegen die radi­ka­le repu­bli­ka­ni­sche Par­tei Sao­radh vor. Der His­to­ri­ker und Irland-Ken­ner Die­ter Rei­nisch hat mit Akti­vis­ten der Par­tei gespro­chen. Wir ver­öf­fent­li­chen eine über­setz­te und aktua­li­sier­te Ver­si­on eines ursprüng­lich auf Eng­lisch erschie­nen Arti­kels zu der Repres­si­ons­wel­le.

Am Diens­tag, den 18. August, ver­haf­te­te die nord­iri­sche Poli­zei PSNI, assis­tiert durch die süd­iri­sche Poli­zei An Gar­da Síochá­na neun füh­ren­de Mit­glie­der der radi­ka­len irisch-repu­bli­ka­ni­schen Par­tei Sao­radh (Befrei­ung). Die Ver­haf­tun­gen stan­den in Ver­bin­dung mit diver­sen Haus­durch­su­chun­gen bei Sao­radh-Mit­glie­dern in Der­ry, East Tyro­ne und North Armagh.

Im Süden Irlands durch­such­te die Gar­daí die Häu­ser von sechs Repu­bli­ka­nern in Dub­lin, Cork, Ker­ry und Lao­is. Die meis­ten, die durch die Haus­durch­su­chun­gen und Ver­haf­tun­gen betrof­fen waren, sind ehe­ma­li­ge repu­bli­ka­ni­sche Gefan­ge­ne. Alle neun fest­ge­nom­me­nen Mit­glie­der, sie­ben Män­ner und zwei Frau­en zwi­schen 26 und 50, wer­den immer noch in der Mus­gra­ve Serious Crime Suite in Bel­fast ver­hört. Im Süden gab es kei­ne Ver­haf­tun­gen.

BBC Nord­ir­land berich­te­te, dass der bri­ti­sche Geheim­dienst MI5 die Ope­ra­ti­on Arba­cia führt. In einer Erklä­rung vom Frei­tag infor­mier­te die PSNI, dass die Ope­ra­ti­on wei­ter­lau­fe. Am Don­ners­tag wur­den die vier Büros von Sao­radh in Der­ry, Newry, Bel­fast und Dun­gan­non durch­sucht. Am Frei­tag Mor­gen wur­de in Schott­land ein zehn­tes Par­tei­mit­glied nach einer Haus­durch­su­chung in Glas­gow fest­ge­nom­men. Alle zehn wer­den nach bri­ti­schen Anti-Ter­ror­ge­set­zen fest­ge­hal­ten und blei­ben in Unter­su­chungs­haft.

Die­se gro­ße, grenz­über­schrei­ten­de Ope­ra­ti­on gegen die repu­bli­ka­ni­sche Par­tei Sao­radh ist eine der bedeu­tens­ten Ope­ra­tio­nen gegen repu­bli­ka­ni­sche Akti­vis­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Über Mona­te hat der Geheim­dienst sei­ne Über­wa­chung von Sao­radh-Akti­vis­ten beson­ders in Der­ry und Stra­ba­ne ver­stärkt. Die Haus­durch­su­chun­gen und Ver­haf­tun­gen in Schott­land und bei­den Tei­len Irlands wei­sen dar­auf hin, dass die Ope­ra­ti­on zum Ziel hat, Sao­radh zu zer­schla­gen.

Die Ope­ra­ti­on fokus­siert sich haupt­s­säch­lich auf Füh­rungs­per­so­nen einer lega­len poli­ti­schen Par­tei in Nord­ir­land. Zur sel­ben Zeit gab eine Spre­che­rin von An Gar­da Síochá­na an, dass es „kei­ne Plä­ne gibt, Ver­haf­tun­gen [in der Repu­blik Irland] durch­zu­füh­ren“. Erklä­run­gen der Geheim­diens­te spre­chen davon. dass sich die Ope­ra­ti­on gegen die Akti­vi­tä­ten der so genann­ten „Neu­en IRA“ oder „IRA“ rich­te­ten. Die Fest­nah­me der poli­ti­schen Akti­vis­ten unter Anti-Ter­ror-Geset­zen bei einer Ope­ra­ti­on gegen die „Neue IRA“ zie­len dar­auf ab, angeb­li­che Bewei­se für die sich über­schnei­de­ne Mit­glied­schaft zwi­schen der lega­len Par­tei Sao­radh und der ver­bo­te­nen para­mi­li­tä­ri­schen IRA zu eta­blie­ren. Soll­te die­ser Ver­such der Geheim­diens­te erfolg­reich sein, dürf­te er das Vor­spiel für das Ver­bot von Sao­radh wer­den.

In einer Erklä­rung beton­te Pres­se­spre­cher Padd Gal­lag­her aus Der­ry, dass es sich bei Sao­radh um eine lega­le poli­ti­sche Par­tei han­delt: „Seit der Grün­dung von Sao­radh haben die Regie­run­gen des bri­ti­schen Staats und des Frei­staats [Repu­blik Irland] eine brei­te Palet­te dra­ko­ni­scher Maß­nah­men genutzt, um die Par­tei zu unter­drü­cken. In dem sie auf Par­tei­mit­glie­der, ihre Fami­li­en und Unter­stüt­zer gezielt haben, haben die Unter­drü­cker ver­sucht, die Par­tei mit Schicka­nen zur Auf­lö­sung zu zwin­gen. Die vom MI5 geführ­te Ope­ra­ti­on, zu der die Inter­nie­rung ver­schie­de­ner Mit­glie­der in Der­ry, Tyro­ne und Armagh gehör­te sowie wei­te­re Durch­su­chun­gen in Dub­lin, Cork und Ker­ry, ist ein wei­te­res Bei­spiel für Atta­cken und den sinn­lo­sen Ver­such, das Wachs­tum unse­rer Par­tei zu stop­pen.“

Schi­ka­ne gegen ehe­ma­li­ge Gefan­ge­ne

Alex McCro­ry, ein bekann­ter repu­bli­ka­ni­scher Akti­vist und ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Gefan­ge­ner aus Bel­fast sagt: „Die­ses Niveau grenz­über­grei­fen­der Koor­di­na­ti­on und Koope­ra­ti­on ist bei­spiel­los in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Zwei­fel­los wird dies beför­dert durch die Ernen­nung von Drew Har­ris [Anmer­kung: Drew Har­ris ist ein ehe­ma­li­ger Poli­zei­be­am­ter, der von der PSNI in Nord­ir­land zur Poli­zei der Repu­blik Irland gewech­selt hat] zu einem füh­ren­den Poli­zis­ten der 26 Coun­ties [Repu­blik Irland]. Har­ris mag die Uni­form des Frei­staats ange­zo­gen haben, aber im Her­zen ist er ein bri­ti­scher Poli­zist. In die­sem Fall hat er sich ein Bein aus­ge­ris­sen, um sei­nem vohe­ri­gen Arbeit­ge­ber zu assis­tie­ren.“

Sao­radh hat seit dem Start der Ope­ra­ti­on am Diens­tag zwei Erklä­run­gen her­aus­ge­ge­ben und Dee Fennell aus Bel­fast sprach wäh­rend der Durch­su­chun­gen der PSNI im Bel­fas­ter Büro auf UTV [TV-Sen­der].

Wäh­rend die Auf­merk­sam­keit der Medi­en sich vor allem auf die Ent­wick­lung in Nord­ir­land rich­te­te, habe ich mit eine Reprä­sen­tan­ten von Sao­radh in Dub­lin über die Situa­ti­on süd­lich der Gren­ze gespro­chen. Der Akti­vist ist ein ein­fluss­rei­ches Mit­glied der Par­tei, möch­te aber anonym blei­ben: „Wenn mein Name heu­te in den Medi­en auf­taucht, steht mein Haus auf der Durch­su­chungs­lis­te für mor­gen früh.“ In Dub­lin wur­den bereits zwei Häu­ser von Par­tei­ak­ti­vis­ten durch­sucht. „Die Ope­ra­ti­on war ein Angriff auf ehe­ma­li­ge Gefan­ge­ne. Aus­schließ­lich ehe­ma­li­ge Gefan­ge­ne wur­den her­aus­ge­sucht, aber es wur­de nichts gefun­den. Das ist ein­fach ein Beläs­ti­gen von [ehe­ma­li­gen] Gefan­ge­nen, wie es das schon seit Jah­ren gibt.“

Spen­den für Gefan­ge­ne, die in den Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis­sen Mag­ha­berry [Nord­ir­land] und Port­lai­se [Repu­blik Irland] ein­sit­zen, wer­den von der „Irish Repu­bli­can Pri­so­ners’ Dependents’ Asso­cia­ti­on „(IRPWA) gesam­melt. Aktu­ell gibt es rund 30 Gefan­ge­ne in Port­lao­i­se, um die sich die IRPWA küm­mert. „Ein kürz­lich ent­las­sen­der Gefan­ge­ner hat durch die andau­ern­den Beläs­ti­gun­gen durch die Gar­daí Spe­cial Branch [poli­ti­sche Poli­zei] sei­nen Job ver­lo­ren“.

Beson­ders empört war mein Gesprächs­part­ner über die Art und Wei­se der Durch­su­chun­gen: „Durch­ge­führt wur­den die Durch­su­chun­gen von der bewaff­nen­ten Emer­gen­cy Respon­se Unit. Das betrof­fe­ne Sao­radh-Mit­glied hat eine Part­ne­rin mit schwe­ren Rücken­pro­ble­men. Sie schau­te aus dem Fens­ter und sah, dass die gan­ze Stra­ße mit bewaff­ne­ten Poli­zis­ten voll war. Sie stell­ten gro­ße Lam­pen um das Haus. Sie wuss­te sofort, was los war.“

In den letz­ten Jah­ren hat­te ich immer wie­der Tref­fen mit dem Sao­radh-Mit­glied, des­sen Haus in Crum­lin durch­sucht wur­de. Eini­ge die­ser Tref­fen muss­ten immer wie­der ver­scho­ben wer­den, auf­grund der Gesund­heits­pro­ble­me und Kran­ken­haus­ter­mi­ne sei­ner Part­ne­rin. „Trotz der schwe­ren Gesund­heits­pro­ble­me wur­de die Part­ne­rin des Sao­radh Mit­glieds ange­grif­fen und zu Boden gebracht. Das war um fünf Uhr mor­gens. Auf­grund des Lärms kamen die Nach­barn auf die Stra­ße. Alles was sie mit die­sen Durch­su­chun­gen errei­chen ist, dass sie der Com­mu­ni­ty scha­den. Eini­ge der Nach­barn haben sich gegen die Durch­su­chun­gen aus­ge­spro­chen und pro­tes­tiert.“

Ich habe ihn gefragt, war­um er glaubt, dass Sao­radh in die­ser Woche ange­grif­fen wur­de:

„Sie wol­len die Stel­lung unse­rer Akti­vis­ten in der Com­mu­ni­ty beschä­di­gen. Sie machen sich Sor­gen, dass Sao­radh mit der Com­mu­ni­ty-Arbeit Erfolg hat, des­we­gen wol­len sie Sao­radh von der Com­mu­ni­ty ent­frem­den“.

In den Mona­ten vor dem Aus­bruch der Pan­de­mie hat sich Sao­radh zuneh­mend sozia­len Pro­ble­men wie der irland­wei­ten Haus­kri­se zuge­wandt. In den letz­ten Wochen hat­te Sao­radh in Bel­fast und Dub­lin gemein­sam mit ande­ren Sozia­lis­ten und iri­schen Anti­fa­ak­ti­vis­ten Rech­te kon­fron­tiert.

Der Jour­na­list John Mooney hat vor kur­zem eine Quel­le aus der Poli­zei in der Times zitiert, die erzähl­te, dass Repu­bli­ka­ner „jun­ge Men­schen für eine Viel­zahl von poli­ti­schen The­men wie Glo­ba­li­sie­rung und Anti­ka­pi­ta­lis­mus anzie­hen. Die Men­schen, die ihnen bei­tre­ten sind nicht nur tra­di­tio­nel­le Repu­bli­ka­ner son­dern eher lin­ke Akti­vis­ten“.

„Aber es gibt noch ande­re Grün­de für die­se Ope­ra­ti­on“, erklärt der Sao­radh-Reprä­sen­tant:

„Es ist eine PR-Lehr­stun­de der Poli­zei, so dass sie sagen kön­nen, sie tun etwas gegen die „Dis­si­den­ten“. Wir sind mit­ten in einer Pan­de­mie, die zu einer Rezes­si­on füh­ren wird und das ist ihr Weg, den Poli­ti­kern zu sagen, dass sie mehr Geld brau­chen.“

Dann lenkt er die Auf­merk­sam­keit auf einen ande­ren Punkt, der regel­ä­ßig von Sao­radh her­vor­ge­ho­ben wird – Irland als glo­ba­les Steu­er­pa­ra­dies für mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne: „Wir hat­ten 2008 eine mas­si­ve Finanz­kri­se. Ban­ker und Immo­bi­li­en­ent­wick­ler haben das Geld der Steu­er­zah­ler aus dem Fens­ter gewor­fen. Kor­rup­ti­on und Kri­mi­na­li­tät gab es jah­re­lang. Wie vie­le Ban­ken wur­den durch­sucht? Wie vie­le Häu­ser der Top-Bank­ma­na­ger wur­den durch­sucht? Wie vie­le von ihnen wur­den für ihre kri­mi­nel­len Akti­vi­tä­ten, die zur aktu­el­len sozia­len Kri­se geführt haben, ver­ur­teilt? Kei­ner, abso­lut nie­mand.“

Als ich zur nächs­ten Fra­ge kom­men will, insis­tiert er:

„Das war eine lang geplan­te, gut koor­di­nier­te Ope­ra­ti­on. Für so eine Ope­ra­ti­on brauchst Du Hun­der­te betei­lig­te. Wir hören regel­mä­ßig von der Regie­rung, dass es kei­ne Res­sour­cen gibt, um anti-sozia­les Ver­hal­ten und Dro­gen zu bekämp­fen. Aber es fin­den sich über 100 Poli­zis­ten, um mor­gens um 5 die Türen poli­ti­scher Akti­vis­ten ein­zu­tre­ten“.

Die Durch­su­chun­gen wer­den uns ent­schlos­se­ner machen“

Sao­radh wur­de offi­zi­ell im Herbst 2016 in Newry gegrün­det. Das Ziel war der Auf­bau einer irland­wei­ten, radi­ka­len repu­bli­ka­ni­schen Alter­na­ti­ven zum Kar­frei­tags­ab­kom­men und Sinn Fein. Eini­ge der füh­ren­den Mit­glie­der sind erfah­re­ne Repu­bli­ka­ner, die wäh­rend des Kon­flikts in Nord­ir­land in der pro­vi­so­ri­schen IRA und Sinn Fein aktiv waren. Hin­zu kam eine jun­ge Genera­ti­on von Repu­bli­ka­nern, zumeist aus der städ­ti­schen Arbei­ter­klas­se, die von Jugend­ar­beits­lo­sig­keit und sozia­len Pro­ble­men betrof­fen sind und im aktu­el­len poli­ti­schen Abkom­men kei­ne Per­spek­ti­ve sehen.

Schon Anfang 2016 orga­ni­sier­ten eini­ge, die spä­ter Sao­radh mit auf­ge­baut haben, einen Gedenk­marsch für die 100-Jahr­fei­er des Auf­stands von 1916. Bis zu 4000 Men­schen lie­fen hin­ter 50 Män­nern und Frau­en in para­mi­li­tä­ri­schen Uni­for­men durch das länd­li­che Coal­is­land in der Graf­schaft Tyro­ne. Der Haupt­red­ner der Ver­an­stal­tung war der frü­he­re repu­bli­ka­ni­sche Gefan­ge­ne Davy Jor­dan, der spä­ter ers­ter Vor­sit­zen­de der Par­tei wur­de. Ihm folg­te Bri­an Ken­na aus Dub­lin aber auch Jor­dan ist nach wie vor im Par­tei­vor­stand von Sao­radh.

Die Pan­de­mie hat Sao­radh gezwun­gen, ihre Gedenk­mär­sche in die­sem Jahr abzu­sa­gen, aber an Ostern im ver­gan­ge­nen Jahr nah­men immer noch bis zu 1000 Men­schen an ihrer natio­na­len Oster­ver­an­stal­tung in Dub­lin teil.

Wie wer­den die aktu­el­len Haus­durch­su­chun­gen und Ver­haf­tun­gen die Arbeit von Sao­radh beein­flus­sen?

„Ich glau­be nicht, dass die­se Durch­su­chun­gen einen Ein­fluss auf Dub­lin haben wer­den. Sie wer­den unse­re Mit­glie­der ent­schlos­se­ner machen. Ja, die­se Zei­ten sind beun­ru­hi­gend. Es ist immer beun­ru­hi­gend, wenn der Staat so hef­tig eine poli­ti­sche Grup­pe angreift. Aber es wird uns ent­schlos­se­ner machen, unse­re Bot­schaft zu ver­brei­ten.“

Er fährt fort: “Durch­su­chun­gen haben zwei Zie­le. Das ers­te ist, unse­re Akti­vis­ten von der Com­mu­ni­ty zu ent­frem­den. Wenn die Men­schen sol­che hef­ti­gen Durch­su­chun­gen sehen, den­ken sie: Oh mein Gott, was haben die bloß getan? Sie müs­sen etwas getan haben, wenn ihnen so etwas pas­siert. Der zwei­te Grund ist, dass sie Men­schen davon abhal­ten wol­len, uns bei­zu­tre­ten. Wenn Leu­te von den Durch­su­chun­gen hören, wer­den eini­ge uns nicht bei­tre­ten.“

Dann spricht er über die Kon­se­quen­zen für den Nor­den Irlands:

„Offen­sicht­lich sind die Fest­nah­men in den sechs Graf­schaf­ten [Bezeich­nung für Nord­ir­land] deut­lich beun­ru­hi­gen­der, weil die Ver­haf­te­ten immer noch in Haft sind und die Geheim­diens­te mög­li­cher­wei­se Ankla­ge­punk­te erfin­den. Das wür­de bedeu­ten, dass sie die Fest­ge­nom­me­nen für bis zu zwei Jah­re aus poli­ti­schen Akti­vi­tä­ten raus­neh­men. Das ist besorg­nis­er­re­gend.“

Auch wenn es eine nüch­ter­ne­re und wahr­schein­lich ehr­li­che­re Bewer­tung ist, spie­gelt sie doch wie­der, was auch Pad­dy Gal­lag­her aus Der­ry sagt: „Je mehr Wider­stand Sao­radh leis­tet, um so grö­ßer wird der aus­ge­üb­te Druck. Aber je mehr Druck aus­ge­übt wird, um so mehr wird Sao­radh Wider­stand leis­ten.“

Den­noch: mit der Fest­nah­me von zehn füh­ren­den Mit­glie­der von Sao­radh hängt die Bedro­hung durch Ankla­gen über der Par­tei. Falls eini­ge der Mit­glie­der aus dem Par­tei­vor­stand auf­grund von Anti­ter­ror-Geset­zen ange­klagt wer­den, wird sich zei­gen ob und wie Sao­radh sich von so einem Schlag erho­len kann.

Repres­si­ons­wel­le geht wei­ter

Seit der Ent­ste­hung des Inter­views haben sich die Befürch­tun­gen bewahr­hei­tet. Mitt­ler­wei­le wur­den fünf Män­ner und zwei Frau­en der ins­ge­samt zehn Fest­ge­nom­me­nen ange­klagt. Der ver­haf­te­te Sao­radh-Akti­vist aus Schott­land wur­de ent­las­sen. Den Ange­klag­ten wird eine gan­ze Rei­he von Straf­ta­ten vor­ge­wor­fen. Die Haupt­ankla­ge­punk­te sind IRA-Mit­glied­schaft, Waf­fen- und Spreng­stoff­be­sitz und Pla­nung von Ter­ror­an­schlä­gen. Ver­mut­lich wer­den auch die zwei ande­ren Fest­ge­nom­me­nen noch ange­klagt.

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag wur­de zudem ein 62-jäh­ri­ger, in Schott­land leben­der, Paläs­ti­nen­ser ver­haf­tet. Er hat­te im Novem­ber 2019 am Par­tei­tag von Sao­radh in der nord­iri­schen Stadt Newry eine Gruß­adres­se aus Paläs­ti­na ver­le­sen. Ihm wird vor­ge­wor­fen, dass er Kon­tak­te zwi­schen paläs­ti­nen­si­schen Orga­ni­sa­tio­nen und der Neu­en IRA auf­ge­baut haben soll.

Seit dem Wochen­en­de ist bekannt, dass ein Teil der Ermitt­lun­gen auf einen Spit­zel zurück­zu­füh­ren ist, der seit meh­re­ren Jah­ren in Sao­radh und der Neu­en IRA aktiv war und ursprüng­lich aus Schott­land stammt. Seit ver­gan­ge­nen Novem­ber war er in der natio­na­len Lei­tung der Par­tei. Er hat­te in der Ver­gan­gen­heit zwei Tref­fen in ange­mie­te­ten Feri­en­häu­sern orga­ni­siert. Nach Ansicht des Geheim­diens­tes han­delt es sich um Tref­fen der Armee­füh­rung der Neu­en IRA. Hier­auf basie­ren die Ankla­gen gegen die Fest­ge­nom­me­nen Sao­radh-Akti­vis­ten. Dem Geheim­dienst lie­gen nach eige­ner Aus­sa­ge meh­re­re Stun­den Audio- und Video­ma­te­ri­al der Tref­fen vor. Das Haus der Spit­zel wur­de schon am ver­gan­ge­nen Mitt­woch von Mit­ar­bei­tern des bri­ti­schen Geheim­diens­tes aus­ge­räumt und er soll sich in einem Zeu­gen­schutz­pro­gramm befin­den.

Der Bei­trag Irland: Repres­si­ons­wel­le gegen irisch-repu­bli­ka­ni­sche Par­tei Sao­radh erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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