[perspektive:] Der wahre Sieger der Champions League: Wie Katar vom europäischen Sport profitiert

In einem spannenden und hochklassigen Fußballspiel gewinnt der FC Bayern München mit 1:0 gegen Paris Saint-Germain (PSR) die Champions League. Doch Gewinner und Verlierer des Spiels standen im Vorfeld schon fest. Was hat Katar mit dem wichtigsten Spiel im europäischen Vereinsfußball zu tun? – Ein Kommentar von Felix Lucarelli

Investment bei PSG und den Bayern

Der Kata­ri­sche Kon­zern QSI (Qatar Sports Invest­ment) hat bereits im Jahr 2011 den kom­plet­ten Fuß­ball­ver­ein PSG auf­ge­kauft. Seit­dem hat er über 1,5 Mil­li­ar­den Euro in den Ver­ein inves­tiert. Nicht nur, dass sich der Ver­ein dadurch voll­stän­dig von sei­ner Basis, den Fans, ent­fernt hat: das vie­le Geld der Kata­ri­schen Scheichs sorgt für enor­me Ungleich­hei­ten, beson­ders auf finan­zi­el­ler Ebe­ne. PSG kann sich plötz­lich ohne gro­ße Ver­käu­fe Spie­ler wie den Bra­si­lia­ner Ney­mar da Sil­va San­tos Júni­or für 222 Mil­lio­nen Euro kau­fen. Sum­men, die bis dahin selbst im moder­nen, kom­mer­zia­li­sier­ten Fuß­ball für unmög­lich gehal­ten wur­den.

Auch der größ­te Fuß­ball­klub Deutsch­lands, der FC Bay­ern Mün­chen, macht Geschäf­te mit kata­ri­schen Unter­neh­men: Der staats­ei­ge­ne Flug­kon­zern ist als Spon­sor auf dem Ärmel der Bay­ern Tri­kots ver­tre­ten. Jedes Jahr fliegt der FC Bay­ern zum Win­ter­trai­nings­la­ger nach Katar. Für die Bay­ern bedeu­tet dies jähr­li­che Ein­nah­men in zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he, und Katar nutzt die­se Chan­ce, um sein Image auf­zu­bes­sern.

Menschenrechte in Katar? Für die Bayern-Bosse kein Thema

Es ist kein Geheim­nis, dass Men­schen­rech­te in Katar mit Füßen getre­ten wer­den. Demo­kra­tie, Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit exis­tie­ren nicht ein­mal for­mal. Arbei­te­rIn­nen, beson­ders aus dem Aus­land, müs­sen unter skla­ven­ähn­li­chen Bedin­gun­gen teil­wei­se über zwölf Stun­den am Tag bei extre­mer Hit­ze in der Wüs­ten­re­gi­on arbei­ten. Die Füh­rungs­eta­ge des FC Bay­ern lässt die Kri­tik kalt.

Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, Vor­stands­vor­sit­zen­der des FC Bay­ern, beteu­ert, in Katar „kei­nen ein­zi­gen Skla­ven“ gese­hen zu haben. Wer die Augen vor der Wahr­heit ver­schließt und sich nur in Hin­ter­zim­mer-Gesprä­chen über den nächs­ten gro­ßen Wer­be­deal aus­tauscht, der sieht wahr­schein­lich auch kei­ne Skla­ven. Das ändert aller­dings nichts an der Tat­sa­che, dass sie wei­ter­hin exis­tie­ren und unter unwür­digs­ten Bedin­gun­gen aus­ge­beu­tet wer­den. Und der FC Bay­ern schlägt Pro­fit dar­aus.

Katar profitiert durch den Sport: die Welt schaut zu und jubelt

Unter die­sen Umstän­den ist klar, dass Katar bei dem Duell zwi­schen PSG und dem FC Bay­ern so oder so als Sie­ger her­vor­geht. Aber hin­ter dem vie­len Geld aus Katar steckt noch mehr Stra­te­gie, als man im ers­ten Moment den­ken mag.

Durch sport­li­che Groß­ereig­nis­se, wie die Hand­ball-WM 2015, die Leicht­ath­le­tik-WM 2019 und die noch aus­ste­hen­de Fuß­ball-WM 2022 ver­bes­sert der Wüs­ten­staat sein Image und stößt so die Tür für neue Wer­be- und Inves­to­ren­ver­trä­ge auf. Finan­zi­el­ler Pro­fit ist vor­pro­gram­miert. Dass bei der Ver­ga­be all die­ser Groß­ereig­nis­se Kor­rup­ti­on eine gro­ße Rol­le spielt, ist nicht all zu weit her­ge­holt.

Wenn man ehr­lich ist: außer finan­zi­el­ler Aspek­te gibt es kei­ne Grün­de, eine Fuß­ball-WM in Katar aus­zu­tra­gen. Dort wird die ers­te Fuß­ball WM aus­ge­tra­gen, für die alle WM-Sta­di­en neu gebaut wer­den müs­sen. Dass dabei schon meh­re­re hun­dert Arbei­te­rIn­nen ums Leben gekom­men sind, ist für die FIFA und die gro­ßen natio­na­len Fuß­ball­ver­bän­de nichts als eine Rand­no­tiz. Das Geld steht über allem. Die­se Ent­wick­lung sorgt mitt­ler­wei­le selbst im eigent­li­chen Volks­sport Fuß­ball für immer mehr Todes­fäl­le und immer schlim­me­re Aus­beu­tung.

Gewinner und Verlierer

Solan­ge gro­ße Ver­bän­de wie der DFB und die FIFA oder Ver­ei­ne wie PSG und der FC Bay­ern mit dem Staat Katar und sei­nen Kon­zer­nen wei­ter Geschäf­te machen, klebt das Blut der Arbei­te­rIn­nen in Katar auch an ihren Hän­den. Auch die gro­ßen Fuß­ball­stars schwei­gen plötz­lich, wenn hun­der­te indi­sche und nepa­le­si­sche Gast­ar­bei­ter in Katar ster­ben. Logisch, denn nur so kön­nen ihre Mil­lio­nen­ge­häl­ter wei­ter­hin bezahlt und immer wei­ter erhöht wer­den. Sie alle sind Teil eines mör­de­ri­schen, aus­beu­te­ri­schen Sys­tems, das aus dem Fuß­ball her­aus ent­stan­den ist. Gewin­ner blei­ben Katar und die hohen Tie­re des Fuß­balls. Ver­lie­rer sind vor Allem die Men­schen­rech­te.

Der Bei­trag Der wah­re Sie­ger der Cham­pions League: Wie Katar vom euro­päi­schen Sport pro­fi­tiert erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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