[KgK:] Die Amerikas brennen – im wahrsten Sinne des Wortes

Der Kli­ma­wan­del wirkt sich auf das süd­ame­ri­ka­ni­sche Land beson­ders stark aus. So ist der Win­ter die­ses Jah­res ein sehr tro­cke­ner. Doch die 130 Bewohner*innen von Vil­la Alber­ti­na, einem 100 Kilo­me­ter von einem der größ­ten öko­no­mi­schen Zen­tren des Lan­des, Cór­do­ba, ent­fern­ten Dorf, haben nicht nur, aber auch des­halb momen­tan mit den schlimms­ten Wald­brän­den der letz­ten zwölf Jah­re zu kämp­fen. Durch star­ke Wind­bö­en erfas­sen die­se inzwi­schen die 70 Kilo­me­ter Ber­ge, Wie­sen und Wäl­der bis La Cale­ra – einer Klein­stadt in der Nähe der Groß­stadt, von wo aus die Rauch­wol­ken nun zu sehen sind.

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Están pren­di­en­do fue­go el país para garan­ti­zar sus nego­ci­os. Los incen­di­os en las sier­ras de Cór­do­ba son los más gra­ves en la últi­ma déca­da. Se sospecha que son inten­cio­na­les, ver­dade­ros crí­me­nes con­tra la natu­ra­le­za y la pobla­ción con el fin de „lim­pi­ar“ el sue­lo para el agro­n­ego­cio, lo mis­mo que los des­mon­tes. Hay cient­os de per­so­nas evacua­das. Ya ardie­ron vein­ti­cin­co mil hec­tá­re­as en lo que va del año. Las imá­ge­nes, como esta del Pan de Azú­car, nos remi­ten a lo que ocur­re en el del­ta del río Paraná. ¿Has­ta cuán­do van a hacer­nos vivir este infier­no? Bas­ta de que­mar nuestros bos­ques nativ­os, cer­ros, mon­tes y hume­da­les. Bas­ta de agro­n­ego­cio con­ta­mi­nan­te. Los Gobier­nos son respons­ables… #Incen­dio­sEn­Cór­do­ba #Cór­do­ba #Des­mon­tes #Incen­di­os­Fo­re­sta­les #Agro­n­ego­cio #Basta­De­Que­mas

Ein Bei­trag geteilt von Myri­am Breg­man (@myriambregman) am Aug 24, 2020 um 1:55 PDT

Die öko­lo­gi­schen Fol­gen sind ver­hee­rend: Die Luft wird ver­pes­tet und der Regen wird die Asche von den Berg­ket­ten in die Flüs­se spü­len, wo sich Was­ser anstau­en wird. Infol­ge der dann güns­ti­gen Bedin­gun­gen für Bak­te­ri­en wird es zu mas­si­ver Ver­un­rei­ni­gung des Grund­was­sers und des Bodens kom­men. Schon heu­te ster­ben Tau­sen­de sowie­so schon vom Aus­ster­ben bedroh­te Schild­krö­ten und Ech­sen, die dem Ver­bren­nen der mehr als 20.000 Hekt­ar Urwald nicht ent­kom­men kön­nen. Schon zuvor war der Anteil des Urwal­des um Cór­do­ba auf 3 Pro­zent der zwölf Mil­lio­nen Hekt­ar Urwald gesun­ken, die es noch im 20. Jahr­hun­dert umge­ben hat, die eine wich­ti­ge Funk­ti­on erfül­len: In der Regen­zeit sau­gen sie die Unmen­gen an Was­ser wie Schwäm­me auf, in der Tro­cken­zeit set­zen sie es suk­zes­si­ve frei.

Denn es ist nicht das ers­te Mal, dass das pas­siert. Im Gegen­teil: In den betrof­fe­nen Regio­nen kam es in allein in den letz­ten vier Jah­ren zu 208 Groß­feu­ern. Deren Unter­su­chung ergab, dass Landbesitzer*innen die Feu­er­wehr in meh­re­ren Fäl­len aktiv von der Löschung abge­hal­ten haben. Der Bio­lo­ge, For­scher und Dozent Cris­ti­an Schnei­der sagt im Gespräch mit La Izquier­da Dia­rio:

Mehr als 90 Pro­zent der Brän­de in die­sem Jahr haben weder eine natür­li­che Ursa­che noch sind sie aus Ver­se­hen von Men­schen ent­zün­det wor­den, son­dern absicht­lich.

Auch Jus­tiz und Poli­tik schau­en weg. Das ist inso­fern kein Zufall, dass vie­le der Funktionär*innen im Umwelt­mi­nis­te­ri­um Agrarunternehmer*innen sind, die sich in den ver­gan­gen zwei Jahr­zehn­ten vehe­ment dage­gen gewehrt haben, die für vor­he­ri­ge, nach­weis­lich ent­zün­de­te Brän­de Ver­ant­wort­li­chen zu bestra­fen, Pro­jek­te zur Wie­der­auf­fors­tung vor­an­zu­trei­ben und prä­ven­ti­ve Maß­nah­men wie das Ver­bot hoch­ex­plo­si­ver Che­mi­ka­li­en oder die Erklä­rung von Zonen zu Natur­schutz­ge­bie­ten zu tref­fen. Statt­des­sen wur­den der Feu­er­wehr Mit­tel gekürzt und das Früh­warn­sys­tem der Pro­vinz außer Kraft gesetzt.

Man könn­te sogar behaup­ten, es wür­de alles dar­auf gesetzt wer­den, auf Kos­ten der Flo­ra, Fau­na, Gesund­heit und Leben von Men­schen wei­te­re Brän­de zu ermög­li­chen. Getrie­ben von lukra­ti­ven Immo­bi­li­en­pro­jek­ten wie die gated com­mu­nities von Rei­chen in den Vor­or­ten von Metro­po­len wie Cór­do­ba, der Spe­ku­la­ti­on im Agrar­busi­ness und der Hoff­nung, dass sich die auf die Boden­nut­zung bezie­hen­den Geset­ze infol­ge der Ver­bren­nun­gen posi­tiv auf die eige­nen Gewin­ne aus­wir­ken, wenn zum Bei­spiel die Erwei­te­rung der Soja­pro­duk­ti­on erlaubt wür­de, wer­den Men­schen mit Brand­stif­tung beauf­tragt, so Schnei­der.

In Reak­ti­on auf die auch jetzt unzu­rei­chen­den Hilfs­maß­nah­men, arbei­tet die frei­wil­li­ge Feu­er­wehr seit Tagen unun­ter­bro­chen, seit Tagen orga­ni­sie­ren Anwohner*innen Bürger*innenwehren und Wald­bri­ga­den. Sie set­zen ihre eige­ne phy­si­sche Inte­gri­tät aufs Spiel, um das Welt­na­tur- und Kul­tur­er­be zu schüt­zen.

Für die Kos­ten der Umsied­lung von über 600 Per­so­nen sowie der Lebens­mit­tel­lie­fe­run­gen in unzäh­li­gen Flug­zeu­gen, Heli­ko­ptern und LKWs muss aber die Pro­vinz, müs­sen also letz­ten Endes sie selbst auf­kom­men. Dabei ist es die Gier der Landunternehmer*innen, die Hun­der­te armer Bäuer*innen-Familien, Kleinproduzent*innen und Sub­sis­tenz­wirt­schaf­ten­der ver­drängt.

Argentiniens Córdoba ist kein Einzelfall

Die Wald­brän­de zie­hen sich über den gan­zen Kon­ti­nent. Seit Wochen brennt es im Ama­zo­nas und Boli­vi­en. Momen­tan lässt sich ein wei­te­rer Fokus in Kali­for­ni­en ver­zeich­nen, wo über 10.000 Blit­ze in Kom­bi­na­ti­on mit Tem­pe­ra­tu­ren über 50 Grad Cel­si­us und star­kem Wind letz­te Woche inner­halb von 72 Stun­den 267 Brän­de auf ins­ge­samt 400.000 Hekt­ar Land aus­ge­löst haben. Expert*innen zufol­ge ist der Anstieg der ver­zeich­ne­ten Fäl­le – 2019 war das Rekord­jahr – beun­ru­hi­gend: Zusam­men mit den anstei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren sind sie es, die zum Aus­stoß von Unmen­gen an Treib­haus­ga­sen in die Atmo­sphä­re füh­ren, der die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels wei­ter ver­schärft.

Impre­sio­nan­te ima­gen del fotó­gra­fo Noah Ber­ger de los ter­ri­bles incen­di­os de Cali­for­nia.

▶¿Qué títu­lo le pon­drí­as? pic​.twit​ter​.com/​6​V​N​T​y​d​O​4qn

— Cli­má­ti­ca (@LMClimatica) August 21, 2020

Ange­sichts der noch immer anhal­ten­den Aus­brei­tung und Ver­meh­rung der Brän­de brau­chen wir eine pro­ak­ti­ve Poli­tik. Dabei kön­nen wir uns nicht auf die Mit­ver­ant­wort­li­chen stüt­zen. Des­halb brau­chen wir von den gro­ßen Immo­bi­li­en­grup­pen unab­hän­gi­ge Dis­kus­si­ons­räu­me, in denen die Bewohner*innen der in der Ver­gan­gen­heit, jetzt gera­de und poten­ti­ell betrof­fe­nen Dör­fer, die Bäuer*innen, Aktivist*innen und Expert*innen wie Schnei­der zu Wort kom­men und gemein­sam über eine Agen­da ent­schei­den.

Wie über­all auf der Welt wer­den auch in Argen­ti­ni­en Mil­li­ar­den in die Ret­tung der (Agrar-)Wirtschaft gepumpt. Statt­des­sen müs­sen sie auf Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, Sofort­hil­fen für die Feu­er­wehr und die Wie­der­auf­fors­tung ver­wen­det und die kapi­ta­lis­ti­schen Groß­un­ter­neh­men, die für Soja für die Fleisch­pro­duk­ti­on die Zer­stö­rung mensch­li­chen und tie­ri­schen Lebens sowie der der Natur in Kauf neh­men, ent­schä­di­gungs­los ent­eig­net und unter Arbeiter*innenkontrolle gestellt wer­den. Nur so kann sicher­ge­stellt wer­den, dass nicht wei­ter eini­ge weni­ge – und in der Ten­denz immer weni­ge­re – Reich­tum anhäu­fen und unse­re Lebens­grund­la­ge zer­stö­ren.

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