[labournet:] Die einen wollen Tariflöhne in der Altenpflege, die anderen die Arbeitgeber genau davor bewahren

Dossier

Pflegeambulanz„… Genau an die­ser Stel­le dockt die aktu­el­le Bericht­erstat­tung an: Rai­ner Brü­der­le will Tarif­löh­ne in der Alten­pfle­ge ver­hin­dern, so hat Cor­ne­lia Schmer­gal ihre Mel­dung über­schrie­ben: »Mit luf­ti­gen Ver­spre­chen wol­len die pri­va­ten Arbeit­ge­ber die flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung von Tarif­löh­nen in der Alten­pfle­ge­bran­che ver­hin­dern. In einem Brief an Poli­ti­ker der Gro­ßen Koali­ti­on, der dem SPIEGEL vor­liegt, wirbt der Bun­des­ver­band pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te (bpa) für ein unver­bind­li­ches Alter­na­tiv­mo­dell. « Wei­ter heißt es: »Der Ver­band emp­feh­le sei­nen Mit­glie­dern, in ihren Betrie­ben soge­nann­te Arbeits­ver­trags­richt­li­ni­en anzu­wen­den, schreibt bpa-Prä­si­dent Rai­ner Brü­der­le. Die­se Min­dest­be­din­gun­gen, die die Arbeit­ge­ber selbst fest­ge­legt haben, sehen bei einer Fünf-Tage-Woche neben dem gesetz­li­chen Min­dest-Urlaubs­an­spruch von 20 Tagen noch acht zusätz­li­che Urlaubs­ta­ge vor. Von einem Recht auf Weih­nachts- oder Urlaubs­geld ist dar­in nicht die Rede.« (Der hier erwähn­te Rai­ner Brü­der­le ist übri­gens nicht Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te (bpa), son­dern Prä­si­dent des bpa Arbeit­ge­ber­ver­ban­des). Der hier ange­spro­che­ne Ansatz des Lob­by­ver­ban­des der pri­va­ten Betrei­ber von Pfle­ge­hei­men und ‑diens­ten ist nun nicht neu…” Bei­trag von Ste­fan Sell vom 01.07.2018 auf aktu­el­le sozi­al­po­li­tik externer Link, sie­he dazu:

  • Pfle­ge­be­ru­fe: Nach wie vor ver­die­nen Pfle­ge­kräf­te unter­durch­schnitt­lich New
    “Pfle­ge­kräf­te gel­ten als Hel­den in der Coro­na-Kri­se. Doch For­de­run­gen nach ange­mes­se­ner Bezah­lung sto­ßen nach wie vor auf tau­be Ohren. Zwar wur­de der Coro­na-Bonus von 1500 Euro für Beschäf­tig­te in der Alten­pfle­ge im Juli aus­ge­zahlt, doch der Weg bis zu einem aus­kömm­li­chen Ein­kom­men ist noch weit. Wie weit, zei­gen neue Zah­len der Bun­des­agen­tur für Arbeit, die dem Redak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND) vor­lie­gen. Danach ver­dien­ten bun­des­weit 28,3 Pro­zent der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig voll­zeit­be­schäf­tig­ten Alten­pfle­ger in Deutsch­land nur einen Nied­rig­lohn. Dabei bestehen gro­ße Unter­schie­de zwi­schen Ost- und West­deutsch­land. In West­deutsch­land liegt der Anteil der Nied­rig­lohn­be­schäf­tig­ten bei einem Vier­tel (25,3 Pro­zent) – im Osten weit höher bei 40,7 Pro­zent. Von nied­ri­gen Löh­nen beson­ders betrof­fen sind Hel­fer in der Alten­pfle­ge, die kei­ne Fach­aus­bil­dung vor­wei­sen kön­nen. Hier arbei­ten 58 Pro­zent im Nied­rig­lohn­sek­tor. Im Osten liegt der Anteil sogar bei 78,5 Pro­zent. Gro­ße Unter­schie­de gibt es auch zwi­schen deut­schen und aus­län­di­schen Pfle­ge­kräf­ten. Bun­des­weit arbei­ten 25,6 Pro­zent der voll­zeit­be­schäf­tig­ten deut­schen Alten­pfle­ger im Nied­rig­lohn­sek­tor, aber 42,6 Pro­zent der Aus­län­der. In Ost­deutsch­land liegt der Anteil der deut­schen Alten­pfle­ger im Nied­rig­lohn­sek­tor bei 39 Pro­zent. Bei aus­län­di­schen Pfle­ge­kräf­ten beträgt die­ser Anteil sogar 61,5 Pro­zent…“ Arti­kel von Jan Stern­berg vom 24.08.2020 beim Redak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land externer Link – sie­he auch im Ärz­te­blatt online: Mehr Arbeits­lo­sig­keit und ver­brei­tet Nied­rig­löh­ne in der Pfle­ge externer Link
  • Pfle­ge­kom­mis­si­on: Der Pfle­ge­min­dest­lohn steigt – unge­nü­gend durch mas­si­ven Wider­stand der Arbeit­ge­ber 
    “… Im Ein­zel­nen sieht die Emp­feh­lung der Pfle­ge­kom­mis­si­on an das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um fol­gen­de Rege­lun­gen vor: Der Pfle­ge­min­dest­lohn für unge­lern­te Pfle­ge­kräf­te steigt um 16 Pro­zent (Ost) bzw. 11 Pro­zent (West) von der­zeit 10,85 Euro bzw. 11,35 Euro pro Stun­de schritt­wei­se bis 2022 auf 12,55 Euro pro Stun­de; das ent­spricht bei einer 40-Stun­den-Woche einem Monats­ent­gelt von rund 2.183 Euro. Für Pfle­ge­kräf­te mit ein- bzw. zwei­jäh­ri­ger Aus­bil­dung steigt der Min­dest­lohn bis 2022 um 22 Pro­zent (Ost) bzw. 16 Pro­zent (West) auf 13,20 Euro pro Stun­de; damit liegt bei einer 40-Stun­den-Woche das Monats­grund­ent­gelt bei 2.296 Euro. Erst­mals wird es ab Juli 2021 auch einen Pfle­ge­min­dest­lohn für drei­jäh­rig aus­ge­bil­de­te Fach­kräf­te geben. Die­ser beträgt zunächst 15 Euro pro Stun­de und er steigt im April 2022 auf 15,40 Euro pro Stun­de; das bedeu­tet bei einer 40-Stun­den-Woche ein Grund­ent­gelt von 2.678 Euro. Pfle­ge­kräf­te haben künf­tig einen Anspruch von 25 bzw. 26 Tagen Urlaub pro Jahr – ein deut­li­cher Fort­schritt gegen­über dem gesetz­li­chen Anspruch von 20 Tagen Urlaub pro Jahr. Ein Stun­den­lohn von 15,40 Euro für Pfle­ge­fach­kräf­te ist noch lan­ge nicht ange­mes­sen für die­se ver­ant­wor­tungs­vol­le und for­dern­de Tätig­keit“, sag­te Büh­ler. „Aber es ist ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, der die schlimms­ten Aus­beu­tun­gen abstellt.“ Die drin­gend erfor­der­li­che Auf­wer­tung der Pfle­ge wer­de so aber noch nicht erreicht; dafür sei­en auch gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­on und Ent­schlos­sen­heit der Beschäf­tig­ten ent­schei­dend…“ Mel­dung vom 28.01.2020 bei ver.di externer Link, sie­he dazu die Arbeit­ge­ber:
    • Die Min­dest­löh­ne in der Alten­pfle­ge stei­gen bis 2022 deut­lich. Eini­gung in der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on
      Zur Eini­gung der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on erklärt Tho­mas Grei­ner, Prä­si­dent des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des Pfle­ge: Der Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge begrüßt ohne Wenn und Aber die erziel­te Eini­gung der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on, die den Fach- und Hilfs­kräf­ten in der Pfle­ge ein Min­dest­ein­kom­men garan­tiert, das nicht mehr unter­schrit­ten wer­den darf. (…)  Die­se Eini­gung zwi­schen Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern zeigt, dass die Betei­lig­ten selbst die Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge regeln kön­nen, es braucht dazu die Poli­tik nicht. Trotz die­ser Eini­gung will Arbeits­mi­nis­ter Heil aber offen­bar wei­ter einen Zwangs­ta­rif­ver­trag erlas­sen, um sei­ner Gewerk­schaft ver.di bei der Mit­glie­der­wer­bung zu hel­fen, denn nur weni­ge Pfle­ge­kräf­te haben sich bis­her gewerk­schaft­lich orga­ni­siert. Dahin­ter ver­birgt sich auch, dass durch wei­te­re, umfas­sen­de­re Rege­lun­gen der Wett­be­werb und die unter­neh­me­ri­sche Hand­lungs­frei­heit ein­ge­schränkt wer­den sol­len. Ver­schwie­gen wird dabei, dass ein sol­cher Ver­trag die Kos­ten ins ufer­lo­se stei­gen las­sen wür­de, die am Ende die Betrof­fe­nen zu zah­len haben. Des­we­gen wird der Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge sich gegen die­sen all­ge­mein ver­pflich­ten­den Tarif­ver­trag wen­den. Er ist so über­flüs­sig wie ein Kropf…“ Mel­dung vom 28.01.2020 beim Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge externer Link
  • Tarif­ver­trag für Pfle­ge­kräf­te: Der kom­pli­zier­te Weg zum Ein­heits­lohn 
    Weil nur weni­ge Beschäf­tig­te in der Pfle­ge von Tarif­ver­trä­gen pro­fi­tie­ren, wol­len Bund und Sozi­al­ver­bän­de einen all­ge­mein ver­bind­li­chen Bran­chen­ta­rif. Der Weg aber ist kom­pli­ziert. Es fehlt an einem Arbeit­ge­ber­ver­band, die Trä­ger sind zer­strit­ten bei dem The­ma. (…) „Wir wer­den es aus eige­ner Kraft nicht schaf­fen! Das ist nicht schön, das ich das sagen muss. Viel lie­ber wür­de ich Tarif­ver­hand­lun­gen füh­ren. Aber wenn es auf der Arbeit­ge­ber­sei­te nie­man­den gibt, mit dem man einen Bran­chen­ta­rif­ver­trag oder min­des­tens für vie­le Ein­rich­tun­gen ver­han­deln kann, kann man eine Bran­che nicht ord­nen“, sagt ver.di Vor­stands­mit­glied Sil­via Büh­ler. Aber bei nüch­ter­ner Betrach­tung bleibt das auch ein Wunsch­traum der Gewerk­schaf­ter. Denn die Bran­che ist von jeher stark zer­split­tert und schlecht orga­ni­siert, sodass die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di kaum Fuß fas­sen kann. Nur für ein Fünf­tel der Beschäf­tig­ten gibt es tarif­li­che Arbeits­be­din­gun­gen. Die pri­va­ten Trä­ger, die rund die Hälf­te des Markts bestim­men, weh­ren sich; die kirch­li­chen gehen auch in Zukunft per Gesetz weit­ge­hend einen eige­nen Weg; und mit­ten­drin gibt es Ver­su­che, die Bran­che doch noch auf einen gemein­sa­men Nen­ner zu brin­gen. Seit dem ver­gan­ge­nen Juni gibt es eine neue Bun­des­ver­ei­ni­gung Arbeit­ge­ber in der Pfle­ge­bran­che, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Tarif­ver­trag für die gesam­te Bran­che aus­zu­han­deln. „In die­sem kur­zen Zeit­raum sind wir zustän­dig gewor­den für über 300 Mit­glieds­un­ter­neh­men mit einer Viel­zahl von Ein­rich­tun­gen. Dem­entspre­chend haben wir die Tarif­kom­mis­si­on grün­den kön­nen und Tarif­ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men. Und des­we­gen habe ich über­haupt kei­nen Zwei­fel, dass unser Tarif­ver­trag ein sehr reprä­sen­ta­ti­ver sein wird. Ich sehe auch gar kei­nen ande­ren“, gibt sich Gero Kett­ler, als Vor­stands­mit­glied des neu­en Ver­ban­des zuver­sicht­lich. (…) Die pri­va­ten Pfle­ge­un­ter­neh­men fürch­ten ein tak­ti­sches Bünd­nis der kirch­li­chen Trä­ger, also Cari­tas und Dia­ko­nie, mit den sozia­len Trä­gern wie AWO und die Volks­o­li­da­ri­tät. „Die Kir­chen wer­den dafür sor­gen durch ihre Zustim­mung, dass eine All­ge­mein­ver­bind­lich­keit ermög­licht wird. Aber die Kir­chen sel­ber sind nicht an das Ergeb­nis gebun­den“, sagt Tho­mas Grei­ner, vom pri­va­ten Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge…” Bei­trag von Vol­ker Fintham­mer vom 27.12.2019 beim Deutsch­land­funk externer Link
  • 17 Jah­re ohne Lohn­er­hö­hung: Beschäf­tig­te einer kom­mer­zi­el­len Pfle­ge­ein­rich­tung in Darm­stadt kämp­fen für Tarif­ver­trag
    “Vor Flos­keln der Wert­schät­zung kön­nen sich Pfle­ge­kräf­te die­ser Tage kaum ret­ten. So war es auch am Diens­tag­nach­mit­tag in der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung Darm­stadts. Die Links­par­tei hat­te einen Antrag auf Unter­stüt­zung der Beschäf­tig­ten der Senio­ren­re­si­denz Wohn­park Kra­nich­stein ein­ge­bracht, die in den ver­gan­ge­nen 17 Jah­ren kei­ne ein­zi­ge regu­lä­re Lohn­er­hö­hung erhal­ten haben. Sie for­dern einen Tarif­ver­trag und haben dafür Mit­te Okto­ber erst­mals die Arbeit nie­der­ge­legt. Mit der Reso­lu­ti­on soll­te die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung an die Geschäfts­füh­rung des kom­mer­zi­el­len Pfle­ge­heims appel­lie­ren, end­lich einen Tarif­ver­trag mit Ver­di abzu­schlie­ßen. Doch dazu konn­ten sich die Mehr­heits­frak­tio­nen CDU und Grü­ne nicht durch­rin­gen. Statt­des­sen beschlos­sen sie eine all­ge­mei­ne Erklä­rung, nach der Pfle­ge­kräf­te Wert­schät­zung und eine fai­re Bezah­lung ver­die­nen. »Die Beschäf­tig­ten hät­ten sich mehr Unter­stüt­zung und eine kla­re Posi­tio­nie­rung durch die Poli­tik gewünscht«, erklär­te Ver­di-Sekre­tä­rin Anet­te Hergl am Mitt­woch gegen­über jW. Es sei über­fäl­lig, dass Tarif­bin­dung in der öffent­li­chen Daseins­vor­sor­ge zur Regel wird. Gebaut hat­te das Pfle­ge­heim Wohn­park Kra­nich­stein einst eine Toch­ter­ge­sell­schaft des städ­ti­schen Ener­gie­ver­sor­gers Ent­e­ga. Jetzt ist es in der Hand kom­mer­zi­el­ler Fir­men, die nur eins wol­len: Gewin­ne machen und an ihre Anteils­eig­ner wei­ter­rei­chen. (…) Auf wes­sen Kos­ten die Gewin­ne erzielt wer­den, ist klar: Nach jah­re­lan­gen Real­lohn­ver­lus­ten ver­die­nen vie­le Beschäf­tig­te kaum mehr als den gesetz­li­chen Min­dest­lohn. Etli­che müs­sen wei­te­re Jobs anneh­men oder mit Arbeits­lo­sen­geld II auf­sto­cken. Die Situa­ti­on zeigt exem­pla­risch, wozu die poli­tisch betrie­be­ne Kom­mer­zia­li­sie­rung führt, die in der Alten­pfle­ge weit fort­ge­schrit­ten ist. Fast die Hälf­te der gut 14.000 Pfle­ge­hei­me wird pri­vat betrie­ben. Hedge­fonds und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten haben die Bran­che als pro­fi­ta­ble Anla­ge­mög­lich­keit für sich ent­deckt. Um in dem Dum­ping­wett­be­werb eine unte­re Gren­ze ein­zu­zie­hen, ver­han­delt Ver­di der­zeit mit Wohl­fahrts­ver­bän­den über einen Tarif­ver­trag, der auf die gesam­te Bran­che erstreckt wer­den soll. Zugleich unter­stützt die Gewerk­schaft betrieb­li­che Gegen­wehr – wie aktu­ell in Darm­stadt…“ Arti­kel von Dani­el Beh­ru­zi vom 05.12.2019 in der jun­gen Welt externer Link
  • Bun­des­wei­ter ver.di-Aktionstag am Mitt­woch 20.11.2019 in der Alten­pfle­ge: Beschäf­tig­te for­dern mehr Per­so­nal, flä­chen­de­cken­den Tarif­ver­trag und Begren­zung der Eigen­an­tei­le bei den Kos­ten für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge 
    “… Der­zeit ver­hand­le ver.di mit der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Arbeit­ge­ber in der Pfle­ge­bran­che (BVAP) über einen Tarif­ver­trag Alten­pfle­ge, der vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter auf die gesam­te Alten­pfle­ge erstreckt wird. Ziel sei es, die­sen Tarif­ver­trag noch in die­sem Jahr abzu­schlie­ßen. Die­se tarif­li­chen Rege­lun­gen über Min­dest­be­schäf­ti­gungs­be­din­gun­gen in der Alten­pfle­ge müss­ten dann auch Arbeit­ge­ber ein­hal­ten, die bis­lang sehr nied­ri­ge Löh­ne zahl­ten und schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen böten. Es gehe auch dar­um, die bes­se­ren Tarif­ver­trä­ge, die wei­ter bestehen blei­ben, von unten abzu­stüt­zen. Außer­dem erwar­ten die Beschäf­tig­ten von den Gesund­heits­po­li­ti­ke­rin­nen und –poli­ti­kern im Bund und den Län­dern, dass end­lich ein ein­heit­li­ches ver­bind­li­ches Sys­tem zur Per­so­nal­aus­stat­tung auf den Weg gebracht wird, das sich am Pfle­ge­be­darf ori­en­tiert. „Der bis­lang unter Ver­schluss gehal­te­ne Zwi­schen­be­richt über das Instru­ment zur bedarfs­ori­en­tier­ten Per­so­nal­be­mes­sung, das zu ent­wi­ckeln der Gesetz­ge­ber in Auf­trag gege­ben hat, muss end­lich ver­öf­fent­lich wer­den“, so Büh­ler. „Nach allem, was man hört, bestä­tigt der Bericht, dass in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen über 30 Pro­zent Per­so­nal mehr ein­ge­setzt wer­den muss, um eine gute Pfle­ge zu gewähr­leis­ten.“ Damit Pfle­ge­be­dürf­tig­keit nicht arm mache, müs­se end­lich das Dilem­ma auf­ge­löst wer­den, „dass bei jeder Tarif­er­hö­hung der Beschäf­tig­ten und der drin­gend erfor­der­li­chen Ver­bes­se­rung der Per­so­nal­aus­stat­tung der Eigen­an­teil steigt, den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen für pfle­ge­be­ding­te Leis­tung zah­len müs­sen“, so Büh­ler wei­ter. Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter sei gefor­dert, als Sofort­maß­nah­me die Begren­zung des Eigen­an­teils auf den Weg zu brin­gen. „Das Pfle­ge­ri­si­ko muss soli­da­risch abge­si­chert wer­den; dafür brau­chen wir einen Sys­tem­wech­sel in der Pfle­ge­ver­si­che­rung hin zu einer Pfle­ge­bür­ger­voll­ver­si­che­rung.“ Der ver.di-Aktionstag fin­det am 20. Novem­ber, dem Buß- und Bet­tag, statt. Die­ser wur­de Mit­te der 1990er Jah­re als Fei­er­tag in allen Bun­des­län­dern außer Sach­sen abge­schafft, um den Arbeit­ge­ber­an­teil zur neu geschaf­fe­nen Pfle­ge­ver­si­che­rung aus­zu­glei­chen. Die­sen Tag neh­men die Pfle­ge­kräf­te nun zum Anlass, um auf ihre For­de­run­gen auf­merk­sam zu machen.“ ver.di Pres­se­mit­tei­lung vom 18.11.2019 externer Link
  • Gute oder nur bes­se­re Löh­ne? Die Leer­stel­le Finan­zie­rung beim Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz 
    “… Doch die sonst so akti­ve Pfle­ge­com­mu­ni­ty blieb weit­ge­hend still. Gro­ßen Applaus für das Gesetz gab es nicht. Das liegt zum einen dar­an, dass das Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz zunächst ein­mal nur die Grund­la­ge für bes­se­re Löh­ne schafft, sie selbst aber nicht erhöht. Was es tut: Es ermög­licht, dass ein Tarif­ver­trag für alle Altenpfleger*innen all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wer­den kann. An die­sen müss­ten sich alle, auch die pri­va­ten Anbie­ter, hal­ten. Sie sind es, die der­zeit die mie­ses­ten Löh­ne zah­len. Die Initia­ti­ve zur Auf­wer­tung des Pfle­ge­be­rufs ist daher gut. Denn ohne die­sen Schritt wür­de es nie einen Tarif­ver­trag geben, der die Beschäf­tig­ten bes­ser ent­loh­nen wird. Nun geht es also um die Umset­zung, und die Fra­ge, wie hoch über­haupt die Löh­ne in einem Tarif­ver­trag aus­fal­len kön­nen. Die Ant­wort dar­auf ist jedoch voll­kom­men unklar. Der Grund: Die Finan­zie­rung ist eine gro­ße Leer­stel­le im Gesetz. Die Sozi­al­ver­bän­de appel­lie­ren an Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), die Kos­ten­stei­ge­run­gen ver­bind­lich und dau­er­haft über die Pfle­ge­kas­se zu refi­nan­zie­ren. »Wenn es da kei­ne Zusa­ge gibt, kön­nen die Löh­ne auch nicht so sehr ver­bes­sert wer­den, wie wir das ger­ne hät­ten«, heißt es aus Krei­sen der Sozi­al­ver­bän­de, die in dem Fall Arbeit­ge­ber sind…“ Bei­trag von Ali­na Leim­bach vom 26.10.2019 im Neu­en Deutsch­land online externer Link
  • Gesetz für Tarif­löh­ne in der Alten­pfle­ge beschlos­sen – Tarif­ver­hand­lun­gen begin­nen 
    Der Bun­des­tag hat am 24. Okto­ber in Ber­lin mit den Stim­men der Regie­rungs­ko­ali­ti­on und der Grü­nen ein Gesetz für bes­se­re Löh­ne in der Alten­pfle­ge beschlos­sen. Es führt nicht unmit­tel­bar zu einer höhe­ren Bezah­lung, schafft aber die gesetz­li­che Grund­la­ge für einen flä­chen­de­cken­den Tarif­ver­trag in der Bran­che. Ein neu­er Arbeit­ge­ber­ver­band und die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di woll­ten noch am Frei­tag mit Tarif­ver­hand­lun­gen begin­nen. (…) Das Arbeits­mi­nis­te­ri­um kann nun Tarif­er­geb­nis­se für all­ge­mein­ver­bind­lich erklä­ren. Vor­aus­set­zung ist, dass die kirch­li­chen Arbeit­ge­ber zuvor ange­hört wur­den. Sie gehö­ren zu den größ­ten Arbeit­ge­bern in der Bran­che. Tarif­li­che Ver­ein­ba­run­gen über Min­dest­löh­ne haben künf­tig Vor­rang vor den Vor­schlä­gen der Pfle­ge­kom­mis­si­on. (…) Die Kom­mis­si­on soll künf­tig als stän­di­ges Gre­mi­um mit einer jeweils fünf­jäh­ri­gen Amts­zeit beru­fen wer­den. Gegen­wär­tig gilt ein Pfle­ge­min­dest­lohn von 11,05 Euro pro Stun­de im Wes­ten und 10,55 Euro im Osten Deutsch­lands.” Agen­tur­mel­dung vom 25.10.2019 bei Häus­li­che Pfle­ge externer Link
    • ver.di und Arbeit­ge­ber­ver­band BVAP haben Ver­hand­lun­gen über einen bun­des­wei­ten Tarif­ver­trag Alten­pfle­ge auf­ge­nom­men
      “Einen Tag, nach­dem der Deut­sche Bun­des­tag das Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz beschlos­sen hat, haben die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) und die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Arbeit­ge­ber in der Pfle­ge­bran­che (BVAP) am heu­ti­gen Frei­tag (25.10.) in Ber­lin ihre Ver­hand­lun­gen über einen bun­des­wei­ten Tarif­ver­trag Alten­pfle­ge begon­nen. „Es ist gut, dass wir die­ses ambi­tio­nier­te Pro­jekt jetzt gestar­tet haben, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns. Es wer­den schwie­ri­ge Ver­hand­lun­gen“, sag­te ver.di-Bundesvorstandsmitglied Syl­via Büh­ler, das für ver.di die Ver­hand­lun­gen führt, im Anschluss. Bei­de Sei­ten hät­ten sich dar­auf ver­stän­digt, auch einen Tarif­ver­trag für die Aus­zu­bil­den­den abzu­schlie­ßen. „Das ist ein gutes Signal“, so Büh­ler. (…) Kon­kret for­dert die ver.di-Tarifkommission für Beschäf­tig­te ohne Aus­bil­dung ein Ein­stiegs­ent­gelt von 13,50 Euro pro Stun­de, für Beschäf­tig­te mit drei­jäh­ri­ger Aus­bil­dung soll es 16,70 Euro pro Stun­de betra­gen. (Zum Ver­gleich: Der Pfle­ge­min­dest­lohn liegt der­zeit im Wes­ten bei 11,05 Euro pro Stun­de und im Osten bei 10,55 Euro; der gesetz­li­che Min­dest­lohn beträgt der­zeit 9,19 Euro pro Stun­de.) „Die Ent­gel­te im Tarif­ver­trag müs­sen den Lohn­ab­stand zwi­schen Alten- und Kran­ken­pfle­ge deut­lich ver­rin­gern“, so Büh­ler. (…) Damit der Ziel­kon­flikt zwi­schen fai­rer Bezah­lung der Beschäf­tig­ten, aus­rei­chen­dem Per­so­nal und Begren­zung der Kos­ten für die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen gelös­te wer­de, brau­che es als ers­ten Schritt eine Begren­zung des von den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu tra­gen­den Eigen­an­teils der Pfle­ge­kos­ten. Büh­ler: „Damit das Lebens­ri­si­ko Pfle­ge soli­da­risch abge­si­chert wird, brau­chen wir letzt­lich eine Pfle­ge­bür­ger­voll­ver­si­che­rung.“ ver­di-Pres­se­mit­tei­lung vom 25.10.2019 externer Link
  • Alten­pfle­ge­hel­fer: Knapp zwei Drit­tel unter Nied­rig­lohn­gren­ze
    Fast zwei Drit­tel der voll­zeit­be­schäf­tig­ten Alten­pfle­ge­hel­fer in Deutsch­land lie­gen unter der so genann­ten Nied­rig­lohn­schwel­le von 2.203 Euro brut­to im Monat. Das geht aus einer Daten­aus­wer­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit für die Links­frak­ti­on im Bun­des­tag her­vor, die der „Rhei­ni­schen Post“ vor­liegt. Dem­nach erziel­ten im ver­gan­ge­nen Jahr auch 14 Pro­zent der voll­zeit­be­schäf­tig­ten Alten­pfle­ge-Fach­kräf­te nur Gehäl­ter unter­halb der Nied­rig­lohn­schwel­le. Nach der EU-Defi­ni­ti­on liegt die­se bei 60 Pro­zent des durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens.” Mel­dung vom 24. Okto­ber 2019 beim Deutsch­land­funk externer Link
  • [Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz] Gesetz ebnet Weg für Tarif­ver­trag in der Alten­pfle­ge 
    “ver.di hat anläss­lich der Anhö­rung zum Gesetz für bes­se­re Löh­ne in der Pfle­ge, zum soge­nann­ten Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz, ihre For­de­rung nach einer deut­li­chen Auf­wer­tung der Alten­pfle­ge bekräf­tigt. Das Gesetz selbst sor­ge zwar nicht auto­ma­tisch für bes­se­re Löh­ne, ebne aber den Weg für einen Tarif­ver­trag, der auf die gesam­te Alten­pfle­ge erstreckt wer­den kön­ne, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Syl­via Büh­ler. Damit aus­rei­chend vie­le Beschäf­tig­te für die Alten­pfle­ge gewon­nen und gehal­ten wer­den könn­ten, bräuch­te es bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen. Neben mehr Per­so­nal müs­se die ver­ant­wor­tungs­vol­le und oft auch kör­per­lich und emo­tio­nal anstren­gen­de Arbeit ange­mes­sen ver­gü­tet wer­den, so Büh­ler. Ein Ein­grei­fen der Poli­tik sei not­wen­dig, weil sich vor allem kom­mer­zi­el­le Arbeit­ge­ber in der Alten­pfle­ge einer bes­se­ren Bezah­lung und Tarif­ver­trä­gen ver­wei­ger­ten. „Bei weit über 10.000 nicht tari­fier­ten Ein­rich­tun­gen und Diens­ten kön­nen wir nicht alle Arbeit­ge­ber ein­zeln durch Streiks an den Ver­hand­lungs­tisch zwin­gen“, betont Büh­ler. Seit Ein­füh­rung der Pfle­ge­ver­si­che­rung tobe in der Alten­pfle­ge der wirt­schaft­li­che Wett­be­werb. „Hedge­fonds zie­hen hohe Pro­fi­te aus die­sem gesell­schaft­lich rele­van­ten Feld der Daseins­vor­sor­ge. Die Poli­tik hat die Alten­pfle­ge dem wirt­schaft­li­chen Wett­be­werb aus­ge­setzt, des­halb ist die Poli­tik jetzt auch in der Ver­ant­wor­tung, die unsäg­li­che Ent­wick­lung zu stop­pen und die Beschäf­tig­ten vor Aus­beu­tung zu schüt­zen.“ (…) ver.di begrüßt des­halb, dass nach dem Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Tarif­ver­trag Vor­rang vor dem Pfle­ge­min­dest­lohn hat, und for­dert die Arbeit­ge­ber auf, sich an Tarif­ver­hand­lun­gen zu betei­li­gen…” ver.di-Stellungnahme vom 21. Okto­ber 2019 externer Link
  • Die Prio­ri­tä­ten der Unter­neh­mer: »Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge« wehrt sich gegen einen Flä­chen­ta­rif­ver­trag 
    Eigent­lich geht der Prä­si­dent des »Arbeit­ge­ber­ver­ban­des Pfle­ge« (AGVP), Tho­mas Grei­ner, nicht davon aus, dass der Flä­chen­ta­rif­ver­trag für die Pfle­ge kom­men wird. Den­noch nutz­te der Ver­band sei­ne Som­mer­pres­se­kon­fe­renz am Diens­tag in Ber­lin dazu, den Medi­en­ver­tre­tern noch ein­mal wei­te­re Argu­men­te zur Siche­rung der Tarif­ho­heit im Alten­pfle­ge­be­reich an die Hand zu geben. Gemein­sam mit der Geschäfts­füh­re­rin Isa­bell Hal­letz und dem Vize­prä­si­den­ten Fried­helm Fied­ler stell­te Grei­ner ein »Prio­ri­tä­ten­pro­gramm für die Pfle­ge« vor. Nach einem Jahr der Dis­kus­si­on um die »Kon­zer­tier­te Akti­on Pfle­ge« sind dem AGVP im wesent­li­chen drei Punk­te wich­tig, um den Per­so­nal­man­gel in der Pfle­ge zu behe­ben. Dazu gehö­ren ers­tens eine Fle­xi­bi­li­sie­rung der Fach­kräf­te­quo­te und ein »bedarfs­ge­rech­ter Qua­li­fi­ka­ti­ons- und Anfor­de­rungs­mix« bei der Zusam­men­stel­lung des Per­so­nals. (…) Fied­ler zufol­ge sei die Alten­pfle­ge ein »Arbeit­neh­mer­markt« gewor­den. In man­chen Regio­nen müs­se der Unter­neh­mer zah­len, was der Bewer­ber for­dert. Zwi­schen 2016 und 2017 sei­en die Löh­ne in der Alten­pfle­ge auf­grund des Fach­kräf­te­be­darfs laut AGVP über­durch­schnitt­lich um 4,7 Pro­zent gestie­gen. 2017 lag der Medi­an bzw. Mit­tel­wert der Löh­ne den­noch nur bei 2.744 Euro. Das Kabi­nett hat­te im Juni ein Gesetz für höhe­re Löh­ne in der Alten- und Kran­ken­pfle­ge auf den Weg gebracht. Ziel ist es, dass mög­lichst in der gan­zen Bran­che künf­tig Tarif­löh­ne gezahlt wer­den. Als Basis dafür soll ein neu­ge­grün­de­ter Arbeit­ge­ber­ver­band mit der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (Ver­di) einen Tarif­ver­trag aus­han­deln. Für den Arbeit­ge­ber­ver­band Pfle­ge, der nach eige­nen Anga­ben die gro­ßen pri­va­ten Alten­pfle­ge­un­ter­neh­men mit zwei Mil­li­ar­den Euro Umsatz ver­tritt, wäre ein Flä­chen­ta­rif­ver­trag für die Pfle­ge ein »Zwangs­ta­rif­ver­trag«. Der bedro­he die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit, selbst dar­über zu befin­den, wer wie hoch bezahlt wird, sag­te Grei­ner. Drei Vier­tel der Unter­neh­mer wür­den das Pro­jekt ohne­hin nicht unter­stüt­zen, nicht ein­mal die pari­tä­ti­schen Lan­des­ver­bän­de oder kom­mu­na­le Ver­bän­de…” Arti­kel von Susan­ne Knüt­ter in der jun­gen Welt vom 31.07.2019 externer Link
  • Beschäf­tig­te aus Wohl­fahrts­ver­bän­den begrü­ßen Kabi­netts­be­schluss für flä­chen­de­cken­den Tarif­ver­trag in der Alten­pfle­ge – Kri­tik am Deut­schen Roten Kreuz 
    Beschäf­tig­te von Wohl­fahrts­ver­bän­den begrü­ßen den heu­ti­gen Beschluss des Bun­des­ka­bi­netts für ein Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Bezah­lung in der Alten­pfle­ge. “Wir tre­ten ent­schie­den für einen flä­chen­de­cken­den Tarif­ver­trag in der Alten­pfle­ge ein“, heißt es in einer Reso­lu­ti­on, die am Mitt­woch (19. Juni) von rund 80 Beschäf­tig­ten­ver­tre­te­rin­nen und –ver­tre­tern aus dem gan­zen Bun­des­ge­biet auf einer ver.di-Tagung in Ber­lin beschlos­sen wur­de. Wenn sich kom­mer­zi­el­le Anbie­ter durch Nied­rig­löh­ne einen Vor­teil im Preis­wett­be­werb ver­schaff­ten, set­ze das die Arbeits­be­din­gun­gen in der gesam­ten Alten­pfle­ge unter Druck. Empört zeig­ten sich die Beschäf­tig­ten der Wohl­fahrts­ver­bän­de vom Ver­hal­ten des Deut­schen Roten Kreu­zes (DRK), das sich der neu gegrün­de­ten Bun­des­ver­ei­ni­gung Arbeit­ge­ber in der Pfle­ge­bran­che (BVAP) nicht ange­schlos­sen hat. Die­se soll mit ver.di einen Tarif­ver­trag aus­han­deln, der über das Arbeit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz auf alle Pfle­ge­ein­rich­tun­gen erstreckt wird. „Wie die ande­ren Wohl­fahrts­ver­bän­de trägt auch das DRK eine gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung dafür, die Alten­pfle­ge attrak­ti­ver zu machen“, so die Beschäf­tig­ten­ver­tre­te­rin­nen und –ver­tre­ter. „Nur mit einer flä­chen­de­ckend bes­se­ren Bezah­lung und guten Arbeits­be­din­gun­gen kön­nen genug Arbeits­kräf­te gewon­nen und in die­sem so wich­ti­gen Beruf gehal­ten wer­den. Das ist im Inter­es­se der Beschäf­tig­ten, der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen und der Gesell­schaft als Gan­zes.“” ver.di-Pressemitteilung vom 19.06.2019 externer Link und die Reso­lu­ti­on externer Link
  • Neue Stu­die zu Ent­gel­ten in der Alten­pfle­ge: ver.di bekräf­tigt For­de­rung nach bun­des­wei­ten Tarif­ver­trag 
    “Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) bekräf­tigt nach der heu­ti­gen Ver­öf­fent­li­chung einer neu­en Stu­die der Hans-Böck­ler-Stif­tung zur Lohn­si­tua­ti­on in der Alten­pfle­ge ihre For­de­rung nach einem bun­des­weit gül­ti­gen Tarif­ver­trag Alten­pfle­ge. „Um das gesell­schaft­lich wich­ti­ge Arbeits­feld der Alten­pfle­ge attrak­tiv zu machen, brau­chen wir mehr Per­so­nal und end­lich eine gute Bezah­lung. Der ange­streb­te Tarif­ver­trag wird erheb­lich zu bes­se­ren Arbeits­be­din­gun­gen bei­tra­gen“, sag­te ver.di-Bundesvorstandsmitglied Syl­via Büh­ler. Die Ergeb­nis­se der Stu­die bestä­tig­ten die drin­gend not­wen­di­ge Auf­wer­tung der Arbeit in der Alten­pfle­ge. (…) „Unser Ziel ist ein Tarif­ver­trag, der vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter auf das gesam­te Arbeits­feld erstreckt wird. Und zwar auf die sta­tio­nä­re und ambu­lan­te Alten­pfle­ge für alle Beschäf­tig­ten dort, nicht nur für Pfle­ge­kräf­te“, so Büh­ler wei­ter. ver.di wol­le alle Rege­lungs­mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen, die das Arbeit­neh­mer­ent­sen­de­ge­setz bie­te. Der Weg, den Tarif­ver­trag über das Arbeit­neh­mer­ent­sen­de­ge­setz zu erstre­cken, gewähr­leis­te auch, dass bereits bestehen­de bes­se­re Tarif­re­ge­lun­gen wei­ter gel­ten. Büh­ler: „Mit guten Arbeits­be­din­gun­gen und einer ange­mes­se­nen Bezah­lung kön­nen erfah­re­ne Fach­kräf­te gehal­ten und neue gewon­nen wer­den. Und vie­le, die in die Teil­zeit geflüch­tet sind, wer­den wie­der auf­sto­cken. Ein bun­des­weit gel­ten­der Tarif­ver­trag hilft nicht nur den Beschäf­tig­ten, son­dern letzt­end­lich auch den Arbeit­ge­bern.“ ver.di-Pressemeldung vom 1. April 2019 externer Link
  • Beschäf­tig­te aus der Alten­pfle­ge for­dern flä­chen­de­cken­de Tarif­löh­ne: Abwärts­spi­ra­le aus gerin­ger Bezah­lung, schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen und feh­len­den Pfle­ge­kräf­ten muss durch­bro­chen wer­den 
    „Betriebs- und Per­so­nal­rä­te sowie Mitarbeitervertreter/​innen aus der Alten­pfle­ge appel­lie­ren an die Bun­des­re­gie­rung, ihr Ver­spre­chen zur Ein­füh­rung flä­chen­de­cken­der Tarif­löh­ne in der Bran­che schnellst­mög­lich umzu­set­zen. In einer heu­te von Beschäftigtenvertreter/​innen aus dem gan­zen Bun­des­ge­biet bei einer ver.di-Fachtagung in Göt­tin­gen beschlos­se­nen Reso­lu­ti­on heißt es: „Es geht um tarif­li­che Rege­lun­gen für alle Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus der Alten­pfle­ge – ganz gleich in wel­chem Bereich, bei wel­chem Trä­ger, ob sta­tio­när oder ambu­lant.“ Die „Abwärts­spi­ra­le aus gerin­ger Bezah­lung, schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen und feh­len­den Pfle­ge­kräf­ten“ müs­se durch­bro­chen wer­den. „Es darf so nicht wei­ter­ge­hen, wir brau­chen drin­gend Ent­las­tung“, sag­te die Alten­pfle­ge­rin Kers­tin Gün­ther aus Gif­horn. „Etli­che Kol­le­gin­nen haben dem Beruf bereits den Rücken gekehrt oder sind in Teil­zeit geflüch­tet, weil sie die­se hohe Belas­tung nicht mehr aus­hal­ten.“ (…)Die Ent­loh­nung in der Alten­pfle­ge sei teil­wei­se „beschä­mend nied­rig“, kri­ti­sier­te die Gewerk­schaf­te­rin. „Wenn Pfle­ge­kräf­te in Sach­sen-Anhalt in Voll­zeit weni­ger als 2.000 Euro brut­to ver­die­nen, ist das ein unhalt­ba­rer Zustand. Nie­mand muss sich wun­dern, wenn Stel­len in der Alten­pfle­ge unter sol­chen Bedin­gun­gen nicht besetzt wer­den kön­nen.“ Die finan­zi­el­le Auf­wer­tung der Pfle­ge­be­ru­fe sei eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung dafür, den wach­sen­den Fach­kräf­te­be­darf in Zukunft zu decken. Büh­ler plä­dier­te dafür, tarif­li­che Ent­gel­te und Arbeits­be­din­gun­gen auf alle Betrie­be in der Alten­pfle­ge zu erstre­cken. „Flä­chen­de­cken­de Min­dest­stan­dards gewähr­leis­ten, dass die Kon­kur­renz nicht mehr über die nied­rigs­ten Löh­ne aus­ge­tra­gen wird.“ Die ver.di-Tarifkommission Alten­pfle­ge mit Mit­glie­dern aus kom­mu­na­len, frei­gemein­nüt­zi­gen, kirch­li­chen und pri­va­ten Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wird am 28. Sep­tem­ber zusam­men­kom­men. Sie wird über For­de­run­gen für einen Tarif­ver­trag ent­schei­den. Zunächst soll dar­über mit den welt­li­chen Wohl­fahrts­un­ter­neh­men ver­han­delt wer­den. Mit Cari­tas und Dia­ko­nie wird nach einem gang­ba­ren Weg adäqua­ter Betei­li­gung gesucht. Wei­te­re Arbeit­ge­ber sind herz­lich ein­ge­la­den, sich zu betei­li­gen. Ziel ist ein Tarif­ver­trag, der dann vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um auf die gesam­te ambu­lan­te und sta­tio­nä­re Alten­pfle­ge erstreckt wer­den kann. Nötig für eine gute Ver­sor­gung sei­en dar­über hin­aus zeit­nah bun­des­weit ver­bind­li­che und am Pfle­ge­be­darf ori­en­tier­te Per­so­nal­vor­ga­ben.“ Pres­se­mit­tei­lung von ver.di vom 04.09.2018 externer Link
  • Dro­hen­der Tarif­kon­flikt in der Alten­pfle­ge: Nicht mit Ver­di an einen Tisch 
    „Bei der Bezah­lung von Alten­pfleger*innen steu­ern pri­va­te Unter­neh­men, Bun­des­re­gie­rung und Gewerk­schaft Ver­di auf einen Kon­flikt zu. „Wir brau­chen nicht zwin­gend Tarif­ver­trä­ge“, sag­te Fried­helm Fied­ler, Vize­chef des Arbeit­ge­ber­ver­bands Pfle­ge (AGVP), am Don­ners­tag in Ber­lin. Die Orga­ni­sa­ti­on wen­det sich beson­ders gegen einen poli­tisch fest­ge­setz­ten, all­ge­mein­ver­bind­li­chen Tarif­ver­trag. Set­ze die Bun­des­re­gie­rung eine sol­che Rege­lung durch, „wer­den wir eine Rei­he von Pro­zes­sen bekom­men“, warn­te AGVP-Prä­si­dent Tho­mas Grei­ner. (…) Im Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen Uni­on und SPD heißt es: „Wir wol­len die Bezah­lung in der Alten­pfle­ge nach Tarif stär­ken.“ Die­ser sol­le „flä­chen­de­ckend zur Anwen­dung kom­men“. Ver­di ver­langt nun, einen Tarif­ver­trag auf Basis des soge­nann­ten Ent­sen­de­ge­set­zes für alle Pflege­unternehmen vor­zu­schrei­ben. Gera­de pri­va­te Fir­men der Bran­che wei­gern sich bis­lang, mit Beschäf­tig­ten­ver­tre­tun­gen und Gewerk­schaf­ten über die Bezah­lung zu ver­han­deln. Für drei Vier­tel der Ein­rich­tun­gen gibt es kei­ne ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­run­gen, heißt es in einer Stu­die von 2017 des Insti­tuts TNS Sozi­al­for­schung im Auf­trag des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums. Wobei der pri­va­te Bereich gut 40 Pro­zent aller knapp 14.000 sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen umfasst. In den gemein­nüt­zi­gen, kirch­li­chen und öffent­li­chen Häu­sern sieht es bes­ser aus. Dort ent­loh­nen rund 90 Pro­zent nach einem Haus- oder Ver­bands­ta­rif. Die bei­den Ver­bän­de der pri­va­ten Pfle­ge­fir­men machen jetzt Front gegen die Bun­des­re­gie­rung und Ver­di. Den Arbeit­ge­ber­ver­band der Pri­va­ten Anbie­ter Sozia­ler Diens­te (BPA Arbeit­ge­ber­ver­band) lei­tet Rai­ner Brü­der­le, ehe­mals Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter der FDP. Kürz­lich erklär­te er: „Wir sehen die Ver­su­che, all­ge­mein­ver­bind­li­che Tarif­ver­trä­ge in der Pfle­ge zu erzwin­gen, als schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Tarif­autonomie und wol­len des­halb mit unse­rer Arbeits­ver­trags­richt­li­nie (AVR) einen alter­na­ti­ven Weg auf­zei­gen.“ (…) Die bei­den Ver­bän­de der pri­va­ten Pfle­ge­fir­men machen jetzt Front gegen die Bun­des­re­gie­rung und Ver­di. Den Arbeit­ge­ber­ver­band der Pri­va­ten Anbie­ter Sozia­ler Diens­te (BPA Arbeit­ge­ber­ver­band) lei­tet Rai­ner Brü­der­le, ehe­mals Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter der FDP. Kürz­lich erklär­te er: „Wir sehen die Ver­su­che, all­ge­mein­ver­bind­li­che Tarif­ver­trä­ge in der Pfle­ge zu erzwin­gen, als schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Tarif­autonomie und wol­len des­halb mit unse­rer Arbeits­ver­trags­richt­li­nie (AVR) einen alter­na­ti­ven Weg auf­zei­gen.“ (…) Heil for­dert die „betei­lig­ten Akteu­re, dar­un­ter auch die Arbeit­ge­ber­sei­te, auf, an die­sem Punkt vor­an­zu­kom­men und die nöti­gen Struk­tu­ren für Tarif­ver­trä­ge zu schaf­fen“. Das heißt: Auch die pri­va­ten Ver­bän­de soll­ten sich unter ande­rem mit Ver­di an einen Tisch set­zen. Das genau leh­nen die Arbeit­ge­ber jedoch ab.“ Arti­kel von Han­nes Koch vom 10.08.2018 in der taz online externer Link
  • Wei­ter­hin im Bei­trag von Ste­fan Sell vom 01.07.2018 auf aktu­el­le sozi­al­po­li­tik externer Link: “… So wur­de hier bereits am 4. März 2018 in dem Bei­trag Und nun? Die Alten­pfle­ge zwi­schen Empö­rungs­be­richt­erstat­tung, zahl­rei­chen offe­nen Bau­stel­len und Ankün­di­gungs­rhe­to­rik externer Link berich­tet: »Der Bun­des­ver­band pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te (bpa) demen­tier­te die Auf­for­de­run­gen zu Tarif­ge­sprä­chen mit Ver­di. Die Inter­es­sen­ver­tre­tung lehnt einen ein­heit­li­chen Tarif­ver­trag wei­ter­hin ab. Der bpa-Prä­si­dent Bernd Meu­rer bekräf­tigt die Absicht, Mit­ar­bei­ter in der Pfle­ge bes­ser zu bezah­len. „Nicht umsonst hat der bpa-Arbeit­ge­ber­ver­band sich mit eige­nen Arbeits­ver­trags­richt­li­ni­en auf den Weg gemacht“, unter­streicht Meu­rer in einer Pres­se­mit­tei­lung. Man ach­te auf die For­mu­lie­rung der pri­va­ten Betrei­ber von Pfle­ge­hei­men und ‑diens­ten: Man habe sich mit eige­nen „Arbeits­ver­trags­richt­li­ni­en“ auf den Weg gemacht. Das erin­nert nicht nur an die Ter­mi­no­lo­gie, die wir aus dem kirch­li­chen Bereich mit dem dor­ti­gen „drit­ten Weg“ ken­nen, das ist auch bewusst so gewählt: Die Arbeit­ge­ber wol­len kei­ne Betei­li­gung der Gewerk­schaft. Und der bpa bringt das auch auf den Punkt: Es sei doch klar, so Bernd Meu­rer, »dass der Orga­ni­sa­ti­ons­grad bei ver.di nicht dafür spricht, dass sie wir­kungs­mäch­tig die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten in der Pfle­ge ver­tre­ten kön­nen.« Der letz­te Punkt wird auch von Brü­der­le wie­der ins Feld geführt, folgt man der Mel­dung von Schmer­gal: „Unse­re Mit­ar­bei­ter ent­schei­den sich aus frei­en Stü­cken in erdrü­cken­der Mehr­heit gegen Mit­glied­schaf­ten in Gewerk­schaf­ten. Somit fal­len die­se als Tarif­part­ner aus“, schreibt der ehe­ma­li­ge FDP-Wirt­schafts­mi­nis­ter. Ansons­ten lässt der Ver­such des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des so lesen: „Ver­su­chen kann man es ja mal“. Oder: „Frech­heit siegt“. Ein­sei­tig von den Arbeit­ge­bern ent­wor­fe­ne und ohne Betei­li­gung der Gewerk­schaf­ten und der Arbeit­neh­mer­sei­te in die Welt gesetz­te Arbeits­ver­trags­richt­li­ni­en des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des als Ersatz für Tarif­ver­trä­ge – das kann man sich ja wün­schen mit Blickt auf die Blü­te­zei­ten der Selbst­herr­lich­keit der Arbeit­ge­ber im 19. Jahr­hun­dert, aber dan­kens­wer­ter­wei­se haben wir das Jahr 2018. Den­noch legt auch die­ser Luft­bal­lon der pri­va­ten Arbeit­ge­ber den Fin­ger auf die offe­ne Fra­ge-Wun­de: Wel­cher Tarif­ver­trag denn, wenn es um eine AVE geht?…“

Der Bei­trag Die einen wol­len Tarif­löh­ne in der Alten­pfle­ge, die ande­ren die Arbeit­ge­ber genau davor bewah­ren erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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