[labournet:] Politischer Druck: Zahl der Kirchenasyle stark zurückgegangen

Dossier

Kirchenasyl“Im ver­gan­ge­nen Jahr haben die Innen­mi­nis­ter die Regeln fürs Kir­chen­asyl ver­schärft. Flücht­lin­ge kön­nen nun auch nach 18 Mona­ten noch abge­scho­ben wer­den. Die Zahl der Fäl­le ist seit­dem stark zurück­ge­gan­gen. Das Innen­mi­nis­te­ri­um wer­tet das als Erfolg. (…) Von Anfang August bis Jah­res­en­de 2018 wur­den dem Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge 341 Fäl­le gemel­det, in denen Gemein­den abge­lehn­ten Flücht­lin­gen Schutz gewähr­ten, wie aus einer Ant­wort des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums auf eine Anfra­ge der Grü­nen im Bun­des­tag her­vor­geht vor­liegt. Das war ein dras­ti­scher Rück­gang: Bis Ende Juli ver­gan­ge­nen Jah­res sum­mier­ten sich die Fäl­le noch auf 1.180. Zwi­schen Janu­ar und August ver­zeich­ne­te das Bun­des­amt der Sta­tis­tik zufol­ge monat­lich rund 150 bis 200 Fäl­le. Ab August lagen die Zah­len dann nur noch im zwei­stel­li­gen Bereich. Im August selbst waren es 57, im Sep­tem­ber 76 Fäl­le. Im Janu­ar die­ses Jah­res gab es einen Tiefst­stand mit 47 Fäl­len. Im Juni ver­gan­ge­nen Jah­res hat­ten die Innen­mi­nis­ter von Bund und Län­dern eine Ver­schär­fung der Pra­xis beim Kir­chen­asyl beschlos­sen, nach­dem sie den Kir­chen zuvor mehr­fach vor­ge­wor­fen hat­ten, sich nicht an Ver­fah­rens­ab­spra­chen zu hal­ten. Die staat­li­chen Behör­den bemän­gel­ten unter ande­rem, dass in vie­len Fäl­len kei­ne Dos­siers abge­ge­ben wur­den oder Men­schen das Kir­chen­asyl auch dann nicht ver­las­sen haben, wenn das Bun­des­amt nach noch­ma­li­ger Prü­fung ein Asyl­be­geh­ren abge­lehnt hat. (…) Aus den Zah­len des Minis­te­ri­ums geht auch her­vor, dass nur für einen gerin­gen Pro­zent­satz der Kir­chen­asyl-Fäl­le das Bun­des­amt nach noch­ma­li­ger Prü­fung von sich aus den Selbst­ein­tritt erklär­te: von den ins­ge­samt mehr als 3.000 Fäl­len von Janu­ar 2017 bis heu­te in nur 158 Fäl­len. Die Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Lui­se Amts­berg kri­ti­sier­te dies und ver­wies auf die Ver­schär­fun­gen für Flücht­lin­ge in Ita­li­en. „Den zurück­ge­schick­ten Asyl­su­chen­den droht damit de fac­to die Obdach­lo­sig­keit in Ita­li­en – ein unhalt­ba­rer Zustand, auf den die Kir­chen­ge­mein­den durch die Gewäh­rung von Kir­chen­asy­len zu Recht hin­wei­sen“, sag­te sie…” Bei­trag vom 6. März 2019 von und bei MiGA­ZIN externer Link. Sie­he dazu:

  • Bamf: Aner­ken­nungs­quo­te im Kir­chen­asyl wei­ter gering New
    Die Zahl der Kir­chen­asyle geht wei­ter zurück. Der Erfolg für die Betrof­fe­nen auch: Nur drei Pro­zent der Über­prü­fun­gen durch das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge ende­ten in die­sem Jahr mit der Aner­ken­nung eines Här­te­falls. Kir­chen­asyle haben auch in die­sem Jahr bis­lang sel­ten mit der Aner­ken­nung eines Här­te­falls geen­det. Wie das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) auf Nach­fra­ge mit­teil­te, wur­de in rund drei Pro­zent der von Janu­ar bis Ende Juli ent­schie­de­nen Fäl­le eine „außer­ge­wöhn­li­che Här­te“ fest­ge­stellt. Die­se Ver­fah­ren ende­ten mit dem soge­nann­ten Selbst­ein­tritts­recht. Das bedeu­tet, dass die Betrof­fe­nen in Deutsch­land blei­ben kön­nen. Inhalt­lich ent­schie­den wur­de den Anga­ben zufol­ge bis Ende Juli über 108 Kir­chen­asyle. Dem Bun­des­amt wur­den nach eige­nen Anga­ben in die­sem Jahr 169 Fäl­le von Kir­chen­asyl mit ins­ge­samt 241 Per­so­nen gemel­det, die einen soge­nann­ten Dub­lin-Bezug hat­ten. Das bedeu­tet, dass ein ande­rer EU-Staat eigent­lich zustän­dig wäre. Hin­zu kamen laut Bamf acht wei­te­re Kir­chen­asyle, die kei­nen Dub­lin-Bezug hat­ten…” Mel­dung vom 26.08.2020 beim Miga­zin externer Link (im Abo)
  • Kir­chen­asyl: Mut­ter Mecht­hilds Mis­si­on – die Äbtis­sin eines Klos­ters vor Gericht 
    “Die Bedin­gun­gen, unter denen noch Kir­chen­asyl gewährt wer­den kann, sind här­ter gewor­den. (…) Erst­mals in Bay­ern muss sich die Äbtis­sin eines Klos­ters vor Gericht ver­ant­wor­ten, weil sie in ihrem Kon­vent Kir­chen­asyl gewährt hat. Die Staats­an­walt­schaft Bam­berg erhebt gegen die Ordens­frau den Vor­wurf der “Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Auf­ent­halt”, weil sie im Herbst 2018 durch “ein soge­nann­tes Kir­chen­asyl” die Rück­über­stel­lung einer aus­rei­se­pflich­ti­gen Asyl­be­wer­be­rin aus Eri­trea nach Ita­li­en “ver­hin­dert” habe, wie es im Straf­be­fehl an die Bene­dik­ti­ne­rin heißt. Da sich Mut­ter Mecht­hild Thür­mer – sie ist Ober­haupt der Abtei Maria Frie­den im ober­frän­ki­schen Kirch­schlet­ten – wei­gert, die im Straf­be­fehl auf 2500 Euro fest­ge­setz­te Geld­stra­fe zu zah­len, soll es vor dem Amts­ge­richt Bam­berg zum Pro­zess kom­men. Die für den 31. Juli ange­setz­te Ver­hand­lung wur­de aller­dings am Mon­tag kurz­fris­tig abge­sagt. Ein mög­li­ches wei­te­res Ver­fah­ren gegen die­sel­be Beschul­dig­te soll abge­war­tet wer­den, so das Gericht. “Als Chris­tin ste­he ich in der Pflicht, Men­schen in der Not bei­zu­ste­hen. Ich ver­ste­he nicht, war­um ich dafür jetzt bestraft wer­den soll”, sagt die Ordens­frau am Tele­fon. Bei der Gewäh­rung von Kir­chen­asyl – der­zeit ist wie­der eine Asyl­su­chen­de in Obhut der Abtei Maria Frie­den – han­de­le sie aus ihrem “christ­li­chen Gewis­sen her­aus”. Das gel­te auch für den Fall, mit dem sich nun bald das Amts­ge­richt befas­sen wird: Die anvi­sier­te Rück­füh­rung der eri­trei­schen Asyl­be­wer­be­rin nach Ita­li­en droh­te aus ihrer Sicht in einer Tra­gö­die zu enden. Schon des­halb, weil die Asyl­su­chen­de dadurch von ihrem Mann getrennt wor­den wäre, der in Deutsch­land bereits als Asyl­be­wer­ber aner­kannt sei. Mitt­ler­wei­le lebe das Paar mit einem gemein­sa­men Kind im Raum Rosen­heim. “Ja, und wie steht es hier denn um den im Grund­ge­setz garan­tier­ten Schutz der Fami­lie?”, fragt sich die 62-Jäh­ri­ge – von den pro­ble­ma­ti­schen Lebens­be­din­gun­gen vie­ler Flücht­lin­ge in Ita­li­en ganz zu schwei­gen…” Arti­kel von Diet­rich Mitt­ler vom 21. Juli 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • BAMF: Flücht­lin­ge im Kir­chen­asyl haben kaum Chan­cen auf Erfolg 
    Kir­chen­asyl ist in Deutsch­land wei­test­ge­hend wir­kungs­los. Das geht aus Zah­len her­vor, die die Bun­des­re­gie­rung vor­ge­legt hat. 2019 haben Kir­chen in 464 Fäl­len das BAMF um erneu­te Prü­fung gebe­ten. In nur 14 Fäl­len erklär­te sich die Behör­de als zustän­dig. (…) Die meis­ten Kir­chen­asylmel­dun­gen kamen nach den Anga­ben des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums aus Nord­rhein-West­fa­len (180), Bay­ern (110) und Hes­sen (78). Ins­ge­samt mel­de­ten Kir­chen­ge­mein­den 635 Kir­chen­asyl-Fäl­le von Janu­ar bis Dezem­ber 2019. Will eine Kir­chen­ge­mein­de die Abschie­bung auch nach einer Ableh­nung des Bun­des­am­tes ver­hin­dern, muss der Flücht­ling 18 Mona­te in den Kir­chen­räu­men leben, bis die Frist zur Abschie­bung in einen EU-Staat abge­lau­fen ist. Die Frist wur­de 2018 erhöht. Für die Gemein­den ist das Kir­chen­asyl damit zu einem noch grö­ße­ren Kraft­akt gewor­den. Der­zeit bestehen nach Anga­ben des öku­me­ni­schen Netz­werks „Asyl in der Kir­che“ 410 Kir­chen­asyle bun­des­weit, 388 sind soge­nann­te Dub­lin-Fäl­le…” Mel­dung vom 27.02.2020 beim Miga­zin externer Link
  • Abge­lehnt: Kaum noch Erfolgs­chan­cen im Kir­chen­asyl 
    “… Die Aus­sich­ten für Flücht­lin­ge, nach einer Auf­nah­me ins Kir­chen­asyl dau­er­haft in Deutsch­land blei­ben zu dür­fen, sind deut­lich gesun­ken. In gera­de ein­mal fünf Fäl­len hat das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge in die­sem Jahr bis Ende August die Zustän­dig­keit Deutsch­lands nach­träg­lich aner­kannt, wie aus einer Ant­wort des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums auf eine Anfra­ge der Links­frak­ti­on her­vor­geht. In 292 Fäl­len blieb es bei einer Ableh­nung der Behör­den. Das Kir­chen­asyl als Kor­rek­tiv wer­de de fac­to ver­hin­dert, kri­ti­sier­te die Innen­po­li­ti­ke­rin Ulla Jel­pke (Lin­ke). Der Rechts­staat zei­ge damit Schwä­che, nicht Stär­ke, kom­men­tier­te sie die Sta­tis­tik. (…) Bei der Mehr­heit die­ser Fäl­le geht es um soge­nann­te Dub­lin-Ver­fah­ren, in denen ein ande­rer EU-Mit­glied­staat zustän­dig ist. Kir­chen­ge­mein­den wol­len in die­sen Fäl­len ver­hin­dern, dass die Betrof­fe­nen in ein ande­res EU-Land abge­scho­ben wer­den. Laut Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um gab es Ende Juli ins­ge­samt 30.201 Fäl­le in Deutsch­land, in denen ein ande­rer Mit­glied­staat für das Ver­fah­ren zustän­dig wäre. In mehr als 13.000 Fäl­len davon waren die Betrof­fe­nen aus­rei­se­pflich­tig. Will eine Kir­chen­ge­mein­de die Abschie­bung auch nach einer Ableh­nung des Bun­des­am­tes ver­hin­dern, muss der Flücht­ling 18 Mona­te in den Kir­chen­räu­men leben, bis die Frist zur Abschie­bung in einen EU-Staat abge­lau­fen ist. Die Frist wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr von damals sechs Mona­ten erhöht. Für die Gemein­den ist das Kir­chen­asyl damit zu einem noch grö­ße­ren Kraft­akt gewor­den. Nicht sel­ten küm­mern sich Ehren­amt­li­che kom­plett um die Ver­sor­gung von Ein­zel­per­so­nen oder Fami­li­en…” Mel­dung vom 9. Okto­ber 2019 von und bei MiGA­ZIN externer Link
  • Ers­ter Fall der Kri­mi­na­li­sie­rung von Kir­chen­asyl in Bay­ern 
    „Zum ers­ten Mal hat ein baye­ri­scher Pfar­rer aus Immen­stadt im All­gäu einen Straf­be­fehl erhal­ten: er soll 4.000 Euro zah­len, weil er einem 22-jäh­ri­gen Flücht­ling aus Afgha­ni­stan Asyl gewährt hat. Die offi­zi­el­le Begrün­dung lau­tet „Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Auf­ent­halt“. Der Fall ging auch durch die Regio­nal­pres­se und hat es sogar in die Süd­deut­sche Zei­tung geschafft. Dort wird aller­dings mal wie­der nichts zu den Hin­ter­grün­den erwähnt. Reza Jafa­ri kam 2015 nach Deutsch­land und hat sich trotz trau­ma­ti­sie­ren­der Erleb­nis­se bei der Flucht in kür­zes­ter Zeit bes­tens inte­griert: er lern­te Deutsch, mach­ten sei­nen Mit­tel­schul­ab­schluss, spielt mit Enthu­si­as­mus im ört­li­chen Fuß­ball­ver­ein und hat auch schon eine deut­sche Ver­lob­te, mit der er eigent­lich sei­ne Zukunft pla­nen woll­te. Ab 1. August die­sen Jah­res hät­te er bereits eine Aus­bil­dungs­stel­le gehabt. Bis dann plötz­lich im April 2018 aus hei­te­rem Him­mel die Poli­zei auf­tauch­te und Reza noch am sel­ben Tag per Flug­zeug nach Afgha­ni­stan abschie­ben woll­te. Es ist der beherz­ten Hil­fe des evan­ge­li­schen Pfar­rerehe­paars Mar­lies und Ulrich Gam­pert zu ver­dan­ken, dass Reza Zuflucht in ihrer Kir­che erhielt und dort über ein Jahr auf den Abschie­be­stopp war­te­te. Fami­lie Gam­pert war es auch, die zusam­men mit dem Hel­fer­kreis Asyl Lau­ben eine Peti­ti­on auf Chan​ge​.org star­te­te, die inzwi­schen von fast 80.000 Men­schen unter­schrie­ben wur­de. Dort sind auch die Hin­ter­grün­de erklärt, war­um es einem Todes­ur­teil gleich käme, Reza nach Afgha­ni­stan abzu­schie­ben (…) Auch Reza erhielt einen Straf­be­fehl über 900 Euro oder 90 Tages­sät­ze, was ihn nun in den Augen der Jus­tiz zum „Straf­tä­ter“ macht und er somit noch leich­ter abge­scho­ben wer­den kann. Im Okto­ber soll der Fall ver­han­delt wer­den. Es ist anschei­nend wie­der soweit gekom­men: um Men­schen vor dem Tod zu bewah­ren, müss­te man sie eigent­lich ver­ste­cken, da nun­mehr weder nor­ma­les Asyl noch Kir­chen­asyl gewährt wird…“ Bericht von Eve­lyn Rot­ten­gat­ter vom 21. Juli 2019 bei Pres­sen­za Muen­chen externer Link
    • Amts­ge­richt Sont­ho­fen: Kir­chen­asyl-Pro­zess gegen Pfar­rer ein­ge­stellt 
      Weil Pfar­rer Ulrich Gam­pert einem Geflüch­te­ten Kir­chen­asyl gewährt hat­te muss­te er sich vor Gericht ver­ant­wor­ten. Jetzt wur­de das Ver­fah­ren gegen ihn und den Geflüch­te­ten ein­ge­stellt. Die Kir­che hät­ten ger­ne eine grund­sätz­li­che Klä­rung bekom­men. Das Amts­ge­richt Sont­ho­fen hat das Ver­fah­ren gegen den evan­ge­li­schen Pfar­rer Ulrich Gam­pert wegen der Gewäh­rung von Kir­chen­asyl ein­ge­stellt. Es gebe im vor­lie­gen­den Fall ledig­lich eine gerin­ge Schuld, begrün­de­te die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Bri­git­te Gra­mat­te-Dres­se ihre Ent­schei­dung. Gam­pert muss jedoch eine Geld­bu­ße von 3.000 Euro an das gemein­nüt­zi­ge „Haus Inter­na­tio­nal“ in Kemp­ten zah­len, das sich unter ande­rem um Flücht­lin­ge küm­mert. Die baye­ri­sche evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che zeig­te sich erleich­tert. Auch das Ver­fah­ren gegen den afgha­ni­schen Flücht­ling Reza Jafa­ri stell­te das Gericht wegen gerin­ger Schuld ein. Dem 23-Jäh­ri­gen wur­de auf­er­legt, 80 Stun­den gemein­nüt­zi­ge Arbeit zu leis­ten. Der 64-jäh­ri­ge Gam­pert aus Immen­stadt (All­gäu) hat­te sich vor Gericht ver­ant­wor­ten müs­sen, weil er und sei­ne Kir­chen­ge­mein­de den Flücht­ling mehr als ein Jahr lang im Kir­chen­asyl beher­bergt hat­te. Die Jus­tiz warf ihm des­halb „Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Auf­ent­halt“ vor. Gam­pert hat­te daher zunächst einen Straf­be­fehl über 4.000 Euro erhal­ten. Weil er dage­gen Ein­spruch ein­leg­te, lan­de­te der Fall vor Gericht. Jafa­ri ging ein Straf­be­fehl über 900 Euro zu. Er leg­te eben­falls Ein­spruch ein. Nach dem Urteil zeig­te sich der Pfar­rer erleich­tert. Ihm sei wich­tig, dass er ledig­lich eine Geld­bu­ße zah­len müs­se. Dies bedeu­te auch, dass Kir­chen­asyl damit nicht grund­sätz­lich als straf­ba­re Hand­lung gel­te, sag­te Gam­bert: „Ich hat­te den Ein­druck, dass es von­sei­ten des Gerichts kei­ne grund­sätz­li­che Infra­ge­stel­lung des Kir­chen­asyls gibt.“…” Mel­dung vom 20. Sep­tem­ber 2019 beim Miga­zin externer Link
    • Flücht­ling gehol­fen: Pfar­rer wegen Kir­chen­asyl vor Gericht
      “… Der baye­ri­sche evan­ge­li­sche Pfar­rer Ulrich Gam­pert muss sich am Mitt­woch vor Gericht ver­ant­wor­ten, weil er einem Flücht­ling Kir­chen­asyl gewährt hat. Die Jus­tiz wirft dem 64-jäh­ri­gen Theo­lo­gen „Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Auf­ent­halt“ vor. Bei der Ver­hand­lung am Amts­ge­richt Sont­ho­fen im All­gäu wird nach Anga­ben eines Gerichts­spre­chers am Mitt­woch auch ein Urteil erwar­tet. Der Immen­städ­ter Pfar­rer hat­te mit sei­ner Kir­chen­ge­mein­de den 23-jäh­ri­gen afgha­ni­schen Flücht­ling Reza Jafa­ri mehr als ein Jahr lang im Kir­chen­asyl beher­bergt. Gam­pert erhielt dafür einen Straf­be­fehl über 4.000 Euro. Erst­mals wur­de damit in Bay­ern ein Pfar­rer wegen eines Kir­chen­asyls recht­lich belangt. Weil Gam­pert Ein­spruch ein­leg­te, kommt es nun zur Gerichts­ver­hand­lung. (…) Die baye­ri­sche evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che unter­stützt den Pfar­rer bei dem Ver­fah­ren finan­zi­ell. Der Pro­zess bie­te die Mög­lich­keit, grund­sätz­lich klä­ren zu las­sen, ob das Kir­chen­asyl „eine straf­ba­re Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Auf­ent­halt dar­stel­le“, heißt es in einer Mit­tei­lung der Lan­des­kir­che. (…)Der betrof­fe­ne Flücht­ling Reza Jafa­ri sitzt bei der Ver­hand­lung eben­falls auf der Ankla­ge­bank. Er hat­te einen Straf­be­fehl über 900 Euro wegen uner­laub­ten Auf­ent­halts erhal­ten und dage­gen Ein­spruch ein­ge­legt. Jafa­ri konn­te das Immen­städ­ter Kir­chen­asyl ver­las­sen, nach­dem der Peti­ti­ons­aus­schuss des baye­ri­schen Land­tags einen sechs­mo­na­ti­gen Abschie­be­stopp beschlos­sen hat­te. Die­ser ist bis Novem­ber befris­tet.” Bei­trag vom 18. Sep­tem­ber 2019 von und bei MiGA­ZIN externer Link
    • Anm.: Gilt die Kir­che nicht als Völ­ker­rechts­sub­jekt und kann des­halb nach Art. 100 (2) GG nicht nur das BVerfG ver­fas­sungs­kon­form ent­schei­den?
  • Bund hebelt Kir­chen­asyl aus 
    “… Kir­chen­asyl besitzt in Deutsch­land eine jahr­zehn­te­lan­ge Tra­di­ti­on – als zivil­ge­sell­schaft­li­cher Unge­hor­sam zum Schutz von Flücht­lin­gen aus christ­li­cher und huma­ni­tä­rer Moti­va­ti­on. Doch die Akti­vis­ten erhal­ten immer öfter eine Abfuhr. Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) fährt einen zuneh­mend har­ten Kurs. „Es wird über­haupt nicht auf die Argu­men­te ein­ge­gan­gen, die von den Gemein­den vor­ge­tra­gen wer­den“, klagt der Flücht­lings­be­auf­trag­te der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len, Hel­ge Hoh­mann. „Das emp­fin­den wir als zynisch.“ Rund 675 geflüch­te­te Men­schen fin­den der­zeit in 425 Kir­chen­asy­len Schutz, wie die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Asyl in der Kir­che (BAG) berich­tet. (…) „Die Pra­xis wird rigi­der“, beklagt Andre­as Lipsch, der Inter­kul­tu­rel­le Beauf­trag­te der Evan­ge­li­schen Kir­che in Hes­sen und Nas­sau (EKHN). Es gebe rei­hen­wei­se „nicht nach­voll­zieh­ba­re Begrün­dun­gen“, war­um das Bamf Här­te­fäl­le nicht gel­ten las­se, berich­tet Lipsch. So wür­den teil­wei­se ärzt­li­che Gut­ach­ten nicht mehr aner­kannt. (…) Danach wur­den in den ers­ten vier Mona­ten die­ses Jah­res 147 Fäl­le von geflüch­te­ten Men­schen im Kir­chen­asyl vom Bamf ent­schie­den. Ledig­lich in zwei Fäl­len über­nahm Deutsch­land den Fall und voll­zog den „Selbst­ein­tritt“. In den übri­gen 145 Fäl­len wur­de dies abge­lehnt. (…) Mög­li­cher­wei­se hängt der neue Kurs mit dem Wech­sel an der Spit­ze des Bamf zusam­men. Dort hat­te der aus dem baye­ri­schen Innen­mi­nis­te­ri­um kom­men­de Hans-Eck­hard Som­mer im ver­gan­ge­nen Jahr sei­ne Vor­gän­ge­rin Jut­ta Cordt abge­löst…” Arti­kel von Pitt v. Beben­burg vom 17. Juli 2019 bei der Frank­fur­ter Rund­schau online externer Link
  • “Abschie­be­wahn” – Bamf lehnt fast alle Fäl­le von Kir­chen­asyl ab 
    “… Fast alle Kir­chen­asyl-Fäl­le wer­den mitt­ler­wei­le vom Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) abge­lehnt. Im Jahr 2019 gab das Bun­des­amt bis Ende April in nur zwei Fäl­len dem Ersu­chen von Kir­chen­ge­mein­den statt, ein Asyl­ver­fah­ren in Deutsch­land zu füh­ren, obwohl laut EU-Rege­lung eigent­lich ein ande­rer euro­päi­scher Staat zustän­dig gewe­sen wäre. Das geht aus einer Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Anfra­ge der Links­frak­ti­on her­vor, die dem „Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst“ vor­liegt. Im glei­chen Zeit­raum lehn­te das Bamf dem­nach 145 Anträ­ge von Men­schen im Kir­chen­asyl ab. Die Links­par­tei warf dem Bamf vor, huma­ni­tä­re Grund­sät­ze einem Abschie­be­wahn zu opfern. Die Quo­te der Kir­chen­asyl-Fäl­le, bei denen das Bun­des­amt beson­de­re Här­te­fäl­le aner­kann­te und das Asyl­ver­fah­ren in Deutsch­land über­nom­men wur­de, lag im Jahr 2019 bei ledig­lich 1,4 Pro­zent. 2018 waren es nach Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung mit 77 von 647 Fäl­len noch fast zwölf Pro­zent. Ins­ge­samt lag die Zahl der gemel­de­ten Fäl­le von Kir­chen­asyl laut Bun­des­re­gie­rung in den ers­ten vier Mona­ten 2019 bei 250. Im gesam­ten Jahr 2018 waren es rund 1.520 Fäl­le. (…) Lin­ken-Innen­ex­per­tin Ulla Jel­pke for­der­te das Bamf dazu auf, zu „einem ver­stän­di­gen und sorg­sa­men Ver­fah­ren zurück­zu­keh­ren“. Die Kir­chen­ge­mein­den setz­ten sich in vor­bild­li­cher Wei­se ganz kon­kret für die Men­schen­wür­de von beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Geflüch­te­ten ein. „Es kann nicht sein, dass huma­ni­tä­re Grund­sät­ze dem um sich grei­fen­den Abschie­be­wahn geop­fert wer­den“, kri­ti­sier­te Jel­pke. Die Zah­len lie­ßen ver­mu­ten, dass bewusst ein Exem­pel gegen­über den akti­ven Kir­chen­ge­mein­den sta­tu­iert wer­den sol­le, um sie und die Flücht­lin­ge zu ent­mu­ti­gen…” Bei­trag vom 11. Juni 2019 von und bei MiGA­ZIN externer Link

Der Bei­trag Poli­ti­scher Druck: Zahl der Kir­chen­asyle stark zurück­ge­gan­gen erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

Read More