[labournet:] Proteste gegen die Monarchie in Thailand gehen weiter – trotz Facebooks Hilfe für das System

Die bisher größte Demonstration gegen die Monarchie in Thailand am 16.8.2020 in Bangkok„… Unge­heu­er­li­ches tut sich Woche für Woche in Bang­kok – jeden­falls nach thai­län­di­schen Maß­stä­ben: Tau­sen­de – fast aus­schließ­lich jun­ge Men­schen – kri­ti­sie­ren öffent­lich die Mon­ar­chie. Dafür dro­hen 15 Jah­re Haft, eine Men­ge Frau­en und Män­nern sit­zen der­zeit schon allein wegen eines königs­kri­ti­schen Posts auf Face­book in den Gefäng­nis­sen. Doch Maha Vaji­ra­long­korn – Sohn des in Thai­land ver­ehr­ten Regen­ten Bumi­pol – hat die Mon­ar­chie ad absur­dum geführt. Der König lebt weit­ge­hend in Bay­ern, sei­ne feu­da­len Eska­pa­den füt­tern regel­mä­ßig die deut­sche Bou­le­vard­pres­se. Arti­kel, die sich auch in Thai­lands sozia­len Medi­en rasant ver­brei­ten, eben­so wie der wach­sen­de Unmut sei­ner Unter­ta­nen. Der Hash­tag “Wozu brau­chen wir einen König” wur­de eine Mil­li­on Mal geteilt. (…) Der Pro­test der Jugend rich­tet sich aber nicht nur gegen die Mon­ar­chie, son­dern auch gegen den frü­he­ren Armee­ge­ne­ral Prayut Chan Ocha, der sich 2014 an die Macht putsch­te und ver­gan­ge­nes Jahr in einer umstrit­te­nen Wahl als Pre­mier­mi­nis­ter bestä­ti­gen ließ. “Zehn­tau­sen­de haben sich hier ver­sam­melt, weil sie unglück­lich sind mit die­ser dik­ta­to­ri­schen Regie­rung der letz­ten sechs Jah­re. Sie haben Men­schen unter­drückt, die ihre Rech­te ein­for­der­ten”, sagt ein Demons­trant. Ihn bringt die Alli­anz aus “demo­kra­tie­ver­ach­ten­der” Regie­rung und “wahn­sin­ni­gem” König auf die Stra­ße...“ – aus dem Bei­trag „Der ver­spot­te­te König und die Jugend“ von Hol­ger Sen­zel am 22. August 2020 bei tages​schau​.de externer Link über die unge­bro­chen fort­ge­setz­ten Pro­tes­te gegen Mon­ar­chie und Dik­ta­tur in Thai­land. Sie­he zu den Pro­tes­ten in Thai­land vier wei­te­re Bei­trä­ge (dar­un­ter eine Mel­dung über Face­books Hilfs­ak­ti­on für die Regie­rung) und den Hin­weis auf unse­ren bis­her letz­ten Bei­trag zur neu­en Pro­test­wel­le:

  • „Die Seu­che wird gern aus­ge­nutzt“ von Jan­ji­ra Som­bat­poon­si­ri am 20. August 2020 bei Welt-Sich­ten externer Link unter ande­rem zur Ver­schär­fung der Aus­ein­an­der­set­zun­gen durch die Reak­tio­nen der Regie­rung auf die Epi­de­mie und die Ent­wick­lung selbst­or­ga­ni­sier­ter Akti­vi­tä­ten: „… Als die ers­ten Coro­na-Fäl­le auf­tra­ten, han­del­te die von der Par­tei Palang Pra­cha­rat geführ­te Regie­rungs­ko­ali­ti­on schwer­fäl­lig und rich­tungs­los – vor allem infol­ge von Macht­kämp­fen in der Koali­ti­on. Füh­rungs­per­so­nal im öffent­li­chen Gesund­heits­we­sen, das nor­ma­ler­wei­se das Estab­lish­ment ent­schie­den unter­stützt, emp­fahl zur Vor­sicht stren­ge­re Grenz­kon­trol­len, doch ihr Rat stieß auf tau­be Ohren. Als die Fall­zah­len in Chi­na im Febru­ar Höchst­wer­te erreich­ten, hieß Thai­land noch immer chi­ne­si­sche Tou­ris­ten will­kom­men. Medi­zi­ner kri­ti­sier­ten die Nach­läs­sig­keit der Regie­rung öffent­lich, wäh­rend Anhän­ger der Mon­ar­chie erwar­te­ten, dass das Königs­haus eine grö­ße­re Rol­le bei der Kri­sen­be­wäl­ti­gung spie­len wür­de. Auf der pri­va­ten Face­book-Sei­te eines Roya­lis­ten erschien ein aus­ge­ar­bei­te­ter Kom­men­tar, der skiz­zier­te, was der König in den schwie­ri­gen Zei­ten für sein Volk hät­te tun sol­len und bis­her ver­säumt habe. Der­lei offe­ne Kri­tik am Königs­haus von Sei­ten kon­ser­va­ti­ver Hard­li­ner ist sel­ten und deu­tet auf einen mög­li­chen Wan­del im Lager der Macht­eli­ten hin. Obwohl die Regie­rung anfäng­lich ins Stol­pern geriet, konn­te die Pan­de­mie vor allem aus zwei Grün­den doch ein­ge­dämmt wer­den. Zum einen wuchs nach dem ers­ten Fall, in dem Anfang März ein Infi­zier­ter vie­le ande­re ansteck­te, der Druck aus dem Gesund­heits­we­sen auf die Regie­rung und brach­te sie dazu, mehr Ver­ant­wor­tung an Fach­leu­te zu über­tra­gen. Thai­lands öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen gilt als deut­lich kom­pe­ten­ter als ande­re staat­li­che Ein­rich­tun­gen und als Vor­bild für die Regi­on. Am 26. März warn­ten ange­se­he­ne Ärz­te öffent­lich, dass Thai­land ohne Abstands­re­geln bis Mit­te April mit 350.000 Fäl­len und 7000 Toten rech­nen müs­se. Kurz dar­auf rief die Regie­rung den Not­stand aus und ver­häng­te Aus­gangs­sper­ren. Ein­kaufs­zen­tren, Bars und Fri­seu­re wur­den geschlos­sen, öffent­li­che Ver­samm­lun­gen ver­bo­ten und die Gren­zen blie­ben für zwei Mona­te zu. Gleich­zei­tig soll­te ein neu geschaf­fe­nes Len­kungs­or­gan die Stra­te­gien der Minis­te­ri­en koor­di­nie­ren und dabei die poli­ti­schen Unstim­mig­kei­ten ange­hen, die im Febru­ar auf­ge­tre­ten waren. Zum ande­ren reagier­te die Zivil­be­völ­ke­rung schnel­ler und umfas­sen­der auf die Gesund­heits­kri­se als die Regie­rung. Ins­be­son­de­re leis­te­ten Frei­wil­li­ge im Gesund­heits­we­sen medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung auch in abge­le­ge­nen Gegen­den – vor allem in den Hei­mat­or­ten von Arbeits­kräf­ten, die ange­sichts des Lock­down aus den Städ­ten dort­hin zurück­kehr­ten. Die Frei­wil­li­gen schick­ten Rück­keh­rer mit Krank­heits­sym­pto­men zum Tes­ten in Kli­ni­ken. Sie setz­ten die Qua­ran­tä­ne für Men­schen durch, die zwi­schen Pro­vin­zen hin- und her­reis­ten oder aus dem Aus­land kamen. Sie tra­ten Gerüch­ten über die Pan­de­mie ent­ge­gen und stell­ten Falsch­in­for­ma­tio­nen rich­tig. Und nicht zuletzt such­ten sie beson­ders gefähr­de­te Stel­len auf wie Gefäng­nis­se oder Flücht­lings­un­ter­künf­te und ver­sorg­ten die Men­schen dort mit wich­ti­gen Gesund­heits­in­for­ma­tio­nen. Die­ses Enga­ge­ment von Frei­wil­li­gen war ein ent­schei­den­der Fak­tor, die Zahl der Infek­tio­nen gering zu hal­ten...“
  • „Face­book blocks Thai access to group cri­ti­cal of mon­ar­chy“ vom 25. August 2020 ist eine BBC-Mel­dung externer Link aus der deut­lich wird, dass die Regie­rung Thai­lands nicht nur mit zahl­rei­chen Fest­nah­men gegen die Pro­tes­te vor­geht, son­dern auch ver­sucht, die Orga­ni­sa­ti­on die­ser Pro­tes­te zu tref­fen. Wobei sie „Hil­fe­stel­lung“ von Face­book (bes­ser: Frat­ze­buch) erhielt, das eine mon­ar­chie­kri­ti­sche Grup­pe (auf Anfor­de­rung der Regie­rung) gesperrt hat. Die Grup­pe “Roya­list Mar­ket­place” wur­de am Abend des 24. August 2020 gesperrt – für die mehr als 1 Mil­li­on Teil­neh­me­rIn­nen. Der Admi­nis­tra­tor Pavin Chach­a­val­pong­pun gab dies aus sei­nem japa­ni­schen Exil bekannt – und dass er eine neue Grup­pe orga­ni­siert habe, die in einer Nacht 400.000 Mit­glie­der bekom­men habe…

Der Bei­trag Pro­tes­te gegen die Mon­ar­chie in Thai­land gehen wei­ter – trotz Face­books Hil­fe für das Sys­tem erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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