[LCM:] „Wir sind Kinder des Volkes“ – Interview mit der kolumbianischen Stadtguerilla FGUN

Es war ein lan­ger Pro­zess, die in den Städ­ten Kolum­bi­ens kämp­fen­de Gue­ril­la der ELN, die Fren­te de Guer­ra Urba­no Nacio­nal (FGUN) zu kon­tak­tie­ren. Das Auf­tre­ten der Stadt­gue­ril­la in Kolum­bi­en ist um eini­ges ver­deck­ter als das der im Dschun­gel und auf den Ber­gen ope­rie­ren­den Gue­ril­la.

Die Ejérci­to de Libe­r­a­ción Nacio­nal (ELN) ist die größ­te kämp­fen­de kom­mu­nis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on im Land, in den von ihnen kon­trol­lier­ten Gebie­ten kön­nen sie es sich erlau­ben, sich öffent­lich zu prä­sen­tie­ren. In den Städ­ten sieht die Rea­li­tät für die Bewe­gung jedoch anders aus. Der kolum­bia­ni­sche Staat konn­te in den Bar­ri­os und Städ­ten Kolum­bi­ens ein Netz­werk von Informant:innen gegen die Gue­ril­la auf­bau­en.

Trotz alle­dem zwingt die Per­spek­tiv­lo­sig­keit des kolum­bia­ni­schen Kapi­ta­lis­mus immer mehr Men­schen in die bewaff­ne­te Oppo­si­ti­on gegen den Staat zu gehen. In Kolum­bi­en gibt es eine Rede­wen­dung: Es sei siche­rer, in die Ber­ge zu gehen (sich der Gue­ril­la anzu­schlie­ßen), als eine Gewerk­schaft zu grün­den oder in die­ser aktiv zu sein. Die stän­di­ge Bedro­hung durch die Will­kür der Poli­zei und des Mili­tärs, die stän­di­ge Gefahr durch die grau­sa­men para­mi­li­tä­ri­schen Todes­schwa­dro­nen und der bewaff­ne­ten Nar­cos sind der Grund für eine Alli­anz von Bäuer:innen, Arbeiter:innen und Student:innen – vor allem Jugend­li­che und ca. die Hälf­te weib­lich -, wel­che in die Stadt­gue­ril­la der ELN ein­tre­ten.

Die FGUN ist dazu gezwun­gen, im Unter­grund zu arbei­ten. Die Fren­te Urba­no ist mit Zel­len in den meis­ten grö­ße­ren Städ­ten Kolum­bi­ens orga­ni­siert, vor allem aber in der Haupt­stadt Bogo­ta. Durch einen lan­gen Pro­zess der Kon­takt­auf­nah­me online konn­te erst­mals ein Inter­view mit der Stadt­gue­ril­la FGUN geführt wer­den, wel­ches einen klei­nen Ein­blick in die poli­tisch-mili­tä­ri­schen Struk­tu­ren der ELN in den städ­ti­schen Tei­len des Lan­des ermög­licht und ver­sucht, ein Ver­ständ­nis für den berech­ti­gen Wider­stand des kolum­bia­ni­schen Vol­kes zu schaf­fen.

Wie unter­schei­det sich die Stadt­gue­ril­la von der Gue­ril­la auf den Ber­gen und im Dschun­gel? Was sind ihre Auf­ga­ben?

Die Geschich­te des Kamp­fes der ELN beinhal­tet die Erfah­rung des städ­ti­schen und länd­li­chen Kamp­fes seit ihrem Ursprung, als Student:innen und jun­ge Revolutionär:innen in den 1960er-Jah­ren die Auf­ga­be der Orga­ni­sa­ti­on von ers­ten Gue­ril­la-Grup­pen in städ­ti­schen Zen­tren über­nah­men.

Des­halb wird auf den Fel­dern und in den Städ­ten der bewaff­ne­te Kampf geführt – zwei Gebie­te mit unter­schied­li­chen Mög­lich­kei­ten, aber inte­griert in eine Stra­te­gie des poder popu­lar (der „Volks­macht“) und der Kon­struk­ti­on des Sozia­lis­mus. Der Haupt­un­ter­schied zwi­schen der Stadt­gue­ril­la und der länd­li­chen Gue­ril­la ist gekenn­zeich­net durch das Gebiet und die mate­ri­el­len Bedin­gun­gen. Die Stadt­gue­ril­la ent­wi­ckelt ihre mili­tä­ri­sche und poli­ti­sche Akti­vi­tät in den Städ­ten Kolum­bi­ens unter den Bedin­gun­gen, wel­che vom Feind und den Werk­zeu­gen des Impe­ria­lis­mus geschaf­fen sind. Der Kampf der städ­ti­schen Gue­ril­la ist im Unter­grund, unter­teilt, und mit Sicher­heits­me­tho­den, die es ermög­li­chen, dass Aktio­nen unsicht­bar sind. Die Stadt­gue­ril­la führt vie­le unter­schied­li­che logis­ti­sche mili­tä­ri­sche und poli­ti­sche Auf­ga­ben im Rücken des Fein­des aus.

Die länd­li­che Gue­ril­la ihrer­seits bewegt sich und han­delt in ver­schie­de­nen vor­städ­ti­schen und länd­li­chen Gebie­ten, in denen die feind­li­chen Aktio­nen und Kon­troll­mit­tel anders als die der Gue­ril­la sind. Die länd­li­che Kraft bringt eine Stra­te­gie zusam­men, die zum Auf­bau von Volks­macht, Legi­ti­mi­tät und poli­ti­scher Kraft sorgt, wäh­rend sie gleich­zei­tig mili­tä­ri­sche Kon­fron­ta­ti­on mit den feind­li­chen Streit­kräf­ten führt. Sowohl der städ­ti­sche als auch der länd­li­che Kampf ist Teil des Wider­stands­kamp­fes.

Die städ­ti­sche Gue­ril­la ent­wi­ckelt einen Plan auf umfas­sen­der Wei­se, poli­tisch, mili­tä­risch, logis­tisch usw. in der Stadt. Im Rah­men des Wider­stands­kamp­fes hat der Stadt­kampf die ers­te Auf­ga­be zum Auf­stand des Vol­kes bei­zu­tra­gen, wobei er ver­steht, dass der bewaff­ne­te Kampf der ELN Teil der Kämp­fe der Men­schen des Lan­des ist. Die Waf­fen der ELN zie­len dar­auf ab, den Kampf der Men­schen zu stär­ken und den poli­ti­schen Kampf vor­an­zu­trei­ben.

Wie hat sich die Stadt­gue­ril­la im Lau­fe der Jah­re ent­wi­ckelt?

[Auf die Fra­ge ant­wor­te­ten unse­re Dialogpartner:innen der Fren­te Urba­no nicht direkt, son­dern mit einem Doku­ment der Füh­rung der FGUN-ELN (Dirección Fren­te de Guer­ra Urba­no Nacio­nal – ELN, deutsch: Füh­rung der natio­na­len Stadt­krieg-Front – ELN). Das Doku­ment wer­den wir im Fol­gen­den in sei­ner Gesamt­heit über­set­zen:]

„Seit ihrer Grün­dung hat die ELN die ent­schlos­se­ne Betei­li­gung der in den Städ­ten leben­den Genoss:innen. Bei der Bil­dung der José-Anto­nio-Galán-Bri­ga­de und in den ers­ten Gue­ril­la­ker­nen gibt es die Ein­glie­de­rung von Mili­tan­ten, die mit ihrem Enga­ge­ment und Ein­satz viel bei­getra­gen haben, ins­be­son­de­re unser Ober­be­fehls­ha­ber Cami­lo Tor­res Rest­re­po ist das deut­lichs­te Bei­spiel dafür. Daher trägt die FGUN sei­nen Namen als Aner­ken­nung für einen der größ­ten Revo­lu­tio­nä­re unse­res Mut­ter­lan­des und Latein­ame­ri­kas.

Es war kein ein­fa­cher Pro­zess, eine natio­na­le Stadt­krieg-front zu bil­den. Die Geschich­te der städ­ti­schen Kämp­fe und der in den Städ­ten gebo­re­nen Mili­tanz ist voll unsterb­li­cher Erin­ne­run­gen an Genoss:innen, vie­le von ihnen anony­me Revo­lu­tio­nä­re, die ihren Bei­trag geleis­tet haben. Sie gaben ihr Bes­tes für eine mensch­li­che und inklu­si­ve Gesell­schaft. Im Pro­zess der Rei­fung und des Ler­nens, wie er für jede Orga­ni­sa­ti­on typisch ist, hat die ELN zuneh­mend die ent­schei­den­de Bedeu­tung der Betei­li­gung der in Städ­ten leben­den Volks­mas­sen für den revo­lu­tio­nä­ren Kampf ver­stan­den.

In den ers­ten Lebens­jah­ren der ELN war die Arbeit in den Städ­ten von grund­le­gen­der Bedeu­tung für die logis­ti­sche Unter­stüt­zung, die Auf­nah­me von muti­gen Mili­tan­ten für die Ent­wick­lung des Gue­ril­la­kerns sowie für mili­tä­ri­sche Aktio­nen und die Beschaf­fung wirt­schaft­li­cher Res­sour­cen. Der unschätz­ba­re Bei­trag unse­res Ober­be­fehls­ha­bers Cami­lo Tor­res und die wert­vol­le Erfah­rung der „Ver­ei­nig­ten Front“ (eine Theo­rie for­mu­liert von Cami­lo Tor­res), lehr­te die ELN, dass es not­wen­dig war, im gesam­ten Aus­maß zu ana­ly­sie­ren, wie sich die städ­ti­sche Arbeit im Land reprä­sen­tiert.

Auf die­sem Weg wur­de in der zwei­ten Hälf­te der 70er-Jah­re der Schritt unter­nom­men, regio­na­le Struk­tu­ren zu bil­den, die eher städ­ti­scher Natur waren, was der ELN-Orga­ni­sa­ti­on auf einer gesam­ten natio­na­len Dimen­si­on gehol­fen hat. Für das Jahr 1989 erar­bei­te­te die ELN auf dem II. Kon­gress „Volks­macht und neue Regie­rung“ eine tie­fe­re Vor­stel­lung der städ­ti­schen Arbeit in den soge­nann­ten revo­lu­tio­nä­ren Mas­sen­ba­sen und skiz­zier­te, was heu­te eine ter­ri­to­ria­le Stra­te­gie sein könn­te. Wie jede revo­lu­tio­nä­re Akti­vi­tät blieb die städ­ti­sche Arbeit nicht von Schwie­rig­kei­ten ver­schie­dens­ter Art ver­schont, doch gleich­zei­tig hat sie Momen­te der Ent­wick­lung und der Pla­nung und Ori­en­tie­rung erlebt. Die neun­zi­ger Jah­re sind ein Bei­spiel für bei­de Dimen­sio­nen. Sie waren eng ver­bun­den mit der Kom­ple­xi­tät des Kamp­fes, den repres­si­ven Aus­wir­kun­gen der ver­schie­de­nen Regie­run­gen und dem Staats­ter­ro­ris­mus, wel­cher sich in die­sem Jahr­zehnt in der Bar­ba­rei der para­mi­li­tä­ri­schen Arme­en aus­drück­te.

Bereits für die Jah­re 2000–2001 wur­de eine Koor­di­nie­rungs­ar­beit für städ­ti­sche Struk­tu­ren ent­wi­ckelt, die von Mit­glie­dern der natio­na­len Direk­ti­on unter­stützt wur­de. 2004 skiz­ziert die natio­na­le Orga­ni­sa­ti­on Zie­le, um die Wie­der­zu­sam­men­set­zung und Auf­nah­me der Arbeit zu errei­chen und Pro­zes­se der Ein­glie­de­rung der ver­schie­de­nen städ­ti­schen Arbei­ten in den ver­schie­de­nen Städ­ten zu ent­wi­ckeln und die­se zu ver­ein­heit­li­chen. Man beginnt, eine natio­na­le urbane/​städtische Koor­di­na­ti­on zu struk­tu­rie­ren, was mit der Zeit zu einer grö­ße­ren Zusam­men­ar­beit und Abstim­mung zwi­schen den urbanen/​städtischen Grup­pen führt.

Der 4. Kon­gress der ELN bestä­tig­te die­se Defi­ni­tio­nen als Prio­ri­tä­ten der poli­ti­schen Arbeit und der orga­ni­sa­to­ri­schen Akti­on in den Städ­ten, ein­her­ge­hend mit den Kämp­fen der Mas­sen. Außer­dem plant die ELN die­sen Wie­der­auf­bau­pro­zess im stra­te­gi­schen Sin­ne, und bewegt die Füh­rung zu der Schaf­fung einer Kriegs­front, die eine ein­zig­ar­ti­ge Struk­tur auf­bau­en soll, indem sie die Bezie­hun­gen zu und die Inter­ak­tio­nen mit den länd­li­chen Struk­tu­ren auf­recht­erhält und ver­bes­sert. Der Kon­gress rich­tet sich dar­auf aus, einen urbanen/​städtischen natio­na­len Rat zu bil­den, um sich mit ver­schie­de­nen The­men der städ­ti­schen Rea­li­tät und der Orga­ni­sie­rung der Arbeit in den Städ­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Von 2006 bis 2014 schritt die Arbeit an der Schaf­fung einer Kriegs­front vor­an, wobei das Augen­merk vor­ran­gig dar­auf liegt, sich in die poli­ti­sche Dyna­mik des Lan­des ein­zu­fü­gen und sich einen Platz bei den Arbeiter:innen, Stu­die­ren­den und Bewohner:innen der Städ­te zu ver­schaf­fen. Eine bedeu­ten­de Zahl an Städ­ten wird in die Arbeit inte­griert, die Arbeit wird städ­te­wei­se orga­ni­siert. Unter Berück­sich­ti­gung der Defi­ni­tio­nen und Plä­ne fin­det 2014 die kon­sti­tu­ti­ve Ver­samm­lung der natio­na­len Stadt­krieg-Front statt, bei der eine Prä­sen­ta­ti­on zur städ­ti­schen Arbeit geneh­migt, ein Arbeits­plan ver­ab­schie­det und eine städ­ti­sche Füh­rung gewählt wird.

Der Fünf­te Kon­gress bestä­tigt die Exis­tenz der Front, ihr Fort­be­stehen und ihren Namen Städ­tisch-Natio­na­le Kriegs­front Ober­be­fehls­ha­ber Cami­lo Tor­res Rest­re­po“

Wel­che Rol­le spielt die Gue­ril­la im anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kampf welt­weit?

Che Gue­va­ra defi­nier­te die Gue­ril­la so: “Die Gue­ril­la ist eine bewaff­ne­te, dis­zi­pli­nier­te und poli­tisch bewuss­te Avant­gar­de der Arbeiter:innen.”

Wir betrach­ten uns als Teil des gue­va­ris­ti­schen Erbes und die Theo­rie lei­tet uns in sei­nen anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Kampf­stra­te­gien. Die Gue­ril­las sind Aus­druck des anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen und anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Wider­stands des kolum­bia­ni­schen Vol­kes. Es liegt in der Ver­ant­wor­tung der Gue­ril­la, den Kampf für eine poli­ti­sche Lösung des bewaff­ne­ten Kon­flikts in Rich­tung der Pro­gres­si­vi­tät, die das Land braucht, fort­zu­set­zen. Die­se Ver­än­de­run­gen sind eine wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und sozia­le Alter­na­ti­ve für die natio­na­len Mehr­hei­ten, d. h. eine neue Regie­rung, die die ein­fa­che und bedürf­ti­ge Bevöl­ke­rung auf dem Land und in der Stadt in den Mit­tel­punkt stellt und soli­da­ri­sche Bezie­hun­gen zu den Völ­kern Ame­ri­kas und der Welt auf­baut.

Es braucht eine neue Regie­rung für die För­de­rung der demo­kra­ti­schen und revo­lu­tio­nä­ren Trans­for­ma­tio­nen, die das seit der Kolo­ni­al­zeit eta­blier­te olig­ar­chi­sche Sta­di­um des Staa­tes über­win­det. Die ELN iden­ti­fi­ziert sich mit dem pro­le­ta­ri­schen Inter­na­tio­na­lis­mus und sym­pa­thi­siert mit den anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Kämp­fen der Völ­ker Ame­ri­kas und der auf der gesam­ten Welt. Wir sind daher der Ansicht, dass unse­re Rol­le dar­in besteht, zu die­sem anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kampf mit unse­ren Prak­ti­ken der Theo­rie der Volks­macht bei­zu­tra­gen, mit dem täg­li­chen Kampf um die Errich­tung neu­er Soli­da­ri­täts­struk­tu­ren, dem ent­schlos­se­nen Kampf gegen den Para­mi­li­ta­ris­mus und die staat­li­chen Streit­kräf­te, die den Staats­ter­ro­ris­mus als offi­zi­el­le Poli­tik durch­füh­ren.

Wir wer­den ange­trie­ben durch unse­re Ver­pflich­tung für die Revo­lu­ti­on und unser Klas­sen­be­wusst­sein. Die Revo­lu­tio­nä­re die­ser Welt kön­nen sich dar­auf ver­las­sen, dass die ELN dem Wider­stand und dem Kampf gegen den Kapi­ta­lis­mus und den Grin­go-Impe­ria­lis­mus Kon­ti­nui­tät ver­leiht.

Wie wird Ihr täg­li­cher All­tag vom revo­lu­tio­nä­ren Leben beein­flusst?

Für die Ele­nos, die Mit­glie­der der ELN, ist das revo­lu­tio­nä­re Leben das täg­li­che Leben, da es ein Leben ist, wel­ches ganz­tä­gig dar­auf aus­ge­rich­tet ist, die Auf­ga­ben der Revo­lu­ti­on zu erfül­len. Im Rah­men des Kamp­fes füh­ren wir unser Fami­li­en­le­ben und unser täg­li­ches Leben. Es gibt kei­ne Unter­schie­de. Das revo­lu­tio­nä­re Leben ist kein Leben, das einen täg­li­chen Zeit­plan hat, son­dern alles, was wir als Rebel­len tun, ist Teil der revo­lu­tio­nä­ren Auf­ga­be. Ele­no zu sein ist ein Pro­jekt des revo­lu­tio­nä­ren Lebens, in dem wir alles auf ande­re Wei­se auf­bau­en müs­sen, wir müs­sen die Kol­lek­ti­vi­tät und Volks­macht in den ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­chen aus einer revo­lu­tio­nä­ren und anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Per­spek­ti­ve auf­bau­en. Unser täg­li­ches Leben ist das glei­che wie das der Mehr­heit der Men­schen, die in den gro­ßen Nach­bar­schaf­ten die Män­gel erle­ben und den Wider­stand leben, um die Pro­ble­me zu lösen, wäh­rend sie gegen den Feind han­deln und zur Orga­ni­sa­ti­on bei­tra­gen. Es ist ein Kampf, der in das Leben der Nach­bar­schaft, der Gemein­de, der Bevöl­ke­rung und ihrer Gebie­te inte­griert ist. Wir sind Kin­der des Vol­kes, wir leben wie das Volk und wir kämp­fen mit dem Volk.

Wie wich­tig ist die Jugend im revo­lu­tio­nä­ren Kampf?

Die Jugend hat im revo­lu­tio­nä­ren Kampf in Kolum­bi­en und ins­be­son­de­re im bewaff­ne­ten Kampf eine zen­tra­le Rol­le gespielt. Die ELN bestand von Anfang an aus jun­gen Men­schen, Student:innen und Bäuer:innen, die am 4. Juli 1964 den ers­ten Marsch und am 7. Janu­ar 1965 die anschlie­ßen­de poli­tisch-mili­tä­ri­sche Grün­dungs­ak­ti­on in Sima­co­ta San­tan­der orga­ni­sier­ten. Die revo­lu­tio­nä­re Jugend hat ver­stan­den, dass der revo­lu­tio­nä­re Kampf ein Volks­kampf ist, und hat zu den ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en bei­getra­gen, sowohl im mili­tä­ri­schen als auch im poli­tisch-sozia­len Bereich. Die Mas­sen­kämp­fe von Student:innen und Arbeiter:innen in den 1960er-Jah­ren bil­de­ten den Hin­ter­grund für den bewaff­ne­ten Auf­stand der Gue­ril­las in Kolum­bi­en. Die Jugend hat dann in allen Aspek­ten einen Bei­trag geleis­tet, und ihr Enga­ge­ment und ihre Bereit­schaft zur Arbeit haben die Geschich­te der kolum­bia­ni­schen Revo­lu­ti­on geprägt. Die glei­che Rol­le haben jun­ge Men­schen in ganz Latein­ame­ri­ka gespielt, sei es in der Gue­ril­la oder in lega­len und par­tei­po­li­ti­schen Kampf­mo­da­li­tä­ten. Der Bei­trag ist von grund­le­gen­der Bedeu­tung für das Ver­ständ­nis der Geschich­te des kon­ti­nen­ta­len Wider­stands gegen den Impe­ria­lis­mus, von dem Süden des Rio Gran­de in Mexi­ko bis nach Pata­go­ni­en in Argen­ti­ni­en.“

Was raten Sie den Revolutionär:innen in impe­ria­lis­ti­schen Län­dern?

Als ELN respek­tie­ren wir die revo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­se ande­rer Völ­ker und die Wege und Optio­nen, die in der Hit­ze des Kamp­fes in Euro­pa und ande­ren Gebie­ten gewählt wur­den. Wir schät­zen die Bei­trä­ge und die Bereit­schaft, Wege der Soli­da­ri­tät und des gemein­sa­men Kamp­fes im Kampf gegen die Fein­de der Mensch­heit zu schaf­fen. In die­ser Rei­hen­fol­ge begrü­ßen und gra­tu­lie­ren wir den Kämp­fen der Bru­der­völ­ker der Welt und for­dern sie auf, die Arbeit für den Auf­bau einer sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft, die den Bedürf­nis­sen des Pla­ne­ten ent­spricht, nicht auf­zu­ge­ben und fort­zu­set­zen.

Der Bei­trag „Wir sind Kin­der des Vol­kes“ – Inter­view mit der kolum­bia­ni­schen Stadt­gue­ril­la FGUN erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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