[ISO:] Rajapaksa-Clan hat das Land fester im Griff als vorher

Noti­zen zur Wahl, ein offe­ner Brief von Left Voice (Sri Lan­ka) und die Erklä­rung der Radi­cal Socia­lists (Indi­en)

(frd) Durch die Par­la­ments­wahl vom 5. August, an der sich
über 75 % der 16,2 Mil­lio­nen Wahl­be­rech­tig­ten betei­ligt haben sol­len,
konn­ten die bei­den sin­gha­le­si­schen Brü­der sich noch mehr Macht sichern. Die „Sri
Lan­ka Podu­ja­na Par­ty“ (SLPP), die Par­tei des Prime Minis­ter Mahin­da Raja­pak­sa,
gewann 146 Man­da­ten im Par­la­ment des Lan­des. Sie kann auf die Unter­stüt­zung von
min­des­tens wei­te­ren 5 der 225 Abge­ord­ne­ten zäh­len.

Die zer­split­ter­te par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on wur­de wei­ter
dezi­miert. Die „United Natio­nal Par­ty“ (UNP), die Par­tei des ehe­ma­li­gen
Pre­mier­mi­nis­ter Ranil Wick­re­me­sing­he (er war von 2001 bis 2004 Regie­rungs­chef),
stürz­te von 106 Sit­zen auf 7. Das Bünd­nis „Sama­gi Jana Bala­wega­ya“ (SJB, Ein­heit
‒ Volks­macht), das im Febru­ar 2020 unter Füh­rung von Sajith Pre­ma­da­sa, einem
Sohn des 1993 ermor­de­ten Poli­ti­kers Rana­sing­he Pre­ma­da­sa (1978 bis 1989
Pre­mier­mi­nis­ter und 1989 Prä­si­dent), als Abspal­tung von der UNP ent­stan­den war,
erhielt 20 % der Stim­men und 54 Abge­ord­ne­te. Die Tamil Natio­nal Alli­an­ce
fiel von 106 auf 10 Man­da­te.

Die „Sri Lan­ka Free­dom Par­ty“ (SLFP), frü­her eine der gro­ßen
tra­di­tio­nel­len Par­tei­en des Lan­des nach der Unab­hän­gig­keit (1948), die zwi­schen
1956 und 1977 die Regie­rung und den Prä­si­den­ten bzw. die Prä­si­den­tin stell­te
und danach die größ­te Oppo­si­ti­ons­par­tei war, ver­fügt nun über gera­de mal einen
Abge­ord­ne­ten.

Die mar­xis­ti­sche Lin­ke trat mit ver­schie­de­nen Kan­di­da­tu­ren
an, die zwi­schen 14.500 Stim­men oder 0,13 % für die „Front­li­ne Socia­list
Par­ty“ (FSP), eine 2012 von dis­si­den­ten Mit­glie­dern der einst­mals
mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen, viru­lent anti­tami­li­schen „Janatha Vimuk­thi Pera­mu­na“ (JVP) gegrün­de­te
Par­tei, und 737 Stim­men oder 0,01 % für die LSSP erhiel­ten.[1]

Im Novem­ber 2019 hat­te Mahin­das jün­ge­rem Bru­der Gota­ba­ya
Raja­pak­sa die Prä­si­dent­schafts­wahl gewon­nen. Er war Offi­zier gewe­sen und wird
von sei­ner eige­nen Fami­lie „The Ter­mi­na­tor“ genannt. Die Brü­der gel­ten bei
bedeu­ten­den Tei­len der sin­gha­le­si­schen Bevöl­ke­rungs­mehr­heit als Hel­den, nach­dem
sie 2009 an der Spit­ze einer rück­sichts­lo­sen Mili­tär­ope­ra­ti­on zur Been­di­gung
des jahr­zehn­te­lan­gen „Sepa­ra­tis­ten­kriegs“ der Tamil Tigers gestan­den hat­ten.
Damals war Mahin­da Prä­si­dent des Lan­des, wäh­rend sein Bru­der eine wich­ti­ge
Figur im Mili­tär war. Sie fah­ren seit­her eine Law-and-Order-Schie­ne und rei­ten
auf der natio­na­lis­ti­schen Wel­le, die nach den Bom­ben­at­ten­ta­ten von Ostern 2019
mit 279 Toten hoch­schwapp­te.

Nun ver­fü­gen sie über eine Zwei­drit­tel­mehr­heit im Par­la­ment,
die Ver­fas­sungs­än­de­run­gen vor­neh­men kann. Es wird erwar­tet, dass ins­be­son­de­re
Bestim­mun­gen zur Dezen­tra­li­sie­rung und zur Beschnei­dung der Macht eines
auto­ri­tär vor­ge­hen­den Prä­si­den­ten, die unter der vor­her­ge­hen­den Admi­nis­tra­ti­on
beschlos­sen wor­den waren, rück­gän­gig gemacht wer­den.

Vom Par­la­ment sind har­sche Wirt­schafts­maß­nah­men zu erwar­ten.
Nach offi­zi­el­len Zah­len ist das Wirt­schafts­wachs­tum im ers­ten Vier­tel­jahr auf
1,6 % gefal­len, wäh­rend die Asi­an Deve­lo­p­ment Bank für 2020 ein Schrump­fen
um 6,1 % vor­her­sieht.

Die poli­ti­sche Lin­ke in Sri Lan­ka (die auf eine stol­ze
Tra­di­ti­on zurück­bli­cken kann, aber auch auf vie­le Nie­der­la­gen und Fäl­le von
Kapi­tu­la­ti­on vor bür­ger­li­chen Par­tei­en mit sozia­lis­ti­scher Rhe­to­rik, die zudem
gespal­ten ist), die Gewerk­schafts­be­we­gung, die radi­ka­len sozia­len Bewe­gun­gen
(dar­un­ter die Men­schen­rechts- und die femi­nis­ti­sche Bewe­gung) ste­hen in einer
schwie­ri­gen Peri­ode vor der Auf­ga­be der Neu­be­stim­mung ihrer Auf­ga­ben und ihrer
Arbeits­wei­se.

Benutz­te Quel­len:
„2020 Sri Lankan par­lia­men­ta­ry election“,https://en.wikipedia.org/wiki/2020_Sri_Lankan_parliamentary_election;

Agence Fran­ce Press, „Sri Lanka’s Raja­pak­sa bro­thers streng­t­hen grip in
lands­li­de elec­tion win“, Guar­di­an, 7. August 2020, https://​www​.the​guar​di​an​.com/​w​o​r​l​d​/​2​0​2​0​/​a​u​g​/​0​7​/​s​r​i​-​l​a​n​k​a​s​-​r​a​j​a​p​a​k​s​a​-​b​r​o​t​h​e​r​s​-​s​t​r​e​n​g​t​h​e​n​-​g​r​i​p​-​i​n​-​l​a​n​d​s​l​i​d​e​-​e​l​e​c​t​i​o​n​-​win;

NTB, „Raja­pak­sa-kla­nen kann fes­te gre­pet om Sri Lan­ka etter vel­get: Sik­ter inn
mot sei­er“, in: Klas­se­kam­pen,
32. Jg., Nr. 179, 5. August 2020, S. 18.

[1]
Zahl­rei­che Ein­zel­hei­ten: „2020 Sri Lankan par­lia­men­ta­ry elec­tion“, https://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​2​0​2​0​_​S​r​i​_​L​a​n​k​a​n​_​p​a​r​l​i​a​m​e​n​t​a​r​y​_​e​l​e​c​t​ion.


Aufruf zur Weiterführung der
Nava-Samasamaja-Tradition

Ein offener Brief

von Vame Han­da (Left Voice)

„Ja, ich bin der United Natio­nal Par­ty bei­getre­ten.“
„Ich wer­de die UNP auf­klä­ren.“
„Wäre Marx heu­te noch am Leben, wür­de er Ranil Wick­re­me­sing­he [dem ehe­ma­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter von Sri Lan­ka und Füh­rer der UNP] die Hand schüt­teln und ihn umar­men.“

Die­se Zita­te stam­men aus Erklä­run­gen, die Pro­fes­sor
Vikra­ma­ba­hu „Bahu“ Kar­unarat­ne vor kur­zem gegen­über Print- und elek­tro­ni­schen
Medi­en abge­ge­ben hat.

Als er im Fern­seh­sen­der Derana in einem grü­nen Hemd [der
Far­be der bür­ger­li­chen UNP] auf­trat, mein­te er unver­fro­ren, man sol­le sich
nicht schä­men, sei­ne poli­ti­sche Hal­tung zu ändern. Er wie­der­hol­te die­se Aus­sa­ge
vor ver­schie­de­nen Medi­en und auf UNP-Platt­for­men.

Vikra­ma­ba­hu kan­di­diert als Kan­di­dat der UNP (United Natio­nal
Par­ty) für die Wahl. Dies­mal tritt die UNP ohne ein Bünd­nis mit einer ande­ren
poli­ti­schen Par­tei zur Wahl an. Daher kan­di­diert Vikra­ma­ba­hu nicht als
Ver­bün­de­ter der UNP, er tritt jetzt im Distrikt Kalut­ara als Mit­glied der UNP
an.

Vikra­ma­ba­hu begann in den 1960er Jah­ren als füh­ren­der
radi­ka­ler Sama­sa­ma­jaist (Sozia­list) im Jugend­be­reich poli­tisch aktiv zu wer­den.
Als die Lan­ka Sama Sama­ja Par­ty (LSSP) 1964 eine Koali­ti­on mit der Regie­rung
Siri­ma­vo Band­ar­a­nai­ke ein­ging, war Vikra­ma­ba­hu einer der füh­ren­den Köp­fe in der
Par­tei, die sich gegen die­se Ent­schei­dung auf­lehn­ten.

Als die Nava Sama Sama­ja Par­tei (NSSP) 1978 gegrün­det wur­de,
schlos­sen sich die Mehr­heit der radi­ka­len Jugend der LSSP sowie poli­ti­sche
Intel­lek­tu­el­le und Gewerkschafter*innen im öffent­li­chen und im pri­va­ten Sek­tor
(unter ande­rem von der Government Cle­ri­cal Ser­vices Uni­on) der neu­en Par­tei an.
Cha­ris­ma­ti­sche Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten vom Kali­ber eines Vasu­de­va[1]
und Vikra­ma­ba­hu spiel­ten bei dem Gene­ral­streik vom Juli 1980 eine füh­ren­de
Rol­le und wur­den als Vor­bil­der für das Volk betrach­tet.

Vor die­sem Hin­ter­grund wird Vikra­ma­ba­hu als eine poli­ti­sche
Füh­rungs­per­sön­lich­keit ange­se­hen, die sich für eine revo­lu­tio­nä­re Poli­tik
enga­giert.

Unter der Füh­rung von „Bahu“ hat die NSSP durch die
Fort­füh­rung der lin­ken Tra­di­ti­on der LSSP wert­vol­le Arbeit geleis­tet. Sie
kämpf­te für eine poli­ti­sche Lösung der natio­na­len Fra­ge und stell­te sich gegen
die Poli­tik der Bil­dung von Koali­tio­nen mit der Bour­geoi­sie. Nun ist die­ses
Erbe ver­schleu­dert und zu Füßen von Ranil Wick­re­me­sing­he begra­ben.

Die­je­ni­gen, die gegen die büro­kra­ti­sche Füh­rung von
Vikra­ma­ba­hu kämpf­ten, ver­lie­ßen die Par­tei, um ihre eige­nen poli­ti­schen
Orga­ni­sa­tio­nen zu grün­den. Genos­se Sirir­t­un­ga ver­ließ die Par­tei, um die „United
Socia­list Par­ty“[2] zu
grün­den.

Als die Iden­ti­tät der NSSP erheb­lich unter­gra­ben wur­de,
beschloss eine Mehr­heit des Zen­tral­ko­mi­tees [und] des Poli­ti­schen Büros, den
Grund­stein für eine poli­ti­sche Bewe­gung zur Erhal­tung und För­de­rung der Idea­le
der Par­tei zu legen. Im Jahr 2012 orga­ni­sier­ten wir uns unter dem Ban­ner von „Left
Voice“, um die Tra­di­ti­on der NSSP fort­zu­füh­ren und den Kampf gegen die
anti-lin­ke Poli­tik von Bahu fort­zu­set­zen. Unser poli­ti­sches Ziel ist es,
soli­da­risch mit allen lin­ken Grup­pen zusam­men­zu­ar­bei­ten und die
Mas­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re die Gewerk­schaf­ten, auf der Grund­la­ge einer
poli­ti­schen Platt­form zu mobi­li­sie­ren. Wir haben unse­ren Kampf gegen die
„Theo­rien“ von Vikra­ma­ba­hu auch in der inter­na­tio­na­len Are­na geführt. Als „Left
Voice“ wur­den wir als Mit­glied der Vier­ten Inter­na­tio­na­le auf­ge­nom­men, und ihr
Sekre­ta­ri­at lehn­te die poli­ti­sche Linie von Vikra­ma­ba­hu offi­zi­ell ab. Dies ist
ein wei­te­rer Sieg für unse­ren Kampf.

In den letz­ten Jah­ren hat Bahu eine fal­sche poli­ti­sche
Ana­ly­se ver­tre­ten und argu­men­tiert, Ranil Wick­re­me­sing­he, der „Lea­der“ der UNP,
sei ein „libe­ra­ler Sozi­al­de­mo­krat“, der Ras­sis­mus, reli­giö­se Bigot­te­rie und
Faschis­mus bekämp­fe. Bahu hat ihn von gan­zem Her­zen umarmt. Die letz­te Epi­so­de
die­ser Scha­ra­de besteht dar­in, dass Bahu die Mit­glied­schaft in der UNP erhal­ten
hat und sich im Bezirk Kalut­ara unter dem Sym­bol der UNP, dem Ele­fan­ten, zur
Wahl stellt. Jetzt ist es glas­klar. Wenn Bahu unter dem Ban­ner der UNP an den
Wah­len teil­nimmt, ist das nicht ein guter Grund, damit sich einem das Herz ver­krampft?
Wird die­ser Anblick nicht das Bewusst­sein der­je­ni­gen auf­rüt­teln, die mit der
anti­ras­sis­ti­schen Poli­tik der NSSP sym­pa­thi­sier­ten? Wie vie­le Sympathisant*innen
der NSSP kön­nen die­se Ent­schei­dung von Bahu von gan­zem Her­zen unter­stüt­zen?

In der Ver­gan­gen­heit haben sich die Führer*innen der
Arbei­ter­be­we­gung wie Vasu­de­va, die wegen die Schwä­chung der Bewe­gung frus­triert
waren, dem Lager der so genann­ten Pro­gres­si­ven wie der dama­li­gen Prä­si­den­tin
Chand­ri­ka Kuma­ra­t­un­ga[3]
ange­schlos­sen. Damals sag­te Vasu­de­va, Chand­ri­ka Kuma­ra­t­un­ga sei eine
Sozi­al­de­mo­kra­tin und eine links­ge­rich­te­te Füh­re­rin, die für natio­na­le Ein­heit
im Kampf gegen Ras­sis­mus und reli­giö­se Bigot­te­rie stand. Um die­se Zie­le zu
errei­chen, so Vasu­de­va, soll­ten wir mit ihr zusam­men­ar­bei­ten. Damals stell­te
sich Vikra­ma­ba­hu unmiss­ver­ständ­lich gegen eine sol­che Poli­tik der Koali­tio­nen
mit kapi­ta­lis­ti­schen Kräf­ten. Damals setz­te er sich ent­schie­den für den Schutz
der Iden­ti­tät der Par­tei ein.

Heu­te tritt Bahu in die Fuß­stap­fen von Vasu­de­va. Seit etwa
2012 hat er die Theo­rie von Vasu­de­va scham­los auf­ge­wärmt. Bahu brach­te die Unter­stüt­zung
des UNP-Füh­rers Ranil Wick­re­me­sing­he in die NSSP ein und stell­te ihn als
Sozi­al­de­mo­kra­ten dar, der sich gegen Ras­sis­mus und reli­giö­se Bigot­te­rie wen­det.

Aller­dings haben eini­ge Lei­tungs­mit­glie­der der NSSP einen
lan­gen Kampf gegen sol­che Ten­den­zen inner­halb der Par­tei geführt. Ande­re unter­stütz­ten
Bahu in der auf­rich­ti­gen Über­zeu­gung, dass sie die leuch­ten­de Geschich­te der
Par­tei und ihren Kampf für eine poli­ti­sche Lösung der natio­na­len Fra­ge wei­ter­füh­ren
könn­ten. Ursprüng­lich sag­ten die­se Leu­te, sie wür­den ihre Poli­tik nicht
kom­pro­mit­tie­ren. Sie sag­ten, sie ver­bün­de­ten sich nicht als Regie­rungs­part­ner
mit kapi­ta­lis­ti­schen Par­tei­en, son­dern nur als Part­ner im Kampf gegen die
faschis­ti­schen Kräf­te.

Die Genoss*innen, die sich als „Left Voice“ for­mier­ten,
warn­ten, dass die­ser irri­ge poli­ti­sche Weg in einer wider­li­chen Kapi­tu­la­ti­on
enden wür­de. Aber selbst sie haben nicht geglaubt, dass sich die­se Vor­her­sa­ge
so bald erfül­len wür­de.

Lie­be Genos­sin­nen und Genos­sen, Vikra­ma­ba­hu ist nicht nur
der UNP bei­getre­ten, son­dern hat sich auch bereit erklärt, unter ihrem Namen an
der Wahl teil­zu­neh­men. Er hat eine schänd­li­che poli­ti­sche Kapi­tu­la­ti­on
began­gen.

Wir wis­sen, dass sich eini­ge lin­ke Füh­rer mit der UNP
zusam­men­ge­tan haben. Ins­be­son­de­re der ver­stor­be­ne Phil­ip Guna­war­de­na[4],
ein Mit­be­grün­der der LSSP, schloss mit der UNP eine Ver­ein­ba­rung, um
Koali­ti­ons­part­ner zu wer­den. Wir wis­sen, dass sich Füh­rer der LSSP mit der SLFP
zusam­men­ta­ten, um eine Ver­ein­ba­rung mit eini­gen Vor­schlä­gen und Bedin­gun­gen zu
unter­zeich­nen, die für die Arbei­ter­klas­se von Inter­es­se waren. Und um sei­ne
poli­ti­sche Iden­ti­tät zu bewah­ren, ging Vasu­de­va sei­ne Part­ner­schaft mit
Chand­ri­ka mit Hil­fe eines eilig auf­ge­zo­ge­nen Vehi­kels von Par­tei ein.

Dies waren alle­samt nichts als Kapi­tu­la­tio­nen auf der gan­zen
Linie. Vikra­ma­ba­hu hat sich selbst ein­mal als einen her­aus­ra­gen­den
inter­na­tio­na­lis­ti­schen Trotz­kis­ten bezeich­net. Dadurch dass er Mit­glied der
reak­tio­nä­ren UNP wur­de, hat Vikra­ma­ba­hu eine ähn­li­che Kapi­tu­la­ti­on began­gen und
sei­nen poli­ti­schen Bank­rott offen­bart.

Lie­be Genoss*innen,

Bit­te nehmt unse­re Posi­tio­nie­rung als „Left Voice“ zur
Kennt­nis. Wir haben die Ver­ant­wor­tung über­nom­men, die poli­ti­sche Tra­di­ti­on der
Sama­sa­ma­jis­ten zu ver­tre­ten. Wir set­zen die poli­ti­schen Vor­stel­lun­gen unse­rer
Märtyrer*innen fort, der Genoss*innen, die sich dem so genann­ten Patrio­tis­mus
wider­setz­ten und im Namen der Par­tei ihr Leben der Gerech­tig­keit für das
tami­li­sche Volk wid­me­ten.

In bro­ther­hood,

Linus Jayat­hil­aka
Neil Wijet­hi­ala­ka
Ger­ard Gama­ge
Dhar­ma­si­ri Lan­ka­pe­li
Cha­mil Jaya­net­ti

(Ehe­ma­li­ge Mit­glie­der des Poli­ti­schen Büros der NSSP)

Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen ruft uns bit­te an.

5. Juli 2020

Quel­le: http://​www​.inter​na​tio​nal​view​point​.org/​s​p​i​p​.​p​h​p​?​a​r​t​i​c​l​e​6​724

Über­set­zung: W.H.; die Tele­fon­num­mern der fünf Unter­zeich­ner
sind hier fort­ge­las­sen; die Anmer­kun­gen wur­den vom Bear­bei­ter hin­zu­ge­fügt.

Sie­he auch:
Erklä­rung des Büros der Vier­ten Inter­na­tio­na­le zu den kom­men­den Wah­len auf Sri
Lan­ka, 30. Juni 2020, https://​inter​soz​.org/​z​u​-​d​e​n​-​k​o​m​m​e​n​d​e​n​-​w​a​h​l​e​n​-​a​u​f​-​s​r​i​-​l​a​n​ka/.


Erklärung der Radical Socialists (Indien)
zu den Wahlen in Sri Lanka

Die Radi­ka­len Sozialist*innen sehen in der Kan­di­da­tur von Vikram­ba­hu
Kar­unarat­ne („Bahu“), der füh­ren­den Per­sön­lich­keit der Nava Sama Sama­ja Par­ty
(NSSP) auf Sri Lan­ka, einer der bei­den Orga­ni­sa­tio­nen, die der Vier­ten
Inter­na­tio­na­le in Sri Lan­ka ange­schlos­sen sind, als Kan­di­da­ten der United
Natio­nal Par­ty (UNP) eine ein­deu­ti­ge Über­schrei­tung der Klas­sen­gren­ze. Dies ist
jedoch nicht ohne Vor­war­nung gesche­hen.

Die gesam­te Geschich­te des Trotz­kis­mus in Sri Lan­ka ist eine Geschich­te peri­odisch beein­dru­cken­der poli­ti­scher Ent­wick­lun­gen sowie schwer­wie­gen­der Rück­schrit­te. Die ursprüng­li­che Lan­ka Sama Sama­ja Par­ty (LSSP) war die ers­te revo­lu­tio­nä­re Par­tei des Lan­des, und ihre his­to­ri­schen Füh­rer, wie Les­lie Goo­na­war­de­ne und Col­vin R. de Sil­va, spiel­ten eine wich­ti­ge Rol­le im Frei­heits­kampf und in den Mas­sen­be­we­gun­gen danach. Doch im Namen der (angeb­li­chen) Aus­nah­me­si­tua­ti­on von Sri Lan­ka schmie­de­ten sie eine Koali­ti­on mit der bür­ger­li­chen und sin­gha­le­sisch-chau­vi­nis­ti­schen Sri Lan­ka Free­dom Par­ty. Damals wur­den sie von der Vier­ten Inter­na­tio­na­le aus­ge­schlos­sen, obwohl sie eine der wich­tigs­ten Sek­tio­nen waren. Aber das Pro­blem der Fixie­rung auf Wah­len und spä­ter auch der Min­der­hei­ten­fra­ge, das in Sri Lan­ka einen so bren­nen­den Cha­rak­ter annahm, wur­de selbst von dem radi­ka­len lin­ken Flü­gel nicht voll­stän­dig ana­ly­siert. Die LSSP(R) (Lan­ka Sama Sama­ja Par­ty [Revo­lu­tio­na­ry]), die aus der LSSP her­vor­ge­gan­gen war, zer­split­ter­te. Eine ande­re Strö­mung (Vama Sama­sa­ma­ja) ent­stand inner­halb der LSSP, wur­de aus­ge­schlos­sen und grün­de­te die Nava Sama Sama­ja Par­ty (NSSP).

Seit den 1990er Jah­ren, als die NSSP eine Sek­ti­on der
Vier­ten Inter­na­tio­na­le wur­de, erleb­ten die indi­schen revo­lu­tio­nä­ren
Marxist*innen immer mal wie­der Dre­hun­gen und Wen­dun­gen, die sehr oft von
dem­sel­ben Genos­sen Bahu arti­ku­liert wur­den. Schlüs­sel­fra­ge war zum Teil
wei­ter­hin Illu­sio­nen in Wah­len. Bereits in den 1990er Jah­ren hat­te die Par­tei
„Sri Lan­ka Maha­ja­na Pak­s­ha­ya“ von Chand­ri­ka Kuma­ra­t­un­ga (Toch­ter von Siri­ma­vo
Band­ar­a­nai­ke und spä­ter Prä­si­den­tin von Sri Lan­ka) zu der Ver­ei­nig­ten
Sozia­lis­ti­schen Alli­anz gehört. Dadurch waren sie damals de fac­to auch mit
Mahin­da Raja­pak­sa ver­bün­det). Als Raja­pak­sa ab 2005 an der Spit­ze eines
bru­ta­len und auto­ri­tä­ren Regimes stand, bezeich­ne­te Bahu die­ses als
faschis­tisch, die Wahl­nie­der­la­ge von Raja­pak­sa im Jahr 2015 betrach­te­te er als
demo­kra­ti­sche Revo­lu­ti­on. Wäh­rend sich die NSSP in den 1990er Jah­ren mit
bür­ger­li­chen Par­tei­en wie der Sri Lan­ka Maha­ja­na Pak­s­ha­ya (SLMP) ver­bün­det
hat­te, um die UNP zu besie­gen, ist Bahu nun ein Kan­di­dat der UNP gewor­den, um
die SLFP zu besie­gen.

Um nicht zuzu­las­sen, dass die Raja­pak­sas die so genann­te
demo­kra­ti­sche Revo­lu­ti­on rück­gän­gig machen, hat­te Bahu zu einem Kom­pro­miss mit
dem Regime auf­ge­ru­fen. Füh­ren­den Köp­fen von Vame Han­da zufol­ge hat­te er
Arbeiter*innen, die gegen den Haus­halt der Regie­rung von Ranil Wick­re­me­sing­he
pro­tes­tier­ten, „ras­sis­ti­sche Extre­mis­ten“ oder „faschis­ti­sche Zen­tra­lis­ten“
genannt. Zugleich zeigt sein Inter­view mit Front­li­ne,
dass er sich von einem ent­schie­de­nen Enga­ge­ment für die Rech­te der Tami­len
ent­fernt. All dies gip­felt in dem unver­blüm­ten Wunsch, auf einem UNP-Ticket zu
ste­hen.

Dies ist ein tota­ler Ver­rat an der Klas­sen­un­ab­hän­gig­keit und
am Auf­bau einer klas­sen­kämp­fe­risch ori­en­tier­ten Mas­sen­par­tei. Dies ist nicht
ein­mal eine Volks­front-Poli­tik im Stil der 1930er Jah­re. Man muss zur Kennt­nis
neh­men, dass die SLFP und ihre Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen sin­gha­le­si­sche
Chau­vi­nis­ten waren und die UNP in ihrer Poli­tik rechts­ex­tre­mis­tisch war. Wenn
nicht die Leh­ren aus den wie­der­hol­ten poli­ti­schen Zusam­men­brü­chen in Sri Lan­ka
gezo­gen wer­den, könn­ten nicht nur Marxist*innen in Sri Lan­ka, son­dern auch
anders­wo in Süd­asi­en, die eben­falls aus den Errun­gen­schaf­ten der Marxist*innen
in Sri Lan­ka gelernt haben, poli­tisch zu Scha­den kom­men. Nicht nur im Hin­blick
auf die Geschich­te in der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts, son­dern auch im Hin­blick
auf den heu­ti­gen Klas­sen­kampf ist zu unter­su­chen, war­um eine Poli­tik der
Fixie­rung auf Wah­len und von Bünd­nis­sen mit bür­ger­li­chen Par­tei­en (unter dem
Vor­wand, es han­de­le sich um klein­bür­ger­li­che oder „demo­kra­ti­sche“ Par­tei­en
usw.) den trotz­kis­ti­schen Kräf­ten nur Scha­den zufü­gen kann. Wir for­dern die
Füh­rung der Vier­ten Inter­na­tio­na­le ein­dring­lich auf, dies als eine bren­nen­de
Fra­ge der Poli­tik und der Bil­dung auf­zu­grei­fen und ent­schlos­sen Maß­nah­men zu
ergrei­fen. Zusam­men­ar­beit mit bür­ger­li­chen Oppo­si­tio­nen ist kei­nes­wegs auf Sri
Lan­ka beschränkt, und ernst­haf­te poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen wer­den zumin­dest den
Revolutionär*innen in Indi­en zugu­te­kom­men.

16. Juli 2020

Quel­le:
http://​www​.radi​cal​so​cia​list​.in/​a​r​t​i​c​l​e​s​/​s​t​a​t​e​m​e​n​t​-​r​a​d​i​c​a​l​-​s​o​c​i​a​l​i​s​t​/​8​9​9​-​r​a​d​i​c​a​l​-​s​o​c​i​a​l​i​s​t​-​s​t​a​t​e​m​e​n​t​-​o​n​-​s​r​i​-​l​a​n​k​a​n​-​e​l​e​c​t​i​ons

Über­set­zung: W.H.


[1] Vasu­de­va Nana­y­ak­ka­ra (Jg. 1939),
genannt „Vasu“, trat 1958 der LSSP bei, wur­de 1970 ins Par­la­ment gewählt, war
1977 Mit­be­grün­der der NSSP und 1982 ihr Kan­di­dat bei der Prä­si­dent­schafts­wahl,
wur­de 1989 wie­der Abge­ord­ne­ter, nach­dem Com­mu­nist Par­ty of Sri Lan­ka, LSSP,
NSSP und Sri Lan­ka Maha­ja­na Pak­s­ha­ya 1987 die United Socia­list Alli­an­ce gebil­det hat­te, trat 1994
kurz vor der Par­la­ments­wahl zur LSSP über, die Teil der 1994 gebil­de­ten
People’s Alli­an­ce war (mit SFLP, CPSL, SLMP), wel­che die Par­la­ments­wah­len 1994
und 2000 und die Prä­si­dent­schafts­wah­len von 1994 und 1999 gewann; Vasu wur­de
1999 von der LSSP sus­pen­diert, ging zur Oppo­si­ti­on über und grün­de­te eine
eige­ne Par­tei, die Demo­cra­tic Left Front (DLF), wur­de 2010 wie­der ins Par­la­ment
gewählt.

[2] Die United Socia­list Par­ty (USP) wur­de 1989
von dem Teil der NSSP gebil­det, der in dem „Com­mit­tee for a Worker­s’
Inter­na­tio­nal“ (CWI) blieb, als die Mehr­heit sich von dem CWI trenn­te. Die NSSP
gehör­te seit ihrer Grün­dung im Dezem­ber 1977 dem CWI an und trenn­te sich 1988
von dem CWI in einem Pro­zess, der von die­sem als Abspal­tung, von ande­ren als
Aus­schluss bezeich­net wur­de. Die USP stell­te Sirir­t­un­ga Jaya­su­ri­ya bei der
Prä­si­dent­schafts­wahl vom Novem­ber 2005 als Kan­di­da­ten auf (er erhielt knapp
über 35.400 Stim­men ‒ 0,36 %).

[3] Chand­ri­ka Band­ar­a­nai­ke Kuma­ra­t­un­ga,
Toch­ter von Solo­mon Band­ar­a­nai­ke (1956‒1959 Prime Minis­ter) und Siri­ma­vo
Band­ar­a­nai­ke (1960‒1965, 1970‒1977, 1994‒2000 Prime Minis­ter), war Vor­sit­zen­de
der Sri Lan­ka Free­dom Par­ty (SLFP) und von 1994 bis 2005 Prä­si­den­tin des
Lan­des.

[4] Phil­ip Guna­war­de­na (1901‒1972), näher­te
sich Mit­te der 1920er Jah­re wäh­rend des Stu­di­ums in den USA der kom­mu­nis­ti­schen
Bewe­gung an, brach wäh­rend der „Drit­ten Peri­ode“ mit der Kom­in­tern, um sich der
links­op­po­si­tio­nel­len kom­mu­nis­ti­schen Bewe­gung anzu­schlie­ßen, war 1935 an der
Grün­dung der LSSP betei­ligt, wur­de wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs inter­niert,
brach 1951 mit der LSSP und grün­de­te die Vipla­va­ka­ri Lan­ka Sama Sama­ja Par­ty
(VLSSP), die 1952 ein Bünd­nis mit der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei ein­ging und sich
1956 der von S. W. R. D. Band­ar­a­nai­ke geführ­ten Ver­ei­nig­ten Front des Vol­kes
(MEP) anschloss, wur­de zwi­schen 1936 und 1970 viel­fach als Abge­ord­ne­ter in das
Par­la­ment von Cey­lon (bzw. ab 1972 Sri Lan­ka) gewählt, 1956‒1959 Minis­ter für
Land­wirt­schaft, Ernäh­rung und Genos­sen­schaf­ten unter Prime Minis­ter S. W. R. D.
Band­ar­a­nai­ke (SFLP), 1965‒1970 Minis­ter für Fische­rei und Indus­trie unter Prime
Minis­ter Dud­ley Sen­ana­ya­ke (UNP).

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