[KgK:] Kommunistische Internationale: Resolutionen zur Schwarzen Frage

Wäh­rend und nach dem Krie­ge ent­wi­ckel­te sich unter den kolo­nia­len und halb­ko­lo­nia­len Völ­kern gegen die Macht des Welt­ka­pi­tals eine Auf­stands­be­we­gung, die immer noch erfolg­rei­che Fort­schrit­te macht. Die Durch­drin­gung und die inten­si­ve Kolo­ni­sie­rung der von den Schwar­zen bewohn­ten Gebie­te ist das letz­te gro­ße Pro­blem, von des­sen Lösung die wei­te­re Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus selbst abhängt. Der fran­zö­si­sche Kapi­ta­lis­mus hat klar erkannt, dass der fran­zö­si­sche Nach­kriegs­im­pe­ria­lis­mus sich nur durch die Schaf­fung eines fran­zö­si­schen afri­ka­ni­schen Rei­ches hal­ten kann, das durch eine Trans­sa­ha­ra-Bahn mit dem Mut­ter­lan­de ver­bun­den wird. Ame­ri­kas Finanz­ma­gna­ten (die in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten schon 12 Mil­lio­nen Schwar­zen aus­beu­ten), haben nun die fried­li­che Durch­drin­gung Afri­kas auf­ge­nom­men. Die Furcht, die Eng­land vor einer Bedro­hung sei­ner Posi­ti­on in Afri­ka hat, zeigt sich deut­lich in den extre­men Mit­teln, die zur Unter­drü­ckung des Rand­streiks (Süd­afri­ka) ange­wandt wur­den. Gera­de­so wie am Stil­len Oze­an, als das Resul­tat des Wett­be­werbs zwi­schen den dor­ti­gen impe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten, die Gefahr eines neu­en Welt­krie­ges, akut gewor­den ist, so gibt es auch unheil­dro­hen­de Anzei­chen dafür, dass Afri­ka das Objekt ihrer riva­li­sie­ren­den Bestre­bun­gen wird. Außer­dem haben der Krieg, die rus­si­sche Revo­lu­ti­on und die gro­ßen auf­stän­di­schen Bewe­gun­gen der asia­ti­schen und musel­ma­ni­schen Völ­ker­schaf­ten gegen den Impe­ria­lis­mus auch das Bewusst­sein von Mil­lio­nen von Schwar­zen geweckt, die der Kapi­ta­lis­mus seit Jahr­hun­der­ten nicht nur in Afri­ka, son­dern auch, und viel­leicht noch mehr, in Ame­ri­ka, unter­drückt und ernied­rigt hat.

Die Geschich­te des Schwar­zen in Ame­ri­ka befä­higt ihn dazu, eine wich­ti­ge Rol­le in dem Befrei­ungs­kampf der gan­zen afri­ka­ni­schen Völ­ker zu spie­len. Vor 300 Jah­ren wur­de der ame­ri­ka­ni­sche Schwar­ze von sei­nem Hei­mat­bo­den fort­ge­schleppt, unter den grau­sams­ten und unbe­schreib­lichs­ten Bedin­gun­gen auf Skla­ven­schif­fe gebracht und in die Skla­ve­rei ver­kauft. Seit 250 Jah­ren hat er als Skla­ve unter der Peit­sche ame­ri­ka­ni­scher Auf­se­her gear­bei­tet. Sei­ne Arbeits­kraft lich­te­te die Wäl­der, bau­te die Wege, pflanz­te die Baum­wol­le, leg­te die Glei­se der Eisen­bah­nen und unter­hielt die Aris­to­kra­tie des Südens. Sein Lohn war Armut, Unwis­sen­heit, Ernied­ri­gung und Elend. Der Schwar­ze war kein genüg­sa­mer Skla­ve; sei­ne Geschich­te erzählt von Auf­stän­den, Auf­ruhr und unter­ir­di­schen Metho­den zur Erlan­gung der Frei­heit. Aber alle sei­ne Kämp­fe wur­den in bar­ba­ri­scher Wei­se unter­drückt. Er wur­de mit der Tor­tur zur Unter­wer­fung gezwun­gen und die bür­ger­li­che Pres­se und Reli­gi­on erklär­ten sein Skla­ven­tum als berech­tigt. Die Skla­ve­rei wuchs sich zu einem Hin­der­nis auf dem Weg der Ent­wick­lung Ame­ri­kas auf kapi­ta­lis­ti­scher Basis aus; in dem Kamp­fe zwi­schen Leib­ei­gen­schaft und Lohn­skla­ve­rei muss­te die Leib­ei­gen­schaft unter­lie­gen. Der Bür­ger­krieg, der kein Krieg zur Befrei­ung der Schwar­zen, son­dern zur Erhal­tung der indus­tri­el­len Vor­herr­schaft des Kapi­tals in den nörd­li­chen Staa­ten war, gab den Schwar­zen die Wahl zwi­schen Skla­ve­rei im Süden und Lohn­skla­ve­rei im Nor­den. Die Seh­nen, das Blut und die Trä­nen des „befrei­ten“ Schwar­zen waren ein Teil des Bau­ma­te­ri­als des ame­ri­ka­ni­schen Kapi­ta­lis­mus, und als Ame­ri­ka, mitt­ler­wei­le zur Welt­macht­stel­lung empor­ge­stie­gen, unab­wend­bar in den Stru­del des Welt­kriegs hin­ein­ge­ris­sen wur­de, wur­de der Schwar­ze als dem Wei­ßen eben­bür­tig erklärt. Er durf­te für die „Demo­kra­tie“ töten und sich töten las­sen. 400.000 far­bi­ge Arbei­ter wur­den in die ame­ri­ka­ni­sche Armee ein­ge­zo­gen und in Schwar­zen Regi­men­tern zusam­men­ge­schlos­sen. Unmit­tel­bar nach den schreck­li­chen Opfern des Welt­krie­ges sah sich der zurück­keh­ren­de Schwar­ze Ras­sen­ver­fol­gun­gen, dem Lyn­chen, Mord, Ent­zie­hung des Stimm­rechts, Ungleich­hei­ten zwi­schen ihm und den Wei­ßen gegen­über. Er wehr­te sich und muss­te dafür teu­er zah­len. Die Ver­fol­gung der Schwar­zen wur­de inten­si­ver und weit­ge­hen­der als vor dem Krie­ge, bis sie gelernt hat­ten, ihre „Über­he­bung“ zu ver­ges­sen. Die Nach­kriegs­in­dus­tria­li­sie­rung der Schwar­zen im Nor­den und der durch die Ver­fol­gun­gen und Bru­ta­li­tä­ten nach dem Krie­ge her­vor­ge­ru­fe­ne Geist der Rebel­li­on (der, obschon unter­drückt, doch empor­lo­dert, wenn Scheuß­lich­kei­ten, wie sie in Tul­sa statt­fan­den, Pro­test erzeu­gen) wei­sen dem ame­ri­ka­ni­schen Schwar­zen, und spe­zi­ell dem im Nor­den, einen Platz in der Vor­hut des Kamp­fes gegen die Unter­drü­ckung in Afri­ka an.

Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le beob­ach­tet mit Genug­tu­ung, wie die aus­ge­beu­te­ten Schwar­zen sich dem Angriff der Aus­beu­ter wider­set­zen, denn der Feind sei­nes Vol­kes und der Feind der wei­ßen Arbei­ter sind iden­tisch: der Kapi­ta­lis­mus und der Impe­ria­lis­mus. Der inter­na­tio­na­le Kampf des schwar­zen Vol­kes ist ein Kampf gegen Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus. Die Schwar­ze Bewe­gung der Welt muss auf die­ser Basis orga­ni­siert wer­den, und zwar in Ame­ri­ka, dem Zen­trum der Schwar­zen Kul­tur und dem Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt der Schwar­zen Pro­tes­te; in Afri­ka, dem Reser­voir mensch­li­cher Arbeits­kraft für die wei­te­re Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus; in Zen­tral­ame­ri­ka (Cos­ta Rica, Gua­te­ma­la, Kolum­bi­en, Nica­ra­gua und ande­re „unab­hän­gi­ge“ Repu­bli­ken), wo der ame­ri­ka­ni­sche Impe­ria­lis­mus vor­herrscht; in Puer­to Rico, Hai­ti, San-Dom­in­go und auf ande­ren Inseln im Kari­bi­schen Meer, wo die bru­ta­le Behand­lung unse­rer schwar­zen Mit­men­schen durch die ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­trup­pen einen Pro­test der bewuss­ten Schwar­zen und der revo­lu­tio­nä­ren wei­ßen Arbei­ter in der gan­zen Welt her­vor­ge­ru­fen hat; in Süd­afri­ka und im Kon­go, wo die sich ver­stär­ken­de Indus­tria­li­sie­rung der Schwar­zen Bevöl­ke­rung ver­schie­den­ar­ti­ge Aus­brü­che zur Fol­ge gehabt hat; in Ost­afri­ka, wo das gegen­wär­tig vor sich gehen­de Ein­drin­gen des Welt­ka­pi­tals die Ein­ge­bo­re­nen zu akti­vem Wider­stand gegen den Impe­ria­lis­mus treibt.

Es ist die Auf­ga­be der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le, die Schwar­zen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie nicht das ein­zi­ge Volk sind, das unter der Unter­drü­ckung des Impe­ria­lis­mus und Kapi­ta­lis­mus zu lei­den hat, dass die Arbei­ter und Bau­ern Euro­pas, Asi­ens und Ame­ri­kas auch Opfer der impe­ria­lis­ti­schen Aus­beu­ter sind, dass in Indi­en und Chi­na, in Per­si­en und der Tür­kei, in Ägyp­ten und Marok­ko sich die unter­drück­ten far­bi­gen Völ­ker hero­isch gegen die impe­ria­lis­ti­schen Aus­beu­ter weh­ren, dass die­se Völ­ker sich gegen die­sel­ben Miss­stän­de auf­leh­nen, gegen die sich auch die Schwar­zen empö­ren — Ras­sen­un­ter­drü­ckung, sozia­le und wirt­schaft­li­che Ungleich­hei­ten und inten­si­ve indus­tri­el­le Aus­beu­tung, dass die­se Völ­ker für die­sel­ben Zie­le wie die Schwar­zen kämp­fen — poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und sozia­le Befrei­ung und Gleich­be­rech­ti­gung.

Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le, die den welt­um­span­nen­den Kampf der revo­lu­tio­nä­ren Arbei­ter und Bau­ern gegen die Macht des Impe­ria­lis­mus ver­kör­pert, die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le, die nicht nur die Orga­ni­sa­ti­on der geknech­te­ten wei­ßen Arbei­ter in Euro­pa und Ame­ri­ka ist, son­dern auch die Orga­ni­sa­ti­on der unter­drück­ten far­bi­gen Völ­ker der Welt, hält es für ihre Pflicht, die inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on der Schwar­zen in ihrem Kampf gegen den gemein­sa­men Feind zu unter­stüt­zen und zu för­dern.

Die Schwar­ze Fra­ge ist zur lebens­wich­ti­gen Fra­ge der Welt­re­vo­lu­ti­on gewor­den; die 3. Inter­na­tio­na­le, die bereits ein­ge­se­hen hat, was für eine wert­vol­le Hil­fe die asia­ti­schen far­bi­gen Völ­ker in den Halb­ko­lo­ni­al­län­dern der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­ti­on sein kön­nen, betrach­tet auch die Mit­hil­fe unse­rer unter­drück­ten schwar­zen Mit­men­schen als abso­lut not­wen­dig für die pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on und die Zer­stö­rung der kapi­ta­lis­ti­schen Macht. Der 4. Kon­gress erklärt es aus die­sem Grun­de für die spe­zi­el­le Pflicht der Kom­mu­nis­ten, die „The­sen über die Kolo­ni­al­fra­ge“ auch auf die Schwar­ze Fra­ge anzu­wen­den.

  1. Der 4. Kon­gress aner­kennt die Not­wen­dig­keit, jede Form der Neger­be­we­gung, die den Kapi­ta­lis­mus ent­we­der unter­mi­niert oder schwächt oder sei­nem wei­te­ren Vor­drin­gen Hin­der­nis­se in den Weg legt, zu unter­stüt­zen.
  2. Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le wird für die Gleich­heit der wei­ßen und der schwar­zen Ras­se kämp­fen, für glei­che Löh­ne und glei­che poli­ti­sche und sozia­le Rech­te.
  3. Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le wird sich jedes ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tels bedie­nen, um die Gewerk­schaf­ten zu zwin­gen, schwar­ze Arbei­ter auf­zu­neh­men, oder wo die­ses Recht dem Namen nach schon besteht, eine spe­zi­el­le Pro­pa­gan­da für den Ein­tritt der Neger in die Gewerk­schaf­ten durch­zu­füh­ren. Wenn dies sich als unmög­lich erwei­sen soll­te, wird die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le die Neger in eige­nen Gewerk­schaf­ten orga­ni­sie­ren und spe­zi­ell sich der Ein­heits­front­tak­tik bedie­nen, um ihre Zulas­sung zu erzwin­gen.
  4. Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le wird sofort Schrit­te unter­neh­men, um einen all­ge­mei­nen Neger­kon­gress oder eine all­ge­mei­ne Neger­kon­fe­renz ein­zu­be­ru­fen.

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