[labournet:] Auch in Spanien sind Millionen in Erwerbslosigkeit und Kurzarbeit: Während der Druck für ein Grundeinkommen wächst, hat die rechtsradikale Regierung in Andalusien eine andere Lösung parat – Arbeitszwang

Dossier

Spanische CGT zu Corona: Unsere Gesundheit geht vor!„… Die sozia­len Opfer der Coro­na­vi­rus-Kri­se in Spa­ni­en kön­nen hof­fen. Das Sozi­al­mi­nis­te­ri­um „sei dabei, ein lebens­lan­ges Grund­ein­kom­men“ zu koor­di­nie­ren, erklär­te am Sonn­tag­abend Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Nadia Cal­vi­ño in einem Inter­view gegen­über dem Pri­vat­fern­se­hen LaSex­ta. „Es steht in der Regie­rungs­ver­ein­ba­rung und wir wer­den es im Lau­fe der Legis­la­tur umset­zen“, erklär­te die Minis­te­rin und eine der Vize­che­fin­nen der Koali­ti­ons­re­gie­rung aus der sozia­lis­ti­schen PSOE und der links­al­ter­na­ti­ven Uni­das Pode­mos (UP) unter Minis­ter­prä­si­dent Pedro Sán­chez. Das Grund­ein­kom­men sei „nicht nur für die­se Aus­nah­me­si­tua­ti­on“, bekräf­tig­te Cal­vi­ño, „son­dern für immer“. (…) „Denn das Virus ver­steht sich sehr wohl auf sozia­le Klas­sen“, erklär­te der links­al­ter­na­ti­ve Poli­ti­ker gegen­über den Medi­en. Ins­ge­samt ver­lo­ren durch die Pan­de­mie in Spa­ni­en bis­her 3,5 Mil­lio­nen Men­schen ihre Anstel­lung oder ihre Auf­trä­ge als Selbst­stän­di­ge. „Das Grund­ein­kom­men ist eine demo­kra­ti­sche Pflicht, um unse­re Ver­fas­sung zu erfül­len. Wir kön­nen kei­nen Bür­ger zurück­las­sen“, füg­te er hin­zu. Er hof­fe, dass die Regie­rung mit die­sem Vor­ha­ben ein brei­tes, lager­über­grei­fen­des Abkom­men erzie­le. Als Sozia­lis­ten und Links­al­ter­na­ti­ve ver­gan­ge­nen Dezem­ber die Grund­la­ge für eine Koali­ti­on schu­fen, war von einem Grund­ein­kom­men von 1.100 Euro für eine Fami­lie mit zwei Kin­dern die Rede. Die Pres­se schätzt die Kos­ten auf jähr­lich bis zu 3,5 Mil­li­ar­den Euro…“ – aus dem Bei­trag „Lebens­lang Geld für jeden” von Rei­ner Wand­ler am 07. April 2020 in der taz online externer Link zu einer geplan­ten Maß­nah­me, die aber erst durch den mas­si­ven Druck sozia­ler Pro­tes­te näher an ihre Ver­wirk­li­chung gerückt wur­de. Sie­he dazu auch wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge zum Grund­ein­kom­men, eine Hin­ter­grund­mel­dung zur wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung sowie Berich­te über gewerk­schaft­li­chen Wider­stand gegen die Maß­nah­men der rechts­ra­di­ka­len anda­lu­si­schen Regio­nal­re­gie­rung im Diens­te der Unter­neh­men:

  • Spa­ni­en: Ein „lebens­not­wen­di­ges Min­dest­ein­kom­men“ auf dem Papier und die Bedin­gun­gen als hohe Hür­den New
    “… Vie­le Men­schen in Spa­ni­en sind hart getrof­fen von den öko­no­mi­schen und sozia­len Ver­wüs­tun­gen im Gefol­ge der Coro­na-Kri­se: Die Arbeits­lo­sig­keit ist inzwi­schen die zweit­höchs­te in Euro­pa nach Grie­chen­land. Ange­sichts der stark stei­gen­den Arbeits­lo­sig­keit und der Not vie­ler Selbst­stän­di­ger und Kleinst­un­ter­neh­mer hat die spa­ni­sche Regie­rung etwas vor­ge­zo­gen, was bereits vor der Coro­na-Kri­se ver­ein­bart wur­de: »In Spa­ni­en wird es für arme Fami­li­en erst­mals ein monat­li­ches „Grund­ein­kom­men“ geben. Das beschloss die Regie­rung von Minis­ter­prä­si­dent Pedro Sán­chez unter dem Ein­druck wach­sen­der sozia­ler Not durch die Coro­na-Kri­se. Das Vor­ha­ben war bereits Teil der Koali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen dem sozia­lis­ti­schen Regie­rungs­chef und sei­nem Part­ner Pablo Igle­si­as vom Links­bünd­nis Uni­das Pode­mos.« (…) Aller­dings wur­de bereits in dem Bei­trag vom 29. Mai 2020 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die neue Leis­tung offen­sicht­lich an zahl­rei­che Bedin­gun­gen geknüpft ist: »Die Hil­fen betra­gen monat­lich zwi­schen 460 und 1000 Euro, je nach Zusam­men­set­zung und Grö­ße des Haus­halts. Anspruchs­be­rech­tigt sind in der Regel Per­so­nen zwi­schen 23 und 65 Jah­ren, die seit min­des­tens drei Jah­ren einen selbst­stän­di­gen Haus­halt füh­ren, min­des­tens ein Jahr sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig waren und deren Ein­kom­men pro Per­son im Haus­halt unter 230 Euro im Monat liegt.« Und das Fazit damals: Eines ist die neue Leis­tung in Spa­ni­en aber nicht: ein „bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men“. Wenn, dann kann man sie am ehes­ten in den For­men­kreis des deut­schen Hartz IV-Sys­tems, also einer nicht-bedin­gungs­lo­sen Grund­si­che­rung, ein­ord­nen. Denn: Für die Bewil­li­gung des Min­dest­ein­kom­mens wer­den erst­mals in Spa­ni­en die Daten der Sozi­al­ver­si­che­rung, des Finanz­am­tes und ande­rer staat­li­cher Stel­len abge­gli­chen, um Miss­brauch aus­zu­schlie­ßen. Die von dem Min­dest­ein­kom­men Begüns­tig­ten müs­sen sich an Pro­gram­men zur sozia­len und beruf­li­chen Inte­gra­ti­on betei­li­gen, wenn sie die­se ange­bo­ten bekom­men. Für die neue Sozi­al­hil­fe müs­sen die Emp­fän­ger aktiv auf dem Arbeits­markt nach Arbeit suchen. (…) Die Fol­gen kön­nen vor die­sem Hin­ter­grund nicht über­ra­schen: Bis zum 7. August sind nur 3.966 von bis dahin mehr als einer hal­ben Mil­li­on Anträ­gen posi­tiv beschie­den wor­den. Dass nur gut 0,5 Pro­zent Beschei­de posi­tiv sei­en, ist offen­sicht­lich ein desas­trö­ses Ergeb­nis. »Inzwi­schen gehen auch Gewerk­schaf­ten auf die Bar­ri­ka­den, die der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Regie­rung nahe ste­hen. Pepe Álva­rez, Gene­ral­se­kre­tär der gro­ßen UGT, spricht von »Cha­os« und fügt an: »Das IMV wird nie­mand erhal­ten.« Er spricht von nun mehr als 700.000 Anträ­gen, von denen bis­her mit 30.000 »nur ein klei­ner Teil beschie­den wur­de. Bekom­men hat das Hilfs­geld tat­säch­lich bis­her nie­mand«, füg­te er an.«” Bei­trag von Ste­fan Sell vom 24. August 2020 auf sei­ner Home­page externer Link
  • Spa­ni­en führt ein „Grund­ein­kom­men“ ein, aber nicht bedin­gungs­los, eher eine Art Hartz IV
    Spa­ni­en war schon wäh­rend der letz­ten schwe­ren Kri­se 2009 hart getrof­fen von den wirt­schaft­li­chen Ver­wüs­tun­gen. Und auch in die­sen wir­ren Tagen der Coro­na-Kri­se errei­chen uns zahl­rei­che Kata­stro­phen­mel­dun­gen hin­sicht­lich der Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie von der ibe­ri­schen Halb­in­sel. Noch unab­seh­bar sind die öko­no­mi­schen Fol­gen des har­ten Lock­down, der in den ver­gan­ge­nen Wochen das Land lahm­ge­legt hat. Die Schnei­se der Ver­wüs­tung trifft ein Land, das schon vor Coro­na mit mas­si­ven Armut- und Ver­ar­mungs­pro­ble­men kon­fron­tiert war, obgleich es nach außen so aus­sah, als wür­den sich die Spa­ni­er nach der Finanz- und Welt­wirt­schafts­kri­se 2009 und der sich anschlie­ßen­den „Euro-Kri­se“ seit eini­ger Zeit wie­der auf dem Höhen­flug befin­den. Aber „die“ Spa­ni­er gibt es eben­so wenig wie „die“ Deut­schen. Schon »vor der Coro­na­kri­se leb­ten vie­le immer noch von der Hand in den Mund, mit Zeit­ver­trä­gen, die manch­mal nur ein paar Tage dau­ern. Und vie­le die­ser Men­schen ste­hen jetzt mit Nichts da, deren Jobs in der Tou­ris­mus­in­dus­trie, im Han­del oder der Rei­ni­gungs­bran­che sind weg­ge­fal­len … 20 Pro­zent gel­ten durch pre­kä­re Arbeits­be­din­gun­gen in Spa­ni­en als arm. Bei etwa ver­gleich­ba­ren Lebens­hal­tungs­kos­ten wie in Deutsch­land«, so die­ser Bei­trag: Regie­rung will sozia­le Abstür­ze ver­hin­dern externer Link. Die Arbeits­lo­sig­keit ist inzwi­schen die zweit­höchs­te in Euro­pa nach Grie­chen­land mit aktu­ell 17 Pro­zent. Allein im März stieg die Zahl der Arbeits­lo­sen in Spa­ni­en um fast eine Mil­li­on auf etwa 3,5 Mil­lio­nen. Rund 900.000 Kleinst­un­ter­neh­mer und Selbst­stän­di­ge haben den Staat inzwi­schen um Hil­fe bit­ten müs­sen, weil ihre Ein­nah­men weg­ge­bro­chen sind. In die­ser Situa­ti­on hat die der­zei­ti­ge spa­ni­sche Regie­rung etwas vor­ge­zo­gen, was bereits vor der Coro­na-Kri­se ver­ein­bart wur­de. In Spa­ni­en wird es für arme Fami­li­en erst­mals ein monat­li­ches „Grund­ein­kom­men“ geben. Das beschloss die Regie­rung von Minis­ter­prä­si­dent Pedro Sán­chez unter dem Ein­druck wach­sen­der sozia­ler Not durch die Coro­na-Kri­se. Das Vor­ha­ben war bereits Teil der Koali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen dem sozia­lis­ti­schen Regie­rungs­chef und sei­nem Part­ner Pablo Igle­si­as vom Links­bünd­nis Uni­das Pode­mos. (…) Nun wird der Ansatz im Zuge der ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se also vor­ge­zo­gen. Das „Grund­ein­kom­men“ kommt – wört­lich wird es als „ingre­so míni­mo vital“ bezeich­net. Das kann man über­set­zen mit „Min­dest­ein­kom­men zum Leben.“ Wobei man unter­schei­den muss zwi­schen der Leis­tung und dem Min­dest­ein­kom­men zum Leben, das gleich­sam als Refe­renz­punkt ver­dient – immer wie­der taucht hier der Betrag von 1.050 Euro auf. Zu der nun­mehr angeb­lich ab Juni bean­trag­ba­ren Leis­tung erläu­tert Rei­ner Wend­ler in sei­nem Arti­kel Knapp unter dem Min­dest­lohn externer Link: »Das neue Min­dest­ein­kom­men rich­tet sich an 850.000 Haus­hal­te mit rund 2,3 Mil­lio­nen Mit­glie­dern. Das neue Gesetz klas­si­fi­ziert die bedürf­ti­gen Haus­hal­te in 14 Grup­pen, je nach Anteil der Erwach­se­nen und Kin­der, und legt das ent­spre­chen­de Min­dest­ein­kom­men fest. Wer dies nicht erreicht, erhält die Dif­fe­renz vom Staat.« »Allein­ste­hen­de haben ein Recht auf min­des­tens 461 Euro im Monat. Das ist knapp unter dem, was Rent­ner erhal­ten, die nie ein­ge­zahlt haben. Das Exis­tenz­mi­ni­mum für Lebens­ge­mein­schaf­ten aus Erwach­se­nen und Kin­dern wird auf bis zu 1.015 Euro monat­lich fest­ge­legt, knapp weni­ger als der gesetz­li­che Min­dest­lohn. (…) An ande­rer Stel­le externer Link fin­det man die­se Beschrei­bung, die auf Zugangs­hür­den ver­weist: »Die Hil­fen betra­gen monat­lich zwi­schen 460 und 1000 Euro, je nach Zusam­men­set­zung und Grö­ße des Haus­halts. Anspruchs­be­rech­tigt sind in der Regel Per­so­nen zwi­schen 23 und 65 Jah­ren, die seit min­des­tens drei Jah­ren einen selbst­stän­di­gen Haus­halt füh­ren, min­des­tens ein Jahr sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig waren und deren Ein­kom­men pro Per­son im Haus­halt unter 230 Euro im Monat liegt.« Auf den ange­spro­che­nen Über­schnei­dungs­be­reich zu bereits bestehen­den Sozi­al­hil­fe-Leis­tun­gen in bestimm­ten Regio­nen hat auch Jes­si­ca Sturm­berg in ihrem Bei­trag externer Link hin­ge­wie­sen (…) Eines ist die neue Leis­tung in Spa­ni­en aber nicht: ein „bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men“. Wenn, dann kann man sie am ehes­ten in den For­men­kreis des deut­schen Hartz IV-Sys­tems, also einer nicht-bedin­gungs­lo­sen Grund­si­che­rung, ein­ord­nen. Denn: Für die Bewil­li­gung des Min­dest­ein­kom­mens wer­den erst­mals in Spa­ni­en die Daten der Sozi­al­ver­si­che­rung, des Finanz­am­tes und ande­rer staat­li­cher Stel­len abge­gli­chen, um Miss­brauch aus­zu­schlie­ßen. Die von dem Min­dest­ein­kom­men Begüns­tig­ten müs­sen sich an Pro­gram­men zur sozia­len und beruf­li­chen Inte­gra­ti­on betei­li­gen, wenn sie die­se ange­bo­ten bekom­men. Für die neue Sozi­al­hil­fe müs­sen die Emp­fän­ger aktiv auf dem Arbeits­markt nach Arbeit suchen. Man ach­te auf die Wort­wahl: Der spa­ni­sche Sozi­al­mi­nis­ter Pablo Igle­si­as wird mit den Wor­ten zitiert, die Maß­nah­me kön­ne bis zu 1,6 Mil­lio­nen Men­schen aus der extre­men Armut holen. Und die Über­schrift der Mel­dung externer Link bringt den Cha­rak­ter des­sen, was in Spa­ni­en nun auf die Schie­ne gesetzt wur­de, ganz gut zum Aus­druck: Spa­ni­en führt „mini­ma­les Grund­ein­kom­men“ ein – unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen und nicht für alle. Nicht mehr, aber auch nicht weni­ger.” Bei­trag von Ste­fan Sell vom 29. Mai 2020 auf sei­ner Home­page externer Link
  • „La ren­ta bási­ca deja de ser una uto­pía“ von Igna­cio Fari­za am 06. April 2020 in El Pais externer Link ist ein Bei­trag, in dem unter­stri­chen wird, dass das Grund­ein­kom­men nicht nur in Spa­ni­en in die­sen Tagen deut­lich mehr Ver­fech­ter gewon­nen hat, son­dern welt­weit. Und gibt einen ent­spre­chen­den Über­blick zu Maß­nah­men in einer Rei­he von Län­dern, die in „die­sel­be Rich­tung“ gehen…
  • „Esta­ble­cer una Ren­ta Míni­ma Vital que pro­te­ja a los más vul­nerables“ am 03. April 2020 beim Gewerk­schafts­bund UGT externer Link steht her nicht des­halb als Bei­spiel zahl­rei­cher gewerk­schaft­li­cher For­de­run­gen nach einem Grund­ein­kom­men, weil der Ver­band der extre­men Sozi­al­part­ner­schaft plötz­lich die Sym­pa­thien des Labour­Net Ger­ma­ny genie­ßen wür­de, son­dern weil es ein Hin­weis dar­auf ist, dass selbst die­ser Ver­band auf die Ver­brei­tung die­ser For­de­rung in der Öffent­lich­keit reagie­ren muss­te. Ande­re Gewerk­schaf­ten, gera­de Basis­ge­werk­schaf­ten und regio­na­le Gewerk­schaf­ten hat­ten die­se For­de­rung schon wesent­lich frü­her erho­ben.

Der Bei­trag Auch in Spa­ni­en sind Mil­lio­nen in Erwerbs­lo­sig­keit und Kurz­ar­beit: Wäh­rend der Druck für ein Grund­ein­kom­men wächst, hat die rechts­ra­di­ka­le Regie­rung in Anda­lu­si­en eine ande­re Lösung parat – Arbeits­zwang erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

Read More