[labournet:] Initiative Lieferkettengesetz

Dossier

Initiative LieferkettengesetzInitia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz ist ein Zusam­men­schluss zahl­rei­cher Orga­ni­sa­tio­nen mit einem gemein­sa­men Ziel: Wir tre­ten ein für eine Welt, in der Unter­neh­men Men­schen­rech­te ach­ten und Umwelt­zer­stö­rung ver­mei­den – auch im Aus­land. Frei­wil­lig kom­men Unter­neh­men ihrer Ver­ant­wor­tung nicht aus­rei­chend nach. Daher for­dern wir ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz! Unter­neh­men, die Schä­den an Mensch und Umwelt in ihren Lie­fer­ket­ten ver­ur­sa­chen oder in Kauf neh­men, müs­sen dafür haf­ten. Skru­pel­lo­se Geschäfts­prak­ti­ken dür­fen sich nicht län­ger loh­nen.” Sie­he die Kam­pa­gnen­sei­te externer Link samt Peti­ton und auch dazu:

  • [Lie­fer­ket­ten­ge­setz] Ohne Haf­tung kei­ne Wir­kung New
    “Zu lan­ge konn­ten Unter­neh­men wie BASF ihren men­schen­recht­li­chen Sorg­falts­pflich­ten ent­lang der Lie­fer­ket­ten nur halb­her­zig nach­kom­men, denn Kon­se­quen­zen muss­ten sie nicht fürch­ten. Nun tre­ten ver­schie­de­ne Initia­ti­ven für gesetz­li­che Rege­lung auf inter­na­tio­na­ler, euro­päi­scher und natio­na­ler Ebe­ne in ent­schei­den­de Pha­sen. Anhand der Haf­tungs­fra­ge wird sich zei­gen, ob die Wirt­schaft oder die Zivil­ge­sell­schaft ihre For­de­run­gen durch­set­zen konn­te. (…) Gemäß den UN-Lei­prin­zi­pi­en müs­sen Unter­neh­men näm­lich nicht nur trans­pa­rent berich­ten, son­dern auch über Ver­fah­ren ver­fü­gen, „die die Wie­der­gut­ma­chung etwai­ger nach­tei­li­ger men­schen­recht­li­cher Aus­wir­kun­gen ermög­li­chen, die sie ver­ur­sa­chen oder zu denen sie bei­tra­gen“. Damit im Streit­fall auch juris­tisch geklärt wer­den kann, ob, wann, für wen und wie sol­che Wie­der­gut­ma­chun­gen umzu­set­zen sind, braucht es gesetz­li­che Regeln – in einem demo­kra­tisch ver­fass­ten Rechts­staat soll­te dies selbst­ver­ständ­lich sein. Schon 2018 hat­te der UN-Sozi­al­aus­schuss Deutsch­land dazu auf­ge­for­dert, eine gesetz­li­che Rege­lung zu schaf­fen, damit Unter­neh­men auch bei Miss­ach­tung der Sorg­falts­pflich­ten haft­bar gemacht wer­den kön­nen. (…) Es ist dabei unbe­strit­ten, dass eine inter­na­tio­nal ein­heit­li­che Rege­lung sinn­voll ist – dar­um bemüht sich die Zivil­ge­sell­schaft auch über Gren­zen hin­weg um ein „Bin­ding Trea­ty“, ein inter­na­tio­na­les Abkom­men für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te, wel­ches die UN-Leit­prin­zi­pi­en ver­bind­lich machen wür­de. Dass der Pro­zess seit Jah­ren stockt, liegt auch an der Wei­ge­rung der deut­schen Bun­des­re­gie­rung, sich unter­stüt­zend dar­an zu betei­li­gen. Schließ­lich, so die per­fi­de Argu­men­ta­ti­on, hat­te man bis­her noch kei­nen Nach­weis dar­über, dass die frei­wil­li­gen Maß­nah­men der Unter­neh­men nicht doch wir­ken. Die­se Aus­re­de kann nun nicht mehr gel­ten, denn schließ­lich befin­det sich die Bun­des­re­gie­rung nun in einem selbst initi­ier­ten Gesetz­ge­bungs­pro­zess. Damit kommt Deutsch­land auf UN-Ebe­ne nun eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung zu, die der­je­ni­gen auf EU-Ebe­ne durch die aktu­el­le Rats­prä­si­dent­schaft in nichts nach­steht. Dies zeigt, wes­halb es für die Zivil­ge­sell­schaft stra­te­gisch nötig war, in den letz­ten Mona­ten alle Kräf­te auf eine natio­na­les Lie­fer­ket­ten­ge­setz zu legen…” Arti­kel von Til­man Mas­sa, Dach­ver­band Kri­ti­sche Aktio­nä­rin­nen und Aktio­nä­re, bei Plough Back The Fruits externer Link (ohne Datum)
  • Wider­stand gegen Lie­fer­ket­ten­ge­setz: “Zusätz­li­che Belas­tun­gen sind Gift” /​Coro­na­kri­se als Aus­re­de für Men­schen­rechts­ver­stö­ße /​NGOs for­dern geschlech­ter­ge­rech­tes Lie­fer­ket­ten­ge­setz 
    • Wider­stand gegen Lie­fer­ket­ten­ge­setz: “Zusätz­li­che Belas­tun­gen sind Gift”
      Welt­weit 75 Mil­lio­nen aus­ge­beu­te­te Kin­der, Hun­ger­löh­ne, unwür­di­ge Arbeits­be­din­gun­gen: In der Bun­des­re­gie­rung gibt es Plä­ne für kla­re­re Regeln für Fir­men, die im Aus­land pro­du­zie­ren. Doch die Wirt­schaft wehrt sich. (…) Heu­te gibt es das “Tex­til­bünd­nis” für nach­hal­ti­ge Mode oder den “Grü­nen Knopf”. Aber das rei­che nicht, meint Heyden­reich, und for­dert ver­bind­li­che Regeln, sprich: ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz. Sie sagt: “Die Unter­neh­men sol­len mög­li­che Risi­ken früh­zei­tig erken­nen und ver­mei­den. Falls sie ihrer Sorg­falts­pflicht nicht nach­kom­men und es zu einem Scha­den kommt, müs­sen Betrof­fe­ne aus Ban­gla­desch die Mög­lich­keit haben, Unter­neh­men in Deutsch­land ver­kla­gen zu kön­nen.” Doch genau solch eine Haf­tung leh­nen die Spit­zen­ver­bän­de der deut­schen Wirt­schaft für gro­ße deut­sche Fir­men mit 500 und mehr Beschäf­tig­ten ab. Ende Juni erreich­te Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus ein Brand­brief von den Spit­zen­ver­bän­den der deut­schen Wirt­schaft. Dar­in war­nen der Bun­des­ver­band der Deut­schen Indus­trie (BDI), die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Arbeit­ge­ber­ver­bän­de (BDA), der Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks (ZDH) und der Deut­sche Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) vor einer Über­for­de­rung der Fir­men – gera­de in Coro­na-Zei­ten. (…) Mehr als 40 Unter­neh­men sind bereit, sich mehr Ver­pflich­tun­gen auf­zu­er­le­gen – dar­un­ter Bran­chen­rie­sen wie Tchi­bo, Rit­ter Sport, Nest­lé Deutsch­land und Hapag Lloyd. Mag sein, dass das in ers­ter Linie der eige­nen Image­pfle­ge dient. Doch damit wird gleich­zei­tig der Druck erhöht, ein Gesetz ins Leben zu rufen. Sie argu­me­nie­ren mit Chan­cen­gleich­heit, so wie auch die­je­ni­gen, die auf Frei­wil­lig­keit set­zen. Ob das Lie­fer­ket­ten­ge­setz wirk­lich kommt, das dürf­te in den nächs­ten Wochen Gro­Ko-intern aus­ge­han­delt wer­den. Und wenn es kommt, wird auch fest­ge­legt wer­den, wel­che Pflich­ten auf die Fir­men zukom­men. Streit ist nicht aus­ge­schlos­sen.” Bei­trag von Kai Küst­ner vom 14.07.2020 bei tages​schau​.de externer Link
    • Frei­heit für Aus­beu­ter: Wirt­schafts­ver­bän­de machen Stim­mung gegen geplan­tes Lie­fer­ket­ten­ge­setz. Coro­na­kri­se als Aus­re­de für Men­schen­rechts­ver­stö­ße
      “Das deut­sche Kapi­tal läuft Sturm gegen Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, inter­na­tio­nal ope­rie­ren­de Unter­neh­men zur Ein­hal­tung von Men­schen­rech­ten zu ver­pflich­ten. In einem Schrei­ben an den Vor­sit­zen­den der CDU-Bun­des­tags­frak­ti­on, Ralph Brink­haus, war­nen die Spit­zen­ver­bän­de der Wirt­schaft vor Nach­tei­len im glo­ba­len Wett­be­werb, »soll­te in Deutsch­land ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz ver­ab­schie­det wer­den«, wie das Han­dels­blatt (Mon­tag­aus­ga­be) dar­aus zitiert. (…) Die Coro­na­pan­de­mie habe die Wirt­schaft »in die größ­te Kri­se seit dem Zwei­ten Welt­krieg gestürzt«, heißt es in besag­tem Brief an Brink­haus. Unter­zeich­ner sind die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Arbeit­ge­ber­ver­bän­de (BDA), der Bun­des­ver­band der Deut­schen Indus­trie (BDI), der Deut­sche Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) sowie der Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks (ZDH). »Es gibt kei­ne Aus­sicht auf eine schnel­le Erho­lung«, bekla­gen die Ver­fas­ser, »erst recht nicht mit zusätz­li­chen büro­kra­ti­schen und finan­zi­el­len Belas­tun­gen durch ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz«. (…) »Eine gesetz­li­che Rege­lung im Bereich der Lie­fer­ket­ten wür­de die Kluft zwi­schen poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen und unter­neh­me­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen wei­ter ver­grö­ßern«, mah­nen sie. Unter­stüt­zung erhal­ten sie wie üblich durch Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU). Wie die von zahl­rei­chen Umwelt- und Ent­wick­lungs­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on getra­ge­ne »Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz« ent­hüllt hat, wur­den die EY-Fra­ge­bö­gen auf sein Betrei­ben hin ent­schärft. Bei­spiels­wei­se hat man Unter­neh­men mit unvoll­stän­di­gen Anga­ben aus der Wer­tung genom­men, statt sie, wie ursprüng­lich geplant, als »Nicht­er­fül­ler« der Men­schen­rechts­stan­dards zu brand­mar­ken. Zudem ist der Minis­ter gegen natio­na­le Allein­gän­ge und wünscht sich eine Rege­lung auf EU-Ebe­ne. Das wür­de eine Eini­gung gewiss ver­zö­gern. Aber auch eine »deut­sche Lösung« wür­de mit Alt­mai­ers Veto auf die lan­ge Bank gescho­ben und den Umweg über den Koali­ti­ons­aus­schuss neh­men müs­sen. »Koali­ti­ons­krach kün­digt sich an«, unk­te so auch das Han­dels­blatt.” Bei­trag von Ralf Wurz­ba­cher bei der jun­gen Welt vom 14. Juli 2020 externer Link
    • Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern geschlech­ter­ge­rech­tes Lie­fer­ket­ten­ge­setz
      Heu­te wer­den die Bun­des­mi­nis­ter Gerd Mül­ler und Huber­tus Heil die Ergeb­nis­se der Umfra­ge der Bun­des­re­gie­rung zur Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te ent­lang glo­ba­ler Lie­fer­ket­ten vor­stel­len. Es ist zu befürch­ten, dass die­se nicht gut aus­fal­len und ein Groß­teil der deut­schen Unter­neh­men Men­schen­rech­te miss­ach­tet. Ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz wird damit unum­gäng­lich. Es muss auch geschlech­ter­ge­recht sein. Das for­dert ein Bünd­nis von 12 Ent­wick­lungs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen in sei­nem aktu­el­len Posi­ti­ons­pa­pier. In glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­ten sind Frau­en viel­fach benach­tei­ligt und grö­ße­ren Risi­ken aus­ge­setzt als Män­ner. Die Band­brei­te reicht von sexu­el­ler Beläs­ti­gung am Arbeits­platz über Arbeits­be­din­gun­gen, die kei­ne Rück­sicht auf die Sor­ge­ar­beit von Frau­en neh­men bis hin zu unglei­cher Bezah­lung…” Pres­se­mit­tei­lung vom 14. Juli 2020 bei FIAN externer Link zum Posi­ti­ons­pa­pier „Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit in glo­ba­len Lie­fer­ket­ten – For­de­run­gen an Poli­tik und Unter­neh­men“ externer Link her­aus­ge­ge­ben von ASW –Akti­ons­ge­mein­schaft Soli­da­ri­sche Welt, Brot für die Welt, CorA-Netz­werk für Unter­neh­mens­ver­ant­wor­tung, FEMNET, FIAN Deutsch­land, Glo­bal Poli­cy Forum, Marie-Schlei-Ver­ein, mater­ra, Plan Inter­na­tio­nal Deutsch­land, TERRE DES FEMMES, Trans­Fair, WECF.
    • Lie­fer­ket­ten­ge­setz: Ein Gesetz gegen Aus­wüch­se der Glo­ba­li­sie­rung
      “Kri­ti­ker spre­chen von Neo­ko­lo­nia­lis­mus, wenn Unter­neh­men ihre Gewin­ne nach den Regeln der Glo­ba­li­sie­rung maxi­mie­ren. (…) An Bei­spie­len man­gelt es nicht: Rund um den Glo­bus pro­du­zie­ren Kon­zer­ne und immer wie­der wer­den dabei grund­le­gen­de Sicherheits‑, Arbeits­schutz- oder Men­schen­rechts-Stan­dards nicht ein­ge­hal­ten. (…) Bis­her gibt es näm­lich ledig­lich eine Selbst­ver­pflich­tung von Unter­neh­men. (…) „Ich den­ke schon, dass das not­wen­dig ist“, sagt Pro­fes­sor Cars­ten Mom­sen, Exper­te für Wirt­schafts- und Umwelt­straf­recht an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin. Mom­sen ver­tritt Ange­hö­ri­ge von Opfern des Damm­bruchs in Bra­si­li­en Anfang 2019, bei dem 272 Men­schen ums Leben kamen. „Die güns­ti­gen Pro­duk­ti­ons­kos­ten resul­tie­ren natür­lich daher, dass da die Stan­dards gera­de im Bereich Men­schen­rechts­schutz in der Regel nied­ri­ger sind als bei uns. Von daher den­ke ich, dass es doch eine gerech­te Kos­ten- und Ertrags-Ver­tei­lung glo­bal ist, wenn deut­sche Unter­neh­men glo­bal ver­pflich­tet wer­den, im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten, für die Ein­hal­tung euro­päi­scher oder west­li­cher Men­schen­rechts­stan­dards auch dort zu sor­gen“. (…) Kri­ti­ker befürch­ten (…) eine Über­for­de­rung von Unter­neh­men, weil sie die Lie­fer­ket­ten nicht bis ins letz­te Detail prü­fen und ver­fol­gen könn­ten. Zudem wen­den sie ein, dass dadurch auch die Pro­duk­ti­on in den jewei­li­gen Län­dern zurück­ge­fah­ren wer­den, das Gan­ze also für die loka­le Bevöl­ke­rung nach hin­ten los­ge­hen könn­te. Die­se Sor­ge teilt Cars­ten Mom­sen aus einem ein­fa­chen Grund nicht. „Also das wäre nur dann der Fall, wenn in die­sen Län­dern die Pro­duk­ti­ons­kos­ten sich anglei­chen an das Niveau in den Bestel­ler-Län­dern. Und da ist glau­be ich, ist der Unter­schied so groß, dass das nicht ernst­haft zu befürch­ten ist.“ Bei­trag von Mischa Ehr­hardt beim Deutsch­land­funk am 13. Juli 2020 externer LinkAudio Datei (Audio­län­ge: ca. 5 Min.)
  • Lie­fer­ket­ten­ge­setz für fai­re Arbeits­be­din­gun­gen: Aus­beu­tung welt­weit äch­ten 
    Es gibt vie­le häss­li­che Sei­ten des Welt­han­dels. Um fai­re Bedin­gun­gen für Beschäf­tig­te welt­weit durch­zu­set­zen, for­dert die IG Metall das lan­ge schon über­fäl­li­ge Lie­fer­ket­ten­ge­setz, das glo­bal agie­ren­de Unter­neh­men zur welt­wei­ten Ein­hal­tung von Men­schen­rech­ten ver­pflich­tet. (…)Coro­na hat die Dring­lich­keit zusätz­lich geschärft. Die IG Metall for­dert des­halb jetzt zu Beginn der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft in einer gemein­sa­men Erklä­rung externer Link mit MISEREOR und Brot für die Welt, glo­ba­le Lie­fer­ket­ten für Roh­stof­fe enger in den Blick zu neh­men und poli­tisch initia­tiv zu wer­den. Noch viel zu häu­fig ist kei­ne Trans­pa­renz in den Lie­fer­ket­ten zu erken­nen, die für die deut­sche Indus­trie und vor allem auch ihre Zukunfts­tech­no­lo­gien von erheb­li­cher Bedeu­tung sind…” Mel­dung der IG Metall Bund vom 2. Juli 2020 externer Link, sie­he auch:
    • [Auf­ruf des DGB Bay­ern] Streit­zeit: Lie­fer­ket­ten­ge­setz – es wird Zeit!
      “Noch immer neh­men Unter­neh­men aus rei­ner Pro­fit­gier vor allem in wirt­schaft­lich schwa­chen Län­dern Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und Umwelt­zer­stö­rung in Kauf. Ein­stür­zen­de Tex­til­fa­bri­ken wie in Ban­gla­desch beim Ein­sturz des Rana Pla­za-Gebäu­des im Jahr 2013, Hun­ger­löh­ne für die Beschäf­tig­ten, aus­beu­te­ri­sche Kin­der­ar­beit oder zer­stör­te Regen­wäl­der sind nur ein paar Bei­spie­le dafür, wie skru­pel­los Unter­neh­men agie­ren kön­nen, ohne dabei recht­li­che Kon­se­quen­zen befürch­ten zu müs­sen. Und durch die Coro­na-Kri­se spitzt sich die Lage wei­ter zu. Denn nach Ein­schät­zung von UNICEF und der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) ist damit zu rech­nen, dass die Kin­der­ar­beit auf­grund von wach­sen­der Armut und sin­ken­den Fami­li­en­ein­kom­men infol­ge der Pan­de­mie erst­mals seit dem Jahr 2000 wie­der zunimmt. (…) Das zeigt, wie wich­tig gera­de jetzt in der Kri­se ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz wäre, das Unter­neh­men zur Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te bei Pro­duk­ti­on und Zulie­fe­rung ver­pflich­tet – und das bei Ver­stö­ßen emp­find­li­che Stra­fen zur Fol­ge hat. (…) Der drin­gend benö­tig­te Gesetz­ent­wurf, ange­sto­ßen von Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler und Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil, wur­de aller­dings Mit­te März von Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel und Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er auf Eis gelegt – ganz zur Freu­de der Wirt­schafts­ver­bän­de, die die­ses Gesetz unter dem Deck­man­tel der Coro­na-Pan­de­mie ver­hin­dern wol­len. Der Tenor: Für Unter­neh­men sol­len in Zei­ten von Coro­na kei­ne Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Tat­sa­che aber ist, dass sie laut einer Stu­die der EU-Kom­mis­si­on durch ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz nur mini­ma­le Ein­bu­ßen hin­neh­men müss­ten (z.B. 0,005 Pro­zent der Umsät­ze bei gro­ßen Unter­neh­men mit mehr als 250 Beschäf­tig­ten). Fai­re Glo­ba­li­sie­rung gibt es also auch zu einem fai­ren Preis. (…) Bun­des­weit sind bereits über 90 zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen in der Initia­ti­ve ver­tre­ten, fast 200.000 Men­schen haben die Peti­ti­on für ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz unter­zeich­net…” Auf­ruf vom DGB Bay­ern vom 30. Juni 2020 externer Link
  • Lie­fer­ket­ten­ge­setz: Heil und Mül­ler ent­schär­fen die Haf­tungs­re­geln für Unter­neh­men 
    Die Bun­des­re­gie­rung plant ein Gesetz, um Unter­neh­men zur Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te ent­lang ihrer Lie­fer­ket­ten zu ver­pflich­ten. Nun sind die Eck­punk­te durch­ge­si­ckert. (…) Die im Dezem­ber 2019 prä­sen­tier­ten Ergeb­nis­se der ers­ten Wel­le waren für die deut­sche Wirt­schaft wenig ruhm­reich: Nicht ein­mal 20 Pro­zent der 400 teil­neh­men­den Fir­men haben Vor­keh­run­gen dafür getrof­fen, dass Zulie­fe­rer aus Ent­wick­lungs­län­dern Umwelt- und Sozi­al­stan­dards ein­hal­ten. 2600 wei­te­re ange­schrie­be­ne Fir­men mit mehr als 500 Beschäf­tig­ten hat­ten den Fra­ge­bo­gen erst gar nicht aus­ge­füllt. Heil und Mül­ler hat­ten des­halb die Eck­punk­te für ihr „Sorg­falts­pflich­ten­ge­setz“ for­mu­liert, die bis­her unter Ver­schluss waren, aber nun dem Han­dels­blatt vor­lie­gen. Dem­nach müs­sen Unter­neh­men mit mehr als 500 Mit­ar­bei­tern künf­tig prü­fen, „ob sich ihre Akti­vi­tä­ten nach­tei­lig auf Men­schen­rech­te aus­wir­ken und ange­mes­se­ne Maß­nah­men zur Prä­ven­ti­on und Abhil­fe ergrei­fen“. Betrof­fen sind laut der bei­den Minis­te­ri­en rund 7280 Unter­neh­men mit Sitz in Deutsch­land. Von dem Gesetz wür­den sowohl Per­so­nen- als auch Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten nach deut­schem und aus­län­di­schem Recht wer­den erfasst. Die Regie­rung will die Unter­neh­men ver­pflich­ten, ihre Akti­vi­tä­ten und Geschäfts­be­zie­hun­gen dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie sich poten­ti­ell oder tat­säch­lich nach­tei­lig auf inter­na­tio­nal aner­kann­te Men­schen­rech­te aus­wir­ken. (…) In ihren Eck­punk­ten stel­len Heil und Mül­ler nun klar, dass das gefor­der­te Risi­ko­ma­nage­ment „ver­hält­nis­mä­ßig und zumut­bar“ aus­ge­stal­tet wer­den soll. Die Abhil­fe­maß­nah­men rich­te­ten sich danach, ob die Risi­ken am eige­nen Stand­ort, bei einem direk­ten Zulie­fe­rer oder am Ende der Lie­fer­ket­te auf­tre­ten. „Je näher die Bezie­hung zum Zulie­fe­rer und je höher die Ein­wir­kungs­mög­lich­keit, des­to grö­ßer die Ver­ant­wor­tung zur Umset­zung unter­neh­me­ri­scher Sorg­falts­pflich­ten.“ Haf­ten soll ein Unter­neh­mer nur im Fal­le einer Beein­träch­ti­gung, „die bei Erfül­lung der Sorg­falts­pflicht vor­her­seh­bar und ver­meid­bar war“. Kam es ent­lang der Lie­fer­ket­ten zu einer Ver­let­zung der Men­schen­rech­te, obwohl der Unter­neh­mer im Rah­men der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Mög­lich­kei­ten alles Ange­mes­se­ne getan hat, haf­tet er dage­gen nicht. Tre­ten Unter­neh­men einem staat­lich aner­kann­ten Bran­chen- oder Schutz­stan­dard bei und imple­men­tie­ren die­sen, kön­nen sie nur bei Vor­satz und gro­ber Fahr­läs­sig­keit belangt wer­den…” Arti­kel von Frank Specht vom 25.06.2020 im Han­dels­blatt online externer Link, sie­he dazu:
    • Eck­punk­te für Lie­fer­ket­ten­ge­setz: Ger­man­watch begrüßt Initia­ti­ve der Minis­ter Heil und Mül­ler – aber Nach­bes­se­run­gen nötig. Vor­schlag ent­hält wich­ti­ge Ele­men­te für das Gesetz – man­che müss­ten gestärkt wer­den
      Nach Medi­en­be­rich­ten haben sich Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil und Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler auf Eck­punk­te für ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz geei­nigt. Cor­ne­lia Heyden­reich, Lei­te­rin des Teams Unter­neh­mens­ver­ant­wor­tung bei der Men­schen­rechts- und Umwelt­or­ga­ni­sa­ti­on Ger­man­watch, kom­men­tiert: „Die Coro­na-Kri­se hat mit aller Här­te gezeigt, wel­che men­schen­recht­li­chen Risi­ken in glo­ba­len Lie­fer­ket­ten ste­cken und dass die­se Risi­ken die gesell­schaft­li­che Wider­stands­fä­hig­keit bei Kri­sen unter­gra­ben. Daher ist es kon­se­quent, dass die Minis­ter Heil und Mül­ler nun kon­kret wer­den mit einem deut­schen Lie­fer­ket­ten­ge­setz. Um wirk­sam zu sein, muss ein Gesetz Zäh­ne haben: Des­halb begrü­ßen wir die geplan­ten Durch­set­zungs­me­cha­nis­men über eine Bun­des­be­hör­de, durch zivil­recht­li­che Haf­tung und die Kopp­lung an staat­li­che Instru­men­te wie die öffent­li­che Auf­trags­ver­ga­be.” Heyden­reich sieht jedoch mög­li­che Schlupf­lö­cher: “Die vor­ge­se­he­ne Haf­tung darf nicht dadurch umgan­gen wer­den, dass Unter­neh­men ein­fach einer Bran­chen­in­itia­ti­ve bei­tre­ten.” So war es im Han­dels­blatt zu lesen. “Sol­che Bran­chen­in­itia­ti­ven rei­chen nicht auto­ma­tisch aus, um die Ein­hal­tung der men­schen­recht­li­chen Sorg­falts­pflich­ten nach­zu­wei­sen. Vie­le frei­wil­li­ge Bran­chen­in­itia­ti­ven haben erheb­li­che Män­gel in Bezug auf Trans­pa­renz und Glaub­wür­dig­keit, wie sie Ger­man­watch zum Bei­spiel in Bezug auf die Lie­fer­ket­te des IT-Sek­tors nach­ge­wie­sen hat.” (Link s.u.). “Zen­tral ist aus unse­rer Sicht zudem, dass nun ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das sowohl men­schen­recht­li­che als auch umwelt­be­zo­ge­ne Sorg­falts­pflich­ten der Unter­neh­men ent­hält. Außer­dem darf die Rege­lung nicht auf Unter­neh­men mit mehr als 500 Beschäf­tig­ten beschränkt wer­den. Zumin­dest soll­ten alle gro­ßen deut­schen Unter­neh­men erfasst wer­den – also ab 250 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter – sowie in Risi­ko­sek­to­ren wie dem Tex­til­sek­tor oder in roh­stoff­in­ten­si­ven Bran­chen auch mit­tel­stän­di­sche und klei­ne Unter­neh­men.” Heyden­reich wei­ter: “Die Aus­ar­bei­tung eines Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes kommt zur rich­ti­gen Zeit, denn in weni­gen Tagen beginnt die deut­sche EU-Rats­prä­si­dent­schaft. Mit einem ambi­tio­nier­ten Lie­fer­ket­ten­ge­setz in Deutsch­land kann die Bun­des­re­gie­rung den Pro­zess hin zu einem sol­chen Gesetz auch auf euro­päi­scher Ebe­ne vor­an­trei­ben. EU-Jus­tiz­kom­mis­sar Reyn­ders, der nächs­tes Jahr den Ent­wurf für eine euro­päi­sche Rege­lung vor­le­gen will, kann einen sol­chen Rücken­wind aus Deutsch­land gut gebrau­chen.“” Pres­se­mit­tei­lung vom 25.6.2020 von und bei Ger­man­watch externer Link, sie­he ebd. auch die Stu­die “Gover­nan­ce of Mine­ral Sup­ply Chains of Elec­tro­nic Devices” externer Link
  • Fair­ness auf die Ket­te krie­gen – Dis­kus­si­on um das Lie­fer­ket­ten­ge­setz
    “Ein vom Ent­wick­lungs­mi­nis­ter gefor­der­tes Gesetz könn­te von der Coro­na-Kri­se geplag­ten Fabri­ken in Ban­gla­desch vor einer wei­te­ren Ver­schlech­te­rung der Arbeits­be­din­gun­gen schüt­zen. Doch es gibt Gegen­wind: Die Wirt­schaft dür­fe jetzt nicht noch mehr belas­tet wer­den.” Bericht aus Ber­lin von Vol­ker Schwenck am 7. Juni 2020 bei tages​schau​.de externer Link (Video­län­ge: 3:33 Min.)
  • Lie­fer­ket­ten: Es geht auch anders – Vie­le Unter­neh­men haben zu wenig sozia­le und öko­lo­gi­sche Ver­ant­wor­tung für ihre glo­ba­len Lie­fer­ket­ten über­nom­men 
    “… Die Bun­des­re­gie­rung ver­traut Unter­neh­men bei der Umset­zung men­schen­recht­li­cher Sorg­falts­pflich­ten bei deren Zulie­fe­rern in aller Welt, ob Näh­be­trie­ben in Ban­gla­desch, Smart­phone­fa­bri­ken in Chi­na oder Eisen­erz­mi­nen in Bra­si­li­en. Aber statt des Frei­wil­lig­keits­prin­zips könn­te es bald eine gesetz­li­che Ver­pflich­tung geben. Denn die Unter­neh­men haben frei­wil­lig nicht aus­rei­chend Ver­ant­wor­tung für die sozia­len und öko­lo­gi­schen Ver­hält­nis­se in ihren glo­ba­len Lie­fer­ket­ten über­nom­men. Dar­auf deu­ten die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se einer Über­prü­fung durch die Bun­des­re­gie­rung hin. Zeit hat­ten die Unter­neh­men: Denn die Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­de­ten bereits 2011 die ‘Prin­zi­pi­en für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te’. Damit ver­blieb zwar die Haupt­ver­ant­wor­tung bei der Umset­zung bei den Staa­ten, aber Unter­neh­men wur­den mit in die Ver­ant­wor­tung genom­men. Die Umset­zung der Stra­te­gie blieb Sache jedes ein­zel­nen Staa­tes. Deutsch­land ent­schied sich im Rah­men sei­nes soge­nann­ten “Natio­na­len Akti­ons­plans für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te” im Jahr 2016 für das Prin­zip Frei­wil­lig­keit, mach­te dies aber davon abhän­gig, dass min­des­tens die Hälf­te aller hie­si­gen Unter­neh­men mit mehr als 500 Beschäf­tig­ten bis zum Jahr 2020 frei­wil­lig ihre men­schen­recht­li­chen Sorg­falts­pflich­ten erfül­len wür­den. Zur Über­prü­fung ent­schied sich die Bun­des­re­gie­rung für ein Moni­to­ring, das ist nun zu Ende. (…) Im Bun­des­tag hat­te Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) in der ver­gan­ge­nen Woche ver­kün­det, dass der Moni­to­ring­pro­zess nun been­det sei: “Es haben sich cir­ca 30 Pro­zent der Befrag­ten betei­ligt”, sag­te er: “Ich neh­me nichts vor­weg, es wird erst aus­ge­wer­tet, aber: mit einem voll­kom­men unbe­frie­di­gen­den Ergeb­nis. Soll­te es sich so bestä­ti­gen, wer­den wir den Koali­ti­ons­ver­trag umset­zen und ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz vor­le­gen”. Bereits bei der ers­ten Befra­gung hat­ten nur 20 Pro­zent nach eige­ner Ein­schät­zung die Vor­ga­ben des Natio­na­len Akti­ons­plans erfüllt. Vor­ar­bei­ten für ein Gesetz gibt es bereits. Anfang des ver­gan­ge­nen Jah­res hat­te Mül­ler zusam­men mit Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) den Ent­wurf für ein so genann­tes Sorg­falts­pflich­ten­ge­setz erar­bei­tet. Damit wür­den deut­sche Unter­neh­men, die in einem “Hoch­ri­si­ko­sek­tor” oder in “Kon­flikt- und Hoch­ri­si­ko­ge­bie­ten” tätig sind, ver­pflich­tet, einen “Com­pli­an­ce-Beauf­trag­ten” ein­zu­set­zen, der die gesam­te Wert­schöp­fungs­ket­te etwa auf Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen hin über­prüft. Wer hier absicht­lich fal­sche Anga­ben macht und Gesund­heits­schä­den oder gar Todes­fäl­le ver­ur­sacht, dem droh­ten dem­nach sogar Gefäng­nis­stra­fen. Die­ser Ent­wurf sol­le nun “als Grund­la­ge für ein künf­ti­ges Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren die­nen”, heißt es aus dem Ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um…” Arti­kel von Micha­el Bauch­mül­ler, Cas­par Doh­men und Kris­tia­na Lud­wig vom 2. Juni 2020 in der Süd­deut­schen Zei­tung online externer Link
  • Mer­kel und Alt­mai­er brem­sen Lie­fer­ket­ten­ge­setz aus /​Lie­fer­ket­ten­ge­setz: Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie und men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflich­ten
    • Mer­kel und Alt­mai­er brem­sen Lie­fer­ket­ten­ge­setz aus – INKOTA for­dert: Schluss mit Ver­zö­ge­rungs­tak­tik, wenn es um Men­schen­rech­te geht!
      “Eigent­lich woll­ten Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) und Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) ges­tern Ori­en­tie­rungs­punk­te für ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz vor­stel­len. Doch dar­aus wur­de nichts. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge wur­de die Ver­öf­fent­li­chung auf Inter­ven­ti­on des Kanz­ler­amts abge­sagt. Bei Men­schen­rech­ten darf nicht län­ger auf Zeit gespielt wer­den, kri­ti­siert des­halb die Ent­wick­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on INKOTA: Im Schul­ter­schluss mit den Unter­neh­mens­ver­bän­den ver­su­chen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um und Kanz­ler­amt seit Mona­ten ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz zu ver­hin­dern – und das obwohl inzwi­schen sogar immer mehr Unter­neh­men und Ver­tre­ter aus der Wirt­schaft eine gesetz­li­che Rege­lung auch auf natio­na­ler Ebe­ne befür­wor­ten. „Mit ihrer Inter­ven­ti­on ver­hin­dert die Bun­des­kanz­le­rin eine brei­te Dis­kus­si­on über die Aus­ge­stal­tung eines Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes“, kri­ti­siert INKO­TA-Geschäfts­füh­rer Arndt von Mas­sen­bach. (…) „Mit einer Ver­zö­ge­rungs­tak­tik hat das von Peter Alt­mai­er geführ­te Res­sort in den ver­gan­ge­nen Mona­ten den Moni­to­ring-Pro­zess zum Natio­na­len Akti­ons­plan für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te immer wie­der blo­ckiert – mit dem Ziel, ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode zu ver­hin­dern,“ kri­ti­siert von Mas­sen­bach. Und das obwohl selbst Unter­neh­men wie Bay­er, Tchi­bo oder BMW eine gesetz­li­che Regu­lie­rung inzwi­schen aus­drück­lich befür­wor­te­ten…” INKO­TA-Pres­se­mit­tei­lung vom 11. März 2020 externer Link, sie­he auch:
      • Kin­der­ar­beit und Lohn­dum­ping: Kanz­ler­amt pfeift Minis­ter bei Lie­fer­ket­ten­ge­setz zurück
        “… Mül­ler und Heil hat­ten das Vor­ha­ben im Lau­fe des Tages öffent­lich vor­stel­len und kon­kre­ti­sie­ren wol­len. Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Men­schen­rechts­grup­pen kri­ti­sier­ten den Auf­schub. Vor allem Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) soll Ein­wän­de gegen eine gesetz­li­che Rege­lung zum jet­zi­gen Zeit­punkt gel­tend gemacht haben und auf die von der Regie­rung gemach­te Zusa­gen pochen, wonach die Unter­neh­men noch bis Ende 2020 Zeit haben, die im „Natio­na­len Akti­ons­plan (NAP) Wirt­schaft und Men­schen­rech­te“ vor­ge­se­hen Sorg­falts­pflich­ten umzu­set­zen. „Gesetz­li­che Rege­lungs­vor­schlä­ge zum jet­zi­gen Zeit­punkt wären ver­früht“, teil­te das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um dem Redak­ti­ons­netz­werk mit. (…) Die „Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz“ erklär­te, eine „Blo­cka­de des Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes durch das Kanz­ler­amt wäre völ­lig inak­zep­ta­bel“. Denn wirt­schaft­li­che Inter­es­sen dürf­ten nie­mals wich­ti­ger sein als Men­schen­rech­te und Umwelt­schutz, erklär­te Johan­na Kusch, Spre­che­rin des Netz­werks. In dem Bünd­nis haben sich gut 90 Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ge­schlos­sen, dar­un­ter Umwelt­ver­bän­de, Gewerk­schaf­ten und kirch­li­che Akteu­re. (…) Der ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on Chris­toph Hoff­mann begrüß­te indes, dass das Vor­ha­ben gestoppt wor­den sei. „Ein natio­na­ler Allein­gang mit einem Lie­fer­ket­ten­ge­setz wäre sowohl für die deut­sche Wirt­schaft als auch für die Staa­ten des glo­ba­len Südens kon­tra­pro­duk­tiv“, erklär­te er. Es sei zudem völ­lig undenk­bar, dass deut­sche Unter­neh­mer für even­tu­ell gemach­te Feh­ler von Drit­ten im Aus­land haf­ten soll­ten.” Mel­dung vom 11. März 2020 von und bei MiGA­ZIN externer Link
    • Lie­fer­ket­ten­ge­setz: Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie und men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflich­ten
      In Deutsch­land fehlt ein recht­li­cher Rah­men, um Unter­neh­men bei Men­schen­rechts­ver­stö­ßen in ihren Lie­fer­ket­ten haft­bar zu machen. Dies gilt für alle Pro­duk­te, von impor­tier­ter Klei­dung bis hin zu expor­tier­ter Späh­soft­ware. Die Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz möch­te das ändern. (…) Seit Jah­ren, ins­be­son­de­re aber seit dem ara­bi­schen Früh­ling, wird in regel­mä­ßi­gen Abstän­den über den Export von Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie aus Euro­pa an repres­si­ve Regime wie die Tür­kei, den Iran, Syri­en oder Bah­rain berich­tet (…) Menschenrechtsaktivist*innen, wie wir vom ECCHR, sagen dar­um: Wenn Unter­neh­men Über­wa­chungs­tech­no­lo­gien wis­sent­lich an repres­si­ve Staa­ten aus­lie­fern, ist das kein neu­tra­les Geschäft. Denn damit erleich­tern oder ermög­li­chen deut­sche oder euro­päi­sche Fir­men eine Rei­he von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Völ­ker­straf­recht­lich kann das sogar als Bei­hil­fe zu Ver­bre­chen wie Fol­ter oder Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit gewer­tet wer­den. Dar­an ändert auch eine offi­zi­el­le behörd­li­che Geneh­mi­gung nichts (…) Unter­neh­men – egal ob Tex­til­fir­men oder Soft­ware­her­stel­ler – müs­sen die gan­ze Wert­schöp­fungs­ket­te im Blick haben. Das heißt, es geht nicht nur um die Fra­gen, woher die Roh­stof­fe für das Pro­dukt kom­men (etwa beim Bau­xit- oder Eisen­erz­ab­bau für die Auto­mo­bil­bran­che) oder unter wel­chen Bedin­gun­gen ein Pro­dukt pro­du­ziert wird (lebens­ge­fähr­li­che Arbeits­be­din­gun­gen in Tex­til­fa­bri­ken in Süd­ost­asi­en). Sol­che Fra­gen sind für Über­wa­chungs­tech­no­lo­gien pro­gram­mie­ren­de Unter­neh­men eher nach­ran­gig. Wich­tig ist hier: Wie und unter wel­chen Umstän­den wird mein Pro­dukt ver­wen­det? Erleich­tert oder unter­stützt es Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen? Wer­den Men­schen mit­hil­fe mei­nes Pro­duk­tes über­wacht, Fol­ter oder einer sons­ti­gen Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te aus­ge­setzt? Auch die­se Aspek­te müs­sen Unter­neh­men im Rah­men einer men­schen­recht­li­chen Sorg­falts­prü­fung unter­su­chen. Das gilt nicht nur für das Unter­neh­men selbst, son­dern auch für Toch­ter­un­ter­neh­men oder Zulie­fe­rer. (…) Soll­te ein Sorg­falts­pflich­ten­ge­setz ver­ab­schie­det wer­den, müss­ten sich deut­sche Soft­ware-Tech­no­lo­gie-Fir­men deut­lich mehr Gedan­ken dar­über machen, an wen sie wel­che Tech­no­lo­gie ver­kau­fen. Eine umfang­rei­che Risi­ko­ana­ly­se wür­de für vie­le Unternehmen2 zur Pflicht. Sie hät­ten kei­ne Mög­lich­keit mehr, zu behaup­ten, man habe von der men­schen­rechts­wid­ri­gen Nut­zung der Tech­no­lo­gie nichts wis­sen kön­nen…” Gast­bei­trag von Dr. Miri­am Saa­ge-Maaß vom 09.03.2020 bei Netz­po­li­tik externer Link
  • Neue EU-Stu­die unter­streicht Not­wen­dig­keit eines Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes 
    “Ger­man­watch for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, bis zur deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft im zwei­ten Halb­jahr ein ambi­tio­nier­tes natio­na­les Gesetz zum Schutz der Men­schen­rech­te in der Lie­fer­ket­te vor­zu­le­gen – Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um darf vor­ge­schal­te­tes Moni­to­ring nicht län­ger ver­zö­gern. Eine ges­tern vor­ge­leg­te Stu­die der EU-Kom­mis­si­on unter­streicht die Not­wen­dig­keit einer Regu­lie­rung von unter­neh­me­ri­schen Sorg­falts­pflich­ten in der Lie­fer­ket­te. Laut der Stu­die hal­ten 70 Pro­zent der Unter­neh­mens­ver­tre­ter, die auf eine Befra­gung geant­wor­tet hat­ten, eine gesetz­li­che Rege­lung von men­schen­recht­li­chen und öko­lo­gi­schen Sorg­falts­pflich­ten für vor­teil­haft. Die befrag­ten Sta­ke­hol­der votier­ten mehr­heit­lich für eine sek­tor­über­grei­fen­de Rege­lung zu Men­schen­rech­ten und Umwelt. Zudem befür­wor­te­ten sie eine Rege­lung, die Betrof­fe­nen im Scha­dens­fall Wie­der­gut­ma­chung ermög­licht. Dafür bedür­fe es ent­spre­chen­der Durch­set­zungs­me­cha­nis­men. Cor­ne­lia Heyden­reich, Lei­te­rin des Teams Unter­neh­mens­ver­ant­wor­tung bei der Ent­wick­lungs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Ger­man­watch, kom­men­tiert: „Die EU-Kom­mis­si­on soll­te die Ergeb­nis­se die­ser Stu­die ernst neh­men und nun zügig einen kon­kre­ten Ent­wurf vor­le­gen. Aber auch die Bun­des­re­gie­rung steht nun beson­ders in der Ver­ant­wor­tung: Als größ­te Volks­wirt­schaft der EU und EU-Rats­prä­si­dent­schaft im zwei­ten Halb­jahr 2020 muss Deutsch­land nun vor­an­ge­hen und mit einem Lie­fer­ket­ten­ge­setz ambi­tio­nier­te Maß­stä­be set­zen. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um darf die Debat­te über ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz nicht län­ger ver­schlep­pen, indem es das Moni­to­ring immer wei­ter hin­aus­zö­gert und ver­wäs­sert.“ Die Bun­des­re­gie­rung hat­te die Ent­schei­dung über ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz von den Ergeb­nis­sen einer Über­prü­fung (Moni­to­ring) abhän­gig gemacht, ob die Unter­neh­men ihren men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen frei­wil­lig nach­kom­men. Nach der ers­ten Unter­su­chung im ver­gan­ge­nen Jahr soll­te Anfang die­ses Jah­res die zwei­te und ent­schei­den­de Unter­su­chung fol­gen. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um zögert die­se aber seit Wochen immer wie­der hin­aus…” Pres­se­mit­tei­lung von Ger­man­watch vom 25. Febru­ar 2020 externer Link, sie­he auch Stu­dy on due dili­gence requi­re­ments through the sup­ply chain externer Link
  • Wirt­schaft und Men­schen­rech­te: Rechtsexpert*innen legen Anfor­de­run­gen an Lie­fer­ket­ten­ge­setz vor
    Ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz in Deutsch­land ist mach­bar – für Unter­neh­men genau­so wie für den Gesetz­ge­ber. Das zeigt ein Rechts­gut­ach­ten der Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz, erstellt von Rechtsexpert*innen des Bünd­nis­ses mit Unter­stüt­zung durch Rechts­an­walt Robert Gra­bosch. Unter­neh­men in Deutsch­land sol­len mit einem sol­chen Gesetz dazu ver­pflich­tet wer­den, Mensch und Umwelt bei ihren glo­ba­len Geschäf­ten bes­ser zu schüt­zen. „Unse­re Ana­ly­se zeigt: Men­schen­rechts- und Umwelt­schutz ent­lang der gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te sind kei­ne Uto­pie, son­dern nur ein Gesetz weit ent­fernt. Die Bun­des­re­gie­rung muss dem Koali­ti­ons­ver­trag nach­kom­men und noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode ein fai­res und star­kes Lie­fer­ket­ten­ge­setz ver­ab­schie­den“, sagt Johan­na Kusch, Spre­che­rin der Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz. Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Mül­ler und Arbeits­mi­nis­ter Heil hat­ten zuge­si­chert, im Febru­ar Eck­punk­te für ein ent­spre­chen­des Gesetz vor­zu­le­gen, um den Pro­zess vor­an­zu­trei­ben. Die Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz ist ein Bünd­nis aus 91 zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen. Ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz soll es Betrof­fe­nen von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen auch erleich­tern, in Deutsch­land vor Gericht zu zie­hen, um auf Wie­der­gut­ma­chung zu kla­gen. Vor allem aber soll es prä­ven­tiv wir­ken…” Pres­se­mit­tei­lung vom 12.02.2020 externer Link und das Gut­ach­ten externer Link
  • Mate­ria­li­en zum The­ma „Lieferketten(gesetz)“ 
    Wie ver­merkt, han­delt es sich bei die­ser Mate­ri­al­zu­sam­men­stel­lung um „work in pro­gress“. Sie hat den (Haupt-) Zweck, die Mate­ria­li­en der „Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz“ (https://​lie​fer​ket​ten​ge​setz​.de/ externer Link) zu ergän­zen und einen schnel­len Zugriff auf inter­na­tio­na­le und natio­na­le Bezugs­do­ku­men­te sowie wei­te­re Mate­ria­li­en zum The­ma zu ermög­li­chen. In einer nächs­ten „Aus­bau­stu­fe“ pla­ne ich fol­gen­de Erwei­te­run­gen: Eine inhalt­li­che Ein­lei­tung; vor­erst ver­wei­se ich hier auf die Mate­ria­li­en der „Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz“ (s.u., S. 3) sowie auf den aus­führ­li­chen ILO-Bericht (s.u. S. 4 sowie Inhalts­ver­zeich­nis im Anhang 4); Ins­be­son­de­re sta­tis­ti­sche Anga­ben zur quan­ti­ta­ti­ven Bedeu­tung des Phä­no­mens Lie­fer­ket­ten (i.W. auf der Grund­la­ge von ILO- und UNC­TAD-Daten); wei­te­re gewerk­schaft­li­che Posi­tio­nie­run­gen zum The­ma Lie­fer­ket­ten (ins­bes. Glo­bal Uni­on Fede­ra­ti­ons, EGB, DGB). Da das The­ma Lie­fer­ket­ten in star­kem Maße mit der inter­na­tio­na­len Gewerk­schafts­ar­beit zusam­men­hängt, ver­wei­se ich im Anhang 2 auf Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en, die ich zu die­sem The­ma erar­bei­tet habe. Ich freue mich über Anre­gun­gen (ins­bes. auf­grund prak­ti­schen Anfor­de­run­gen). Der­ar­ti­ge Anre­gun­gen wie auch wohl­wol­lend-kri­ti­sche Hin­wei­se erbit­te ich an mei­ne mail-Adres­se: bernhard.​pfitzner@​web.​deMate­ria­li­en von Bern­hard Pfitz­ner vom 20.12.19  – wir dan­ken!
  • [Bericht 2020: Glo­ba­le Agrar­wirt­schaft und Men­schen­rech­te] Gro­ße Unter­neh­men der Agrar­wirt­schaft tun kaum etwas gegen Ver­let­zung von Men­schen­rech­ten – Lie­fer­ket­ten­ge­setz gefor­dert 
    Obwohl es in der Agrar- und Ernäh­rungs­in­dus­trie welt­weit häu­fig zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen kommt, han­delt bis­her kein ein­zi­ges von 15 unter­such­ten gro­ßen Unter­neh­men aus Deutsch­land aus­rei­chend, um die Wah­rung die­ser Rech­te in sei­nen Geschäf­ten sicher­zu­stel­len. Und obgleich im Aus­land vie­le Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen unter Betei­li­gung deut­scher Unter­neh­men doku­men­tiert sind, konn­ten im Agrar­be­reich Betrof­fe­ne bis­her noch nie eine Ent­schä­di­gungs­kla­ge vor deut­schen Gerich­ten ein­rei­chen. Dies sind zwei zen­tra­le Aus­sa­gen einer heu­te ver­öf­fent­lich­ten Stu­die von Ger­man­watch und MISEREOR, die zudem auch Ver­säum­nis­se in der Han­dels­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung auf­zeigt. Die Orga­ni­sa­tio­nen haben dar­in die größ­ten deut­schen Unter­neh­men aus Geflügelfleisch‑, Milch‑, Fut­ter­mit­tel- und Agrar­che­mie­bran­che unter die Lupe genom­men – mit bedrü­cken­dem Ergeb­nis: “Kein ein­zi­ges der ins­ge­samt 15 Unter­neh­men erfüllt aus­rei­chend die Anfor­de­run­gen der UN-Leit­prin­zi­pi­en für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te”, sagt Cor­ne­lia Heyden­reich von Ger­man­watch, Autorin der Stu­die. “Die Ach­tung der Men­schen­rech­te ist bei den Geschäf­ten die­ser Unter­neh­men oft nicht sicher­ge­stellt.” Armin Paasch von MISEREOR, eben­falls Autor der Stu­die, ergänzt: “Die Stu­die zeigt, wie wich­tig ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz ist, das deut­sche Unter­neh­men ver­bind­lich zur men­schen­recht­li­chen Sorg­falt ver­pflich­tet.” Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil und Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler hat­ten jüngst ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz ange­kün­digt. Laut Stu­die bestehen vor allem für die unter­such­ten fünf Geflü­gel­fleisch­pro­du­zen­ten erheb­li­che men­schen­recht­li­che Risi­ken: Soja­an­bau für Fut­ter­mit­tel füh­re viel­fach zu Land­ver­trei­bun­gen und zu gif­ti­gem Pes­ti­zid­ein­satz in Süd­ame­ri­ka. Der mas­si­ve Ein­satz von Anti­bio­ti­ka in der Tier­hal­tung ver­stär­ke die Nach­fra­ge in den Anti­bio­ti­ka-Pro­duk­ti­ons­län­dern Indi­en und Chi­na. Dies erhö­he das Risi­ko von Resis­ten­zen dort. Die Arbeits­be­din­gun­gen in deut­schen Schlacht­be­trie­ben sei­en zum Teil men­schen­ver­ach­tend. Expor­te von Geflü­gel­tei­len aus der EU bedroh­ten in West­afri­ka das wirt­schaft­li­che Über­le­ben ein­hei­mi­scher Pro­du­zen­ten und gefähr­de­ten ihre Lebens­grund­la­ge…” Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung Ger­man­watch und MISEREOR vom 15.1.2020 externer Link – sie­he ebd. die Stu­die und eine Zusam­men­fas­sung der wich­tigs­ten Ergeb­nis­se
  • Minis­ter Mül­ler und Heil: Regie­rung droht mit einem Lie­fer­ket­ten­ge­setz [Wirt­schaft wehrt ab]
    Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) und Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) dro­hen mit einem Gesetz zur Ein­hal­tung von Men­schen­rech­ten in glo­ba­len Lie­fer­ket­ten. Die bei­den Poli­ti­ker ver­wie­sen am Mitt­woch auf eine Befra­gung im Auf­trag der Bun­des­re­gie­rung. Nur jedes fünf­te der betei­lig­ten Unter­neh­men erfüllt nach den Wor­ten Mül­lers die sozia­len und öko­lo­gi­schen Stan­dards. Von 3000 ange­schrie­be­nen Betrie­ben hät­ten nur 464 geant­wor­tet. „Das Ergeb­nis zeigt ein­deu­tig: Frei­wil­lig­keit führt nicht zum Ziel“, sag­te Mül­ler. „Wir brau­chen einen gesetz­li­chen Rah­men.“ Wenn in der nächs­ten Umfra­ge Mit­te 2020 kein ande­res Ergeb­nis her­aus­kom­men soll­te, wol­len die Minis­ter das Lie­fer­ket­ten­ge­setz auf den Weg brin­gen. Dabei gehe es in jedem Fall um Haf­tungs­fra­gen…” Arti­kel von Man­fred Schä­fers vom 11.12.2019 bei der FAZ online externer Link
  • Tag der Men­schen­rech­te: 42 Unter­neh­men for­dern Lie­fer­ket­ten­ge­setz – wach­sen­de Unter­stüt­zung auch aus Kir­chen und Par­tei­en 
    Die Unter­stüt­zung für ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz in Deutsch­land wächst: Vor dem mor­gi­gen Tag der Men­schen­rech­te am 10. Dezem­ber haben sich 42 deut­sche Unter­neh­men für ein sol­ches Gesetz aus­ge­spro­chen. Die bei­den Regie­rungs­par­tei­en CDU und SPD haben auf ihren Par­tei­ta­gen Beschlüs­se für ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz gefasst. Und auch zen­tra­le Gre­mi­en und Wür­den­trä­ger der bei­den gro­ßen Volks­kir­chen for­dern einen gesetz­li­chen Rah­men. Ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz wür­de deut­sche Unter­neh­men dazu ver­pflich­ten, sich in ihren glo­ba­len Geschäf­ten an umwelt- und men­schen­recht­li­che Stan­dards zu hal­ten. Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Heil hat nun im “Spie­gel” ange­kün­digt, einen ent­spre­chen­den Geset­zes­ent­wurf mit „kla­ren Haf­tungs­re­geln“ zu erar­bei­ten. „Unter­neh­men, Kir­chen, Par­tei­en – die vie­len Rufe nach einem Lie­fer­ket­ten­ge­setz sind unüber­hör­bar. Wir begrü­ßen die Ankün­di­gung von Minis­ter Heil, der nun Taten fol­gen müs­sen. Denn längst ist klar: Ohne ein Gesetz tun die Unter­neh­men zu wenig für Umwelt und Men­schen­rech­te“, kom­men­tiert Johan­na Kusch, Spre­che­rin der „Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz“. Die Initia­ti­ve eint 82 zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen, dar­un­ter Menschenrechts‑, Ent­wick­lungs- und Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie Gewerk­schaf­ten. Im Sep­tem­ber die­ses Jah­res haben sie sich zu einem Bünd­nis zusam­men­ge­schlos­sen. In einer heu­te vom Busi­ness and Human Rights Resour­ce Cent­re ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me spre­chen sich 42 deut­sche Unter­neh­men für ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz aus. In der Lis­te fin­den sich bekann­te Namen wie Tchi­bo, Rit­ter Sport, Nest­lé Deutsch­land und Hapag Lloyd. „Die gro­ßen Arbeit­ge­ber­ver­bän­de kön­nen mit ihrer ableh­nen­den Hal­tung längst nicht mehr für sich bean­spru­chen, die Inter­es­sen der Wirt­schaft zu ver­tre­ten. Bei vie­len Unter­neh­men wächst die Über­zeu­gung, dass nur ein gesetz­li­cher Rah­men Wett­be­werbs­gleich­heit schafft“, sagt Johan­nes Schor­ling von der Ent­wick­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on INKOTA. „Unter­neh­men, die sich für die Ach­tung der Men­schen­rech­te und den Umwelt­schutz enga­gie­ren, dür­fen gegen­über der ver­ant­wor­tungs­lo­sen Kon­kur­renz nicht län­ger benach­tei­ligt wer­den.“…” Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung von Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz, Ger­man­watch, INKOTA und SÜDWIND vom 09.12.2019 bei Ger­man­watch externer Link
  • “Ein deut­sches Lie­fer­ket­ten­ge­setz könn­te auf EU-Ebe­ne neue Dyna­mik erzeu­gen”
    Wel­che Umwelt­pro­ble­me und Men­schen­rechts­ver­stö­ße ver­ber­gen sich hin­ter Pro­duk­ten? Gegen Gewin­ne ohne Gewis­sen regt sich Wider­stand. Mit der „Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz“ for­dern Umwelt- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen die Bun­des­re­gie­rung auf, Sorg­falts­pflich­ten für Unter­neh­men gesetz­lich fest­zu­schrei­ben, schreibt Cor­ne­lia Heyden­reich von Ger­man­watch. (…) Eine gesetz­li­che Rege­lung soll­te sich an den inter­na­tio­nal ver­ein­bar­ten UN-Leit­prin­zi­pi­en für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te ori­en­tie­ren und Unter­neh­men ver­pflich­ten, bei ihren welt­wei­ten Geschäf­ten men­schen­recht­li­che und umwelt­be­zo­ge­ne Sorg­falt wal­ten las­sen. Kon­kret sind das zum Bei­spiel eine Risi­ko­ana­ly­se, Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men und Beschwer­de­me­cha­nis­men. Wich­tig ist dabei, dass es auch ange­mes­se­ne Sank­tio­nen gibt für den Fall, dass ein Unter­neh­men sei­ner Ver­ant­wor­tung nicht ange­mes­sen nach­kommt. Eine Haf­tungs­re­ge­lung ist daher das Kern­stück eines wirk­sa­men Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes, um die Rech­te von Betrof­fe­nen zu stär­ken. Zudem brau­chen wir eine soge­nann­te Beweis­last­um­kehr. Danach muss das beklag­te Unter­neh­men die Ein­hal­tung der Sorg­falts­pflich­ten bewei­sen, da Betrof­fe­ne in der Regel kei­nen Ein­blick in die inter­nen Abläu­fe eines Unter­neh­mens haben…” Bei­trag vom 01.12.2019 im Blog von Ger­man­watch externer Link
  • Men­schen­rech­te: Sorg­fäl­tig ver­wäs­sert. Doku­men­te aus Minis­te­ri­en bele­gen, wie Arbeit­ge­ber­ver­bän­de ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz ver­hin­dern wol­len
    Mit aller Macht ver­su­chen Wirt­schafts­ver­bän­de ver­bind­li­che Regeln zur men­schen­recht­li­chen Sorg­falt von Unter­neh­men zu ver­hin­dern. In zahl­rei­chen nicht-öffent­li­chen Tref­fen im Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um und Kanz­ler­amt sowie unmiss­ver­ständ­li­chen Schrei­ben haben Lob­by­is­ten in den ver­gan­ge­nen Mona­ten Druck auf die Bun­des­re­gie­rung gemacht, um ein soge­nann­tes Lie­fer­ket­ten­ge­setz zu ver­hin­dern. Auch Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) bekam den Wider­stand der Wirt­schafts­ver­bän­de zu spü­ren, nach­dem im Febru­ar 2019 sein Ent­wurf für ein ent­spre­chen­des Gesetz an die Öffent­lich­keit gelangt war. Das zeigt eine gemein­sa­me Stu­die des Glo­bal Poli­cy Forums (GPF) und der Ent­wick­lungs­or­ga­ni­sa­tio­nen Brot für die Welt und Mise­re­or, die am Diens­tag anläss­lich des Arbeit­ge­ber­ta­ges in Ber­lin ver­öf­fent­licht wur­de…” Arti­kel von Tobi­as Schwab vom 12.11.19 bei der FR online externer Link
  • Lie­fer­ket­ten­ge­setz ver­ab­schie­den – Unter­neh­men in die Ver­ant­wor­tung neh­men
    Zwei von vie­len Bei­spie­len, die zei­gen, dass ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz nötig ist. Frei­wil­li­ge Erklä­run­gen von Unter­neh­men rei­chen nicht aus. Tex­til­in­dus­trie. Stau­damm­bruch in Bra­si­li­en…” Bei­trag vom 02.12.2019 bei Employ­ment Rela­ti­ons externer Link
  • Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz – es ist Zeit, Gewin­ne ohne Gewis­sen von Kon­zer­nen zu been­den
    Deut­sche Unter­neh­men sor­gen immer wie­der für die Zer­stö­rung der Umwelt bei gleich­zei­ti­ger Ver­let­zung von Men­schen­rech­ten in ihren Lie­fer­ket­ten. Bis­lang hat das für sie kei­ner­lei Kon­se­quen­zen. Ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz kann das ändern und die Unter­neh­men für Ver­stö­ße in Haf­tung neh­men…” The­men­sei­te bei BUND externer Link
  • Lie­fer­ket­ten­ge­setz: Für Men­schen­rech­te in der Wirt­schaft
    Die Bil­der scho­ckie­ren jedes Mal: In einer KiK-Zulie­fer­fa­brik in Paki­stan ster­ben 258 Men­schen qual­voll – wegen man­gel­haf­tem Brand­schutz. In Bra­si­li­en bricht ein Damm bei einer Eisen­erz-Mine, 270 Men­schen kom­men ums Leben und Flüs­se und Trink­was­ser sind ver­seucht – obwohl der TÜV Süd Bra­si­li­en weni­ge Mona­te vor­her die Sicher­heit des Damms zer­ti­fi­ziert hat­te. Vor einer Pla­tin-Mine in Süd­afri­ka wer­den 34 strei­ken­de Arbei­ter erschos­sen – und BASF macht mit dem Betrei­ber der Mine wei­ter­hin gute Geschäf­te. Deut­sche Unter­neh­men ver­let­zen in ihren welt­wei­ten Geschäf­ten immer wie­der grund­le­gen­de Men­schen­rech­te und schä­di­gen die Umwelt – und kön­nen hin­ter­her von den Betrof­fe­nen nicht belangt wer­den. Die Lis­te der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen für Pro­fi­te deut­scher Unter­neh­men ist lang. Das zeigt: Vie­le Unter­neh­men hal­ten sich nicht frei­wil­lig an Men­schen­rech­te und sche­ren sich nicht um die Umwelt, auch wenn sie es ger­ne ver­spre­chen. Man­che Unter­neh­men enga­gie­ren sich zwar schon jetzt ver­stärkt für die Ach­tung der Men­schen­rech­te und den Umwelt­schutz. Doch sie wer­den benach­tei­ligt gegen­über der ver­ant­wor­tungs­lo­sen Kon­kur­renz…” The­men­sei­te bei Oxfam externer Link
  • sowie die The­men­sei­te von Mise­re­or externer Link

Der Bei­trag Initia­ti­ve Lie­fer­ket­ten­ge­setz erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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