[GAM:] Mali: Massenproteste und Putsch

Robert Tel­ler, Neue Inter­na­tio­na­le 249, Sep­tem­ber 249

Der Putsch in Bama­ko vom 18. August hat den Blick auf eine Mas­sen­be­we­gung gelenkt, der bis dahin wenig Auf­merk­sam­keit zukam. Er hat auch Reak­tio­nen der in Mali invol­vier­ten aus­län­di­schen Inter­ven­ti­ons­mäch­te her­vor­ge­ru­fen, die die Anlie­gen die­ser Bewe­gung bis dahin für nicht beach­tens­wert gehal­ten haben.

Massenbewegung

Dem Putsch vor­aus­ge­gan­gen ist seit Anfang Juni eine Mas­sen­be­we­gung, die zehn­tau­sen­de Men­schen in der Haupt­stadt Bama­ko auf die Stra­ßen mobi­li­siert hat. Sie for­der­te den Rück­tritt von „IBK“, dem seit 2013 regie­ren­den Staats­prä­si­den­ten Ibra­him Bou­ba­car Keï­ta, und die Auf­lö­sung des Par­la­ments. Eine Aus­lö­se­rin der Pro­tes­te war eine umstrit­te­ne Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­richts, das die Par­la­ments­wah­len vom März 2020 in Tei­len für ungül­tig erklärt und dadurch IBKs Par­tei ermög­licht hat­te, ihre Mehr­heit aus­zu­bau­en. Doch die Pro­tes­te grün­den sich auf eine weit umfas­sen­de­re Kri­se. Im Zen­trum steht dabei eine Wel­le reak­tio­nä­rer eth­ni­scher Gewalt­ver­bre­chen durch bewaff­ne­te Grup­pen und die Unfä­hig­keit oder der Unwil­le der Regie­rung, ihre Auto­ri­tät im Land durch­zu­set­zen. Eine gro­ße Rol­le spielt auch der neo­li­be­ra­le Nie­der­gang des Lan­des durch eine Rei­he auf­ge­zwun­ge­ner Reform­pro­gram­me seit den 1990er Jah­ren, die die Lebens­grund­la­ge eines gro­ßen Teils der länd­li­chen Bevöl­ke­rung bedroht oder zer­stört hat und mit der Ver­drän­gung der tra­di­tio­nel­len Land­wirt­schaft durch moder­nes Agro­busi­ness ein­her­geht.

Die Macht im Land liegt nun in den Hän­den eines bis vor kur­zem unbe­kann­ten Zir­kels von Mili­tärs unter der Füh­rung des Offi­ziers Oberst Assi­mi Goita. Er hat ver­spro­chen, inter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen ein­zu­hal­ten, beson­ders mit Hin­blick auf die aus­län­di­schen Mili­tär­in­ter­ven­tio­nen (derer es drei ver­schie­de­ne gibt). Den­noch domi­niert unter den impe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten die Befürch­tung, dass der Putsch deren Kriegs­zie­le und stra­te­gi­sche Inter­es­sen zurück­wer­fen wird.

2012: Tuareg-Aufstand und Islamisches Kalifat

Mali umfasst eine Viel­zahl ver­schie­de­ner Eth­ni­en, von denen die meis­ten wie­der­um in meh­re­ren Staa­ten leben. Auf die Inter­es­sen der Bevöl­ke­rungs­grup­pen wur­de bei der Grenz­zie­hung durch die ehe­ma­li­gen Kolo­ni­al­mäch­te in West­afri­ka im Ein­zel­nen kei­ne Rück­sicht genom­men. Daher ist einer­seits ras­sis­ti­sche und natio­na­le Unter­drü­ckung in die­sen heu­te halb­ko­lo­nia­len Län­dern struk­tu­rell ange­legt und muss ande­rer­seits ein desta­bi­li­sie­ren­des Moment aus­üben, das die übli­chen sozia­len Ver­hee­run­gen, mit denen der glo­ba­le Kapi­ta­lis­mus dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent auf­war­tet, über­la­gert. Der Tua­reg-Auf­stand von 2012 bestä­tigt das. Er brach­te die ehe­ma­li­ge „Mus­ter­de­mo­kra­tie“ Mali auf den Weg in den Stru­del der „fai­led sta­tes“. Bur­ki­na Faso und Niger sind von die­ser Ent­wick­lung eben­falls betrof­fen.

Die Gemein­schaf­ten der Tua­reg, die sich über meh­re­re Län­der im Zen­trum der Saha­ra ver­tei­len, waren mehr als ande­re Völ­ker der Regi­on im Zuge der Deko­lo­nia­li­sie­rung mar­gi­na­li­siert wor­den. Die blu­ti­ge Nie­der­schla­gung des ers­ten Tua­reg-Auf­stan­des von 1963 hat­te vie­le aus ihren Hei­mat­re­gio­nen ver­trie­ben. Die Zer­stö­rung ihrer Lebens­grund­la­gen durch wirt­schaft­li­che Mise­re und die Dür­ren der 1970er und 1980er Jah­re ver­stärk­ten dies und schu­fen eine ent­rech­te­te, trans­na­tio­na­le Jugend (Ishu­mar; benannt nach unter Jugend­li­chen belieb­ter Musik, dem Wüs­ten­blues), die als Arbeits­mi­gran­tIn­nen umher­zieht. Die­se war die haupt­säch­li­che sozia­le Basis der bewaff­ne­ten Rebel­lio­nen von 1990 – 1995 und 2007. Die Rebel­lio­nen wur­den vom mali­schen Mili­tär mit Unter­stüt­zung von eth­ni­schen Hilfs­trup­pen bekämpft und mit Ver­spre­chun­gen von begrenz­ter Selbst­ver­wal­tung und stär­ke­rer Inte­gra­ti­on der Tua­reg in die Sicher­heits­kräf­te bei­gelegt.

Die Tua­reg wur­den not­wen­di­ger­wei­se Gegen­stand regio­na­ler Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Von poli­ti­schem Inter­es­se waren sie stets nur inso­weit, wie sie für spe­zi­fi­sche Zwe­cke – ins­be­son­de­re des liby­schen Regimes – von Nut­zen sein konn­ten. So waren sie im „Gast­land“ Liby­en als Arbeits­kräf­te und Rekru­tIn­nen in den Repres­si­ons­or­ga­nen gera­de dadurch geschätzt, dass es ihnen an staats­bür­ger­li­chen Rech­ten man­gel­te. Außen­po­li­tisch konn­ten sie Gad­da­fis pan-afri­ka­ni­sche Ambi­tio­nen unter­strei­chen. Indem Gad­da­fi das Kon­flikt­po­ten­ti­al, das in der unge­lös­ten natio­na­len Fra­ge der Tua­reg liegt, gezielt aus­nutz­te, konn­te er ihre poli­ti­schen Ambi­tio­nen kana­li­sie­ren. Dies zeig­te sich etwa 2009 im Tua­reg-Auf­stand im Niger, wo Gad­da­fi mit einem Teil der Tua­reg-Kräf­te eine Ver­ein­ba­rung aus­han­del­te, die den Auf­stand spal­te­te und been­de­te. Ihr Nut­zen lag für Gad­da­fi dar­in, dass er sich gegen­über dem Aus­land als Ver­mitt­ler anbie­ten konn­te. Es über­rascht nicht, dass sein Sturz 2011 nach­hal­ti­gen Ein­fluss auf die Lage der Tua­reg genom­men hat.

Deren Auf­stand 2012 resul­tier­te in der Pro­kla­mie­rung des kurz­le­bi­gen Staa­tes von Aza­wad. Sein rascher Zer­fall war die Fol­ge einer prin­zi­pi­en­lo­sen Bünd­nis­po­li­tik der MNLA-Füh­rung (frz.: Mou­ve­ment natio­nal de libé­ra­ti­on de l’Azawad; Natio­na­le Befrei­ungs­be­we­gung Aza­wad) mit Ansar Dine (Unter­stüt­ze­rIn­nen des Glau­bens), loka­ler Able­ger von AQIM (al-Qai­da des Isla­mi­schen Maghreb), und der fal­schen Ori­en­tie­rung der MNLA auf Aner­ken­nung und Unter­stüt­zung durch den Impe­ria­lis­mus. Der Auf­stand schei­ter­te vor allem dar­an, dass sei­ne von Tua­reg domi­nier­te Füh­rung kaum Unter­stüt­zung unter den übri­gen Volks­grup­pen in Nord­ma­li gewin­nen konn­te. Ansar Dine atta­ckier­te die MNLA für ihren aza­wa­di­schen Natio­na­lis­mus und rekru­tier­te selbst unter den Tua­reg. Zugleich nutz­ten die Sala­fis­tIn­nen bestehen­de ras­sis­ti­sche Res­sen­ti­ments aus und gewan­nen die Unter­stüt­zung von Kräf­ten in den Gemein­schaf­ten der Song­hai und Fula (Ful­be; frz.: Peul), die vor­mals an der Sei­te der Regie­rung stan­den. Die­se Alli­anz unter Füh­rung von Sala­fis­tIn­nen brach mit der MNLA und konn­te im Som­mer 2012 ihre allei­ni­ge Kon­trol­le über Nord­ma­li errich­ten. Der rasche Kon­troll­ver­lust der Regie­rung in Bama­ko trig­ger­te außer­dem am 21. März 2012 einen Putsch.

Der Putsch von 2012

Der Putsch von 2012 gegen Prä­si­dent „ATT“ (Ama­dou Tou­ma­ni Tou­ré) bekam es mit Gegen­wind zu tun. Die „Ver­wei­ge­rungs­front“ (frz.: Front du refus), bestehend aus etwa 100 gewerk­schaft­li­chen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und 50 Par­tei­en, beharr­te auf einer zivi­len und demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Regie­rung und wei­ger­te sich, die Jun­ta anzu­er­ken­nen oder mit ihr zusam­men­zu­ar­bei­ten. Bezeich­nen­der­wei­se war die reform-sta­li­nis­ti­sche SADI-Par­tei die ein­zi­ge par­la­men­ta­ri­sche Kraft, die sich zu einer Zusam­men­ar­beit mit der Jun­ta bereit erklär­te. Trotz die­ser ver­brei­te­ten Ableh­nung des Put­sches kam es zu kei­ner Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung, die der Herr­schaft des Mili­tärs etwas hät­te ent­ge­gen­set­zen kön­nen. Die Jun­ta-Geg­ne­rIn­nen bil­de­ten einen prin­zi­pi­en­lo­sen Block mit natio­na­lis­ti­schen, bür­ger­li­chen Kräf­ten, die auch Unter­stüt­ze­rIn­nen des gestürz­ten Prä­si­den­ten umfass­te. Zugleich stell­te sich ein ande­rer Flü­gel der Gewerk­schafts­be­we­gung hin­ter die Mili­tär­jun­ta.

Etli­che lin­ke Intel­lek­tu­el­le bezo­gen sogar eine durch und durch chau­vi­nis­ti­sche Posi­ti­on. Bei­spiel­haft hier­für steht das „Forum für ein ande­res Mali“ (Forum pour un aut­re Mali, FORAM), das über Ver­bin­dun­gen zur Sozi­al­fo­ren­be­we­gung ver­fügt und u. a. von der mali­schen Lin­ken Ami­na­ta Tra­o­ré unter­stützt wird. Sie argu­men­tier­ten 2012, dass der Tua­reg-Auf­stand Teil einer plan­mä­ßi­gen Neu­auf­tei­lung West­afri­kas durch die impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te sei. Daher sei die Herr­schaft des Mili­tärs das klei­ne­re Übel gegen­über dem dro­hen­den Ver­lust der „ter­ri­to­ria­len Ein­heit“. Natür­lich zeig­te sich schnell, dass das Mili­tär und die kor­rup­ten Eli­ten im Inter­es­se ihres eige­nen Macht­er­halts den impe­ria­lis­ti­schen Inter­ven­tio­nen bereit­wil­lig zustim­men wür­den.

Die voll­kom­me­ne Preis­ga­be einer lin­ken Pro­gram­ma­tik hat die poli­ti­sche Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit die­ser mali­schen und west­afri­ka­ni­schen Lin­ken ver­schärft und dazu bei­getra­gen, dass sie oft­mals als lin­ke Flan­ken­de­ckung für reak­tio­nä­re des­po­ti­sche Regime und deren Poli­tik agie­ren – ganz zu schwei­gen davon, dass sie mit der „ter­ri­to­ria­len Ein­heit“ genau die post­ko­lo­nia­le, d. h. impe­ria­lis­ti­sche Ord­nung ver­tei­di­gen, als deren Geg­ne­rIn­nen sie sich prä­sen­tie­ren. Die Lin­ke kann im west­afri­ka­ni­schen Natio­na­li­tä­ten­mo­sa­ik kei­ne pro­gres­si­ve und anti-impe­ria­lis­ti­sche Per­spek­ti­ve ver­tre­ten, ohne das Selbst­be­stim­mungs­recht der Völ­ker anzu­er­ken­nen. Die natio­na­le Fra­ge muss mit dem Kampf gegen die herr­schen­den Eli­ten ver­knüpft wer­den, die die post­ko­lo­nia­len Staa­ten aus­plün­dern und deren Macht und inter­na­tio­na­le Aner­ken­nung die Ver­tei­di­gung der bestehen­den staat­li­chen Ord­nung zur Vor­aus­set­zung hat.

Konflikt in Zentralmali

Ange­sichts der Eta­blie­rung der mili­tan­ten sala­fis­ti­schen Kräf­te haben die Regie­rung und das Mili­tär ihrer­seits auf eth­ni­sche Mili­zen gesetzt. Bei­spiel­haft hier­für steht die Dan Na Ambassa­gou (Jäge­rIn­nen, die auf Gott ver­trau­en), deren Mit­glie­der aus den Dogon-Gemein­schaf­ten kom­men. Sie wur­de von der Regie­rung zu Beginn des Kon­flikts als nütz­li­ches Gegen­ge­wicht betrach­tet und hat sich mitt­ler­wei­le selbst als Macht­fak­tor eta­bliert. Sie ist bekannt für reak­tio­nä­re Ver­bre­chen gegen­über den Fula, die den Cha­rak­ter von eth­ni­schen Säu­be­run­gen anneh­men, wie das Ogos­sa­gou-Mas­sa­ker vom 23. März 2019 mit 160 Todes­op­fern. Die ras­sis­ti­sche Grund­stim­mung, die Fula als angeb­li­che Unter­stüt­ze­rIn­nen von Ansar Dine stig­ma­ti­siert, ist eine Begleit­erschei­nung des „Kriegs gegen den Ter­ror“.

Eth­ni­sche Kon­flik­te sind zugleich Vor­aus­set­zung und Fol­ge der impe­ria­lis­ti­schen Inter­ven­ti­ons­po­li­tik. Die­se Mäch­te – vor allem Frank­reich, aber auch der EU-Ver­bün­de­te Deutsch­land – ver­su­chen, durch mili­tä­ri­sche „Hil­fe­stel­lung“, Aus­bil­dung etc., das mali­sche Mili­tär zum kom­pe­ten­ten Ord­nungs­fak­tor auf­zu­bau­en. Ange­sichts des­sen, dass das Mili­tär seit der Unab­hän­gig­keit immer die letzt­end­lich ent­schei­den­de Rol­le im Land gespielt hat, liegt die­se Stra­te­gie auf der Hand. Die Mas­sen­be­we­gung der ver­gan­ge­nen Wochen hat gezeigt, dass die­ses Sys­tem gestürzt wer­den kann, aber um die Kri­se in pro­gres­si­ver Wei­se zu lösen, ist eine poli­ti­sche Stra­te­gie not­wen­dig. Die Füh­rung der M5-RFP (Mou­ve­ment du 5 Juin 2020, Ras­sem­ble­ment des For­ces Patrio­ti­ques; Bewe­gung des 5. Juni – Samm­lung der patrio­ti­schen Kräf­te) hat die Mili­tär­jun­ta jedoch aner­kannt. Dabei hat Assi­mi Goita ange­kün­digt, dass sei­ne Jun­ta wäh­rend einer „Über­gangs­pe­ri­ode“ von 3 Jah­ren regie­ren wird. Ein gro­ßer Teil der mali­schen Lin­ken scheint die Feh­ler von 2012 zu wie­der­ho­len, indem er die „natio­na­le Ein­heit“ als ein den unmit­tel­ba­ren Inter­es­sen der Mas­sen über­ge­ord­ne­tes Ziel ver­tritt.

Natür­lich wird die Mili­tär­jun­ta kei­nes der ele­men­ta­ren Pro­ble­me des Lan­des lösen kön­nen. Sie wird wie jede ande­re bür­ger­li­che Regie­rung vom Wohl­wol­len des fran­zö­si­schen Impe­ria­lis­mus und der sog. „inter­na­tio­na­len Gemein­schaft“ abhän­gig sein. Der bis vor kur­zem im Zen­trum der M5-RFP ste­hen­de sala­fis­ti­sche Pre­di­ger Mahmoud Dicko gibt sich als „Brü­cken­bau­er“ zwi­schen Natio­na­lis­tIn­nen und Isla­mis­tIn­nen. Er gehör­te 2013 zu den Unter­stüt­ze­rIn­nen der impe­ria­lis­ti­schen Inter­ven­ti­on und bis 2017 zum Lager von IBK. Assi­mi Goita selbst kommt aus den mali­schen Spe­zi­al­kräf­ten, die seit 2013 von impe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten für den Anti-Ter­ror-Krieg trai­niert wer­den. Laut Aus­sa­gen des EU-Außen­be­auf­trag­ten sind 90 % der mali­schen Armee von EU-Mis­sio­nen im Land aus­ge­bil­det wor­den, dar­un­ter, wie Kramp-Kar­ren­bau­er zuge­ben muss­te, auch eini­ge Anfüh­re­rIn­nen des aktu­el­len Put­sches. Die Aus­bil­dungs­plä­ne für Mili­tär und Poli­zei legt die EU der­weil zwar auf Eis, die im Rah­men der EU- und UN-Mis­sio­nen sta­tio­nier­ten Ein­hei­ten blei­ben aber im Land. Schließ­lich bestehen die impe­ria­lis­ti­schen Inter­es­sen auch unter einem neu­en Regime wei­ter. Die Mili­tär­jun­ta ihrer­seits reprä­sen­tiert kei­ne grund­sätz­lich ande­re Poli­tik, son­dern ein­fach jenen Teil der natio­na­len Eli­te, der für einen etwas inklu­si­ve­ren Umgang mit dem isla­mis­ti­schen Auf­stand ein­tritt.

Strategie und Programm

Die Kri­se in Mali beruht auf dem Erbe des Kolo­nia­lis­mus und auf unge­lös­ten gesell­schaft­li­chen Pro­ble­men – sicher über­lap­pen­den natio­na­len Fra­gen, auf der Land­fra­ge und dem Ver­lust der Lebens­grund­la­ge von Sub­sis­tenz­bau­ern und ‑bäue­rIn­nen durch neo­li­be­ra­le Reform­po­li­tik und Kli­ma­wan­del, und all­ge­mein auf der unge­lös­ten demo­kra­ti­schen Fra­ge. Um die­se Kri­se im Sin­ne der unter­drück­ten Mas­sen zu lösen, ist ein Pro­gramm nötig, das sich zen­tral auf die Arbei­te­rIn­nen­klas­se bezieht und die­se Fra­gen mit der Mobi­li­sie­rung und Bewaff­nung der Mas­sen ver­bin­det.

Der Mili­tär­jun­ta muss eine ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung ent­ge­gen­ge­stellt wer­den, die von Mas­sen­ver­samm­lun­gen der Arbei­te­rIn­nen, Bauern/​Bäuerinnen und Armen orga­ni­siert wird, und in der die Klas­sen­fra­ge poli­tisch offen zuta­ge tre­ten kann. Dies stellt natür­lich unmit­tel­bar die Macht der Mili­tär­jun­ta in Fra­ge, was den Kampf inner­halb des Mili­tärs für das Recht auf poli­ti­sche Orga­ni­sie­rung und Agi­ta­ti­on für Sol­da­tIn­nen, auf Befehls­ver­wei­ge­rung und letzt­lich den Bruch der unte­ren Sol­da­tIn­nen­rän­ge mit der Jun­ta auf die Tages­ord­nung setzt.

Die reak­tio­nä­re eth­ni­sche Gewalt erfor­dert die Bewaff­nung der Mas­sen über eth­ni­sche Gren­zen hin­weg und die Bil­dung von Selbst­ver­tei­di­gungs­ein­hei­ten, die von den Arbei­te­rIn­nen und Bauern/​Bäuerinnen kon­trol­liert wer­den und die­se vor Angrif­fen der Isla­mis­tIn­nen, des Mili­tärs oder ande­rer Grup­pen schüt­zen.

In Anbe­tracht der natio­na­len Fra­ge müs­sen Lin­ke unbe­dingt für ein Pro­gramm ein­tre­ten, das die poli­ti­schen und sozialen/​wirtschaftlichen Gegen­sät­ze zwi­schen den Natio­na­li­tä­ten über­win­det und jeg­li­che For­men von Dis­kri­mi­nie­rung bekämpft. Dies muss nicht die Los­tren­nung des Nor­dens beinhal­ten, aber das unbe­ding­te Recht auf die­se, falls die Bevöl­ke­rung dies dort mehr­heit­lich wünscht. Die natio­na­le Fra­ge muss auch ver­bun­den wer­den mit dem Kampf gegen alle impe­ria­lis­ti­schen Inter­ven­tio­nen und für den Abzug aller aus­län­di­scher Trup­pen, die Ent­eig­nung des impe­ria­lis­ti­schen Kapi­tals und der mali­schen Groß­un­ter­neh­men, der Strei­chung der Aus­lands­schul­den und dem Kampf für eine Arbei­te­rIn­nen- und Bau­ern-/Bäue­rin­nen­re­gie­rung.

Ausweitung

Nur eine sol­che wäre in der Lage, auch die Wirt­schaft des Lan­des auf Grund­la­ge einer demo­kra­ti­schen Plan­wirt­schaft zu reor­ga­ni­sie­ren. Nicht zuletzt auf­grund der will­kür­li­chen impe­ria­lis­ti­schen Grenz­zie­hun­gen und der jahr­hun­der­te­lan­gen Aus­plün­de­rung des Lan­des kön­nen die gro­ßen Pro­ble­me des Lan­des durch eine wirk­li­che Revo­lu­ti­on in Mali zwar ange­gan­gen, nicht jedoch voll­stän­dig gelöst wer­den. Der Kampf um demo­kra­ti­sche Rech­te und Sozia­lis­mus muss daher mit der Revo­lu­ti­on auf dem gan­zen Kon­ti­nent ver­bun­den wer­den, dem Kampf für eine Sozia­lis­ti­sche Föde­ra­ti­on Afri­kas.

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