[gG:] Groß-Gerau blamiert sich beim Grab des Kommunisten Wilhelm Hammann

Ein arg vor „die Hun­de“ gekom­me­nes Grab für den kom­mu­nis­ti­schen Land­rat des Krei­ses Groß-Gerau, Wil­helm Ham­mann, sorgt für Auf­re­gung in der hes­si­schen Kreis­stadt.

Am ver­gan­ge­nen Diens­tag Abend beschlos­sen die Stadt­ver­ord­ne­ten die Über­nah­me der Grab­pfle­ge oder nur des Grab­stei­nes ein­stim­mig. Im Herbst sol­len zunächst zwei Bäu­me gefällt wer­den.

Antifaschist*innen ver­teil­ten nicht nur an die Stadt­ver­ord­ne­ten und dem Bür­ger­meis­ter Walt­her (CDU) per­sön­lich und in der Nach­bar­schaft über 300 Flug­blät­ter.

Die LINKE/​OL zog über­ra­schend ihre Anträ­ge zurück.

Ist der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung in dem bür­ger­lich gepräg­ten Groß-Gerau zu trau­en?

Ein Arti­kel der Frank­fur­ter Rund­schau.

War­um ste­hen wir heu­te hier vor der Stadt­hal­le?

Heu­te wird in der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung von Groß-Gerau ent­schie­den, was mit dem Grab des ers­ten Land­ra­tes von Groß-Gerau nach Kriegs­en­de, Wil­helm Ham­mann (KPD), geschieht.

Wer war Wil­helm Ham­mann? Er war Leh­rer, der kei­ne Prü­gel­stra­fe nötig hat­te, Kom­mu­nist, und bis zu sei­nem Tod 1955 ein Groß-Ger­au­er Poli­ti­ker im Kreis­tag.

Bis 1945 war er im KZ Buchen­wald inhaf­tiert, wo er unter Ein­satz sei­nes Lebens Hun­der­te von Kin­dern das Leben ret­te­te. Dar­un­ter waren 159 jüdi­sche Kin­der. Dafür wur­de er von der Gedenk­stät­te Yad Vas­hem in Isra­el als „Gerech­ter unter den Völ­kern“ geehrt.

Was wird heu­te ent­schie­den? Bür­ger­meis­ter Erhard Walt­her (CDU) hat einen Antrag vor­ge­legt, in dem es zwar heißt „die Pfle­ge des Gra­bes… wird über­nom­men“. Aber vor die­ser Fest­stel­lung heißt es auch: Bei der Über­nah­me der Grab­pfle­ge han­delt es sich um einen gering­fü­gi­gen Auf­wand, da es sich aus­schließ­lich um einen Grab­stein han­delt, eine Grab­stel­le selbst ist nicht vor­han­den“.

Abge­se­hen von der Leug­nung eines Gra­bes, ist die Antrags­vor­la­ge ein Armuts­zeug­nis, weil der Antrag nicht nur miss­ver­ständ­lich und wider­sprüch­lich ist und so nie ins Par­la­ment hät­te gelan­gen dür­fen.

Um den feh­ler­haf­ten Antrag aus dem Bür­ger­meis­ter­bü­ro zu kor­ri­gie­ren, hat die Linke/​OL einen Ergän­zungs­an­trag ein­ge­reicht, der eine Prä­zi­sie­rung der For­mu­lie­rung im Bür­ger­meis­ter­an­trag for­dert. Näm­lich, das es sich um eine „Grab­stät­te in ihrer gegen­wär­ti­gen Form und Aus­deh­nung han­delt“.Und nicht, wie es falsch im Antrag des Bür­ger­meis­ters­heißt „aus­schließ­lich um einen Grab­stein han­delt“.

Die Stadt­ver­ord­ne­ten ent­schei­den also heu­te Abend dar­über, ob ein Grab­stein oder eine gan­ze Grab­stät­te gepflegt und erhal­ten wird.

Ver­gleicht man nun das Vor­ge­hen mit der Grab­pfle­ge für den frü­he­ren Groß-Ger­au­er Bür­ger­meis­ter Lüdecke, fällt sofort die völ­lig unter­schied­li­che Vor­ge­hens­wei­se auf. Im Fall der Grab­pfle­ge für Lüdecke gab es noch nicht ein­mal einen Antrag in der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, dis­ku­tiert wur­de­über­haupt nicht. Die Grab­pfle­ge wur­de ein­fach ein­stim­mig beschlos­sen.

Bei Wil­helm Ham­mann ist alles anders. Seit­dem im Som­mer bekannt wur­de, dass das Ham­mann-Grab wegen abge­lau­fe­ner Ruhe­zeit „neu ange­legt“ wer­den soll, wur­den der Öffent­lich­keit die Plä­ne bekannt.

Am 31. Juli ver­kün­de­te Klaus Mein­ke (SPD) als Stadt­ver­ord­ne­ten­vor­ste­her im Groß-Ger­au­er Echo den Vor­schlag, den Grab­stein ein­fach an die Fried­hofs­mau­er oder in die Gedenk­hal­le zu stel­len. Schon hier war die Grab­be­sei­ti­gung eines Kom­mu­nis­ten Pro­gramm.

Anfang August leg­te dann Bür­ger­meis­ter Walt­her (CDU) nach. Der Antrag aus sei­nem Büro leug­ne­te die Grab­stät­te s.o., und die Grab­pfle­ge wäre nur ein „gering­fü­gi­ger Auf­wand“. Im Echo vom 24.08.2020 behaup­tet Walt­her (CDU) sogar ziem­lich dreist, die Stadt hät­te das Grab jahr­zehn­te­lang gepflegt – nur alle Zei­tungs­bil­der bele­gen das Gegen­teil – son­dern auch noch wir hat­ten nie­mals die Absicht, die Ham­mann-Grab­stät­te zu ent­fer­nen“.Wer soll das glau­ben? Nur durch die Auf­merk­sam­keit von anti­fa­schis­ti­schen Men­schen ist die heim­li­che Grab­be­sei­ti­gung ver­hin­dert wor­den.

Das Gre­mi­en­por­tal der Stadt­ver­ord­ne­ten im Inter­net mit allen Anträ­gen, war die letz­te Woche bis ges­tern auch nicht mehr zugäng­lich. Das passt.

E***in wür­di­ges und ehren­des Grab für Wil­helm Ham­mann!*

Freun­des­kreis Wil­helm Ham­mann 25.08.2020

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