[perspektive:] Spanien: Sozialdemokraten lieferten Waffen an das faschistische Chile

Der chi­le­ni­sche Dik­ta­tor Augus­to Pino­chet hat­te sich am 11. Sep­tem­ber 1973 mit Hil­fe des Mili­tärs an die Macht geputscht. Dabei wur­de der demo­kra­tisch gewähl­te sozia­lis­ti­sche Prä­si­dent Sal­va­dor Allen­de getö­tet. Im Anschluss errich­te­ten die chi­le­ni­schen Faschis­ten zwi­schen 1973 und 1990 ein Ter­ror­re­gime und ermor­de­ten tau­sen­de Men­schen. Ein Jahr­zehnt nach dem Putsch lie­fer­ten aus­ge­rech­net die spa­ni­schen Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen Waf­fen an die Mör­der ihrer Genos­sIn­nen – und erklär­ten das schmut­zi­ge Waf­fen­ge­schäft zum Staats­ge­heim­nis. Ein Kom­men­tar von Pa Shan

Wer hat uns ver­ra­ten? – „Die spa­ni­schen Sozi­al­de­mo­kra­ten“, könn­ten die Men­schen in Chi­le aus­ru­fen. Denn Zwi­schen 1982 und 1986 mach­te die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Regie­rung unter Feli­pe Gon­za­lez Mil­lio­nen­ge­schäf­te mit dem Ver­kauf von Waf­fen an die Faschis­ten in Chi­le. Kein ande­res Land in Latein­ame­ri­ka erhielt mehr Rüs­tungs­gü­ter aus Spa­ni­en.

Dies ist nun auf­grund der inves­ti­ga­ti­ven Recher­chen des Jour­na­lis­ten Dani­lo Albin ans Licht gekom­men. Die spa­ni­schen Sozi­al­de­mo­kra­ten haben dem­nach die Inter­es­sen der Rüs­tungs­in­dus­trie über den Frie­den, die Demo­kra­tie und das Schick­sal ihrer Genos­sIn­nen in Chi­le gestellt.

Im Bewusst­sein über die­ses Ver­bre­chen ver­füg­te die Regie­rung in Madrid 1987 die Geheim­hal­tung der ent­spre­chen­den Akten. So konn­te die Sozi­al­de­mo­kra­tie in Spa­ni­en wei­ter­hin ihr sozia­les und demo­kra­ti­sches Image pfle­gen und gleich­zei­tig den Rüs­tungs­un­ter­neh­men hel­fen, sich berei­chern.

Einzelfall?

Wäre die Sache ein­fach nur ein bedau­er­li­cher Ein­zel­fall, wäre das nicht wei­ter inter­es­sant. Jedoch müs­sen wir davon aus­ge­hen, dass sol­che Machen­schaf­ten regie­ren­der Par­tei­en typisch sind – ganz gleich, ob sie sich „sozi­al­de­mo­kra­tisch“, „libe­ral“, „christ­de­mo­kra­tisch“ oder „grün“ nen­nen. Gera­de in Deutsch­land hat sich immer wie­der gezeigt, dass sich schein­bar demo­kra­ti­sche Regie­rungs­par­tei­en ein „mensch­li­ches Ant­litz“ ver­pas­sen, ihre unmensch­li­che Poli­tik der Waf­fen­lie­fe­run­gen zu ver­schlei­ern.

Das zeigt nicht nur die Kriegs­be­tei­li­gung der rot-grü­nen Bun­des­re­gie­rung in Jugo­sla­wi­en 1999. Auch ihre Betei­li­gung am Krieg gegen Afgha­ni­stan seit 2001 belegt das. Ent­schei­dend für den Ein­satz von töd­li­chen US-Droh­nen in aller Welt ist bis jetzt noch der US-Luft­waf­fen­stützpunt in Ramm­stein. Wei­ter­hin lie­fer­ten sämt­li­che Bun­des­re­gie­run­gen der letz­ten Jahr­zehn­te unge­heu­re Men­gen an Waf­fen in die Tür­kei, Sau­di-Ara­bi­en und ande­rer Län­der. Allein die Tür­kei hat im ver­gan­ge­nen Jahr Kriegs­waf­fen für 344,6 Mil­lio­nen Euro aus Deutsch­land erhal­ten. Und bereits in den ers­ten vier Mona­ten des Jah­res 2020 wur­den Waf­fen im Wert von einer hal­ben Mil­li­ar­de Euro ver­kauft.

Wenn die Bun­des­re­gie­rung dies geheim hal­ten könn­te, wür­de sie es machen. Klei­ne Anfra­gen der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag und in den Land­ta­gen zwin­gen die Regie­run­gen jedoch dazu, sol­che Infor­ma­tio­nen regel­mä­ßig preis­zu­ge­ben.

Vieles Bleibt im Dunkeln

Was aller­dings nicht ver­hin­dert wer­den konn­te, ist die Geheim­hal­tung von Akten im Zusam­men­hang mit dem faschis­ti­schen NSU.

Die­se soll­ten zunächst 120 Jah­re lang bis zum Jahr 2134 gesperrt blei­ben, aber nach dem dem Mord an Wal­ter Lüb­cke wur­de die Geheim­hal­tung auf 30 Jah­re her­ab­ge­setzt, sodass wir „schon“ 2044 mehr dar­über erfah­ren wer­den, wie weit der „tie­fe Staat“ mit dem NSU-Ter­ror in Ver­bin­dung stand. Genug Zeit für die deut­schen Geheim­diens­te, um alle wich­ti­gen Stel­len zu schwär­zen und die Wahr­heit zu ver­tu­schen.

All das geschah unter einer Koali­ti­on von SPD und CDU. Es zeigt: ob in Spa­ni­en oder Deutsch­land: auf die Sozi­al­de­mo­kra­tie kön­nen wir nicht bau­en.

Der Bei­trag Spa­ni­en: Sozi­al­de­mo­kra­ten lie­fer­ten Waf­fen an das faschis­ti­sche Chi­le erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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