[gG:] Demo 05.09. in Leipzig – Connewitz – Kämpfe verbinden! Für eine solidarische Gesellschaft

Kämp­fe ver­bin­den – Für eine soli­da­ri­sche Nach­bar­schaft!

Schon seit vie­len Jah­ren wird in Leip­zig saniert und gebaut was das Zeug hält. Häu­ser vor dem Ver­fall zu ret­ten und Wohn­raum zu schaf­fen ist natür­lich nichts, was wir für falsch hal­ten. Im Gegen­teil sind wir immer am sozia­len Fort­schritt inter­es­siert.
Jedoch hat die der­zei­ti­ge Situa­ti­on wenig mit unse­ren Vor­stel­lun­gen einer „Stadt für alle“ zu tun. Es hat sich schnell gezeigt, dass es sich bei dem Boom in Leip­zig nur um einen wei­te­ren Aus­wuchs des Kapi­ta­lis­mus han­delt. Gebaut wer­den haupt­säch­lich Luxus-Eigen­tums­woh­nun­gen für 4- bis 5000€ pro Qua­drat­me­ter. Das heißt, gebaut und saniert wird für eine Ober­klas­se, wie es sie in Leip­zig bis jetzt nicht gab. In der Fol­ge stei­gen die Mie­ten für belieb­te Stadtei­le, wie der Süd­vor­stadt und Reud­nitz. So erhöh­ten sich die Mie­ten auch in unse­rem Kiez(Connewitz) in den letz­ten 7 Jah­ren im Schnitt um 48 Pro­zent. Nicht nur wir fra­gen uns, wer soll das bezah­len?

All die, die hier seit Jahr­zehn­ten leben und den Charme die­ser Gegend erst geschaf­fen haben, also Kul­tur­schaf­fen­de, Stu­die­ren­de, Rentner*innen, Arbeitslose/​Erwerbslose oder ein­fa­che Arbeiter*innen wer­den Stück für Stück ver­drängt. Sozia­ler Woh­nungs­bau fin­det wenig, in Con­ne­witz sogar eher gar nicht statt und so wird die­se soge­nann­te „sozia­le Unter­schicht“ an den Stadt­rand ver­drängt. Wer heu­te als Arbeits­lo­ser/​Erwerbsloser in Leip­zig eine Woh­nung sucht, muss sich fast zwangs­läu­fig in Pauns­dorf, Eutritzsch oder Grün­au umse­hen. Ganz egal ob ersie Freund*innen oder Ver­wand­te in einem teu­ren Vier­tel hat.
Beson­ders in Con­ne­witz ste­hen wir seit Jah­ren einer Ver­drän­gungs­stra­te­gie der Stadt gegen­über, die anschei­nend nicht nur auf Pro­fit, son­dern auch auf die Spal­tung und Ver­drän­gung der soge­nann­ten „Sze­ne“ in Con­ne­witz aus ist. War es damals doch jene „Sze­ne“, die in den 90er Jah­ren die Häu­ser vor dem Ver­fall und dem Abriss bewahr­te und eine Kunst‑, Kul­tur- und Knei­pen­land­schaft errich­te­te, die bis heu­te dazu bei­trägt, dass das Vier­tel eines der attrak­tivs­ten der Stadt gewor­den ist. Und das nicht nur für soge­nann­te „Alter­na­ti­ve“, son­dern auch für vie­le jun­ge Fami­li­en. So kön­nen die Men­schen, die in den 90er Jah­ren hier im Vier­tel, auch im Kampf gegen den Staat, einen Schutz­raum gegen den all­täg­li­chen Nazi­ter­ror durch­setz­ten, heu­te ihre Mie­te im hip­pen Con­ne­witz nicht mehr bezah­len. Bewoh­ner
nnen des Vier­tels wer­den heu­te nur noch als stö­rend emp­fun­den, oft wird nur von „Con­ne­wit­zer Chaot*innen“ gespro­chen und so ein gan­zes Vier­tel auf­grund einer anti­fa­schis­ti­schen Hal­tung oder alter­na­ti­ver Lebens­ent­wür­fe unter Gene­ral­ver­dacht gestellt.
Doch nicht nur in Con­ne­witz, son­dern auch in Plag­witz, Reud­nitz und vie­len ande­ren Vier­teln Leip­zigs sehen wir die Gen­tri­fi­zie­rung mit vol­ler Wucht ein­schla­gen. Mie­ten stei­gen unge­bremst, Men­schen wer­den zwangs­ge­räumt.

Wenn also Bau­stel­len ange­grif­fen wer­den, neue Häu­ser mit Far­be beschmiert wer­den, dann sehen wir dar­in nicht das Werk von gelang­weil­ten Chaot*innen, son­dern ein letz­tes ver­zwei­fel­tes Auf­bäu­men all der­je­ni­gen, die sich nicht kampf­los aus ihrem Kiez ver­drän­gen las­sen wol­len. Denn die­ser Staat schützt nicht uns Men­schen, son­dern den Pro­fit. Nicht zuletzt des­we­gen kommt es immer wie­der zu Kon­flik­ten in Con­ne­witz, wenn sich die Poli­zei auf­führt als wären sie Besat­zungs­trup­pen. Immer wie­der machen sie mit Über­grif­fen gegen die Bewohner*innen des Vier­tels Schlag­zei­len. Die Poli­zei ver­sucht immer wie­der den Wider­stand im Vier­tel klein zu reden oder behaup­tet, es wäre nur ein gerin­ger Teil von „Chaot*innen“, die Con­ne­witz in Ver­ruf brin­gen. Anders aber als die LVZ, die unre­flek­tiert Poli­zei­mel­dun­gen über­nimmt, sehen wir auf der Stra­ße, wie die Wirk­lich­keit aus­sieht.

Wir sehen es, wenn an Sil­ves­ter wahl­los auf Men­schen ein­ge­prü­gelt wird, die sich am Kreuz auf­hal­ten. Auf der Stra­ße sehen wir, wenn ver­meint­li­che Sprüher*innen bei der Fest­nah­me miss­han­delt wer­den, wir hören, wenn die Bul­len aus ihren Fahr­zeu­gen her­auspö­beln. Mehr als ein­mal schon wur­den aus Poli­zei­wa­gen her­aus Schlä­ge ange­droht. Nachbar*innen, die ein­fach nur zum Wochen­en­de am Cor­ner saßen, wur­den wie­der­holt und grund­los bedroht. Die Lis­te ist end­los und so gut wie jede*r kann von einer nega­ti­ven Erfah­rung mit der Staats­ge­walt im Vier­tel erzäh­len.
Die Poli­zei Leip­zig, in deren Rei­hen es nach­weis­lich Rechts­ex­tre­me und Beam­te mit guten Kon­tak­ten zu bekann­ten Neo­na­zis gibt, ist eine Behör­de die lügt und im gro­ßen Stil geklau­te Fahr­rä­der wei­ter­ver­kauft. Natür­lich kön­nen wir denen nicht ver­trau­en!
Wir sehen es nicht mehr ein, die­se Pro­zes­se nur pas­siv mit­zu­er­le­ben, es ist der Zeit­punkt gekom­men in die Offen­si­ve zu gehen und zusam­men für eine Welt zu kämp­fen, in der wir alle ohne Angst leben kön­nen.

Wir wol­len soli­da­ri­sche Nachbar*innenschaften, in denen sich trotz aller Gegen­sät­ze gehol­fen wird und Pro­ble­me aktiv mit­ein­an­der geklärt wer­den, anstatt eine unzu­mut­ba­re Behör­de in unser Vier­tel oder unser Leben zu las­sen. Wir wol­len Nachbar*innenschaften in denen jede*r Mensch Platz hat, ganz egal wel­ches Geschlecht, wel­che Haut­far­be oder wie viel Ein­kom­men. Eine Nachbar*innenschaft, in der wir uns mit Respekt begeg­nen und mit­ein­an­der reden, anstatt wei­ter zu ver­ein­sa­men und anein­an­der vor­bei zu leben.

Schaf­fen wir soli­da­ri­sche Räu­me, anti­fa­schis­ti­sche Räu­me, femi­nis­ti­sche Räu­me, öko­lo­gi­sche Räu­me, kol­lek­ti­ve Räu­me! Wir müs­sen die Kämp­fe nach einem selbst­be­stimm­ten Leben ver­bin­den, denn die Zukunft gehört uns, wenn wir sie erkämp­fen!
Fight for your future!

  • DEMO – 05.09.2020 – 20 Uhr – Hil­de­brand-Platz, Leip­zig- Con­ne­witz +
    Wir wün­schen uns eine kraft­vol­le, ent­schlos­se­ne Demo und wer­den uns nicht ein­schüch­tern oder auf­hal­ten las­sen. Da Coro­na immer noch eine reel­le Gefahr ist, bit­ten wir alle Men­schen, die sich uns anschlie­ßen, Mund­schutz zu tra­gen und zu ver­su­chen den Sicher­heits­ab­stand von 1,50 m ein­zu­hal­ten. Zusätz­lich emp­feh­len sich noch Hand­schu­he zur Opti­mie­rung der Hygie­ne.

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