[KgK:] Beschäftigte der Charité Tochter CFM protestieren gegen den Berliner Finanzsenator: “Kollatz komm raus!”

Um neun Uhr mor­gens sam­mel­ten sich die Beschäf­tig­ten vor dem Ein­gang des Cam­pus des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums. Zwar erfolg­ten in den letz­ten Wochen ille­ga­le Ein­schüch­te­run­gen durch das Manage­ment der Toch­ter­fir­ma, ins­be­son­de­re gegen die Rei­ni­gung und die Logis­tik, denen sogar mit Ent­las­sun­gen bei einer Streik­be­tei­li­gung gedroht wur­de. Um den Streik zu bre­chen, beauf­trag­te das Manage­ment sogar Fremd­fir­men mit Werk­ver­trä­gen.

Den­noch steigt die Zahl der Kolleg*innen, die die­ses Uni­on-Bus­ting nicht hin­neh­men wol­len. So zogen um 10.30 Uhr knapp 400 Beschäf­tig­te mit Mund- und Nasen­schutz und Sicher­heits­ab­stand los in Rich­tung des Bür­ger­bü­ros des Finanz­se­na­tors Micha­el Kol­latz, in der Nähe des Rat­hau­ses Ste­glitz. Die Rufe nach “Tarif­ver­trag jetzt” und “TVöD für alle an der Spree” zogen die Soli­da­ri­tät vie­ler Anwohner*innen mit sich, die vom Bal­kon oder Geh­weg aus applau­dier­ten.

Seit 14 Jah­ren kämp­fen die Arbeiter*innen der CFM gegen die mise­ra­blen Arbeits­be­din­gun­gen in ihrem Betrieb. Bis zu 1.000 Euro weni­ger gibt es für die Ange­stell­ten der “Schmud­del­toch­ter” im Ver­gleich zur Stamm­be­leg­schaft, das Weih­nachts­geld fehlt und auch weni­ger Urlaubs­ta­ge sind zu ver­bu­chen. Nach Jah­ren des Arbeits­kampfs stie­gen die Löh­ne immer­hin ein biss­chen: Dani­el Turek, stell­ver­tre­ten­der Betriebs­rats­vor­sit­zen­der, erin­nert sei­ne Kolleg*innen dar­an, dass er zu Beginn noch rund 9 Euro die Stun­de bekam, wäh­rend heu­te vie­le 12.50 Euro ver­die­nen.

Doch auch das gleicht im immer teu­rer wer­den­den Ber­lin einem Hun­ger­lohn – und das im Gesund­heits­sek­tor, des­sen Bedeu­tung in den letz­ten Mona­ten unüber­seh­bar war. Das größ­te Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Euro­pas, renom­miert und inter­na­tio­nal bekannt, wird kaputt­ge­spart. Die Kos­ten tra­gen die Beschäf­tig­ten, inmit­ten einer glo­ba­len Pan­de­mie.

Daher ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Wut auf die Poli­tik groß ist: Der rot-rot-grü­ne Senat ver­sprach bereits vor vier Jah­ren die Wie­der­ein­glie­de­rung der Toch­ter­fir­men. Doch da er die Kür­zungs­po­li­tik mit­trägt, blieb dies bis­lang nur eine lee­re Ver­spre­chung. Finanz­se­na­tor Kol­latz woll­te den Beschäf­tig­ten heu­te nicht ent­ge­gen­tre­ten – und blieb daher im Büro.

Vor Kol­latz’ Büro rief der Gewerk­schafts­se­kre­tär Mar­co Pav­lik (ver.di /​Die LINKE) die Beschäf­tig­ten zu Geduld auf. Wäh­rend er selbst mein­te, 14 Jah­re sei­en genug und die Paro­le “Tarif­ver­trag jetzt” ins Mikro­fon rief, behaup­te­te er im sel­ben Atem­zug, die Beleg­schaft gebe sich auch mit einem Ver­trag , der sie erst in zwei bis drei Jah­ren an den TVöD anglei­chen soll, zufrie­den.

Zum Ende hielt Pav­liks Par­tei­ge­nos­sin Lucy Red­ler (SAV /​Die LINKE) ein Gruß­wort. Red­ler wies dar­auf hin, dass die Beschäf­tig­ten ein Bei­spiel für alle Arbeiter*innen sei­en, die sich gegen die Kür­zungs­po­li­tik im Diens­te der Groß­kon­zer­ne stel­len. Es bräuch­te eine brei­te Mobi­li­sie­rung auf der Stra­ße gegen Rechts­ruck und Kri­se.

Jedoch wie­sen weder Pav­lik noch Red­ler dar­auf hin, dass Die LINKE, die SPD und die Gewerk­schafts­füh­rung kei­ne Anstren­gun­gen unter­neh­men, damit die Arbeiter*innen nicht für die Wirt­schafts­kri­se zah­len. Im Gegen­teil stel­len sie alle hin­ter der Kri­sen­ma­nage­ment der Regie­rung mit Mil­li­ar­den Hil­fen an Unter­neh­men, die durch jah­re­lan­ge Kür­zungs­po­li­tik finan­ziert wer­den. Die Tarif­run­de der Beschäf­tig­ten im Öffent­li­chen Dienst, die mor­gen beginnt, ist eine Mög­lich­keit für eine brei­te Mobi­li­sie­rung aller von der Kri­se betrof­fe­nen Sek­to­ren. Ein gemein­sa­mer Streik der Stamm­be­leg­schaf­ten und Töch­ter, mit Ver­samm­lun­gen, in denen poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen und Reso­lu­tio­nen für die Fort­füh­rung des Kamp­fes getrof­fen wer­den kön­nen, könn­te die Grund­la­ge für eine sol­che Mobi­li­sie­rung schaf­fen.

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