[PK:] Als Klasse: Organisieren, Streiken, (Energie)konzerne Enteignen!

Der men­schen­ge­mach­te Kli­ma­wan­del spitzt sich zu und bringt immer kata­stro­pha­le­re Aus­wir­kun­gen mit sich. Der Regen­wald brennt, der Per­ma­frost taut auf, Dür­re brei­tet sich aus. Schon jetzt wer­den leut einer Green­peace Stu­die pro Jahr über 25 Mil­lio­nen Men­schen von den Fol­gen der Kli­ma­kri­se zur Flucht gezwun­gen. In etwas mehr als drei bis sie­ben Jah­ren wer­den wir aller Vor­aus­sicht nach das 1,5 Grad-Ziel ver­fehlt haben, die Fol­gen sind unab­seh­bar. Aber die glo­ba­le Erwär­mung ist kein Schick­sal, dem es sich zu erge­ben gilt. Hin­ter ihr ste­hen hand­fes­te Inter­es­sen: Die der gro­ßen Kon­zer­ne und ihrer Eigen­tü­mern, die ihren Drang nach Pro­fi­ten über die Zukunft der Mensch­heit stel­len. Getreu nach dem Mot­to: „Nach uns die Sint­flut!“

Das fos­si­le Kapi­tal ist dabei der wohl wich­tigs­te Pro­fi­teur der Zer­stö­rung unse­rer Lebens­grund­la­gen. Es waren die Kapi­ta­lis­ten der fos­si­len Kon­zer­ne, von Shell, Exxon, BP und Che­vron, die jahr­zehn­te­lang die Exis­tenz des men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­dels ver­tuscht haben und heu­te noch mit Mil­lio­nen­be­trä­gen des­sen Leug­ne­rIn­nen unter­stüt­zen. Und es sind die fos­si­len Ener­gie­kon­zer­ne, die in Deutsch­land den größ­ten Teil des CO2-Aus­sto­ßes ver­ur­sa­chen. Der bür­ger­li­che Staat agiert dabei als Schutz­macht der gro­ßen Kon­zer­ne. Zuletzt konn­ten wir das bei der Ent­schei­dung über das soge­nann­te „Koh­le­aus­stiegs­ge­setz“ beob­ach­ten. Der Staat schenkt den Koh­le­kon­zer­nen in Deutsch­land Mil­li­ar­den dafür, dass sie noch bis 2038 die Kli­ma­kri­se befeu­ern dür­fen. 2038 – da wer­den wir das 1,5 Grad Ziel bereits seit mehr als zehn Jah­ren über­schrit­ten haben. Sol­che Ent­schei­dun­gen sind jedoch kein Zufall: In kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten ver­tritt jeder Staat stets die Inter­es­sen sei­nes natio­na­len Kapi­tals. Jede noch so klei­ne Begren­zung der rück­sichts­lo­sen Aus­beu­tung von Mensch und Natur muss ihm durch har­te Kämp­fe abge­run­gen wer­den. Der Kampf um das Ende der Koh­le­ver­bren­nung steht dabei in einer Linie mit den Kämp­fen um den 8‑Stun­den-Tag oder das Ver­bot der Kin­der­ar­beit: Er steht in der Tra­di­ti­on all jener Kämp­fe, in denen die arbei­ten­de Mehr­heit ihr Leben und ihre Wür­de gegen die exzes­si­ve Aus­beu­tung durch die besit­zen­de Min­der­heit ver­tei­digt hat.

Der Kampf für Kli­ma­ge­rech­tig­keit bedeu­tet Klas­sen­kampf!

Oft wird es dar­ge­stellt, als sei der spä­te Koh­le­aus­stieg im Inter­es­se der Koh­le­ar­bei­terInnen und wür­de ihnen zulie­be pas­sie­ren. Aber das ist eine Lüge! Die Mil­li­ar­den, die der Staat an die Koh­le­kon­zer­ne zu ver­schen­ken hat, gehen nicht an die arbei­ten­den Men­schen dort. Sie wer­den nicht dafür genutzt, den Men­schen in der Regi­on eine dau­er­haf­te Zukunft zu sichern, dort erneu­er­ba­re Ener­gien auf­zu­bau­en oder die Kon­ver­si­on der Indus­trie vor­an­zu­trei­ben. Viel­mehr sol­len die Arbei­te­rIn­nen in den Koh­le­kon­zer­nen noch fast zwei Jahr­zehn­te für die Pro­fi­te ande­rer an der Zer­stö­rung ihrer eige­nen Zukunft arbei­ten – um danach allein gelas­sen zu wer­den. Die­ses Mus­ter ist längst kein Ein­zel­fall: Auch in der PKW- Pro­duk­ti­on wird von Sei­ten der bür­ger­li­chen Par­tei­en und der Kapi­ta­lis­ten ger­ne ein Wider­spruch auf­ge­macht, der eigent­lich kei­ner ist. Wenn in der Auto­mo­bil­in­dus­trie mit der Umstel­lung auf Elek­tro­mo­to­ren Jobs abge­baut wer­den, dann geschieht dass nicht, weil die gro­ßen Kon­zer­ne sich end­lich ihrer Ver­ant­wor­tung für das Kli­ma bewusst gewor­den sind – ganz unab­hän­gig davon, dass Elek­tro­mo­to­ren für das Kli­ma kei­ne nen­nens­wer­te Ver­bes­se­rung im Ver­gleich zu Ver­bren­nungs­mo­to­ren dar­stel­len. Nein, mit Elek­tro­mo­to­ren und den damit ein­her­ge­hen­den Stel­len­strei­chun­gen, weil für die Her­stel­lung von Elek­tro­mo­to­ren weni­ger Arbei­te­rIn­nen benö­tigt wer­den, lässt sich in Zukunft ein­fach nur mehr Geld ver­die­nen.

Wirk­lich im Inter­es­se der Arbei­te­rIn­nen wäre eine nach­hal­ti­ge Umstel­lung der Indus­trie und Ener­gie­ge­win­nung auf öko­lo­gisch sinn­vol­le Aspek­te wie bei­spiels­wei­se erneu­er­ba­re Ener­gien oder den Aus­bau und die Instand­hal­tung des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs. Wenn wir dafür weni­ger Ener­gie und Arbeit benö­ti­gen und das Kli­ma durch das Her­un­ter­fah­ren der Pro­duk­ti­on scho­nen wol­len, ist das an sich kein Pro­blem. Kei­ne Arbei­te­rin und kein Arbei­ter wird sich über weni­ger Arbeit bei vol­lem Lohn­aus­gleich beschwe­ren, das ein­zi­ge was dem im Weg steht sind die Pro­fi­te der Kapi­ta­lis­ten! Letz­ten Endes haben Arbei­te­rIn­nen und Kli­ma­schüt­ze­rIn­nen eben kei­ne ent­ge­gen­ge­setz­ten Inter­es­sen. Im Gegen­teil ihre Kämp­fe kön­nen sich wun­der­bar ergän­zen. Was wür­de einen Braun­koh­le Tag­bau denn effek­ti­ver still­le­gen als ein woch­en­lan­ger Streik der Berg­ar­bei­te­rIn­nen mit Unter­stüt­zung der Kli­ma­be­we­gung?

Das Pro­blem ist: Die Ent­schei­dung, was und wie pro­du­ziert wird, liegt im Kapi­ta­lis­mus nicht bei den arbei­ten­den Men­schen. Sie wird von den Kapi­ta­lis­ten getrof­fen. Das Kom­man­do geben die­je­ni­gen, denen ihr Bank­kon­to es erlaubt, sich den Aus­wir­kun­gen der Kli­ma­kri­se so lang wie mög­lich zu ent­zie­hen, indem sie einen Fünft­wohn­sitz an einem schat­ti­gen Plätz­chen fern von Dür­ren und Wet­ter­ka­ta­stro­phen anmel­den.

Als letz­tes Jahr mehr als 5000 Ama­zon-Ange­stell­te auf der Aktio­närs­ver­samm­lung ihres Kon­zerns die For­de­rung erho­ben haben, kli­ma­freund­li­cher arbei­ten zu wol­len, wur­de ihr Antrag abge­lehnt – er stand dem Pro­fit­in­ter­es­se ent­ge­gen. Während die Kon­zer­ne Uni­per und For­t­um aktu­ell mit Datteln4 ein neu­es Koh­le­kraft­werk ans Netz brin­gen durf­ten, gehen CDU und CSU gegen die Solar­ener­gie, und damit gegen 100.000 Arbeits­plät­ze vor. Für den Braun­koh­le­berg­bau wer­den nicht nur Arbei­te­rIn­nen aus­ge­beu­tet. Allein in Deutsch­land wur­den in den letz­ten Jahr­zehn­ten über 50 Dör­fer platt gemacht und 100.000 Men­schen ent­eig­net und zwangs­um­ge­sie­delt um Platz für den Braun­koh­le­tag­bau zu schaf­fen. Es sind Ent­eig­nun­gen für den Pro­fit und gegen die Mensch­heit. Wir müs­sen uns das, was sie uns genom­men haben, zurück­ho­len – und mehr.

Wenn wir die Kli­ma­kri­se auf­hal­ten wol­len, dann müs­sen wir ver­ste­hen, dass sie in den Wur­zeln des Kapi­ta­lis­mus selbst steckt. Der kapi­ta­lis­ti­sche Wett­be­werb zwi­schen den Kon­zer­nen und der dar­aus fol­gen­de Zwang immer mehr und immer bil­li­ger zu pro­du­zie­ren las­sen sich ein­fach nicht mit einer Welt mit begrenz­ten Roh­stof­fen kom­bi­nie­ren. Appel­le an die Ver­nunft der Kapi­ta­lis­ten doch end­lich ein­zu­se­hen, dass ihre Art zu pro­du­zie­ren unse­rem Kli­ma und letz­ten Endes uns allen scha­det sind da genau­so wir­kungs­los wie die die Hoff­nung, dass die bür­ger­li­che Poli­tik end­lich mal ein­greift und etwas wirk­lich sinn­vol­les für den Kli­ma­schutz tut. Durch die stän­di­ge Kon­kur­renz ist der ein­zel­ne Kapi­ta­list qua­si dazu gezwun­gen mög­lichst bil­lig und viel – und das geht eben zu Las­ten von Mensch, Kli­ma und Natur – zu pro­du­zie­ren um sei­nen Kon­kur­ren­ten zuvor­zu­kom­men. Soll­te er von einem plötz­li­chen Sin­nens­wan­del ergrif­fen wer­den und sei­ne Pro­duk­ti­on wirk­lich öko­lo­gisch umstel­len, geht er im Wett­be­werb unter.

Machen wir es bes­ser!

Klar ist, wenn wir den Kli­ma­wan­del auf­hal­ten wol­len, müs­sen wir bewuss­ter pro­du­zie­ren und wir müs­sen weni­ger pro­du­zie­ren. Wir müs­sen auf­hö­ren CO2 für so unnö­ti­ge Din­ge wie Wer­bung oder Luxus­kar­ren als per­sön­li­ches Sta­tus­sym­bol in die Luft zu schleu­dern. Und, wir müs­sen end­lich anfan­gen gemein­sam und demo­kra­tisch zu ent­schei­den, was wir unter wel­chen Bedin­gun­gen und in wel­chen Men­gen pro­du­zie­ren. Wen wir ent­schei­den wie pro­du­ziert wird kön­nen wir Pro­duk­te her­stel­len, die nicht nach weni­gen Mona­ten oder Jah­ren kaputt gehen damit sie neu gekauft wer­den müs­sen. Die­se Ent­schei­dun­gen dür­fen nicht vom kapi­ta­lis­ti­schen Wett­be­werb und dem Stre­ben nach immer grö­ße­ren Pro­fi­ten und immer mehr Wachs­tum geprägt sein. Wir müs­sen plan­voll so pro­du­zie­ren, dass wir unse­rem Kli­ma und unse­re Umwelt am wenigs­ten scha­den und doch alle Men­schen ver­sor­gen kön­nen. Wir müs­sen also die Kapi­ta­lis­ten ent­eig­nen und selbst die Ent­schei­dungs­ge­walt über die Pro­duk­ti­on der gro­ßen Betrie­be über­neh­men.

Unser Kampf um Kli­ma und Umwelt und letz­ten Endes um unse­re Zukunft steht dabei in einer lan­gen Tra­di­ti­on. Die Anti AKW Bewe­gung hat mit ihrem Mas­sen­cha­rak­ter und ihrer Mili­tanz ein gan­zes Jahr­zehnt geprägt und bewie­sen, dass durch­aus Teil­erfol­ge errun­gen wer­den kön­nen. Ende Gelän­de hat in den letz­ten Jah­ren gezeigt, dass auch heu­te noch mas­sen­haf­te Grenz­über­schrei­tun­gen mög­lich und effek­tiv sind. Die neue Dyna­mik und ins­be­son­de­re die welt­wei­te Ver­net­zung der Fri­days For Future – Bewe­gung machen Mut für die Zukunft. Es wird immer deut­li­cher, dass der Kapi­ta­lis­mus in der aktu­el­len Kri­se kei­ne Ant­wor­ten mehr geben kann. Jetzt gilt es die Kämp­fe der Kli­ma­be­we­gung als Teil einer umfas­sen­den Gegen­be­we­gung von Unten zu begrei­fen. Es reicht nicht mehr aus bei den For­de­run­gen nach blo­ßen Ver­bes­se­run­gen des Bestehen­den zu blei­ben – sie wer­den doch sowie­so bis in die Unkennt­lich­keit ver­wäs­sert oder gar nicht erst umge­setzt. Es kommt dar­auf an das gan­ze Sys­tem, den Kapi­ta­lis­mus, auf den Müll­hau­fen der Geschich­te zu wer­fen.

Am 26. und 27. Sep­tem­ber wer­den wir uns an den Ende-Gelän­de Pro­tes­ten gegen den Koh­le­kon­zern im Rhein­land betei­li­gen. Der gemein­sa­me Kampf am Ort des Gesche­hens ist ein Ansatz­punkt Wider­stand zu ent­wi­ckeln, der im kla­ren Gegen­satz zu den Inter­es­sen der Kon­zer­ne steht und sich nicht von den staat­li­chen Repres­si­ons­or­ga­nen unter Kon­trol­le brin­gen lässt. Ganz kon­kret kön­nen wir dort zei­gen, dass wir den Schutz des Kapi­tals auf Kos­ten unser aller Zukunft nicht ein­fach hin­neh­men. Zei­gen wir RWE und co., dass sie sich mit den fal­schen ange­legt haben. Denn wir sind die Mehr­heit!

Für den Kom­mu­nis­mus!

Read More