[labournet:] Friedensabkommen im Sudan – ohne die Auflösung der Milizen? Ohne Kritik am wirtschaftlichen Einfluss der Armee?

Auch nach dem Millionenmarsch am 30.6 wurde im Sudan jeden Tag weiter demonstriert - hier in Port Sudan am 3.7.2019„…Sudans Über­gangs­re­gie­rung und die Revo­lu­tio­nä­re Front – ein Bünd­nis meh­re­rer Rebel­len­grup­pen – haben fei­er­lich ein Frie­dens­ab­kom­men unter­zeich­net. An der Zere­mo­nie in Juba, der Haupt­stadt des Nach­bar­lan­des Süd­su­dan, nah­men Spit­zen­ver­tre­ter der Über­gangs­re­gie­rung teil sowie Rebel­len aus der west­su­da­ne­si­schen Regi­on Dar­fur und den süd­li­chen Bun­des­staa­ten Süd-Kordo­fan und Blau­er Nil. Der Süd­su­dan hat­te immer wie­der zwi­schen den Kon­flikt­par­tei­en ver­mit­telt. Die Eini­gung regelt unter ande­rem die Auf­tei­lung der Macht, die Rück­kehr von Geflüch­te­ten, den juris­ti­schen Umgang mit Ver­ge­hen wäh­rend des Bür­ger­kriegs und das The­ma Land­be­sitz. Zudem sol­len Rebel­len­grup­pen auf­ge­löst und deren Kämp­fer in die natio­na­len Streit­kräf­te inte­griert wer­den. Eini­ge bewaff­ne­te Grup­pen boy­kot­tie­ren das Abkom­men aller­dings. In Dar­fur war 2003 ein Bür­ger­krieg aus­ge­bro­chen. Er begann mit Auf­stän­den von Min­der­hei­ten, die sich von der Regie­rung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Omar al-Baschir unter­drückt fühl­ten. Nach UN-Anga­ben wur­den in dem Kon­flikt etwa 300.000 Men­schen getö­tet, mehr als andert­halb Mil­lio­nen sind noch immer auf der Flucht...“ – aus der Mel­dung „Frie­dens­ab­kom­men für Sudan unter­zeich­net“ am 31. August 2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link über das Abkom­men zu Dar­fur, ohne groß dar­auf ein­zu­ge­hen, wer nicht unter­zeich­net hat – und wie es mit der For­de­rung nach Auf­lö­sung der Mili­zen aus­sieht… In eini­gen wei­te­ren aktu­el­len Bei­trä­gen: Wer nicht unter­zeich­net hat wegen des Fort­be­stan­des der Mord-Mili­zen, wie die Ver­ein­ba­run­gen genau aus­se­hen, wie wei­ter­hin für Ver­än­de­run­gen mobi­li­siert wird und dabei die Kri­tik an der wirt­schaft­li­chen Rol­le des Mili­tärs zuneh­mend ins Zen­trum rückt (das mit Dro­hun­gen dar­auf reagiert), hin­zu der Hin­weis auf unse­ren bis­her letz­ten Bei­trag zu aktu­el­len Ent­wick­lung im Sudan

„Kriegs­en­de fast in Sicht“ von Ilo­na Evele­ens am 31. August 2020 in der taz externer Link zu den „Nicht-Unter­zeich­nen­den“ unter ande­rem: „…Das „Juba Peace Agree­ment“ umfasst Ver­ein­ba­run­gen über Sicher­heit, Land­ei­gen­tum, Jus­tiz, Macht­ver­tei­lung und die Rück­kehr von Ver­trie­be­nen. Rebel­len sol­len in Sudans Armee auf­ge­nom­men wer­den. Sudans Pre­mier­mi­nis­ter Abdal­la Ham­dok gab in Juba bei der Unter­zeich­nungs­ze­re­mo­nie zu, dass das Abkom­men län­ger auf sich war­ten ließ als anfangs gedacht. „Wir rea­li­sier­ten, wie kom­plex die gan­ze Sache ist“, sag­te er. Das Abkom­men von Juba ist zwar ein wich­ti­ger Schritt, um die ver­schie­de­nen tief ver­wur­zel­ten Kon­flik­te Sudans zu been­den, aber nicht alle Rebel­len­grup­pen machen mit. Der von Abdul­wa­hid al-Nur geführ­te Flü­gel der größ­ten Dar­fur-Rebel­len­be­we­gung SLA (Suda­ne­si­sche Befrei­ungs­ar­mee) will sich erst betei­li­gen, wenn die Regie­rung die ara­bi­schen Jan­ja­weed-Mili­zen in Dar­fur ent­waff­net hat. (…) Der Teil der SPLM-Nord, der wegen Hamet­ti das Abkom­men boy­kot­tiert, wird von Abdu­la­ziz al-Hil­lu gelei­tet, einer der erfolg­reichs­ten Rebel­len­kom­man­dan­ten in den Nuba-Ber­gen und in Blue Nile. Die zwei Gebie­te wider­setz­ten sich immer dem Bas­hir-Regime und kämpf­ten für eine säku­la­re, nicht isla­mis­ti­sche Repu­blik. Hil­lu zog sich zurück aus den Ver­hand­lun­gen, weil RSF-Trup­pen, wie er sag­te, „noch immer unbe­waff­ne­te Bür­ger in ver­schie­de­nen Tei­len Sudans angrei­fen“. So ist die Fra­ge, ob die­ses Frie­dens­ab­kom­men Sudan wirk­lich Frie­den brin­gen kann. Dass der gefürch­te­te Hamet­ti der Zere­mo­nie in sei­ner Armee­uni­form bei­wohn­te, war ein deut­li­ches Zei­chen...“

„Sudan peace talks: 7 pro­to­cols signed in Juba“ am 30. August 2020 bei Radio Daban­ga externer Link mel­det die Unter­zeich­nung der sie­ben Abkom­men und stellt sie im Ein­zel­nen vor.

„Nomads in West Dar­fur demand peace, jus­ti­ce and public ser­vices“ am 31. August 2020 bei Radio Daban­ga externer Link berich­tet (nicht nur) aus West Dar­fur über Demons­tra­tio­nen und Zusam­men­schlüs­se, die für die (ver­schie­de­nen) Regio­nen Kon­fe­ren­zen for­dern, an denen alle sozia­len Kräf­te betei­ligt sein sol­len, um die wei­te­re Ent­wick­lung zu gestal­ten – was man nicht den tra­di­tio­nel­len Behör­den über­las­sen will.

„Resis­tance Com­mit­tees: ‘El Bur­han speech a thre­at to Suda­ne­se revo­lu­ti­on’“ am 26. August 2020 bei Radio Daban­ga externer Link mel­det die mas­si­ve Kri­tik der (nach­bar­schaft­li­chen, koor­di­nier­ten) Wider­stand­ko­mi­tees an einer Rede des Obers­ten Mili­tärs, in der jener jede Kri­tik an der Armee zurück gewie­sen hat­te – ins­be­son­de­re, was die Rol­le der rund 200 Unter­neh­men, die von der suda­ne­si­schen Armee kon­trol­liert wer­den betrifft, die sie in der gegen­wär­ti­gen Wirt­schafts­kri­se spie­len.

„As pro­tests inten­si­fy, Sudan’s PM and Pre­si­dent spar over civi­li­an take­over of eco­no­my“ am 28. August 2020 bei Peo­p­les Dis­patch externer Link mel­det eine Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zivi­ler und mili­tä­ri­scher Füh­rung im Ange­sicht wach­sen­der sozia­ler Pro­tes­te im gan­zen Land, die immer auch eine „zivi­le Über­nah­me“ der Wirt­schaft for­dern.

„Eco­no­mist: ‘Sudan govt eco­no­mic pro­gram­me threa­tens demo­cra­cy’“ am 27. August 2020 bei Radio Daban­ga externer Link berich­tet von einer Pres­se­kon­fe­renz der KP Sudan, bei der die aktu­el­le Wirt­schafts­po­li­tik der Über­gangs­re­gie­rung mas­siv kri­ti­siert wur­de. „Isla­mis­ti­sche Para­si­ten“ wür­den die Wirt­schaft Sudans nach wie vor beherr­schen, das müs­se rasch been­det wer­den, um einen wesent­li­chen Schritt bei der Lösung aktu­el­ler sozia­ler Pro­ble­me tun zu kön­nen, so ein Öko­nom wäh­rend der PK.

Der Bei­trag Frie­dens­ab­kom­men im Sudan – ohne die Auf­lö­sung der Mili­zen? Ohne Kri­tik am wirt­schaft­li­chen Ein­fluss der Armee? erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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