[perspektive:] Fast die Hälfte der BerlinerInnen sieht rassistische Tendenzen bei der Polizei

Nach einer repräsentativen Umfrage schneidet die Berliner Polizei schlecht ab. Die Berlinerinnen und Berliner sehen große Versäumnisse und attestieren den BeamtInnen ein Rassismusproblem.

Laut einer Umfra­ge der Tages­zei­tung Neu­es Deutsch­land, die sie beim Umfra­ge­insti­tut IFM Ber­lin in Auf­trag gege­ben hat, sehen die Ber­li­ner Befrag­ten eine Ten­denz zu ras­sis­ti­schen Hand­lun­gen bei der Poli­zei als gege­ben an. An der reprä­sen­ta­ti­ven Stu­die haben ins­ge­samt 1.042 Men­schen teil­ge­nom­men, die online oder per Tele­fon befragt wur­den.

Ras­sis­ti­sche Poli­zei­ge­walt gehört danach für einen Groß­teil der Bevöl­ke­rung zum All­tag. Beson­ders betrof­fen sind Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund oder die­je­ni­gen, die als sol­che betrach­tet wer­den, Schwar­ze Men­schen und wei­te­re Peop­le of Color. Auf die­sen Umstand haben in den letz­ten Mona­ten in der gan­zen Repu­blik eine Viel­zahl an Demons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen auf­merk­sam gemacht.

We Can’t Brea­the: Zehn­tau­sen­de bei Demos gegen Ras­sis­mus und Poli­zei­ge­walt

Zu die­sem Ergeb­nis kommt erschwe­rend hin­zu, dass eine mög­li­che offi­zi­el­le Stu­die zu die­sem The­ma vom Innen­mi­nis­te­ri­um nicht mehr vor­ge­se­hen wird. Grund der Absa­ge: Da Racial Pro­filing in Deutsch­land ver­bo­ten sei, kön­ne dies in der poli­zei­li­chen Pra­xis auch nicht vor­kom­men. Die glei­che Argu­men­ta­ti­on ver­folg­te auch der Innen­mi­nis­ter von Nord­rhein-West­fa­len, Her­bert Reul (CDU).

Umfrageergebnisse

In der Umfra­ge der ND wur­den die Men­schen zu ihrer Mei­nung befragt, ob es in der Ber­li­ner Poli­zei Ten­den­zen zu Ras­sis­mus gäbe. Nur knapp vier­zig Pro­zent stimm­ten der Aus­sa­ge gar nicht zu, wohin­ge­gen die Mehr­heit in Abstu­fun­gen ras­sis­ti­sche Ten­den­zen erken­nen kann.

Bei den Befrag­ten einer jün­ge­ren Genera­ti­on steigt die Zustim­mung auf über 24 Pro­zent („sehr stark“ und „eher stark“). Je älter die Befrag­ten sind, umso stär­ker nimmt die­ser Ein­druck ab.

Die Ber­li­ner Poli­zei hin­ge­gen sagt von sich selbst, dass die Haut­far­be oder die Her­kunft kein Grund dafür sei­en, eine poli­zei­li­che Kon­trol­le durch­zu­füh­ren. Bei dem zen­tra­len Beschwer­de-Manage­ment der Ber­li­ner Poli­zei wür­den unter dem Beschwer­de­grund „Dis­kri­mi­nie­rung aus ras­sis­ti­schen oder frem­den­feind­li­chen Grün­den“ 61 Fäl­le gelis­tet. 61 Fäl­le nicht pro Tag, son­dern im Zeit­raum von 2016 bis Anfang 2020. Die Dun­kel­zif­fer liegt – folgt man der Stu­die – wohl um ein Viel­fa­ches höher.

Der Bei­trag Fast die Hälf­te der Ber­li­ne­rIn­nen sieht ras­sis­ti­sche Ten­den­zen bei der Poli­zei erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

Read More