[perspektive:] Finanzminister Scholz (SPD) tiefer in den Cum-Ex-Skandal verstrickt als bisher bekannt

Nach Recherchen verschiedener Medien ist Finanzminister Scholz (SPD) tiefer in den Cum-Ex-Skandal verstrickt als bisher bekannt. Im Jahr 2016 und 2017 hat er sich mehrmals mit Christian Olearius Chef der Hamburger Warburg Bank getroffen. Der Verdacht der Einflussnahme steht im Raum.

Der Cum-Ex-Skan­dal ist der größ­te Steu­er­hin­ter­zugs-Skan­dal in der bun­des­deut­schen Geschich­te. Schät­zun­gen zufol­ge haben dabei Inves­to­ren ganz bewusst bis zu 10 Mil­li­ar­den Euro Steu­er­geld wider­recht­lich aus der Staats­kas­se bekom­men.

Mitt­ler­wei­le ist durch eine Geset­zes­än­de­rung der Bun­des­re­gie­rung ohne­hin der Zugang zu einem Groß­teil des hin­ter­zo­ge­nen Steu­er­gel­des ver­sperrt. So hat der Staat sich selbst das Recht genom­men, gestoh­le­nes Steu­er­geld zurück zuho­len, das auf Straf­ta­ten zurück­geht, die zum 1. Juli 2020 ver­jährt war­ten

Cum-Ex: Bun­des­re­gie­rung ermög­licht Steu­er­räu­bern, ihre Beu­te zu behal­ten – und lässt zu, dass der Raub wei­ter geht

Doch Olaf Scholz hat mög­li­cher­wei­se nicht erst in der Bun­des­re­gie­rung für die Steu­er­sün­der Par­tei ergrif­fen. Auch in Ham­burg, der Stadt, in der der heu­ti­ge Finanz­mi­nis­ter vie­le Jah­re Ober­bür­ger­meis­ter war, betei­lig­ten sich Unter­neh­men an die­sem Vor­ge­hen. Ein expo­nier­tes Bei­spiel ist die War­burg Bank, geführt von Chris­ti­an Ole­a­ri­us.

In den Ham­bur­ger Finanz­be­hör­den war schon bevor der Skan­dal 2018 rich­tig groß in die Medi­en kam bekannt, dass die Ver­wal­tung unrecht­mä­ßig zurück­er­stat­te­tes Steu­er­geld von der War­burg Bank for­dern könn­te. 2016 47 Mil­lio­nen Euro und 2017 43 Mil­lio­nen Euro.

Die Tage­buch­ein­trä­ge von Bän­ker Ole­a­ri­us, die unter ande­rem von der Süd­deut­schen Zei­tung und dem Fern­seh­for­mat Pan­ora­ma aus­ge­wer­tet wur­den zei­gen auf, dass die­ser sich früh an Johan­nes Kars (SPD) und Alfons Pawel­c­zyk (SPD) wand­te und um Unter­stüt­zung bat.

Johan­nes Kars, damals Mit­glied im Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­tag, soll­te sei­nen Ein­fluss unter ande­rem nut­zen, um eine Vor­la­dung von Ole­a­ri­us vor den Unter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­ta­ges zu Cum-Ex aus­zu­set­zen bezie­hungs­wei­se hin­aus zu zögern.

Pawel­c­zyk nut­ze sei­ne Kon­tak­te, um meh­re­re Tref­fen mit Ober­bür­ger­meis­ter Scholz für Ole­a­ri­us zu ver­ein­ba­ren. Wie nun bekannt wird, fan­den davon – anders als bis­her von Scholz ange­ge­ben – auch bereits drei im Jahr 2016 statt.

Die Tage­buch­ein­trä­ge des Bän­kers zei­gen nicht auf, dass Scholz direkt Par­tei für die Bank ergreift, aber eben auch nicht, dass die Cum-Ex Geschäf­te von ihm gerügt wür­den, wie er es öffent­lich immer wie­der getan hat.

Jeden­falls fin­den meh­re­re die­ser Tref­fen statt, wäh­rend gegen Ole­a­ri­us und sei­ne Bank wegen des Ver­dachts auf schwe­re Steu­er­hin­ter­zie­hung ermit­telt wird. Bei einem Tref­fen im Okto­ber 2016 bringt der Bän­ker ein Argu­men­ta­ti­ons­pa­pier mit, in dem die Bank dar­legt, war­um sie meint, unschul­dig zu sein, er gibt es Scholz vor­ab zu lesen. Am 9. Novem­ber wird er von Scholz ange­ru­fen und erhält den Hin­weis, er sol­le das Papier ohne wei­te­ren Kom­men­tar an den Finanz­se­na­tor von Ham­burg Peter Tschent­scher, den heu­ti­gen Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt, wei­ter­lei­ten.

Weni­ge Tage spä­ter am 17. Novem­ber ent­schei­det das Ham­bur­ger Finanz­mi­nis­te­ri­um 2016 die 47 Mil­lio­nen nicht von der War­burg Bank zu for­dern. Erst im Jahr 2017 und auf mas­si­ven Druck aus dem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hin for­dert Ham­burg die für die­ses Jahr fäl­li­gen 43 Mil­lio­nen Euro zurück.

Nach den Auf­zeich­nung in Ole­a­ri­us Tage­buch noch immer wider­wil­lig. Die Beam­tin der Finanz­ver­wal­tung, die zuvor für den Fall zustän­dig war, rät der Bank indi­rekt vor Gericht gegen den Ent­schluss zu zie­hen.

Der Bei­trag Finanz­mi­nis­ter Scholz (SPD) tie­fer in den Cum-Ex-Skan­dal ver­strickt als bis­her bekannt erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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