[KgK:] Die Schwarze Frage und die Revolution in Brasilien

Wäh­rend wir die­se Zei­len schrei­ben, hat Latein­ame­ri­ka den glei­chen Weg ein­ge­schla­gen, der Frank­reich, den Sudan, Alge­ri­en, Kata­lo­ni­en, Ecua­dor und Chi­le erschüt­tert hat. Die Win­de des Klas­sen­kamp­fes, die im Ara­bi­schen Früh­ling zum ers­ten Mal seit Jah­ren weh­ten, haben sich über Euro­pa aus­ge­brei­tet und unse­ren Kon­ti­nent erreicht. Die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­kri­se, die 2008 begann, hat ver­schie­de­ne Aus­drü­cke der orga­ni­schen Kri­se her­vor­ge­bracht, dar­un­ter auch ver­schie­de­ne Ebe­nen der sozia­len und poli­ti­schen Pola­ri­sie­rung.

Die Aus­rei­zung des wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Pro­jekts der neo­li­be­ra­len Hege­mo­nie hat den Weg für rechts­ex­tre­me popu­lis­ti­sche Regie­run­gen geeb­net, aber auch zu ideo­lo­gi­schen Aus­drucks­for­men pro­gres­si­ver und lin­ker Kri­tik an die­ser deka­den­ten Gesell­schafts­ord­nung geführt, die von Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung auf­recht­erhal­ten wird. Das Wie­der­auf­le­ben des Klas­sen­kamp­fes ver­langt eine Wie­der­be­waff­nung – theo­re­tisch, poli­tisch und stra­te­gisch -, um eine tief­grei­fen­de Ver­än­de­rung der Gesell­schaft zu ermög­li­chen. Dies ist eine Zeit für Revolutionär*innen.

In der aktu­el­len Situa­ti­on gehö­ren Schwar­ze, wie auch Immigrant*innen, zu denen, die die schreck­li­chen Aus­wir­kun­gen des Kapi­ta­lis­mus am stärks­ten zu spü­ren bekom­men, und wie im Lau­fe der Geschich­te neh­men sie die pro­mi­nen­tes­ten Posi­tio­nen im Klas­sen­kampf ein. Elf Jah­re nach Beginn der kapi­ta­lis­ti­schen Kri­se ist der so genann­te „Glo­ba­li­sie­rungs­kon­sens“ einem Wie­der­auf­le­ben natio­na­lis­ti­scher und xeno­pho­bi­scher, gegen Immigrant*innen gerich­te­ter und ras­sis­ti­scher Dis­kur­se gewi­chen. Die­se Dis­kur­se wer­den welt­weit von Per­sön­lich­kei­ten wie Trump in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Sal­vi­ni in Ita­li­en und Bol­so­na­ro in Bra­si­li­en ver­brei­tet. Die Aus­wir­kun­gen der kapi­ta­lis­ti­schen Kri­se mate­ria­li­sie­ren sich in schreck­li­chen Sze­nen von Immigrant*innen, die bei dem Ver­such ster­ben, das Mit­tel­meer oder die Gren­ze zwi­schen Mexi­ko und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu über­que­ren, und in der Errich­tung von Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern,[1] in die sie bei ihrer Ankunft in Euro­pa geschickt wer­den.

Im Her­zen des Impe­ria­lis­mus ermor­det die Poli­zei wei­ter­hin sys­te­ma­tisch Schwar­ze Jugend­li­che, dar­un­ter Mike Brown, Eric Gar­ner, Phi­l­an­do Cas­ti­le und vie­le ande­re. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind Tau­sen­de von Schwar­zen mit den Sprech­chö­ren „Black Lives Mat­ter!“ auf die Stra­ße gegan­gen. Ihre Stim­men haben in den Köp­fen und See­len der unter­drück­ten Men­schen auf der gan­zen Welt Wider­hall gefun­den. Unter der andau­ern­den Apart­heid in Süd­afri­ka wur­de das Sym­bol der bri­ti­schen impe­ria­lis­ti­schen Unter­drü­ckung in einer der wich­tigs­ten Stu­die­ren­den­mo­bi­li­sie­run­gen des Jahr­zehnts fron­tal her­aus­ge­for­dert. „Rho­des muss fal­len!“ und dann „Gebüh­ren müs­sen fal­len!“ waren die Paro­len einer Bewe­gung, die ihre For­de­run­gen radi­ka­li­sier­te, indem sie die eigent­li­chen Sym­bo­le des Impe­ria­lis­mus (dar­ge­stellt in der Sta­tue des eng­li­schen Kolo­nia­lis­ten Cecil Rho­des) in Fra­ge stell­te und die Uni­ver­si­tät Kap­stadt erfolg­reich dazu zwang, den aus­ge­la­ger­ten Arbeiter*innen regu­lä­re Arbeits­ver­trä­ge zu geben. In Marika­na, eben­falls in Süd­afri­ka, tra­ten Hun­der­te von Bergarbeiter*innen dem Pro­fit­stre­ben des bri­ti­schen Berg­bau­un­ter­neh­mens Lon­min ent­ge­gen und kämpf­ten in mona­te­lan­gen Pro­tes­ten und mit Dut­zen­den von Toten und Ver­letz­ten hel­den­haft für ihre For­de­run­gen. Die Sicher­heits­kräf­te reagier­ten in bei­den Fäl­len mit Mas­sa­kern und erin­ner­ten alle dar­an, dass Shar­per­vil­le in der Ver­gan­gen­heit nicht so weit ent­fernt ist.[2] Wie C.L.R. James in sei­nem schö­nen Text „Impe­ria­lis­mus in Afri­ka“, der in den frü­hen Jah­ren des Zwei­ten Welt­kriegs geschrie­ben wur­de, deut­lich macht, ste­hen die Inter­es­sen der afri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung denen des Impe­ria­lis­mus dia­me­tral ent­ge­gen.[3]

Die Hin­rich­tung der Schwar­zen Stadt­rä­tin Mari­el­le Fran­co in Bra­si­li­en ist nach wie vor eine offe­ne Wun­de des insti­tu­tio­nel­len Put­sches. Die Ermor­dung des Capoei­ra-Meis­ters Moa do Katen­dê sym­bo­li­sier­te die Ent­ste­hung einer ras­sis­ti­schen extre­men Rech­ten und war eine Fol­ge des insti­tu­tio­nel­len Put­sches gegen Dil­ma Rouss­eff. Die staat­li­che Repres­si­on, die das Leben jun­ger Schwar­zer Frau­en wie Aga­tha Felix, die erst 8 Jah­re alt war,[4] sowie die erschre­cken­den Arbeits­lo­sen­ra­ten und die pre­kä­re Arbeits­si­tua­ti­on, von der vor allem Schwar­ze Jugend­li­che in Bra­si­li­en betrof­fen sind, sind sinn­bild­lich dafür, wie sich der Anstieg des Ras­sis­mus im täg­li­chen Leben vor dem Hin­ter­grund einer Wirt­schafts­kri­se mate­ria­li­siert.

Die­je­ni­gen, die ihre Augen offen und ihre Sin­ne auch nur ein wenig wach­sam hal­ten, erken­nen, dass unse­re kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaft nicht imstan­de ist, die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für ein Leben in Wür­de für die gro­ße Mehr­heit der Bevöl­ke­rung zu garan­tie­ren. Das Wie­der­auf­le­ben des Sozia­lis­mus als Refe­renz für eine neue Gesell­schaft ist eine der größ­ten Äuße­run­gen der Unzu­frie­den­heit mit dem Kapi­ta­lis­mus, sowohl mit der kapi­ta­lis­ti­schen Gegen­wart als auch mit dem, was das Sys­tem für die Zukunft ver­spricht. Das Auf­kom­men neu­er Klas­sen­kämp­fe auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ebnet auch den Weg, Ras­sis­mus, Xeno­pho­bie und Patri­ar­chat mit neu­er Kraft zu begeg­nen, ins­be­son­de­re unter der Jugend. In der Gesell­schaft – oft außer­halb der tra­di­tio­nel­len Gewerk­schaf­ten und Par­tei­en der kapi­ta­lis­ti­schen Demo­kra­tie – gewinnt dies an Bedeu­tung.

Seit sei­ner Ent­ste­hung vor ein paar hun­dert Jah­ren hat die Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus das Ver­hält­nis des Men­schen zur Natur in bei­spiel­lo­ser Wei­se ver­än­dert – er hat Schöp­fung und Zer­stö­rung mit­ein­an­der ver­bun­den, sozia­len Klas­sen Gestalt ver­lie­hen und sie auf dem Schlacht­feld der Geschich­te von­ein­an­der abge­grenzt.

Eine Form, in der der Kapi­ta­lis­mus sei­ne Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se erwei­ter­te, war die gewalt­sa­me Zer­stö­rung von Gesell­schaf­ten auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent. Schwar­ze Män­ner und Frau­en über den unbe­kann­ten Hori­zont zu ent­füh­ren und sie in Waren zu ver­wan­deln, wur­de durch ein Maß an Gewalt und Unter­drü­ckung ermög­licht, das selbst die unge­heu­re Zahl der Betrof­fe­nen nicht zu ver­mit­teln ver­mag. Die kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräf­te ebne­te den Weg für die Kom­bi­na­ti­on fort­schritt­li­cher Tech­no­lo­gien mit den bru­tals­ten For­men der Beherr­schung durch eini­ge Men­schen über ande­re. Einer der Arti­kel in die­sem Buch, „When Anti-Negro Pre­ju­di­ce Began”, befasst sich mit die­sem The­ma und ver­bin­det, aus­ge­hend von frü­he­ren Bei­trä­gen, die Ent­ste­hung des Ras­sis­mus mit den ers­ten Schrit­ten des Kapi­ta­lis­mus.

Der Ras­sis­mus stand im Zen­trum und im Dienst der uner­müd­li­chen Suche der ent­ste­hen­den Bour­geoi­sie nach poli­ti­scher Macht, die ihrer wach­sen­den wirt­schaft­li­chen Rol­le im Ver­hält­nis zum Adel ent­sprach. Dies ist eine der Schluss­fol­ge­run­gen von „Revo­lu­ti­on and the Negro” von C.L.R. James, dem Eröff­nungs­ar­ti­kel, der die­sem Buch sei­nen Namen gibt. Der /​die Leser*in wird noch wei­te­re fin­den, aber wir brin­gen eine, die uns wesent­lich erscheint, vor­an: Die Schwar­zen wer­den beim Auf­bau des Sozia­lis­mus eine ent­schei­den­de Rol­le spie­len, mehr noch als ihr monu­men­ta­ler Ein­fluss auf den Ver­lauf der kapi­ta­lis­ti­schen Ent­wick­lung.

Die Buch­prä­sen­ta­ti­on am 25. Novem­ber letz­ten Jah­res in São Pau­lo.

Mit­ten in der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, die 1789 begann, der größ­ten bür­ger­li­chen Revo­lu­ti­on der Geschich­te, erlang­ten die Schwar­zen von Saint-Dom­in­gue [His­pa­nio­la] ihre Frei­heit, indem sie sich von den poli­ti­schen Fes­seln der fran­zö­si­schen Kolonisator*innen befrei­ten. In einer Zeit tief­grei­fen­der Trans­for­ma­tio­nen lie­fer­ten die Sklav*innen der Insel eines der größ­ten Bei­spie­le für den Frei­heits­kampf, den die Mensch­heit je gekannt hat, indem sie die Skla­ve­rei abschaff­ten und ihre poli­ti­sche Frei­heit sicher­ten. Bevor sich irgend­ei­ne ande­re regio­na­le Eli­te von den unmit­tel­ba­ren Inter­es­sen ihrer kolo­ni­sie­ren­den Macht tren­nen konn­te, erkann­ten die Sklav*innen unter der Füh­rung von Tous­saint L’Ouverture und Jean-Jac­ques Des­sa­li­nes, dass sie, um ohne die Fes­seln der Skla­ve­rei zu exis­tie­ren, genau das Reich bekämp­fen muss­ten, das „Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit“ schrie, die­se Wor­te aber nicht auf die hai­tia­ni­schen Sklav*innen aus­dehn­te. Und so erleg­ten die auf­stän­di­schen Sklav*innen Napo­le­on und sei­ner Armee, der mäch­tigs­ten Armee Euro­pas, die ers­te Nie­der­la­ge auf. Hai­ti ent­stand als ein Schrei nach Frei­heit im kolo­nia­len Ame­ri­ka.

Die Her­ab­set­zung der Rol­le Schwar­zer Frau­en und Män­ner bei der Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus auf Sklav*innenarbeit ist ein schma­les Unter­fan­gen, das von der herr­schen­den Ideo­lo­gie geför­dert und ver­brei­tet wird, um den Mas­sen der Schwar­zen einen unter­ge­ord­ne­ten Platz in der Mensch­heits­ge­schich­te zu ver­schaf­fen. Waren unter so vie­len Bei­spie­len nicht die Aus­wir­kun­gen des Auf­stands in Hai­ti, inmit­ten des Hege­mo­nie­kamp­fes der atlan­ti­schen Kolo­ni­al­mäch­te, enorm? Ver­brei­te­te die Nach­richt von einem von Schwar­zen regier­ten Land nicht Panik unter allen kolo­nia­len Eli­ten?

Die Arti­kel in die­sem Buch wur­den von Revo­lu­tio­nä­ren ver­fasst, die von den Leh­ren der auf­stän­di­schen Sklav*innen beein­flusst waren. Mit den Wor­ten von C.L.R. James:

„Vor der Revo­lu­ti­on erschie­nen sie unter­mensch­lich. So man­cher Skla­ve muss­te erst aus­ge­peitscht wer­den, bevor man ihn dazu brin­gen konn­te, sich von sei­nem Platz zu bewe­gen. Die Revo­lu­ti­on mach­te sie zu Hel­den.“

Die Erb*innen von Tous­saint und Des­sa­li­nes, Zum­bi und Dan­dara, Har­riet Tubman[5] und all die anony­men Pionier*innen der Frei­heit gehö­ren zu denen, die für den Sturz der Bour­geoi­sie kämp­fen, die­ser Klas­se, die die Plan­ta­ge, die Peit­sche, den Lib­am­bo,[6] die Fol­ter, die Ver­ge­wal­ti­gung und die „Black Code” geerbt hat.[7]

Wir nähern uns dem Ende des zwei­ten Jahr­zehnts des 21. Jahr­hun­derts. Seit mehr als 100 Jah­ren leben wir in einer Zeit der Kri­sen, Krie­ge und Revo­lu­tio­nen. Die For­de­run­gen des Impe­ria­lis­mus haben zu Grau­sam­kei­ten geführt, die den Schwar­zen in jedem Win­kel der Welt zuge­fügt wur­den. Inmit­ten der Bar­ba­rei des Ers­ten Welt­kriegs mach­ten die Arbeiter*innenklasse und ihre Ver­bün­de­ten die größ­te befrei­en­de Erfah­rung der Geschich­te, als sie 1917 in Russ­land die Macht ergrif­fen – bereit, die größ­ten Opfer zu brin­gen, um einen Ein­druck davon zu bekom­men, wie es wäre, die Her­ren ihres eige­nen Schick­sals zu sein. Dafür hat­ten sie eine neue Art von Par­tei, revo­lu­tio­när und inter­na­tio­na­lis­tisch, unter der Lei­tung von Marx, Engels, Lenin, Luxem­burg und Trotz­ki.

Das Ver­trau­en in die revo­lu­tio­nä­re Kraft der Arbeiter*innenklasse und der unter­drück­ten Volks­grup­pen ist ein inte­gra­ler Bestand­teil der gesam­ten Geschich­te des Mar­xis­mus. Dazu gehört auch das Ver­ständ­nis, dass die Klas­sen­un­ab­hän­gig­keit eben­so uner­läss­lich ist wie der uner­bitt­li­che Ein­satz von Res­sour­cen und Krea­ti­vi­tät für die Erobe­rung der poli­ti­schen Macht und die Mög­lich­keit, den Sozia­lis­mus auf den Trüm­mern des Kapi­ta­lis­mus auf­zu­bau­en. Hier mei­nen wir die wirk­li­che poli­ti­sche Macht, die auf den Kör­pern der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on der Mas­sen, der ratio­na­len Orga­ni­sa­ti­on der Pro­duk­ti­on und der Wirt­schaft, der Ent­waff­nung der Bour­geoi­sie und der Bewaff­nung der Arbeiter*innen und Armen beruht.

Dies sind eini­ge der Vor­aus­set­zun­gen, wenn wir eine freie­re Gesell­schaft errei­chen wol­len. Wie kann man sich schließ­lich vor­stel­len, dass die Gesell­schaft als Gan­zes oder auch nur ein Land oder eine Regi­on frei ist, wenn die Poli­zei – der bewaff­ne­te Flü­gel der ras­sis­ti­schen Bour­geoi­sie – sys­te­ma­tisch Schwar­ze und ihre Fami­li­en ermor­det, sie ins Gefäng­nis wirft und die Schwar­ze Kul­tur unter­drückt und kri­mi­na­li­siert? Nur ein Staat, der von der Arbeiter*innenklasse und den Armen kon­trol­liert wird, kann garan­tie­ren, dass Schwar­ze frei auf den Stra­ßen gehen kön­nen, ohne Angst haben zu müs­sen, getö­tet zu wer­den. Ohne das Gewicht sys­te­ma­ti­scher Unter­drü­ckung kön­nen die cha­rak­te­ris­tischs­ten Aus­drucks­for­men der Schwar­zen Kul­tur in einer krea­ti­ven, befrei­en­den Explo­si­on ent­ste­hen.

Eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen des Kamp­fes für den Sozia­lis­mus im 21. Jahr­hun­dert besteht dar­in, eine Poli­tik auf­zu­bau­en, die in der Lage ist, auf die For­de­run­gen von Ras­se und Klas­se aus einer revo­lu­tio­nä­ren Per­spek­ti­ve zu reagie­ren. Wer ange­sichts die­ser Her­aus­for­de­rung die Augen vor der per­ma­nen­ten Span­nung inner­halb des revo­lu­tio­nä­ren Mar­xis­mus ver­schließt, begeht einen Feh­ler. Die Tex­te in die­sem Buch sind ein klei­nes Bei­spiel dafür, wie der heroi­sche Kampf des Schwar­zen Vol­kes untrenn­bar mit dem Klas­sen­kampf ver­bun­den ist, und für die wert­vol­le Rol­le des revo­lu­tio­nä­ren Mar­xis­mus für bei­de Kämp­fe. Sie wur­den nach der Schaf­fung des ers­ten Arbeiter*innenstaates der Geschich­te und inmit­ten des Kamp­fes der Lin­ken Oppo­si­ti­on und der Vier­ten Inter­na­tio­na­le, ange­führt von Trotz­ki, gegen den reak­tio­nä­ren Kurs des Sta­li­nis­mus für die größ­te revo­lu­tio­nä­re Erfah­rung des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts geschrie­ben.

Die sys­te­ma­ti­sche Unter­drü­ckung aller Kritiker*innen die­ses Kur­ses war ein grund­le­gen­der Teil der nach­fol­gen­den Bemü­hun­gen der sta­li­nis­ti­schen Büro­kra­tie, sich an der Macht zu hal­ten. Sta­lins Obses­si­on, den größ­ten leben­den Anfüh­rer der Rus­si­schen Revo­lu­ti­on, neben Lenin ein füh­ren­der Name, zu töten, wur­de 1940 mit der Ermor­dung Trotz­kis durch Ramon Mer­ca­der ver­wirk­licht.

Es war in dem leben­di­gen Pro­zess der Suche nach einer revo­lu­tio­nä­ren Ori­en­tie­rung, die den Impe­ria­lis­mus und unse­re Klas­sen­fein­de besie­gen konn­te, in dem Trotz­ki und sei­ne Ver­bün­de­ten auf poli­ti­scher, theo­re­ti­scher und pro­gram­ma­ti­scher Ebe­ne Sta­lin und sei­ne „Theo­rie“ des Sozia­lis­mus in einem Land kon­fron­tier­ten. Die­se theo­re­ti­sche Kon­zep­ti­on und die büro­kra­ti­sche Ori­en­tie­rung, die von der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le unter Sta­lins Füh­rung ange­nom­men wur­de, hat­ten einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf das Schei­tern der inter­na­tio­na­len Aus­wei­tung der Revo­lu­ti­on. Sie ver­lang­te auch einen hohen Preis von den Schwar­zen Mas­sen – einen, der mit Blut bezahlt wur­de. Auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent wür­de die­se Poli­tik für die­se Län­der eine jahr­zehn­te­lan­ge Ver­zö­ge­rung des Unab­hän­gig­keits­pro­zes­ses bedeu­ten. Die sta­li­nis­ti­sche Poli­tik der „stra­te­gi­schen Bünd­nis­se“ mit der natio­na­len Bour­geoi­sie (angeb­lich um einen Kampf gegen den Impe­ria­lis­mus zu ermög­li­chen) wür­de dazu füh­ren, dass die enor­me Ener­gie der afri­ka­ni­schen Mas­sen den engen Gren­zen unter­ge­ord­net wür­de, die ihnen von den Bour­geoi­si­en ihrer eige­nen Län­der auf­er­legt wur­den, und die­se Pro­zes­se dar­an hin­dern, zur Ent­eig­nung des Pri­vat­ei­gen­tums an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln vor­an­zu­schrei­ten, die ein neu­es Kapi­tel frei von impe­ria­lis­ti­scher Herr­schaft über den Kon­ti­nent auf­schla­gen wür­de.

Gera­de weil wir in einer Epo­che von Kri­sen, Krie­gen und Revo­lu­tio­nen leben, ist die unab­ding­ba­re Auf­ga­be der Arbeiter*innenklasse die Erobe­rung der poli­ti­schen Macht. Für revo­lu­tio­nä­re Mar­xis­ten im 21. Jahr­hun­dert erfor­dert die­se Span­nung, dass wir uns auf die Not­wen­dig­keit einer Stra­te­gie kon­zen­trie­ren, die die täg­li­chen und par­ti­el­len Kämp­fe mit dem poli­ti­schen Ziel der Macht­er­grei­fung als not­wen­di­ges Mit­tel zum Auf­bau einer sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft und des Kom­mu­nis­mus ver­bin­det. Die Her­aus­for­de­run­gen des Kamp­fes gegen den Ras­sis­mus sind ein inte­gra­ler Bestand­teil die­ser Span­nung. In die­sem Sin­ne wird auch Trotz­kis Theo­rie der per­ma­nen­ten Revo­lu­ti­on, die im Lau­fe der revo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­se ent­wi­ckelt und ver­fei­nert wur­de, von unschätz­ba­rem Wert sein.

So wie die Schwar­zen Haitianer*innen Napo­le­on besieg­ten, um die Unab­hän­gig­keit zu erlan­gen und sich von der Skla­ve­rei zu befrei­en, muss die Arbeiter*innenklasse des 21. Jahr­hun­derts die poli­ti­sche Macht über­neh­men und die ras­sis­ti­sche Bour­geoi­sie besie­gen, damit eine neue Gesell­schaft auf­ge­baut wer­den kann.

Eine der grund­le­gen­den Prä­mis­sen der Lin­ken Oppo­si­ti­on und der Vier­ten Inter­na­tio­na­le ist, dass es kei­ne Kluft zwi­schen Län­dern gibt, die ver­meint­lich reif und unreif für eine sozia­lis­ti­sche Revo­lu­ti­on sind. Der Sta­li­nis­mus erklär­te Russ­land zu einer angeb­li­chen his­to­ri­schen Aus­nah­me und lenk­te Bünd­nis­se kom­mu­nis­ti­scher Par­tei­en mit natio­na­len Bour­geoi­si­en auf der gan­zen Welt. In aku­ten Pro­zes­sen des Klas­sen­kamp­fes for­der­te die­se Ori­en­tie­rung einen schreck­li­chen Tri­but und ebne­te den Weg für die Kon­ter­re­vo­lu­ti­on. In ande­ren Fäl­len, wie z.B. in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts, ver­wan­del­te die his­to­ri­sche Logik des Sta­li­nis­mus, die den Feu­da­lis­mus in jeder Ecke sah, wo es kei­nen ent­wi­ckel­ten Kapi­ta­lis­mus gab, die rich­ti­ge Poli­tik des Selbst­be­stim­mungs­rechts der unter­drück­ten Völ­ker in eine Poli­tik der „Stu­fen“, vol­ler Skep­sis gegen­über der Rol­le der Schwar­zen beim Auf­bau des Sozia­lis­mus.

Für Trotz­ki hin­ge­gen war die Ver­tei­di­gung des Selbst­be­stim­mungs­rechts immer mit dem Ziel ver­bun­den, das revo­lu­tio­nä­re Ver­trau­en Schwar­zer Frau­en und Män­ner in ihre eige­ne Stär­ke zu för­dern, in den Kampf gegen den bür­ger­li­chen Chau­vi­nis­mus und sei­nen Ein­fluss in den Rei­hen der Wei­ßen Arbeiter*innen und in den revo­lu­tio­nä­ren Sturz der Bour­geoi­sie.

In der Are­na des Klas­sen­kamp­fes gibt es kei­ne fer­ti­ge Ant­wort; es ist gera­de die Bewe­gung der Geschich­te, die den Stoff zum Han­deln lie­fert. Der Kampf der auf­stän­di­schen Sklav*innen, der Arbeiter*innen, der Armen und der Unter­drück­ten bie­tet uns jedoch wert­vol­le Leh­ren. Die Tex­te, die in die­sem Buch fol­gen, sind Teil die­ses Gan­zen.

Die Welt hat sich seit der Ent­ste­hung die­ser Tex­te sehr ver­än­dert. Städ­ti­sche Zen­tren sind noch wich­ti­ger gewor­den, da sie sich mit zen­tra­len Pro­ble­men wie dem Man­gel an Wohn­raum und den Grund­la­gen für ein men­schen­wür­di­ges Leben befas­sen müs­sen. Die Arbeiter*innenklasse hat sich enorm ver­grö­ßert, wie nie zuvor in der Geschich­te – obwohl sie zuneh­mend zer­split­tert (zwi­schen Leiharbeiter*innen und regu­lä­ren Arbeiter*innen; zwi­schen Ein­hei­mi­schen und Immigrant*innen) und pre­kär ist ( wofür Ras­sis­mus eine grund­le­gen­de Kom­po­nen­te bleibt). Die Gewerk­schaf­ten wer­den zuneh­mend in den Staat inte­griert, wan­deln sich von Werk­zeu­gen des Arbeits­kamp­fes weg und bewe­gen sich in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung, unter der Kon­trol­le von Büro­kra­tien, die bewusst han­deln, um die Arbeiter*innenklasse zu kon­trol­lie­ren und zu spal­ten, und ihre Aus­sich­ten auf sek­to­ra­le Zie­le und Zwi­schen­zie­le jeder Grup­pe von Arbeiter*innen beschrän­ken. Wir befin­den uns in einem Moment, der durch das Ent­ste­hen sozia­ler Bewe­gun­gen außer­halb der Gewerk­schaf­ten und der tra­di­tio­nel­len Par­tei­en der kapi­ta­lis­ti­schen Demo­kra­tie gekenn­zeich­net ist, in dem die Bour­geoi­sie Teil­kon­zes­sio­nen in ein Mit­tel zur Ein­däm­mung umwan­deln kann, um dem, was in der explo­si­ven Revol­te von Frau­en, Schwar­zen und Immigrant*innen am sub­ver­sivs­ten ist, Kraft und Inhalt zu ent­zie­hen und die Grund­la­gen einer aus­beu­te­ri­schen Gesell­schafts­ord­nung zu bekräf­ti­gen.

Die Aus­wir­kun­gen die­ser deka­den­ten Gesell­schaft in Bra­si­li­en, dem Land mit der größ­ten Schwar­zen Bevöl­ke­rung außer­halb Afri­kas, hin­ter­las­sen ihre Spu­ren auf dem Kör­per eines jun­gen Schwar­zen Man­nes, der in einem Super­markt geschla­gen wur­de, weil er angeb­lich vier Tafeln Scho­ko­la­de gestoh­len haben soll. Auf den Stra­ßen geht die Freu­de und Ener­gie der Jugend in den Sta­tis­ti­ken von Dut­zen­den Mil­lio­nen Arbeits­lo­sen ver­lo­ren, in einer unge­wis­sen Zukunft, die von einem Fahr­rad abhängt, das mit rie­si­gen Boxen bela­den ist, auf denen die Slo­gans von iFood, Rap­pi und Uber pran­gen. Lie­fer­bo­xen auf jenen klei­nen Schwar­zen Schul­tern – das ist die bes­te Aus­sicht, die die Kapi­ta­lis­ten zu bie­ten haben, die 12 Stun­den Arbeit pro Tag für einen Real pro gefah­re­nen Kilo­me­ter for­dern, um Mil­lio­nen von Dol­lar an Pro­fi­ten zu erwirt­schaf­ten.

Aber in den Stra­ßen der städ­ti­schen Zen­tren sind es auch die­se Jugend­li­chen, die jeden Tag ihre Zukunft gestal­ten und mit ihren Rei­men den älte­ren Genera­tio­nen in einer Gesell­schaft, die uns nicht atmen lässt, einen Hauch von Leben geben. Die­se Jugend­li­chen zei­gen stolz ihre Iden­ti­tät und ihre Schwar­ze Kul­tur, die ihre Ener­gien mit der sozia­len Kraft einer mäch­ti­gen Schwar­zen, weib­li­chen und pre­kä­ren Arbeiter*innenklasse ver­schmel­zen kann, die, wie die Straßenkehrer*innen von Rio de Janei­ro 2014 , in ihren Adern das kochen­de Blut der Freiheitskämpfer*innen wie­der auf­le­ben las­sen kann.

Die­se neue Rea­li­tät macht die Ver­brei­tung der Tex­te, die die Leser*innen in Hän­den hal­ten, noch not­wen­di­ger und drin­gen­der, denn sie stellt die Her­aus­for­de­rung dar, dass die­se Leh­ren in eine Stra­te­gie umge­setzt wer­den, die in der Lage ist, die Arbeiter*innenklasse (Schwar­ze und Wei­ße, Män­ner und Frau­en, Immigrant*innen und Ein­hei­mi­sche) zu orga­ni­sie­ren und mit die­sen Jugend­li­chen zu ver­ei­nen. Und mit die­ser Kraft die Gewerk­schaf­ten zu revo­lu­tio­nie­ren, indem man sie wie­der in den Klas­sen­kampf zurück­führt und For­de­run­gen auf­greift, wie sie der Vier­te Kon­gress der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le ( die heu­te wie damals von Bedeu­tung sind) auf­ge­stellt hat, wie den Kampf für glei­chen Lohn für Schwar­ze und Wei­ße (es gibt ein Lohn­ge­fäl­le von 60% zwi­schen Schwar­zen Frau­en und Wei­ßen Män­nern) und dafür, dass die Gewerk­schaf­ten die Arbeiter*klasse als Gan­zes orga­ni­sie­ren. Wir hof­fen, dass die­ses Buch von allen gele­sen und dis­ku­tiert wird, die Ras­sis­mus als eines der per­ver­ses­ten Merk­ma­le des Kapi­ta­lis­mus anse­hen, und dass die Bei­spie­le der heroi­schen revo­lu­tio­nä­ren Kämp­fe der Schwar­zen den neu­en Genera­tio­nen von Frau­en, Schwar­zen und Jugend­li­chen den Mut geben wer­den, die­sen Weg zu beschrei­ten und sich an der drin­gen­den Auf­ga­be des Auf­baus einer revo­lu­tio­nä­ren Par­tei zu betei­li­gen.

Obwohl es noch nicht mög­lich ist, die zukünf­ti­ge Dyna­mik der Ereig­nis­se in Latein­ame­ri­ka zu ken­nen, wird das Wie­der­auf­le­ben des Klas­sen­kamp­fes einen bedeu­ten­den Ein­fluss auf den Kampf in unse­rem Land haben. Das Ver­trau­en in die Stär­ke der Arbeiter*innenklasse wird von der Poli­ti­sie­rung des Ras­sis­mus­has­ses abhän­gen. Mit Trotz­kis Wor­ten wer­den die Schwar­zen „die Vor­hut“ des revo­lu­tio­nä­ren Kamp­fes bil­den.

[1] An die­ser Stel­le sind kei­nes­falls die Ver­nich­tungs­la­ger zur Zeit des Faschis­mus in Deutsch­land gemeint. Mit Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger sind – wie in die­sem Arti­kel erklärt – gemeint: Es sind Lager, die gemacht wer­den, um eine gro­ße Mas­se an Mensch zu über­wa­chen und in den meis­ten Fäl­len auch als bil­li­ge Arbeits­kraft zu nut­zen.

[2] Anmer­kung des Über­set­zers: Im März 1960 eröff­ne­te die Poli­zei das Feu­er auf Demonstrant*innen, die vor einer Poli­zei­sta­ti­on im süd­afri­ka­ni­schen Town­ship Shar­pe­vil­le gegen die berüch­tig­te „pass laws“ pro­tes­tier­ten, wobei 69 Men­schen getö­tet und 180 ver­letzt wur­den – vie­le von ihnen waren gelähmt, nach­dem sie auf der Flucht vor dem Angriff in den Rücken geschos­sen wor­den waren. Das Mas­sa­ker lös­te Pro­tes­te, Streiks und Aus­schrei­tun­gen aus, die in der Aus­ru­fung des Aus­nah­me­zu­stands und mas­si­ven Ver­haf­tun­gen gip­fel­ten. Es lös­te auch inter­na­tio­na­le Ver­ur­tei­lung und Sym­pa­thie­de­mons­tra­tio­nen in der gan­zen Welt aus und gilt weit­ge­hend als der Wen­de­punkt, an dem Süd­afri­ka in der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft iso­liert wur­de. Der 21. März ist nun ein natio­na­ler Fei­er­tag zur Erin­ne­rung an das Mas­sa­ker und zur Ehrung der Men­schen­rech­te.

[3] Cyril Lio­nel Robert James (1901–1989), bes­ser bekannt als C.L.R. James, war ein mar­xis­ti­scher Schrift­stel­ler, His­to­ri­ker und Den­ker aus Tri­ni­dad und Toba­go, der die meis­te Zeit sei­nes Lebens in Groß­bri­tan­ni­en und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten leb­te. Er gehör­te meh­re­re Jah­re lang der trotz­kis­ti­schen Bewe­gung an, brach jedoch Anfang der 1950er Jah­re mit dem Trotz­kis­mus wegen Dif­fe­ren­zen in einer Rei­he von Fra­gen, ein­schließ­lich der Cha­rak­te­ri­sie­rung der Sowjet­uni­on als büro­kra­tisch dege­ne­rier­ter Arbeiter*innenstaat – eine Posi­ti­on, die damals von der U.S. Socia­list Workers Par­ty (SWP) ver­tei­digt wur­de, deren Teil er gewe­sen war.

[4] Anmer­kung des Über­set­zers: Aga­tha Felix wur­de im Sep­tem­ber 2019 in einem Slum von Rio de Janei­ro von der Poli­zei in den Rücken geschos­sen, als sie mit ihrer Mut­ter in einem Klein­bus fuhr. Die Poli­zei ver­folg­te und beschoss zwei Män­ner auf einem Motor­rad. Weit ver­brei­te­te Pro­tes­te mach­ten die Erschie­ßungs­po­li­tik des Gou­ver­neurs von Rio, Wil­son Wit­zel, ver­ant­wort­lich – ein Ver­bün­de­ter von Bol­so­na­ro, der auf der Grund­la­ge des Ver­spre­chens gewählt wur­de, Dro­gen­händ­ler „abzu­schlach­ten“.

[5] Anmer­kung des Über­set­zers: Zum­bi war ein Bra­si­lia­ner kon­go-ango­la­ni­scher Her­kunft und ein Anfüh­rer des Wider­stands gegen die Ver­skla­vung von Afri­ka­nern durch die Por­tu­gie­sen im 17. Jahr­hun­dert. Er war auch der letz­te König der Sied­lung Qui­lom­bo dos Palma­res der Afro­bra­si­lia­ner, die sich von der Skla­ve­rei befreit hat­ten. Dan­dara, die Frau von Zum­bi, war eine berühm­te Krie­ge­rin gegen die Kolonisator*innen, die bei ihrer Ver­haf­tung im Jahr 1694 bekannt­lich Selbst­mord begin­gen, anstatt in die Skla­ve­rei zurück­zu­keh­ren.

[6] „Die Flucht wur­de mit dem Lib­am­bo, einem eiser­nen Ring um den Hals und einem Stock und einer Glo­cke bestraft“, schrieb Ben­ja­min Péret, ein dem Trotz­kis­mus ver­bun­de­ner fran­zö­si­scher sur­rea­lis­ti­scher Dich­ter, in sei­ner his­to­ri­schen Chro­nik El qui­lom­bo de Palma­res.

[7] Anmer­kung des Über­set­zers: Black Codes waren vor dem Bür­ger­krieg in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten in vie­len nörd­li­chen Bun­des­staa­ten üblich. Unmit­tel­bar nach dem Krieg führ­ten die Süd­staa­ten die­se Geset­ze ein, um neu eman­zi­pier­te Sklav*innen zu regie­ren, den Umfang ihrer „Frei­heit“ ein­zu­schrän­ken und ins­be­son­de­re die nied­ri­gen Löh­ne fest­zu­le­gen, für die sie arbei­ten konn­ten.

Erst­mals ver­öf­fent­licht auf Por­tu­gie­sisch am 13. Novem­ber in. Über­setzt aus der eng­li­schen Ver­si­on in Left Voice. Auch auf Spa­nisch ver­füg­bar.

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