[perspektive:] UK: Bauarbeiten für umstrittenes HS2-Bahnprojekt haben begonnen

Der britische Premierminister Boris Johnson spricht vom „neuen Rückgrat des Landes“, AktivistInnen sprechen von einer Milliardeninvestition in die Umweltzerstörung. Nun haben am Freitag offiziell die Bauarbeiten für die umstrittene „HS2“-Verbindung begonnen.

Inves­to­rIn­nen und die bri­ti­sche Regie­rung sind sich einig und voll des Lobes für die HS2-Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cke. Sie soll die größ­ten Zen­tren des Lan­des, Lon­don, Bir­ming­ham, Man­ches­ter und Leeds ver­bin­den.

Budget kritisch überzogen

Schon jetzt ist abseh­bar, dass die ursprüng­lich ange­setz­te Sum­me von 37,5 Mil­li­ar­den Pfund (42 Mil­li­ar­den Euro) weit über­schrit­ten wird. Die­se Berech­nung von 2009 wur­de im Jahr 2015 bereits auf knap­pe 56 Mil­li­ar­den bri­ti­sche Pfund nach oben kor­ri­giert.

Seit­dem hat ein Bericht der bri­ti­schen Regie­rung davor gewarnt, dass es denk­bar sei, dass das Pro­jekt mehr als 100 Mil­li­ar­den bri­ti­sche Pfund ver­schlin­ge.

Teures Prestigeprojekt

Kri­ti­ke­rIn­nen wei­sen immer wie­der dar­auf hin, dass es nicht in ers­ter Linie um eine gute Bahn­an­bin­dung der Städ­te gehen kann. Im Ver­gleich zum Rest des Lan­des, ins­be­son­de­re des Nor­dens, sei­en die Zen­tren bereits her­vor­ra­gend ange­bun­den. Sie spre­chen des­we­gen von einem „Pro­jekt der Eitel­keit“.

Job-Garant HS2?

Wei­ter­hin kri­ti­sie­ren die Akti­vis­tIn­nen der Initia­ti­ve „STOP HS2“ das den Inves­to­rIn­nen wohl liebs­te Argu­ment. So brüs­tet sich das „Bal­four Beat­ty Vin­ci Joint Ven­ture“, Haupt­un­ter­neh­mer für den Stre­cken­ab­schnitt West Mid­lands, mit den neu ent­ste­hen­den Arbeits­plät­zen. Das Bau­un­ter­neh­men will in den nächs­ten zwei Jah­ren Haupt­ar­beit­ge­ber in der Regi­on sein. Ins­ge­samt sol­len durch das Pro­jekt 22.000 Arbeits­plät­ze ent­ste­hen.

„Zu ver­su­chen, die HS2 als Maß­nah­me zur Schaf­fung von Arbeits­plät­zen dar­zu­stel­len, ist mehr als ver­zwei­felt, denn selbst, wenn man die gering ange­setz­te Kos­ten­schät­zung der Regie­rung nimmt, wer­den unge­fähr zwei Mil­lio­nen Pfund inves­tiert um einen ein­zi­gen Job zu schaf­fen, in einer Zeit, in der gut geführ­te Unter­neh­men jeden Tag unter­ge­hen, und Boris John­son ist nicht so heiß dar­auf, die 19.590 Jobs zu erwäh­nen, die HS2 dau­er­haft umsie­deln wird.“, erklärt der STOP HS2-Cam­pai­gn-Mana­ger, Joe Rukin.

Protestcamps gegen die „Umweltzerstörung des Jahrhunderts“

Durch das Bau­pro­jekt sind unge­fähr 700 Wild­tier­re­ser­va­te bedroht. Es wür­den alte Wäl­der gero­det wer­den, aus­glei­chen­de Auf­fors­tung in dem Aus­maß sei kaum vor­stell­bar. STOP HS2 spricht des­we­gen vom „umwelt­zer­stö­re­rischs­ten Pro­jekt des Jahr­hun­derts“.

Hun­der­te Akti­vis­tIn­nen haben des­we­gen ent­lang der Bahn­stre­cke Pro­test­camps errich­tet und ver­su­chen, mit Baum­häu­sern die bedroh­ten Wäl­der zu schüt­zen.

Der Bei­trag UK: Bau­ar­bei­ten für umstrit­te­nes HS2-Bahn­pro­jekt haben begon­nen erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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