[labournet:] Im Homeoffice oder mit völlig selbstbestimmten Arbeitszeiten fällt Abschalten (Frauen) besonders schwer

Dossier

postmodern times. Grafik der FAU Mannheim“Extrem fle­xi­ble Arbeits­zei­ten gehen häu­fig zulas­ten der Beschäf­tig­ten. Dabei sind die Fol­gen für Frau­en ande­re als für Män­ner, zeigt eine neue Unter­su­chung der Hans-Böck­ler-Stif­tung*. Was ist für Arbeit­neh­mer am bes­ten: fes­te Büro­zei­ten, Gleit­zeit oder völ­li­ge Selbst­be­stim­mung ohne kon­kre­te Zeit­vor­ga­ben? Selbst­be­stim­mung klingt gut, ist aber auch eine Ein­la­dung zur Selbst­aus­beu­tung, wie eine Ana­ly­se von Dr. Yvonne Lott zeigt. Die Böck­ler-Exper­tin für Arbeits­zei­ten hat unter­sucht, wel­che Zusam­men­hän­ge zwi­schen Arbeits­zeit­mo­del­len, Ver­hal­ten und Arbeits­be­las­tun­gen von Frau­en und Män­nern bestehen. Die Aus­wer­tung basiert auf Anga­ben von gut 10.000 Per­so­nen aus der Haus­halts­be­fra­gung Sozio-oeko­no­mi­sches Panel (SOEP) der Jah­re 2011 und 2012. Es zeigt sich: – Wer im Home­of­fice tätig ist, kann abends oft nicht abschal­ten. Die Wahr­schein­lich­keit liegt bei 45 Pro­zent und damit mehr als dop­pelt so hoch wie bei Beschäf­tig­ten, die nie zu Hau­se arbei­ten. Offen­bar ver­schwim­men die Gren­zen zwi­schen den Lebens­be­rei­chen bei die­ser Arbeits­wei­se beson­ders leicht. (…) Im Lich­te die­ser Erkennt­nis­se sei eine von Unter­neh­men häu­fig gefor­der­te wei­te­re Dere­gu­lie­rung der Arbeits­zeit­be­stim­mun­gen äußerst kri­tisch zu sehen, sagt Lott. Neben den nega­ti­ven Kon­se­quen­zen für die Work-Life-Balan­ce ver­schär­fen Model­le wie die völ­li­ge Arbeits­zeit­au­to­no­mie auch die Ungleich­heit zwi­schen den Geschlech­tern…” Pres­se­mit­tei­lung der Hans-Böck­ler-Stif­tung vom 14. August 2017 externer Link, die Mit­tei­lung bezieht sich auf den Poli­cy Brief Nr.003, August 2017 “Selbst orga­ni­sier­tes Arbei­ten als Res­sour­ce für Beschäf­tig­te nut­zen!” von Yvonne Lott externer Link – die Redak­ti­on kein ein Lied davon sin­gen… Sie­he dazu eine neue Stu­die und mehr:

  • Teuf­li­sches Home­of­fice: Unter­neh­men kön­nen sich teu­re Büro­mie­ten spa­ren. Beschäf­tig­te haben gerin­ge­ren Arbeits­schutz und sind weni­ger kampf­fä­hig New
    “Es gibt hoff­nungs­vol­le und düs­te­re Erzäh­lun­gen dar­über, wie die Welt nach Coro­na aus­se­hen wird. (…) Wie am 9. August das Han­dels­blatt berich­te­te, plant der Münch­ner Alli­anz-Kon­zern sei­ne Arbeits­rou­ti­nen kom­plett umzu­bau­en. Deutsch­lands füh­ren­der Ver­si­che­rer hat­te zu Beginn der Pan­de­mie im März bin­nen kur­zer Zeit 90 Pro­zent sei­ner Beschäf­tig­ten ins Home­of­fice geschickt und sämt­li­che Dienst­rei­sen abge­sagt. Was aus der Not gebo­ren war, soll nun zum Stan­dard wer­den. Man erwar­te, dass län­ger­fris­tig bis zu »40 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter von zu Hau­se arbei­ten«, zitier­te die Zei­tung Vor­stands­mit­glied Chris­tof Mascher. (…) Ein »Recht auf Home­of­fice« mag zunächst gut klin­gen. Was aber, wenn der Chef aus dem Recht eine Pflicht macht und auch den zum mobi­len Arbei­ten ver­don­nert, der lie­ber unter Men­schen ist oder bei dem zu Hau­se der Nach­wuchs lärmt? Über­haupt ist zu fra­gen, wo bei dem »über­stürz­ten« Struk­tur­wan­del die Mit­ge­stal­tung- und ‑bestim­mung der Beschäf­tig­ten und Gewerk­schaf­ten bleibt. Rege­lun­gen zum Home­of­fice in Tarif­ver­trä­gen zu ver­an­kern ist eine wich­ti­ge und rich­ti­ge For­de­rung. Nur wer­den in der anhal­ten­den Kri­se bereits Fak­ten geschaf­fen, die schwer­lich wie­der rück­gän­gig zu machen sind. Bei­spiels­wei­se gilt es als selbst­ver­ständ­lich, dass der Heim­ar­beits­platz auf eige­ne Rech­nung bezahlt und unter­hal­ten wird. Auch fehlt es an Regu­la­ri­en und Werk­zeu­gen zur Arbeits­zeit­er­fas­sung, wodurch das Leis­tungs­prin­zip mehr noch als heu­te zum Maß aller Din­ge bei Ver­gü­tungs- und Auf­stiegs­mo­da­li­tä­ten wird. Gegen­wehr ist schwe­rer zu orga­ni­sie­ren. Streiks las­sen sich unter Coro­nabe­din­gun­gen nur ver­ein­zelt auf die Stra­ße brin­gen. Ver­di warnt des­halb vor nega­ti­ven Fol­gen. Gewerk­schafts­chef Frank Wer­ne­ke sag­te inmit­ten der ers­ten Wel­le der Coro­na­pan­de­mie laut Augs­bur­ger All­ge­mei­nen vom 18. April: »Eine der Haupt­leh­ren aus der Coro­na­zeit ist für mich: Home­of­fice muss in nor­ma­len Zei­ten abso­lut frei­wil­lig sein. Denn die Arbeit im Home­of­fice hat eben auch erheb­li­che Nach­tei­le: Men­schen, die nicht über eine 100-Qua­drat­me­ter-Woh­nung ver­fü­gen, tun sich schwer, Arbeits- und Pri­vat­le­ben zu Hau­se zu ver­ei­nen, gera­de wenn sie Kin­der haben.« In der Zukunft brau­che es Arbeits­schutz durch Tarif­ver­trä­ge. In der aktu­el­len Tarif­run­de für den öffent­li­chen Dienst plant die Gewerk­schaft des­halb einen bun­des­wei­ten Home­of­fice­streik.” Arti­kel von Ralf Wurz­ba­cher in der jun­gen Welt vom 1. Sep­tem­ber 2020 externer Link
  • Sozio­lo­gin All­men­din­ger: “Das Leben ist kei­ne Video­kon­fe­renz” – sie befürch­tet, im Trend zur Heim­ar­beit lie­ge immenser gesell­schaft­li­cher Spreng­stoff 
    Im Inter­view vom 24. Juli 2020 fragt beim RND Tobi­as Peter die Sozio­lo­gin externer Link: “Frau All­men­din­ger, leben wir nach Coro­na in einem ande­ren Land als vor­her? Ja. Die Men­schen sind sich bewuss­ter über die Ver­letz­lich­keit des Lebens und ver­ste­hen des­halb die Not­wen­dig­keit staat­li­chen Han­dels bes­ser. Gleich­zei­tig haben wir erkannt, wel­che Bedürf­nis­se und Wer­te für uns beson­ders wich­tig sind. Das gilt vor allem für die sozia­len Kon­tak­te, die wir vor­her oft für selbst­ver­ständ­lich genom­men haben. Zwar wis­sen wir jetzt, dass sich vie­les digi­tal orga­ni­sie­ren lässt. Doch das Leben ist kei­ne Video­kon­fe­renz. (…) Unse­re Arbeits­welt wird nach Coro­na nicht mehr die­sel­be sein. Auch künf­tig wer­den mehr Men­schen zu Hau­se arbei­ten. Das wirft eine wich­ti­ge gesell­schaft­li­che Fra­ge auf: Erle­ben wir eine Art Spal­tung zwi­schen denen, die wäh­len kön­nen, ob sie zu Hau­se oder am Arbeits­platz arbei­ten, und denen, die immer an ihren Arbeits­platz müs­sen? (…) Pri­vi­le­giert ist, wer sich aus­su­chen kann, wo er arbei­tet. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist aber: Bleibt die­ses Pri­vi­leg erhal­ten? Unter­neh­men wer­den dar­auf drin­gen, dass Men­schen zu Hau­se arbei­ten – schon, um Geld für Büro­räu­me ein­zu­spa­ren. Außer­dem könn­te es eine gesell­schaft­li­che Debat­te geben, ob die Arbeit zu Hau­se nicht öko­lo­gisch sinn­vol­ler ist, um die Schad­stoff­emis­sio­nen des Ver­kehrs zu redu­zie­ren. Das Pri­vi­leg der Heim­ar­beit kann ganz schnell zum Zwang wer­den, ja zu einer Art Ent­zug füh­ren. (…) Ent­schei­dend ist: Wir müs­sen bezahl­te und unbe­zahl­te Arbeit zwi­schen Män­nern und Frau­en gleich­mä­ßi­ger auf­tei­len. Die Lohn­lü­cke zwi­schen den Geschlech­tern wird sich nur dann schlie­ßen, wenn wirk­lich bei­de glei­cher­ma­ßen ihren Anteil an der Fami­li­en­ar­beit über­neh­men. (…) Ich fürch­te, die Kas­sie­re­rin und der Kran­ken­pfle­ger bekom­men am Ende nur ein biss­chen Applaus, aber wie­der ein­mal kei­ne ech­te finan­zi­el­le Auf­wer­tung…”
  • Kapi­tal setzt auf Home­of­fice – »Kos­ten­fak­tor« Büro: Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft sieht Wan­del 
    “Die Coro­na­kri­se könn­te nach Ein­schät­zung von Öko­no­men Kata­ly­sa­tor für mobi­les Arbei­ten wer­den. »Arbeit­neh­mer wie Arbeit­ge­ber haben in der Lock­down­pha­se gemerkt, dass es rela­tiv gut funk­tio­niert im Home­of­fice«, sag­te Micha­el Voigt­län­der vom kapi­tal­na­hen Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) der Nach­rich­ten­agen­tur dpa in Frank­furt am Main. »Vie­le Fir­men wer­den sich auch über­le­gen, wie sie ange­sichts der ange­spann­ten wirt­schaft­li­chen Lage Flä­chen spa­ren und damit Kos­ten redu­zie­ren kön­nen.« In einer aktu­el­len Ana­ly­se von Voigt­län­der und »Arbeits­ex­per­tin« Andrea Ham­mer­mann schrei­ben die IW-Öko­no­men, Unter­neh­men dürf­ten »ver­stärkt über­le­gen, ob sie Büro­be­schäf­ti­gung dort­hin ver­la­gern, wo sie güns­ti­ger aus­ge­führt wer­den kann«. (…) Bis­lang hät­ten Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen »größ­ten­teils auf eine Opti­mie­rung oder Ein­spa­rung der Büro­flä­chen ver­zich­tet«, refe­rie­ren die Autoren. »Soll­ten sich der Anteil der Beschäf­tig­ten, die im Home­of­fice arbei­ten, und vor allem auch der Stun­den­um­fang stark aus­wei­ten, könn­te sich dies ändern«, schrei­ben die IW– For­scher. »Arbeit­ge­ber« müss­ten dann jedoch auf­grund gesetz­li­cher Auf­la­gen »weit­rei­chen­de­re Inves­ti­tio­nen in die Arbeits­aus­stat­tung durch die Ein­rich­tung von Tele­ar­beits­plät­zen« täti­gen und sicher­stel­len, dass der häus­li­che Arbeits­platz einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung stand­hält. Per­spek­ti­visch hal­ten die IW-For­scher es für wahr­schein­lich, dass weni­ger Büro­flä­chen nach­ge­fragt wer­den. »Ich erwar­te schon, dass es einen Rück­gang der Nach­fra­ge nach Büro­flä­chen geben wird«, sag­te Voigt­län­der. »Der Leer­stand in gro­ßen Städ­ten dürf­te ten­den­zi­ell wie­der zuneh­men. Des­halb ist es wich­tig, dass jetzt nicht über­mä­ßig neue Büros gebaut wer­den.« Schät­zun­gen gehen davon aus, dass die Anzahl der­je­ni­gen, die im Büro anwe­send sind, um 15 Pro­zent sin­ken und die Nut­zung von Büro­flä­chen dann um zehn Pro­zent zurück­ge­hen wird.” Mel­dung in der jun­gen Welt vom 20. Juli 2020 externer Link
  • Arbei­ten wäh­rend Coro­na: Home­of­fice beein­flusst Pro­duk­ti­vi­tät, Stress und Kon­flik­te 
    Seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie arbei­ten vie­le Beschäf­tig­te im Home­of­fice. Wel­che Kon­se­quen­zen das für die Beschäf­tig­ten hat, wur­de in einer Stu­die der Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf am Lehr­stuhl für Betriebs­wirt­schafts­leh­re, insb. Arbeit, Per­so­nal und Orga­ni­sa­ti­on von Pro­fes­sor Dr. Ste­fan Süß unter­sucht. Dazu wur­den im Rah­men einer grö­ße­ren Erhe­bung zwi­schen dem 07.04.2020 und dem 09.05.2020 auch 888 Per­so­nen befragt, die im öffent­li­chen Dienst (Bund, Län­der und Kom­mu­nen) arbei­ten. (…) In der Stu­die gaben die Befrag­ten einen selbst emp­fun­de­nen Rück­gang ihrer Pro­duk­ti­vi­tät um durch­schnitt­lich rund 10 % im Ver­gleich zur sonst übli­chen Arbeits­si­tua­ti­on an. Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die­ser fak­tisch sogar grö­ßer sein könn­te, das aber ver­ständ­li­cher­wei­se ungern zuge­ge­ben oder nicht exakt ein­ge­schätzt wird. Wovon hängt der Rück­gang der Pro­duk­ti­vi­tät ab? Sie sinkt stär­ker bei älte­ren Beschäf­tig­ten und in Situa­tio­nen, in denen es im Home­of­fice Pro­ble­me gibt, bei­spiels­wei­se wenn kein adäqua­ter Home­of­fice-Arbeits­platz oder gerin­ge Erfah­run­gen mit dem Home­of­fice vor­han­den sind und daher aus der unge­wohn­ten Situa­ti­on Über­for­de­rung resul­tie­ren kann. Auch eine gefühl­te sozia­le Iso­la­ti­on führt zu einem Rück­gang der Pro­duk­ti­vi­tät, das heißt die feh­len­de Mög­lich­keit zum Aus­tausch spielt hier eine Rol­le. Auf­fäl­lig ist, dass die Pro­duk­ti­vi­täts­ein­schät­zung bei Per­so­nen steigt, die tech­no­lo­gie­af­fin sind oder bereits vor Coro­na Erfah­run­gen mit der Arbeit im Home­of­fice sam­meln konn­ten, was dar­auf hin­deu­tet, dass Gewöh­nungs­ef­fek­te die Situa­ti­on im Lau­fe der Zeit ver­bes­sern kön­nen. (…) Wie ein­zel­ne Beschäf­tig­te die Arbeit von zu Hau­se aus emp­fin­den, hängt maß­geb­lich von der pri­va­ten Situa­ti­on ab, zum Bei­spiel vom Alter der Beschäf­tig­ten, ihren Betreu­ungs­pflich­ten gegen­über Kin­dern und ihrer emp­fun­de­nen sozia­len Iso­la­ti­on durch das Home­of­fice. Neben der sozia­len Iso­la­ti­on prägt die Betreu­ung von Kin­dern den emp­fun­de­nen Kon­flikt zwi­schen Arbeit und Pri­vat­le­ben am stärks­ten. Ins­ge­samt macht das deut­lich, dass eine Dop­pel­be­las­tung, zu Hau­se zu arbei­ten und gleich­zei­tig Kin­der zu betreu­en, eine Situa­ti­on ist, die die Beschäf­tig­ten nicht lang­fris­tig tra­gen kön­nen. Die­ser Befund unter­streicht die Not­wen­dig­keit, Betreu­ungs­an­ge­bo­te auch wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie zu schaf­fen, nicht nur mit Blick auf die Kin­der, son­dern auch auf die not­wen­di­ge Ent­las­tung der Eltern. Wenn Beschäf­tig­te und (klei­ne­re) Kin­der gleich­zei­tig zu Hau­se sind, ist ein pro­duk­ti­ves und indi­vi­du­ell zufrie­den­stel­len­des Home­of­fice schwer mög­lich...” Arti­kel von Prof. Dr. Ste­fan Süß am 18.06.2020 beim DGB externer Link – der Bei­trag ist Titel im BM Aus­ga­be 06/​2020 – dem Maga­zin für Beam­tin­nen und Beam­te des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des
  • Rück­kehr vom Home­of­fice ins Büro trotz Coro­na: Was darf der Chef ver­lan­gen?
    In der Coro­na-Kri­se arbei­ten vie­le Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer mit Büro­tä­tig­kei­ten im Home­of­fice. Jetzt steht in vie­len Fir­men die Ent­schei­dung an: Wann kom­men die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wie­der in den Betrieb, zurück ins Büro vor Ort? Vie­le fra­gen sich: Was dür­fen Chef oder Che­fin ver­lan­gen? Und wel­che Coro­na-Schutz­maß­nah­men sind zu beach­ten?...” FAQ vom 29.05.2020 beim DGB externer Link
  • Dann macht doch Heim­ar­beit … Unglei­ches Arbei­ten zu Hau­se (nicht nur in vira­len Zei­ten) 
    “Bei all dem Durch­ein­an­der, das sich seit Tagen über das Land legt, taucht immer wie­der die Bot­schaft auf, man arbei­te jetzt im Home­of­fice. (…) Wenn man nur die­sen Aus­schnitt berück­sich­ti­gen wür­de, dann muss man zu dem Ergeb­nis kom­men, das gan­ze Land arbei­tet nun­mehr von zu Hau­se. Das gan­ze Land und sei­ne Bewoh­ner? Wohl kaum, wenn man bei­spiels­wei­se nur an die denkt, die jetzt in den Gesund­heits­ein­rich­tun­gen die Stel­lung hal­ten (müs­sen). (…) Vor die­sem Hin­ter­grund hier ein kur­zer Aus­flug in das, was wir über die­ses Home­of­fice unter Nor­mal­be­din­gun­gen wis­sen und war­um das auch aus Ungleich­heits­aspek­ten inter­es­sant ist. Die Dis­kus­si­on über Vor- und Nach­tei­le der Heim­ar­beit hat eine lan­ge Geschich­te und sie war immer kon­tro­vers. (…) Nach dem Wil­len von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) soll es unter bestimm­ten Bedin­gun­gen ein Recht auf Home­of­fice geben. Ein Recht auf Arbei­ten von zu Hau­se aus soll per Gesetz fest­ge­schrie­ben wer­den. (…) Par­al­lel wur­den wir mit Befun­den über die gro­ße Hoff­nung Home­of­fice kon­fron­tiert, die einen ernüch­tern soll­ten: »Frau­en und Män­ner mit Kin­dern nut­zen fle­xi­ble Arbeits­mo­del­le wie Gleit­zeit, Ver­trau­ens­ar­beits­zeit und Home­of­fice unter­schied­lich: Wäh­rend die Väter sehr viel mehr Zeit in den Job ste­cken, machen Müt­ter etwas mehr Über­stun­den, vor allem neh­men sie sich aber deut­lich mehr Zeit für die Kin­der­be­treu­ung. Damit hilft fle­xi­bles Arbei­ten zwar bei der Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie, es kann zugleich aber auch die klas­si­sche Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Frau­en und Män­nern fes­ti­gen oder sogar ver­stär­ken … Mehr Frei­zeit haben weder Müt­ter noch Väter durch fle­xi­ble Arbeits­zei­ten.« So die­se Stu­die aus dem gewerk­schafts­na­hen Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tut (WSI) der Hans-Böck­ler-Stif­tung (…) Was aber wis­sen wir wirk­lich über die, die (nicht) zu Hau­se arbei­ten kön­nen, dür­fen – oder auch müs­sen? Es ist gar nicht so ein­fach, hier vali­de Daten zu bekom­men. In die­sem Kon­text lohnt ein Blick auf die USA, wo man der ange­spro­che­nen Fra­ge nach­ge­gan­gen ist im Rah­men des Ame­ri­can Time Use Sur­vey (ATUS). Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den die Ergeb­nis­se ver­öf­fent­licht, u.a. zu den Mög­lich­kei­ten, zu Hau­se arbei­ten zu kön­nen – sowie deren tat­säch­li­che Umset­zung. Die vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung der Befun­de nach sozio­öko­no­mi­schen Kri­te­ri­en erlaubt einen inter­es­san­ten Blick auf die sehr unglei­che Ver­tei­lung des­sen, was als Home­of­fice dis­ku­tiert wird. (…) Die dar­ge­stell­ten Ergeb­nis­se [je gerin­ger der Bil­dungs­ab­schluss umso gering die Chan­ce auf Home­of­fice] spre­chen für sich und für das Fazit, dass wir mit einer erheb­li­chen sozia­len Schich­tung bei den Mög­lich­kei­ten wie auch der tat­säch­li­chen Inan­spruch­nah­me von Arbeit zu Hau­se kon­fron­tiert sind. Man wird plau­si­bel davon aus­ge­hen kön­nen, dass wir bei allen Unter­schie­den zwi­schen dem US-ame­ri­ka­ni­schen und dem deut­schen Arbeits­markt ein ver­gleich­ba­res Mus­ter der unter­schied­li­chen sozia­len Schich­tung auch bei uns fest­stel­len wür­de.” Bei­trag von Ste­fan Sell vom 18. März 2020 auf sei­ner Home­page externer Link
  • Angriff auf das Arbeits­zeit­ge­setz – dies­mal per Home­of­fice 
    isw-wirtschaftsinfo Nr. 56: „Homeoffice: Vom Traum zum Alptraum“ Die For­de­run­gen der Unter­neh­mens­sei­te bei Ver­hand­lun­gen zu einer Betriebs­ver­ein­ba­rung „Mobi­le Arbeit“ waren deut­lich. „Beginn und Ende der täg­li­chen Arbeits­zeit sowie die Lage der Pau­sen“ sol­len „die Mit­ar­bei­ter in eige­ner Ver­ant­wor­tung bestim­men. Dabei hat jeder sei­ne Arbeits­zeit so ein­zu­rich­ten, dass eine effek­ti­ve Betreu­ung der Kun­den sowie eine rei­bungs­lo­se Zusam­men­ar­beit mit den Kol­le­gen sicher­ge­stellt ist.“ Seit­dem vor 100 Jah­ren der 8‑Stundentag hier­zu­lan­de erst­mals in ein Gesetz geschrie­ben wur­de, kämp­fen die Unter­neh­mer dage­gen. Jetzt soll es per Home­of­fice, das Arbei­ten zuhau­se, erreicht wer­den. (…) Stand in den 90er Jah­ren noch die Fra­ge der Umsetz­bar­keit im Vor­der­grund und ging es um die Klä­rung, wie die Daten in die Woh­nung des Arbei­ten­den über- tra­gen wer­den kön­nen, so lau­tet dank neu­er Tech­nik die Fra­ge heu­te: Soll das, was mög­lich ist, auch umge­setzt wer­den? (…) Die Risi­ken des Home­of­fice wer­den inzwi­schen eher sel­ten dar­ge­stellt. Die­se Publi­ka­ti­on setzt den Schwer­punkt auf die War­nung vor Eupho­rie. Sie soll auch dazu anre­gen, Alter­na­ti­ven zur Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen zu erör­tern und dar­über zu dis­ku­tie­ren.” Arti­kel von Mar­cus Schwarz­bach vom Febru­ar 2020  – wir dan­ken!
  • [WSI-Stu­die] Bes­se­re Ver­ein­bar­keit durch Home­of­fice? Nur, wenn Arbeit­ge­ber und Vor­ge­setz­te die rich­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen 
    “… Wer die Mög­lich­keit hat, einen Teil der Arbeit von zu Hau­se aus zu erle­di­gen, ist zufrie­de­ner als Beschäf­tig­te ohne Home­of­fice. Auch die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf kann leich­ter fal­len. Das hängt aller­dings stark von den Rah­men­be­din­gun­gen ab. So kommt es bei­spiels­wei­se dar­auf an, wie aus­ge­prägt die Prä­senz­kul­tur im Unter­neh­men ist und wie die Beschäf­tig­ten ihr Ver­hält­nis zum Vor­ge­setz­ten ein­schät­zen. Eine wich­ti­ge Rol­le spielt auch, ob Home­of­fice ver­trag­lich gere­gelt ist oder nicht. Außer­dem soll­ten für alle Beschäf­tig­ten die glei­chen Regeln gel­ten, nach denen Leis­tung bewer­tet wird. Das geht aus einer Stu­die von Dr. Yvonne Lott her­vor. Die WSI-For­sche­rin stützt sich auf Befra­gun­gen des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung aus den Jah­ren 2014 und 2015 zu den Erfah­run­gen von Beschäf­tig­ten mit Home­of­fice. Die­se lie­fern die aktu­ells­ten ver­füg­ba­ren Daten, um detail­liert zu unter­su­chen, von wel­chen Fak­to­ren es abhängt, dass Beschäf­tig­te Home­of­fice wirk­lich als Ent­las­tung bei der Ver­ein­bar­keit emp­fin­den. (…) Ob die posi­ti­ven oder nega­ti­ven Erfah­run­gen über­wie­gen, ist laut Lott in hohem Maße abhän­gig von den betrieb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und der Unter­neh­mens­kul­tur. (…) Auch die Arbeits­zei­ten sind wich­tig: Home­of­fice inner­halb der nor­ma­len Arbeits­zeit ist der Work-Life-Balan­ce erwar­tungs­ge­mäß deut­lich zuträg­li­cher als in der Frei­zeit. Und gan­ze Tage zu Hau­se zu arbei­ten, ist för­der­li­cher als stun­den­wei­se. Die Wahr­schein­lich­keit für aus­schließ­lich gute Erfah­run­gen beträgt 53 Pro­zent mit gan­zen Tagen gegen­über 29 Pro­zent mit ein­zel­nen Stun­den im Home­of­fice. „Beschäf­tig­te, die nur stun­den­wei­se zu Hau­se arbei­ten, nut­zen Home­of­fice wahr­schein­lich eher um Arbeit nach­zu­ho­len oder vor­zu­be­rei­ten“, schreibt Lott. Bedenk­lich sei dabei, dass nur 15 Pro­zent der Beschäf­tig­ten gan­ze Tage zu Hau­se arbei­ten und ledig­lich 22 Pro­zent inner­halb der nor­ma­len Arbeits­zeit arbei­ten. (…) Was selbst­ver­ständ­lich klingt, ist in der Pra­xis nach wie vor oft ein Pro­blem: Vor­ge­setz­te beur­teil­ten Beschäf­tig­te im Home­of­fice häu­fig nicht nach ihrer tat­säch­lich erbrach­ten Leis­tung. Wer zu Hau­se arbei­tet, wer­de oft als „Min­der­leis­ter“ stig­ma­ti­siert und müs­se nega­ti­ve Bewer­tun­gen fürch­ten – häu­fig sei­en davon Frau­en betrof­fen, schreibt Lott. Wich­tig sei daher, dass für alle Beschäf­tig­ten inner­halb eines Betriebs – egal ob vor Ort oder im Home­of­fice – all­ge­mein­gül­ti­ge Kri­te­ri­en gel­ten, nach denen die Arbeit beur­teilt wird. Betriebs­ver­ein­ba­run­gen und ein gesetz­li­ches Recht auf Home­of­fice könn­ten dabei hel­fen, die Akzep­tanz zu stei­gern – und damit auch die Wahr­schein­lich­keit, dass Beschäf­tig­te eine bes­se­re Work-Life-Balan­ce erle­ben.” Pres­se­mit­tei­lung der Hans-Böck­ler-Stif­tung vom 31. Janu­ar 2020 externer Link zum 16-sei­ti­gen WSI-Report Nr.54 vom Janu­ar 2020 “Work-Life-Balan­ce im Home­of­fice: Was kann der Betrieb tun? von Yvonne Lott externer Link
  • Ver.di: “Home­of­fice hat Schat­ten­sei­ten – Die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de wol­len unter dem Stich­wort ‘Expe­ri­men­tier­räu­me’ die Ruhe­zei­ten ver­kür­zen” 
    “… Die Gewerk­schaft ver.di warnt vor stei­gen­dem Druck auf Arbeit­neh­mer. “Die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de wol­len unter dem Stich­wort ‘Expe­ri­men­tier­räu­me’ im Wesent­li­chen die Ruhe­zei­ten ver­kür­zen”, sag­te ver.di-Chef Frank Wer­ne­ke der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Er stell­te klar: “Heu­te gilt eine Ruhe­zeit von elf Stun­den.” Wer um 8:00 Uhr im Büro zu arbei­ten begin­ne, kön­ne nicht ver­pflich­tet wer­den, um 22:00 Uhr zu Hau­se noch Mails zu schrei­ben. “Genau das wol­len die Arbeit­ge­ber ändern.” Schon heu­te wür­den um 22.00 Uhr oft Mails geschrie­ben, so der Gewerk­schafts­chef. “Aber die Beschäf­tig­ten ent­schei­den selbst, ob sie es tun.” Die Ein­hal­tung von Ruhe­zei­ten sei ein wesent­li­cher Punkt des Arbeits- und Gesund­heits­schut­zes. “Mit Gesund­heit macht man kei­ne Expe­ri­men­te.” (…) Wer­ne­ke mach­te auch deut­lich, dass es bei Arbeit von zu Hau­se aus, auf die Frei­wil­lig­keit der Beschäf­tig­ten ankom­me. Er warn­te vor einer Idea­li­sie­rung der Arbeit von zu Hau­se aus. “Ich zweif­le dar­an, dass ein Home­of­fice-Arbeits­platz immer so idyl­lisch ist, wie es manch­mal skiz­ziert wird”, sag­te er. “Viel­fach wird dies gewählt, weil es zu pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge oder Kin­der mit Betreu­ungs­be­darf gibt – das stän­di­ge Wech­seln zwi­schen Auf­trä­gen des Arbeit­ge­bers und Für­sor­ge für ande­re Men­schen hat auch sei­ne Schat­ten­sei­ten.” Eine Home­of­fice-Rege­lung dür­fe Unter­neh­men außer­dem nicht ein­fach dazu die­nen, in teu­ren Städ­ten mit hohen Büro­prei­sen ein­fach die Mie­ten ein­zu­spa­ren, beton­te der ver.di-Chef…” Mel­dung vom 2. Janu­ar 2020 bei tages​schau​.de externer Link
  • Mehr Frei­heit durch Home­of­fice? 
    Das Arbei­ten von zu Hau­se aus liegt im Trend. Die dar­aus erwach­sen­den Pro­ble­me und die Unter­neh­mens­in­ter­es­sen, die dahin­ter ste­hen, wer­den aber kaum the­ma­ti­siert. Wer der­zeit in Betrie­ben der Dienst­leis­tungs­bran­che oder in Ver­wal­tungs­be­rei­chen der Indus­trie unter­wegs ist, wird häu­fig mit einem The­ma kon­fron­tiert, das mit gro­ßen Hoff­nun­gen ver­bun­den ist: »Home­of­fice« oder »Tele­ar­beit«, wie es der Gesetz­ge­ber im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz nennt. Es geht um das Arbei­ten von zu Hau­se aus. So erleb­te ich es erst kürz­lich in einem Betrieb: Ein Kol­le­ge äußer­te gegen­über dem Betriebs­rat den Wunsch nach Home­of­fice, da es gro­ße Pro­ble­me mit dem Vor­ge­setz­ten gebe. Das Gre­mi­um nahm den Wunsch ohne grö­ße­re Beden­ken auf. Die Fra­ge, ob ein Vor­ge­setz­ter per Mail und Video­kon­fe­renz Beschäf­tig­te nicht eben­so schi­ka­nie­ren kön­ne, wur­de gar nicht erst erör­tert. Tele­ar­beit wird zuneh­mend posi­tiv besetzt. (…) Die Erwar­tun­gen sind hoch. Jeder drit­te Arbeit­neh­mer wür­de gern von zu Hau­se arbei­ten, aber nur jeder zehn­te tut es. Das ergab eine Unter­su­chung des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) im Jahr 2016. Es wird dar­auf ver­wie­sen, dass die Bun­des­re­pu­blik im euro­päi­schen Ver­gleich zurück­lie­ge. (…) Am 4. März äußer­te Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) gegen­über dpa: »Ich wer­de ein Recht auf Home­of­fice auf den Weg brin­gen, das die Balan­ce von Sicher­heit und Fle­xi­bi­li­tät wahrt.« Die Gewerk­schaf­ten for­dern eben­falls eine gesetz­li­che Rege­lung und ver­wei­sen dabei auf den Wunsch vie­ler Ange­stell­ter, Fami­lie und Beruf bes­ser ver­ein­ba­ren zu kön­nen. Seit dem ver­gan­ge­nen Jahr setzt sich der DGB für einen Rechts­an­spruch auf Home­of­fice ein. Die DGB-Füh­rung igno­riert dabei die Ergeb­nis­se des haus­ei­ge­nen Think­tanks. (…) Eine Unter­su­chung der Euro­päi­schen Stif­tung zur Ver­bes­se­rung der Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen (Euro­found) und der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO), die ver­schie­de­ne inter­na­tio­na­le Stu­di­en aus­ge­wer­tet haben, ver­deut­licht die Risi­ken. Die Ergeb­nis­se: Tele­ar­bei­ter arbei­ten län­ger. Oft ersetzt die Tele­ar­beit die Arbeit in der Fir­ma nicht, son­dern erfolgt zusätz­lich….” Arti­kel von Mar­cus Schwarz­bach in der jun­gen Welt vom 31.05.2019 externer Link

  • Home­of­fice: Irgend­wann fehlt sogar die miss­mu­ti­ge Che­fin 
    “Vie­le Arbeit­neh­mer wün­schen sich das Home­of­fice, die SPD will sogar ein Recht dar­auf. Unser Autor mahnt zur Vor­sicht: Die Heim­ar­beit kann einen fer­tig­ma­chen. (…) Ich habe gute acht Mona­te zu annä­hernd hun­dert Pro­zent im Home­of­fice gear­bei­tet, von Sep­tem­ber 2017 bis Juni 2018. Die­se Zeit war hoch­gra­dig pro­duk­tiv. Obwohl ich eine vol­le 40-Stun­den-Stel­le hat­te, konn­te ich die Erzie­hungs- und Betreu­ungs­ar­beit für unse­re zwei Kin­der fif­ty-fif­ty mit mei­ner Frau auf­tei­len. Die Form der Arbeit – Text­be­treu­ung für ein alle zwei Mona­te erschei­nen­des Maga­zin – erlaub­te eine gewis­se Fle­xi­bi­li­tät. Ich konn­te sowohl im Arbeits­le­ben auf pri­va­te Not­fäl­le als auch im Pri­vat­le­ben auf Arbeits­not­fäl­le schnell und gut reagie­ren. Dabei habe ich, durch­aus bran­chen­üb­lich, mehr gear­bei­tet als 40 Stun­den pro Woche. Ich hat­te aber nie das Gefühl, in Ansprü­chen zu ertrin­ken, weder pri­va­ten noch dienst­li­chen noch in der Kom­bi­na­ti­on aus bei­dem. (…) Trotz­dem hat mich das Home­of­fice fer­tig­ge­macht – und ich fra­ge mich bis heu­te: War­um eigent­lich? War­um hat­te ich dort so vie­le kör­per­li­che Aus­fall­erschei­nun­gen wie nie zuvor und nie danach in mei­nem Berufs­le­ben? Den stän­di­gen Druck auf der Brust, das ner­vö­se Zit­tern, die Magen­pro­ble­me, das flaue Gefühl in den Unter­ar­men. Gera­de woll­te ich end­lich mal zum Arzt gehen, da nahm das alles ein jähes Ende, aus ande­ren Grün­den. Seit­her habe ich das Home­of­fice im Ver­dacht, bei all sei­nen Vor­tei­len auf Dau­er eine poten­zi­ell bru­ta­le Arbeits­form zu sein. Zumin­dest für all jene, die nicht über das läs­si­ge Selbst­ma­nage­ment ver­sier­ter Frei­be­ruf­ler ver­fü­gen, son­dern in der Fer­ne dem Rhyth­mus eines Büros unter­lie­gen, den sie zugleich nur wenig beein­flus­sen kön­nen…” Erfah­rungs­be­richt von Johan­nes Schnei­der vom 3. Juni 2019 bei der Zeit online externer Link
  • Mehr Frei­heit durch Home­of­fice?
    Das Arbei­ten von zu Hau­se aus liegt im Trend. Die dar­aus erwach­sen­den Pro­ble­me und die Unter­neh­mens­in­ter­es­sen, die dahin­ter ste­hen, wer­den aber kaum the­ma­ti­siert. Wer der­zeit in Betrie­ben der Dienst­leis­tungs­bran­che oder in Ver­wal­tungs­be­rei­chen der Indus­trie unter­wegs ist, wird häu­fig mit einem The­ma kon­fron­tiert, das mit gro­ßen Hoff­nun­gen ver­bun­den ist: »Home­of­fice« oder »Tele­ar­beit«, wie es der Gesetz­ge­ber im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz nennt. Es geht um das Arbei­ten von zu Hau­se aus. So erleb­te ich es erst kürz­lich in einem Betrieb: Ein Kol­le­ge äußer­te gegen­über dem Betriebs­rat den Wunsch nach Home­of­fice, da es gro­ße Pro­ble­me mit dem Vor­ge­setz­ten gebe. Das Gre­mi­um nahm den Wunsch ohne grö­ße­re Beden­ken auf. Die Fra­ge, ob ein Vor­ge­setz­ter per Mail und Video­kon­fe­renz Beschäf­tig­te nicht eben­so schi­ka­nie­ren kön­ne, wur­de gar nicht erst erör­tert. Tele­ar­beit wird zuneh­mend posi­tiv besetzt. (…) Die Erwar­tun­gen sind hoch. Jeder drit­te Arbeit­neh­mer wür­de gern von zu Hau­se arbei­ten, aber nur jeder zehn­te tut es. Das ergab eine Unter­su­chung des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) im Jahr 2016. Es wird dar­auf ver­wie­sen, dass die Bun­des­re­pu­blik im euro­päi­schen Ver­gleich zurück­lie­ge. (…) Am 4. März äußer­te Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil (SPD) gegen­über dpa: »Ich wer­de ein Recht auf Home­of­fice auf den Weg brin­gen, das die Balan­ce von Sicher­heit und Fle­xi­bi­li­tät wahrt.« Die Gewerk­schaf­ten for­dern eben­falls eine gesetz­li­che Rege­lung und ver­wei­sen dabei auf den Wunsch vie­ler Ange­stell­ter, Fami­lie und Beruf bes­ser ver­ein­ba­ren zu kön­nen. Seit dem ver­gan­ge­nen Jahr setzt sich der DGB für einen Rechts­an­spruch auf Home­of­fice ein. Die DGB-Füh­rung igno­riert dabei die Ergeb­nis­se des haus­ei­ge­nen Think­tanks. (…) Eine Unter­su­chung der Euro­päi­schen Stif­tung zur Ver­bes­se­rung der Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen (Euro­found) und der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO), die ver­schie­de­ne inter­na­tio­na­le Stu­di­en aus­ge­wer­tet haben, ver­deut­licht die Risi­ken. Die Ergeb­nis­se: Tele­ar­bei­ter arbei­ten län­ger. Oft ersetzt die Tele­ar­beit die Arbeit in der Fir­ma nicht, son­dern erfolgt zusätz­lich….” Arti­kel von Mar­cus Schwarz­bach in der jun­gen Welt vom 31.05.2019 externer Link

  • Neue WSI-Stu­die: Home­of­fice und fle­xi­ble Arbeits­zei­ten: Väter machen Über­stun­den, Müt­ter auch – und küm­mern sich zusätz­lich mehr um die Kin­der 
    Frau­en und Män­ner mit Kin­dern nut­zen fle­xi­ble Arbeits­mo­del­le wie Gleit­zeit, Ver­trau­ens­ar­beits­zeit und Home­of­fice unter­schied­lich: Wäh­rend die Väter sehr viel mehr Zeit in den Job ste­cken, machen Müt­ter etwas mehr Über­stun­den, vor allem neh­men sie sich aber deut­lich mehr Zeit für die Kin­der­be­treu­ung. Damit hilft fle­xi­bles Arbei­ten zwar bei der Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie, es kann zugleich aber auch die klas­si­sche Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Frau­en und Män­nern fes­ti­gen oder sogar ver­stär­ken. Dage­gen hel­fen könn­ten kla­re­re Rege­lun­gen, etwa eine Zeit­er­fas­sung im Home­of­fice, und stär­ke­re Anrei­ze für Väter, sich aus­führ­li­cher um ihre Kin­der zu küm­mern. Mehr Frei­zeit haben weder Müt­ter noch Väter durch fle­xi­ble Arbeits­zei­ten. Das zeigt eine Stu­die von Dr. Yvonne Lott, Gen­der- und Arbeits­zeit­for­sche­rin am Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tut (WSI) der Hans-Böck­ler-Stif­tung. (…) Zusätz­li­che Erho­lungs­zeit, also etwa für mehr Schlaf, indi­vi­du­ell gestal­te­te Frei­zeit oder Sport, haben Beschäf­tig­te mit Kin­dern im Haus­halt durch fle­xi­ble Arbeits­zei­ten gene­rell nicht. Lotts Fazit ist ein­deu­tig: „Einen Frei­zeit­ge­winn mit fle­xi­blen Arbeits­ar­ran­ge­ments gibt es weder für Müt­ter noch für Väter.“ Grund­sätz­lich füh­ren fle­xi­ble Model­le also bei bei­den Geschlech­tern im Schnitt zu län­ge­ren Arbeits­zei­ten im Job, zeigt Lott. Bei Män­nern sei die­ser Effekt deut­li­cher aus­ge­prägt als bei Frau­en. Wobei Letz­te­re gleich­zei­tig mehr Zeit für die Kin­der auf­wen­den und so häu­fig dop­pelt belas­tet sind. Der Abstand bei den Zei­ten, die Müt­ter und Väter jeweils mit Erwerbs­tä­tig­keit und mit Kin­der­be­treu­ung ver­brin­gen, wächst mit der Fle­xi­bi­li­tät der Arbeit. Fle­xi­bles Arbei­ten, das als wich­ti­ge Hil­fe bei der Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf gilt, hat damit durch­aus eine Schat­ten­sei­te, warnt die For­sche­rin: Ohne bes­se­re Leit­plan­ken als es sie heu­te in vie­len Unter­neh­men gibt, kann es die tra­di­tio­nel­le Rol­len­ver­tei­lung beför­dern…” WSI-Mit­tei­lung vom 05.03.2019 externer Link zum WSI-Report Nr.47 “Weni­ger Arbeit, mehr Frei­zeit? Wofür Müt­ter und Väter fle­xi­ble Arbeits­ar­ran­ge­ments nut­zen” von Yvonne Lott vom März 2019 externer Link (16 Sei­ten) – sie­he dazu wei­te­re Mel­dun­gen:
    • Home­of­fice darf Frau­en nicht stär­ker belas­ten. “Män­ner müs­sen zu Hau­se nicht nur mehr mit­an­pa­cken, sie müs­sen Auf­ga­ben auch kom­plett über­neh­men.“
      “Frau­en und Män­ner mit Kin­dern nut­zen fle­xi­ble Arbeits­zei­ten sehr unter­schied­lich, zeigt eine Stu­die des WSI der Böck­ler-Stif­tung: Väter ste­cken mehr Zeit in den Job, Müt­ter in die Kin­der­be­treu­ung. DGB-Vize Elke Han­nack for­dert des­halb “mehr Bewe­gung in den Köp­fen bei Män­nern und Frau­en. (…) Män­ner und Frau­en müs­sen die neue Fle­xi­bi­li­tät auch so nut­zen, dass sie die Erwerbs­ar­beit und Kin­der­be­treu­ung (bzw. Erwerbs- und häus­li­che Sor­ge­ar­beit) unter­ein­an­der part­ner­schaft­lich auf­tei­len. Denn immer noch leis­ten Frau­en den Löwen­an­teil der unbe­zahl­ten Sor­ge­ar­beit, wäh­rend sie immer öfter auch einen bezahl­ten Job haben. Wir wol­len, dass sich das ändert. Damit mehr Home­of­fice nicht zu mehr Dop­pel­be­las­tung der Frau­en führt, müs­sen sich auch die Män­ner ein­sich­tig zei­gen. Die Män­ner müs­sen zu Hau­se nicht nur mehr mit­an­pa­cken, sie müs­sen Auf­ga­ben auch kom­plett über­neh­men.” Elke Han­nack zur WSI-Stu­die beim DGB am 5. März 2019 externer Link
    • Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit: Mehr Fle­xi­bi­li­tät bedeu­tet mehr Arbeit – vor allem für Müt­ter
      “… Das Kind mit weni­ger Zeit­druck zur Kita brin­gen und es am Nach­mit­tag selbst abho­len – statt es bis zum Abend von einem Baby­sit­ter oder einer Baby­sit­te­rin betreu­en zu las­sen. Mor­gens eine hal­be Stun­de län­ger schla­fen kön­nen, weil die Nacht schlecht war und der Weg zum Schreib­tisch nur weni­ge Sekun­den dau­ert. Gleit­zeit, selbst­be­stimm­te Arbeits­zei­ten und Home­of­fice ver­spre­chen, Job und Fami­li­en­le­ben bes­ser ver­ein­ba­ren zu kön­nen. Bes­ser heißt: mit weni­ger Stress und mehr Frei­räu­men zur Erho­lung. In der Rea­li­tät trifft die­se Annah­me jedoch nicht zu, wie eine Stu­die der gewerk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung zeigt. Mehr noch: Das tra­di­tio­nel­le Bild der für die Kin­der­be­treu­ung zustän­di­gen Frau wird durch fle­xi­bles Arbei­ten nur noch ver­stärkt. Müt­ter, die von zu Hau­se aus arbei­ten, inves­tie­ren dem­nach pro Woche drei Stun­den mehr in die Betreu­ung ihrer Kin­der als Müt­ter, die täg­lich ins Büro fah­ren. Müt­ter, die ihre Arbeits­zei­ten selbst bestim­men kön­nen, küm­mern sich pro Woche ein­ein­halb Stun­den mehr um ihren Nach­wuchs als Müt­ter mit fes­ten Arbeits­zei­ten. Mehr Zeit also für Musik­schu­le oder Schwimm­kurs. Schafft die Fle­xi­bi­li­tät folg­lich einen Mehr­wert? “Ein Gewinn ist nicht zu beob­ach­ten”, sagt Stu­di­en­au­torin Yvonne Lott. Im Gegen­teil: “Die Ergeb­nis­se deu­ten auf eine Dop­pel­be­las­tung von Müt­tern hin.” (…) Durch fle­xi­ble Arbeits­mo­del­le kön­nen Beschäf­tig­te neben der Kin­der­be­treu­ung auch mehr Zeit für sich selbst gewin­nen – etwa für Sport, Schla­fen oder Nichts­tun. Die Stu­di­en­ergeb­nis­se zei­gen aber, dass die Fle­xi­bi­li­tät kein Mehr an Frei­zeit bie­tet und viel mehr zu Las­ten sowohl von Müt­tern als auch von Vätern geht. Wäh­rend selbst­be­stimm­te Arbeits­zei­ten aller­dings für bei­de Geschlech­ter weni­ger Erho­lung bedeu­ten, sind Home­of­fice und Gleit­zeit allein für Müt­ter nach­tei­lig. Sie kom­men mit Gleit­zeit auf 4,5 Stun­den Frei­zeit in der Woche, bei Män­nern sind es im Durch­schnitt sechs Stun­den…” Arti­kel von Sarah Lena Grahn vom 5. März 2019 bei der Zeit online externer Link
  • Damit das Recht kein Zwang wird: Vom Home­of­fice wür­den fast nur Ange­stell­te pro­fi­tie­ren. Und längst nicht alle wol­len ger­ne Zuhau­se arbei­ten
    “Die Handwerker*innen sol­len kom­men, das Kind ist krank, oder die lan­ge Anfahrt zum Arbeits­platz strengt ein­fach nur an: Es gibt eini­ge gute Grün­de für Beschäf­tig­te, war­um sie Home­of­fice nut­zen wol­len. Nach­dem bereits die Grü­nen und der DGB sich für ein »Recht auf Home­of­fice« aus­ge­spro­chen haben, will nun auch die SPD und Arbeits­mi­nis­ter Huber­tus Heil das The­ma ange­hen. Noch in die­sem Jahr soll laut Heil ein ent­spre­chen­des Gesetz im Bun­des­tag beschlos­sen wer­den. (…) Auf nd-Anfra­ge konn­te das zustän­di­ge Arbeits­mi­nis­te­ri­um noch kei­ne genaue­ren Anga­ben machen, bis wann ein Geset­zes­ent­wurf vor­ge­legt wer­den soll. Auch zur Fra­ge, wie gere­gelt wer­den soll, dass Zuhau­se-Arbei­ten­de kei­ne Über­stun­den machen, woll­te sich das Minis­te­ri­um noch nicht äußern. Abseh­bar ist, dass der Umfang des Rechts auf Home­of­fice – ob Beschäf­tig­te bei­spiels­wei­se »Voll­zeit-Home­of­fice« machen kön­nen – Ver­hand­lungs­sa­che blei­ben wird. (…) Der­zeit arbei­ten laut dem Deut­schen Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung etwa zwölf Pro­zent aller Beschäf­tig­ten gele­gent­lich im Home­of­fice. Bei rund 40 Pro­zent der Beschäf­tig­ten wären die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen dafür gege­ben. Aller­dings: Dies trifft vor allem Ange­stell­te. In einer Aus­wer­tung des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums von 2015 geht her­vor, dass wäh­rend 60 Pro­zent der Ange­stell­ten Heim­ar­beit wahr­neh­men kön­nen, das nur bei zwei Pro­zent der Arbeiter*innen der Fall ist. Und: Nicht jeder möch­te das Ange­bot nut­zen. Zehn Pro­zent der Beschäf­tig­ten wol­len laut Insti­tut für Arbeits­markt und Berufs­for­schung auch bei vor­han­de­ner Mög­lich­keit kei­ne Heim­ar­beit. Die Gewerk­schaf­ten sehen das Vor­ha­ben mit gemisch­ten Gefüh­len. Sie möch­ten zwar eine Huma­ni­sie­rung der Arbeit, fürch­ten aber zugleich, dass sie Zuhau­se Arbei­ten­de schlech­ter errei­chen kön­nen…” Bei­trag von Ali­na Leim­bach bei neu­es Deutsch­land vom 4. März 2019 externer Link

Der Bei­trag Im Home­of­fice oder mit völ­lig selbst­be­stimm­ten Arbeits­zei­ten fällt Abschal­ten (Frau­en) beson­ders schwer erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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