[labournet:] Leipzig und das Vorgehen gegen den Widerstand gegen Miethaie: Nach dem Polizeiapparat (im Dienste der Mietpreistreiber) wird auch der Propagandaapparat (früher: Medien) in Gang gesetzt…

Kampf um Connewitz/Leipzig im September 2020„… Gegen 20:45 Uhr star­te­ten wir mit einem kraft­vol­len Demo­zug vom Hil­de­brand­park durch die Hil­de­brand­stra­ße und die Dölit­zer Stra­ße. Nach unse­ren Schät­zun­gen betei­lig­ten sich erfreu­li­cher­wei­se zwi­schen 600–800 Men­schen an unse­rer Demons­tra­ti­on, was zeigt, dass unse­re Anlie­gen in Leip­zig und in Con­ne­witz auf Gehör sto­ßen. Im Ver­lauf der Demons­tra­ti­on zün­de­ten Teil­neh­me­rIn­nen Feu­er­werk, dies wur­de durch die Poli­zei unter­sagt und wir wie­sen auch vom Laut­spre­cher­wa­gen aus dar­auf hin. Bedau­er­li­cher­wei­se kam es an der Ecke Wolf­gang-Hein­ze Straße/​Meusdorfer Stra­ße, dazu, dass ein Stein in eine nach unse­rem Wis­sen bewohn­te Woh­nung gewor­fen wur­de. Wir kön­nen es nicht gut­hei­ßen wenn unbe­tei­lig­te Men­schen einer sol­chen Gefähr­dung aus­ge­setzt wer­den! Wir kön­nen die Wut über die Ver­drän­gungs­pro­zes­se in unse­rem Vier­tel ver­ste­hen, doch wir den­ken nicht, dass die Bewoh­ne­rIn­nen die­ses Hau­ses die Haupt­ver­ant­wort­li­chen in einem kom­ple­xe­ren Ent­wick­lungs­pro­zess sind. Obwohl wir beru­hi­gend auf die Demons­tra­ti­on ein­wir­ken woll­ten um unse­re geneh­mig­te Rou­te zu been­den, lös­te die Poli­zei die Demons­tra­ti­on um 21:00 Uhr auf und begann dar­auf­hin Men­schen in der Wolf­gang-Hein­ze Stra­ße und den umlie­gen­den Stra­ßen zu atta­ckie­ren und fest­zu­set­zen. Wir for­der­ten die Poli­zei dazu auf ruhig zu blei­ben, damit es kei­ne Ver­letz­ten gibt. Wir ver­stän­dig­ten uns dar­auf den Laut­spre­cher­wa­gen aus dem Bereich zu fah­ren. Des­we­gen kön­nen wir über den wei­te­ren Ver­lauf des Abends zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­ne Aus­sa­ge tref­fen. Für uns ist es unver­ständ­lich war­um die Poli­zei Men­schen­grup­pen atta­ckier­te, die sich offen­sicht­lich ver­such­ten den Gescheh­nis­sen zu ent­zie­hen. Eben­so unver­ständ­lich ist für uns die mas­si­ve Poli­zei­prä­senz im Ver­lauf des Tages in Con­ne­witz. Gera­de nach den Gescheh­nis­sen der letz­ten Tage emp­fan­den wir die Poli­zei­stra­te­gie als offen­siv und eska­lie­rend. Das Bedro­hungs­sze­na­rio, wel­ches im Vor­feld wie­der ein­mal auf­ge­baut wur­de kri­ti­sie­ren wir. Es erweck­te für uns den Anschein, dass die Poli­zei offen­siv die Eska­la­ti­on gesucht hat­te, da sie heu­te die Kräf­te vor­han­den hat­ten die wohl in den letz­ten Tagen fehl­ten um Fest­nah­men zu machen und ihre Quo­ten zu erfül­len. Ein Ver­hal­ten wel­ches lei­der für die deut­sche Poli­zei typisch und die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sehr zu bezwei­feln ist. (…) Wir wün­schen allen Betrof­fe­nen von Poli­zei­ge­walt und den Gefan­ge­nen viel Kraft. Des Wei­te­ren appe­lie­ren wir an die Pres­se den Gesamt­kon­text zu berück­sich­ti­gen, kri­tisch und objek­tiv zu blei­ben und nicht wie so oft die Pres­se­mit­tei­lung der Poli­zei nach­zu­dru­cken“ – aus der „Vor­läu­fi­ge Pres­se­mit­tei­lung zur Demons­tra­ti­on am 05.09.2020: „Kämp­fe ver­bin­den – Für eine soli­da­ri­sche Nach­ba­rIn­nen­schaft!““ des Bünd­nis Fight For Your Future externer Link vom spä­ten Sams­tag­abend – samt abschlie­ßen­dem – völ­lig ver­geb­li­chen – Appells an die Beschäf­tig­ten des Pro­pa­gandap­pa­ra­tes. Zu den Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Hin­ter­grün­den sowie Vor­ge­schich­te in Leip­zig aktu­ell eine klei­ne kom­men­tier­te Mate­ri­al­samm­lung:

„Hef­ti­ge Aus­schrei­tun­gen bei Demo gegen Haus­räu­mung in Leip­zig – acht Poli­zis­ten ver­letzt“ eben­falls am 05. Sep­tem­ber 2020 bei der Leip­zi­ger Volks­zei­tung online externer Link – Nach­mit­tags über den Frei­tag­abend mach­te schon deut­lich, dass die Pres­se­dienst­stel­le der Poli­zei wie­der ein­mal begie­ri­ge Kund­schaft erhal­ten hat­te (und wird, auf der­sel­ben Sei­te, von meh­re­ren Mel­dun­gen „abge­run­det“ die alle­samt ver­mut­lich die glei­che Autoren­schaft haben): „… In Leip­zig-Con­ne­witz ist es bei einer spon­ta­nen Demo gegen die Räu­mung eines besetz­ten Hau­ses am Frei­tag­abend zu hef­ti­gen Aus­schrei­tun­gen gekom­men. Augen­zeu­gen­be­rich­ten zufol­ge wur­den dabei Poli­zis­ten aus einer Grup­pe von etwa 200 bis 300 teils ver­mumm­ten Per­so­nen her­aus mit Pflas­ter­stei­nen und Böl­lern bewor­fen. Nach Poli­zei­an­ga­ben wur­den acht Poli­zis­ten leicht ver­letzt und meh­re­re Autos beschä­digt, dar­un­ter sechs Wagen der Poli­zei. Die Demons­tran­ten zün­de­ten auch Müll­ton­nen an, meh­re­re Stra­ßen­bah­nen wur­den durch Bar­ri­ka­den auf den Glei­sen zum Hal­ten gezwun­gen. Die Poli­zei setz­te Trä­nen­gas ein. Fest­nah­men gab es zunächst kei­ne. Noch in der Nacht wur­de mit der Spu­ren­si­che­rung begon­nen. Poli­zei­be­am­te sam­mel­ten Stei­ne ein, mit denen Demons­tran­ten Poli­zei­fahr­zeu­ge bewor­fen hat­ten. Die Stei­ne wur­den in Plas­tik­tü­ten ver­packt und zur Aus­wer­tung mit­ge­nom­men…“

„Kret­schmer ver­ur­teilt Gewalt in Con­ne­witz – Poli­zei ent­schul­digt sich für Ret­weet“ am 06. Sep­tem­ber 2020 beim MDR externer Link ist ein­mal mehr ganz beson­ders staats- also eigen­tums­tra­gend und wit­tert all­über­all Gefahr für die Poli­zei: „… An der Kund­ge­bung unter dem Mot­to “Kämp­fe ver­bin­den – Für eine soli­da­ri­sche Nachbar*innenschaft” hat­ten sich am Sonn­abend nach Poli­zei­an­ga­ben zwi­schen­zeit­lich bis zu 500 Men­schen betei­ligt. Trotz Ver­bots zün­de­ten die Teil­neh­men­den Böl­ler und Ben­ga­los. In Sei­ten­stra­ßen kam es zu Jagd­sze­nen zwi­schen Ver­mumm­ten und den Ein­satz­kräf­ten. Ein MDR-Repor­ter berich­te­te, es wur­den auch Gebäu­de beschä­digt. Bei einem Neu­bau auf der Wolf­gang-Hein­ze-Stra­ße wur­den bei­spiels­wei­se zwei Fens­ter ein­ge­schmis­sen und Farb­bom­ben auf die Fas­sa­de gewor­fen. In der Nacht folg­ten wei­te­re Spon­tan­de­mons­tra­tio­nen gegen die Fest­nah­me von Demons­tran­ten. Müll­ton­nen und ein Ein­kaufs­wa­gen gin­gen in Flam­men auf. Wie die Poli­zei wei­ter mit­teil­te, wur­de der Pilot eines Poli­zei­hub­schrau­bers wäh­rend des Ein­sat­zes mit einem Laser geblen­det, sodass auch wegen gefähr­li­chen Ein­griffs in den Luft­ver­kehr ermit­telt wird. Gegen 01:30 Uhr hiel­ten meh­re­re Men­schen eine Stra­ßen­bahn an und besprüh­ten sie mit Graf­fi­ti. Im etwas ent­fern­ten Leip­zi­ger Stadt­teil Lin­denau brann­te laut Poli­zei auf dem umzäun­ten Gelän­de des Poli­zei­ver­wal­tungs­amts ein Strei­fen­wa­gen…“

„Das ist unser Haus“ von Nele Reb­mann am 26. August 2020 bei Kreu­zer online externer Link war ein Bei­trag über das besetz­te Haus in der Lud­wig­stra­ße – vor der gewalt­tä­ti­gen Räu­mung durch die Poli­zei im Auf­trag der Miethaie. Dar­in wur­de unter ande­rem berich­tet: „… Seit dem 21. August ist das Haus in der Lud­wig­stra­ße 71 im Leip­zi­ger Osten nun schon besetzt. Wie es wei­ter geht, bleibt unklar, die Beset­ze­rin­nen rech­nen aller­dings mit einer bal­di­gen Räu­mung. Ein Akti­vist der Initia­ti­ve Leip­zig Beset­zen erklärt: »Die Men­schen im Haus berei­ten sich vor.« Kampf­lo­ses Auf­ge­ben kommt für die Beset­ze­rin­nen nicht in Fra­ge. »Das ist unser Haus und wir las­sen es uns nicht so ein­fach wie­der weg­neh­men«, heißt es auf dem Twit­ter-Account von Leip­zig Beset­zen. Offen für Gesprä­che mit dem anony­men Eigen­tü­mer wol­len sie trotz­dem blei­ben. Ein Gespräch auf Augen­hö­he – so lau­te­te das Ziel der Akti­vis­tin­nen. Zu Beginn der Beset­zung schien das auch mög­lich: Noch am sel­ben Tag der Beset­zung erfolg­te die öffent­li­che Kund­ge­bung. Es folg­ten Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen, eine Debat­te um bezahl­ba­ren Wohn­raum sowie die Legi­ti­mi­tät von Haus­be­set­zun­gen, zwei sich soli­da­risch zei­gen­de Haus­be­set­zun­gen – aller­dings kein Gespräch zwi­schen Beset­ze­rin­nen und Eigen­tü­mer des Hau­ses. Der soll laut Anga­ben des MDR bereits am 22. August von der Poli­zei ermit­telt wor­den sein und bereit gewe­sen, mit den Beset­ze­rin­nen zu spre­chen. Doch am 25. August kippt der Plan: Die Akti­vis­tin­nen tei­len mit, der Eigen­tü­mer habe das Gespräch plat­zen las­sen. Und auch die Stadt ist nicht bereit, sich auf Gesprä­che ein­zu­las­sen. Frank Amey, Lei­ter des Amtes für Woh­nungs­bau und Stadt­er­neue­rung, erklärt auf Anfra­ge des kreu­zers: »Wir wol­len ja ger­ne alter­na­ti­ve Pro­jek­te unter­stüt­zen, das geht aller­dings nur im lega­len Bereich. Aber die Jugend darf und muss der älte­ren Genera­ti­on auch Miss­stän­de auf­zei­gen«. Amey weiß, dass das Haus in der Lud­wig­stra­ße 71 einen »städ­te­bau­li­chen Miss­stand« dar­stel­le und dass Leer­stand und Ver­fall eigent­lich nicht sein soll­ten, betont aber den­noch sei­ne neu­tra­le Bera­tungs­funk­ti­on. Man kön­ne dem Besit­zer des Hau­ses zwar Rat­schlä­ge geben, aber die letzt­end­li­che Ent­schei­dung oblie­ge dem Eigen­tü­mer, betont Amey. Die­se Ent­schei­dung scheint nun gefal­len. So sei den Akti­vis­tin­nen von Leip­zig Beset­zen mit­ge­teilt wor­den, dass der Eigen­tü­mer wei­ter­hin anonym blei­ben will und sich mitt­ler­wei­le ent­schie­den hat, das Haus pri­vat nut­zen zu wol­len. Auch Amts­lei­ter Amey erklärt im Tele­fon­ge­spräch mit den Beset­ze­rin­nen sei­ne Media­to­ren­rol­le für been­det, er sei »amt­lich und sach­lich raus«...“ – unter­stüt­zen in jenem lega­len Bereich der (sehr, sehr bei­spiels­wei­se) durch ideo­lo­gie­treue Obers­te Rich­ter ver­bie­tet, die Ver­nich­tung von Lebens­mit­teln zu ver­hin­dern

„Ein ers­tes Resü­mee“ am 03. Sep­tem­ber 2020 bei Leip­zig beset­zen externer Link unter­strich nach dem Poli­zei­über­fall: „… Ges­tern am 02.09.2020 wur­de die Luwi71 geräumt. Gegen sechs Uhr mor­gens began­nen Bul­len den Ver­such ins Haus ein­zu­drin­gen. Dank sta­bi­ler Bar­ri­ka­den war das mit dem Ramm­bock nicht mög­lich. Erst Motor­sä­gen ver­schaff­ten der Staats­ge­walt Zutritt. Nach etwa drei Stun­den ver­mel­de­te die Poli­zei das Ende des Ein­sat­zes auf Twit­ter. Damit stand die Luwi wie­der leer und Träu­me von nicht-kom­mer­zi­el­len Frei­räu­men sowie güns­ti­gem Wohn­raum lagen wie die Ein­gangs­tür in Trüm­mern. Dank soli­da­ri­scher und wach­sa­mer Anwohner*innen sowie einem eige­nen Scout-Sys­tem, wel­ches Wan­nen­be­we­gun­gen im Vier­tel beob­ach­te­te, konn­ten die Men­schen im Haus alle­samt recht­zei­tig vor der Poli­zei flie­hen. Trotz­dem wur­den vier Men­schen in Haus­nä­he auf­ge­grif­fen und deren Iden­ti­tä­ten fest­ge­stellt. Drei Per­so­nen wur­den dar­auf­hin vor­läu­fig auf die Dimitroff-Wache ver­schleppt. Zwei Men­schen auf­grund des Ver­dachts des Haus­frie­dens­bruchs. Ihnen wird also vor­ge­wor­fen Besetzer*innen gewe­sen zu sein. Die drit­te Per­son wegen eines offe­nen Haft­be­fehls, wel­cher auf ein nicht gezahl­tes Buß­geld wegen des fal­schen Anbrin­gens einer Hun­de­steu­er­mar­ke zurück­zu­füh­ren ist. Nach­dem das Geld bezahlt wur­de, konn­te die drit­te Per­son gehen. Die ande­ren bei­den konn­ten gegen halb elf eben­falls die Wache ver­las­sen, aber laut eige­ner Aus­sa­ge nicht, bevor ihnen DNA ent­nom­men und ihnen die Ohren abge­mes­sen wur­den. Es hat sich gezeigt, dass Pro­fi­te und Kapi­tal über den Bedürf­nis­sen der Stadtbewohner*innen ste­hen. Das Pri­vat­ei­gen­tum als höchs­ter Wert die­ses Sys­tems hat mal wie­der gewon­nen. Der Staat schafft es wie­der ein­mal nicht, Wohn­raum für alle Men­schen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Bedürf­nis­se der Men­schen sind in die­sem Sys­tem Neben­sa­che. Am Frei­tag, den 21.08.2020, besetz­ten wir die Lud­wig­stra­ße 71. Wir haben sofort der Stadt Leip­zig, eini­gen Stadt­rats­frak­tio­nen und der Pres­se unser Nut­zungs­kon­zept zukom­men las­sen bzw. um Ver­hand­lun­gen gebe­ten. Lei­der haben zunächst weder die Stadt­rats­frak­tio­nen noch Ämter der Stadt auf unse­re Mail geant­wor­tet. Erst am 22.08.2020 haben wir über einen Arti­kel der Leip­zi­ger Volks­zei­tung erfah­ren, dass der Eigen­tü­mer ermit­telt wur­de und am Mitt­woch, den 26.08.2020, nach Leip­zig kom­men will, „um mit den Akti­vis­ten ins Gespräch zu kom­men“. Wir haben für die­se Ver­hand­lung Räu­me orga­ni­siert und Rechtsanwält*innen kon­tak­tiert. Am Diens­tag, den 25.08.2020, besuch­te uns der Lei­ter des Amts für Wohn­bau und Stadt­er­neue­rung und teil­te uns stell­ver­tre­tend mit, dass der Eigen­tü­mer die Gesprä­che am Mitt­woch nicht län­ger füh­ren und wei­ter anonym blei­ben will. Kom­mu­ni­ka­ti­on zum Eigen­tü­mer kön­ne aller­dings über das Amt lau­fen. Er bot sich als “Media­tor” und “Brief­kas­ten” an. Der Amts­lei­ter infor­mier­te uns außer­dem, dass der Eigen­tü­mer fragt, ob wir das Haus kau­fen oder mie­ten könn­ten. Wir haben kei­ne der Optio­nen abge­lehnt, son­dern unser Inter­es­se bekun­det, nach einer kon­kre­ten Sum­me gefragt und als wei­te­re Alter­na­ti­ve ange­bo­ten, dass wir uns auch einen Wäch­ter­haus­sta­tus vor­stel­len könn­ten. Dies zeigt, dass wir kon­kre­te finan­zi­el­le Abma­chun­gen mit dem Eigen­tü­mer ein­ge­hen woll­ten, wodurch erneut unser Bemü­hen um Ver­hand­lun­gen zur Lega­li­sie­rung des Haus­pro­jekts deut­lich wur­de...“

„Aktua­li­sier­tes Nut­zungs­kon­zept Luwi 71“ am 25. August 2020 bei Leip­zig beset­zen externer Link war eine kon­kre­ti­sier­te Vor­stel­lung der Vor­ha­ben die von der Lega­li­tät der BRD ver­bo­ten sind – unter ande­rem: „… Das Grund­stück steht nun bereits seit über einem Jahr­zehnt leer und wird nicht genutzt. Daher hal­ten wir es für unse­re kul­tu­rel­le und sozia­le Nut­zung für opti­mal geeig­net. Das Haus besteht aus drei Eta­gen und ist unter­kel­lert. Die obe­ren Eta­gen sind mit je zwei Woh­nun­gen mit meh­re­ren Zim­mern aus­ge­stat­tet. Zum Haus gehört ein Gar­ten. Den Räum­lich­kei­ten wer­den unter­schied­li­che Nut­zun­gen zuge­führt. Am 23.08.2020 fand eine Voll­ver­samm­lung mit den Anwohner*innen und Inter­es­sier­ten der Beset­zung statt. Aus den Wün­schen und Bedürf­nis­sen so wie der aktu­el­len Ein­schät­zung des Zustan­des des Hau­ses selbst nun ein über­ar­bei­te­tes Kon­zept: Im Erd­ge­schoss kann ein Café und eine Bar mit inte­grier­ter Biblio­thek ent­ste­hen. Der Ver­kauf der Geträn­ke basiert auf Spen­den­ba­sis. Durch den Auf­bau und die Auf­tei­lung der Räu­me ist es mög­lich, auch eine Küche für Alle (Küfa) zu orga­ni­sie­ren, wel­che ein bis zwei mal die Woche statt­fin­den kann. Es ist eben­falls denk­bar, die Räu­me für öffent­li­che Ver­an­stal­tun­gen, wie Vor­trä­ge, zur Ver­fü­gung zu stel­len…“

„#LE0509“ ist der Hash­tag externer Link unter dem zahl­rei­che Tweets zu den Ereig­nis­sen am 05. Sep­tem­ber 2020 doku­men­tiert sind – gibt in der Zusam­men­schau auch reich­lich Auf­schluss dar­über, wie die Pro­pa­gan­da­kam­pa­gne zur Ver­tei­di­gung der Eigen­tü­mer-Dik­ta­tur orga­ni­siert wird und wirkt – und wie die Kon­ser­va­ti­ven und Rech­ten in Ver­tei­di­gung der Miet­preis­trei­be­rei samt Gen­tri­fi­zie­rung „Schaum vorm Mund“ haben… Sie­he auch #Con­ne­witz

„Drei Tage Kra­wall in Leip­zig“ von Hen­rik Mer­ker am 06. Sep­tem­ber 2020 in der taz online externer Link hat zwar eine frag­wür­di­ge Über­schrift (ganz im Sin­ne einer die­ser Zei­tung nahe ste­hen­den Par­tei, die laut ver­schie­de­nen Berich­ten von Rent­ne­rIn­nen ein­mal irgend­wie pro­gres­siv gewe­sen sein soll), kommt aber immer­hin am Ende noch auf die Ursa­chen der Pro­tes­te zu spre­chen: „… Aus­lö­ser der Pro­tes­te war die Räu­mung eines besetz­ten Hau­ses am Mitt­woch durch die Poli­zei nahe der Eisen­bahn­stra­ße. Seit­her kam es vor allem in dem für lin­ke Pro­tes­te bekann­ten Stadt­teil Con­ne­witz zu Zusam­men­stö­ßen mit der Poli­zei. Doch schon am Tag nach der Räu­mung setz­ten Beam­te im Bereich der Eisen­bahn­stra­ße Trä­nen­gas ein. Zwi­schen Poli­zis­ten und den in Schwarz geklei­de­ten Demons­tran­ten kam es zu ver­ein­zel­ten Ran­ge­lei­en. Am Ende wur­den 22 Per­so­nen ins Revier gefah­ren. Ihnen wur­de unter ande­rem schwe­rer Land­frie­dens­bruch und Sach­be­schä­di­gung vor­ge­wor­fen. (…) Am Sonn­tag dann wur­den aus einer Demons­tra­ti­on her­aus Neu­bau­häu­ser ange­grif­fen, drei Schei­ben zer­stört und Fas­sa­den beschä­digt. Fotos zei­gen, wie ein ben­ga­li­sches Feu­er auf einem Bal­kon brennt. Ein Poli­zist vor Ort sag­te, es sei zumin­dest dabei kein grö­ße­rer Scha­den ent­stan­den. Auch in eine bewohn­te Woh­nung flog ein Stein, der Mie­ter unter­hielt sich anschlie­ßend mit der Spu­ren­si­che­rung am Fens­ter und ver­such­te, wenigs­tens noch die Jalou­sie zu schlie­ßen. Ein MDR-Repor­ter berich­tet, dass Stei­ne auch in Rich­tung von Jour­na­lis­ten gewor­fen wur­den. Rechts­ex­tre­me behaup­ten unter­des­sen auf Twit­ter, Poli­zis­ten sei­en mit Brand­sät­zen ange­grif­fen wor­den. Die Poli­zei hin­ge­gen erwähnt in ihren Mit­tei­lun­gen kei­ne Brand­sät­ze. Auch in meh­re­ren ande­ren Leip­zi­ger Stadt­tei­len kam es am Wochen­en­de zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen. So wur­de bei­spiels­wei­se in Lin­denau am Sonn­abend ein Strei­fen­wa­gen ange­zün­det. Lin­ken-Poli­ti­ke­rin Julia­ne Nagel sieht die Ursa­chen der Gewalt nicht zuletzt im hart umkämpf­ten Woh­nungs­markt. „Stei­gen­den Mie­ten und spe­ku­la­ti­vem Leer­stand konn­te die Poli­tik bis­her wenig ent­ge­gen­set­zen“, sagt sie...“

„Leip­zi­ger Stra­ßen­kampf“ von Jana Frie­ling­haus am 06. Sep­tem­ber 2020 bei nd online externer Link wird, was die Miet­preis­trei­be­rei betrifft ein biss­chen kon­kre­ter, und ver­weist auch auf die ganz bbe­son­de­re Pro­pa­gan­daart des Poli­zei-Ober­bos­ses: „… Julia­ne Nagel, Abge­ord­ne­te der Lin­ken im säch­si­schen Land­tag und Leip­zi­ger Stadt­rä­tin, sag­te dem »nd«, sie sei »kein Fan von Gewalt«, zumal die­se »das Schmie­den von Bünd­nis­sen« gegen den Mie­ten­wahn­sinn erschwe­re. Zugleich kön­ne sie ver­ste­hen, dass »Leu­te aus­ras­ten«. In Con­ne­witz wür­den Neu­bau­woh­nun­gen nicht mehr unter zehn Euro pro Qua­drat­me­ter net­to­kalt ver­mie­tet, »und das bei einem Durch­schnitts­ein­kom­men von 1500 Euro im Stadt­teil«. Nagel erin­ner­te dar­an, dass Sach­sen eines von drei Bun­des­län­dern ist, die die Miet­preis­brem­se noch nicht umge­setzt haben. »Wir als Lin­ke set­zen uns seit min­des­tens zehn Jah­ren für Mecha­nis­men ein, die Mie­ten begren­zen. Aber auf Stadt- und Lan­des­ebe­ne ist das schwie­rig.« Kri­tisch zur Dar­stel­lung der Ereig­nis­se in Poli­tik und Medi­en äußer­te sich der Grü­nen-Stadt­rat Jür­gen Kasek. Auf Twit­ter schrieb er: »Wenn wir gera­de über Gewalt spre­chen, soll­ten wir viel­leicht auch über struk­tu­rel­le Gewalt spre­chen. Dar­über, dass Men­schen kei­nen Platz zum Woh­nen haben, dar­über, dass Men­schen woh­nungs­los sind und Men­schen zwangs­ge­räumt wer­den.« Zudem sieht Kasek Arbeits­ver­wei­ge­rung bei der Poli­tik bei der Schaf­fung von bezahl­ba­rem Wohn­raum. Leip­zigs Poli­zei­prä­si­dent Tors­ten Schult­ze heiz­te der­weil die Stim­mung an, indem er die Angrif­fe auf Beam­te in Schutz­aus­rüs­tung als »Tötungs­de­lik­te« ein­ord­ne­te: »heim­tü­ckisch und mit Mit­teln, die den Tod der Men­schen, die getrof­fen wer­den, in Kauf neh­men«...“

„Die Ent­lee­rung der Stadt“ von Georg Seeß­len am 03. Sep­tem­ber 2020 in der jung­le world externer Link (Aus­ga­be 36/​2020) ist ein Bei­trag, der die gesell­schaft­li­chen Fol­gen der aktu­el­len Prak­ti­ken der Eigen­tums­dik­ta­tur zum The­ma hat und dabei unter vie­lem ande­ren unter­streicht:„… Sie­ben Haupt­ur­sa­chen hat die Ent­ur­ba­ni­sie­rung der Städ­te der­zeit. Ers­tens: Die Trans­for­ma­ti­on städ­ti­scher Bau­sub­stanz in einen Gegen­stand weit­ge­hend unre­gu­lier­ter Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on, eine der Kar­di­nal­sün­den der Neo­li­be­ra­li­sie­rung, erzeugt nicht nur sozia­le und demo­gra­phi­sche Bewe­gun­gen, son­dern auch ein ande­res Ver­hält­nis zum Woh­nen. Wenn alles Besitz wird, ist nichts mehr daheim. Selbst die »Lin­den­stra­ße« als Bild des klein­bür­ger­li­chen urba­nen Zusam­men­le­bens wird abge­setzt, damit Berg­dok­to­ren und Pro­vinz­po­li­zis­ten noch mehr Sen­de­zeit bekom­men. Ent­ur­ba­ni­sie­rung und Pro­vin­zia­li­sie­rung sind, zumin­dest was das Fern­sehen anbe­langt, in der Tat: Pro­gramm. Zwei­tens: Damit ver­bun­den sind Abfol­gen von Gen­tri­fi­zie­rung und Ver­elen­dung. In die­sen Kreis­läu­fen ist eine per­ma­nen­te und im Gan­zen abso­lut bru­ta­le Ver­trei­bung im Gan­ge, eine mehr­fa­che Flucht­be­we­gung, die stän­di­ge Ver­nich­tung alles Wach­sen­den und Gedei­hen­den. Die Ver­lie­rer müs­sen ent­we­der in die »ärme­ren« Vier­tel (auf die nächs­te Gen­ri­fi­zie­rungs­wel­le war­tend) oder in »sozia­le Brenn­punk­te« umzie­hen, in den här­te­ren Fäl­len geht es auch um Obdach­lo­sig­keit oder »Heim­un­ter­brin­gung«. Die­je­ni­gen, die dar­auf hof­fen kön­nen, ihren sozia­len Sta­tus recht und schlecht zu bewah­ren, zie­hen »aufs Land«, das aber dadurch gera­de sei­ne Länd­lich­keit ver­liert und sich in ein end­lo­ses, gleich­för­mi­ges und Gleich­för­mig­keit pro­du­zie­ren­des sub­ur­bia ­ver­wan­delt, das sich von ech­ter Urba­ni­tät eben­so unter­schei­det wie von der agra­risch gepräg­ten Pro­vinz. Hier ver­eint sich, könn­te man sagen, das Schlech­tes­te bei­der Sphä­ren und wirkt an deren bei­der Zer­stö­rung glei­cher­ma­ßen mit. Drit­tens: die Ver­ödung der Innen­städ­te und die Ersti­ckung der kul­tu­rel­len Räu­me. Die soge­nann­ten Fuß­gängerzonen zum Bei­spiel, die einst ein Motor der städ­ti­schen Öko­no­mien ­waren und sich zum sozia­len eben­so wie zum kauf­män­ni­schen Anti­dot der ursprüng­lich vor­herr­schen­den Orga­ni­sa­ti­on von Ein­zel­han­del und Frei­zeit­an­ge­bot ent­wi­ckel­ten, ver­lie­ren in einer drit­ten Trans­for­ma­ti­on ihre Bedeu­tung an Ein­kaufs­zen­tren in der Peri­phe­rie und an den Online-Han­del. Die Gas­tro­no­mie erlebt den Nie­der­gang schon dadurch, dass sie für eine wach­sen­de Zahl von Men­schen zu teu­er wird. Zwi­schen Fast Food und ­Schi­cki­lo­kal bleibt wenig Raum für gewöhn­li­che Leu­te, die ger­ne unter ande­re gewöhn­li­che Leu­te gehen, damit viel­leicht nicht alles so gewöhn­lich bleibt. Und die ver­zwei­fel­ten Ver­su­che, etwas »gegen die Ver­ödung der Innen­städ­te« zu tun, bewe­gen sich zwi­schen Kin­der­fa­sching und Kunst­hand­werks­markt – also wei­ter in Rich­tung Pro­vin­zia­li­sie­rung…“

Der Bei­trag Leip­zig und das Vor­ge­hen gegen den Wider­stand gegen Miethaie: Nach dem Poli­zei­ap­pa­rat (im Diens­te der Miet­preis­trei­ber) wird auch der Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat (frü­her: Medi­en) in Gang gesetzt… erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

Read More