[perspektive:] Mitgbegründer von „Heckler und Koch“ lies KZ-Zwangsarbeiter arbeiten bis sie Tod waren

Die Waffenfirma „Heckler und Koch“ ist der bedeutendste deutsche Hersteller von Handfeuerwaffen und einer der größten fünf weltweit. Nun kommt heraus: Firmengrüner Edmund Heckler machte zuvor Karriere in einem der gößten Nazi-Rüstungskonzerne und lies KZ-Häftlinge bis zum Tode für sich schuften. Das Unternehmen erklärte, davon nichts gewusst zu haben.

Die Rüs­tungs­fir­ma „Hek­ler und Koch“ pro­du­ziert nicht nur die Dienst­waf­fen der deut­schen Poli­zei, son­dern auch das Stan­dard­ge­wehr der Bun­des­wehr, das G36. Damit ist das unter­neh­men ein stra­te­gi­scher Pfei­ler im Gewalt­ap­pa­rat des deut­schen Staats.

Nun wird bekannt: Edmund Heck­ler, ein Mit­be­grün­der des Unter­neh­mens war wäh­rend sei­ner bereits bekann­ten Kar­rie­re in dem NS-Rüs­tungs­kon­zern „Hugo Schnei­der AG“ (HASAG) auch direkt ver­ant­wort­lich für den bru­ta­len Ein­satz von Zwangs­ar­bei­te­rIn­nen.

Die Geschichte eines Nazi-Unternehmens

Das Unter­neh­men HASAG – wel­ches schon im ers­ten Welt­krieg Rüs­tungs­gü­ter pro­du­ziert hat­te – lie­fer­te schon ab 1933 Muni­ti­on an die Reichs­wehr und wur­de 1934 offi­zi­ell als Rüs­tungs­be­trieb ein­ge­stuft. Edmund Heck­ler war Betriebsi­rek­tor und Ober­inge­nieur und bau­te die Zweig­wer­ke in Leip­zig, Ber­lin, Tau­cha und Alten­burg auf und lei­te­te die drei letzt­ge­nann­ten.

Pro­fes­sor Chris­to­pher Kop­per, Wirt­schafts­his­to­ri­ker von der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld, der für „Bild am Sonn­tag“ die ent­deck­ten Akten ana­ly­sier­te, sagt: „Als Werks­lei­ter war Edmund Heck­ler nach dem ‚Gesetz zur Ord­nung der natio­na­len Arbeit‘ von 1934 der ‚Betriebs­füh­rer‘ und damit für das Ver­hal­ten des Arbeit­ge­bers gegen­über der gesam­ten ‚Gefolg­schaft‘ und für die Arbeits­be­din­gun­gen der Beschäf­tig­ten ver­ant­wort­lich. Für die Arbeits­be­din­gun­gen der Beschäf­tig­ten trug er die Letzt­ver­ant­wor­tung.“

Mit Aus­bruch des Zwei­ten Welt­krie­ges 1939 begann der Kon­zern Zwangs­ar­bei­ter ein­zu­set­zen. Der Kon­zern bevor­zug­te den Ein­satz und die Aus­beu­tung von Zwangs­ar­bei­tern aus meh­re­ren Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern für die Pro­duk­ti­on in etli­chen Betrie­ben und unter­hielt eige­ne Zwangs­ar­bei­ter­la­ger, die von der SS ver­wal­tet wur­den.

Vernichtung durch Arbeit

Breits 1939 über­nahm HASAG im besetz­ten Polen drei Rüs­tungs­wer­ke: in Skarżys­ko-Kami­en­na, Kiel­ce und Tschen­sto­chau. Die Fir­ma setz­te tau­sen­de jüdi­sche Häft­lin­ge ein – mit dem Ziel der Ver­nich­tung durch Arbeit. Von den zwi­schen 25.000 und 30.000 Zwangs­ar­bei­tern der HASAG-Wer­ke in Skarżys­ko-Kami­en­na haben nach Schät­zun­gen pol­ni­scher His­to­ri­ker 18.000 bis 23.000 den Lager­auf­ent­halt nicht über­lebt.

Bis­her war die­se Ver­nich­tungs­po­li­tik öffent­lich nur aus dem beset­zen Polen bekannt. Wie die „Bild am Sonn­tag“ nun berich­tet, wur­den 1000 jüdi­sche Frau­en sowie Sin­ti und Roma aus den KZ Ausch­witz und Buchen­wald depor­tiert, um auch in einem Werk im säch­si­schen Tau­cha unter den Augen von Heck­ler Pan­zer­fäus­te für die Kriegs­ma­schi­ne­rie zu mon­tie­ren. 1944 hat­te HASAG durch den Reichs­mi­nis­ter für Rüs­tung und Kriegs­pro­duk­ti­on Albert Speer die Son­der­voll­macht „Hoch­lauf Pan­zer­faust“ erhal­ten.

Aus­sa­gen dar­über gibt es bereits seit lan­gem. Eine über­le­ben­de, Hil­de­gard Sär­gel, berich­te­te laut „Bams“ im Jahr 1969 Fol­gen­des: „In Tau­cha wur­de ich in Holz­ba­ra­cken unter­ge­bracht. Erhän­gun­gen sind im Lager häu­fig vor­ge­kom­men. Bei der­ar­ti­gen Exe­kutionen muss­ten wir auf dem Appell­platz antre­ten.“

Am 17. Juni 1968 berich­te­te The­re­sia Baran­yai: „Im Som­mer 1939 wur­de ich aus ras­si­schen Grün­den (Zigeu­ne­rin) ver­haf­tet.“ Im Herbst 1943 war sie nach Tau­cha gekom­men. „Auch im Lager und ins­be­son­de­re bei der Arbeit wur­den immer wie­der Häft­lin­ge erschla­gen und erschos­sen.“

Zum Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­de das Werk durch Luft­an­grif­fe beschä­digt. Am 13. April 1945 wur­den Tau­sen­de Häft­lin­ge aus den HASAG-Außen­la­gern der Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern auf die Todes­mär­sche getrie­ben.

Und nach dem Krieg?

Selbst nach Kriegs­en­de soll sich HASAG gewei­gert haben, den Über­le­ben­den zu hel­fen und sich um die Opfer zu küm­mern. Edmund Heck­ler floh nach Baden-Würt­tem­berg und ent­ging damit wohl einer Ver­fol­gung durch die Sowjets, die in Sach­sen die Vor­macht­stel­lung inne hat­ten. Unter ihrer Auf­sicht wur­den alle HASAG-Maschie­nen demon­tiert und als Repe­ra­ti­ons­leis­tun­gen durch die Sowje­ti­sche Mil­är­ad­mi­nis­tra­ti­on in Deutsch­land beschlag­nahmt. Die meis­ten Gebäu­de wur­den danach gesprengt. In Pro­zes­sen kam es unter ande­rem zu vier Todes­stra­fen gegen Nazi-Ver­bre­cher.

Im Wes­ten konn­te sich Heck­ler offen­bar sicher füh­len und wur­de hier auch gebraucht. Vier Jah­re spä­ter grün­de­te er zusam­men mit Theo­dor Koch und Alex Sei­del die Fir­ma Heckler&Koch in Obern­dorf.

Die Fir­ma pro­du­ziert zunächst Ersatz­tei­le für Näh­ma­schi­nen oder auch Fahr­rä­der. Doch Noch wäh­rend des alli­ier­ten Rüs­tungs­ver­bots nach dem Krieg durf­te Heckler&Hoch wie­der Waf­fen her­stel­len. Mit dem Ende die­ses Ver­bots und der Grün­dung der Bun­des­wehr wan­del­te sich HK um zu einem rei­nen Rüs­tungs­un­ter­neh­men. Dabei konn­te das Unter­neh­men auf dem bru­ta­len Wis­sen Heck­lers‘ aus dem NS-Geschäfts­be­trieb auf­bau­en.

Das Unternehmen zeigte sich „bestürzt“

Die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen von Edmund Heck­ler zeig­ten sich über­rascht über die Recher­chen. Sei­ne Toch­ter Sybil­le erklär­te: „Ich wuss­te nicht ein­mal, dass mein Vater NSDAP-Mit­glied war.“

Die Fir­men­lei­tung erklär­te: aus den Recher­chen „her­vor­ge­hen­den Ergeb­nis­se ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit unse­rem Fir­men­grün­der Edmund Heck­ler waren unse­rer Geschäfts­füh­rung bis­her nicht bekannt“. Das Unter­neh­men gehört der­zeit mehr­heit­lich dem fran­zö­si­schen Mil­li­ar­där Nico­las Walew­ski.

Der Bericht habe „gro­ße Betrof­fen­heit aus­ge­löst“. Man wer­de die Ver­gan­gen­heit „unse­res 1960 ver­stor­be­nen Fir­men­grün­ders Edmund Heck­ler betrach­ten und uns dabei um ein objek­ti­ves Bild von ihm bemü­hen“.

Obgleich es nahe­lie­gend ist, dass ein Unter­neh­men, wel­ches Zwangs­ar­bei­te­rIn­nen in Polen ein­setz­te dies auch in Deutsch­land tat, ist bis heu­te die Geschich­te des Fir­men­grün­des von Heckler&Koch nicht auf­ge­ar­bei­tet wor­den.

Der Bei­trag Mitgbe­grün­der von „Heck­ler und Koch“ lies KZ-Zwangs­ar­bei­ter arbei­ten bis sie Tod waren erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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