[GAM:] Biden-Vize „Top Cop“ Kamala Harris: Das neue Gesicht der demokratischen Unterdrückung

Mar­cus Oto­no, Info­mail 1117, 8. Sep­tem­ber 2020

Mit der Wahl von Sena­to­rin Kama­la Har­ris, die sich als Gene­ral­staats­an­wäl­tin Kali­for­ni­ens ger­ne als Top Cop des Staa­tes bezeich­ne­te, hat Joe Biden den letz­ten Nagel in den Sarg der kur­zen „sozia­lis­ti­schen“ Rebel­li­on von Ber­nie San­ders, Alex­an­dria Oca­sio Cor­tez (AOC) und ihren Anhän­ge­rIn­nen geschla­gen.

Der vir­tu­el­le demo­kra­ti­sche Natio­nal­kon­vent wur­de mit Red­ne­rIn­nen eröff­net, zu denen der ehe­ma­li­ge repu­bli­ka­ni­sche Gou­ver­neur von Ohio, John Kasich, die ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin und Vor­stands­vor­sit­zen­de von Hew­lett Packard, Meg Whit­man, und … Ber­nie San­ders gehör­ten. San­ders‘ Rede unter­stütz­te Biden vor­be­halt­los, in der er sogar behaup­te­te, des­sen Wider­stand gegen Medi­ca­re for All (Gesund­heits­ver­sor­gung für Alle) sei eine bloß tak­ti­sche Mei­nungs­ver­schie­den­heit über „den bes­ten Weg zu einer uni­ver­sel­len Ver­sor­gung“. So viel zur poli­ti­schen „Revo­lu­ti­on“, die er bei sei­nen zwei Kan­di­da­tu­ren für die Nomi­nie­rung der Demo­kra­tIn­nen ver­sprach. Akti­vis­tIn­nen „unse­rer Revo­lu­ti­on“, so wird gemel­det, sei­en vom Kon­vent ange­wi­dert gewe­sen. Nun, sie mögen es sein, aber sie haben nur sich selbst die Schuld zu geben. Um noch mehr Scha­den zuzu­fü­gen, wur­de AOC im wei­te­ren Ver­lauf der Tages­ord­nung nur ein 60 Sekun­den lan­ger Video­platz zur Ver­fü­gung gestellt. Das ist das unrühm­li­che Ende der Kam­pa­gne der selbst­er­nann­ten „demo­kra­ti­schen Sozia­lis­tIn­nen“ inner­halb der zwei­ten kapi­ta­lis­ti­schen Par­tei Ame­ri­kas, die Par­tei nach links zu drän­gen.

Die Wahl von Har­ris beton­te, dass das, was im Gan­ge war, eine Rück­kehr zur alten Agen­da des Washing­to­ner Kon­sen­ses war – des­sen Ergeb­nis­se die Grund­la­ge für den Auf­stieg von Donald Trumps Form des Rechts­po­pu­lis­mus über­haupt erst bil­de­ten. Er ermög­lich­te es ihm, die Glo­ba­li­sie­rung und den Arbeits­platz­ver­lust von US-Arbei­te­rIn­nen nach Chi­na oder Mexi­ko dem­ago­gisch anzu­grei­fen. Biden hat deut­lich gemacht, dass er Trumps Anti-Chi­na-Poli­tik wei­ter­füh­ren, wenn nicht gar ver­schär­fen wird.

Har­ris, die durch­aus auf­ge­for­dert wer­den könn­te, in die Fuß­stap­fen des 77-jäh­ri­gen Biden zu tre­ten, bevor sei­ne ers­te Amts­zeit vor­bei ist, wür­de im Grun­de die­sel­be neo­li­be­ra­le Pro-Wall-Street-Poli­tik ver­fol­gen, die wir unter Rea­gan, den Bus­hes und dann auch unter den Demo­kra­ten Clin­ton und Oba­ma gese­hen haben. Es han­del­te sich um vier­zig Jah­re der „Sozia­li­sie­rung“ der Kos­ten der Wirt­schafts­kri­sen bei gleich­zei­ti­ger „Pri­va­ti­sie­rung“ der Pro­fi­te. Durch die Schlie­ßung und Aus­la­ge­rung von Indus­trien sind die Rei­chen unver­schämt rei­cher gewor­den, wäh­rend der Rest von uns um die Res­te kämpft, die von ihren vor Über­la­dung äch­zen­den Tischen fal­len. Trumps vul­gä­re Zur­schau­stel­lung ist nur eine Ent­hül­lung des­sen, was der Groß­teil der mil­li­ar­den­schwe­ren herr­schen­den Klas­se umsich­ti­ger tut. Die Har­ris-Aus­wahl zeigt, dass sich dar­an nichts ändern wird.

Kamala Harris – Identität, Optik und Politik

Har­ris wur­de 1964 als ältes­te Toch­ter von Migran­tIn­nen gebo­ren, wenn auch kaum typi­scher Art. Ihr Vater war ein jamai­ka­ni­scher Wirt­schafts­pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät von Kali­for­ni­en in Ber­ke­ley, und ihre Mut­ter war eine Wis­sen­schaft­le­rin und For­sche­rin aus Indi­en. Die demo­kra­ti­sche Füh­rung wähl­te sie, weil sie meh­re­re der Identitäts-„Kästchen“ posi­tiv aus­füllt, die die­se benutzt, um ihre Wahl­grund­la­gen unter den ras­sis­tisch Unter­drück­ten zu sichern und zu zei­gen, wie fort­schritt­lich die Demo­kra­tIn­nen sind. Sie ist eine Frau und hat eine Per­son of Colour.

Mit Blick auf ihre lan­ge poli­ti­sche Kar­rie­re stell­ten vie­le in der Schwar­zen Com­mu­ni­ty zurecht in Fra­ge, ob dies sie qua­li­fi­ziert, sie zu ver­tre­ten. Als Kind im Schul­sys­tem der 1960er/​70er Jah­re, am Ende der demü­ti­gen Jim-Crow-Jah­re, ist es gewiss, dass sie auf­grund ihrer Haut­far­be dis­kri­mi­niert wur­de. Es sei jedoch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie in Kali­for­ni­en und nicht im Süden oder in nörd­li­chen Stadt­ghet­tos auf­ge­wach­sen ist. Wäh­rend sie auf­wuchs, ver­brach­te sie Zeit in Jamai­ka mit ihrer Fami­lie väter­li­cher­seits und in Indi­en mit ihrer müt­ter­li­chen Sei­te. Als Kind leb­te sie auch eine Zeit­lang in Toron­to, Kana­da. Sie ist also weit gereist und in der mul­ti-kul­tu­rel­len Mit­tel­schicht inte­griert.

Das Ver­trau­en der Demo­kra­ti­schen Par­tei auf „Iden­ti­tät“ als Stra­te­gie zum Stim­men­fang ist immer ein heik­ler Tanz, bei dem ver­sucht wird, zumin­dest ver­bal auf die Bedürf­nis­se der ver­schie­de­nen Unter­drück­ten ein­zu­ge­hen, ins­be­son­de­re wenn es zwi­schen ihren pri­vi­le­gier­ten Anfüh­re­rIn­nen, die um begrenz­te Res­sour­cen kämp­fen, Rei­bun­gen gibt. Har­ris wur­de zum gro­ßen Teil als Beloh­nung für den loyals­ten Wahl­block gewählt, den die Demo­kra­tIn­nen im Lau­fe der Jah­re hat­ten, näm­lich älte­re Schwar­ze und vor allem älte­re schwar­ze Frau­en. Ihre per­sön­li­che Geschich­te zeigt jedoch, dass sie mit dem Hin­ter­grund der Arbei­te­rIn­nen­klas­se und den Kämp­fen der meis­ten schwar­zen Frau­en, an die sie sich wen­den soll, wenig gemein­sam hat.

Es ist iro­nisch, dass sich die Demo­kra­tIn­nen wäh­rend eines Jah­res mas­si­ver sozia­ler Unru­hen gegen den Poli­zei­ter­ror gegen Schwar­ze jeman­den aus­ge­sucht haben, des­sen beruf­li­che Lauf­bahn als Anwäl­tin den größ­ten Teil ihrer Zeit als Staats­an­wäl­tin auf loka­ler oder staat­li­cher Ebe­ne ver­bracht hat. Kama­la Har­ris tritt bis in die Kno­chen für das Poli­zei­we­sen ein. In ihrem 2009 erschie­ne­nen Buch „Effek­tiv gegen das Ver­bre­chen“ rief sie zu mehr Poli­zei auf und behaup­te­te, dass „prak­tisch alle geset­zes­treu­en Bür­ge­rIn­nen sich siche­rer füh­len, wenn sie sehen, dass Poli­zis­tIn­nen auf Strei­fe gehen“ und dass „Poli­zei­kräf­te ein beru­hi­gen­des Zei­chen für das Enga­ge­ment einer Gemein­schaft für Ord­nung, Ruhe und Sicher­heit sind“.

Natür­lich sag­te sie in die­sem Jahr, als der Wind in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung weh­te, dass die Idee, dass „mehr Poli­zei auf den Stra­ßen mehr Sicher­heit schafft, ein­fach falsch ist“, und nann­te die „Black Lives Matter“-Bewegung (BLM) „die Hel­dIn­nen unse­rer Zeit“. Die Demo­kra­tIn­nen lie­ßen auch die Fami­lie von Geor­ge Floyd auf einem Kon­vents­vi­deo erschei­nen, um die Opfer ras­sis­ti­scher Gewalt zu ehren und eine Schwei­ge­mi­nu­te ein­zu­le­gen. Aber an einer ande­ren Stel­le „balan­cier­ten“ sie dies aus, indem sie Poli­zis­tIn­nen ehr­ten, die in Aus­übung ihrer Pflicht gefal­len waren und offen­sicht­lich die guten Äpfel im Korb waren, und sie zeig­ten ein Video von Poli­zis­tIn­nen, die BLM-Demons­tran­tIn­nen umarm­ten. Tat­säch­lich ist so etwas eine Belei­di­gung für die BLM-Bewe­gung.

Es stimmt, dass Har­ris selbst ein Objekt des Bul­len­has­ses ist, seit sie 2004, als San Fran­cis­cos Bezirks­staats­an­wäl­tin, als ein Poli­zei­be­am­ter, Isaac Espi­no­za, von einem Ban­den­mit­glied mit einem Sturm­ge­wehr getö­tet wur­de, sag­te, dass sie die Todes­stra­fe für den Mör­der nicht ein­for­dern wür­de. Danach kehr­ten ihr die Poli­zis­tIn­nen bei auf­ein­an­der­fol­gen­den Pri­de-Para­den in der Stadt demons­tra­tiv den Rücken zu. Zwei­fel­los wird die Trump-Kam­pa­gne ihre „Anti Cop“-Akte in der kom­men­den Kam­pa­gne mit all dem zusätz­li­chen Gift, das sie für Schwar­ze und Frau­en reser­viert hat, aus­rol­len.

Es stimmt zwar, dass sie sich auch, zumin­dest ver­bal, bemüht hat, die har­te Kan­te des Geset­zes für die Arbei­te­rIn­nen­klas­se und die Unter­drück­ten abzu­stump­fen, aber ein Blick in ihre Akte zeigt deut­lich, dass, auch wenn sie manch­mal das Wort ergreift, der Weg, den sie geht, all­zu oft der gegen­wär­ti­gen recht­li­chen Macht­struk­tur ent­ge­gen­kommt. Nur ein paar Bei­spie­le aus ihrer Kar­rie­re:

  • Wäh­rend sie als Staats­an­wäl­tin dar­über sprach, die Todes­stra­fe nicht zu unter­stüt­zen, hat sie es ver­säumt, nicht nur ein, son­dern zwei getrenn­te Volks­ab­stim­mun­gen in Kali­for­ni­en zu befür­wor­ten, um die Todes­stra­fe zu abzu­schaf­fen.
  • Sie unter­stütz­te die Kri­mi­na­li­sie­rung von Eltern aus der Arbei­te­rIn­nen­klas­se (meist Schwar­ze und Lati­nos), deren Kin­der die Schu­le schwänz­ten.
  • Sie lehn­te es ab, 2014 und 2015 Ermitt­lun­gen über die Erschie­ßung schwar­zer Men­schen durch die Poli­zei anzu­ord­nen, und dann, eben­falls 2015, ver­säum­te sie es, einen Gesetz­ent­wurf in der kali­for­ni­schen Legis­la­ti­ve mit­zu­tra­gen, der eine/​n Sonderstaatsanwalt(-anwältin mit der Unter­su­chung der poli­zei­li­chen Anwen­dung töd­li­cher Gewalt beauf­tragt hät­te.
  • Sie wider­setz­te sich zunächst einem DNA-Test, der einen Mann aus dem Todes­trakt hät­te holen kön­nen, obwohl sie, nach­dem die New York Times den Fall auf­ge­deckt hat­te, ihre Posi­ti­on änder­te.
  • Sie sprach sich gegen die Frei­las­sung gewalt­lo­ser Gefan­ge­ner aus kali­for­ni­schen Gefäng­nis­sen aus und argu­men­tier­te über ihre Anwäl­tIn­nen, dass die Gefäng­nis­se dadurch einen wich­ti­gen Arbeits­kräf­te­pool ver­lie­ren wür­den, weil sie die zahl­rei­chen kali­for­ni­schen Wald­brän­de, die jedes Jahr auf­tre­ten, aus­lösch­ten; in Wirk­lich­keit befür­wor­te­te sie Skla­vIn­nen­ar­beit für einen gefähr­li­chen Beruf.
  • Wäh­rend ihrer Kan­di­da­tur für den Senat und die Prä­si­dent­schaft hat sie auch oppor­tu­nis­ti­sche poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen getrof­fen, wie zum Bei­spiel, dass sie zunächst Gesund­heits­ver­sor­gung für alle för­dert und sich dann von die­ser Unter­stüt­zung zurück­zieht.

Wie auch immer der poli­ti­sche Wind weht, sie setzt ihre Segel in die­se Rich­tung, um ihre Kar­rie­re vor­an­zu­brin­gen. Zu erwar­ten, dass Kama­la Har­ris auf der Sei­te der Arbei­te­rIn­nen­klas­se steht, ist eine Übung in (Selbst)Täuschung. Kama­la wird auf Kama­las Sei­te ste­hen, und das bedeu­tet auf der Sei­te der herr­schen­den Klas­se. Und zwar immer.

Aber der Schein ist das Wich­tigs­te für die demo­kra­ti­sche Füh­rung. Sie denkt, dass ein/​e demokratische/​r Kan­di­da­tIn für das Amt des/​r Prä­si­den­tIn oder Vize­prä­si­den­tIn im Jahr 2020 nur „nicht Trump“ sein muss. Dann will sie, dass das Team so vie­le der „Identitäts“-Kästchen wie mög­lich für die Lin­ke erfüllt und gleich­zei­tig repu­bli­ka­ni­sche Anti-Trump-Wäh­le­rIn­nen mit einer gemä­ßig­ten, ja kon­ser­va­ti­ven Poli­tik anlockt.

Anhaltende Unterdrückung und Verdrängung von Meinungsverschiedenheiten

Die Erset­zung von Trump and Pence durch Biden und Har­ris wird nur für eine Min­der­heit der Bevöl­ke­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten einen Unter­schied aus­ma­chen. Natür­lich wer­den bei­de sich nicht Trumps grund­lo­sen ras­sis­ti­schen und frau­en­feind­li­chen Belei­di­gun­gen hin­ge­ben. Bour­geoi­se Per­sön­lich­kei­ten, die die „Nor­ma­li­tät“ der neo­li­be­ra­len Welt­sicht der letz­ten vier Jahr­zehn­te reprä­sen­tie­ren, wer­den in Washing­ton, DC, wie­der in den Vor­der­grund tre­ten. Die Büro­kra­tIn­nen und das obe­re und mitt­le­re Manage­ment, oft Tech­no­kra­tIn­nen genannt, die die­se Eli­te unter­stüt­zen, wer­den ihren Ein­fluss und Zugang zur Macht zurück­ge­win­nen und einen Teil des Reich­tums, der durch die Poli­tik des glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus erzeugt wur­de.

Selbst wenn die von Trump reprä­sen­tier­te „Neue Welt­un­ord­nung“ des Rechts­po­pu­lis­mus aus den inter­na­tio­na­len Ange­le­gen­hei­ten ver­schwin­det, wird die Dämo­ni­sie­rung ande­rer impe­ria­ler Welt­zen­tren wie Russ­land und Chi­na und regio­na­ler Mäch­te wie des Iran mit Krie­gen, die nur einen Schuss ent­fernt sind, nicht auf­hö­ren. Sie könn­te sogar zuneh­men. Biden ver­kör­pert kei­nen fun­da­men­ta­len Unter­schied zu Trump, wenn es dar­um geht, Ame­ri­kas „Grö­ße“ gegen­über sei­nen Riva­lIn­nen wie­der zu behaup­ten. Was man über Trumps Popu­lis­mus sagen kann, ist, dass er mit einer gehö­ri­gen Por­ti­on Iso­la­tio­nis­mus ein­her­ging. Trotz sei­nes Getö­ses hat er in den vier Jah­ren sei­ner Amts­zeit das mili­tä­ri­sche Aben­teu­rer­tum der Ver­ei­nig­ten Staa­ten nicht wesent­lich aus­ge­wei­tet, wäh­rend demo­kra­ti­sche Prä­si­den­ten die USA in eine Rei­he von Krie­gen geführt haben.

Für die Mehr­heit der Arbei­te­rIn­nen­klas­se wird sich jedoch nicht viel ändern. Migran­tIn­nen wer­den wei­ter­hin wie unter Oba­ma inhaf­tiert und depor­tiert wer­den. Schwar­ze wer­den wei­ter­hin durch Poli­zei­ter­ror getö­tet wer­den, ohne dass dies für die Staats­ter­ro­ris­tIn­nen nen­nens­wer­te Fol­gen hät­te. Es wer­den wei­ter­hin Spar­maß­nah­men gefor­dert wer­den, um die Ver­lus­te der „systemrelevanten“-BankerInnen und Finan­ziers und die Kos­ten des SARS-CoV-2-Virus zu decken. Die Sta­gna­ti­on der Löh­ne und Sozi­al­leis­tun­gen und die Angrif­fe auf die Rech­te der Arbei­te­rIn­nen­schaft, ins­be­son­de­re auf das Ver­ei­ni­gungs­recht, wer­den wei­ter­ge­hen.

Die „Erho­lung“ von den Fol­gen der gegen­wär­ti­gen und kom­men­den „Grö­ße­ren Rezes­si­on“ wird für die Arbei­te­rIn­nen­klas­se nur lang­sam bis gar nicht statt­fin­den, wäh­rend die herr­schen­de Klas­se wei­ter­hin durch unse­re Steu­ern und durch die Druck­ma­schi­nen der Regie­rung geschützt sein wird. Die Obdach­lo­sig­keit wird zuneh­men, wenn die Wirt­schaft absäuft, Mie­te­rIn­nen aus ihren Häu­sern gewor­fen wer­den und Hypo­the­ken ver­fal­len.

Das Mili­tär wird wei­ter­hin einen gro­ßen Teil des Bun­des­haus­halts auf­fres­sen, wäh­rend Gesund­heits­ver­sor­gung für alle von gewähl­ten Ver­tre­te­rIn­nen, die mit Wahl­kampf­bei­trä­gen bezahlt wer­den, einer „Ana­ly­se“ unter­zo­gen wird, um das der­zei­ti­ge „gewinn­ori­en­tier­te“ Gesund­heits­sys­tem zu schüt­zen. Kurz gesagt, die Unter­drü­ckung, die für die meis­ten von uns eine Tat­sa­che des Lebens im Kapi­ta­lis­mus ist, wird in rasan­tem Tem­po wei­ter­ge­hen.

Bun­des­be­am­tIn­nen in Port­land, Seat­tle, Chi­ca­go und ande­ren Städ­ten sind gewalt­sam mit Demons­tran­tIn­nen zusam­men­ge­sto­ßen, haben Pro­tes­tie­ren­de in frag­wür­di­ger Wei­se von der Stra­ße ent­führt und die Über­wa­chung der Anfüh­re­rIn­nen von Pro­tes­ten gegen sozia­le Unge­rech­tig­keit in Abspra­che mit ört­li­chen Poli­zei­be­am­tIn­nen und Poli­ti­ke­rIn­nen ver­stärkt. Zwar ist es unwahr­schein­lich, dass ein/​e Demo­kra­tIn im Wei­ßen Haus zu einem solch unver­hoh­le­nen Gebrauch von Exe­ku­tiv­be­feh­len greift, aber es war kei­ne Ver­ir­rung, dass die Beset­zungs­pro­tes­te 2012 (Occu­py Move­ment) von demo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­te­rIn­nen unter einem demo­kra­ti­schen Prä­si­den­ten und einer demo­kra­ti­schen Ver­wal­tung nie­der­ge­schla­gen wur­den. Biden wird sich auch nicht mit den eigent­li­chen Ursa­chen der poli­zei­li­chen Straf­lo­sig­keit befas­sen.

Seit der Gro­ßen Rezes­si­on hat der Kapi­ta­lis­mus gezeigt, dass er kei­ne Ant­wor­ten auf die Pro­ble­me hat, die uns bedrän­gen. Die Covid-19-Kri­se, zusam­men mit Trumps Rechts­po­pu­lis­mus, hat vie­le von ihnen beschleu­nigt. Die­se Situa­ti­on trifft auf bei­de Par­tei­en der Bour­geoi­sie zu. Die herr­schen­de Klas­se ist gespal­ten zwi­schen einer Grup­pe, die eine eiser­ne Faust for­dert, um ihr Ver­mö­gen zu schüt­zen, und einer Grup­pe, die sich nach dem Glo­ba­lis­mus von Bush und Oba­ma sehnt, einen Samt­hand­schuh über der eiser­nen Faust. Kei­ne von bei­den kann behaup­ten, für die gro­ße Mehr­heit zu spre­chen, die im letz­ten Jahr­zehnt und dar­über hin­aus so viel ver­lo­ren hat.

Doch wäh­rend die herr­schen­de Klas­se beweist, dass sie nicht wei­ter­hin in der glei­chen Wei­se wie in der Ver­gan­gen­heit regie­ren kann, bewei­sen die Arbei­te­rIn­nen­klas­se und die Unter­drück­ten in den USA, dass sie sich wei­gern, sich wie in der Ver­gan­gen­heit regie­ren zu las­sen. Das ist die Defi­ni­ti­on einer vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Situa­ti­on an sich.

Unge­ach­tet der über­trie­be­nen Behaup­tung, die Wahl der Demo­kra­ti­schen Par­tei käme einer Abstim­mung gleich, um das Land vor dem Auto­ri­ta­ris­mus und dem „Faschis­mus“ von Trump zu „ret­ten“, wird die Wahl von Joe Biden und Kama­la Har­ris für den Rest von uns nichts Wesent­li­ches genug ändern. Eine Abstim­mung für Biden ist kei­ne Ent­schei­dung für „Ver­än­de­rung“, außer in der kür­zes­ten und ober­fläch­lichs­ten Bedeu­tung des Wor­tes. Es ist der Höhe­punkt jahr­zehn­te­lan­ger Abstim­mun­gen über das „klei­ne­re Übel“. Im Fal­le eines Sie­ges könn­te es sogar die Trump-Bewe­gung wütend machen, wenn sie behaup­tet, dass sie aus­ge­raubt wur­de, und die­se sich zu einer ech­ten faschis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on ent­wi­ckeln, die die Arbei­te­rIn­nen und die ras­sisch Unter­drück­ten, die für ihre Rech­te kämp­fen, angreift.

Die wich­ti­ge Lek­ti­on ist, auf der Stra­ße zu blei­ben, egal wer im Novem­ber gewinnt. Orga­ni­siert und ver­eint die ver­schie­de­nen Wider­stands­fron­ten, brecht die Gewerk­schaf­ten, die sozia­len Bewe­gun­gen, Frau­en, schwar­ze, latein­ame­ri­ka­ni­sche und asia­ti­sche Jugend­li­che von der Demo­kra­ti­schen Par­tei hin­weg und orga­ni­siert eine Arbei­te­rIn­nen­par­tei, um unse­re Klas­sen­in­ter­es­sen zu ver­tre­ten. Unse­re Aktio­nen und nicht unse­re Stim­men sind das Ein­zi­ge, was uns ret­ten kann. Und das ist kei­ne Über­trei­bung, das ist eine har­te Tat­sa­che. Bleibt stark, Genos­sIn­nen!

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