[gfp:] Berlin: Im Untergrundkrieg gegen Russland und China

Deutsch­land, ins­be­son­de­re Ber­lin, war Dreh­schei­be im Unter­grund­krieg eines mör­de­ri­schen Sys­tem­kamp­fes.

Die­sen Sta­tus hat es wie­der­erlangt – nicht mehr im Auf­trag der Kon­kur­ren­ten von einst, die sich im Wes­ten des BND bedien­ten (samt sei­nes frü­he­ren NS-Per­so­nals).

Das ver­ei­nig­te Deutsch­land ist kein Sub­un­ter­neh­mer.

Beuteteilhabe

Es ist aus eige­nem Recht selbst Kon­kur­rent im eska­lie­ren­den Krieg um Welt­herr­schafts­zie­le – der BND an fast jeg­li­chem Brenn­punkt deut­scher Macht­ex­pan­si­on mit tau­sen­den V‑Leuten und Agen­ten.

Rück­fluss und Siebung die­ses Spio­na­ge­er­trags im poli­ti­schen Zen­trum des EU-Hege­mons, in der Haupt­stadt Ber­lin, zieht Kon­kur­renz­diens­te an. An der Beu­te wol­len sie teil­ha­ben – mit Abhör­an­la­gen, instal­liert auf den Dächern ihrer Bot­schafts­ge­bäu­de, um den berech­tig­ten Schutz von Ver­fas­sungs­or­ga­nen des Gast­ge­ber­lan­des rabi­at zu durch­bre­chen: USA gegen Deutsch­land, NSA gegen BND. Ande­re Diens­te gehen sorg­sa­mer vor. Unter Chef­di­plo­ma­ten der EU-Füh­rungs­macht forscht der Bun­des­an­walt nach Geheim­nis­ver­rä­tern – gesprä­chi­gen Ken­nern deut­scher Asi­en-Poli­tik: BRD gegen Chi­na.

Vielerart Zuflucht

In die­sem Gestrüpp aus offe­nem Rechts­bruch west­li­cher Freun­de und ver­mu­te­ten Akten von Geheim­nis­ver­rat für die öst­li­chen Geg­ner suchen Macht­op­po­nen­ten aus den inne­ren Zir­keln bei­der feind­li­cher Lager Zuflucht und Hil­fe. Sie suchen sie dort, wo sie zu Recht Inter­es­sen­ten ver­mu­ten: jen­seits der Gren­zen ihrer hei­mi­schen Herr­schaft, beim stra­te­gi­schen Geg­ner. Ber­lin zeigt sich offen für vie­lerart Zuflucht.

Besondere Betreuung

Es öff­net den Luft­raum für Wirt­schafts­ver­bre­cher, die nach Feu­er­ge­fech­ten mon­te­ne­gri­ni­scher Polit­kri­mi­nel­ler in Char­ter­ma­schi­nen Deutsch­land anflie­gen und bei ers­ten Adres­sen staat­li­che deut­sche Kran­ken­ver­sor­gung mit Poli­zei­schutz genie­ßen (so in der Medi­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han­no­ver, Febru­ar 2020). Exqui­si­te Behand­lung dür­fen in Deutsch­land auch Per­so­nen erwar­ten, die bei Auf­stands­ver­su­chen und Ter­ror­an­grif­fen – wenn sie Vor­macht­an­sprü­chen deut­scher Welt­po­li­tik nicht abträg­lich waren – ver­letzt über­leb­ten (so wie die Ver­letz­ten der Umsturz­mas­sa­ker in der Ukrai­ne, ver­sorgt u.a. in der Ber­li­ner Cha­ri­té, die die Behand­lungs­kos­ten über­nahm, März 2013).

Wer bei sol­chen Ereig­nis­sen als Füh­rungs­fi­gur den Umsturz vor­an­trieb, kann damit rech­nen, als per­sön­li­cher Gast der deut­schen Regie­rung die beson­de­re Betreu­ung eines Chef­ärz­te­teams der Cha­ri­té zu erfah­ren (so die ukrai­ni­sche Poli­ti­ke­rin Timo­schen­ko, die unter der Ägi­de des Ver­wal­tungs­di­rek­tors auch dem Bun­des­kri­mi­nal­amt sowie dem BND unter­stand, April 2012 bis März 2014).

Strahlkraft im Westen

Die sys­te­ma­ti­sche Nut­zung des poli­ti­schen Vor­teils, den der medi­zi­ni­sche Vor­wand der Vor­macht ver­schafft, die im euro­päi­schen Osten ihr Hin­ter­land wähnt, lässt Dis­si­den­ten aus allen Milieus, vor allem in Russ­land, zu beson­ders pro­vo­kan­ten Akti­ons­for­men grei­fen. Auch ohne die Steue­rung kon­kur­rie­ren­der Diens­te stel­len sol­che Aktio­nen ein Ange­bot dar, das genutzt wer­den kann – oder auch nicht. Für die Strahl­kraft im Wes­ten reicht die Behaup­tung, man habe dabei sein Leben ris­kiert oder wer­de ver­folgt.

„Meinungsfreiheit“

Selbst offen vul­gä­re hap­pe­ning-shows, deren Droh­po­ten­zi­al gegen staat­li­che Herr­schaft gering­fü­gig ist, aber Ethik-Kon­sen­se der Mehr­heit angrei­fen, kom­men zum Ein­satz und haben Erfolg – in Ber­lin. Als eine rus­si­sche Femi­nis­ten­grup­pe in Mos­kau auf­trat und vor dem Altar des Zen­tral­hei­lig­tums der rus­si­schen Chris­ten blas­phe­misch skan­dier­te („Got­tes­schei­ße“, „Mei­nungs­frei­heit“), empör­ten sich die deut­schen Bun­des­tags­par­tei­en – da die Grup­pe mit dem Eigen­na­men „Pus­sy Riot“ („Muschi-Auf­ruhr“) zur Rechen­schaft gezo­gen wur­de (Febru­ar 2012). Das Ver­fah­ren, das mit stren­gen Stra­fen ende­te, ver­ur­teil­te die dama­li­ge Bun­des­vor­sit­zen­de der Grü­nen, Clau­dia Roth, als „Schau­pro­zess“, die Par­tei­vor­sit­zen­de der Lin­ken, Kat­ja Kip­ping, sprach von „Putins Gesin­nungs­jus­tiz“. Auch ein damals noch wenig beach­te­ter Poli­ti­ker der rus­si­schen Oppo­si­ti­on mel­de­te sich zu Wort: Ale­xej Nawal­ny. Er kri­ti­sier­te die „demons­tra­ti­ve Ver­nich­tung der Jus­tiz“.

Angebot erwidert

Das ver­nehm­li­che Echo im poli­ti­schen Zen­trum des EU-Hege­mons, in der Haupt­stadt Ber­lin, ermu­tig­te das „Pussy-Riot“-Milieu, mit dem auch Nawal­ny in Ver­bin­dung steht, zu neu­en Atta­cken auf den poli­ti­schen Geg­ner deut­scher Ost­po­li­tik: Russ­land.

Ver­klei­det als Ord­ner der Fuß­ball-WM stürm­te die Grup­pe ein Mos­kau­er Sta­di­on (Juli 2018). Sie unter­brach das Fina­le unter lau­ten Pro­tes­ten der kroa­ti­schen Spie­ler und der Sport­ler aus Frank­reich, die an dem Event („für Frie­den und Frei­heit“) nicht teil­neh­men woll­ten. Doch der Auf­tritt gelang: er kam in die Medi­en, vor allem in Deutsch­land.

Die erwar­te­te Stra­fe (15 Tage Arrest) war kaum ver­hängt, als ein „Pussy-Riot“-Mitglied über Unwohl­sein klag­te. Kurz dar­auf stand in Russ­land ein Flug­zeug bereit, und brach­te den Kran­ken nach Öff­nung des Luft­raums durch die deut­schen Behör­den (was nicht jedem ver­gönnt ist) in die Haupt­stadt Ber­lin. Die Char­ter des Flugs zahl­te ein Gön­ner, des­sen Stif­tungs­be­trieb, Sitz in Ber­lin, und die Bun­des­re­gie­rung koope­rie­ren.

„Wir glau­ben, dass er ver­gif­tet wur­de“, hieß es bei „Pus­sy Riot“ über den Kran­ken. „Ein Freund sei­nes Vaters, der in einer Ber­li­ner Kli­nik arbei­tet, sol­le die Behand­lung außer­halb Ruß­lands ange­bo­ten haben“.

Die hilf­rei­che Kli­nik war die Ber­li­ner Cha­ri­té; der Kran­ke lan­de­te dort, wo auch Julia Timo­schen­ko gene­sen und vom BKA bewacht wor­den war.

Das Ange­bot der Sys­te­m­op­po­nen­ten, die ihr phy­si­sches Leben jetzt wirk­lich ris­kier­ten, wur­de 2018 end­lich genutzt, ja es wur­de erwi­dert – und war für künf­ti­ge Fäl­le als Vor­la­ge nütz­lich.

Ums Ganze

Nur zwei Jah­re spä­ter ist offen­sicht­lich, dass die poli­ti­schen Beben der „Pussy-Riot“-Aktionen Vor­bo­ten waren und 2020 in erwei­ter­ter Fas­sung den Dis­si­den­ten Nawal­ny als bewusst­lo­ses Opfer im Unter­grund­krieg leben­dig begra­ben. Die han­deln­den Char­gen sind iden­tisch geblie­ben – bis hin zu dem Gön­ner, der auch für Nawal­ny den Char­ter­flug zahl­te und des­sen Stif­tungs­be­trieb „für Frie­den und Frei­heit“, Sitz in Ber­lin, der Bun­des­re­gie­rung nicht unbe­kannt ist.

Damit erreicht die Affä­re das­sel­be Niveau, auf dem der Kampf gegen Chi­na bereits seit lan­gem flo­riert. Es geht nicht um Klein­geld. Es geht jetzt ums Gan­ze.

Neutralisiert

Beim Kampf gegen Chi­na ist die Ange­bots­la­ge weni­ger güns­tig. Kul­tu­rel­le Atta­cken wur­den ver­sucht, aber blie­ben erfoglos, ja scha­de­ten eher, als Nut­zen zu brin­gen wie im Fall „Pus­sy Riot“.

Zwar ließ sich der Künst­ler und Dis­si­dent Ai Wei­wei auf eine Gast­pro­fes­sur und ande­re Ehren deut­scher Staats­trä­ger ein, wobei er gemein­sam mit der rus­si­schen Grup­pe sowie dem Stif­tungs­be­trieb für „Frie­den und Frei­heit“ bei Galas auf­trat (Novem­ber 2015); doch nach kri­ti­schen Wor­ten über die Fol­gen der NS-Dik­ta­tur im All­tag der Deut­schen und ihre Xeno­pho­bie war er als Zeu­ge poli­ti­schen Unrechts in sei­nem Hei­mat­land Chi­na neu­tra­li­siert und damit wert­los gewor­den. Er ver­ließ Ber­lin Rich­tung Cam­bridge.

Mit härteren Mitteln

Set­dem sieht Ber­lin kei­nen ande­ren Zugang, als mit här­te­ren Mit­teln für „Frie­den und Frei­heit“ in Chi­na zu wir­ken: mit Euro­zen­tris­mus und Kolo­ni­al­po­li­tik.

Der zwei­te Teil folgt in Kür­ze.

Bit­te beach­ten Sie unse­re Video­ko­lum­ne Krieg gegen Chi­na.

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