[gG:] [HH] – Solisponti für den Roten Aufbau

Wie die meis­ten Genos­sis war­schein­lich bereits wis­sen, haben am Mon­tag den 31.08. ins­ge­samt 28 Haus­durch­su­chun­gen bei Genoss*innen des Roten Auf­bau Ham­burg statt­ge­fun­den, wobei auch der lin­ke Vier­tel­la­den Lüt­je Lüüd auf der Ved­del durch­sucht wur­de.
Hier ein paar Wor­te war­um es auch als Auto­no­me
r und/​oder Anar­chistin* wich­tig ist in die­sem Moment mit dem Roten Auf­bau soli­da­risch zu sein obwohl even­tu­ell tief­ge­hen­de Dif­fe­ren­zen in poli­ti­scher Theo­rie und Pra­xis bestehen, sowie zu der wohl kräf­tigs­ten Spon­ti des bis­he­ri­gen Jah­res.

Der Vor­fall:

Repres­sio­nen sind, und waren es schon immer, die stärks­te Waf­fe des bür­ger­li­chen Staa­tes um gegen sei­ne Kritiker*innen und Gegner*innen vor­zu­ge­hen und jeden noch so klei­nen Akt des nicht-hin­neh­mens der kapi­ta­lis­ti­schen Ord­nung zu bestra­fen.
Beson­ders ger­ne wird hier­für der so genann­te „Schnüf­fel­pa­ra­graph“ 129a ange­wandt, der es Poli­zei und Ver­fas­sungs­schutz erlaubt die Struk­tu­ren wider­stän­di­ger Grup­pen unter Vor­wand des Ver­dachts auf Bil­dung einer „ter­ro­ris­ti­schen- oder kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung“ zu durch­leuch­ten.
Meist haben die dar­aus resul­tie­ren Anzei­gen kei­ner­lei recht­li­chen Fol­gen son­dern die­nen ledig­lich dazu Mate­ri­al (Tech­nik und Papier) zu beschlag­nah­men in der Hoff­nung genaue­res über Struk­tu­ren und Plä­ne zu erfah­ren.
Ähn­li­ches pas­sier­te bereits des Öfte­ren, jedoch ist die­ser Angriff der größ­te die­ser Art seit den Ermitt­lun­gen der „SoKo Schwar­zer Block“.
129a ist ein repres­si­ves Mit­tel, dass der Staat unein­ge­schränkt nut­zen kann um unse­re Struk­tu­ren anzu­grei­fen, zu schä­di­gen und auch ein­zel­nen Akti­vis­tis Repres­sio­nen anzu­hän­gen, wel­ches (wie immer) nahe­zu aus­schließ­lich gegen die radi­ka­le Lin­ke ein­ge­setzt wird.
Getrof­fen hat es dies­mal den Roten Auf­bau, doch gemeint waren (und sind) alle die den bür­ger­li­chen Staat und die Herr­schaft des Kapi­tals nicht hin­neh­men wol­len!
Auch der Angriff und die Erstür­mung der Woh­nun­gen von SEK-Bul­len mit Maschi­nen­ge­weh­ren gegen teil­wei­se schla­fen­de Men­schen ist völ­lig inak­zep­ta­bel und als wei­te­rer Ver­such des Staa­tes mit mas­si­ven Ein­schüch­te­run­gen Men­schen vom poli­ti­schen Enga­ge­ment abzu­schre­cken zu ver­ste­hen.

Aus­wer­tung der Spon­ti:

Auf uns wirk­te der Start­punkt der Spon­ti zu Anfang ver­wir­rend, einer­seits war es uns nicht ver­ständ­lich war­um der Roten Auf­bau sich aus­ge­rech­net die Rote Flo­ra als Start­punkt aus­such­te, obwohl er die­sen auto­no­men Frei­raum schon des Öfte­ren mas­siv kri­ti­siert und sel­ber auf­grund ideo­lo­gi­scher und per­sön­li­cher Dif­fe­ren­zen ein Ver­an­stal­tungs­ver­bot auf­er­legt bekom­men hat.
Zum ande­ren hat­ten wir bereits bei der geplatz­ten Syn­di­kat Solis­pon­ti am 7.August für uns das Fazit geschlos­sen, dass die Flo­ra stra­te­gisch ein denk­bar ungüns­ti­ger Start­punkt sei um sich selbst­be­stimmt die Stra­ße zu neh­men.
An diver­sen 1.Mai-Demos, Schan­zen­fes­ten und nicht zuletzt natür­lich bei den Schlach­ten des G20-Gip­fels konn­ten die Bul­len bereits umfang­rei­che Erfah­rung sam­meln wie die Schan­ze, ins beson­de­re das Gebiet um die Rote Flo­ra, wie­der unter Kon­trol­le zu brin­gen ist.
Anfangs sah es aus als ob, trotz deut­lich höhe­rer Teil­neh­mer­zahl, ein ähn­li­ches Sze­na­rio wie am 7.August ein­tre­ten wür­de, da die Bul­len wie zu erwar­ten auf bei­den Sei­ten des Schul­ter­blatts Wan­nen mit Hun­dert­schaf­ten posi­tio­niert hat­ten und auch den ers­ten Ver­such eini­ger Akti­vis­tis sich die Stra­ße zu neh­men mit ordent­lich Geschub­se und Gedrän­ge ver­hin­der­ten.
Als wir uns beim zwei­ten Ver­such die Stra­ße nah­men und unse­re Trans­pis ent­roll­ten, sah es für einen kur­zen Moment so aus, als wür­de die Lage eska­lie­ren, jedoch schien den Bul­len klar zu sein, dass es in der sowie­so schon auf­ge­heiz­ten Stim­mung ziem­lich knal­len könn­te und sie ent­schie­den sich dies­mal dage­gen eine sol­che Eska­la­ti­on zu ris­kie­ren.
Nach unge­fähr 15 Minu­ten an denen wir unse­re Wut in Form von Paro­len in die Schan­ze tru­gen, konn­te die, kurz­fris­tig ange­mel­de­te, Demo begin­nen.
Anmer­kung: Zwar gelang es uns nicht die Stra­ße völ­lig selbst­be­stimmt zu neh­men, jedoch war klar ersicht­lich das nur unse­re gro­ße Zahl und unse­re Ent­schlos­sen­heit die Bul­len dazu zwan­gen der im Zuge der anhal­ten­den (und aus dem Aspekt des Infek­ti­ons­schut­zes völ­lig unsin­ni­gen) Coro­na-Ver­samm­lungs­be­schrän­kun­gen stark erschwer­ten Spon­tan­an­mel­dung statt zu geben.
Die Rou­te führ­te uns zuerst durchs Schul­ter­blatt, wo wir von vie­len soli­da­ri­schen Anwoh­nen­den gegrüßt wur­den, dann über den Neu­en Pfer­de­markt und die Feld­stra­ße bis zu den Mes­se­hal­len und zwi­schen die­sen und dem Fleisch­groß­markt hin­durch zurück in die Schan­ze bis zur S‑Bahnstation, wo uns wie­der eini­ges an Soli­da­ri­tät ent­ge­gen­schlug.
Die Ent­schei­dung, die Spon­ti durch die Mes­se­hal­len lau­fen zu las­sen, ist eine Ent­schei­dung die etwas mehr beleuch­tet wer­den muss und an der es eini­ges zu kri­ti­sie­ren gibt.
Für die Bul­len wäre es hier, in völ­lig men­schen­lee­rer Groß­stadt­ge­wer­be­bra­che, ein leich­tes gewe­sen uns in den engen Stra­ßen zwi­schen den Hal­len zu kes­seln und mas­si­ver Repres­sio­nen zu unter­zie­hen, dass dies nicht geschah ver­dan­ken wir wohl nur der Unvor­be­reit­etheit der Bul­len auf unse­re Mas­se und Moti­va­ti­on.
Auch konn­ten wir hier nahe­zu kei­ne Men­schen mit unse­rem Anlie­gen errei­chen, da sich schlicht­weg nie­mand in die­sem Gebiet auf­hielt.
Posi­tiv jedoch war, und dies wird neben der kurz­fris­ti­gen geo­gra­fi­schen Rou­ten­pla­nung wohl der Grund für die­se Ent­schei­dung gewe­sen sein, dass sich tri­um­phie­ren­de Stim­mung Auf­bau­te nun mit­ten durch das Herz der Roten Zone des G20-Gip­fels zu zie­hen, wo damals tau­sen­de Bul­len mit schwers­tem Gerät die Dik­ta­tu­ren und Kriegs­ver­bre­cher die­ser Welt geschützt hat­ten.
Die am Anfang wahr­schein­lich unge­fähr 200 Men­schen gro­ße Men­ge schwoll bereits am Anfang der Spon­ti stark an und erreich­te zum Ende eine Men­ge von 500–600 Teil­neh­men­den.
Das nach nur weni­gen Stun­den Mobi­li­sie­rung im gesam­ten Spek­trum der radi­ka­len Lin­ken Ham­burgs so vie­le Men­schen zusam­men­ka­men ist der wohl größ­te Erfolg die­ses Tages und mach­te die Spon­ti zur größ­ten Demo der radi­ka­len Lin­ken seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie in Deutsch­land.
Auch im Bezug auf Coro­na, schaff­te es die Spon­ti sich gut von dem wider­li­chen und unso­li­da­ri­schen Auf­tre­ten der rech­ten- und rechts­of­fe­nen Verschwörungsideolog*innen* abzu­gren­zen, es wur­de die meis­te Zeit ein mit dem Infek­ti­ons­schutz ver­ein­ba­rer Abstand ein­ge­hal­ten und der obli­ga­to­ri­sche Mund-Nasen-Schutz, meist in Form von Schlau­chis, saß natür­lich auch fest.

Aus­blick:

Die wich­tigs­te Erkennt­nis die wir aus die­ser, sowie auch aus der Spon­ti durch die Ved­del und Wil­helms­burg am 19.August zum Hanau-Geden­ken, zie­hen soll­ten ist, das inner­halb der radi­ka­len Lin­ken bei allen (berech­tig­ten) Dis­pa­ri­tä­ten im Bezug auf Theo­rie, Pra­xis und ande­rem die stra­te­gi­sche oder zumin­dest tak­ti­sche Zusam­men­ar­beit mög­lich sein kann und auch sein muss.
Zur Solis­pon­ti für den Roten Auf­bau mobi­li­sier­ten spek­tren­über­grei­fend Lin­ke aus allen radi­ka­len Strö­mun­gen, von Auto­no­men Anti­fa Grup­pen über die post­au­to­no­me Lin­ke bis hin zu dog­ma­ti­schen Kommunist*innen*, ähn­lich sah es auch beim selbst­be­stimm­ten Hanau-Geden­ken aus, wo Auto­no­me sich gemein­sam mit Mit­glie­dern der PJH (wel­che in vie­len Punk­ten stark kri­ti­siert wer­den muss) die Stra­ße und das Recht auf ein anti­fa­schis­ti­sches Geden­ken nah­men.
Im Kamp­fe gegen den kapi­ta­lis­ti­schen Staat mit sei­nen Repres­sio­nen, gegen den gesell­schaft­li­chen Rechts­ruck, sowie gegen aggres­si­ven Neo­na­zis­mus muss klar sein, dass wir als radi­ka­le Lin­ke, auch wenn wir nicht unbe­dingt Freun­de oder auch nur Ver­bün­de­te sind, zusam­men­ste­hen müs­sen, wenn wir nicht einer nach dem ande­ren aus­ge­schal­tet wer­den wol­len.
Auch gut zu sehen war, dass die radi­ka­le Lin­ke auch nach der Coro­na-Pau­se und dem Ver­zich­ten auf grö­ße­re Aktio­nen aus Soli­da­ri­tät mit Men­schen aus Risi­ko­grup­pen nichts an ihrer Stär­ke und Ent­schlos­sen­heit ein­ge­büßt hat.
Die radi­ka­le Lin­ke bleibt stark und wird den Ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen und Faschis­ten nicht die Stra­ße über­las­sen son­dern sich die­se zurück­neh­men!

Kommt (je nach Wohn­ort) am 12.September zu einer der fol­gen­den Aktio­nen:

Ham­burg: „Stand­hal­ten gegen Repressionswelle&Klassenjustiz“, 18 Uhr, Ree­per­bahn
Ber­lin: „Frei­räu­me ver­tei­di­gen in der Offen­si­ve blei­ben“, 20 Uhr, Was­ser­tor­platz
Leip­zig: „Storm the fort­ress – Break all bor­ders!“, 16 Uhr, Eisen­bahn­stra­ße

Außer­dem fin­den am 19.September in meh­re­ren Städ­ten, unter ande­rem Ham­burg, Ber­lin und Leip­zig, Demos unter dem Mot­to „Wer hat der gibt!“ statt, wo in den Kiezen der Rei­chen klar gemacht wer­den soll, wer die Coro­na­kri­se zu bezah­len hat.
In Ham­burg ist der Start­punkt die­ser Demo um 18 Uhr am Damm­tor

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