[labournet:] 40 Jahre nach dem Militärputsch in der Türkei: Nachwirkungen

Das Logo einer Flüchtlingsinitiative aus der Türkei„… Nach­dem die Mili­tärs 1960 die Staats­macht für ledig­lich ein Jahr über­nom­men und 1971 for­mell gar kei­ne Macht­über­nah­me voll­zo­gen hat­ten, gin­gen sie 1980 über alles Bis­he­ri­ge deut­lich hin­aus. Die Regie­rung wur­de abge­setzt, alle Par­tei­en wur­den ver­bo­ten, füh­ren­de Politiker*innen erhiel­ten lan­ge Betä­ti­gungs­ver­bo­te. Ins­ge­samt wur­den über 650.000 Men­schen fest­ge­nom­men, von denen Tau­sen­de gefol­tert wur­den – über 170 Men­schen star­ben durch die Fol­te­run­gen. 517 Men­schen wur­den zum Tode ver­ur­teilt und fünf­zig­mal wur­de die Todes­stra­fe voll­streckt. Der lin­ke Gewerk­schafts­bund DISK war eine von über 23.500 Ver­ei­ni­gun­gen, die nach dem Mili­tär­putsch ver­bo­ten wur­den. Die Mili­tärs setz­ten eine neue Ver­fas­sung durch, die dem von ihnen kon­trol­lier­ten Natio­na­len Sicher­heits­rat wei­ter­ge­hen­de Kom­pe­ten­zen in der Außen- und Sicher­heits­po­li­tik gewähr­te. 1983 wur­den Par­la­ments­wah­len abge­hal­ten, bei denen die libe­ral-kon­ser­va­ti­ve «Ana­vatan Par­ti­si» («Mut­ter­lands­par­tei») sieg­te und die Regie­rungs­macht erlang­te. Das Land war durch den Putsch schein­bar in eine «Fried­hofs­ru­he» ver­setzt. (…) Die Ankunft der lin­ken Geflüch­te­ten in Deutsch­land poli­ti­sier­te die tür­ki­schen und kur­di­schen Com­mu­nities wei­ter. Als Reak­ti­on auf den schein­ba­ren Links­ruck der tür­kei­stäm­mi­gen Bevöl­ke­rung in Deutsch­land setz­te der tür­ki­sche Staat auf den Aus­bau sei­ner Struk­tu­ren in Deutsch­land. So wur­de etwa 1984 der Moschee­ver­band DITIB gegrün­det, wobei DITIB von der tür­ki­schen Reli­gi­ons­be­hör­de Diya­net kon­trol­liert wird und für die Ver­brei­tung der staat­lich kon­trol­lier­ten Les­art des Islams ver­ant­wort­lich ist. DITIB und ande­re tür­ki­schen Ein­rich­tun­gen soll­ten die als eher unpo­li­tisch ange­se­he­ne «Gastarbeiter»-Community, die in den 1960er und 1970er nach Deutsch­land migriert war, wie­der an den tür­ki­schen Staat anbin­den. Dies war teil­wei­se erfolg­reich und wir sehen bis heu­te eine Auf­spal­tung zwi­schen den Nach­kom­men der soge­nann­ten «Gastarbeiter*innen» einer­seits und den Nach­kom­men der poli­ti­schen Geflüch­te­ten ande­rer­seits...“ – aus dem Bei­trag „«Über alles Bis­he­ri­ge hin­aus»“ von Ismail Küpe­li am 11. Sep­tem­ber 2020 bei der Rosa Luxem­burg Stif­tung externer Link – der am Ende unter­streicht: „… So bleibt die Auf­ar­bei­tung des Mili­tär­put­sches von 1980 und deren Fol­gen eine wich­ti­ge Auf­ga­be, sowohl für lin­ke Kräf­te in der Tür­kei als auch für Lin­ke in Deutsch­land, die in der soge­nann­ten «post­mi­gran­ti­schen» Gesell­schaft quer über eth­ni­sche und kul­tu­rel­le Gren­zen für eine bes­se­re Gesell­schaft kämp­fen wol­len“.

Der Bei­trag 40 Jah­re nach dem Mili­tär­putsch in der Tür­kei: Nach­wir­kun­gen erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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